Zehn Gründe, 2300 Kilometer durch Großbritannien zu laufen

„Aber warum fahrt ihr denn immer nach England?!“

Freunde und Kollegen reagieren immer wieder verwundert über unser Wanderprojekt: 2300 Kilometer zu Fuß, immer in Großbritannien? Dabei ist die Insel das ideale Wanderland!
Im Gegensatz zu vielen anderen Langstreckenwanderern laufen wir die Strecke nicht in einem Stück, sondern in neun appetitlichen Häppchen: Immer im Mai und im Oktober sind Steffi und Friedel zwei Wochen auf dem Trail. Mittlerweile sind wir schon (fast) in Schottland angekommen und uns trennen nur noch 770 Kilometer von unserem Ziel.

Hier ist die Begründung für die Frage oben: Zehn Gründe, warum man in England wandern sollte!

1. Die Landschaften
Aaah! Die vielen Hecken. Moosbewachsene Mäuerchen. Sattgrüne Wiesen. Die uralten Bäume. Alte Fahrwege mit Kopfsteinpflaster. Endlose Moore in allen Grün- und Braunschattierungen. Bluebells. Alte Steinbrücken. Treidelpfade entlang stiller Kanäle. Nebel über tiefen Lochs. Steile, wolkenverhangene Berghänge. Wellenumtoste Klippen. Steinkreise. Das Meer.
Hier ist alles noch viel ursprünglicher. Landwirtschaftlich genutzt wie bei uns, natürlich. Aber längst nicht so versaut. Älter und wilder.

 

2. Die Wege
Noch in den 50er Jahren war es in GB überhaupt nicht selbstverständlich, dass Wanderer sich frei in der Natur bewegen durften. Seitdem ist aber ein Netz regionaler und überregionaler Wanderwege entstanden, das die Insel vom Süden bis zum äußersten Norden überzieht. So ist es möglich, sich größtenteils auf unbefestigten Wegen und Pfaden zu bewegen. Das ist angenehm für die Füße und auch für’s Auge! Durch die alten Wegerechte entstehen so teilweise kuriose Trails, die es so in Deutschland nie geben würde!
Ein Verzeichnis aller wichtigen Wanderwege in GB findet sich hier:
https://www.ldwa.org.uk/ldp/public/list_of_paths.php?sort_order=N

 

3. Die britischen Umgangsformen
Natürlich gibt es überall auf der Welt freundliche und weniger freundliche Zeitgenossen. Trotzdem denken wir, dass die Briten insgesamt höflicher und zuvorkommender miteinander umgehen als wir Deutschen. Zwar mussten wir uns zuerst daran gewöhnen, im Supermarkt „Love“ oder „Mate“ genannt zu werden oder daran, dass die Briten sich entschuldigen, wenn man ihnen im Weg steht. Auch sind wir zunächst entsetzt zurückgewichen, als uns wildfremde Wanderer auf das Wetter und die Wegqualität angesprochen haben. Aber spätestens als uns auf einem kleinen Campingplatz in Schottland Tee und Bisquits als Willkommensgeste für müde Wanderer angeboten wurden, tauten wir ein wenig für die britische Gastfreundlichkeit und die netten Umgangsformen auf. Seitdem genießen wir die freundliche Atmosphäre in Großbritannien und die kleinen, freundlichen Gespräche und Gesten, die zwar nicht unbedingt nötig sind, aber unsere Urlaube bereichern.

 

4. Die Inns, Hotels und Hostels
Was gibt es gemütlicheres als die typischen englischen Inns auf dem Land? Oder die altmodischen schlossartigen Hotels in Schottland? Hostels in ehemaligen Kirchen? Einige von ihnen sind über 600 Jahre alt, und in ihnen zu übernachten ist immer wieder ein Erlebnis. Zwar sind die Böden schief, Wasserhähne noch in Kalt und Warm getrennt, die Fenster schließen nicht richtig und es spukt, aber das hat Flair! Und wer mit schlammigen Schuhen und tropfnass in den Gastraum wankt, wird trotzdem freundlich empfangen.

