Schwarzwald – Ostweg

Letzte Etappe auf dem Ostweg von Calw nach Pforzheim (35 Kilometer)
gelaufen am 3. August 2019

Blick auf das Kloster Hirsau

Eigentlich hatten Friedel und ich uns ja vorgenommen, im Sommer jeden Monat mindestens eine mehrtägige Tour zu laufen – Aber wir hatten im Juli wieder drei brasilianische Gastschüler zu versorgen. Jeden Tag Frühstück und Abendessen zubereiten, Berge an Wäsche waschen, den einen oder anderen Ausflug organisieren – die drei Jungs haben uns ganz schön auf Trab gehalten!

Rodrigo, Gabriel und Jorge aus Rio de Janeiro – Ferien in Geislingen!

Da haben wir uns unseren Wandertag im Schwarzwald so richtig verdient. Ursprünglich hatten wir geplant, unsere letzte Etappe auf dem Ostweg auf zwei Tage zu verteilen. Aber da es keine gute Unterkunft gab, haben wir uns für den Durchmarsch entschieden. Und das Ganze war sehr gut an einem Tag machbar!

Angereist sind wir schon am Freitag. Am Ende der letzten Etappe,  beim Eildurchlauf zum Bahnhof nach Calw, hatten wir schon beschlossen, dass wir diesen Ort auf jeden Fall ausführlicher besichtigen wollen. So schlendern wir am Freitag also erst mal gemütlich durch die Gassen, essen einen großen Eisbecher und sitzen am Abend lange auf der Terrasse vor unserem Hotel am Marktplatz. Der Ort hat die richtige Mischung von Historie, Tourismus und Alltagsleben, finden wir. Zumindest scheint der Tourismus dafür zu sorgen, dass es noch schöne Geschäfte, Cafés und Gasthäuser gibt.

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Toll, das Hotel macht am Samstag schon um sieben Uhr Frühstück! So sind wir schon um 8:00 Uhr auf der Piste und kommen hoffentlich so früh in Pforzheim an, dass wir noch einen Zug am frühen Abend erwischen können. Unsere App visiert für die Strecke von 35 Kilometern fast zehn Stunden an – ob wir das so schnell schaffen werden?

Das Wetter ist heute Morgen vortrefflich – 20 Grad, nicht zu sonnig und es weht ein leichter Wind. Kein Vergleich zu der Hitze im Juli. Und auf geht’s!

Schnell sind wir aus Calw heraus – kein endloser Marsch durch Wohngebiete, das ist ja schon mal was. Die ersten drei Kilometer bis zum Kloster Hirsau verlaufen über einen breiten Waldweg immer in Hörweite der B296. Zwar ist der Laufgrund nicht optimal (Schotter) und die Straße in der Nähe nervt ein wenig, aber wir sind einfach glücklich, mal wieder unterwegs zu sein. Eine richtig lange Etappe liegt vor uns und das Wandern mit Daypack ist leicht und unbeschwert!

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Der Abstecher zur Klosterruine in Hirsau hat sich nicht wirklich gelohnt. Dort findet wohl gerade irgendeine Open-Air-Veranstaltung statt und der ganze Klosterhof ist mit Autos zugeparkt und die Gemäuer mit Werbebannern zugepflastert. Unser Rundgang dauert nicht länger als zehn Minuten und wir machen, dass wir weiterkommen.

Kloster Hirsau

 

Kloster Hirsau

Die Wegführung des Ostwegs aus Hirsau heraus ist – unschön! Es geht circa einen Kilometer lang an einer dicht befahrenen Straße entlang, und dann auch noch steil hoch!
Als wir genug Autoabgase eingeatmet haben, führt der Weg uns zum Glück etwas von der Straße weg auf einen waldigen und wurzeligen Pfad. Endlich ein richtiger Weg!

Wie ich gelesen habe, wurde der Ostweg bereits 1903 angelegt. Im Vergleich zu moderneren Wanderwegen fällt auf, dass der Weg a) durch jeden Ort in der Nähe der Strecke führt und b) ein hoher Anteil der Strecke auf Asphalt verläuft. Während andere Wege über Pfade um Orte herumführen oder neben Straßen besondere Routen für Wanderer anlegt wurden, trottet man auf dem Ostweg weite Strecken über Teer und direkt an Straßen entlang – entbehrlich!

Auch die folgenden drei Kilometer bis nach Bad Liebenzell verlaufen zwar hübsch an der Nagold entlang und durch einen schönen Wald, aber auf der anderen Flussseite lärmt die B463 und wir haben die ganze Strecke Ashalt unter den Füßen.

Haben wir schon erwähnt, dass wir Kurorte nicht mögen? Auch Bad Liebenzell wartet mit einem kitschigen Kurpark samt Konzertmuschel auf und das Stadtbild wird wie in fast allen solchen Orten hässliche Kurhotel-Klötze aus den Siebzigern dominiert.
Der Weg führt direkt durch den Kurpark, aber rechts des Weges liegt hübsch die Nagold, also schauen wir halt nach rechts. Außerdem gibt es auf dem Berg eine alte Burg, die wir aber nur von Weitem sehen.

Eingang zum Kurpark

Burg Liebenzell

Vielleicht wirken wir bis jetzt etwas sauertöpfisch, aber das hört gleich auf. Denn nun kommen wir in das wunderschöne Monbachtal – vier herrliche Kilometer winden sich durch eine enge Schlucht, mal auf der linken Bachseite, mal auf der rechten geht es über Stock und Stein und immer am murmelnden Bächlein entlang, einfach herrlich! Zwar kommen wir durch die Springerei über die Steine nur langsam voran und wir steigen im Monbachtal etwa 200 Meter auf, aber das merken wir gar nicht. Der Schweiß rinnt in Strömen, denn hier unten ist es schwül und fast windstill. Als wir in Neuhausen aus dem Tal herauskommen, kühlt uns der Wind gleich ein wenig ab.

Den Durchmarsch durch den Ort Neuhausen vermeiden wir, indem wir uns nicht an die Ostweg-Route halten und uns am Ortseingang gleich nach Norden über eine kleine Asphaltstraße direkt zum Dorf Hamberg schlagen. Zwar ist der Weg nicht unbedingt kürzer, aber wir ersparen uns ein langes Stück an einer Bundesstraße entlang und den Marsch durch zwei Dörfer.

Der Weg über die Hochebene ist eine schöne Abwechslung. Das Auge schweift weit über Wiesen und Felder, das Korn ist teilweise schon geerntet und die Wiesen stehen in voller Blüte.

Der Himmel bezieht sich zusehends und es beginnt sogar etwas zu regnen. Was soll denn das? Das hat der Wetterbericht nicht vorhergesagt und wir haben zwar Regenjacken, aber keine Regenhosen dabei! Aber – Glückes Geschick – unter dem einzigen Baum an der Strecke steht eine Bank, mit dichtem Blätterdach gerade richtig für unsere Mittagspause (Nach 17 Kilometern ist dies übrigens unsere erste Pause und genau auf der halben Strecke).

Zwar müssen wir unsere Regenjacken doch noch auspacken, aber es hört bald wieder auf zu regnen. Auch verläuft der weitere Weg größtenteils durch Wald ins Tal hinunter und der Boden ist noch trocken.

Unten an der Liebenecker Sägmühle überqueren wir ein weiteres Flüsschen, diesmal ist es die Würm. Hier geht es gleich wieder hoch zur Ruine Liebeneck. Hier kommen wir wieder gut ins Schwitzen und wir merken in den Waden, dass wir bereits rund zwanzig Kilometer gelaufen sind. Die Ruine ist leider komplett abgesperrt, aber wir haben auf dem folgenden Wegstück schöne Ausblicke in das Tal der Würm.

Burgruine Liebeneck

Im Folgenden führt der Ostweg bis kurz vor Pforzheim immer an der Würm entlang, über wurzelige Pfade dicht am Wasser. So mögen wir es! Unsere Füße finden das auch toll und halten bis Pforzheim gut durch.

An der Würm

 

Am Kupferhammer am Ortseingang von Pforzheim endet oder beginnt der Ostweg. Und nicht nur der – auch der Westweg und der Mittelweg haben hier ihren Aus – bzw. Eingang. Das große und fotogene Eingangstor steht aber nur für den Westweg, den berühmtesten der drei Wege.

