Land’s End to Cape Wrath

LECW – Das ist Land’s End to Cape Wrath, über 2200 Kilometer zu Fuß vom äußersten Süden Englands bis in den wilden Norden Schottlands.

Wir wandern die Strecke in neun Abschnitten jeweils im Frühling und im Herbst. Schon acht Etappen sind wir gelaufen. Vom Finale am Cape Wrath trennen uns nur noch zwei Wochen, die wir im Mai 2019 laufen werden.

Begleitet uns auf unserer Tour über die wilden Klippen an Cornwalls Küste, durch die lieblichen Wiesen Somersets, über die Hochmoore der Pennines und die einsamen Wälder und Berge Nordenglands und Schottlands.

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Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA), Screenshot from GPXSee-App

Nach langer Planung und mehrmaligem Hin-und Hergeschiebe: We proudly present: „Steffi’s and Friedel’s LECW in neun Abenteuern!“

Übersicht: Der LECW-Plan

Die Abschnitte, die wir schon gelaufen sind:
Abschnitt 1: South West Coast Path: Land’s End to Tintagel
Abschnitt 2: SWCP Tintagel-Washford
Abschnitt 3: Somerset und Wales
Abschnitt 4: Die Midlands und White Peak
Abschnitt 5: The Pennine Way
Abschnitt 6: Pennine Way und Scottish Borders
Abschnitt 7: Glasgow Area und der Rob Roy Way
Abschnitt 8: Cairngroms, Corrieyairak und Cape Wrath Trail Süd

(auch oben im Menü „Land’s End to Cape Wrath“ auswählbar)

Coast to Coast Walk: Vom Meer in die Berge

Erster Tag auf dem C2C: St Bees nach Ennerdale Bridge (23,5km)

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Steffi, Christiane, Carla und Friedel auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof – Letzte Chance, Ballast abzuwerfen! (Foto von Jürgen)

Im Mai 2014 hat unser Großbritannien-Abenteuer seinen Anfang genommen. Zwar waren Friedel und ich schon mal wandern und campen in Schottland, aber der C2C mit Carla und Christiane war unser erster Wanderurlaub in England. Seitdem sind wir England-Fans!

Ausgangspunkt unseres 16-tägigen Wanderabenteuers ist St Bees an der Irischen See – ein eher langweiliges Örtchen, aber mit bequemem Bahnanschluss nach Carlisle und Manchester. Die Küste dominiert ein riesiger Trailerpark, etwa halb so groß wie der Ort selbst – schauderhaft!

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Heute werden wir knapp 24 Kilometer von der Küste bis zum Beginn des Lake Districts nach Ennerdale Bridge laufen – eine abwechslungsreiche Etappe erwartet uns!

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Offizieller Start des C2C (Foto von Carla)
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Info Tafel in St Bees am Start. Die Karte wurde von Alfred Wainwright selbst gezeichnet. (Foto von Carla)

Am Anfang eines jeden Coast to Coast Walks steht die Tradition: Alle Wanderer dippen ihre Wanderschuhe kurz in die Irische See und suchen sich am Strand von St Bees einen schönen Stein aus, den sie 300 Kilometer bis an die Nordsee nach Robin Hood’s Bay tragen. Dort erfolgt dann eine erneute Schuhwäsche und man wirft den Stein in die Nordsee – so hat es Meister Wainwright verfügt! 🙂

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Friedel, Steffi und Christiane bei der Auswahl eines würdigen Reisebegleiters (Foto von Carla)

Die ersten sieben Kilometer geht es an der Küste entlang. Es gäbe auch eine Abkürzung durch das Hinterland, mit der man sechs Kilometer der heutigen Gesamtstrecke sparen würde. Wir aber halten uns an das Original und genießen die Seeluft und den Blick auf das Meer und die Steilküste. Das Wetter wird im Laufe des Vormittags auch immer besser!

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St Bees Head
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St Bees Head
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Weg von der Küste

Wie bedauerlich, dass wir nach zweieinhalb Stunden Bummelei die Küste verlassen müssen – der Lake District und somit die Berge rufen uns!

Der folgende Abschnitt bis nach Cleator (8 Kilometer) führt uns durch eine leicht hügelige Kulturlandschaft, die schon einiges zu bieten hat, was uns an englischen Landschaften so gefällt: Sümpfe, Schafe, moosige Mauern und knorrige Bäume.

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Foto von Carla

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Mittlerweile ist es ziemlich heiß geworden und wir freuen uns, dass es in Cleator einen Village-Store gibt, der Eis und kalte Getränke verkauft. Zwar müssen wir damit vor dem Laden auf dem Bordstein sitzen, aber die Abkühlung tut uns allen gut. Hier kommen wir mit einigen freundlichen Einwohnern des alten Industrie-Städtchens ins Gespräch. Die Menschen dort sind dem Coast to Coast Walk gegenüber sehr positiv eingestellt, bringt er doch ein bisschen Leben in den ansonsten verschlafenen Ort …

In Cleator trennt sich unsere Gruppe in zwei Parteien: Carla und Christiane laufen über die Landstraße nach Ennerdale Bridge, denn so ersparen sie sich den Aufstieg auf den Dent, den ersten Hügel des Lake Districts. Das bedeutet für die beiden allerdings sieben Kilometer Pflaster treten – auch kein Zuckerschlecken!

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Carla auf dem Weg nach Ennerdale Bridge (Foto von Christiane)
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Brücke über den River Ehen (Foto von Christiane)

Friedel und ich wählen die zwei Kilometer längere Route über den Hügel. Der ist zwar nur 352 Meter hoch, aber es geht fast 300 Meter recht steil nach oben. Erst durch einen Zauberwald …

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… dann über die kahle Kuppe des Dent …

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… bis zum „Gipfel“, der eher ein Hochplateau ist.

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Wenn es nicht so diesig wäre, hätte man einen tollen Ausblick auf die Berge vorn und auf die Küste hinten – heute ist die Sicht leider nur mäßig.

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Blick auf die ersten Hügel des Lake Districts

Beim Abstieg verlaufen wir uns erst mal gründlich. In diesem Urlaub haben wir noch nicht unsere tolle OS-Karten-App, sondern laufen konventionell mit der Strip-Map von Harvey. Wegweiser sind auf dem C2C auch nur spärlich vorhanden. Noch dazu zieht ein Gewitter auf. So können wir die schöne Landschaft leider gar nicht richtig genießen.

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Steiler Abstieg vom Dent
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Uldale

Nach zwei Kilometern unfreiwilligem Umweg durch den Lowther-Park-Wald treffen wir wieder auf die Original-Route am Kinniside Stone Circle. Das ist unser erster Steinkreis – zwar etwas mickrig und wohl nicht ganz echt, aber wir finden ihn beindruckend!

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Kinniside Stone Circle

Mittlerweile ist das Gewitter bedrohlich nah gekommen. Es donnert und blitzt bei unserem Abstieg ins Tal, aber wir schaffen es noch gerade rechtzeitig in unsere Unterkunft im „Fox and Hounds“, bevor es richtig zu regnen beginnt. Christiane und Carla haben sich schon Sorgen gemacht und kommen uns am Ortseingang entgegen!

Den Abend lassen wir gemütlich im Pub ausklingen. Christiane hat heute Geburtstag und Carla zaubert eine Tischdecke, ein Schoko-Törtchen, Kerzen und Servietten aus ihrem Rucksack. Sogar eine Blumenvase hat sie dabei! (Wir werden uns demnächst noch wundern, was sie noch alles in ihrem Rucksack hat und davon ganz massiv profitieren! 🙂 )

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Das „Fox and Hounds“ in Ennerdale Bridge – wir haben alle drei Zimmer belegt!

Vielen Dank an Carla, Jürgen und Christiane für die Fotos!

Nordengland für Einsteiger – Wainwright’s Coast to Coast Walk (C2C)

Wenn wir nur einen Wanderweg in Großbritannien gehen dürften – wir würden uns für „A Coast to Coast Walk“ entscheiden. Kein anderer Wanderweg hat auf seiner Strecke so eine Vielfalt an tollen Landschaften zu bieten. Von der Irischen See im Westen durch drei Nationalparks (den Lake District, die Yorkshire Dales und das North York Moor) bis zur Nordsee an der Ostküste – 300 abwechslungsreiche Wanderkilometer durch die schönsten Landschaften Nordenglands.

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Start in St Bees an der Irischen See

 

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Lake District: Ennerdale Water
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Lake District: Patterdale

2014 sind wir mit zwei Freundinnen diesen unvergesslichen Weg quer durch England gelaufen und haben uns dabei mit dem England-Virus infiziert. Seitdem haben wir alle unsere nachfolgenden Wanderurlaube auf der Insel verbracht.

