DDLN Etappen 58 und 59: Durch die Ostheide und das Wendland von Wahrenholz nach Reddereitz

16.05.2022: Wahrenholz nach Bad Bodenteich 28 Kilometer
17.05.2022: Bad Bodenteich nach Reddereitz 30 Kilometer

„Grüner geht’s nicht!“
Das beschreibt unsere zwei nächsten Wandertage auf unserer Deutschlandtour, dieses Mal durch die Ostheide und das Wendland, am besten.

Gern hätten wir uns weiter östlich gehalten und wären heute, an unserem dritten Wandertag im Mai 2022, lieber der Originalroute des E6 über Oerrel und Hankensbüttel gefolgt. Vielleicht hätten wir dann ein bisschen mehr Heidekraut gesehen und weniger Wald. Der E6 schlägt jedoch einen großen Haken nach Westen und leistet sich dabei auch noch den einen oder anderen Schlenker nach links und rechts. Flugs wären da auf der Originalroute des E6 satte 37 Kilometer bis nach Bad Bodenteich zusammengekommen – für uns eindeutig zu viel. Deshalb habe ich uns eine direktere Route zusammengebastelt, die uns in einer geraden Linie durch die Wälder westlich der Ise bis nach Wentorf leitet, wo wir dann wieder auf den E6 treffen und erneut entlang des Elbe-Seitenkanals Bad Bodenteich erreichen. Von dem Kurort hatten wir zuvor noch nie gehört – aber hier gibt es Abendessen und Bett!

Schön sind die Wälder rechts des Flüsschens Ise. Das ganze Gebiet „Ise mit Nebenbächen“ ist Naturschutzgebiet und wir wandern auf größtenteils schnurgeraden Wegen durch einen lichten Nadelwald mit Blaubeergebüsch und feuchtem Unterbewuchs. Friedel nennt solche Abschnitte oft „Wald im Wald“, was sehr schön beschreibt, dass es im Unterholz viel zu bestaunen gibt. Mitunter bricht die Waldlandschaft auf und wir erhaschen einen Blick auf sattgrüne Feuchtwiesen mit Binsen und Mengen an Schmetterlingen. Aber leider haben wir kaum die Muße, das schöne Arrangement ausgiebig zu betrachten und zu fotografieren …

… denn hier gibt es UNMENGEN an Mücken!

Die Mistviecher lieben vor allem den Friedel. Flügelschlagend eilen wir durch den Wald, denn viel Bewegung verhindert die Landung der Insekten auf Haut, Hose oder T-Shirt. Wir stellen nämlich fest, dass unsre Merinoshirts nicht mückenfest sind – verdammte Hacke!

Im Gegensatz zu sonst renne ich HINTER Friedel durch den Wald, wo ich dich sonst immer vorne laufe. Dabei schlage ich ihm die eine oder andere Mücke von den hinteren Waden oder aus dem Nacken. Keine Ahnung, warum der Friedel bei den Viechern so beliebt ist!

So manch schönes Fleckchen lädt zu einer Teepause ein, aber die Mücken geben uns keine Ruhe. So fliegen wir förmlich durch den Wald und freuen uns, dass wir nach sechzehn gehetzten Wanderkilometern bei Alt-Isenhagen endlich aus dem Waldsumpf auftauchen können. An der Böschung zum Elbe-Seitenkanal dürfen wir nun endlich eine wohlverdiente Pause einlegen.

Heute sind jede Menge Schiffe auf dem Kanal unterwegs und wir sitzen recht lange da und schauen zu, wie die bunten Kähne an uns vorbeiziehen. Diese Form des Transports von Waren und Rohstoffen finden wir gut!

Heute am Montag sind am Kanal viel weniger Radler unterwegs als gestern am Sonntag. Dementsprechend gemütlich können wir nebeneinander laufen und gemütlich wandern wir die restlichen neun Kilometer bis zu unserem Endziel für heute, Bad Bodenteich.

Kurz vor Bad Bodenteich kommen wir noch einmal durch eine heideähnliche, mückenarme Landschaft und siehe da – es gibt sogar eine Bank. Hier trinken wir unser restliches Wasser und aus den Tiefen meines Rucksacks ziehe ich noch einige Haferkekse. Wir schon viele Male vorher stellen wir fest, dass wir diese letzten Pausen kurz vor dem Tagesziel besonders lieben. Aber natürlich nur bei gutem Wanderwetter!

Bad Bodenteich ist ein schmuckes Städtchen: Im Ortskern gibt es zwei Seen, auf denen es sogar Tretboote gibt.

Wir schätzen Bad Bodenteich vor allem für sein Eiscafé … denn da gibt es den wohlverdienten Eiskaffee, auf den sich Friedel schon seit gestern freut!

Das Eiscafé befindet sich in Bad Bodenteich hinter den Mülltonnen und Autos!