 

5. Die Dörfer und Städte
Auch in England gibt es Autos – aber im Gegensatz zu Deutschland hat man die Orte nicht kaputtgemacht, um Platz für breite Straßen und Parkplätze zu schaffen. Hier gibt es sie noch: Enge Gassen, Dorfplätze, alte Steinbrücken. Auch die Häuser sind noch nicht alle dem Isolierungswahn zum Opfer gefallen. Also sind die Fassaden noch so, wie man sie aus Historienfilmen kennt – schief, verschnörkelt und originell.

 

6. Das englische Essen
Die Küche der Insel ist viel besser als ihr Ruf!
In den letzten Jahren ist viel passiert im Königreich: Selbst im einsamsten Pub in Yorkshire bekommt man ordentliche Mahlzeiten serviert. Natürlich stehen noch immer die Pub-Klassiker mit auf der Speisekarte: Fish and Chips, Steak and Ale Pie, Lamb Shank … wir mögen es! Aber fast jedes Restaurant oder Pub bietet mittlerweile auch viele vegetarische/vegane Gerichte und indische Currys an. Die Auswahl ist viel besser als bei uns auf dem Land und weitaus gesünder und leckerer.

Übrigens: Wer sich für das typisch englische oder schottische Frühstück entscheidet, der braucht bis zum Nachmittag nichts mehr!

 

7. Das Ale
Handgepumpt muss es sein – nicht lauwarm, aber auch nicht eiskalt!
Jede Region hat ihre besonderen Ales, es gibt sie in süßlich, bitter, hell, dunkel … und natürlich schmecken sie in einem stilvollen Pub viel besser als aus der Flasche. Nach einem langen Wandertag entspannt das Ale die Glieder und verleiht einem die nötige Bettschwere. Zu einem richtigen Urlaub gehört das Ale einfach dazu!

 

8. Das Wetter
Es stimmt nicht, dass es auf der Insel immer regnet!
Zwar mag es insgesamt mehr Niederschlag als in Deutschland geben, aber meistens regnet es nicht so stark und nicht so lange wie bei uns. Im typisch englischen Nieselregen muss man nicht mal die Regenjacke auspacken, die Softshelljacke reicht meist aus. Das feuchte, mittelwarme Klima der Insel sorgt für eine saftig-grüne Vegetation, im Süden gibt es sogar Palmen. Aber wer es gern heiß mag, der sollte vielleicht eher im Sommer wandern ..


9. Die Einsamkeit
Zwar leben auch in Großbritannien seeehr viele Menschen. Aber die halten sich eher in den Ballungszentren auf, so dass es auf dem Land wirklich einsam ist. Wenn wir unterwegs sind, treffen wir oft keine anderen Wanderer, den ganzen Tag nicht! Trotzdem ist es fast immer möglich, sich abends in einem gemütlichen Pub vor einem gemütlichen Kaminfeuer zu wärmen. Denn auch wenn das Dorf noch so klein ist – ein Pub gibt es fast immer! Es sei denn, man kommt in den äußersten Norden …


10. Traumhafte Übernachtungsplätze
Im Norden Schottlands, besonders auf dem Cape Wrath Trail werden die Orte und damit die Unterkünfte immer rarer – teilweise drei Tage am Stück werden wir auf keine Straße und keine Siedlungen treffen. Dort werden wir im Zelt oder in einem Bothy übernachten und abends statt im Pub auf der Isomatte sitzen. Aber dafür gibt es dann traumhafte Aussichten auf die Berge und die Lochs – Wenn denn das Wetter mitspielt und die Midges schon im Winterschlaf sind! 🙂

 

2 Antworten auf “Zehn Gründe, 2300 Kilometer durch Großbritannien zu laufen”

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