Wo es doch jetzt draußen so kalt und schmuddelig ist, wollen wir euch in den nächsten Wochen mit einigen Artikeln für den C2C erwärmen, auch wenn die Tour schon fast fünf Jahre zurückliegt. Aber zunächst ein paar Infos zum Weg:

Kaum zu glauben, aber der Coast to Coast Walk zählt zu den populärsten Fernwanderwegen der Welt, wenn er auch in Deutschland eher unbekannt ist. Er verläuft nicht durch Schottland, zählt nicht zu den offiziellen National Trails, ist nicht markiert und auf keiner Ordnance-Survey-Karte eingezeichnet. In den USA oder Australien gehört der Trail jedoch zu den Top-Ten-Wegen, die jeder Fernwanderer einmal gelaufen sein soll.

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Info Tafel in St Bees am Start

Der Weg wurde 1973 von Alfred Wainwright, dem Wanderguru des Lake-Districts, als eine von mehreren möglichen C2C-Alternativen beschrieben. Tatsächlich wird der Leser in seinem Buch „A Coast to Coast Walk“ aufgefordert, sich selbst seine eigene Route zu basteln. Trotzdem hat sich im Laufe der Jahre eine typische Wegführung etabliert, an die sich (mit einigen alternativen Gipfelvarianten) die meisten Wanderer halten. Richtig bekannt wurde der Trail dann durch eine BBC-Fernsehserie mit Julia Bradbury, die auch in den USA, Kanada und Australien ausgestrahlt wurde. Während man auf dem West Highland Way vor allem Deutsche oder auf dem Pennine Way Niederländer trifft, haben wir auf den C2C vor allem jede Menge sympathische Aussies (Australier) kennengelernt – und nur einen Deutschen, Wolfgang, ein Wirt in Yorkshire!

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„Buck Inn“ in North York Moor

Obwohl im Frühling und Sommer jeden Tag fünfzehn bis zwanzig Wanderer ihre Füße in die Irische See dippen und sich auf den Weg nach Osten gen Nordsee machen, ist der Weg nicht überlaufen. Für viele Wanderer ist der C2C ihr erster Fernwanderweg überhaupt, aber er sollte trotzdem nicht unterschätzt werden! 

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Aufstieg zum Honister Pass

Der Weg wird traditionell in zwölf Wandertagen gelaufen – ein reizvoller Plan, am Meer zu starten, hohe Berge und Moore zu überwinden und am Ende wieder an der See anzukommen – und das Ganze in zwei Urlaubswochen! Dies würde allerdings bedeuten, dass der Wanderer im Schnitt jeden Tag 25 Kilometer zurücklegen müsste, und das in oft schwierigem Gelände. Zwar lassen sich die meisten Wanderer ihr Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft transportieren, aber das kam für uns nicht in Frage.

Deshalb teilten wir uns 2014 den Weg in sechzehn statt in zwölf Tagesetappen ein, auch weil wir eine eher unerfahrene Wanderin in unserer Vierergruppe dabei hatten. Einen Pausentag zur Besichtigung von York gönnten wir uns auch noch. Alles in allem war die Tourenplanung eine gute Entscheidung, denn am Ende kamen alle vier von uns glücklich an der Nordsee in Robin Hood’s Bay an! 

Wir wollen euch demnächst in einer Reihe die einzelnen Landschaften auf dem C2C vorstellen:

  1. vom Meer in die Berge

  2. der Lake District

  3. die Yorkshire Dales

  4. das North York Moor

  5. das Eskdale und Robin Hood’s Bay

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Friedel, Steffi und Carla am Start des C2C. Nicht auf dem Bild: Christiane

Bis bald in St Bees am Start des Coast to Coast Walks!

Meine Dachsrunde im Herbst

Der „Dachsweg“ bei Geislingen: 3,5 Kilometer, 370 Meter rauf, 370 Meter runter, durchschnittliche Laufdauer: 50 Minuten

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Was tun Steffi und Friedel, wenn sie keinen Urlaub haben und nicht wandern können? Nun, alles Mögliche. Arbeiten, lesen, Serien gucken, den Dachboden ausbauen, im Garten werkeln … was man halt so tut! Ich (Steffi) allerdings versuche, mindestens viermal pro Woche auf den Berg zu gehen. Andere rennen ins Fitnessstudio, aber dazu habe ich keine Lust. Wenn man in der Natur unterwegs ist, bleibt man nicht nur fit, sondern tut auch was für seine Seele – ich liebe es!

Ein Vorteil ist, dass wir dafür so strategisch günstig wohnen – in zwei Minuten bin ich im Wald. Kollegen und Freunde in Stuttgart können gar nicht verstehen, warum wir so weit weg in der Provinz wohnen: Für uns sind es die Natur und die tolle Landschaft, die unser kleines Städtchen so lebens- und liebenswert machen.

Auch nach Feierabend und 60 Kilometer Rückfahrt von der Arbeit schaffe ich es häufig, am Abend wenigstens noch meine kleine Alltagsrunde zu wandern: Unter uns nennen wir sie die „Dachsrunde“, weil es einen ehemaligen Dachsbau auf dem Weg gibt.

Zuerst geht es über die Straße und unter der Bahn durch ..

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… danach geht es an Schrebergärten vorbei sofort bergauf und man schaut zur Kirche zurück ..

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… der Weg wird zu einem Pfad und es wird wurzeliger und steiniger, je höher man steigt …

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Oben angekommen, am mittelalterlichen Ödenturm, gibt es eine Aussichtsplattform. Rechts schaut man auf die Burg Helfenstein, …2018-11-06 14.53.562018-11-06 14.53.17

… im Rücken habe ich den Ödenturm, einen alten Feuerwachturm aus dem Mittelalter.

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Am Ödenturm gibt es einen großen Picknickplatz, groß genug für einen ganzen Wanderverein!

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Nach dem Ödenturm geht es eine zeitlang am Waldrand entlang bis zu einem selten begangenen Weg zurück zur Stadt. Dies ist mein Lieblingsstück auf dieser Tour: Der Weg ist herrlich wild, aber auch steil. Hier ist man immer ganz allein!

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Diesen Weg laufe ich in der Hitze im Sommer, im nassen Herbst, bei Schnee und Eis im Winter … ein Hauch von Wildnis im Alltag!

Schön, ne? 🙂

 

Was wir auf dem Cape Wrath Trail Süd für den Cape Wrath Trail Nord gelernt haben …

Jetzt, wo wir wieder in unserem warmen und trockenen Zuhause sitzen, kommen die Nachbetrachtungen. Wir sind froh, dass wir unseren Laufplan (fast) eingehalten haben. Aber der nächste und letzte Abschnitt unseres LECW von Strathcarron bis Cape Wrath kommt bald und wir wollen einiges anders machen!

Der nächste Abschnitt wird fast komplett auf dem CWT (Cape Wrath Trail) verlaufen – nein, wir haben die Nase noch nicht voll! 🙂 Aber es ist Zeit, ein paar Erkenntnisse für das nächste Mal festzuhalten.

Blackburn of Corrieyairak
  1. Das Wetter ist entscheidend!

Auch bei früheren Abschnitten, z.B. auf dem Pennine Way, haben Regen und Wind mitunter extrem genervt. Aber anders als beim CWT hat das Wetter den Weg nicht unmöglich gemacht: Auf dem CWT werden kleine Bäche plötzlich zu reißenden Flüssen und der Wind kann extrem auskühlen, wenn man erst mal nass ist. Brücken gibt es im Gegensatz zu den National Trails auch nur sporadisch. Schlechtes Wetter kann auf dem CWT wirklich gefährlich sein. Und da draußen ist man allein! Deshalb werden wir das nächste Mal darauf achten, in einer möglichst niederschlagsfreien Zeit zu wandern und mehr Möglichkeiten für Pausentage einzuplanen. Außerdem werden wir versuchen, immer eine Exit-Strategie für schlechtes Wetter parat zu haben.

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Abstieg ins Glen Elchaig

2. Die Wege-Qualität ist nicht vorhersehbar

Auf der Karte ist der Weg als Pfad eingezeichnet, aber während der Jagdsaison ist er ein gut benutzter Fahrweg. Ein Pfad wird mitunter so wenig gelaufen, dass er verschwindet. Durch wegloses Gelände zu laufen kann Stunden dauern. Es ist also oft nicht vorhersehbar, ob wir vier oder sogar fünf Kilometer pro Stunde schaffen oder nur einen. Deshalb werden wir in Zukunft stets Reservezeit einplanen. Das heißt auch, dass Oktober eindeutig eine ungünstige Zeit für den CWT ist – abends wird es einfach zu schnell dunkel!

