Bei uns zuhause: Tibetische Mönche!

Diese vier ehrwürdigen Herren sind zehn Tage in unserer örtlichen Volkshochschule zu Gast. In filigranster Feinarbeit streuen Sie ein tolles Sand-Mandala und sammeln dabei Spenden für die Kinder einer Schule in ihrer nordindischen Exilheimat.

Das Mandala am zweiten Tag
Das Mandala am vierten Tag

Sie beginnen und enden jeden Arbeitstag mit einer sogenannten “Puja”, einem Morgen- und Abendgebet. Das bringt Segen in unsere etwas verwahrloste Altstadt – und die kann es wirklich brauchen!
Nach Möglichkeit sind Friedel und ich jeden Abend live dabei.

Die Puja

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So sieht das repräsentative Leben der vier Mönche hier in Geislingen aus: Die Mönche streuen nach der Puja für zweieinhalb Stunden am Morgen. In der zweistündigen Mittagspause werden sie auf Spendenbasis von der örtlichen Gastronomie mit einem Mittagessen versorgt. Am Nachmittag streuen sie nochmals bis 17:00 Uhr und lassen den Tag dann mit dem Abschlussritual ausklingen.

Geshe (Meister) Gilek, Geshe Rinzin, Geshe Wangail und Geshe Tsondus haben aber auch ein Privatleben. Und das findet bei uns statt! 🙂

Wir stellen vor: Geshe Gilek, Geshe Wangail, Geshe Rinzin und Geshe Tsondus

Für die zehn Tage in Geislingen wohnen die vier nämlich bei uns! Sie frühstücken in unserer Küche, entspannen mittags in unserem Wohnzimmer und sitzen am Abend mit uns zusammen am Küchentisch.
Logistisch ist es gar nicht so einfach, neben der Arbeit vier erwachsene Männer mit exotischen Essgewohnheiten zu versorgen. Kalte Vesper am Abend – nicht bei uns!
Sie frühstücken ganz “normal” mit Brot, Marmelade, Honig und Nutella. Sogar unseren grünen Darjeeling und auch Kaffee mögen sie inzwischen ganz gern.
Am Abend kochen wir zwei dann reichlich Reis, Kartoffeln, Gemüse, Tofu, Dal-Linsen und Paneer-Käse. Am Wochenende aber versorgen die Mönche uns!

“Momos”, gefüllt mit Paneer, Zwiebeln, Pilzen, Brokkoli und dazu Gemüsesuppe und ein Tomaten-Chili-Dipp – mmhhh!

Die Herren sind privat wirklich unheimlich herzlich, lustig und locker.
Nach dem Essen verbringen wir gern noch ein wenig Zeit zusammen. Die Mönche erzählen gern Witze und Rätsel und spielen auch gern. Wir haben von ihnen ein tibetisches Kartenspiel gelernt und wir haben ihnen “Kniffel” beigebracht. Gestern Abend haben wir den ganzen Abend gepokert – aber natürlich nicht um Geld!

Die Mentorin und Organisatorin des Programms, “Amala” Linde, die Mönche und wir

 

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Bei dem Schmuddelwetter konnten wir die vier Herren allerdings noch nicht für eine Wandertour begeistern … 🙂

Samstagswanderung zum Kahlenstein

Geislingen – Geiselstein – Kahlenstein – Ostlandkreuz – Geislingen (11 Kilometer)

Weg hoch zum Geiselstein – es hat schön geraschelt!

Jeden Wochentag fahre ich mit dem Zug zur Arbeit ins sechzig Kilometer entfernte Stuttgart. Viele Kollegen können absolut nicht verstehen, warum ich denn so weit weg an der Alb wohne. Na, um solche Wanderungen wie heute zu machen!

Aussicht vom Geiselstein
Blick über die Geislinger Steige nach Amstetten

Für uns als eingefleischte Wanderfexe ist es das Größte, bei so einem schönen Herbstwetter einfach nur aus der Haustür zu treten und mitten in den Bergen zu sein!
Heute laufen wir wieder eine unserer Standard-Runden: Durch die Schrebergärten hoch zum Geiselstein und dann über die Albhochfläche über den Kuchberg zum Kahlenstein.

Der Zeugenberg im Hintergrund: Der Hohenstaufen

Der Pfad an der Albkante zum Kahlenstein ist wurzelig und steinig, aber wie immer schön wild!

Hier oben ist es recht windig, aber – was für ein Wetter! Und was für eine Aussicht!

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Unten: Bad Überkingen

Einen kleinen Abstecher machen wir noch zur Kahlenstein-Höhle, die leider immer vergittert ist. Man kann sie jedoch im Rahmen einer Führung des Geislinger Höhlenvereins besichtigen.

An der Höhle

Zurück geht’s wieder an der Albkante entlang über das Ostlandkreuz zurück nach Hause.
Die Bilder hat Friedel übrigens heute mit einem alten Objektiv gemacht. Daher der Charme und die Farben der Achtziger. Hat aber auch was! 🙂

Abstieg zurück ins Städtle

Zurück in unserem Städtle begrüßt uns wieder der Ödenturm. Den sehen wir sogar von unserem Wohnzimmerfenster aus!

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Zuhause angekommen, wird’s zunehmend wolkiger und es beginnt sogar zu regnen. Wir sagen nur: Gutes Timing! 🙂

Runter vom Sofa!

Vier Wochen war die Steffi krank – Jetzt hüpft sie wieder, Gottseidank!

Wie erinnern uns: Vor fast genau einem Monat habe ich mir auf dem Frankenweg zwei Bänder am rechten Fuß gerissen. Die Rückfahrt mit dem Zug nach Geislingen war eine echte Tortour und der Chirurg im Krankenhaus in Geislingen hat mich erst mal für eineinhalb Wochen auf das Sofa geschickt – So viel habe ich schon lange nicht mehr gelesen! 🙂
Eine Woche konnte ich nur auf einem Bein hüpfen, eine Woche musste ich mit Krücken laufen und dann ging es schon wieder auf zwei Füßen weiter – aber nur mit Bandage. Heute endlich haben Friedel und ich wieder eine erste kleine Tour gewagt. Zwar nur aus der Haustür raus und einmal fünf Kilometer den Berg hoch und wieder runter – aber schön wild war’s!
Nächstes Wochenende gehen wir dann die 15 Kilometer an! 🙂

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Albhochfläche
Die Geislinger Burgruine Helfenstein

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DDLN Etappe 35: Von Kulmbach nach Kronach

24.09.2019: 25 Kilometer

Heute ist der kürzeste Anmarsch zum Frankenweg überhaupt: Er führt direkt an dem Pferdehof vorbei, wo wir heute übernachtet haben. Der Schwärzhof ist ein urgemütlicher Bauernhof mit kleiner Gastwirtschaft und wir haben mit unserem Gastwirt beim Frühstück noch nett geplaudert. Er hat uns freundlicherweise auch erlaubt, uns unterwegs als “Wegzehr” an seinen Birnen zu bedienen,, aber sie waren uns dann doch zu knurpsig.

Der Morgen ist heute nebelverhangen – es tropft von den Bäumen, für uns hat dieses Wetter jedoch einen besonderen Reiz: Es ist kühl, aber nicht kalt, und gerade im Wald duftet es harzig und moosig. Die Farben leuchten, auf den Gräsern und Farnen glitzern die Regentropfen – und die Wege stauben heute nicht so! 🙂

Wir befinden uns mittlerweile an der Grenze zum Naturpark Frankenwald (nach dem Schwäbisch-Fränkischen Wald und der Fränkischen Schweiz), und der Wald verändert sich: Wie im Schwarzwald sind wieder mehr Nadelbäume vorherrschend, in der typischen Kombination mit Moosen und Blaubeeren – und das Ganze etwas urtümlicher und wilder. Tolle, geheimnisvolle Stimmung, und einsamer wird es auch!

Bei gutem Wetter soll die Aussicht vom Patersberg-Turm phänomenal sein, aber heute sehen wir nur eine weiße Suppe über dunklem Grün.

Eine sehr lange Strecke laufen wir dann an der Kante der Mühlbergleite entlang, rechts Felder und Windräder, links vermutlich tolle Aussichten – aber nicht heute. Eine ruhige Passage mit der typischen Weite der Alb-Hochflächen.

