Tag 48: Fox House Inn nach Ladybower

Der heutige Tag war als „Ruhe-Tag“ eingeplant: Nur vierzehn Kilometer bis zum Ladybower Inn! Aber da wir uns Friedels neugewonnener Fähigkeiten noch nicht sicher sind, sind wir froh, dass die heutige Etappe nicht so lang ist. Trotz der kurzen Länge erwartet uns eine schöne, aber auch anstrengende Etappe.

Der Weg vom Fox House führt uns zunächst ein Stück an der Straße entlang, die aber bald ins freie Feld führt. Es geht nun am Rand der Burbage Edge entlang, einer dramatischen Felskante, die ich schon im Internet auf diversen Kletter-Seiten bewundert habe. Burbage Edge im Sonnenaufgang, Burbage Edge im Sonnenuntergang ..

Zunächst geht es durch eine mondähnliche Landschaft. Das Auge schweift frei über Gräser, Farne, Heide, Steine ..  bis zum Horizont nichts als braune Landschaft, unterbrochen durch ein paar Felskanten und Steinhügel. Mein Vater meinte beim Anblick der Fotos spontan: „Das ist ja langweilig!“ Wir aber empfinden diese „Wüste“ als sehr entspannend und anregend. Auf unserem Weg schrecken wir das eine oder andere Moorhuhn auf, also wenn das aber mal nicht anregend ist!

Diese Vögel haben die Angewohnheit, sich komplett ruhig zu verhalten, bis man in unmittelbarer Nähe ist. Dann plötzlich fliegen sie mit lautem Geschrei auf  – es bleibt einem förmlich das Herz stehen. Das ist echt der besondere Trick der Viecher – wenn man sich vom Schreck erholt hat, sind sie schon weg!

Wir folgen nun dem „Sheffield Country Walk“. Am Morgen haben wir noch einige Jogger als Gesellschaft, aber auch die werden im Verlauf des Morgens immer weniger. Vom Foxhouse Inn wandert man bis zu einem Parkplatz auf einer Art Plateau: Rechts steht die Kante der Burbank Rocks, links ein Wald, der aber wohl schon länger keiner mehr ist .. nur Stümpfe und ein kleiner Rest sind davon übrig. Nach dem Parkplatz beginnt Stanage Edge. Hier treffen wir gar niemanden mehr, nur der Wind heult uns um die Ohren. Es ist unglaublich, welche Einsamkeit man hier trifft, heute an einem offiziellen Feiertag, nur fünf Kilometer von Sheffield entfernt!

Stanage Edge ist wieder stark THE HELM ausgesetzt. Ich bin froh, dass ich meine Mütze dabei habe. Friedel und ich machen Spaßfotos im Wind. Da wir immer an der Kante entlang laufen, haben wir jedoch einen tollen Blick ins Tal. Während wir hier gegen Wind und Wolken kämpfen, herrscht im Tal eitel Sonnenschein! Insgesamt sind wir froh, dass wir bei dem Wind nicht zwanzig Kilometer laufen müssen, bei vierzehn Kilometern kann man schon mal ein paar Witze reißen.

 

Um etwa ein Uhr mittags beginnt es aber fies zu regen. Sofort verwandelt sich der zuvor sandig-elastische Weg in einen Matsch. Das ist es, wofür der Höhenzug berühmt-berüchtigt ist: Pennines = Matsch! Entsetzen!

Zum Glück gib es hier und da einige Plattenwege, immer wenn der Weg über potentiell matschiges Gelände verläuft. Zwar gibt es die eine oder andere Pfütze, aber die lässt sich noch locker umspringen. Da haben wir auf dem Coast to Coast Walk aber schon anderes erlebt, haha! Wir verbringen sogar noch eine coole Mittagspause mit Tee in strömendem Regen und typisch englischen Gurken-Sandwiches. Egal!

Als wir an der A57 bei der Moscar Lodge ankommen, sind wir schon eine Zeitung von Bult zu Bult gesprungen. Aha, so fühlen sich die Pennines an! In der Tat ist dies ein kleiner Vorgeschmack darauf.

Wir wollen natürlich nicht an der Straße entlang laufen, sondern wählen Feldwege entlang der Straße. Auf diesem Weg neben Strommasten wird es nun vollends nass: Unser erster „Vollmatsch“ auf dieser Tour! (Im Verlauf der weiteren Etappen werden wir nasse Füße als natürliche Gegebenheit akzeptieren lernen – so ist es halt!) Gegen 15 Uhr erreichen wir das Ladybowers Inn: Auf der einen Seite haben wir das Gefühl, dass sie auf Leute wie uns spezialisiert sind. Trotzdem haben sie keinen Trockenraum für nasse Wanderstiefel und nicht mal Zeitungspapier zum Ausstopfen. Was ist denn das für eine Performance?

Die Zimmer sind jedenfalls nett in einem Nebengebäude untergebracht und groß und gut gepflegt. Mit roten, windgegerbten Gesichtern verbringen wir einen gemütlichen Abend im Pub und feiern, dass Friedel wieder laufen kann.

 

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