Kupferhammer – Beginn aller drei großen Wege durch den Schwarzwald

Jetzt müssen wir noch zwei Kilometer an der Nagold entlang bis zum Bahnhof laufen und kommen dort um 16:40 Uhr an. Genial – wir haben nur acht Stunden und vierzig Minuten gebraucht, und dabei haben wir uns nicht mal beeilt! So sind wir schon gegen 19:00 Uhr wieder zurück in Geislingen und zischen uns noch ein wohlverdientes Radler im Geislinger Biergarten.

Die Nagold in Pforzheim

Unser Fazit zum Ostweg: Der Weg führt durch eine liebliche Landschaft, wenn auch nicht mit so spektakulärer Szenerie wie auf dem Westweg. Dafür geht es mehr durch hübsche Ortschaften und der Kulturwanderer kommt durch die vielen Klöster und Burgen voll auf seine Kosten. Unschön sind auf jeden Fall die vielen Abschnitte auf Asphalt und die häufige Nähe zu Bundesstraßen. Dürften wir nur einen der Wege gehen – wir würden uns auf jeden Fall für den wilden Westweg entscheiden! Aber den sind wir halt schon mal gelaufen …

Zur Orientierung für die aufmerksamen Leser unseres Blogs: Diese letzte Etappe auf dem Ostweg hat eine Lücke auf unserem langen Weg durch Deutschland geschlossen. Nun sind wir von Schaffhausen/Schweiz bis nach Heilbronn alle Etappen gelaufen. Die Lücke von Heilbronn bis nach Crailsheim an der Grenze zu Bayern werden wir später in Tages- und Wochenend-Etappen ablegen, das lässt sich von Geislingen aus gut meistern.
In der zweiten Septemberhälfte werden wir dann voraussichtlich wieder länger unterwegs sein – in vier Tagen geht es von Crailsheim bis nach Treuchtlingen/Franken, wo wir das letzte Mal im Frühjahr auf dem Frankenweg gestartet sind. Im gleichen Wanderurlaub springen wir dann nach Pegnitz in die Fränkische Schweiz, um den zweiten Teil des Frankenwegs bis nach Thüringen zu laufen.
Bleibt uns gewogen! 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

HW8 Tag 3: Von Eppingen nach Heilbronn

27 Kilometer

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Es gibt so Tage, da fragen wir uns, ob es wirklich so wichtig ist, jeden Meter einer Streckenwanderung gelaufen zu sein – Oder wäre es nicht besser, einfach die S-Bahn zu nehmen und darüber zu schweigen? 🙂

Auf den ersten drei Kilometern Rückmarsch von Eppingen bis zum HW ist es schon am Morgen sauheiß und schwül. Nach den zweieinhalb Kilometern Rückmarsch zum Waldrand sind wir superfroh, wieder im Wald zu sein! Vor allem, weil wir die Strecke ja schon gestern gelaufen sind.
Nach einer recht steilen Schwitztour zum  Aussichtspunkt Kraichgaublick haben wir einen schönen Blick zurück nach Eppingen.

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Danach geht es erneut auf schnurgeraden und geschotterten Waldwegen bis nach Niederhofen. Hier laufen wir das erste Mal durch die Weinberge, die wir sonst nur von Weitem gesehen haben.

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 Früher, als ich noch in Westfalen gewohnt habe, fand ich Weinberge toll. Sie haben so etwas Südliches!
Ich mag sie immer noch, aber nur, wenn sie nicht zu einer Monokultur ausarten. Hier in Niederhofen sind sie zum Glück noch zwischen Feldern und Wäldern in eine liebliche Landschaft eingebettet. Bis jetzt ist die Wanderung okay!

Aber je näher wir in Richtung Heilbronn vorstoßen, desto unangenehmer wird es: Heute ist Pfingsten, und es ist schönes Wetter! Und Heilbronn ist eine große Stadt!
Deshalb sind heute jede Menge Spaziergänger unterwegs – und Radfahrer!

Eigentlich wollen wir ja den ewigen Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern nicht noch weiter befeuern. Aber an so einem Tag wie heute ist es verdammt unangenehm, wenn man alle naslang Rentnergruppen mit E-Bikes und Kampfradlern ausweichen muss. Nicht weit entfernt verläuft ein schön geteerter Radweg, aber natürlich macht es viel mehr Spaß, auf diesen kleinen, schmalen Pfaden zu radeln und die Wanderer laut klingelnd und HUPEND vom Weg zu scheuchen!

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Der Schwäbische Hauptwanderweg 8 – ein beliebter Radweg!

Eigentlich wollten wir am Aussichtspunkt Heuchelberger Warte noch eine kleine Erfrischung einnehmen, bevor der lange Anmarsch auf Heilbronn beginnt. Aber das Gewimmel dort ist uns einfach zu viel. Das sind wir nicht mehr gewohnt!

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Auf der Karte war schon ersichtlich, dass es nach der Heuchelberger Warte noch neun Kilometer schattenlos bis zum Heilbronner Bahnhof geht.
Zum Glück bewölkt es sich etwas, als wir zunächst die berühmten Heuchelberger Weinberge durchschreiten. Diese hier gehören allerdings eher zum Typ „Agrarwüste“, den wir nicht so mögen …

die Heuchelberger Warte
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Pittoresker Blick auf das Kohlekraftwerk Neckarsulm

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Auf heißem Teer geht es die letzten neun Kilometer durch langweilige Felder. Nach den Weinbergen gibt es nur noch flurbereinigte Weizen- und Kartoffelacker, so weit das Auge reicht. Kein Baum, kein Strauch, nur die Hochspannungsleitungen vom Kraftwerk …

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Nur einmal macht der HW8 einen Schlenker weg vom Teer – und wir landen im Nichts!

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Doch, wir sind richtig! Nach Karte ist das der HW8 …

Kurz vor Heilbronn geht es noch einmal durch einen Park. Hier lässt sich typisch schwäbisches Brauchtum beobachten  – das Grillen in öffentlichen Parkanlagen!

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Den Duft von Würstchen und Rippchen in der Nase, geht es noch 1,5 Kilometer durch den Vorort Böckingen bis zum Neckar. Hurra, wir sind fast da!

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Verschwitzt und mit platten Füßen kommen wir endlich am Bahnhof in Heilbronn an. Ganz ehrlich – die letzten zehn Kilometer waren die blödesten, die wir seit Land’s End gelaufen sind!
Hier kamen einfach einige unangenehme Faktoren zusammen: Schwülheißes Wetter, eine langweilige Strecke, fast durchweg Asphalt, Radfahrer, Pfingstgewimmel.
Eine Tour zum Abgewöhnen!

 

HW8, Tag 2: Von Maulbronn nach Eppingen

26 Kilometer


In der Nacht hat es ein wenig geregnet, aber nicht so arg, dass alles nass wäre. Es wird den ganzen Tag sonnig, aber angenehm kühl bleiben und ein angenehmes Windchen wehen. Bestes Wanderwetter!
Da wir am Morgen eh noch mal am Kloster vorbei müssen, werfen wir noch mal einen Blick in den riesigen Klosterhof. Heute Morgen ist dort noch niemand unterwegs.
Vom Kloster aus sind wir ganz schnell im Wald und kommen auf schönen Waldwegen schnell voran. Ein letztes Maulbronner Monument ist der Studentenbrunnen, dann hat der Wald uns verschluckt.


Was uns an dieser Gegend so gut gefällt, ist die abwechslungsreiche Wegführung – mal sind wir im Wald, dann wieder zwischen Feldern und fast alle Dörfer sind von Weinbergen umgeben. Der einzige Ort, durch den wir direkt laufen, ist Sternenfels, wo wir sogar einen Kaffee bekommen – 1:0 für Baden!


Apropos Baden: Die Badener sind irgendwie gar nicht grußfreundlich. Egal wo wir sonst bisher gewandert sind – überall grüßen sich entgegenkommende Radfahrer oder Wanderer. Hier vermeiden sie Blickkontakt und ziehen stumm an einem vorbei. Merkwürdig …
Unsere Mittagspause nehmen wir auf einem großen Baumstamm mitten im Wald ein. Obwohl es gar nicht so heiß ist, ist unser Käse mittlerweile zu einem großen Klumpen zusammengeschmolzen. Es schmeckt trotzdem!

