Tag 50: Dog and Partridge Inn (Flouch) nach Marsden

Heute Morgen beim Frühstück sind außer uns nur zwei Handwerker beim Frühstück. Dies ist sehr lecker und finden es schade, dass der Pub abseits des Pennine Way liegt. Der gut geführte Pub hätte wesentlich mehr Gäste, wenn er an der Hauptroute liegen würde.

Wir sind glücklich und dankbar, dass wir nicht am Rande der furchtbaren Straße weiterlaufen müssen, sondern der „Barnsley Boundary Walk“ etwas abseits der A-Road verläuft. Links haben wir immer die Autokolonnen im Blick – dort braust und dröhnt es gewaltig. Lenkt man aber den Blick nach rechts, so erstreckt sich hier die „Wüste“, soweit das Auge reicht. Unglaublich für den Mitteleuropäer, was hier für Flächen brachliegen! Unser Weg verläuft hier zweispurig, bis wir bei „Fiddlers Green“ zum Windleden Reservoir abbiegen. Grün ist hier um die Jahreszeit gar nichts, aber in der Sonne sehen auch die Brauntöne auf den umliegenden Hügeln gut aus.

Das nächste Reservoir kommt gleich eineinhalb Kilometer weiter. Am Winscar Reservoir laufen wir über die Staumauer. Links unter der Mauer liegt der Ort Dunford Bridge – wie muss das sein, im Schatten einer großen Staumauer zu wohnen? Von oben sieht der Ort jedenfalls sehr hübsch aus.

Am Ende der Staumauer folgen wir einem Pfad am nördlichen Ufer des Sees. Hier verläuft der Pfad auf kleinen Platten zwischen hohem Gras und Binsen. Plötzlich hören wir ein Keuchen und das Gras teilt sich vor uns: Ein Nacktjogger! Nun ja, ein kleines Höschen hat er schon noch an .. aber trotzdem sehr tapfer bei den Temperaturen. Die Engländer sind echte Helden!

Nach dem Winscar Reservoir gibt es noch einen kleineren, zweiten Stausee, aber wir verlassen das Ufer und laufen ein Teersträßchen nach Snittlegate hoch. An einer Kreuzung treffen wir auf den Holme Valley Circular Walk, dem wir nun folgen. Unglaublich, wie viele verschiedene markierte Weg es hier gibt!

Wir laufen in einen hübschen Kiefernwald, der unseren Augen eine nette Abwechslung bietet. Mittlerweile ist es zwölf Uhr und die Sonne knallt ganz ordentlich. Da wir keine Sonnencreme dabei haben, muss Steffi sich schon schützen – dem Friedel macht die Sonne bekanntlich nicht so viel aus.

Im „Hades“ haben wir den tiefsten Punkt erreicht, hier verläuft ein hübscher Bach in einer tiefen Schlucht. nach Danach folgt „Elysium“ – Na, da ist ja wieder alles in Ordnung!

Von nun an laufen wir quasi immer am Rand des Nationalparks entlang. Unser Zwischenziel lautet Holme an der A6024. Durch Wiesen und Weiden geht es auf dem Kirklees Way bis zum Brownhill Reservoir. Mittlerweile ist es richtig heiß geworden! Von Weitem sehen wir die Häuserreihen von Holmbridge, erster Vorposten einer städtischen Zivilisation.

Wir bleiben auf jeden Fall auf dem Kirklees Way, bis wir an der A635 -Tatatataaa! – auf den Pennine Way treffen. Natürlich machen wir hier Fotos mit den typischen verwitterten Wegweisern aus Holz mit dem charakteristischen Eichelsymbol.

