Tag 49: Ladybower zum Dog and Partridge Inn

Heute wird es vollends einsam werden. Wir werden durch gar keine Orte kommen und sowohl der Beginn als das Ende der Tour sind traditionelle Gasthöfe an Fernstraßen. Dazwischen befindet sich nichts als Wasser, Heide, Gras und Wald – Wildnis!

Die ersten neun Kilometer heute benötigen keine besonderen Navigationsfähigkeiten: Es geht zunächst am östlichen Ufer des Ladybower-Stausees vorbei, dann folgt der Weg rechts dem Dervent Reservoir und trifft dann auf das Howden-Reservoir. Diese drei Seen liegen aneinandergereiht im Tal des Derwent.

Die Seen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet, um die Wasserversorgung für Derby und die umliegenden Großstädte Sheffield und Nottingham zu sichern. Das Ladybower Reservoir hat sogar zwei Dörfer verschluckt. Derwent und Ashopton.

Heute ist jedoch nichts davon zu sehen. Das  Reservoir wirkt wie ein natürlicher See. Der Stausee ist gut gefüllt, keine hässliche Kante ist zu erkennen, wie wir das schon bei anderen Stauseen erlebt haben.

Ein breiter Schotterweg führt am rechten Seeufer entlang und ermöglicht ein angenehmes Gehen unter Bäumen bis zum Ende des Sees und zum Beginn des nächsten Stausee, des Derwent Reservoirs.

Die Mauer des Derwent Reservoirs ist besonders schön mit zwei Türmen verziert. Sie erinnern uns irgendwie an alte Inka-Türme.

Am Derwent Reservoir beginnt es zu regnen, aber nach einem kräftigen Schauer kommt zum Glück die Sonne raus. Im Verlauf des Tages wird es sogar richtig warm werden. Der erste T-Shirt-Tag in diesem Urlaub!

Unser „Alternative Pennine Way“-Führer rät, dem Howden Reservoir bis zu seinem Ende zu folgen und dann bei den Slippery Stones einen Pfad nach Osten einzuschlagen, um zum Langsett-Reservoir zu kommen, unserem nächsten Zwischenziel. Wir jedoch haben den Schotter satt und beschließen, uns schon am Howden Clough in die Berge zu schlagen.

Wir folgen also dem kleinen Bachlauf auf einem kleinen Pfad nach oben. Der Pfad führt ausgesprochen hübsch zuerst durch einen Wald, dann durch ein mit Heidekraut und kleinen Bäumen bestandenes Tal. Der Bach wurde hier zu kleinen Wasserbecken aufgestaut, die von Birken und Heidekraut umstanden sind.

Weiter oben verliert sich der Pfad auf einer großen Grasebene. Jetzt wird es auch ganz schön quappig unter den Füßen. Ein Pfad ist leider gar nicht mehr zu erkennen, aber die Grasebene begeistert uns: Die umliegenden Hügelflanken schillern in verschiedene Farbtönen von dunkellila über gelb bis hellbeige, fast weiß. Der Wind bewegt das Gras, es rauscht und riecht nach Heu.

Dank unserer GPS-Einrichtung auf unseren Mobiltelefonen schlagen wir die ungefähre Richtung zum Cut Gate ein. Tatsächlich treffen wir nach circa einer halben Stunde anstrengenden Stakens durch hohes Gras auf den eigentlichen Weg, der von den Slippery Stones hochkommt. Es mag sein, dass dieser Weg weniger anstrengend gewesen wäre, aber wir hatten unseren Spaß!

Der Weg zum Langsett Reservoir ist nun klar zu erkennen. Er scheint auch reichlich begangen zu werden, denn an einigen Stellen ist der Pfad richtig ausgewaschen. Wenn es frisch geregnet hat, muss es eine totale Schweinerei sein, hier durchzulaufen. So freuen wir uns, dass der Torf halbwegs trocken ist und wir mehr oder weniger trocknen Fußes das Langsett-Reservoir erreichen.

Unten im Tal macht es Freude, wieder einen Wald zu sehen. Wir folgen hier einem Weg, der in der OS-Karte als „Barnsley Boundary Walk“ ausgeschrieben ist. Einmal aus dem Wald heraus, geht es den restlichen Kilometer bis zu unserem Pub über einen Feldweg zur A628, an der das „Dog and Partridge Inn“ liegt. Wir amüsieren uns köstlich darüber, dass der Landlord den Weg mit großen Verkehrsschildern markiert hat, damit auch bloß kein Wanderer sich auf seinem Grundstück verläuft! 🙂

Schon bevor wir die A-Road errreichen, wundern wir uns über den Lärm, der hier herrscht. Beim Anblick der LKW-Kolonnen auf der Straße überkommt uns der Horror. Unglaublich, was für ein Verkehrsaufkommen auf der Straße herrscht! Du trittst heraus aus der Einsamkeit der Berge und dich trifft fast der Schlag!

Wir hatten wohl realisiert, dass der Pub an einer Straße liegt. Aber doch nicht an SO EINER! Egal. Weit und breit gibt es auch keine andere Unterkunft, also auf zum Inn. Wir laufen noch 200 Meter über den schmutzigen Grasstreifen am Fahrbahnrand. Das Dog and Partridge Inn wirkt wie eine Trucker-Raststätte an einem Highway in der Mojawe-Wüste: Kein Baum weit und breit, nur die Straße und das einsame Gebäude des Gasthofs.

Der Pub ist dann aber sehr schön. Wir haben ein tolles Zimmer im hinteren Teil des Gebäudes, so dass wir sogar bei geöffnetem Fenster schlafen können. Der Pub ist gemütlich und gut geführt und am Abend beobachten wir noch die Unmengen an Kaninchen, die hinter dem Haus ihre Purzelbäume schlagen. Auch Vogelfreunde hätten hier ihre wahre Freude – viele verschiedene Vögel drehen ihre Runden über dem Moor, wir können jedoch nur die Moorhühner und Schwalben bestimmen.

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