Windschutz an alter Militäranlage auf dem Corrieyairak Pass

3. Ultralight ist nicht alles – Sicherheit geht vor!

Wir bezweifeln, dass unser untraleichtes Zelt  der Windstärke 9 standgehalten hätte, so bedenklich wie es sich schon bei geringeren Winden eingebeult hat. Nehmen wir beim nächsten Mal also doch unser schwereres und kleineres, aber windstabileres Hilleberg Nallo mit? Und unsere Regenjacken Montane Minimus und Montane-Hosen sind zwar leicht und für Cornwall absolut okay, aber bei Dauerregen und starkem Wind lassen sie viel Wasser durch. Festeres und (leider) schwereres Regenzeug muss her!

Unsere erste Flussüberquerung auf dem LECW – haha, pillepalle! 🙂

4. Embrace wet feet – ähh … nur begrenzt!

Unsere Strategie, mit leichten Trailrunnern und wasserdichten Socken zu laufen, war insgesamt gut. Allerdings halten die Socken nur ein paar Stunden dicht. Den ganzen Tag in nassen Füßen zu laufen ist bei warmen Temperaturen okay – aber nicht, wenn es kalt ist. Deshalb werden wir beim nächsten Mal ein zweites Paar wasserdichte Socken mitnehmen – dann kann man bei Pausen in die trockenen Socken schlüpfen und muss nicht wie blöde hin und her springen, um die Füße warm zu halten.

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Unsere sechs Kilo Marschproviant für drei Tage

5. Wir brauchen weniger Proviant, als wir gedacht haben.

Im Internet haben wir gelesen, dass die Profis ein Kilo pro Tag verbrauchen. Das gilt aber nur dann, wenn man länger als drei Wochen unterwegs ist. Wir sind mit 700 Gramm pro Tag gut hingekommen. Unsere Nuss-Körner-Mischung hat als Reserve bis zum Ende gereicht – schön, aber wir haben sie die ganze Zeit geschleppt!

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Am Coire an Ean Bhain, Alternativroute zu den Falls of Glomach

6. Flexibilität im Laufplan

Das nächste Mal werden wir drei Wochen Urlaub nehmen, obwohl wir für den Trail vielleicht nur zwei Wochen brauchen – so können wir nasse oder windige Tage aussitzen, Pausentage einlegen oder die Etappen kürzer gestalten. Die Gegend ist viel zu schön, als einfach nur angestrengt das Etappenziel anzustieren!

7. Vergiss die schlauen Forenbeiträge

Im Vorfeld der CWT-Wanderung haben wir uns versucht, im Internet über die verschiedenen Etappen zu informieren. Aber die Beiträge zeigen nur, wie es den Wanderern zu diesem Zeitpunkt mit diesem Wetter und diesen speziellen Bedingungen ging – am Ende ist doch alles anders. Rechne mit dem Schlimmsten und freu dich, wenn es besser ist! 🙂

8. Der Cape Wrath Trail kocht auch nur mit Wasser …

Wir waren erstaunt, wie fit wir als 50+-er für den CWT waren – der Pennine Way war ein gutes Training! Wandere den PW im Oktober/November oder März/April, dann sind die Wegbedingungen bei beiden Wegen recht ähnlich. Aber übernachte schon auf dem PW zum Training am besten im Zelt und halte es zum Beispiel aus, mehrere Tage hintereinander ein nasses Camp aufzubauen. Denn anders als auf dem PW, auf dem wir für den Abend immer schon ein Hotel oder B&B vorgebucht hatten, gibt es auf dem CWT eher selten die Möglichkeit, abends ein Hotel, Hostel oder Bothy zu finden.

Aber das Campen eröffnet auch besondere und schöne Möglichkeiten: Eine besondere Flexibilität im Wanderplan, wunderbare Naturerlebnisse und eine Form von „Wayfaring“ (Wanderschaft), die sich nicht allein an Start- und Endpunkten orientiert, sondern in der man sich anhand der Gegebenheiten und der eigenen Möglichkeiten und Stimmungen nach seinem eigenen Rhythmus bewegen kann.

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Camp im Glen Tilt

Iron Lodge-Strathcarron, 34km, 11.10.2018

Noch ein Durchmarsch – schlechtes Wetter verleiht Flüüüügel!

Wir stehen heute wieder früh auf – die Wege auf der Karte für heute sind nur gepunktet gezeichnet und uns steht außerdem unsere erste Wegstrecke ohne Pfad bevor. Wir können absolut nicht einschätzen, wie schnell wir voran kommen, also nix wie los!

Unser erstes Ziel für heute ist das Bothy Maol Bhuidhe. Der Weg dorthin wird in den Internet-Foren als „tough going“ beschrieben, aber das finden wir überhaupt nicht. Wir kommen gut voran und statt der anvisierten 13 Uhr sind wir bereits um 11 Uhr da. Zeit für eine gemütliche Mittagspause mit frischem Kaffee!

Maol Bhuidhe von vorn…

Maol Bhuidhe von hinten…

Um zum Bothy zu gelangen, muss man einen großen Bach durchqueren. Da direkt danach eine weitere Flussdurchquerung ansteht, ziehen wir unsere Socken erst gar nicht wieder an. Die Devise heißt: Lieber kalte Füße als umständliche Umzieh-Aktionen!

Heute wollen wir im Bendronaig Bothy übernachten. Allerdings gibt es von Maol Bhuidhe bis zum Loch Calavie keinen Weg, das bedeutet drei Kilometer quer durch die sumpfige Heide bis zum See. Anstrengend!

Am „Strand“ am östlichen Ende des Lochs machen wir wieder eine ausgiebige Pause. Von nun an gibt es einen Fahrweg bis zum Bothy!

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Eigentlich waren für heute Schauer angesagt. Wir haben aber Glück und es regnet nur sehr wenig. Ein typischer Regenjacke-an-Regenjacke-aus-Tag!

Am Bothy ankommen tritt genau das ein, was wir schon befürchtet haben – das Bothy ist wegen „deer maintenance“ bis zum 15. Oktober geschlossen. Bendronaig Bothy wird nämlich nicht von der Mountain Bothy Association unterhalten, sondern privat geführt. Da gerade Jagdsaison ist, ist es halt für Jäger reserviert. Pech für uns, denn wir wollen heute auf keinen Fall im Zelt übernachten – für die Nacht und morgen ist Sturm angesagt!

Unsere Exit-Stategie haben wir uns vorher schon überlegt: Wir marschieren durch bis Strathcarron, da gibt es ein Hotel!

Bendronaig Bothy

Wir haben nun die Wahl: Schlagen wir uns über einen auf der Karte gepunkteten Weg (10km) durch die Heide direkt nach Strathcarron, oder laufen wir auf einem neu angelegten, hässlichen und breiten Schotterweg und einer B-Straße 16 Kilometer über Attadale zum Hotel?

Als wir den Eingang zum Pfad sehen, ist die Entscheidung schnell klar – lieber sechs Kilometer Umweg laufen als durch den Matsch und über den fiesen Pass da vor uns! Außerdem können wir nicht einschätzen, wie lange wir in dem unwegsamen Gelände brauchen würden und die Dunkelheit droht. Wenn schon mit Taschenlampe laufen, dann lieber auf der Straße.

Der neue Weg führt sogar an einem neuen Wasserkraftwerk vorbei, das in der OS-Karte noch nicht eingezeichnet ist. Auch vom weitläufigen Attadale-Forest ist leider nur noch wenig übrig. Echt hässlich!

Aber egal. Wir machen ordentlich Tempo, keine Pause und kommen kurz nach Einbruch der Dunkelheit in Strathcarron an. Aber das verdammte Hotel hat geschlossen! Wir hämmern gegen die Tür, wir rufen an und hören das Klingeln durch die geschlossene Glastür. Verflixte Nachsaison!

Der letzte Zug nach Kyle of Lochalsh ist blöderweise auch schon weg. Also rufen wir ein Taxi und lassen uns für 60 Pfund nach Kyle fahren. Die Straße ist jedoch wegen eines Erdrutsches teilweise geschlossen, so dass unser Taxi nicht durchkommt. Netterweise holt uns ein Bauarbeiter von der Baustelle mit seinem Baufahrzeug ab und bringt uns zum vor der Baustelle wartenden Taxi. So macht man das hier!