Der Pennine Way – berühmt und berüchtigt! Einst als englische Antwort auf den amerikanischen Appalachian Way konzipiert (aber nur ein Siebtel so lang), führt er 429 Kilometer durch den Höhenzug, der quasi das Rückgrat Englands ausmacht. Berüchtigt ist er, weil er THE HELM ausgesetzt ist und damit als notorische Schlechtwetterzone gilt. Zweitens bestehen die Höhenzüge größtenteils aus Torfboden, der einen besonderen Hang zur Erosion hat. Wanderer berichteten in der Geschichte des Weges immer wieder von Schlammschlachten nach Regengüssen, einige sollen sogar auf immer im Torfboden versunken sein! 🙂

In letzter Zeit wurden an besonders von der Erosion betroffenen Stellen sogenannte „Slabs“ verlegt, also Steinplatten, die das schlimmste Einsinken verhindern sollen. Die Puristen untern den englischen Wanderern lehnen diese aber total ab, weil sie dem Pennine Way sein Wildnis-Feeling nehmen würden. Schließlich sollen nur die ganz Harten sich rühmen können, den berüchtigten Weg in seiner gesamten Länge durchschritten zu haben! Wir sind also gespannt, was uns der Weg bringen wird.

Heute folgen wir dem Weg jedoch nur drei Kilometer. Hinter dem Wessenden Reservoir biegt der Pennine Way ab nach Standedge. Wir jedoch folgen dem Kirklees Way nach Marsden. Der Pennine Way ist uns heute nur in Form eines breiten Schotterwegs begegnet. Da haben wir aber mehr erwartet!

Die letzten Kilometer nach Marsden – entlang weiterer Reservoirs *gähn* – sind dann auch nicht spektakulärer. Der Weg ist weit, heiß und staubig.

Hat uns Marsden gefallen? Wir können es gar nicht sagen, denn der Ort bietet weder besondere Schönheiten, noch ist er besonders hässlich. So betrachten wir Marsden vor allem als Nachtlager und freuen uns über unseren (mittelmäßigen) Pub und ein kühles Bier am Abend!

Tag 49: Ladybower zum Dog and Partridge Inn

Heute wird es vollends einsam werden. Wir werden durch gar keine Orte kommen und sowohl der Beginn als das Ende der Tour sind traditionelle Gasthöfe an Fernstraßen. Dazwischen befindet sich nichts als Wasser, Heide, Gras und Wald – Wildnis!

Die ersten neun Kilometer heute benötigen keine besonderen Navigationsfähigkeiten: Es geht zunächst am östlichen Ufer des Ladybower-Stausees vorbei, dann folgt der Weg rechts dem Dervent Reservoir und trifft dann auf das Howden-Reservoir. Diese drei Seen liegen aneinandergereiht im Tal des Derwent.

Die Seen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet, um die Wasserversorgung für Derby und die umliegenden Großstädte Sheffield und Nottingham zu sichern. Das Ladybower Reservoir hat sogar zwei Dörfer verschluckt. Derwent und Ashopton.

Heute ist jedoch nichts davon zu sehen. Das  Reservoir wirkt wie ein natürlicher See. Der Stausee ist gut gefüllt, keine hässliche Kante ist zu erkennen, wie wir das schon bei anderen Stauseen erlebt haben.

Ein breiter Schotterweg führt am rechten Seeufer entlang und ermöglicht ein angenehmes Gehen unter Bäumen bis zum Ende des Sees und zum Beginn des nächsten Stausee, des Derwent Reservoirs.

Die Mauer des Derwent Reservoirs ist besonders schön mit zwei Türmen verziert. Sie erinnern uns irgendwie an alte Inka-Türme.

Am Derwent Reservoir beginnt es zu regnen, aber nach einem kräftigen Schauer kommt zum Glück die Sonne raus. Im Verlauf des Tages wird es sogar richtig warm werden. Der erste T-Shirt-Tag in diesem Urlaub!

Unser „Alternative Pennine Way“-Führer rät, dem Howden Reservoir bis zu seinem Ende zu folgen und dann bei den Slippery Stones einen Pfad nach Osten einzuschlagen, um zum Langsett-Reservoir zu kommen, unserem nächsten Zwischenziel. Wir jedoch haben den Schotter satt und beschließen, uns schon am Howden Clough in die Berge zu schlagen.