Kurz vor dem Abstieg nach Weißenbrunn kommen wir am Samelstein vorbei, einem Relikt aus dem frühen Mittelalter, das eine Art Grenzstein oder ein Büßerstein war.

Der steile, lange Abstieg nach Weißenbrunn entpuppt sich mal wieder als echte Überraschung – der Frankenweg auf unsere Outdoor-Active-Karte verläuft im Tal der Schlottermühle, der markierte Weg (dem wir folgen) verläuft deutlich oberhalb am Hang entlang…und ist bestimmt einen Kilometer länger, hmmpf.

Weißenbrunn ist leider ein ungastliches Dorf: Die einzige Bäckerei hat geschlossen, der Ort wird dominiert von einer großen, dampfenden Brauerei.

Nicht ausgelastet von dem Aufstieg auf den Kronacher Berg steigen wir noch die 90 Stufen des Lukas-Cranacher-Turms hinauf, dem mit nur 4000 Reichsmark errichteten billigsten Aussichtsturm Bayerns, um etwas mehr zu sehen als heute früh … naja 🙂

Kronach erreichen wir entlang der Haßlach, über einen großen Park mit allerlei Skulpturen und Plastiken – sieht toll aus, warum bekommt Geislingen sowas nicht hin? Naja, hier war 2002 eine Landesgartenschau.

Kronach ist mit seinem nahezu unversehrten mittelalterlichen Stadtbild und der Festung Rosenberg sicherlich eines der High-Lights auf dem Frankenweg. Zuerst steigen wir in die obere Stadt auf und genehmigen uns den obligatorischen Kaffee und Kuchen – dann einchecken, duschen, Stadtbesichtigung, so der Plan…

…nur leider übersieht Steffi im Hotel eine Stufe im Gang – das endet dann so:

…und beendet unseren Wanderurlaub drei Tage vor dem geplanten Ende, aber passend zum Einbruch der Schlechtwetterfront. Neues Abenteuer: Wie kommen wir morgen zum Bahnhof!? 🙁

DDLN Etappe 34: Von Weismain nach Kulmbach

23.09.2019: 28 Kilometer

Eigentlich wollten wir heute nur 25 Kilometer laufen – aber dann haben wir uns doch noch Kulmbach angesehen und waren deshalb drei Kilometer länger unterwegs!

Als wir am Morgen in Weismain starten, scheint noch die Sonne und es ist schon angenehm warm. Aber für heute ist Regen angesagt, und das nicht zu knapp!

Wir können das kaum glauben, so schön wie es noch ist. Der Weg ist auch gleich toll: Wir sind sofort raus aus der Stadt und laufen auf weichen Waldwegen bis Niesten. Hier gibt es wieder viele Felsen und hoch über dem schön gelegenen Dörfchen thront auf dem Felsen eine Burgruine.

Weiter geht es durch ein enges, felsiges Tal nach oben, wo uns am Talausgang die Gräfinnen-Höhle begeistert. Natürlich muss ich hinaufklettern, traue mich aber nur ein paar Meter herein. Im weiteren Verlauf sieht die Höhle unangenehm eng aus …

Langsam bezieht sich der Himmel und es wird ein wenig windig. Aber zum Glück beginnt es erst gegen 13 Uhr zu regnen.

Nach dem Dorf Görau beginnt der Görauer Anger, das nächste Highlight unserer heutigen Tour. Die karge, felsige Karsthöhe bietet weite Aussichten über den Frankenwald, das Fichtelgebirge und bis zum Thüringer Wald. Links und rechts des Weges finden sich sogenannte Dolinen, große Trichter im Fels. Diese entstehen durch Auswaschungen und Einstürze des Felsgesteins. Wir kennen sie schon vom Pennine Way, aber in Deutschland haben wir nur selten gesehen.

Überhaupt erinnert uns die karge Höhe an die Pennines, allerdings gibt es dort keine Dolomitenkiefern, soviel wir wissen … 🙂

Nach dem Anger folgt ein echter Kniekracher-Abstieg durch einen alten Hohlweg steil nach Lindenberg. Bis nach Peesten geht es durch den Wald, meistens über den obligatorischen Schotter. Keine Ahnung, woher die fränkische Vorliebe für groben, staubigen Schotter kommt …

Das Laufen auf diesem steinigen Untergrund ist nicht nur hart, sondern auch ziemlich anstrengend. Wenn die Steine groß sind, tun einem irgendwann die Füße weh. Ist der Schotter feiner, rutscht man bei jedem Schritt ein wenig zurück, ähnlich wie bei Sand. Außerdem nervt das ewige Knartsch-Knartsch-Geräusch und der Staub. Jeder Bauer, der es sich hier leisten kann, schottert seine Wege. Der Schotter ist hier scheinbar ein echtes Statussymbol!

In Peesten bewundern wir die beeindruckende Tanzlinde, die hier sogar einen zweiten Stock hat. Tatsächlich finden hier im Geäst der Linde noch immer traditionelle Volkstanz-Veranstaltungen und Theater-Abende statt.

Der Frankenweg geht über Felder und durch kleine Wäldchen recht abwechslungsreich weiter, aber leider beginnt es gegen 13 Uhr zu regnen. Wir sehen zu, dass wir schnell unter einem Baum unsere Mittagspause einlegen, bevor alles ganz nass ist. Außerdem holen wir zum ersten Mal in diesem Wanderurlaub unsere Regensachen raus. Ds wäre ja auch zu ärgerlich gewesen, wenn wir die die ganz Zeit unbenutzt herumgeschleppt hätten! 🙂

Die Regenmenge hält sich jedoch in Grenzen. Wir können noch in aller Ruhe ein wenig am Zusammenfluss des roten und weißen Mains zum “Main” verweilen. Interessant: Das Wasser des Roten Mains ist wirklich ein wenig rot, das des Weißen Mains aber eher grün. Von der Brücke aus kann man sehen, wie sich die unterschiedlichen Wasser mischen.

Bisher war die Wanderung toll, aber nun folgt ein eher unangenehmer Abschnitt: Der Weg durch die weitläufigen Mainauen ist noch ganz nett, wenn auch ein wenig langweilig. Danach geht es länger auf dem Radweg entlang einer Bundesstraße entlang, aber immerhin gibt es den Radweg. Der Frankenweg führt eigentlich nicht ins Zentrum Kulmbachs, sondern nördlich um die Stadt herum. Wir aber sind noch ganz fit und kommen auf die glorreiche Idee, doch noch nach in die Stadt hineinzulaufen. Zum einen lockt uns die Aussicht auf ein Café, zum andern wollen wir noch Proviant besorgen.
Jetzt wird’s fies: Wir krabbeln unter einem niedrigen Torbogen unter der Bahnlinie durch und finden einen schmalen Trampelpfad, der uns in ein riesiges Industriegebiet vor den Toren der Stadt führt. Hier laufen wir zwei Kilometer auf der nassen Straße weiter, vorbei an Autohändlern, Waschstraßen und Fabriken. Die Straße hat keinen Gehsteig und vermutlich ist hier nie ein Fußgänger unterwegs, Bei jedem vorbeifahrenden LKW springen wir an die Seite, wenn dies denn möglich ist. Entbehrlich!

Wir laufen auch am riesigen Arreal der berühmten Kulmbacher Brauerei vorbei und schaffen es endlich in die Innenstadt.

Kulmbach wirkt erstaunlich großstädtisch auf uns: Eigentlich ist die Stadt kleiner als unsere Wahlheimat Geislingen, aber die Stadt ist ein Oberzentrum der Region, und das merkt man. Hoch über der Stadt thront die Plassenburg, ein mächtiger Festungsbau der Renaissance. Wir steigen aber nicht hinauf, denn mittlerweile regnet es ordentlich. Stattdessen steuern wir das nächste Café an und trocknen bei Kaffee und Streuselkuchen.

Der Weg zu unserer Unterkunft aus Kulmbach heraus ist dann ähnlich unerfreulich wie der Anmarsch. Wir passieren Media Markt, Autoteile Unger und McDonald’s. Aber immerhin kommen wir auch an einem Netto vorbei, die Mittagspause morgen ist somit gerettet.