Als wir gegen 21 Uhr im Hotel eintreffen, sind wir saufroh, dass wir es vor dem Sturm geschafft haben. Am nächsten Tag heult der Wind mit Windstärke 9 ums Hotel. Zwar sind wir noch zehn Kilometer von unserem Endziel dieser Herbst-Etappe (Achnashellach) entfernt. Aber die paar Kilometerchen laufen wir beim nächsten Mal halt mehr.

Wir haben unser Etappenziel erreicht. Für die letzten drei Tage unseres Urlaubs sind wir Touristen! 😆

Von Shiel Bridge zur Iron Lodge, 18 km, 10.10.2018

Nachdem wir zwei Tage im Cluanie Inn den Regen aussitzen mussten, geht es nun endlich weiter mit dem Bus nach Shiel Bridge.

So wie oben sah es am Morgen noch in Cluanie aus …

… und so bei unserem Abmarsch in Shiel Bridge um 10:30 Uhr. Endlich ein Wetter!

Der Anmarsch auf die Berge verläuft noch auf einem ordentlichen Fahrweg, aber im Wald wird es immer steiler und nasser. Zwar ist das Moos nicht mehr so mit Wasser vollgesogen und die Bäche sind abgeschwollen, aber nass ist es noch genug. Es erwarten uns zwei Tage mit durchgängig nassen Füßen!

Der Cape Wrath Trail führt eigentlich an den Falls of Glomach vorbei, den höchsten Wasserfällen Großbritanniens. Aber wir sind jetzt vorsichtig geworden – es ist nass und glitschig und der Weg soll sehr steil und abschüssig sein, mit einigen Kletterstellen. Nein danke!

So haben wir eine Alternativroute gewählt, die hoffentlich nicht so schwierig ist. Nun ja …

… aber zumindest ist sie nicht so steil. Eine weitere Herausforderung ist, dass wir unten im Tal über den Elchaig waten oder bis zur Brücke an der Originalroute laufen, dann aber den Allt a‘ Glomach überqueren müssen. Ein Blick auf den River Elchaig zeigt uns, dass wir da auf keinen Fall ohne Brücke rüber wollen.

Also schlagen wir uns zwei Kilometer über „Wiesen“ bis zur Brücke. Das Terrain ist super anstrengend, wir brauchen für drei Kilometer zwei Stunden. Ständig muss man matschigen Sumpf-Flächen ausweichen, eine gute Route suchen und über fiese, versteckte Bäche springen – und das mit dem Rucksack. Das geht auf den Rücken und die Knie!

Nach der abenteuerlichen Überquerung des Allt a‘ Glomach (wieder ging uns das Wasser weit über die Knie) sind wir echt froh, als wir die Brücke erreichen. Ab jetzt ist easy going, über einen Fahrweg weitere fünf Kilometer bis zu unserem Wildcamp an der unbewohnten Iron-Lodge.

So schön kann Wandern sein! Das Glen Elchaig ist wunderschön und die warme Nachmittags-Sonne taucht das Tal in ein goldenes Licht.

Ein Nachteil bei schwierigem Gelände ist, dass man sich nicht wirklich gut auf die Umgebung einlassen kann. Der bequeme Anmarsch auf die Iron Lodge entschädigt uns nun vollends.

Hier ist es, unser Zuhause für diese Nacht. Nur blöd, dass der flache Hof mit den potentiellen Zeltplätzen total zugedungt ist und natürlich wieder mal ein Jägerauto vor der Tür steht. Zum Glück finden wir ein wenig flußaufwärts ein tolles, idyllisches Plätzchen direkt am Fluss. Unser schönstes Camp in diesem Urlaub!

Noch dazu ist der Abend warm und lind und die Nacht sternenklar. Die Gegend hier ist so dünn besiedelt, dass es quasi null Lichtverschmutzung gibt. Ein richtig toller Campabend!

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Steffi und Friedel, gestrandet im Cluanie Inn, 08.-09.10.2018

Blick aus unserem Fenster

Da sitzen wir nun im Warmen und Trockenen und warten schon den zweiten Tag auf besseres Wetter. Der Regen prasselt gegen das Fenster und der Wind heult um das Haus. Wir würden es einen ausgemachten Herbststurm nennen, aber die Angestellten hier lächeln nur milde. Wir können und wollen hier nicht weg und warten bis morgen auf besseres Wetter. Der Blick aus dem Fenster zeigt uns: Es war die richtige Entscheidung, heute noch nicht wieder aufzubrechen!

Der Picknick-Platz wartet auf bessere Zeiten …
Schade, heute sind die Rehe nicht da …

Gestern noch haben wir verschiedene Stategien durchgespielt: Zweimal am Tag kommt hier ein Bus vorbei, von denen der eine in Richtung Skye geht (da ist das Wetter auch nicht besser), der andere nach Inverness, das liegt im Osten und da soll es trocken sein. Ein paar schöne Tage am Meer im Osten, wäre das was? Aber wollen wir schon aufgeben? Am Mittwoch soll es ja aufhören zu regnen …

Gestern haben wir auch mit dem Gedanken gespielt, an der bösen B-Straße entlang Richtung Skye nach Shiel Bridge zu laufen. Da gibt es wenigstens Brücken und es wäre nicht so matschig. Aber die Straße hat keinen Seitenstreifen und ständig donnern LKW vorbei. Das wäre schon bei trockenem Wetter kein Spaß, geschweige denn bei Starkregen.
Auch der nette Rezeptionist/Tankwart/Kellner (in der Nachsaison ist man im Cluanie Inn Allrounder) riet uns beim Dinner gestern Abend dringend davon ab, an der Straße entlang zu laufen. Das sei total gefährlich!

Also haben wir gestern beschlossen, hier noch einen weiteren Tag abzugammeln, den Regen auszusitzen und morgen früh den Bus nach Shiel Bridge zu nehmen. Von dort aus geht es mit einer noch nicht ganz festgelegten Route weiter.

Das bedeutet jedoch für den LECW, dass wie die zwei kurzen Etappen Cluanie Inn-Camban Bothy und Camban-Shiel Bridge auslassen. Wir sind allerdings schon 2008 durch das Glen Affric und das Gleann Lichd bis nach Shiel Bridge gewandert und können somit drei Viertel der Strecke als „schon gelaufen“ bezeichnen. Es fehlen dann die acht Kilometer vom Cluanie Inn bis zum Glen Affric, aber nun ja, diese Lücke sei den Umständen geschuldet…

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Was tut man nun den ganzen Tag in einem Hotelzimmer?
– Wäsche waschen
– Zelt trocknen und saubermachen
– mit dem Fön Schuhe trocknen
– Kaffee und Tee kochen
– bloggen
– mit Mama telefonieren
– schlafen
– Schokoriegel aus dem wertvollen Proviant essen
– sich massieren und stretchen
– auf dem Handy Bücher lesen
– Alternativ-Routen diskutieren
– „full scottish“ frühstücken
– zu Abend essen (es gibt fünf Haupspeisen zur Auswahl, bald haben wir sie alle durch)
– Smalltalk mit den wechselnden Angestellten des Hotels und den wenigen anderen Gästen betreiben
– sich gegenseitig Hauptstädte der Welt abfragen
– Wetter-Apps konsultieren
– baden (warmes Wasser ist okay!)

Das Zimmer ist groß genug, wieder halbwegs aufgeräumt und wir werden hier schon wie Stammgäste behandelt. Es könnte schlimmer sein! 😆

Von Poulary zum Cluanie Inn, 19km, 07.10.2018

Hurra, wir leben noch!

Es gibt ja diese lustige Fun-Skala für Abenteuer-Urlaube: 1 symbolisiert ein schönes und angenehmes Erlebnis, das aber meistens nicht lange im Gedächtnis bleibt. 2 ist abenteuerlich und im Moment unangenehm, aber im Nachhinein ist man stolz, dass man es geschafft hat und was zu erzählen hat. 3 ist dann gar nicht lustig und mit potentiell fatalem Ausgang. Für heute wollen wir eine neue Kategorie aufmachen: Es ist Fun 3 mit gutem Ausgang. Aber sowas wie heute machen wir nie wieder!! 😧

Der Wecker klingelt um sechs und wir bemühen uns, heute mal schneller loszukommen als sonst. Nur einen Kaffee gönnen wir uns und kein warmes Porridge, sondern nur ein paar Handvoll Nüsse. Trotzdem ist es schon halb acht, als wir aufbrechen. Zunächst geht es zwei Kilometer an der Straße entlang, bis wir ins Moor abbiegen. Wir frohlocken, denn bis jetzt regnet es nur wenig. Wir wollen auf jeden Fall noch über den River Loyne kommen, bevor er zu sehr anschwillt und uns nicht mehr rüber lässt. Exit-Stategie bis dahin: Wenn er uns nicht lässt, laufen wir heute das ganze Stück über Straße zurück nach Invergarry.