Der HW8 verläuft heute an vielen Stellen auf der gleichen Wegführung wie der ¨Eppinger Linienweg¨. Im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde 1695-1697 von Pforzheim bis Neckargemünd eine 87 Kilometer lange Schanze errichtet, um die französische Truppen von Raubzügen abzuhalten. Die Verteidigungsanlage bestand aus aufgeschichteten Ästen, einem Graben und einem Erdwall dahinter. Auf unserem Weg treffen wir auf einige noch gut erkennbare Abschnitte der Verteidigungsanlage, vor allem im Wald. Kurz vor Eppingen wurde sogar ein alter Wehrturm wiedererrichtet.


Sehr interessant sind auch einige große Transparente, die der Eppinger Heimatverein im Wald aufgehängt hat. Sie erinnern an Wörter aus der französischen Sprache, die im Dialekt der Region eingesickert sind und erinnern damit an die geschichtlich enge Verbindung der Gegend zu Frankreich. Lesestoff im Wald, so wird es nicht langweilig! 🙂


Nach dem obligatorischen Marsch durch langweilige Neubaugebiete kommen wir noch relativ frisch in Eppingen an. Die Stadt rühmt sich seiner schönen Fachwerkbauten, und das zu Recht. Obwohl die Stadt zweieinhalb Kilometer vom HW8 entfernt ist, hat sich der Umweg auf jeden Fall gelohnt.






Auch gibt es in der Nähe des HW8 keine Unterkünfte. Unser Hotel in Eppingen ist dann auch noch ein echtes Juwel – unser Zimmer ist groß, gemütlich eingerichtet und hat einen Balkon auf einen grünen Innenhof raus. Aber nebenan gibt es Hühner! Mal sehen, wann uns der Hahn morgen früh weckt …

HW8, Tag 1: Von Pforzheim nach Maulbronn

24 Kilometer

Für unsere Deutschlandtour haben wir uns die Etappen, die von unserem Wohnort aus leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, für Wochenendtouren aufgehoben. Da wir an diesem Pfingstwochenende drei Tage Zeit haben, ist dieses Mal der Abschnitt von Pforzheim nach Heilbronn dran – wir erwarten eine abwechslungsreiche Streckenführung mit einigen kulturellen und landschaftlichen Highlights!

Heute geht es von Pforzheim aus auf dem Schwäbischen Hauptwanderweg 8 zur Klosteranlage Maulbronn – da wollte ich schon immer mal hin!

Zwar fehlen noch die restlichen zwei Etappen auf dem Ostweg von Calw nach Pforzheim, aber die laufen wir ein anderes Mal.

Interessanterweise heißt der HW8 auch Frankenweg – er führt nämlich in seinem späteren Verlauf durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald bis nach Bayern.

Wir sind heute morgen extra früh aufgestanden, damit wir nicht zu spät in Maulbronn ankommen. Wir wollen uns für die Besichtigung der Klosteranlage (eine UNESCO-Weltkulturerbestätte) viel Zeit nehmen. So laufen wir schon um halb neun am Bahnhof in Pforzheim los.

Zum Glück ist der Weg durch Pforzheims Nordstadt ein recht schöner und wir sind schnell zwischen Wiesen und Feldern. Das Wetter ist vortrefflich – nicht zu heiß und es weht ein angenehmer Wind. Das ist auch wichtig, denn heute gibt es nur vereinzelte schattige Wegpassagen. Zum Glück ist es nicht mehr so heiß wie noch vor ein paar Tagen!
Der Weg führt uns durch eine sanft-hügelige Kulturlandschaft mit weiten Blicken bis zum Schwarzwald hin. Der Weizen auf den Feldern steht schon recht hoch und besonders schön ist, dass die Feldränder mit viel Klatschmohn und Kornblumen gesäumt sind. Knallige rote und blaue Farbtupfer vor schilerndem Grün – großartig!

Mitunter haben wir das Gefühl, in der früheren DDR unterwegs zu sein. Statt auf Asphalt laufen wir auf sogenannten ¨Panzerstraßen¨, also großen, aneinandergereihten Betonplatten, zwischen denen das Gras sprießt. Wir kommen an einer historischen Hofstatt voebei, die uns sehr an die alten Gutshöfe im Osten unserer Republik erinnert. Sehr heimelig, das würde uns als Alterswohnsitz schon gefallen!
Skurril sind die zwei ¨Eisinger Löcher¨, auf die wir gegen elf Uhr stoßen. Mitten zwischen hohen Wiesen ist das Erdreich in Form einer Doline eigestürzt und hat zwei große Krater hinterlassen. Leider ist das neue Eisinger Loch mit Müll verschandelt. Das alte Loch ist über abenteuerliche, total zugewucherte Glitschstufen zu erreichen. Unten finden wir einen total anderen Mikrokosmos als oben vor – Moose, Farne und umgestürzte Bäume. 

Gegen Mittag wird es dann doch recht heiß. Zum Glück geht es aber nun über halbwegs schattige Waldwege bis nach Maulbronn.

Die Klosteranlage ist – groß! Riesig! 
Über zwei Stunden laufen wir auf dem Gelände hin und her, es gibt wirklich viel zu sehen. 


Das im 12. Jahrhundert gegründete Kloster hat sehr lange und nachhaltig die Entwicklung in der Region geprägt. Vor 25 Jahren wurde die gesamte Anlage und die Umgebung (inklusive ihrer Fischteiche, Weinberge und der unterirdischen Wasserkanäle) zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Die Gebäude sind außerordentlich gut erhalten sind und alle wichtigen Stilepochen sind repräsentiert.


Wir sind schwer beindruckt, aber die ganze Verwaltung der Anlage wirkt auf uns ein wenig lieblos – die muffelige Dame an der Klosterkasse, zugewachsene Klostergärten, viele Absperrgitter, nicht zugängliche Bereiche, nur wenige und sehr knapp gefasste Informationstafeln. Da sind wir aber Besseres gewohnt!
Richtig toll ist aber das Radler im baumbeschatteten Kloster-Biergarten. Selten hat es so gezischt!

Mittelfranken, Tag 9: Pegnitz nach Creußen

22 Kilometer

Die Zaussenmühle – unser Restaurant-Tipp

Der heutige Wandertag bleibt in jeder Beziehung mittelmäßig. Heute verfolgen wir keine eigene Route mehr, sondern haben uns einem Jakobsweg anvertraut. Die haben ja oft die Orientierung, möglichst schnell und ökonomisch nach Santiago zu führen. Aus diesem Grund geht es heute viel über Asphalt und über schnurgerade, meist geschotterte und weite Waldwege.

rühmliche Ausnahmen …

Immerhin ist es etwas wärmer als die letzten Tage, als wir in Pegnitz loslaufen. Zunächst geht es über eine Hochfläche mit langweiligen Feldern, es folgen drei Kilometer Wegstrecke auf Asphalt durch ein Dorf. Ein erstes Highlight ist die alte Eisenhammer-Mühle ¨Kotzenhammer¨, die trotz ihres hässlichen Namens ein idyllisches Fleckchen ist. Hier wurde früher Eisen gehämmert, es gibt sogar einen eignenen Wanderweg, der sich dem Thema widmet – der Erzweg.

In Lindenhardt gibt es natürlich wieder keine Bürgersteige, daher auch keinen Kaffee, jedenfalls nicht auf unserer Route. Das Suchen nach Koffeepoints in solchen Dörfern haben wir schon seit Längerem aufgegeben.

Nun schlägt der Jakobweg einen großen Haken durch einen riesigen Nadelwald, um den Wanderer an der Quelle des Roten Mains vorbeizuführen. Der Anmarsch erfolgt auf schnurgerader Schotterstrecke durch einen Windpark mit riesigen – und wir meinen RIESIGEN – Windrädern. Vier von diesen können angeblich 12.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Wir wissen immer noch nicht, was wir von den Windparks halten sollen: Irgendwoher muss die Energie für unsere moderne Gesellschaft ja herkommen und die naheliegende Autobahn durch den Forst stört die Natur und uns wesentlich mehr. Auf der anderen Seite verschandeln die Dinger schon die Landschaft und machen bei stärkerem Wind wirklich einen Mordslärm. Die nächsten Häuser sind weit entfernt und irgendwo müssen die Windräder ja stehen. Das ist wohl der Preis der Energiewende und allemal besser als die großen Kohlekraftwerke.