Wir sind froh, dass wir heute außerhalb der Stadt wohnen. Unsere Unterkunft ist nebenbei ein Arabergestüt und liegt direkt am Frankenweg. Zum Abendessen habe ich vor der Tour schon einen netten Brauereigasthof gegenüber recherchiert. Hier lassen wir es uns richtig gutgehen. Morgen soll das Wetter auch wieder besser sein!

DDLN Etappe 33: Von Lichtenfels nach Weismain

22.09.2019: 20 Kilometer

Extremer kann der Unterschied zwischen unseren Unterkünften gestern und heute nicht sein: Gestern haben wir in einem modernen Bushotel an einer Ausfallstraße von Lichtenfels genächtigt, mit angeschlossener Diskothek und italienischem Restaurant. Heute in Weismain übernachten wir in einem verwinkelten Oma-Gasthof mit angeschlossenem Café. Ratet mal, wo es uns besser gefällt! 🙂

Der Tag heute – fast schon ein halber Pausentag! “Nur” zwanzig Kilometer und “nur” 570 Meter Steigung. Was können wir von heute Besonderes berichten? Eigentlich nichts! Erst gibt es viel Wald, dann eine Hochfläche mit den klassischen geschotterten Wegen, dann wieder viel Wald, dann wieder eine Hochfläche mit viel Sonntagsverkehr und geschotterten, besonders staubigen Wegen …

Auf unser typischen Skala ist heute ein “neun von zehn-Tag”. Zehn bedeutet, dass es uns top geht und wir superfit und motiviert sind. Eins” bedeutet die totale körperliche und mentale Erschöpfung. Diese Skala fragen wir uns mehrmals täglich ab. Der bedenklichste Wert in diesem Urlaub war bisher “sieben”, das war vorgestern … 🙂

Die Tanzlinde in Isling

In den Gasthof “Kordigast Süd” kehren wir wieder nicht ein, es gibt keinen freien Tisch mehr. Stattdessen finden wir einen netten Picknickplatz für unsere Mittagspause, an dem aber plötzlich immer mehr Autos parken. Oh, wir sitzen an einem Wanderparkplatz!

Es ergibt sich das eine oder andere kurze Gespräch mit Sonntagsausflüglern: Unsere Rucksäcke erregen scheinbar Aufsehen. “Na, heute schon eine kleine Runde gedreht? Was, bis zum Rennsteig? Schafft ihr das heuer noch?” Ich muss Friedel erst erklären, dass “heuer” dieses Jahr bedeutet. Er kennt nur den “Heurigen”, den ich wiederum nicht kenne … 🙂

Ansonsten: Ein schöner, entspannter Wandertag. Es muss nicht immer Burgen geben!

Eins ist blöd: Der Frankenweg führt uns nicht auf den großen Kordigast, sondern unterhalb der Hochfläche vorbei. Erst später lesen wir auf einer Infotafel, dass es sich um einen Tafelberg mit Resten einer keltischen Wallanlage handelt. Das Ding ist total zugewachsen und wir haben von Weitem gar nichts davon gesehen. Jetzt sind wir aber schon weit unterhalb der Anlage und haben keine Lust mehr, wieder aufzusteigen. Mmpf!

Der Weiße Main in Weismain

Weismain ist mal wieder so ein Straßendorf, durch das der Verkehr braust. Die Umgehungsstraße ist aber schon fast fertig und die kleine Stadt hat trotzdem Flair. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Hauptstraße fast platzartig gestaltet ist und die Fußwege am Marktplatz so breit sind, dass noch Platz für die Außengastronomie vorhanden ist. Hier kommen wir endlich zu unserem Eiskaffee und einem Apfelkuchen. Friedels Kommentar: “Endlich mal ein normaler Urlaubstag!” Er meint: In der Sonne in einem Café sitzen, die Leute beobachten, nichts tun. Das haben wir uns auch wirklich mal verdient!

DDLN Etappe 32: Von Scheßlitz nach Lichtenfels

21.09.2019: 26 Kilometer

Zwar hat uns Scheßlitz nicht so gefallen, aber unser Hotel dafür umso mehr: Wir haben in einem netten Apartment unter dem Dach genächtigt und fernab vom Lärm der Straße vorzüglich geschlafen. Das Abendessen war das Beste, das wir auf dieser Tour bis jetzt hatten.

Jedoch schleppen wir heute Morgen schwer an unseren Aldi-Einkäufen. Die müssen wir schnell vertilgen!

Heute Morgen ist es wärmer als in den letzten Tagen. Schon kurz nach dem Ort geht es im Wald gut bergauf und wir wechseln sogleich in unsere T-Shirts. Tatsächlich sind heute neben uns noch andere Wanderer unterwegs – und es werden immer mehr!

Die Pfade sind heute Vormittag wieder schön waldig. Auf der Mätzenhöhe haben wir wieder einen schönen Blick über die Mainebene. Die Hochebene erinnert uns wieder sehr an die Schwäbische Alb: Viele Steine, viel Wachholder und Magerrasen.

Allerdings sind wir ein wenig schockiert, wie trocken hier alles ist. Scheinbar hat es hier schon lange nicht mehr geregnet, was ja auch in den Medien thematisiert wurde. Bei uns auf der Alb haben wir dieses Problem bisher noch nicht registriert.

Auf dem Weg zum Marienberg geht es wieder durch ein Trockental. Von der Darstellung auf der Karte haben wir eine alte Festung erwartet, aber die Anlage ist eher jüngeren Datums: Es handelt sich um einen ehemaligen Nato-Stützpunkt mit Abwehr-Raketen. Nun wird das mit einem Doppelzaun abgeriegelte Arreal als katholisches Begegnungszentrum genutzt, zwischendurch war es ein Trappisten-Kloster. Eine wirklich interessante Transformation, finden wir. 🙂

Wir verkneifen uns den Kaffee und Kuchen im Naturfreundehaus Am Dornig, wir haben ja so viel Essen dabei. Stattdessen legen wir eine nette Pause im Schatten an einem Picknicktisch vor einer Hütte ein.

Kurz vor dem Dorf Loffeld schwant uns Böses: Vom Hang aus sehen wir auf einen mächtigen Tafelberg – der Staffelberg. Autsch, da steht uns was bevor! Der Berg ist fast kahl und die Sonne knallt mittlerweile ordentlich. Nun geht es erstmal steil 200 Meter runter in den Ort Loffeld und von dort aus gleich wieder 250 Meter bergauf. Erst ist der Weg schottrig, dann wurzelig und zuletzt supersteil und steinig. Uuufff!

Oben angekommen trifft uns der Schlag. Wir haben einen totalen Kulturschock, denn auf der Hochebene ist der Teufel los! Neben der Kapelle gibt es eine kleine Restauration mit drei Biergärten, die alle proppevoll sind. Vor der Verkaufstheke steht eine Schlange mit geschätzten fünfzig Leuten. Hatten wir beim Aufstieg noch schwitzend über Johannisbeerschorle phantasiert, ergreift uns hier oben ein Fluchtreflex. Hiiilfe, ist das Oktoberfest nicht weiter südlich in Bayern?

Wir verzichten erneut auf eine Erfrischung und laufen auf der anderen Seite des Berges nach unten, folgen weiter unserem Frankenweg. Hier kommen uns Schwärme von Ausflüglern entgegen: Der Berg ist auf dieser Seite viel weniger steil und die Parkplätze sind nicht weit.

Weiter geht es über eine Hochebene, auf einem breiten, staubigen Schotterweg, bar jeden Schattens. Je weiter wir kommen, desdo weniger Volk kommt uns entgegen: Wir haben unseren Frankenweg wieder!

Um nach Lichtenfels zu kommen, müssen wir vier Kilometer vom Frankenweg abweichen. Etwas weiter hatte ich drei mögliche Gasthäuser angemailt, aber keines hat mit geantwortet, deshalb dieser Umweg. Zum Glück führt uns der Weg über einen schönen Aussichtspunkt mit Blick auf das Kloster Vierzehnheiligen.

Danach geht es steil einen wunderschönen Waldweg hinab in den Ort. Morgen müssen wir den ganzen Weg wieder zurück. Wir freuen uns schon darauf! 🙂

DDLN Etappe 31: Heiligenstadt nach Scheßlitz

20.09.2019: 22 Kilometer

Auch heute haben wir wieder bestes Wetter: Morgens ist es ziemlich kalt, aber ab 10 Uhr wird es wieder warm.