Von Anfang an ist der Weg sehr anstrengend. Es ist ein unerhört patschiges, glitschiges Moor und mehrmals verlieren wir den Pfad und orientieren uns nach Karte, GPS und Geländemerkmalen, um die Passage zwischen den beiden Bergsatteln zu finden, die den einfachsten Weg ins Glen Loyne bedeuten. Auf halbem Weg zum Pass beginnt der Starkregen und ein ordentlicher Wind von vorn erschwert das Vorankommen. Trotzdem sind wir – den Umständen nach – recht schnell und unser Plan geht auf: Wir kommen rechtzeitig über den Fluss, aber das schnell fließende Wasser geht uns bis zum Knie.

Auf der anderen Seite feiern wir mit einer heißen Tasse Tee und freuen uns: der Weg zum Cluanie Inn ist frei! Friedel macht hier das einzige Bild auf der heutigen Tour: Dafür zieht er extra die wasserdicht verstaute Kamera aus dem Ruchsack. River Loyne, bäh bä bäbäh bääähh!

Aber zu früh gefreut! Durch den starken Regen sind die umliegenden Bergbäche inzwischen zu reißenden Weißwassern geworden. Den ersten können wir noch durchwaten. Beim zweiten finden wir 20 Meter weiter oben am Hang eine Stelle, an der wir über mehrere Steine in grossen Sprüngen rüberhechten können. Mit 12 Kilo auf dem Rücken!

Vor dem dritten stehen wir ratlos und wissen echt nicht, was wir jetzt machen sollen – da durch wollen wir auf keinen Fall!

Uns dämmert nun aber, dass unsere Exit-Stategie mittlerweile ebenfalls weggespült wurde – wenn wir zurückgehen würden, wäre der Loyne vermutlich unpassierbar, denn die ganzen Wassermassen fließen in ebendiesen Fluss.

Wir stehen vor einem Dilemma: Durch den reißenden Allt Coire nan Leach „waten“ oder ein Notcamp im abschüssigenMoor unter nassesten Bedingungen?

Wir beratschlagen und entscheiden, dass wir es wagen (müssen): Wir behalten die ohnehin schon nassen Klamotten an und tasten uns, Friedel voran, durch das fast hüfthohe Weißwasser. Wir und die Wanderstöcke stützen uns gegenseitig und wir schaffen es tatsächlich, auf die andere Seite zu kommen. Puh, das war knapp! Wenn wir noch später am Tag hier angekommen wären, wäre diese Aktion nicht mehr möglich gewesen! 😅

Ein Blick auf die Karte sagt uns: Über den Allt A‘ Choire Odhair müssen wir ja auch noch! Aber zum Glück finden wir nach längerem Suchen eine Stelle zum erneuten Rüberhechten.

Klitschnasses sind wir nun. Der Pfad selbst ist zu einem Bach geworden und wir patschen kilometerweit durch knöcheltiefes Wasser. Aber egal!

Bald sind wir an einem Fahrweg, der uns nach weiteren fünf windigen und kalten Kilometern zum Cluanie Inn (an der A87 nach Skye) führt. Der indisch-stämmige Rezeptionist verzieht keine Mine, als wir tropfnass vor ihm stehen. Im Gegenteil – verständnisvoll lässt er uns sofort ins Zimmer und wir können erst mal auftauen, bevor wir die Formalitäten erledigen. Wir buchen gleich noch eine Nacht dazu – von diesem Abenteuer müssen wir uns erst mal erholen und morgen soll es im gleichen Stil weiterregnen.

Im Nullkommanix haben wir das Hotelzimmer verwüstet. Zwei Tage sollten jedoch reichen, dass wir und unser ganzes Equipment trocknen.

Im Cluanie Inn grasen die Rehe direkt vor unserem Fenster. Zuerst haben wir gedacht, dass sie in einem großen Gehege stehen, aber sie sind freiwillig hier!

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Resümee: Gut war, dass wir früh los und durchmarschiert sind. Schlecht: Wir hätten die Wetterwarnungen beachten sollen. Dies sind besondere Bedingungen und in den Alpen läuft ja auch keiner los, wenn starker Schneefall angesagt ist. Schön blöd sind wir, aber das Glück ist mit die Doofen! 😜

Von Invergarry nach Poulary, 23km, 06.10.2018

Endlich ein Hauch von Camp-Life!

Als wir am Morgen aufstehen, hat es den ersten Frost der Saison gegeben – das Thermometer im Hostel zeigt 0,5 Grad!
Für heute ist jedoch ein weiterer schöner Wandertag angekündigt.
Wir wollen diesen zweiten sonnigen Tag in Folge in vollen Zügen genießen, denn für morgen ist Starkregen angesagt!
Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir weiterlaufen wollen oder nicht: Am Abend haben wir ein Camp in Poulary geplant, da gibt es noch eine Straße in der Nähe. Aber dann kommt wildes Land und ein Fluss, der als upassierbar bei Wasser-Hochstand gilt. Wir beschließen, dass wir erst mal weiterlaufen und übermorgen notfalls über die Straße zurück nach Invergarry laufen, sollten wir nicht über den River Loyne kommen.

Unser Weg heute ist unsere erste Etappe des Cape Wrath Trails. Dieser unmarkierte Trail von Fort William bis Cape Wrath gilt als der härteste Trail in Großbritannien, aber heute ist der Weg noch sehr zahm. Erst geht es hinter dem Hostel vier Kilometer über Straße, dann ein kurzes Stück über Waldpfade. Es gibt einen tollen Doppel-Wasserfall und wurzelige Steigen. Dann geht es auf einen breiten Holz-Wirtschaftsweg bis zu Greenfield-Farm.

Leider ist der große Wald nahe der Farm nach typisch schottischer Manier komplett abgeholzt: Nur die Baumstümpfe lassen die Waldarbeiter stehen. Der Kahlschlag hat für uns aber auch Vorteile – wir haben eine gute Sicht und wir bekommen so mehr von der Sonne ab!
Nahe der Farm laufen uns wieder verschiedene Rehe über den Weg und eins der berühmten Highland-Cattle, ein süßes zotteliges Vieh, das uns breitwillig Platz macht.

Bei der Farm weichen wir vom designierten CWT ab, denn dieser Abschnitt soll sehr sumpfig sein und wir haben keine Lust auf nasse Füße. Das sparen wir uns für morgen auf! 😆
Stattdessen laufen wir die letzten sechs Kilometer über eine wenig befahrene Landstraße bis zu unserem anvisierten Camp am River Garry.

Als wir dort ankommen, sind wir geschockt, denn unser Wild-Camp hinter der Brücke ist von einem Angler-Auto belegt. Wir kochen erst mal einen Kaffee und die Jungs fahren glücklicherweise bald weg.
Nun ist der Abend frei für ein Camp, wie wir es uns gewünscht haben. Es bleibt größtenteils trocken und relativ warm, wir können außerhalb des Zelts kochen und haben noch einen schönen Blick auf die umliegenden Berge und den Fluss. Da es aber schon früh dunkel wird, liegen wir schon um 19:45 Uhr im Schlafsack. Ob wir so früh schlafen können? Und bei dem Lärm, den der Fluss macht?

Doch geht! 😊 Für morgen haben wir den Wecker auf sechs Uhr gestellt, denn wir wollen noch vor dem großen Regen über den River Loyne kommen …

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Von Fort Augustus nach Invergarry, 15km, 05.10.2018

Ein gemütlicher Spaziergang im Sonnenschein – das haben wir uns verdient!

Heute ist ein halber Pausentag – aber zuerst gehen wir Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen. Wahrscheinlich haben wir zu viel gekauft, was das Gewicht der Rucksäcke angeht. Also verhungern werden wir nicht!
Besonders wichtig ist, dass wir in Girvan’s Hardware Store Spiritus für unseren Kocher kaufen konnten – weder in Kingussie noch in Newtonmore war er zu kriegen. Ich wär Girvan fast um den Hals gefallen! 😅

Da wir heute nur 15 Kilometer auf den Great Glen Way laufen, können wir es gemütlich angehen lassen: Zuerst noch mal zu Loch Ness marschieren und ein paar Fotos aus der Nähe schießen, noch einen Kaffee trinken, ein bisschen Boote an den Schleusen gucken – Es ist fast 11 Uhr, als wir uns endlich auf den Weg machen.
Ihr wisst schon – Wir lieben Canal-Walking! Als „Pausentag“ ist das flache Schlendern am Wasser mit Bootsschau ideal. Vor allem, wenn der Tag so sonnig ist wie heute. Jeden Kilometer gibt es eine Bank, auf der wir ein wenig sitzen können, mit der Familie telefonieren und E-Mails lesen, denn im Great Glen gibt es Handy-Netz!