Leider gibt es heute keine Felsen mehr, wir sind schon raus aus der eigentlichen Fränkischen Schweiz. Schade, das war zu schnell. Wir nehmen uns vor, das nächste Mal doch noch den großen Westschlenker des Frankenwegs mitzunehmen.

Die Quelle des roten Mains – nun ja .. Bei der Pegnitz war die Schüttung schon lächerlich, aber diese Quelle ist nicht mehr als ein Rinnsal. Keine Ahnung, woher das Wasser für den roten Main kommt, der ja laut Karte schon in Bayreuth (unserem morgigen Ziel) ein richtiger Fluss sein soll.

Heute sind wir beide ein wenig schlapp, aber trotzdem kommen wir schnell voran. Das liegt an den geraden Wegen und an einem Mangel an Fotomotiven.

So sind wir schon um 15 Uhr in Creußen in unserem Gasthof, der etwas außerhalb vom eigentlichen Stadtkern liegt. Wir verschieben die Stadtbesichtigung auf morgen und genießen die Nachmittagssonne auf unserer Terrasse. Wenn man schon mal solch einen Luxus hat, muss man ihn schließlich auch nutzen!

Mittelfranken, Tag 8: Von Krottensee nach Pegnitz

22 Kilometer

Am Morgen wird uns in der Linde ein köstliches Frühstück serviert – mit selbstgemachter Marmelade und Stadtwurst aus Hausschlachtung. Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste.

Gestern Abend haben wir noch ein wenig mit dem Wirt der Linde geplaudert. Er bedauert, dass der Stammtisch langsam ausstirbt. Die jungen Leute gingen einfach nicht mehr so häufig ins Wirtshaus. Zum Glück haben er und seine Frau nebenbei noch die Landwirtschaft und einige Übernachtungen von Wanderern und Fliegenfischern. Ob der Sohn den Betrieb übernehmen wird, ist sehr fraglich – er ist Hotelmanager in Nürnberg.

Heute geht es auf unserer selbstgebastelten Route weiter nach Pegnitz. Leider wird es den ganzen Tag regnen, wenn auch nicht stark. Aber steter Tropfen nässt den Schuh und wir sind zu faul, rechtzeitig unsere wasserdichten Socken anzuziehen. So heißt es mal wieder: Embrace wet feet! 🙂

Unsere Route führt uns teilweise über breite Schotterwege und über Wiesenfeldwege, mitunter total überwachsen oder gar untergepflügt. Leider lässt sich auf den Karten von Outdoor Active nicht unbedingt erkennen, wie gut die Wegqualität ist – aber das zeigt eigentlich keine Karte, oder? Insofern ist es manchmal dann doch besser, sich an die etablierten Fernwanderwege zu halten. Nun ja …

Der Weg heute führt im Wesentlichen an der Bahnlinie zwischen Bayreuth und Neuhaus (also Krottensee) entlang. Im ersten Teil geht es auf schmalen, gewundenen Pfaden durch einen schwarzwaldähnlichen Nadelwald mit Blaubeer-Bodenbewuchs. Sehr hübsch, auch im Regen! Auch sehen wir seit Längerem mal wieder Sumpfgebiete, was sehr selten im Karstland ist.

Dann geht es durch ein großes Wassersschutzgebiet für die Stadt Nürnberg. Am Wege gibt es Hinweistafeln über zwei Dörfer, die in den 60ern dem Schutzgebiet weichen mussten und abgerissen wurden. Nur die Kapelle blieb stehen. Sowas haben wir noch nie gehört – zwar kennen wir das aus England, wo Stauseen Dörfer überfluten, aber eine Umsiedlung für ein Wasserschutzgebiet?

Wiesen und Wälder wechseln sich hübsch ab. Besonders toll ist ein Schlenker von der Bahnlinie weg durch einen märchenhaften Nadelwald mit Felsen und dichtem Moosbewuchs. Hier sieht es aus und duftet wie in Schweden!

Weil es permanent regnet, finden wir schwer einen Pausenplatz für unsere Mittagspause. Am Ende wählen wir ein trockenes Plätzchen unter einer riesigen Kiefer. Das bleibt heute unsere einzige Pause, es ist einfach zu ungemütlich!

Pegnitz selbst enttäuscht. Zwar ist der Ort eine Partnerstadt von Linlithgow (Linlithgow Castle) in Schottland, aber im Zentrum gibt es jede Menge leerstehende Ladengeschäfte und kaum gemütliche Kneipen oder Restaurants. Selbst unser Hotel ¨Ratsstube¨ beherbergt im Erdgeschoss eine Pizzeria (von denen es im Ort mindestens vier gibt). Außerdem gibt es noch eine schmierig wirkende Kneipe, den obligatorischen Döner-Imbiss, einen

griechischen Schnellimbiss und zwei Take-away-Asiaten.

Immerhin finden wir auch eine Konditorei mit leckerem Kuchen.

Da wir erst um 17 Uhr einchecken können, besuchen wir noch die Pegnitz-Quelle. Die Schüttung der Karstquelle ist allerdings minimal, selbst die Eyb in Geislingen schüttet mehr Wasser aus. Dieses Rinnsal soll die Quelle des großen Flusses sein, den wir in Nürnberg gesehen haben?

Steffi sucht die Quelle

Auf dem Weg zur Quelle finden wir zum Glück noch ein nettes fränkisches Restaurant in der alten Zaußenmühle an der Pegnitz, wo wir dann zu Abend essen. Die Pegnitz hieß früher Zaußen und hat die Mühle betrieben. Im Innern der Mühle ist es urgemütlich und alles krumm und schief.

Das mögen wir! 🙂

Das Mühlrad der Zaußenmühle, kraftvoll betrieben

Mittelfranken, Tag 7: Hersbruck nach Krottensee

25 Kilometer

Heute – der schönste Wandertag bisher.

Liegt es daran, dass wir heute den Frankenweg verlassen? 🙂

Ab Hersbruck macht der Frankenweg einen großen Schlenker nach Westen. Noch dazu gibt es nur noch wenige Bahnhöfe und unser Wanderurlaub neigt sich so langsam dem Ende zu. Ein guter Endpunkt ist Bayreuth, aber das liegt nicht auf dem Frankenweg. Beim Planen möglicher Verbindungswege stoße ich auf den Ortsnamen Krottensee. Moment … war ich da nicht mal vor … Moment …echt? Dreißig Jahren zum Klettern? Der Ort mit seinem tollen Gasthof war mir noch so gut in Erinnerung, also sollte es auf jeden Fall über Krottensee gehen!

Am Morgen machen wir noch einen kleinen Gang durch Hersbruck und sind schnell wieder im Wald. Die ersten drei Kilometer folgen wir noch dem Frankenweg, aber dann heißt es Abschied nehmen – von nun an müssen wir auf die wertvollen Wegmarkierungen verzichten und einem vorher skizzierten eigenen Wegverlauf folgen. Das ist aber kein Problem – zufälligerweise laufen wir das erste Drittel des Tages auf dem ¨Fränkischen Gebirgsweg¨. Noch dazu gibt es an vielen Stellen Hinweistafeln, die uns lokale Wanderwege zu den nächsten Dörfern vorschlagen. So folgen wir zuerst dem blauen Balken, dann dem blauen Punkt, dann dem roten …

Heute geht es fast durchweg durch Wald. Im Gegensatz zu sonst wandern wir fast aussschließlich auf wurzeligen Pfaden – links und rechts, um die Ecke, zickezacke – aber leider gibt es keine Hohlwege mehr! 🙂

Auch hier – eine Akelei! 🙂
… in natürlicher Umgebung.

Im Verlauf des Tages liegen links und rechts des Weges immer mehr Steine. Die Stein werden größer und größer, Brocken … Felsen! Et voilà – wir sind in der fränkischen Schweiz!

Unser erster richtig dicker Brocken ist der Langenstein – mitten im Wald!

Der Wald wird immer wieder durch Wiesen und Felder durchbrochen. So haben wir zwar keine weiten Aussichten, aber dennoch kann das Auge schweifen.

In Rupprechtstegen treffen wir wieder auf die Pegnitz. Links und rechts gibt es viele glatte Felsen, die uns an die Sächsische Schweiz erinnern – nur so dunkel sind sie nicht, denn dies hier ist Jura-Land.