Heute verlassen wir das Felsenland. Von Heiligenstadt aus gibt es nur noch ein paar im Wald verborgene und vermooste Einzelgänger. Den vermeintlich letzten fotografieren wir kurz nach Heiligenstadt – aber später treffen wir auf noch ein paar!

Von der Hochebene aus haben wir einen schönen Blick auf die Burg Greifenstein – die haben wir gestern noch gar nicht gesehen!

Wir wandern durch eine Felder und Wiesen und immer wieder mal durch Wald. Die Gegend ist nicht spektakulär, aber schön zu laufen: Geschotterte Wege wechseln sich ab mit weichen Waldwegen oder grasigen Pfaden an Wiesen entlang. Überall summt und singt es.

Besonders schön ist es nach der Heroldsmühle. Hier führt uns der Weg an Fischteichen entlang und dann in ein enges Trockental, das uns ein wenig an die Limestone Dales im Peak District erinnert – nur gibt es hier mehr Wald.

Heute haben wir beide mit kleinen Zipperlein zu kämpfen. Friedels linke Hüfte knackt, wenn es bergauf geht. Bei mir klemmt ein Nerv am linken Fuß und ein Spannungsgefühl zieht sich bis zum Po. Den ganzen Tag versuchen wir, diese Probleme wegzudehnen, zu entspannen oder die Geharten zu variieren. Tatsächlich schaffen wir es zumindest, dass die Beschwerden nicht schlimmer werden, sondern zeitweise sogar verschwinden. Früher hätten wir nicht gewusst, wie wir mit solchen körperlichen Problemen hätten umgehen können. Ein Vorteil beim Wandern ist, dass man sich und seinen Körper besser kennen – und wahrzunehmen lernen kann. Das müssen wir auch, denn wir wollen ja noch eine Woche weiterlaufen. Aber auch bei uns hat dieser Lernprozess einige Zeit gedauert und ist noch lange nicht abgeschlossen! 🙂

Am späten Morgen wird der Weg ein wenig dröge: Im Dorf Lebarös (welch ein Name!) kämpfen wir uns durch eine Großbaustelle und auf den Feldern dahinter werden wir von Erntefahrzeugen eingepudert. Das liegt auch daran, dass die Feldwege hier aus extrem staubigem Schottermehl bestehen, was das Laufen auch schwierig macht. So sind wir erstmalig richtig froh, bald wieder Asphalt unter den Füßen zu haben und den Treckern entkommen zu sein … 🙂

Richtig schön wird es wieder kurz vor dem Gügel, einem felsigen Berg mit einer Wallfahrtskirche. Von hier oben hat man eine weiten Blick über die Mainebene und auf unser nächstes Ziel, die Giechburg. Vor allem aber gibt es hier einen Biergarten mit Kaffeeausschank und Zwetschgenkuchen!

Steile Stufen und dann ein grasiger Pfad führen uns zunächst nach unten und gleich wieder rauf zur Burg. Auch heute ist der Frankenweg nicht von Pappe!

Jetzt sind es nur noch trödelige drei Kilometer bis nach Scheßlitz. Wir laufen bis kurz vor den Ort durch Wald und es gibt auch keinen langen Ortseinmarsch. Im Zentrum dann aber trifft uns der Schock: Durch Scheßlitz braust der Schwerverkehr, bestimmt beten die Einwohner für eine Umgehungsstraße. Die Gehsteige sind extrem schmal und schon fast gefährlich vor allem für Fußgänger mit Rucksäcken.

Die Scheßlitzer fahren vermutlich eh nur Auto, denn alle Supermärkte befinden sich an einer Ausfahrstraße eineinhalb Kilometer außerhalb des Ortes. Leider müssten wir heute Proviant aufstocken und traben die drei Kilometer zusätzlich bis zum Aldi ab. Danach haben wir echt die Nase voll von dem Straßendorf und verziehen uns in unser Hotel. Das Sightseeing sparen wir uns heute. Prost!

DDLN Etappe 30: Auf dem Frankenweg von Behringersmühle nach Heiligenstadt

19.09.2019: 25 Kilometer

Toll, toller, noch toller!

Als wir am Morgen loslaufen, sind die Wiesen überfroren. Heute Nacht waren es minus ein Grad und jetzt sind es immerhin üppige fünf!

Beim Marsch durch das Wiesent-Tal freuen wir uns über jeden Flecken Sonne. Aber weil wir stramm losmarschieren, reichen unsere langärmligen Merino-Pullover und die dünnen Windbreaker-Jacken von Montane noch aus. Diese Jacken sind überhaupt Gold wert!

Der Weg führt uns über einen waldigen Pfad gemütlich immer am Fluss entlang, bis zur Riesenburg. Hier geht es zum ersten Mal steil bergauf – und das wird nicht das letzte Mal heute sein!

Auf die Riesenburg haben wir uns schon seit Tagen gefreut – und wir haben sie ganz für uns allein!
Die Versturzhöhle ist tatsächlich bombastisch. Über steile Treppen geht es durch mehrere “Hallen” nach oben: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Herrenzimmer … alles für Riesen!

Oben treffen wir eine lustige Herrengruppe, alle jenseits der Sechzig. Wir sind erstaunt, dass wir ihnen über mehrer Kilometer kaum entkommen können. 🙂
Wirklich rüstig, die Herren. Hoffentlich sind wir in 15 Jahren auch noch so fit!

Von nun an folgen wir den Wegweisern des Frankenwegs und sind erstaunt, dass der markierte Pfad erheblich von unserer Karte abweicht: Auf der Karte verläuft der Frankenweg über die Hochebene, aber der markierte Pfad bewegt sich an den Felskanten entlang. Der Weg ist auf jeden Fall so schöner, aber extrem anstrengend. Es geht über Stock und Stein ständig auf und ab, und das über Kilometer!

Gut, dass wir uns an den markierten Frankenweg halten: Dieser führt einmal direkt durch die Oswaldhöhle, sowas haben wir noch nicht erlebt! Etwa 50 Meter geht es durch das Dunkel – wie gut, dass wir Taschenlampen im Handy haben. Cool!

Oberhalb des Leinleitertals gibt es jede Menge Aussichtspunkte mit Bänken, hoch oben auf den Felsen. Deshalb sind wir heute echt langsam – es gibt so viel zu gucken und wir genießen die Pausen in der Sonne und die vielen Auf-und Abstieg über die wurzeligen und steinigen Pfade sind sehr anstrengend.

In Streitberg legen wir eine längere Mittagspause ein. Hier gibt es einen Imbiss mit Außenplätzen und wir genehmigen uns jeder zwei Kaffees und knusprige Pommes.

Auch nach Streitberg decken sich der Frankenweg der Karte und der markierte Weg nicht. Wir fragen uns, wie das kommt: Ist der auf der Karte ein älterer Verlauf?

Wir sind jedenfalls sehr zufrieden mit dem “echten” Frankenweg, denn der führt uns noch an einem Wasserfall mit Sinter-Stufen vorbei und über schmale Waldwege. Der Asphalt- und Schotter-Anteil heute liegt bestimmt unter zehn Prozent. So mögen wir es!

Als wir um 17 Uhr in Heiligenstadt ankommen, sind wir schon ein wenig erledigt – immerhin waren es heute insgesamt fast eintausend Höhenmeter, die wir aufgestiegen sind.

Und im Gasthof gibt es Rehbraten! 🙂

Unser Empfangskomitee in Heiligenstadt

Hier eine Karte vom gesamten Frankenweg. Stolze 520 Kilometer!

DDLN Etappe 29: Auf dem Frankenweg von Pegnitz nach Behringersmühle

17.09.2019: 21 Kilometer

Toll, toll toll!

Nach der letzten DDLN-Etappe im Frühling haben wir beschlossen, doch nicht direkt über Bayreuth nach Norden zu laufen, sondern den Frankenweg weiter zu folgen. Zwar bedeutet der Schlenker einen ordentlichen Umweg nach Westen, aber wir wollen einfach noch mehr von der Fränkischen Schweiz sehen – Und der Umweg hat sich schon heute voll gelohnt!

Von Pegnitz aus nehmen wir einen lokalen Wanderweg, um zum Frankenweg nach Pottenstein zu kommen. Schon der Weg durch das Brandtal ist herrlich – das Trockental ist so ruhig, dass es schon unheimlich ist: Kein Autolärm, keine Stimmen, nicht mal Vögel sind zu hören.