Dieses Eiscafé nun wird uns als das mit dem autistischen Kellner im Gedächtnis bleiben. Als er unserer Rucksäcke ansichtig wird, zieht er uns mit der Bemerkung ins Gespräch, dass er auch ein großer Outdoor-Liebhaber sei. Er erzählt uns minutenlang von seinen Radtouren in Italien, Frankreich und sonst wo und wir kommen kaum dazwischen. Als er mit seinem Monolog am Ende ist, kassiert er und verschwindet. Er hat nicht mal gefragt, warum wir in Bad Bodenteich sind!

Weitaus weniger gesprächig ist der Wirt im „Gasthaus zum alten Ritter“, in dem wir heute nächtigen. Wir erreichen das Themenhotel durch ein kleines Waldstück, in dem allerhand Verlustierungen des Mittelalters aufgebaut sind: Bahnen zum Bogenschießen, Buden zum Tonkrug-Werfen, hölzerne Pranger. Witzig!

Auch die Gasträume, der Innenhof und die Zimmer sind stilvoll im Mittelalter-Look gestaltet. Als wir den Wirt auf die gelungene Dekoration seines Hotels ansprechen, verzieht er keine Miene – und den Rest des Abends auch nicht mehr.

Zum Abendessen bestellen wir jeder eine halbe gegrillte Ente mit Rotkohl. Fürwahr ein ungewöhnliches Mahl! Wir schaffen jeder nur ein Viertel des fettigen, aber überaus leckeren Vogels. Beim Abräumen betonen wir dem Wirt gegenüber, dass unsere Portionen zwar wohlschmeckend, aber wirklich nicht zu schaffen seien. Wir meinen, da die Spur eines triumphierenden Lächelns auf seinem Gesicht zu sehen – und schweigend verschwindet er mit unseren Bergen an Knochen in Richtung Küche. Hintergründig – solche wortkargen Zeitgenossen sind uns weitaus lieber als Schwätzer!

Nach dem Abendessen besichtigen wir noch Burg Bodenteich. Die Anlage ist hübsch restauriert und beheimatet einige lokale Behörden und ein Museum. Extra der Burg wegen hätte sich die Anreise nach Bad Bodenteich wohl kaum gelohnt – aber für die Verdauung von halben Enten an einem lauen Sommerabend ist die Anlage absolut geeignet!

Am nächsten Tag halten wir uns ziemlich genau an dieWegführung des E6 – die knapp dreißig Kilometer bis nach Reddereitz erscheinen uns für eine Tagesetappe im Flachland gut machbar.

Heute erwartet uns ein ganz entzückender Wandertag. Zum einen ist es heute nicht so warm und schwül, es nieselt sogar. Zum anderen laufen wir heute durch äußerst abgelegene, aber sehr reizvolle Landschaften. Das Wendland ist eine alte, sehr urtümliche Region mit alten Wegen und schönen Wäldern!

Die Gegend um Bad Bodenteich herum könnte man sogar als sumpfig bezeichnen. Da es aber bei unserem Auszug aus der Stadt regnet, haben wir heute kein Problem mit Mücken. Friedel hat sich heute eh gewappnet – mit seinem (so finde ich) äußerst lächerlichen Regencape schreckt er jede Mücke ab!

Hier im Wendland wandern wir durch eine eher trockene Gegend – selbst heute, nach dem Regen, werden die Felder großräumig bewässert.

Beim Durchmarsch durch die Bewässerungsanlagen müssen wir unser Timing gut optimieren: Erst Warten, bis der Strahl sich vom Weg entfernt , dann zügig auf dem Weg voranschreiten und dabei immer die bewegliche Düse im Blick behalten. Nach dreißig Sekunden heißt es auf dem Weg nämlich wieder „Wasser Marsch!“

Das Wasser wird übrigens aus einer Art Hydranten im Boden mit dicken Schläuchen zu den Düsen geleitet. Die dicke Spulen für die Schläuche stehen überall mehr oder weniger dekorativ in der Landschaft herum.

Verrostete Wasserschlauch-Spule, vorteilhaft beleuchtet

Heute ist deutlich zu bemerken, das wir uns in einer alten und irgendwie vergessenen Kulturlandschaft bewegen. Viel Kopfsteinpflaster, alte Höfe, schattige Alleen.

Zwischendurch lange Abschnitte mit dichtem Kiefernwald. Auffällig ist der sandige Boden und die völlige Abwesenheit von Bächen und Pfützen. Knochentrocken ist es hier, jedenfalls am Boden!

In einem Waldstück kurz vor dem Weiler Gledeberg treffen wir auf etwas, was wir in Deutschland noch nie gesehen haben: Eine Hütte des Europäischen Fernwanderweg E6!

