Vorgeschichte

vorspannWir lieben es zu laufen. Streckenwandern ist für uns die ideale Art, uns zu entspannen, uns körperlich fit zu halten und die Natur und die Umgebung mit allen Sinnen zu erleben. Wenn man läuft, dann sieht man nicht nur die Umgebung, man riecht sie, fühlt sie, hört sie. Laufen unterscheidet sich auch vom Radfahren, bei dem man viele Eindrücke am Wegesrand nicht wahrnimmt und nicht einfach mal so anhält, um z.B. einen Pilz zu bestaunen … vielleicht ist es die Qualität der Langsamkeit, die uns so reizt.

Unser letzter Urlaub mit dem Auto war 2008 in Irland. Zwar haben wir technisch „viel gesehen“, aber die langen Fahrten über enge „Trollstraßen“ stressten uns extrem. Auch störte uns, dass wir bei Wanderungen immer zum Ausgangspunkt zurückkehren mussten. Also nahmen wir uns vor, in unserem nächsten Urlaub komplett auf das Auto zu verzichten.

Nachdem wir erste Erfahrungen mit Mehrtageswanderungen zuhause auf dem HW1 (Albsteig) und auf dem Schluchtensteig gesammelt hatten, gingen wir als erste Urlaubswanderung den Westweg an. Jedoch fielen wir in eine Art Loch, als der Weg beendet war. Wie schade! Wie wäre es, wenn wir im nächsten Urlaub einfach weiterlaufen würden?

So entstand unser erstes Projekt: Von Baden-Württemberg zum Mittelmeer. Bis Lausanne sind wir gelaufen, jedoch kam uns dann England dazwischen …

Im Internet las ich über Wainwrights Coast to Coast Walk in England. Die Vorstellung, diesen Weg zu wandern, begeisterte mich und ließ mich das Mittelmeer zunächst vergessen: Von der Westküste zur Ostküste in nur einem Urlaub, am Meer starten, am Meer ankommen, was für eine wunderbare Idee!

Auch die Landschaften auf dem Weg sahen verlockend aus: Die Küsten, die Gipfel des Lake-Districts, die grünen Täler der Yorkshire Dales und die Moorebenen des North York Moors, und das alles in vierzehn Tagen!

Wir wanderten den Weg mit zwei Freundinnen im Mai 2014 (siehe Kapitel „A Coast to Coast Walk“) und sind seitdem geradezu süchtig nach Großbritannien (siehe Kapitel „Warum gerade in England wandern?“). All unsere Wanderurlaube verbringen wir seitdem auf der Insel.

In ungefähr der Mitte des Weges, im kleinen Dorf Keld in den Yorkshire Dales, kreuzten wir den Pennine Way. Diesen allgemein als „Toughest Way in England“ bezeichneten Weg würden wir ebenfalls eines Tages laufen, das nahm ich mir fest vor.

Unser nächstes Ziel im Herbst 2014 war jedoch erst einmal Wales, wo wir die erste Hälfte des „Offa’s Dyke Path“ und des „Glyndwr’s Way“ liefen. Beide Wege sind einsam und landschaftlich sehr reizvoll, und die restlichen Abschnitte der beiden Wege werden wir auf jeden Fall in der Zukunft auch noch laufen. Doch dann las ich in der Winterzeit einige interessante Bücher: Andrew McCloys „Land’s End to John o’ Groats“ und den Blog von Mark Moxon zum gleichen Weg.

Wieder packte mich die Begeisterung, als ich davon las: England von West nach Ost war schon interessant, aber wie toll wäre es denn, Großbritannien in seiner ganzen Länge lang zu durchwandern, also von Cornwall nach Nord-Schottland, und beides mit dem Pennine Way zu verbinden?

Jedes Jahr wandern hunderte Briten und Nichtbriten diesen legendären „LEJOG“ genannten Weg in einem Stück und es gibt nicht wenige Wanderberichte und Bücher dazu. Sehr populär sind sogenannte „Charity Walks“, bei denen man den Weg läuft, um damit Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Auch diverse Geschwindigkeitsrekorde oder verrückte Wanderarten wurden bereits verzeichnet. So ist z.B. ein Japaner den kompletten Weg rückwärts gelaufen!