Das Tal ist noch weit und grasig, auf den Wiesen stehen jede Menge Herbstzeitlose, die Krokusse des Herbstes. Im Brandtal dann wird es erstmals richtig felsig und der Wald wird immer dichter. Hier treffen wir zum ersten Mal andere Wanderer, die uns von Pottenstein entgegen kommen. Über Stock und Stein geht es auf und ab, neben uns die murmelnde Püttlach. Und Felsen gibt es hier, viel höher und zahlreicher als bei uns auf der Schwäbischen Alb!

Pottenstein ist ein nettes Örtchen: Von Felsen umrahmt ist es zwar touristisch, wirkt aber noch natürlich. Immerhin kommen wir wegen der touristischen Infrastruktur zu einem Kaffee und Brez’n, da freut sich der Friedel! 🙂

Nach Pottenstein sind wir wieder auf dem Frankenweg, der uns weiter durch das Bärental führt. Zwar gibt es hier eine vielbefahrene Straße im Tal, aber der Frankenweg führt immer am Hang entlang durch die felsige Schlucht. Auch hier stehen zu beiden Seiten des Tals gewaltige Felsen, teilweise mit beeindruckenden Kletterrouten – schließlich ist die Fränkische Schweiz das bekannteste Klettergebiet Deutschlands.

Einmal können wir wählen, ob wir die “Alpine Route” des Frankenwegs oder die Ausweichstrecke nehmen wollen. Natürlich nehmen wir erstere! 🙂
“Alpin” ist hierbei aber arg übertrieben. Aber wir haben zehn Minuten Spaß!

Die heutige Strecke mit 21 Kilometern geht uns mehr in die Knochen als die 36 Kilometer gestern: Der Weg ist steinig, wurzelig und es geht fiese hohe Stufen rauf und runter … it’s all about terrain!

Blöd ist nur eine Situation am Ende: Dieses Mal halten wir uns NICHT an die Route in unserer App, sondern folgen der Beschilderung – und landen auf einer dicht befahrenen Bergstraße ohne Seitenstreifen. Im brausenden Verkehr stapfen wir die steile Straße zurück nach oben, fast bis zu dem Punkt, wo wir auf die “Umleitung” eingestiegen sind. Schwitz, arrghh! Wem sollen wir denn nun folgen: Der App oder der Beschilderung?

Tüchersfeld

Am Ziel angekommen, genießen wir noch einen Eiskaffee im Halbschatten eines netten Biergartens: Ach ja, haben wir erwähnt, dass heute bestes Wanderwetter war? 🙂

Das Scharfrichter-Museum in Pottenstein

DDLN Etappe 20: Auf dem E8 von Wassertrüdingen nach Treuchtlingen

17.09.2019: 36 Kilometer

Das ist unfair! Für heute waren null Millimeter Regen angesagt, aber es hat bis 11 Uhr geregnet!

Heute haben wir einige Kilometerchen vor uns – wir haben von Wassertrüdingen bis Treuchtlingen einfach keine geeignete Unterkunft gefunden!

Wir frühstücken nicht im Hotel – das Frühstück dort ist uns zu spät. So nehmen wir einen Kaffee und ein belegtes Brötchen on the fly in einer Bäckerei auf der Strecke. Schon um 7:15 Uhr sind wir somit abmarschbereit.

Im Sprühregen laufen wir los und im Laufe des Vormittags wächst sich dieser zu einem waschechten Regen aus. Zum Glück sind wir den größten Teil der morgendlichen Strecke im Wald unterwegs, so müssen wir nicht mal das Regenzeug auspacken.

Gerade als wir aus dem Wald raus müssen, hört der Regen fast auf – wir Glückskinder!

Toll ist auch, dass der Asphaltanteil heute bestimmt unter zwanzig Prozent liegt – wohl deshalb, weil ein Großteil der Strecke zusammen mit dem Frankenweg und dem Altmühltal-Panoramaweg verläuft. Trennen sich die Wege mal und wir bleiben auf dem E8, landen wir prompt wieder im Gestrüpp – nicht besonders viel begangen, der E8, so scheint es …

Nach vier Stunden erreichen wir Heidenheim und in einer Bäckerei können wir sogar einen Kaffee im Stehen ergattern – super!

Nach Heidenheim geht es hinauf zum Hahnenkamm, einem Höhenzug am Rande des Altmühtals. Leider sind die Hügel komplett in Regenwolken gehüllt und wir haben null Aussicht. Von den Windrädern auf der Hochfläche sehen wir nur die Sockel. So stören sie die Landschaft wenigstens nicht. 🙂

Es geht schön abwechslungsreich durch Wälder, Wiesen und Felder. Besondere Attraktionen gibt es keine, aber es ist einfach nur schön, in dieser schon fast herbstlichen Landschaft zu Fuß unterwegs zu sein. Am Nachmittag kommt sogar noch ein wenig die Sonne raus – was will man mehr?

Schon um 16:15 Uhr erreichen wir den Bahnhof in Treuchtlingen. Hier verlassen wir mit dem Zug das Altmühltal und laufen morgen in Pegnitz in der Fränkischen Schweiz weiter. Wir springen etwa 100 Kilometer nach Norden, weil wir im Mai den DDLN-Abschnitt von Treuchtlingen nach Pegnitz bereits gelaufen sind. Morgen geht es dann weiter auf dem nördlichen Teil des Frankenwegs, in acht Tagen bis nach Thüringen zum Rennsteig. Wir hoffen, ihr bleibt dabei!

DDLN Etappe 19: Auf dem E8 von Dinkelsbühl nach Wassertrüdingen

16.09.2918: 28 Kilometer

Zusammenfassung des heutigen Tages: Auf den ersten zwei Dritteln mittelmäßig bis langweilig, das letzte Drittel auf dem Hesselberg war toll und die kartographierten Wege von Outdoor-Active kann man vergessen!

Adé schönes Dinkelsbühl – so schön die Stadt auch ist, umso langweiliger ist die Umgebung. Wir laufen im ersten Teil des Tages auf schnurgeraden Asphaltwegen durch eine platte Landschaft. Besondere Sehenswürdigkeiten am Wegrand sind: Biogas-Anlagen, Alpakas, ein Stützpunkt der ADAC-Luftrettung und endlich wissen wir, wie extrem effektiv Mais-Harvester arbeiten! Mindestens drei Monster-Traktor-Gespanne warten schon in Reihe, bis der Hechsel-Strahl aus dem Erntegerät die Ladefläche befüllt: In wenigen Minuten!

Diese Traktoren stauben uns auf unserem Weg immer wieder ordentlich ein – unser klägliches “Aber dies ist ein europäischer Fernwanderweg!” Geht unter im Staub und dem Donnern der Motoren.

Richtig schön wird es erst nach Wittighofen: Nun wird es endlich wieder bergig und es geht rauf zum Hesselberg. Wir folgen streng der E8-Route auf der Outdoor-Active Karte – und landen wieder im Gestrüpp!

Erst wird es grasig …

… dann dornig und brennnesselig …

… und schließlich ist der Weg vollends zugewachsen und nicht mehr zu erkennen. Wenn hier überhaupt noch was läuft, dann sind es Wildschweine!

Der Tracker zeigt uns weiterhin klar an, dass wir auf dem E8 sind. Aber was hilft es: Dieses Mal schlagen wir uns durch!

Oben auf der Hochebene angekommen sind wir dann vollauf begeistert: Der Hesselberg, ein einsamer Zeugenberg, ist fast vollständig kahl und uns erwartet ein weiter Blick über die Ebene.

Die grasige Hochfläche erinnert uns ein wenig an die Black Mountains in Wales, nur die wilden Ponys fehlen. Auf den tieferen Hängen wachsen Wacholder-Büsche und der Wind trägt eine würzige Wacholder-Note zu uns hoch.

Der Berg ist ein touristischer Hotspot und so hat sogar ein Kiosk am Parkplatz oben geöffnet. An einem Montag!

Wir freuen uns, denn so kommen wir zu einem wohlverdienten Schöller-Eis.

Auch der Kniekracher nach unten ist pittoresk – erst geht es durch eine kleinwüchsige Lindenallee und dann durch einen waldigen Hohlweg steil nach unten.

