Tag 46: Fenny Bentley nach Youlgreave

ES GEHT WIEDER! Wie man auf der Karte unschwer erkennen kann, haben wir heute wieder ordentlich Kilometer geschafft. 🙂

Am Morgen wissen wir das allerdings noch nicht. Wir überlegen uns vielmehr verschiedene Exit-Strategien, falls Friedels Knie unterwegs wieder den Dienst verweigern. An bestimmten Wegabschnitten wäre es zum Beispiel möglich, ein Taxi zu rufen, zum Beispiel in Milldale am Ende des Dove Dales oder in Heathcote am Ende des Biggin Dales, wenn wir auf eine Straße treffen.

Jaaa, wir sind in den Dales! Besonders auf das Dove Dale haben wir uns schon lange gefreut, also versuchen wir heute auf jeden Fall, wenigstens dieses erste Tal zu schaffen. Durch das Dove Dale führt kein markierter Wanderweg, aber schon Andrew McCloy hat die Route durch dieses besonders malerische Tal gewählt, und auch Mark Moxton war voll des Lobes darüber.

Von Fenny Bentley aus laufen wir zunächst auf demselben Weg wie gestern zurück zum Tissington Trail, überqueren diesen aber nur und laufen über Wiesen und eine kleine Teerstraße zum Dorf Thorpe. Von hier aus ragen plötzlich die ersten grasbewachsenen Kegelberge des Peak Districts hervor. Steinmauern und jede Menge in der Sonne spielende Lämmer erinnern uns an unsere Tour durch die Yorkshire Dales auf dem Coast to Coast Walk. Hübsch, hübsch, hübsch! Wir haben also das Flachland tatsächlich überwunden. Von nun an bleibt es bis Schottland hügelig bis bergig!

Als wir den Parkplatz am Eingang zum Dovedale erreichen, trifft uns dann aber fast der Schlag – MENSCHENMASSEN sind unterwegs! Na klar, heute ist der erste Tag eines langen Wochenendes, die Sonne lacht und es ist das Dove Dale! Tapfer reihen wir uns in den Fluss der Menschen ein, der aber zum Glück nach den Stepping Stones schon nachlässt. Das haben wir schon öfters bemerkt: Wandere von einem Parkplatz aus in einer Menschentraube los, nach drei Kilometern bist du dann aber schon wieder allein.

Von der Geografie her erinnert das Dove Dale viel an unsere Trockentäler auf der Schwäbischen Alb. Aber im Gegensatz zu diesen fließt hier ein sehr hübsches Flüsschen durch das Tal, die Dove.

Je höher wir dem Flusslauf folgen, desto enger und eingewachsener wird das Tal. Große Höhlen erinnern ebenfalls an die Alb: Sowohl die Schwäbische Alb als auch die Felsen im Peak District bestehen aus Jura-Gestein, weshalb man die Gegend hier auch „White Peak“ nennt, nach dem charakteristischen hellen Kalkstein. Dieser ist wasserdurchlässig, sodass sich im Verlauf der Erdgeschichte unterirdische Kanalsysteme durch den Kalk gefressen haben. Erkennbar ist dies an den vielen Höhlen, von denen aber heute viele kein Wasser mehr führen.

Ungefähr in der Mitte des Tals kommen wir in den entzückenden Weiler Milldale, bis hierher wollte sich Friedel auf jeden Fall schleppen. Der Ort besteht aus malerischen Cottages aus grauem Kalkstein, die kleinen Gärten sind allesamt typisch englisch gestaltet. Wir finden es sehr angenehm, dass die Bewohner kein Disneyland aus ihrem Ort gemacht haben, es gibt nicht einmal ein Café, nur einen Kiosk, der Kaffee verkauft. Wir erstehen je einen und auch noch ein paar Flapjacks, die wir uns auch gleich einverleiben wollen. Leider findet sich kein freies Bänkchen, und da es gerade zu regnen begonnen hat, wollen wir uns auch nicht ins nasse Gras setzen. So verzehren wir unsere Zwischenmahlzeit im Stehen und machen, dass wir weiterkommen.

Auf dem Weg zum Biggindale beginnt es richtig zu schütten, aber was soll’s. Is’ halt England, nä?

Am Dalehead angekommen, hört es aber schon wieder auf. Als wir in Heathcote ankommen, hätten wir eine erneute Möglichkeit zur Beendigung der Tour, aber Friedel zeigt sich tapfer – Die letzten acht Kilometer nach Youlgreave will er nun auch noch schaffen.

Ursprünglich wollten wir den von Andrew McCloy vorgeschlagenen Weg durch das Gratton Dale nehmen, aber das wären dann insgesamt 31 Kilometer, zu weit. Also geht es von Heathcote aus ein Stück über den bereits bekannten Tissington Trail und dann über kleine Nebenstraßen nach Middleton.

Regen und Sonne wechseln sich ab und es entsteht eine schöne Stimmung beim Ausblick auf das Bradford Dale. Sogar einen doppelten Regenbogen können wir über dem Tal bewundern.

Der letzte Abschnitt durch das Bradford Dale ist noch mal ganz besonders schön. Dunkel geht es von Middleton aus nach unten, die Talsohle ist voll von moosigen Steinen und Mauern. Der River Bradford führt uns direkt bis nach Youlgreave hinein. Am Ende laufen wir an zwei Fischteichen vorbei, und schon sind wir im Ort.

Das Farmyard Inn ist ein Fuchsbau! Der Schankraum ist unglaublich eng und verwinkelt, aber als Residents können wir einen Tisch reservieren. Selbstverständlich ist das nicht: An diesem Wochenende sind besonders viele Touristen unterwegs, denn dies ist ein Bank Holiday Weekend. Das bedeutet, dass am Montag ein Feiertag ist und dementsprechend viele Engländer an so einem Wochenende eine Kurzreise unternehmen. In der Zukunft werden wir darauf achten und rechtzeitig alles buchen, so nehmen wir uns vor.

Zum Glück hat das Farmyard Inn seine Gästezimmer in einem kleinen Anbau neben dem Hauptgebäude. So verbringen wir eine ruhige Nacht, auch wenn unser Fenster zum Parkplatz rausgeht. Nach den 27 Kilometern sind wir aber auch so erledigt, so dass wir gut schlafen! Überhaupt ist das ein sehr netter Pub, das Farmyard Inn ..

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