Für uns war jedoch klar, dass wir die ca. 1500 bis 2000km (zwei bis drei Monate ist man im Schnitt unterwegs) nicht in einer einzigen langen Wanderung bewältigen können und wollen. Als normale angestellte Arbeitnehmer ist unser Jahresurlaub begrenzt, auch wandern wir am liebsten zwei Wochen am Stück, aber dafür mehrmals im Jahr.

Dadurch dass wir die Wanderung nicht in einem bestimmten Zeitfenster schaffen mussten, konnten wir es uns leisten, den Weg möglichst attraktiv und abwechslungsreich zu planen. Das hieß für uns: Vermeide Teerstraßen, nimm möglichst viele schöne Landschaften und Pfade mit und besichtige auch noch die eine oder andere schöne Stadt oder Burg in der Nähe, nimm dafür sogar einen Umweg in Kauf.

Jetzt ging es an die Planung, und da war ich so richtig in meinem Element: Ich liebe es einfach, die Details einer Tour zu planen! Stundenlang kann ich über Karten brüten, Etappen festlegen, mögliche Unterkünfte auskundschaften.

So wurde mir relativ schnell deutlich, dass es zwei eher unattraktive Gebiete zu überwinden gilt: Das Flachland zwischen Somerset und dem Beginn der Pennines, und das Ende der Wanderung, in Schottland von Inverness zu John o’ Groats. In Schottland gibt es keinen interessanten Wanderweg zur Nordost-Spitze und alle Wanderer müssen hier ziemlich viel Teer treten.

Auf der anderen Seite gibt es einen sehr reizvollen, aber auch harten Weg in den Norden: Den Cape Wrath Trail. Dieser Weg führt in 320 Kilometern von Fort William bis an die westliche Spitze Schottlands, zum Cape Wrath. Da wir den Weg für uns laufen und nicht, um irgendeine LEJOG-Plakette oder Urkunde zu erhalten, änderten wir unseren LEJOG (Land’s End to John oGroats) kurzerhand in einen LECW (Land’s End to Cape Wrath) um.

Jetzt begann für mich der superspannende Teil der Planung: Wo genau laufen wir? Wie viele Kilometer können wir in welchem Gelände locker laufen? Wo übernachten wir? Welche Sehenswürdigkeiten wollen wir unterwegs auf keinen Fall verpassen? Und: Wie können wir möglichst bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Start- und Endpunkten unserer 12- bis 15-tägigen Wanderungen gelangen?

Nach langer Planung und mehrmaligem Hin-und Hergeschiebe: We proudly present: „Steffis and Friedels LECW in neun Abenteuern!“

Übersicht: Der LECW-Plan

Die Abschnitte, die wir schon hinter uns haben:

Abschnitt 1: South West Coast Path: Land’s End to Tintagel

Abschnitt 2: SWCP Tintagel-Washford

Abschnitt 3: Somerset und Wales

Abschnitt 4: Die Midlands und White Peak

Abschnitt 5: The Pennine Way

Abschnitt 7: Glasgow Area und der Rob Roy Way

(auch oben im Menü „Land’s End to Cape Wrath“ auswählbar)

Ein paar Anmerkungen zur Technik:

Das Abenteuer „WordPress-Blog“ ist nicht zu unterschätzen! Aller Anfang ist schwer – aber langsam und beständig geht es hier tage- oder abschnittsweise weiter! Und im Laufe der Zeit tritt bestimmt auch ein Lerneffekt ein. Wir bloggen zu zweit – Steffi ist „Reiseführerin“ und „Autorin“, ich steuere die Fotos bei, mache das „Lektorat“, kommentiere und bringe das Gesamtwerk hier in den Blog. Meine Kommentare und Ergänzungen im Text erscheinen immer kursiv. Neben dem Hauptthema, dem LECW, werden wir auch in eigenen Kapiteln das ganze Umfeld betrachten: Ausrüstung, Verkehr, Wetter, Navigation, Fotografie, weitere Wanderungen, etc. – vielleicht sogar den BREXIT!?  

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