Aber noch sind wir nicht am Ziel – die letzten sechs Kilometer durch Felder und die Ortschaften Röckingen, Opfenried und Wassertrüdingen ziehen sich und ziehen sich.

Morgen wird es wieder schöner, denn wir nähern uns dem Naturpark Altmühltal. Und die Pflastertreterei hat dann auch ein Ende. Nach der Pflicht kommt wieder die Kür! 🙂

DDLN Etappe 18: Auf dem E8 von Lautenbach nach Dinkelsbühl

15.09.2919: 9 Kilometer (plus 6 Kilometer Stadtbesichtigung)

Neun Kilometer – das ist doch lächerlich!
Wir wollten uns unbedingt Zeit für die berühmte mittelalterliche Stadt Dinkelsbühl nehmen und es gibt keine Unterkunft zwischen hier und Wassertrüdingen: Also haben wir heute einen halben Pausentag und genug Zeit für die Stadt.

Unsere Kratzer von gestern sind schon fast weg! 🙂

Am Morgen brechen wir gemütlich gegen neun Uhr auf und schlendern betont langsam los. Über dem See und den Auen liegt noch der Frühnebel und wir treffen gleich auf zwei verschlafene Rehe, die es gar nicht eilig haben, zu verschwinden.

Heute haben wir sogar Zeit für Detail-Fotos: Hagebuttenbüsche, Sonnenstrahlen im Wald und Schachtelhalme.

Der Wald hier ist eine Mischung von Schwarzwald und Frankenwald. Viel Nadelholz und Blaubeer-Waldboden, aber nicht so dunkel.

Ansonsten ist der Weg eher unspektakulär: Lange Strecken Asphalt, viel Mais und einigeAbschnitte an viel befahrenen Straßen.

Wir ärgern uns ein wenig über die Karten von Outdoor Active: Laut Karte geht der E8 direkt an einer Straße ohne Seitenstreifen entlang und in einer Kurve wird unsere Wanderung fast lebensgefährlich. Später entdecken wir, dass etwas abseits auf dem Hang ein bequemer Rad und Fußgängerweg existiert. Hmmpf!

Schon um elf Uhr sind wir innerhalb der Stadtmauern der alten Stadt. Wir sind schier begeistert – die Stadtmauer ist rundum erhalten und wird von 28 Stadttürmen und Toren umsäumt. Nach einer Kaffeepause traben wir die alle ab und freuen uns über stille Winkel vor und hinter der Mauer.

In der Innenstadt tobt hingegen der Tourismus-Bär: Alle guten Fotomotive werden durch Autos und Menschenhorden verstellt. Aber dennoch ist die Stadt ein echtes Kleinod! Die Stadt besitzt 780 mittelalterliche Häuser, die die Stadt zum Weltkulturerbe machen.

Für unseren Geschmack ist es heute schon zu heiß. Aber wir wollen uns nicht beschweren – kältere und nassere Tage werden bestimmt kommen!

DDLN Etappe 17: Von Crailsheim nach Lautenbach

14.09.2019: 25 Kilometer

Die Jagst in Crailsheim

Unser Herbsturlaub beginnt gleich wunderbar – bestes Wetter, tolle Wege und nicht zu steile Berge!

Nur zwei Stunden Zug zu fahren und gleich im Urlaub zu sein, das hat was!

Zwar haben wir uns gestern eingestanden, dass wir auch mal wieder gern in Schottland unterwegs wären, aber dieses Jahr bleibt noch ökologisch korrekt … 🙂

Wir überbrücken dieses Mal zunächst mit einer Drei-Tage-Wanderung in Hohenlohe die Lücke bis zum Beginn des Frankenwegs, wo wir im Frühling gestartet sind. Wenn das erledigt ist, sind wir (fast alle) Etappen von Schaffhausen bis Bayreuth gelaufen. Dienstag springen wir dann nach Pegnitz und laufen den Rest des Frankenwegs bis nach Thüringen zum Rennsteig.

In diesen drei Tagen folgen wir im Großen und Ganzen dem Europäischen Fernwanderweg E8, der von Irland, quer durch England und Holland, bis in die Karpaten führt. Aber schon in Crailsheim ist der Weg durch ein Volksfest blockiert – laut Karte führt der E8 direkt durch das Festzelt!

Wir schlagen uns um die Zelte und Fahrgeschäfte herum und sind bald am Stadtrand. Hier geht es an Wachholder-Wiesen am Hang entlang, mit schönem Blick zurück auf Crailsheim.

Die heutige Etappe verläuft synchron mit dem Jagststeig, einem relativ neuen, prämierten regionalen Wanderweg. Vielleicht ist der E8/Jagststeig deshalb so gut markiert und die Wege so schön schmal und abwechslungsreich?

Wir sind heute top in Form – der Ausblick auf 15 vor uns liegende Wandertage beflügelt uns geradezu und wir überholen eine achtköpfige Wandergruppe und ein Mutter-Tochter-Gespann – durchweg alle mit Deuter-Rucksäcken, Stöcken und schweren Wanderbunken an den Füßen. Ob es unsere leichten Schuhe sind, die uns so schnell machen?

Nennenswert bergauf geht es nur einmal, um zur ehemaligen Burg Schönebürg zu kommen, dem Witwensitz der Adelheid von Hohenlohe. Von der Burg ist allerdings nicht mehr viel übrig, aber es gibt eine Kaiser-Wilhelm-Büste und – einen Mammutbaum, einen Direktimport aus Kalifornien!

Unseren Vorsprung vor den anderen Wanderern verspielen wir jedoch, als wir einmal vom Wanderweg abkommen und uns im Wald verirren – wenn man so zügig unterwegs ist, übersieht man leider auch schneller die Schilder! 🙂

Aber frei nach unserer Devise “Vorwärts immer, rückwärts nimmer” korrigieren wir unseren Kurs keinesfalls, auch nicht, als der Weg immer wilder wird, sich vollends im Gestrüpp verliert und wir uns mitten im Weißdorn-Brombeer-Brennnessel-Gewirr verhaken: Lernschritt 1: Vorwärts geht nicht immer! Lernschritt 2: Zerkratzte Beine und Dornen in der Haut verheilen auch wieder!

Nach einem kurzen Rückzug schlagen wir uns querwaldein zurück auf den E8. Selten haben wir uns so über einen Schotterweg gefreut! 🙂

Highland-Rinder!

Mittags wird es ganz schön warm und wir halten vergeblich Ausschau nach einer schattigen Bank für unsere Mittagspause.

Hier sollte eine Bank stehen …

Schließlich hocken wir uns auf unsere Sitzmatten auf die Wiese und machen uns heißhungrig über Salami, Käse und Roggenbrot her. Es ist auch schon fast 14 Uhr und wir sind bisher ohne Pause durchgelaufen.

Gegen 16 Uhr kommen wir in unserer Unterkunft an. Die Storchenmühle liegt direkt an einem See und unser 70-Jahre-Gelsenkirchener-Barock-Zimmer hat sogar einen großen Balkon mit Blick auf den See. Was wollen wir mehr an unserem ersten Urlaubstag?

DDLN Etappen 13 und 14: Durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald von Heilbronn nach Murrhardt

Heilbronn nach Wüstenrot: 26 Kilometer
Wüstenrot nach Murrhardt: 19 Kilometer

Mitte September werden wir endlich wieder auf eine längere Tour gehen und dann den Rest vom Frankenweg bis Thüringen laufen. Es wird also Zeit, ein wenig dafür zu trainieren und was liegt näher, als zu diesem Zweck eine der Lücken von DDLN anzugehen?

Der Schwäbisch-Fränkische Wald ist nur zwei Zugstunden von uns entfernt und uns in guter Erinnerung, da wir früher in der Nähe gewohnt haben und schon die eine oder andere schöne Wanderung dort unternommen hatten. Im Juni sind wir ja auf dem HW8 (Fernwanderweg 8 des Schwäbischen Albvereins) den Abschnitt vom Ende des Schwarzwalds (Pforzheim) bis nach Heilbronn gelaufen. Nun geht es von Heilbronn aus weiter nach Westen auf dem HW 8 in Richtung Osten, in Richtung Schwäbisch Hall und dann nach Crailsheim, Richtung Bayern.

