Tag 51: Marsden nach Littleborough

Heute ist der letzte Tag unserer sehr abwechslungsreichen Urlaubs. Die ersten fünf Kilometer und 200 Höhenmeter Aufstieg werden wir brauchen, um wieder auf den Pennine Way zu stoßen. Die nächsten sieben Kilometer werden wir auf diesem verbringen, um dann wieder vier Kilometer zum Bahnhof nach Littleborough abzusteigen. Eine besonders effektive Art, den Pennine Way zu wandern ist das nicht! 🙂

Die Sonne lacht heute wieder. Den Weg durch Marsden verbringen wir recht angenehm: Zunächst geht es am Huddersfield Narrow Canal entlang, bis dieser samt Bahnstrecke in einem Tunnel verschwindet. Der Standedge-Tunnel ist spektakulär: Er verläuft in vier parallelen Röhren fünf Kilometer lang unter der Erde. Drei Röhren sind für die Bahn, eine Röhre ist eine Kanaldurchfahrt. Wir stellen uns vor, wie schaurig es 1811 gewesen sein muss, den Tunnel im Dunkeln zu durchfahren.

Wir folgen nun dem Standage-Trail weiter bis zur Close Gate Bridge. Zunächst geht es  entlang des Colne-Flüsschens auf einem attraktiven Fußpfad weiter, so dass wir keinen Asphalt treten müssen. Das letzte Stück bis zur Brücke geht es dann aber doch über eine Straße, und zwar steil nach oben!

Die Brücke selbst ist eine hübsche einbogige Steinbrücke in einem hübschen Tal. Hinter der Brücke beginnt ein unmarkierter Trampelpfad, der uns nach drei Kilometern zur A640 und damit zum Pennine Way führen wird. Es geht über eine weite, grasbestandene Hochebene, teilweise durch sumpfiges Gelände. Wir freuen uns, dass die Sonne scheint und der Boden relativ ausgetrocknet ist. Bei Regen muss der Weg ein echtes Abenteuer sein! Heute aber macht es Spaß, durch die Graswüste zu laufen.

An der A-Road hat uns die Zivilisation wieder. Wir hoppeln wie die Hasen über die vielbefahrene Straße – et voilà, der Pennine Way!

Zum White Hill geht es ordentlich bergauf. Während wir bisher heute noch niemanden getroffen haben, kommen uns auf dem Stück bis zum White Hill gleich drei Pärchen entgegen. Wow, und das an einem Donnerstag Anfang Mai. Hoffentlich bleibt das nicht so!

Nach White Hill wird es grauenhaft: Wir müssen zunächst eine weitere A-Road überqueren, und dann auch noch den Motorway 62. An der A-Road gibt es einen Parkplatz, an dem mitten im Niemandsland ein kleiner Kaffee-Caravan steht. Sage und schreibe fünf Wanderer sitzen vor dem Wagen an einem Picknicktisch und frühstücken!

Wir gehen jedoch weiter, an Gasfördertürmen (sic!) vorbei und dann über eine Brücke über die sechsspurige Autobahn. Diese schlängelt sich wie eine Schlange durch die wüstenartige Landschaft, irre!

Direkt nach der Gruppe führt der Weg sofort wieder wieder durch wildes Land, abgesehen von dem Getöse der Autobahn, das uns noch lange verfolgt.

Richtig schön wird es noch einmal am Blackstone Edge. Wir laufen durch eine Landschaft voller großer Steine, die im Sonnenlicht grau-grünlich schillern. Ein einsamer Gitarrenspieler sitzt an der Kante und klimpert vor sich hin. Er genießt die tolle Aussicht, so wie wir. Wir verbringen einige Zeit zwischen den Steinen, fotografieren und genießen unsere letzte Teepause in den Pennines.

Am Aiggin Stone (einem alten Stein, von dem man nicht genau weiß, warum und wann jemand das Gesicht in den Stein geritzt hat) verlassen wir den Pennine Way und steigen ab. Wir nehmen eine alte römische Straße, die als Teil des Pennine Bridleways ausgezeichnet ist. Deutlich sind die Pflastersteine der alten Straße, sogar die Rinnsteine zu erkennen. Tatsächlich habe ich bei näherer Recherche erfahren, dass die aktuelle „Straße“ wohl von ca. 1735 stammt. Hier wurde halt überbaut und überbaut und überbaut …

Aber wie immer, wenn wir historisches Gelände betreten, überkommt uns irgendwie ein feierliches Gefühl. Der Weg führt und so oder so bequem nach unten. Auf halber Höhe treffen wir auf die A58. Die wollen die jedoch verständlicherweise nicht nehmen und folgen weiter dem Pennine Bridleway nach Lydgate. Hier treffen wir auf einen der furchtbarsten Wege, die wir je getroffen haben: Der Weg ist durch Kühe tief eingeschnitten, wir versinken in Schlamm und Kuhscheiße. Es ist kaum möglich, sich an den Rand zu retten, auch der ist total verschissen. Als wir endlich den Hof Lydgate (Grrrrr!) und die Straße erreichen, nehmen wir uns vor, beim nächsten Mal auf keinen Fall hier wieder in den Weg einzusteigen. Vermeide Lydgate unter allen Umständen!

Der Rest des Weges bedeutet zwei Kilometer Pflastertreten bis Littleborough. Schon um 14:30 Uhr erreichen wir den Bahnhof und eine Stunde später sind wir in Manchester City. Herausgerissen aus der Natur versuchen wir, den Rest des Tages „naturverbunden“ zu verbringen: Wir erlaufen am Nachmittag in Manchester verschiedene Kanäle, die sozusagen als Parallelwelt neben der oberen Stadt existieren. Faszinierend, und dafür mögen wir Manchester!

Direkt an unserem „Premier Inn“ verläuft der Ashton Canal. Dieser würde uns irgendwann zum Huddersfield Narrow Canal führen und damit zurück bis nach Marsden. So ein Kanal übt auf uns eine Faszination aus, die eine Route 66 nie erreichen würde …

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