Es geht durch hübsche Dörfer und immer links und rechts der Pegnitz rauf und runter. Die Pegnitz selbst ist hier noch jung und wirkt sehr naturbelassen. Das Wasser ist grün, es gibt Forellen und jede Menge Enten und Schwäne.

Ein Schwan attackiert unaufhörlich zwei Kanus und wir sind froh, dass nicht wir die Auserwählten sind. Zum Glück sind die Leute durch das Boot etwas abgeschirmt und nehmen es mit Humor und ohne Gegenwehr. Etwas weiter oben am Flusslauf treffen wir auf die Schwanenmutter mit ihren beiden Jungen. Der Papa hat die Kanus regelrecht vertrieben!

In Velden finden wir tatsächlich eine Konditorei, die Kaffee und Kuchen serviert. Endlich! Der ¨Schwarzbeer¨-Kuchen ist vorzüglich!

Der Nachteil an selbst konzipierten Wegen ist, dass sie nicht immer so gangbar sind. So landen wir nach Velden mitten in einem aktiven Riesen-Steinbruch und werden von den vorbeifahrenden LKW ganz ordentlich eingepudert. Die Warnschilder sehen wir erst, als wir schon wieder aus der Anlage heraus sind.

Nach Engental müssen wir leider noch mal ein wenig über Asphalt, aber gerade, als es zu nerven beginnt, gibt es eine Alternative mit rotem Punkt. Obwohl wir uns genaustens an den Wegverlauf halten, müssen wir durch knietiefes Gras querfeldein marschieren und am Feldrändern entlang hoppeln. Ja sind wir denn her in Staffordshire? 🙂

In Krottensee ist alles noch so wie früher. In der ¨Linde¨ wird noch immer Hausschlachtung betrieben und die Speisekarte ist noch so rustikal wie damals. Obwohl die Wirtsleute heute Ruhetag haben, werden wir freundlichst aufgenommen und bekocht. So kommen wir trotz des Ruhetages zu einer warmen Mahlzeit und werden hier am Ende der Welt bestimmt vorzüglich schlafen!

Frankenweg, Tag 6: Altdorf nach Hersbruck

22 Kilometer

Puh, von wegen Ruhetag! In Nürnberg sind wir gestern circa 15 Kilometer kreuz und quer gelaufen …

… fast nur auf Asphalt.Wie gut, dass heute ¨nur¨ 22 Kilometer auf dem Tagesplan stehen. Mittlerweile ist so eine Distanz eher ein Spaziergang für uns. Unser jeweiliges Tagespensum hängt im Wesentlichen von den Unterkünften ab. Dabei sind 25 Kilometer für uns das ideale Maß. Man kommt nicht zu früh an und hat am Abend auch keine platten Füße. Noch dazu laufe ich seit Jahren ohne Kreuzband und nur mit einem halben Innenband- mehrere 30er hintereinander nimmt mir das linke Knie übel.

Am Morgen müssen wir zunächst mit der S-Bahn nach Altdorf zurückfahren, um dort wieder auf den Frankenweg zu kommen. Zum Glück liegt der Bahnhof dort etwas außerhalb und den Marsch durch die Gemeinde haben wir bereits am Sonntag hinter uns gebracht. So geht es schnell wieder in die Natur und wir müssen nicht lange Pflaster treten.

…der obligatorische Hohlweg

Überhaupt ist heute ein sehr schöner Wandertag. Es geht größtenteils auf schmalen Wegen und Pfaden durch einen schönen Mischwald. Und der Wald: Hier wird eine sehr schonende Waldwirtschaft betrieben, große Abholzungen wie im Schwarzwald sieht man hier nicht. Links und rechts des Weges liegt viel Altholz herum und Nadel- und Laubbäume stehen wild durcheinander.

Was uns auf dem Frankenweg generell ein wenig fehlt, sind die Aussichten. Zwar führt der Weg über viele Höhen, aber man sieht immer nur Wald. Wir können allerdings verstehen, dass für die Wanderer nicht extra Sichtschneisen geschlagen werden! 🙂

Immer wieder geht es jedoch aus dem Wald heraus und der Blick weitet sich auf Wiesen und Felder und das eine oder andere Dorf.

Tatsächlich begegen wir heute mal wieder einem Fernwanderer auf. Wow! Das ist schon der dritte in sechs Tagen und wir laufen ja entgegen der allgemeinen Laufrichtung und müssten sie alle treffen!

Ansonsten: Zweimal in Ortsnähe Hundeausführer, einen Jogger, zwei Radfahrer – that´s it!

Was das Wetter heute angeht: Kalt! Zwar wechseln sich Wolken und Sonne ab, aber es weht ein schneidender Wind. Immerhin kommen wir trocken nach Hersbruck – Das ist doch schon was! (Der Regen kommt erst, als wir schon im Gasthof sind.)

…warmer Empfang in Hersbruck…

Auch Hersbruck ist ein hübsches, altes Städtchen. Nicht zu geputzt, mit einem mittelalterlichen Marktplatz und ein paar alten Stadttürmen. Auch ein Schloss hat´s, profan als Amtsgericht genutzt.

Schade, heute können wir wieder nicht draußen sitzen. Die Windböen und gegentliche Schauer lassen das nicht zu. Irgendwie lässt der Frühsommer dieses Jahr noch auf sich warten …

…die Pegnitz bei Hersbruck – noch soo klein…

Frankenweg, Tag 5: Von Höhenberg (Neumarkt i.d.OPf.) nach Altdorf

25 Kilometer

Schlechtes Wetter verleiht Flüüügel!

Heute morgen hat es sich merklich abgekühlt. Von lauen Frühlingstemperaturen und Sonne keine Spur mehr. Stattdessen Windböen und Nieselregen.

Der Frankenweg führt direkt an unserem Hotel vorbei. Wir verlassen das Hotel nur ungern: Unser Zimmer war das Schönste auf der Tour bisher und wir hatten sogar einen Balkon mit einem tollen Blick auf das Tal und die Burg Wolfstein.

Aber nun heißt es raus in das Schmuddelwetter. Der erste Teil des Weges ist noch recht hübsch durch den Wald und an der Burg vorbei, aber dann kommen wir auf eine fiese Hochebene. Der Weg führt kilometerweit über eine öde, flache Agrarfläche mit zahreichen Windrädern. Aber damit nicht genug – der Gegenwind ist eine echt kalte und fiese Möpp, fast fühlen wir uns an den HELM in den Pennines erinnert. Gottseidank hat es zu regnen aufgehört, so peitscht uns wenigstens nicht der Regen ins Gesicht.

In zwei Stunden schaffen wir zehn Kilometer, das ist der Ungemütlichkeit geschuldet!

Zum Glück geht es irgendwann auf einem holprigen Waldweg wieder nach unten. So freuen wir uns doch noch über eine relativ windgeschützte Mittagspause.

Ab Pilsach verläuft der Frankenweg ein kurzes Stück deckungsgleich mit dem Oberpfälzer Jakobsweg. Aber auch auf diesem Stück ist außer dem Blechgesellen niemand außer uns unterwegs …

Im letzten Drittel des Tages wird der Weg zum Glück wieder schöner und das Wetter auch. Sogar die Sonne lässt sich blicken und voilà – es wird auch gleich wieder wärmer.

Kurz vor Altdorf treffen wir auf so viele Menschen, wie wir seit Tagen nicht mehr gesehen haben. Es ist Sonntag und halb Altdorf genießt die Nachmittags-Sonne.

Heute Abend werden wir noch mehr Menschen aushalten müssen – wir fahren mit der S-Bahn nach Nürnberg und legen dort morgen einen ¨Ruhetag¨ ein. Da wir beide die Stadt noch nicht kennen, wollen wir unbedingt einen Tag dort verbringen. Ob wir die Menschenmassen dort wohl verkraften werden? 🙂

Frankenweg, Tag 4: Von Berching nach Höhenberg (Neumarkt)

33 Kilometer

Der Weg ist heute fast so schön wie immer! Vielleicht ein bisschen zu viel Schotter. Aber wieder nur wenig Asphalt, eigentlich fast nur in Ortsnähe.

Der Frankenweg ist herrlich abgeschieden. Zwar bewegt man sich hier wie fast überall in Deutschland in einer Kulturlandschaft, aber es gibt enorm große unbebaute Flächen – Landschaft pur.