Unsere norddeutschen Wanderherzen lieben ja Weinberge, vor allem, wenn wir vorher zwei Kilometer durch die langweiligen, heißen Vororte von Heilbronn gelaufen sind. Als wir endlich den Stadtrand und die Weinberge erreichen, schirren wir ab, trinken sogleich die erste Flasche Wasser aus und reiben uns mit Sonnencreme ein. Heiß ist’s!

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Eine namenlose Abkürzung über den Berg …

Zum Glück verläuft ein Großteil unserer Tour heute durch Wald. Unverhofft clever ist auch, die eine oder andere Abkürzung vom HW8 zu nehmen. Interessanterweise sind die Abschnitte, die NICHT auf dem Fernwanderweg verlaufen, viel abwechslungsreicher und wurzeliger als die HW8-Schotterbahn!

Auf dem Bild oben sieht man so eine Abkürzung: Ein schmaler Pfad führt durch den Wald, links und rechts des Wegs gibt eine vielfältige, abwechslungsreiche Vegetation.

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… und ein typischer Wegabsschnitt auf dem HW8.

Im Gegensatz dazu unten: Ein typischer Abschnitt des HW8: Breite Waldwege auf Schotter, kilometerlang. Irgendwann geh uns das “Knurps-knurps” der Schuhe auf dem Schotter echt auf die Nerven und wir suchen nach Abwegen: Ah, ein Mountainbike-Single-Track neben dem HW8 – da nehmen wir doch lieber den!
Insgesamt kann man schon sagen: Die Abschnitte des heutigen Wandertags, die NICHT der HW8 sind, sind die besten! 🙂

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Habt ihr schon mal vom Schwäbisch-Fränkischen Wald gehört? Dieses Gebiet ist wirklich einsam, groß, wild und schön. Außerdem ist es recht hügelig, so dass im Lauf unseres Wandertags heute locker jeweils 600 Höhenmeter Aufstieg und Abstieg zusammenkommen.

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Die Via Dolorosa nach Löwenstein

So zum Beispiel der Weg rauf nach Löwenstein: Die Stufen zum Ort durch die Weinberge, in der knalligen Mittagssonne, die sind schon hart!
Der Aufstieg lohnt sich aber: In Löwenstein gibt es ein nettes Café, das Eiskaffee und frischen Zwetschgendatschi kredenzt. Der Lohn für alle Mühen!

Burgruine Löwenstein

Noch weiter hoch geht es auf verschwurbelten Wegen zur Burgruine von Löwenstein. Wir denken, nun wären wir endlich oben: Weit gefehlt – es geht es immer noch höher!

Ausblick von den Löwensteiner Bergen

Von oben haben wir einen weiten Blick auf die Ebene in Richtung von Kocher und Jagst. und auf Wein, Wein, Wein!
Auf den Höhen steht jedoch dichter Wald, und dafür sind wir dankbar. Wir schwitzen heute wie verrückt, sind aber trotzdem froh, unterwegs zu sein. Die Gegend ist toll!
Unsere Unterkunft für heute Abend in Wüstenrot liegt nicht direkt am HW8, also habe ich uns mithilfe von  “Outdoor-Active”  eine Route zum Ort zusammengestellt. Die App ist toll, alle Waldwege sind dort verzeichnet – allein, sie sind nicht immer gangbar! 🙂

Trotz allem kommen wir um 16 Uhr in Wüstenrot an, zischen uns sogleich ein Saures Radler und freuen uns über den fetten Wasserstrahl aus der Dusche!
Highlights des Tages: Sonnenwarme, reife Weintrauben in den Weinbergen und die Dusche im Gasthof!

Wüstenrot, Wüstenrot … ist das nicht diese Bausparkasse? Tatsächlich ist der Ort die MUTTER allen Bausparens – Es gibt im Ort sogar ein Museum dafür!

Netterweise gib es im Gasthof schon um 7:30 Uhr Frühstück und wir sind schnell wieder im Wald. Schon gestern haben wir den HW8 verlassen, denn der wendet sich konsequent nach Osten, wir aber schlagen einen an sich unnützen Haken quer durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald in Richtung Südosten. Der Grund dafür liegt in der Bahn-Logistik und in der Tatsache, dass wir die Etappen in Schwaben in passende Wochenend-Häppchen aufgeteilt haben. Mit dieser Methode bauen einen Tag mehr im Schwäbisch-Fränkischen Wald ein, aber so erreichen wir auch, dass wir mehr von dieser ausgesprochen lieblichen Gegend erleben!

Tatsächlich erwartet uns heute ein vortrefflicher Wandertag: Zum einen ist das Wetter vorzüglich – schon am Morgen können wir auf dem Balkon unseres Gasthofs einen tollen Sonnenaufgang in der Morgenfrische erleben: Das ist etwas, was wir in unserem Geislinger Talkessel nie sehen!

Tagsüber kühlt es sich merklich ab und es weht eine frische Brise, aber der angekündigte Regen stellt sich nicht ein – perfekt!

Die Route nach Murrhardt habe ich mithilfe einer traditionellen Papier-Wanderkarte und der Outdoor Active App selbst zusammengebastelt. Erst folgen wir dem roten Plus-Zeichen, dann dem blauen …

Insgesamt ist die Route heute viel schöner als der HW8 gestern. Es geht auf wurzeligen Pfaden durch den Wald ..

… und durch liebliches Kulturland …

… und am Ende durch das enge, fast schon gruslige Tal des Trautzenbachs mit der romantischen Hördter Mühle …

… aber auch unheimlichen frau-hohen Schachtelhalmen, die umso unheimlicher wirken, wenn über einem die Raben krächzen!

Obwohl heute Sonntag ist, treffen wir bis kurz vor Murrhardt kaum eine Menschenseele – So mögen wir es!

Die Taktik, den zweiten Wandertag kürzer zu halten als den ersten, ist auch gut: Schon um 17 Uhr sind wir wieder zuhause und so können wir noch die Rucksäcke auspacken, Wäsche waschen und uns noch ein wenig erholen. Jetzt müssen wir noch zwei Wochen arbeiten und dann geht es weiter auf dem DDLN nach Thüringen!

Zugewucherter Eingang in den Wald …
… fast englisch!

 

 

DDLN Etappe 9: Auf dem Ostweg von Calw nach Pforzheim

Letzte Etappe auf dem Ostweg von Calw nach Pforzheim (35 Kilometer)
gelaufen am 3. August 2019

Blick auf das Kloster Hirsau

Eigentlich hatten Friedel und ich uns ja vorgenommen, im Sommer jeden Monat mindestens eine mehrtägige Tour zu laufen – Aber wir hatten im Juli wieder drei brasilianische Gastschüler zu versorgen. Jeden Tag Frühstück und Abendessen zubereiten, Berge an Wäsche waschen, den einen oder anderen Ausflug organisieren – die drei Jungs haben uns ganz schön auf Trab gehalten!

Rodrigo, Gabriel und Jorge aus Rio de Janeiro – Ferien in Geislingen!

Da haben wir uns unseren Wandertag im Schwarzwald so richtig verdient. Ursprünglich hatten wir geplant, unsere letzte Etappe auf dem Ostweg auf zwei Tage zu verteilen. Aber da es keine gute Unterkunft gab, haben wir uns für den Durchmarsch entschieden. Und das Ganze war sehr gut an einem Tag machbar!

Angereist sind wir schon am Freitag. Am Ende der letzten Etappe,  beim Eildurchlauf zum Bahnhof nach Calw, hatten wir schon beschlossen, dass wir diesen Ort auf jeden Fall ausführlicher besichtigen wollen. So schlendern wir am Freitag also erst mal gemütlich durch die Gassen, essen einen großen Eisbecher und sitzen am Abend lange auf der Terrasse vor unserem Hotel am Marktplatz. Der Ort hat die richtige Mischung von Historie, Tourismus und Alltagsleben, finden wir. Zumindest scheint der Tourismus dafür zu sorgen, dass es noch schöne Geschäfte, Cafés und Gasthäuser gibt.

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Toll, das Hotel macht am Samstag schon um sieben Uhr Frühstück! So sind wir schon um 8:00 Uhr auf der Piste und kommen hoffentlich so früh in Pforzheim an, dass wir noch einen Zug am frühen Abend erwischen können. Unsere App visiert für die Strecke von 35 Kilometern fast zehn Stunden an – ob wir das so schnell schaffen werden?