Ab der Bridge of Oich gibt es zwei Varianten für den Great Glen Way: Die eine verläuft am westlichen Seeufer entlang, die andere östlich. Wir haben und für die erste Variante entschieden, die waldiger und bergiger, aber kürzer ist.
Der Weg führt durch einen „skandinavisch“ anmutenden Wald mit Mischgehölz, mannshohen Farnen und viel, viiiel Moos.
Zwar regnet es zwischendurch ein paar Schauer ab, aber das juckt uns nicht wirklich!

Schon um 15 Uhr sind wir in Invergarry und genießen noch einen Kaffee in der Sonne. Auch heute übernachten wir in einem Independent Hostel: Das Saddle Mountain Hostel ist privat geführt und nett, gemütlich und freundlich. Sicher ein Kleinod seiner Art!

Das Abendessen im Invergarry Hostel ist sehr übersichtlich, aber exzellent. Welch ein Unterschied zu unserem Tomatenpamps vom Spiritus-Kocher!
Den gibt es dann morgen wieder – wir verabschieden uns bis übermorgen im Cluanie Inn!
(Hoffentlich, denn ab morgen sind wir auf dem CAPE WRATH TRAIL – huuuuh!) 😆

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Von Garva Bridge nach Fort Augustus, 30km, 04.10.2018

Es geht noch viel nasser!

Heute war der bisher härteste Tag in unserer Wanderkarriere, echt!
Schon am Morgen hat es weiter geregnet. Das bedeutet Porridge kochen in der Apsis und ein klitschnasses Zelt einpacken. Brrr! Wie gut, dass wir für den Abend ein Hostel in Fort Augustus vorgebucht haben, da kann der Kram dann trocknen.
Aber zuerst heißt es die Rucksäcke zu schultern und die 28 Kilometer nach Fort Augustus über den Corrieyairak Pass zu laufen.

Die ersten fünf Kilometer geht es noch gemäßigt auf Asphalt bis zum Melgarve Bothy hoch. Da parkt zwar schon ein grüner Pick-Up mit Anhänger, aber im Bothy scheint niemand zuhause zu sein.
Wir sind froh, dass wir bei der Garva Brücke gecampt haben und nicht bis zum Bothy weitergelaufen sind: Dieses ganze martialische Jägervolk mit ihren Carmouflage-Anzügen und den komischen Jagdgewohnheiten ist uns nicht ganz geheuer. Wir stellen uns unter dem ehrbaren Jägerstand vor, dass man im Morgengrauen zu Fuß zu einem Jagdsitz schleicht und dort Stunden dem Wilde harrt. Die Jäger hier aber fahren mit den Geländewagen so weit es geht, laden dann eine Art Tarn-Caddie vom Anhänger herunter und fahren in die Pampa. Dort schießen sie bestimmt vom Fenster aus die Tiere ab. Wie wir gehört haben, müssen die Revierinhaber Schussquoten einhalten. Aber unter einer romantischen schottischen Jagd verstehen wir etwas anderes. Bestimmt setzten sie demnächst Drohnen ein! 😣

Kaum haben wir es uns im Bothy gemütlich gemacht, kommt einer der Herren zur Tür herein. Wie lange wir denn im Bothy blieben und wohin wir gingen. Es handelte sich aber mitnichten um ein Interesse an unserer Wanderung: „Okay, I’ll tell the boys!“ soll wohl er bedeuten, dass er uns vor dem Abschuss bewahren will!
Nach unserer Teetasse wird es richtig fies: Der Wind bläst uns voll ins Gesicht und es regnet immer stärker. Je höher wir wandern, desto ärger wird es. Der Track verwandelt dich in einen zweispurigen Waserlauf, von allen Seiten läuft das Moos aus wie ein voll gesättigter Schwamm. Bis wir zum Pass kommen, müssen wir mehrere Bäche überspringen, die sonst wohl eher Rinnsale sind. Zweimal müssen wir die Schuhe ausziehen und durchwaten. Kurz vor dem Pass geht es in steilen Serpentinen den Weg hoch, wir haben abwechselnd den Wind von links und von rechts. Wir sehen – absolut nichts! Nur die Hochspannungs-Masten der Überlandleitung, die parallel zu uns verläuft, zeigen sich hin und wieder im Regennebel. Der Wind bläst uns fast um und der Regen prasselt uns auf die Kapuzen. Mitten in den Regenwolken stolpern wir über nasses Geröll nach oben.

Auf dem Pass machen wir eine kleine Pause im Windschatten einer alten Militäranlage. Dann geht es weiter – nur runter von diesem Berg!

Unser nächstes Ziel heißt Blackburn of Corrieyairak. In dem Bothy wollen wir eine verspätete Mittagspause einlegen. Leider weht uns der Wind nach dem Pass weiterhin den Regen ins Gesicht, aber es geht wenigstens leicht bergab!
Als wir nach weiteren sechs Kilometern im Bothy ankommen, sind wir bis auf die Haut durchnässt. Ein interessantes Phänomen, das wir schon früher beobachtet haben: Wenn es richtig stark windet, halten Goretex-Sachen nicht mehr dicht – der Wind drückt die Nässe förmlich durch die Membran hindurch. Reißverschlüsse und Fotogürtel sind weitere Schlupflöcher für das Wasser. Wir essen schlotternd unser Pausenbrot und sind mal wieder glücklich über unsere Thermoskanne Alfi, die uns mit warmem Tee versorgt.

Unsere Goretex-Socken haben auch schon längst schlapp gemacht und auf dem Abstieg rennen wir förmlich den Berg hinunter, um unsere Füße wieder warm zu laufen. Wir nehmen es mit Humor und patschen durch die Pfützen.
Kurz vor Fort Augustus verlaufen wir uns, aber das macht nix – mittlerweile ist es wärmer und es hat zu regnen aufgehört. Wir haben von hier oben einen tollen Blick auf Fort Augustus und den Loch Ness, eingerahmt von den Bergen um uns. Statt 28 werden es 30 Kilometer, aber das warme Hostel wartet auf uns!
Wie glücklich und dankbar kann man über eine warme Dusche und trockene Sachen sein! Und das arabische Dinner im Boathouse direkt am Loch Ness hat wunderbar geschmeckt … 😊

P.S.: Zum zweiten Mal auf unserer kompletten Tour haben wir in einem Hostel geschlafen, dieses Mal sogar in einem Independent Hostel. Die Morag’s Lodge ist jedoch ein wenig merkwürdig: Fast alle Gäste sind Anfang zwanzig oder jünger und nehmen an einer „Sexy Highland“-Bustour teil. Wie wir später erfahren, gehört das Hostel dem Reise-Veranstalter. Am Abend gibt es ein lautes Quiz und eine Tartan-Party. Zum Glück ist unser Zimmer nach hinten raus … 🙂

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Von Newtonmore nach Garva Bridge, 29km, 03.10.2018

Jetzt wird’s nass!
Schon als wir am Morgen loslaufen, gießt es. Der Weg durch das Glen Banchor verläuft erst auf Teer, dann auf Schotter, dann auf Heide, dann auf Wasser …

Wir sehen von den umliegenden Bergen nur wenig und müssen zweimal die Schuhe ausziehen, um durch Flüsse zu waten. Aber wenigstens ist es nicht so kalt wie in den letzten Tagen!


Highlight des Glen Banchor ist eine riesige Wildherde, die von Weitem über unseren Weg läuft. Bestimmt 30 Tiere auf einmal!
Überhaupt ist hier gerade Hochsaison für die Jagd und überall begegnen uns Jäger und deren abenteuerliche Gefährte.

Unsere erste Pause können wir relativ trocken in einem Bothy verbringen (vor dem ein Geländewagen mit Jägern parkt, die einfach nur im Auto sitzen. Irgendwie typisch englisch! 🙂
Danach geht’s weiter einen Schotterweg herunter nach Laggan. Dort erwartet uns die Enttäuschung des Tages! Das Café in Laggan hat ausgerechnet mittwochs geschlossen! Wie gern hätten wir uns dort aufgewärmt und ein wenig getrocknet (und natürlich einen Kaffee getrunken). Zum Glück aber hört der Regen auf (nur für diese halbe Stunde!) und wir können auf einer Bank an einem Spielplatz unser Mittagessen im Trockenen genießen.