Das nutzen die Franken allerdings, um Windparks großzügig auf die weiten Flächen zu verteilen.

Der heutige Weg führt uns an einigen vorbei. Die Dinger werfen einen weiten Schatten und klingen wie entfernter Fluglärm.

Wir laufen auf dem Frankenweg gänzlich ohne Papierkarten und verlassen uns auf die gute Wegkennzeichnung und auf die Karten der Outdoor Active App. Interessanterweise weicht der tatsächliche Weg manchmal erheblich von der App-Karte ab. Oft finden wir uns auf Wegschlenkern wieder, die auf der Karte nicht nachvollziehbar sind. Hä? Warum geht es jetzt hier lang?

Das Laufen nach Wegmarkierung ist jedoch wesentlich bequemer, als immer auf das Handy zu gucken. Sei´s drum, aber so werden aus 31 geplanten Kilometern dann 33 gelaufene. Statt 450 Metern Aufstieg gibt es dann 750.

Einen langen Weg soll man gemütlich angehen. Für die 33 Kilometer brauchen wir gut neun Stunden, inklusive drei Pausen. Scheinbar laufen wir relativ langsam, aber dafür geht es uns am Abend immer noch gut. 🙂

Heute haben wir zwei Rätsel für euch:

  1. Findet das schwarze Eichhörnchen.

  2. Auf einem der heutigen Bilder stimmt was nicht. Auf welchem? 🙂

Die Eindrücke des Tages:

starker Wind

ein zehnminütiger Platzregen

ein Hagelschauer

viel Sonne

bürgersteiglose Dörfer

keine Cafes, nur ein geschlossenes 😦

tief fliegende Schwalben

viel Grillengezirpe

Wolkengebirge

weite Aussichten

Laufen im T-Shirt! 🙂

Frankenweg, Tag 3: Thalmässing nach Berching

25 Kilometer

Endlich ein Wetter!

Als wir am Morgen aufbrechen, lacht die Sonne. Friedel läuft gleich im T-Shirt los, ich finde es noch ein wenig frisch und lege den Pulli erst gegen 10 Uhr ab.

Zu Beginn geht es noch durch das ¨Zentrum¨ von Thalmässsing. Der Ort ist nicht besonders groß, aber recht hübsch!

Natürlich geht es am Anfang wieder ordentlich bergauf. Die Wegführung durch die obligatorischen Neubaugebiete ist recht geschickt, es geht zwischen Hecken und über Treppen und Gärten nach oben. Schnell sind wir wieder im Wald.

Im Vergleich zum Ostweg sind die Waldwege hier im Frankenland eher erdig und laubig und vermitteln den Eindruck, wirklich alt zu sein. Das gefällt uns wesentlich besser, als immer über Schotter zu laufen.

Die Stimmung im Wald wird dadurch aber ein wenig dunkler und unheimlicher, vor allem, wenn noch die Raben über uns krächzen und in der Nähe Hirsche bellen!

Wir treffen wieder keinen Menschen – keine Hundeausführer, keine Jogger, keine Radfahrer … merkwürdig.

Der einzige Ort auf unser Route ist heute Obermässing, nach ungefähr zehn Kiometern. Obwohl der Ort gar nicht so klein ist, hoffen wir wieder umsonst auf einen Kaffee. Orte in dieser Größenordnung hätten im Schwabenländle oder in Westfalen zumindest eine Bäckerei und eine Sparkasse. Hier aber gibt es zwar hübsche Häuser, schöne, gepflegte Vorgärten, große Kirchen, aber kein Mensch ist auf der Straße. Was auch auffällig ist: Keiner der Orte hier hat ein Industriegebiet. Hier schläft man nur, aber arbeitet woanders!

Im letzen Drittel wird der Weg ein wenig langweilig. Wir laufen wieder entlang der Albkante, aber rechts von uns ist die Landschaft so flach wie in Westfalen – Rapsfelder bis zum Horizont!

Wir vertreiben uns die Zeit mit dem Absingen von blöden 80er-Songs – ¨D.I.S.C.O¨ und ¨ Hands up, Baby hands up¨, außerdem unser Wanderklassiker ¨Mevagissey¨ 🙂

Hier oben verdunkelt sich der Himmel doch noch und ein kurzer Platzregen mit Graupel geht herunter. Wir haben auf dieser Tour allerdings unsere Trekking-Schirme dabei, so können wir uns schnell gegen den Platzregen wappnen.

Unsere Mittagspause verbringen wir etwas verspätet auf einer heideartigen Wiese mit Blick auf Berching.

Gegen 15 Uhr erreichen wir dann Berching, auf das wir uns schon sehr gefreut haben – die Stadt ist ein historisches Schmankerl mit einer tollen alten Stadtmauer und vielen romatischen Gässchen. Allerdings wirkt der Ort im Vergleich zu Weißenburg etwas museal auf uns.

Hier bekommen wir auch endlich mal wieder Kaffee und Kuchen.

Allerdings begehen wir den Lapsus, DRAUSSEN sitzen zu wollen. Die Bedienung im Cafe ermahnt uns zweimal, dass es draußen WINDIG und KALT sei und dass unser Kaffee dort sehr schnell KALT würde. Wir bestehen aber trotzdem daraus und werden auch beim Bezahlen noch mit Lamenti erfreut … 🙂

Der Gasthof in Thalmässing gestern war total modern, obwohl der Name ¨Landgasthof¨ etwas anderes verhieß. Heute sind wir wieder eher traditionell untergebracht, wenn auch nicht so mondän. Wir mögen diese alten Gemäuer trotzdem lieber!

Frankenweg, Tag 2: Weißenburg nach Thalmässing

28 Kilometer

Heute wissen wir irgendwie gar nicht, was wir schreiben sollen: Die Etappe war unspektakulär und lang, aber trotzdem außerordentlich schön!

Der Weg heute: Grasig und laubig!

Ein langer Aufstieg am Morgen, dann eine lange Wanderung an der Kante der Albfläche entlang. Links ein dunkler, waldiger Abhang mit einigen Ausblicken, rechts weite Flächen. Am Nachmittag ein weiterer Aufstieg im Wald und ein steiler Abstieg nach Thalmässing.

Das Wetter: Unberechenbar.

Am Morgen ist schön sonnig, fast heiß. Einen Dank an alle Daumendrücker, es hat geklappt!

Ab Mittag waren Regenschauer angesagt, aber wir entkommen den großen Schauern – außer ein paar Tropfen kriegen wir nix ab und das Regenzeug bleibt im Rucksack. Erst mit dem Eintreffen im Gasthof in Thalmässing gallert es richtig los.

Die Begegnung des Tages: Mysteriös!

Nach etwa zwei Stunden treffen wir zwei ältere Wanderprofis, die den Frankenweg ¨richtig herum¨ laufen. Die beiden schneiden ein wenig auf, wenn auch sympathisch. 🙂

Sie wollen uns weismachen, dass sie heute morgen da losgelaufen sind, wo wir in sechs Stunden ankommen wollen. Wir sind ein Viertel der Strecke schon gelaufen, sie angeblich bereits drei Viertel. Kann das sein? Das beschäftigt uns den ganzen Tag.

Am Abend können wir es uns nicht verkneifen, die Wirtin in unserem Gasthof zu fragen, wann denn die beiden heute früh gestartet sind …. sie waren gar nicht gestern dort, sondern vorgesterrn. Aaaha!

Die Stimmung des Tages: Spooky!

Am Nachmittag wechseln sich Sonne und Regen ständig ab oder überschneiden sich. Jede dunkle Phase wird mit ordentlichen Windböen eingeleitet und sorgt im Wald für eine gruslige Stimmung – es knackt und knallt überall, wenn die Kronen der Bäume gegeneinander schlagen. Außerdem regnet es Tannenzapfen! 🙂

Die Farben des Tages:

Knallgelb (Rapsfelder), ein tiefes Braun (tonige Erde, altes Laub) saftiges Grün (überall).

Tiere des Tages:

Rehe, Eichhörnchen, eine Blindschleiche, die ersten Grillen des Jahres und lästige, längliche schwarze Fliegen.

Ein Wort zum bisherigen Wegstück auf dem Frankenweg: Verschwurbelt!