Das Wetter ist heute Morgen vortrefflich – 20 Grad, nicht zu sonnig und es weht ein leichter Wind. Kein Vergleich zu der Hitze im Juli. Und auf geht’s!

Schnell sind wir aus Calw heraus – kein endloser Marsch durch Wohngebiete, das ist ja schon mal was. Die ersten drei Kilometer bis zum Kloster Hirsau verlaufen über einen breiten Waldweg immer in Hörweite der B296. Zwar ist der Laufgrund nicht optimal (Schotter) und die Straße in der Nähe nervt ein wenig, aber wir sind einfach glücklich, mal wieder unterwegs zu sein. Eine richtig lange Etappe liegt vor uns und das Wandern mit Daypack ist leicht und unbeschwert!

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Der Abstecher zur Klosterruine in Hirsau hat sich nicht wirklich gelohnt. Dort findet wohl gerade irgendeine Open-Air-Veranstaltung statt und der ganze Klosterhof ist mit Autos zugeparkt und die Gemäuer mit Werbebannern zugepflastert. Unser Rundgang dauert nicht länger als zehn Minuten und wir machen, dass wir weiterkommen.

Kloster Hirsau

 

Kloster Hirsau

Die Wegführung des Ostwegs aus Hirsau heraus ist – unschön! Es geht circa einen Kilometer lang an einer dicht befahrenen Straße entlang, und dann auch noch steil hoch!
Als wir genug Autoabgase eingeatmet haben, führt der Weg uns zum Glück etwas von der Straße weg auf einen waldigen und wurzeligen Pfad. Endlich ein richtiger Weg!

Wie ich gelesen habe, wurde der Ostweg bereits 1903 angelegt. Im Vergleich zu moderneren Wanderwegen fällt auf, dass der Weg a) durch jeden Ort in der Nähe der Strecke führt und b) ein hoher Anteil der Strecke auf Asphalt verläuft. Während andere Wege über Pfade um Orte herumführen oder neben Straßen besondere Routen für Wanderer anlegt wurden, trottet man auf dem Ostweg weite Strecken über Teer und direkt an Straßen entlang – entbehrlich!

Auch die folgenden drei Kilometer bis nach Bad Liebenzell verlaufen zwar hübsch an der Nagold entlang und durch einen schönen Wald, aber auf der anderen Flussseite lärmt die B463 und wir haben die ganze Strecke Asphalt unter den Füßen.

Haben wir schon erwähnt, dass wir Kurorte nicht mögen? Auch Bad Liebenzell wartet mit einem kitschigen Kurpark samt Konzertmuschel auf und das Stadtbild wird wie in fast allen solchen Orten von hässlichen Kurhotel-Klötzen aus den Siebzigern dominiert.
Der Weg führt direkt durch den Kurpark, aber rechts des Weges liegt hübsch die Nagold, also schauen wir halt nach rechts. Außerdem gibt es auf dem Berg eine alte Burg, die wir aber nur von Weitem sehen.

Eingang zum Kurpark

Burg Liebenzell

Vielleicht wirken wir bis jetzt etwas sauertöpfisch, aber das hört gleich auf. Denn nun kommen wir in das wunderschöne Monbachtal – vier herrliche Kilometer Pfad winden sich durch eine enge Schlucht, mal auf der linken Bachseite, mal auf der rechten geht es über Stock und Stein und immer am murmelnden Bächlein entlang, einfach herrlich! Zwar kommen wir durch die Springerei über die Steine nur langsam voran und wir steigen im Monbachtal etwa 200 Meter auf, aber das merken wir gar nicht. Der Schweiß rinnt in Strömen, denn hier unten ist es schwül und fast windstill. Als wir in Neuhausen aus dem Tal herauskommen, kühlt uns der Wind gleich ein wenig ab.

Den Durchmarsch durch den Ort Neuhausen vermeiden wir, indem wir uns nicht an die Ostweg-Route halten und uns am Ortseingang gleich nach Norden über eine kleine Teerstraße direkt zum Dorf Hamberg schlagen. Zwar ist der Weg nicht unbedingt kürzer, aber wir ersparen uns ein langes Stück an einer Bundesstraße entlang und den Marsch durch zwei Dörfer.

Der Weg über die Hochebene ist eine schöne Abwechslung. Das Auge schweift weit über Wiesen und Felder, das Korn ist teilweise schon geerntet und die Wiesen stehen in voller Blüte.

Der Himmel bezieht sich zusehends und es beginnt sogar etwas zu regnen. Was soll denn das? Das hat der Wetterbericht nicht vorhergesagt und wir haben zwar Regenjacken, aber keine Regenhosen dabei! Aber – Glückes Geschick – unter dem einzigen Baum an der Strecke steht eine Bank, mit dichtem Blätterdach gerade richtig für unsere Mittagspause (Nach 17 Kilometern ist dies übrigens unsere erste Pause und genau auf der halben Strecke).

Zwar müssen wir unsere Regenjacken doch noch auspacken, aber es hört bald wieder auf zu regnen. Auch verläuft der weitere Weg größtenteils durch Wald ins Tal hinunter und der Boden ist noch trocken.

Unten an der Liebenecker Sägmühle überqueren wir ein weiteres Flüsschen, diesmal ist es die Würm. Hier geht es gleich wieder hoch zur Ruine Liebeneck. Hier kommen wir wieder gut ins Schwitzen und wir merken in den Waden, dass wir bereits rund zwanzig Kilometer gelaufen sind. Die Ruine ist leider komplett abgesperrt, aber wir haben auf dem folgenden Wegstück schöne Ausblicke in das Tal der Würm.

Burgruine Liebeneck

Im Folgenden führt der Ostweg bis kurz vor Pforzheim immer an der Würm entlang, über wurzelige Pfade dicht am Wasser. So mögen wir es! Unsere Füße finden das auch toll und halten bis Pforzheim gut durch.

An der Würm

 

Am Kupferhammer am Ortseingang von Pforzheim endet oder beginnt der Ostweg. Und nicht nur der – auch der Westweg und der Mittelweg haben hier ihren Aus – bzw. Eingang. Das große und fotogene Eingangstor steht aber nur für den Westweg, den berühmtesten der drei Wege.

Kupferhammer – Beginn aller drei großen Wege durch den Schwarzwald

Jetzt müssen wir noch zwei Kilometer an der Nagold entlang bis zum Bahnhof laufen und kommen dort um 16:40 Uhr an. Genial – wir haben nur acht Stunden und vierzig Minuten gebraucht, und dabei haben wir uns nicht mal beeilt! So sind wir schon gegen 19:00 Uhr wieder zurück in Geislingen und zischen uns noch ein wohlverdientes Radler im Geislinger Biergarten.

Die Nagold in Pforzheim

Unser Fazit zum Ostweg: Der Weg führt durch eine liebliche Landschaft, wenn auch nicht mit so spektakulärer Szenerie wie auf dem Westweg. Dafür geht es mehr durch hübsche Ortschaften und der Kulturwanderer kommt durch die vielen Klöster und Burgen voll auf seine Kosten. Unschön sind auf jeden Fall die vielen Abschnitte auf Asphalt und die häufige Nähe zu Bundesstraßen. Dürften wir nur einen der Wege gehen – wir würden uns auf jeden Fall für den wilden Westweg entscheiden! Aber den sind wir halt schon mal gelaufen …

Zur Orientierung für die aufmerksamen Leser unseres Blogs: Diese letzte Etappe auf dem Ostweg hat eine Lücke auf unserem langen Weg durch Deutschland geschlossen. Nun sind wir von Schaffhausen/Schweiz bis nach Heilbronn alle Etappen gelaufen. Die Lücke von Heilbronn bis nach Crailsheim an der Grenze zu Bayern werden wir später in Tages- und Wochenend-Etappen ablegen, das lässt sich von Geislingen aus gut meistern.
In der zweiten Septemberhälfte werden wir dann voraussichtlich wieder länger unterwegs sein – in vier Tagen geht es von Crailsheim bis nach Treuchtlingen/Franken, wo wir das letzte Mal im Frühjahr auf dem Frankenweg gestartet sind. Im gleichen Wanderurlaub springen wir dann nach Pegnitz in die Fränkische Schweiz, um den zweiten Teil des Frankenwegs bis nach Thüringen zu laufen.
Bleibt uns gewogen! 🙂