Nun kommt der lange Anweg zum Corrieyairak Pass: 14 Kilometer auf Asphalt bis zur alten Garva Bridge, wo die einsame Landstraße endet und der Anstieg zum Pass beginnt. Es regnet und regnet wieder nicht, aber haben wir eine Chance auf ein trockenes Camp?


Leider nicht! Den ganzen Abend sitzen wir im Zelt, kochen in der Apsis, trinken Tee und gehen früh schlafen. Schade eigentlich, denn der Platz an der alten Packhorse-Bridge ist wirklich schön und es wäre ein milder Abend um Draußen zu sitzen, wenn es nicht immer regnen würde!
Camping ist gar nicht so schlimm, wenn es nicht kalt ist und die Regensachen halten! 😊

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Allt Eindart über Ruigh Aiteachain bis Newtonmore, 32km, 01/02.10.2018

Der Durchmarsch: Kingussie ruft uns!

Als wir am Morgen im unserem klammen Zelt aufwachen, haben wir erst mal gar keine Lust aufzustehen, denn der Regen pladdert noch immer auf’s Zeltdach. Aber die Blase ist voll und wir müssen und wollen weiter!
Eigentlich hatten wir den Plan, heute nur bis zum Ruigh Aiteachain Bothy zu laufen. Die Schutzhütte wurde erst kürzlich renoviert und soll nun eine echte Luxusherberge sein! Aber schon am Morgen beschließen wir, dass wir bis Kingussie laufen, wenn wir es schaffen.

Beim Frühstück hört der Regen auf und die dichten Wolken verziehen sich. Sogar die Sonne wärmt ein wenig! Aber – shocking! – circa 100 Meter über uns liegt Schnee auf den umliegenden Bergen! Also nix wie weg und ab ins Tal!

Nach drei Kilometern treffen wir auf einen einsamen, haarigen und bärtigen Wanderer. Der Mann muss früh aufgestanden sein, denn er hat in ebendem Bothy übernachtet, wohin wir es heute mindestens schaffen wollen. Wir hingegen sind froh, dass wir eher ins Tal laufen statt hinauf in die Berge.
Nach vier Kilometern haben wir wieder eine Flussdurchquerung, aber mittlerweile lässt uns das vollkommen kalt, haha!

Es ist faszinierend: Da läuft man kilometerlang durch eine nasse, steinige Heidelandschaft, biegt um eine Ecke und plötzlich trifft man auf enge Schluchten mit Wasserfällen, Bäumen, Farnen und Blumen. Diese Oasen in der Heidewüste sind windgeschützt und für die Rehe schwer zu erreichen, so dass sich hier eine vollkommen andere Vegetation entwickeln kann. Wir lieben diese Schluchten, auch wenn es keine Brücke gibt!

Als wir tiefer in das Tal kommen, wird es zusehends grüner. Im Glen Feshie stehen jede Menge Kaledonische Kiefern, eine Art, die in Schottland sehr selten geworden ist. Unser Weg verläuft bis zum Bothy immer parallel zum Feshie, es geht bergauf und bergab auf schmalen, fast zugewucherten Pfaden.

Am Bothy kommen wir schon um die Mittagszeit an und freuen uns auf eine Mittagspause in der Luxus-Unterkunft. Aber als wir gerade die Tür öffnen wollen, hören wir laute Männerstimmen und Gelächter. Spontan habe ich (Steffi) ein ungutes Gefühl und will da partout nicht mehr rein!

Leider ist es so, dass nicht nur Wanderer die Bothys nutzen, sondern auch jede Menge Party-Volk, das so eine kostenlose Unterkunft gerne frequentiert. Es mag sein, dass ich einfach nur menschenfeindlich bin, aber Friedel akzeptiert meine Bauchentscheidung und wir marschieren weiter. Unsere Mittagspause machen wir dann eben Kilometer weiter auf einem alten Baumstamm am Feshie. Auch schön!

Jetzt ist es abgemacht, dass wir versuchen, bis Kingussie durchzulaufen. Da es auch noch zu regnen beginnt, marschieren wir stramm durch bis nach Drumguish. Ein wenig Zeit verlieren wir noch, als wir versuchen, eine Brücke über den Allt Fhearnasdail zu finden. Auf der OS-Map ist sie eingezeichnet, nun aber nicht mehr existent. Es gibt noch eine andere, aber bis dahin laufen wir fast einen Kilometer durch kniehohes, nasses Gras. Jetzt machen auch noch unsere wasserdichten Socken schlapp. Entbehrlich!

Ruthven Barracks

Immerhin haben wir wieder Handy-Netz und wir schicken ein Lebenszeichen an die Familie und buchen ein Hotel in Kingussie. Yeah, die warme und trockene Nacht ist geritzt!
Gegen 18:30 Uhr erreichen wir äußerlich patschnass das Silverfjord-Hotel. Der Laden ist zwar keine Luxus-Herberge, aber wir haben ein großes und warmes Zimmer, in dem all unsere Sachen trocknen! Und das Abendessen schmeckt! 😊

Den späten Abend verbringen wir mit zwei deutschen Ärzten aus dem Rheinland, Vater und Sohn, die heute einen Hirsch erlegt haben und das mit uns und einem Dalwhinnie-Malt feiern. Wir sind beeindruckt von ihrem Jägerlatein, und sie nicht minder von unserem Wander-Welsch! Ein interessanter Austausch!

Morgen müssen wir nun nur noch die fünf Kilometer bis Newtonmore laufen und haben einen warmen und trockenen Pausentag. Das Hotel dort ist schon gebucht.

Vom Allt Eindart bis zum Ruigh Aiteachain…
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…und weiter bis nach Kingussie und Newtonmore

Unser Pausentag ist sonnig und regenfrei. In den nächsten Tagen soll es wieder schlechter werden! 😆

Vom Glen Tilt Camp zum Allt Eindart, 24km, 30.09.2018

Heute lernen wir, dass man nicht so übermütig sein soll, aber dann doch manchmal Glück im Unglück hat!
Es ist verdammt schwer, sich morgens aus dem warmen Schlafsack zu schälen. Trotzdem stehen wir mit der Dämmerung auf und kochen erst mal Kaffee, um uns aufzuwärmen. Mit der aufgehenden Sonne sehen wir zahlreiche Wildherden über den Grat der umliegenden Berge ziehen. Ein magischer Moment, aber fototechnisch schwierig!


Wie wir am nächsten Tag aus fachkundiger Quelle erfahren werden, ist gerade Brunftzeit. Deshalb der Krach letzte Nacht!
Nach dem Kaffee gibt es Frühstück (warmes Müsli mit Blaubeeren) und noch einen Kaffee und dann packen wir zusammen. Wir sind noch nicht so geübt, also ist es bei unserem Aufbruch schon 9:30 Uhr. Egal, heute stehen ja nur 14 Kilometer bis zur Geldie Lodge an.
Schon als wir losgehen, kommt die Sonne raus. Wunderbar!


Das heißt aber nicht, dass es nicht regnet. Bis zum Mittag wechseln sich Regenschauer und Sonne ab, oder es gibt beides gleichzeitig. Typisch schottisches Wetter halt.
Schon nach zwei Kilometern treffen wir auf die Falls of Tarff mit der charakteristischen alten Hängebrücke. Hier endet der bequeme Weg und es geht auf einem steinigen Pfad langsam aufwärts.


Oben angekommen öffnen sich die Berge und wir steigen auf eine weite Hochebene. Ein weiter Blick über eine gelb-orange-grüne Weite eröffnet sich, irgendwo dahinten bei den Bergen am Horizont steht die Ruine der Bynack Lodge. Dort angekommen müssen wir den berüchtigten Geldie Burn überqueren. Es gibt keine Brücke und wir müssen den Fluss durchwaten.


Aber wir haben es geschafft, Andrew (an Oldie outdoors)!
Der Wetter-Gott war uns gnädig, denn bei Hochwasser ist die Passage unmöglich.
Unsere Technik: Socken aus, Einlegesohlen raus und barfuß in den Wanderschuhen durch das kalte Wasser. Auf der anderen Seite frottieren wir die Füße trocken, ziehen wasserdichte Socken an und ziehen die quittennassen Schuhe wieder an. Leider dauert es bis zum nächsten B&B, bis die Schuhe wieder trocknen. Aber die Schuhe werden im nächsten Sumpf oder Schauer eh wieder nass. Embrace wet feet! 😆
Gegen Mittag verschlechtert sich das Wetter zusehends und es wird arg windig. Nun sind wir schon im Glen Feshie und in diesem Tal bläst uns der Wind voll entgegen!
Windig? …. äh … stürmisch!