Er lässt sich Zeit, er meidet Straßen, er scheut keine Umwege, aber trotzdem läuft er mehr oder weniger linear.

Wir laufen zwar selten auf Pfaden, aber der Asphaltanteil ist relativ gering. Die meisten Wegstücke heute sind zweispurige weiche Waldwege oder grasige Feldwege. Mitunter haben wir den Eindruck, dass wir im Kreis gelaufen sind, aber am Ende kommen wir doch voran.

Wenn wir selbst einen Weg suchen müssten, wäre der wahrscheinlich nur halb so lang, aber auch längst nicht so schön.

Typisches Jura-Haus

Keltische Hohlwege

Frankenweg Tag 1: Von Wettelsheim nach Weißenburg

Treuchtingen nach Wettelsheim: 4 Kilometer

Wettelsheim nach Weißenburg: 20 Kilometer

Schon gestern sind wir vier Kilometer vom Bahnhof in Treuchtlingen quer über den Berg gelaufen, um nach Wettelsheim zum ¨Goldenen Lamm¨ zu kommen. Wir wollten einfach noch den Abend dort genießen und morgens auschlafen, statt erst heute morgen anzureisen. In der Tat hatten wir einen schönen Abend mit einem tollen Abendessen im ¨Lamm¨! 🙂

Heute haben wir deshalb so richtig Zeit zum Bummeln. ¨Nur¨ 20 Kilometer, das sind wir gar nicht mehr gewöhnt! 🙂

Ausschlafen können wir irgendwie auch nicht mehr. Schon um neun Uhr sind wir startklar.

Der Weg heute läuft unter dem Motto ¨Wiesen, Wald und Felder – schön abwechslungsreich, wenig langweilig. Zwar gibt es bis Kilometer 16 kaum Attraktionen, aber das Wandern macht einfach Spaß! Es geht an der Wettelsbacher Brauerei vorbei über die Altmühl …

… den Berg hoch mit einem (zugegeben etwas diesigen) Blick zurück nach Wettelsheim …

… und dann nach einem langen Asphalt- Marsch durch ein paar kleine Dörfer auf den nächsten Berg und in den Wald.

Das Wanderwetter ist bis zum Mittag eigentlich ideal: So etwa 15 Grad und leicht bedeckt, nicht zu sonnig. So mögen wir es, vor allem, weil für den ganzen Tag Regen angesagt war!

Tatsächlich beginnt es am Mittag etwas zu tröpfeln. Aber wir schaffen es, den ganzen Tag die Regenjacken im Rucksack zu lassen. Kein Vergleich zum Ostweg! 🙂

Die eigentlichen Highlights des Tages warten auf uns bis zum Schluss. Vier Kilometer vor dem Tagesziel liegt die sternförmige Festung Wülzburg. Innerhalb der riesigen Anlage sind fast keine alten Gebäude mehr erhalten, zu oft wurde der Zweck der Anlage umgewidmet: Erst Kloster, dann Festung, dann Garnison, dann Gefängnis, dann Krieggefangenen-Lager …

Aber die Mauern sind riesig hoch und der Burggraben ist beeindruckend tief. Toll ist auch der Kirschkuchen in der Burgschänke … 🙂

Direkt vor der Festung grast eine große Schafherde, ganz stilvoll mit Schäfer (der aber flott mit einem alten Golf unterwegs ist). Inmitten der Schafe gibt ein Tier, das dort offensichtlich nicht hingehört: Ein Esel! Nanu?

Wie wir von dem Schäfer erfahren, soll der Esel die Schafe vor dem Wolf beschützen. Er soll angeblich kicken, beißen und sich rasend aufführen, so dass der Wolf die Flucht ergreift. Allerdings steht laut Schäfer der Beweis dafür noch aus, bisher gab es noch keine Wolfsattacke.

Weißenburg ist eine ¨Große Kreisstadt¨, dementsprechend lang ist der blöde Anmarsch auf die Innenstadt – über eine Schnellstraße, am Kaufland vorbei, an -zig Tankstellen …

Aber dann!

Die Stadt besitzt eine der intaktesten Stadtmauern im süddeutschen Raum. Auch innerhalb der Stadtmauern gibt es tolle Gebäude und kleine Altstadtgassen.

Aber das spektakulärste Bauwerk ist das mittelalterliche Ellinger Tor. Doch, das ist echt!

Zu den 20 Kilometern kommen heute noch zwei Sightseeing-Kilometer dazu. Ein toller Abschluss unserer Wanderung. Und genau passend, um gegen 16 Uhr in unser Hotel einzuchecken. Wir haben sogar einen kleinen Balkon mit Blick auf Kirche und Stadtmauer! 🙂

DDLN – Deutschland der Länge nach

Ihr habt es vermutlich schon gemerkt – wir streckenwandern jetzt auch in Deutschland!

Bisher haben wir meistens nur Kurzurlaube und Wochenenden in Deutschland verbracht. Den Westweg sind wir so schon gelaufen, den Albsteig, den Schluchtensteig und den halben Altmühltal-Panoramaweg.

Ihr kennt uns als echte England-Fans. Aber aus verschiedenen Gründen haben wir die letzte Etappe von LECW etwas verschoben:

1 Der Brexit. Wann wird Großbritannien aus der EU austreten? Und wie? Stehen wir dann irgendwo blöd am Flughafen und kommen nicht zurück? Wie wird die Stimmung im Land sein, wenn der Austritt ansteht? Im Moment haben wir keine Lust auf diese Wirren und verschieben Schottland auf später.

  1. Die sogenannte ¨Flugscham¨: Wir wollen nicht jedes Jahr zweimal auf die Insel fliegen. Aber wenn man immer nur zwei Wochen am Stück wandert, ist eine lange Zugfahrt bis nach Schottland zu umständlich. Wir haben uns vorgenommen, in Zukunft nur noch einmal im Jahr zu fliegen – wenn überhaupt.

  2. In GB kennen wir uns mittlerweile ganz gut aus. Viel weniger wissen wir jedoch über Deutschland. Mehrmals sind wir in Großbritannien gefragt worden, wo man denn bei uns ganz gut wandern könne. Mehr als der Schwarzwald und die Alb fielen uns dazu erst mal nicht ein … Das wollen wir ändern!

  3. Besonders wenig wissen wir über Ostdeutschland. Deshalb werden wir auf jeden Fall einen Teil der Strecke durch die mittlerweile gar nicht mehr so neuen Länder laufen.

Der Plan: In Schaffhausen haben wir unsere Deutschlandreise auf dem Ostweg gestartet. Bis Treuchtlingen in Oberfranken können wir die Deutschlandtour an Wochenenden und mit Kurzurlauben abdecken. Die erste längere Etappe beginnt dann morgen: Auf dem Frankenweg und am Ende querfeldein geht es – wenn alles gut läuft – bis Bayreuth.

Das Ende der gesamten Tour soll dann die Ostsee sein – aber das dauert sicherlich noch ein paar Jahre! 🙂

Wir wünschen uns und euch viel Spaß mit ¨Deutschland der Länge nach¨!

Ostweg Etappe 8: Altensteig nach Calw

5. Mai 2019, 25 Kilometer

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Gestern Abend hatten wir bei dem schlechten Wetter keine Gas und keine Lust mehr, uns die Altstadt von Altensteig anzusehen. Der Ostweg führt heute eh den Berg zur Altstadt hoch, also gibt es die Besichtigung am Morgen!

Hoch oben thront das Altensteiger Schloss, umgeben von schönen Fachwerkhäusern und engen Gassen. Das eigentliche Leben findet zwar unten im neueren Stadtteil an der Nagold statt, aber hier oben ist es wie im Freilichtmuseum. Sehr hübsch!

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Weiter geht es über eine zugige Hochebene. Es ist immer noch ziemlich kalt, aber zwischendurch lässt sich sogar mal die Sonne blicken!

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Nach 2,5 Kilometern geht es gleich wieder runter. Und uns erwartet das nächsten Highlight: Berneck liegt wirklich wunderschön an einem grünen See und besticht mit einer überaus fotogenen Burg.

