Tag 38: Craven Arms nach Much Wenlock

Am Vorabend sind wir gegen 20:30 Uhr in Craven Arms angekommen. Von Manchester haben wir direkt einen Zug genommen und mussten nur einmal in Creve umsteigen. Im Dezember sind wir schon mal nach Manchester geflogen, um die Weihnachtsferien im Lake District zu verbringen. Bei der Gelegenheit hatten wir die Stadt schon besichtigt.

Um einen lückenlosen Anschluss von der letzten Etappe, dem Offa’s Dyke in Knighton zu gewährleisten, hätten wir eigentlich in Knighton starten müssen. Aber dorthin wären wir so spät am Samstag nicht mehr gekommen. Da wir später den Offa’s Dyke auch noch zu Ende laufen wollen, werden wir ein anderes Mal die 20-Kilometer-Strecke von Craven Arms nach Knighton wandern – Vorerst geht es nach Nordosten!

Das Stokesay Inn in Craven Arms ist ein eine typische Pub-Unterkunft: Das Zimmer ist groß und bequem, und Abendessen, Ale und Frühstück sind somit garantiert: Ein guter Start!

Da das Frühstück erst um acht Uhr serviert wird, stehen wir am Morgen früh auf und statten noch vor dem Frühstück dem naheliegenden Stokesay Castle einen Besuch ab. Natürlich ist das Castle geschlossen, aber dafür haben wir es für uns allein! Im Frühlicht zwischen sieben Uhr und halb acht gelingen uns ein paar schöne Aufnahmen, auch der Friedhof neben dem Castle ist sehr hübsch. Das mag auch daran liegen, dass gleich am Morgen schon die Sonne lacht, und die Frühsonne ist für Fotos ja oft am schönsten.

Schon um neun Uhr sind wir auf dem Weg nach Wenlock Edge. Shropshire ist im Westen an der Grenze zu Wales eher bergig, wird jedoch in Richtung Osten immer flacher, bis es in das flache Gebiet der Midlands übergeht. Wenlock Edge ist eine Hügelkette, die weit bis in das Flachland hineinragt: Für uns die Gelegenheit, die Kilometer durch das nachfolgende eher unattraktive Flachland möglichst gering zu halten. Unser Ziel für heute ist Much Wenlock, das am Ende dieser Hügelkette liegt.

Als wir loslaufen, ist es noch „crisp“, wie der Engländer sagen wurde: Frisch. Der Frühling hier ist im Vergleich zu Deutschland mindestens zwei Wochen zurück. Mützenwetter!

Bis zum Weiler Strefford laufen wir auf unmarkierten öffentlichen Wegen in der Nähe des River Onny entlang. Hier entdecken wir schon, was uns in den Midlands insgesamt begeistert wird: Alte Bäume! Wir laufen über Wiesen den Fluss entlang, und immer wieder sehen wir alte Baumriesen – in Deutschland hätte man sie schon längst gefällt, weil sie im Weg rumstehn!

In Strefford geht es hoch, aber nicht zu arg. Circa 150 Meter „erhebt“ sich Wenlock Edge über die umgebende Landschaft. Genug, um einen grandiosen Ausblick zu beiden Seiten zu liefern. Außerdem ist hier Bluebell-Country: Das „Kleine Hasenglöckchen“ steht in Massen zwischen den Bäumen. Dank einer Website, die alle wichtigen Standorte des Hasenglöckchens in England aufführt, hat sich Steffi auch schon reichlich darauf gefreut und wird nicht enttäuscht!

Der Weg, auf den wir hier oben treffen, ist der Shropshire Way. Ihm werden wir im Verlauf des Tages größtenteils folgen, aber auch hin und wieder auf den Jack-Mytton-Way ausweichen, wenn uns dieser attraktiver erscheint.

Links und rechts des Weges öffnet sich die Landschaft vor uns, Wiesen, Hecken, Hügel. Rechts geht der Blick in die Ferne, bis auf die farnbestandenen Hügel des Long Mynd, rechts auf den Brown Klee Hill. Da die Bäume noch wenig belaubt sind, ist der Ausblick grandios.

Im Laufe des Vormittags wird es richtig warm, so dass wir gegen elf Uhr schon die erste Teepause im Sonnenlicht abhalten können. Gegen 14 Uhr kommen wir am Wilderhope Manor an, einem alten Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert, das nun als Jugendherberge genutzt wird. Der Bau ist trotz der öffentlichen Nutzung noch immer prächtig, und obwohl die Jugendherberge eigentlich erst wieder gegen Abend aufmacht, bekommen wir einen Kaffee und zwei Twix. Obwohl hier eigentlich Selbstbedienung angesagt ist, bekommen wir als ehrenhafte Wanderer den Kaffe sogar serviert! Wir genießen eine halbe Stunde im Sonnenlicht auf der Terrasse und führen noch ein nettes Gespräch mit dem Herbergsvater. Vielleicht sollten wir hin und wieder mal in einer Jugendherberge übernachten?

Am Nachmittag folgen wir ab Wilderhope Manor größtenteils dem Jack Mytton Way, der auf einem alten Bahntrack verläuft. Wir laufen gern auf Bahntracks: Sie sind größtenteils ebenerdig, es ist historisches Gelände und es gibt allerhand Abwechslungsreiches zu bestaunen, wie zum Beispiel alte Brücken, Bahnwärterhäuschen, alte Bahnhöfe .. ähnlich interessant sind auch Wege an Kanälen entlang 🙂

Von Wilderhope Manor bis nach Much Wenlock sind es noch mal knapp zwölf Kilometer, aber auf diesem angenehmen Untergrund ist das kein Problem. Gegen Abend gibt es kurz vor unserem Ziel noch tolle Ausblicke im goldenen Abendlicht in Richtung Nord.

Wir übernachten im Gaskell Arms, einem der drei größeren Gasthöfe in Much Wenlock. Der Gasthof wirkt konservativ-gediegen, mit einem hübschen Biergarten im Hof, in dem wir gegen 17:30 Uhr unser Willkommens-Ale trinken. Heute war ein langer Wandertag zum Einstieg, aber dank des angenehmen Geländes und des schönen Wetters haben wir ihn grandios gemeistert!

 

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