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Der ursprüngliche Plan…

Als wir an unserem anvisierten Zeltplatz ankommen, ist es erst 14:30 Uhr, es regnet in Strömen und der Platz ist dem Wind voll ausgesetzt. Die Aussicht, hier zu bleiben, behagt uns wenig, zumal wir den Geldie nochmal durchwaten müssten.
Kurzentschlossen beschließen wir weiterzulaufen. Bestimmt hört der Regen bald auf und wir finden eine windgeschütze Kuhle?

Leider nicht! Wir schlagen uns weitere sieben regen- und windgepeitschte Kilometer über nasses und steiniges Heideland. Der Dauerregen hat selbst kleine Bäche anschwellen lassen, so dass wir doch noch zwei weitere „Flüsse“ durchwaten müssen. Gegen 18 Uhr treffen wir endlich auf einen verfallenen Schuppen, neben dem es einen flachen Grasstreifen gibt. Glück im Unglück! Der löchrige Holzschuppen wird uns am Abend vor Regen und Sturm schützen, so dass wir uns zum Abendessen relativ geschützt Tee und Reis kochen können.


Zwar bin ich erst mal handlungsunfähig, denn meine Hände sind so kalt, dass ich den Kocher nicht aufbauen kann. Friedel schafft es jedoch und bewahrt mich vor dem Heulkrampf. 😆
Das Zelt biegt sich in der Nacht bedenklich im Sturm, aber es hält!
Beim Einschlafen bangen wir noch und das laute Flattern der Zeltplane und der prasselnde Regen erschweren das Einschlafen. Aber irgendwann schlummern wir doch ein und wachen erst auf, als es schon hell ist. Wir haben überlebt! 😅
Rückblickend finden wir, dass es ganz schön riskant war, nach dem Zeltplatz an der Geldie Lodge weiterzulaufen. Auf der anderen Seite haben wir so den windgeschützten Schuppen gefunden. Glück gehabt!

Von Blair Atholl zum Glen Tilt Camp – 20km, 29.09.2018

Wie schön, den gemütlichen kleinen Bahnhof von Blair Atholl wiederzusehen! Der Ort ist so überschaubar, dass wir auf Anhieb das süße Mühlencafe wiederfinden, wo wir vor eineinhalb Jahren am Ende unserer Rob Roy Tour eingekehrt sind – und die Scones und der Kaffee schmeckten noch genauso gut!

Verdient haben wir und die Naschereien eigentlich noch nicht: Wir sind doch gerade erst um 10:32 mit dem Zug aus Edinburgh angekommen!

Wir beeilen und ein wenig mit dem Kaffee, denn wir wollen unser Zelt auf jeden Fall noch vor der Dämmerung aufbauen.

Aber zuerst wird die unverzichtbare Thermoskanne mit Tee an Friedel übergeben- Mir hat’s schon auf der Hinreise im Knie gepickt. Der Spiritus für unseren Kocher und Fressalien für die nächsten vier Tage sind nämlich auch noch in unseren Rucksäcken!

Gestern Abend nach unserer Ankunft war schon der Kauf des Spiritus ein echtes Abenteuer- wir haben extra ein Hotel in der Nähe eines riesigen Baumarkts gebucht. Im Dunkeln sind wir über Parkplätze eines riesigen Schoppingcenters gelaufen und konnten glücklicherweise einen Liter der wertvollen lila Flüssigkeit ergattern. So sind wir nun bestens für die Cairngorms ausgestattet!

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Zuerst geht es wieder über das Gelände des Blair Atholl Schlosses. Besichtigt haben wir es schon letztes Jahr, so sehen und hören (den Dudelsackpfeifer vor dem Schloss) wir es dieses Mal nur von Weitem. Stattdessen schlagen wir uns direkt nach dem Campingplatz in den Wald und landen auf dem Weg ins Glen Tilt – von nun an geht es nur noch geradeaus, immer am Fluss entlang. Der Weg führt uns direkt an der Schlucht des Tilts vorbei, tief unter uns sehen wir zwischen den Bäumen den Fluss blitzen – aber vor allem hören wir ihn! Der Fluss läuft durch sein felsiges Flussbett strudelnd und tosend tief neben uns. Der Weg das Glen Tilt hinauf ist so einfach, wie er schön ist: Es geht nur sachte bergauf, der Weg ist ein bequemer Schotterweg ohne irgendwelche Schikanen. Zwar zeigt sich die Sonne kaum, aber es regnet auch nur ganz wenig. Es weht eine nicht gerade sanfte Brise und einige Wanderer und Radfahrer beschweren sich über den fiesen Gegenwind – wir aber haben ihn im Rücken und er trägt uns das Tal hinauf!

Das Glen Tilt wird seinem Ruf als einem der schönsten Täler Schottland voll gerecht – Unser Weg führt den ganzen Tag am Fluss entlang, was das Navigieren recht einfach macht. Der Fluss trägt jede Menge Wasser, das über viele Kaskaden an uns vorbeirauscht. Von links und rechts fließen jede Menge Bäche in Wasserfällen den Berg hinunter in den Tilt – wir sind begeistert!

Toll ist auch unser Camp am Abend: Eine weite Wiese vor dem Zufluss eines weiteren Flusses. Hier hätten einige Zelte Platz, aber wir sind ganz allein. Nur ist es leider saukalt und windig und wir beeilen uns mit dem Zeltaufbau und dem Abendessen.

Heute gibt es Nudeln mit Tomatensauce und Speck. Schon um 7:30 Uhr gehts ins Zelt. Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Tag heute: Es war nicht zu anstrengend und wir haben uns wacker geschlagen, trotz der 13-15 Kilo auf dem Rücken!

In der Nacht schlafen wir unruhig – zu ungewohnt ist noch das Flattern der Zeltplane und das Röhren der Hirsche aus den Bergen rund um uns. Aber wir sind warm angezogen und kuscheln uns tief in unsere Schlafsäcke ein. Was der Tag morgen wohl bringt?

Cairngorms, Corrieyairak und der Cape Wrath Trail – Jetzt wird’s lustig!

Morgen geht’s los auf unsere achte und damit vorletzte Etappe unseres langen Weges durch Great Britain. Wir fangen in Blair Atholl am Schloss wieder dort an, wo wir im Mai 2017 (mit Carla) aufgehört haben. Erst kürzlich eingestiegene Leser mag unsere Springerei etwas verwirren – In der Tat haben wir bei unserem letzten Abenteuer in diesem Mai ja gerade unseren Einmarsch nach Schottland gefeiert. Da wir aber schon im Frühling 2017 durch Central Scotland gelaufen sind, springen wir nun direkt bis zum Eingang des Cairngorms National Parks nach Blair Atholl und laufen wieder durch den Schlosspark.Die ersten drei Wandertage geht es durch das Glen Tilt und das Glen Feshie nach Newtonmore. Auf dieser Etappe werden wir drei Nächte hintereinander zelten, denn es gibt dort nichts – außer Natur und frischer Luft!

Von Newtonmore (es gibt Hotels und einen Supermarkt!) geht es durch das Glen Banchor bis nach Laggan und von dort aus über den Corrieyairak-Pass bis nach Fort Augustus am Loch Ness. Hier können wir wieder einkaufen und im Hostel duschen. Dann ein kleines Stück auf dem Great Glen Way nach Südwesten bis zum Hostel nach Invergarry, und dann steigen wir von der Seite auf den Cape Wrath Trail ein: Ab jetzt wird’s richtig wild!

Eine Nacht auf weichen Kissen im Cluanie Inn wollen wir uns auf jeden Fall gönnen, aber von da ab ist nichts mehr vorgebucht: Wir werden auf jeden Fall versuchen, uns bis Shiel Bridge durchzuschlagen (Resupply an der Tankstelle!!!) und dann je nach Wetter eine der Varianten wählen, die uns bis ins Atterdale zur Bahnstation Achnashellach führt.

Insgesamt werden wir dieses Mal 270 Kilometer in 14 Wandertagen zickzack Richtung Norden laufen – und dabei alles mitnehmen, was die Highlands landschaftlich zu bieten haben. Drückt uns die Daumen, dass die Füße und Knie mitmachen! 🙂

robr - 538
„The Soldier’s Leap“ in Killiecrankie, kurz vor Blair Atholl