Freunde der Europäischen Wanderidee, die im nahegelegen Gledeberg wohnen, haben die Betreuung des hiesigen Abschnitts übernommen und pflegen vorbildlich Hütte, Wegmarkierungen und Informationen zum Weg. Schon den ganzen Wandertag haben wir uns über die lückenlosen Wegmarkierung seit Bad Bodenteich gewundert, die den Einsatz unserer Wanderapp nahezu überflüssig macht. In der Hütte finden wir Karten und Beschreibungen der gesamten Route von der Adria bis nach Finnland und ein Wanderbuch, in das wir uns sogleich eintragen. Der letzte Eintrag vor dem unseren ist vom Februar!

Neben den Mücken wird der Friedel dieses Mal noch von einem weiteren Ungemach geplagt: Blasen an den großen Zehen!
Noch nie in unserer ganzen Wanderkarriere hatten wir bisher Ärger damit. Andere Wanderer klagen ständig auf jeder längeren Tour über Blasen, aber wir haben darüber stets milde gelächelt. Wir hatten bisher NIE welche!

Friedel hat sich gestern Abend gut verpflastert, aber ab Kilometer 25 schmerzen die Dinger immer unangenehmer. Die letzten fünf Kilometer geht der Friedel auf dem Zahnfleisch – der Vergleich „hinkt“, ich weiß! 🙂

Kurz vor unserem Etappenziel Reddereitz kommen wir am phänomenalen „Findlingspark Clenzer Schweiz“ vorbei. Hier hatten wir gehofft, große Findlinge in ihrer natürlichen Umgebung zu bestaunen. Aber die Steine sind größtenteils künstlich angeordnet und wurden nach geologischen Erdzeitaltern klassifiziert und beschriftet. Insgesamt ein nettes Plätzchen, aber für geologische Laien wir uns eher langweilig …

„Clenzer Schweiz“ heißt die Gegend wohl, weil es hier doch tatsächlich recht hügelig ist. Am Ende des Tages müssen wir sogar einige Hügel erklimmen!

Reddereitz ist gar kein richtiges Dorf. Zusammen mit dem benachbarten Kloster und dem nördlicher gelegenen Gohlefanz kommen vielleicht fünfzehn Gehöfte plus Nebengebäude zusammen, mehr nicht. Trotzdem leistet sich der Ort den „Heidehof“, eine herrlich altertümliche Hotelanlage!

Der Heidehof kocht nur für seine Gäste. Viel zu tun hat die Wirtin nicht – neben uns gibt es noch ein älteres Paar und einen allein reisenden Mann mit Badeschlappen, den wir für einen Radler halten. Bei mittlerweile schönstem Wetter sitzt das Paar drinnen, die „Outdoor-Sportler“ auf der Terrasse. Sowohl die Innen- als auch die Außenanlagen sind gepflegt, aber konsequent-durchgestylt in den Siebzigern stecken geblieben. Herrlich!

Friedel kann ich heute nach dem Abendessen gar nicht mehr überreden, noch einen Gang durch die Ortschaften zu machen, zu sehr schmerzen seine Füße. Stattdessen sitzen wir auf dem Balkon vor unserem Zimmer und beobachten den Pferdewirt von gegenüber aus Kloster, wie er eine Stunde lang ein Pferd nach dem anderen von der Koppel holt. Ein wahrhaftig abendfüllendes Unterhaltungsprogramm!

Aber wie es immer so ist – leider haben wir keine Fotos von unserem romantischen Abend mit Kunstrasen und Monoblock-Stühlen auf dem Balkon gemacht. So bleibt uns nichts anderes übrig, als zum Schluss noch ein paar Highlights des Tages einzufügen!

In GB gibt es jede Menge nach Honig duftenden Ginster – in Deutschland duftet er nicht!

I

16 Antworten auf “DDLN Etappen 58 und 59: Durch die Ostheide und das Wendland von Wahrenholz nach Reddereitz”

  1. Sehr schöne Tour mit einigen Highlights. Die Eisdiele und die Bewirtung im Allgemeinen zählten sicher dazu. 🙂 Ich dachte erst Bad Bodenteich läge am Heidschnuckenweg. Aber der ist etwas weiter westlich. Von Celle bis Hamburg-Fischbek hättet ihr ihn nordwärts wandern können und hättet auf jeden Fall jede Menge (zu dieser Jahreszeit im Mai grünbraune) Heide sehen können. 😉

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  2. Na, also… Bei so einem Regencape/Poncho stehen „praktisch“ und „gutaussehend“ in sehr striktem Widerspruch zueinander 😅
    Im meinem feuerroten Poncho bin ich modisch auch ganz weit vorne – und der ist sogar noch weiter unf länger geschnitten, als Friedels.

    …außderdem darf man beim Streckenwandern sch… aussehen. Das ist bestimmt auch irgendwo vorgeschrieben 😉

    Gefällt 1 Person

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