Wir folgen also dem kleinen Bachlauf auf einem kleinen Pfad nach oben. Der Pfad führt ausgesprochen hübsch zuerst durch einen Wald, dann durch ein mit Heidekraut und kleinen Bäumen bestandenes Tal. Der Bach wurde hier zu kleinen Wasserbecken aufgestaut, die von Birken und Heidekraut umstanden sind.

Weiter oben verliert sich der Pfad auf einer großen Grasebene. Jetzt wird es auch ganz schön quappig unter den Füßen. Ein Pfad ist leider gar nicht mehr zu erkennen, aber die Grasebene begeistert uns: Die umliegenden Hügelflanken schillern in verschiedene Farbtönen von dunkellila über gelb bis hellbeige, fast weiß. Der Wind bewegt das Gras, es rauscht und riecht nach Heu.

Dank unserer GPS-Einrichtung auf unseren Mobiltelefonen schlagen wir die ungefähre Richtung zum Cut Gate ein. Tatsächlich treffen wir nach circa einer halben Stunde anstrengenden Stakens durch hohes Gras auf den eigentlichen Weg, der von den Slippery Stones hochkommt. Es mag sein, dass dieser Weg weniger anstrengend gewesen wäre, aber wir hatten unseren Spaß!

Der Weg zum Langsett Reservoir ist nun klar zu erkennen. Er scheint auch reichlich begangen zu werden, denn an einigen Stellen ist der Pfad richtig ausgewaschen. Wenn es frisch geregnet hat, muss es eine totale Schweinerei sein, hier durchzulaufen. So freuen wir uns, dass der Torf halbwegs trocken ist und wir mehr oder weniger trocknen Fußes das Langsett-Reservoir erreichen.

Unten im Tal macht es Freude, wieder einen Wald zu sehen. Wir folgen hier einem Weg, der in der OS-Karte als „Barnsley Boundary Walk“ ausgeschrieben ist. Einmal aus dem Wald heraus, geht es den restlichen Kilometer bis zu unserem Pub über einen Feldweg zur A628, an der das „Dog and Partridge Inn“ liegt. Wir amüsieren uns köstlich darüber, dass der Landlord den Weg mit großen Verkehrsschildern markiert hat, damit auch bloß kein Wanderer sich auf seinem Grundstück verläuft! 🙂

Schon bevor wir die A-Road errreichen, wundern wir uns über den Lärm, der hier herrscht. Beim Anblick der LKW-Kolonnen auf der Straße überkommt uns der Horror. Unglaublich, was für ein Verkehrsaufkommen auf der Straße herrscht! Du trittst heraus aus der Einsamkeit der Berge und dich trifft fast der Schlag!

Wir hatten wohl realisiert, dass der Pub an einer Straße liegt. Aber doch nicht an SO EINER! Egal. Weit und breit gibt es auch keine andere Unterkunft, also auf zum Inn. Wir laufen noch 200 Meter über den schmutzigen Grasstreifen am Fahrbahnrand. Das Dog and Partridge Inn wirkt wie eine Trucker-Raststätte an einem Highway in der Mojawe-Wüste: Kein Baum weit und breit, nur die Straße und das einsame Gebäude des Gasthofs.

Der Pub ist dann aber sehr schön. Wir haben ein tolles Zimmer im hinteren Teil des Gebäudes, so dass wir sogar bei geöffnetem Fenster schlafen können. Der Pub ist gemütlich und gut geführt und am Abend beobachten wir noch die Unmengen an Kaninchen, die hinter dem Haus ihre Purzelbäume schlagen. Auch Vogelfreunde hätten hier ihre wahre Freude – viele verschiedene Vögel drehen ihre Runden über dem Moor, wir können jedoch nur die Moorhühner und Schwalben bestimmen.