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Wow, was für ein Unterschied im Wandergefühl, wenn es mal nicht regnet! Zwar schneit es heute immer wieder mal, aber der körnige Schnee fällt von unseren Windbreakern gleich wieder ab. Perfekt! 🙂

Natürlich gibt es auch heute wieder jede Menge schöne Passagen im Wald. Friedel liebt es, wenn es „Wald im Wald“ gibt – oben die dunklen Tannen, dann ein Mittelbau aus grünen Buchen oder kleineren Nadelbäumen und unten Moose oder Blaubeersträucher. Drei-in-Eins!

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Im Wald kurz vor Oberhaugstett kommt uns eine einsame Wanderin mit großem Rucksack entgegen. Wir sind so begeistert, eine andere Fernwanderin auf dem Ostweg zu treffen, dass wir mit der Berlinerin glatt eine halbe Stunde verquatschen. Die Frau ist wie wir recht irritiert, dass im Ostschwarzwald so wenig los ist. Sie findet das als Alleinwanderin sogar ein wenig schaurig.  Und in der Tat – obwohl wir den Ostweg „verkehrt herum“, also nicht von Nord nach Süd laufen, haben wir bisher nur zwei weitere Fernwanderer getroffen, und das war auf der zweiten Etappe!

Die sympathische Berlinerin hat uns schon vorgewarnt – ab Oberhaugstett geht es fünf Kilometer über Asphalt, und das über eine saulangweilige und windige Hochebene. Solche Passagen sind  wohl einer der Gründe, warum der Ostweg nicht zu den „Top Trails of Germany“ gehört! 🙂

In Bad Teinach-Zavelstein wollen wir einen Kaffee trinken. Kurorte sind nur leider fast immer piekfein und spießig und Bad Teinach ist da keine Ausnahme. Wir hassen Kurorte!

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Im Kurhotel wollen wir nicht einkehren. So durchqueren wir den total verkitschten Kurpark und hoffen, dass es im Ort ein „normales“ Kaffee gibt. Ähhh … welcher Ort? Neben der Kureinrichtungen gibt es kein Café…

Vielleicht werden wir in Zavelstein fündig? Der Ostweg durchquert nämlich beide Ortsteile, Bad Teinach liegt im Tal und Zavelstein 200 Meter höher auf dem Berg. Auf dem Weg nach oben kommen wir zum ersten Mal auf dieser Tour so richtig ins Schwitzen – 200 Höhenmeter auf einem Kilometer!

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Zavelstein hat eine tolle Burg, aber leider keine Burgschänke. Im geputzten Örtchen sind jede Menge Sonntags-Spaziergänger unterwegs. Alle duften und glitzern, aber keiner ist so verschlammt und verschwitzt wie wir. Ins „Hotel Berlins Krone“ trauen wir uns deshalb nicht und mümmeln unsere Brote auf einer Bank hinter dem Ort – auch nicht schlecht, sogar die Sonne kommt raus und der Tee in der Thermoskanne ist noch warm. 🙂

Auf den restlichen fünf Kilometern nach Calw müssen wir uns ein wenig sputen – der Bus in Richtung Stuttgarter S-Bahn geht um 16:30 Uhr. Schade, denn der Weg ist recht schön, es gibt sogar Passagen auf waldigen Pfaden!

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Kurz vor Calw kommen wir an einem etwas skurrilen Ort vorbei, dem Calwer Schafott. Hier wurde 1818 das zweitletzte Todesurteil in Baden-Württemberg vollstreckt. Urrgh!

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Wir machen, dass wir weiter kommen. Leider haben wir für die schöne Altstadt von Calw gar keine Zeit. Beim nächsten Mal!

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Calw an der Nagold

Um 16:20 Uhr sind wir am Busbahnhof, aber es fährt kein Bus! Wegen einer Streckensperrung sollen wir ein „Shuttle“ zur „Linde“ nehmen. Der Minibus ist allerdings viel zu spät und bringt uns nach einer abenteuerlichen Fahrt über den Berg genau 200 Meter weiter hinter den Busbahnhof. Da der Tunnel unter den Bahngleisen jedoch auch für Fußgänger gesperrt ist, geht ohne das Shuttle nix. Ja toll! Unser anvisierter Bus ist nun weg…

Wir erwischen erst den nächsten Bus und kommen eine Stunde später als geplant in Geislingen an. Schade, denn von Calw nach Geislingen ist es eigentlich nicht so weit. Immerhin konnten wir in der Wartezeit auf den Bus noch etwas in einem Asia-Imbiss essen.

Eigentlich habe wir zwei Wochen Urlaub, aber Friedel hat am Montag einen wichtigen Termin. Deshalb geht es erst am Mittwoch mit unserem Wanderurlaub weiter. Diesmal auf dem Frankenweg!

Ostweg, Etappe 7: Von Freudenstadt bis Altensteig

25 Kilometer

Was ist das nur mit uns und dem Ostweg – nachdem es tagelang frühlingshaft warm war, hat uns heute Mittag der Winter wieder eingeholt.

Blöderweise hat es bei unserer Ankunft am Bahnhof in Freudenstadt gleich voll geregnet. Der Wetterbericht hat für den ganzen Tag Regen und Schnee angesagt – auweia!
Egal. Wie wollten trotzdem nicht zuhause bleiben und nun sind wir halt hier!

Friedel hat die Kamera gleich wasserdicht weggepackt, so sind alle Aufnahmen heute nur mit dem Handy enstanden.

Im Gegensatz zu den letzten Etappen haben wir heute sehr schöne Wege – kaum Asphalt, viel Wald, viel Moos, viel Blaubeergesträuch. 

Die übliche Etappe ist nur 17 Kilometer lang, bis nach Pfalzgrafenweiler. Da wir aber dort nicht übernachten und uns den langen Einmarsch in den Ort ersparen wollen, haben wir uns eine Ortsumgehung auf der Karte herausgeguckt. Wir laufen durch das Zinsbachtal – das ist zwar nicht der Ostweg, aber bedeutet insgesamt eine Abkürzung von etwa drei Kilometern bis nach Altensteig und ist bestimmt viel schöner!

Gegen Mittag ist der Regen tatsächlich in Schneeregen, Hagel und Graupel übergegangen und es ist saukalt geworden. Wir verbringen eine Schlotterpause vor einer Rasthütte mitten im Wald. Zum Glück haben wir unsere Thermoskanne dabei und können unsere eiskalten, nassen Hände daran aufwärmen.
Aber ab jetzt ist es nicht mehr ganz so nass- Schnee ist besser als Regen!

Ein Problem mit dem Wandern im Frühling ist, dass die Wege mitunter total versaut sind vom Holzschlagen. Sogar der Ostweg wird davon nicht verschont. Aber das kennen wir ja schon von den letzten Etappen …

Das Zinsbachtal ist in der Tat sehr lieblich.
Der Weg führt angenehm auf Halbhöhenlage an einer langen, blumenübersähten Wiese und einem murmelnden Bächlein entlang. Leider lassen im Graupel alle Blumen die Köpfchen hängen.


Hinweisschilder machen uns auf die Flößertradition in der Region aufmerksam. Von hier aus wurden in früheren Zeiten große Mengen an Baumstämmen über den Rhein bis nach Holland verflößt. 

Wir freuen uns, dass die Zinsbachstube zwischen Edelweiler und Wörnersberg geöffnet hat – aber was für ein skurriler Ort!
Der Laden hat seinen Zenit vermutlich schon in den 70er-Jahren überschritten und wir fühlen uns wie aus der Zeit gefallen: Im Gastraum sitzen außer uns noch eine Gruppe fideler Rentner, die plötzlich mehrstimmig Volkslieder anstimmen – schräg, aber gut! 🙂

Nun haben wir nur noch fünf Kilometer bis nach Altensteig – und mit der Sachertorte im Bauch schaffen wir die im Nu!
Zwischenzeitlich hört es sogar immer wieder mal kurz auf zu schneien. Freiheit für die Ohren, runter mit der Kapuze!

Schon um 16:30 sind wir am Gasthof ¨Traube¨, unserer heutigen Unterkunft. Der Gasthof ist günstig und das Essen ist außerordentlich lecker – aber es gibt kein WLAN und auch die Einrichtung unseres Zimmers erinnert an die 70er. Gelsenkirchener Barock in Reinform, aber uns stört das nicht.

Die Aussichten für morgen: Weitere 25 Kilometer, es bleibt zwar kalt, aber wird trockener …
Trotz des miesen Wetter war heute ein toller Wandertag, mit Wald im Wald und Grün in Grün …