Land’s End to Cape Wrath

LECW – Das ist Land’s End to Cape Wrath, über 2200 Kilometer zu Fuß vom äußersten Süden Englands bis in den wilden Norden Schottlands.

Wir wandern die Strecke in neun Abschnitten jeweils im Frühling und im Herbst. Schon sechs Etappen sind wir gelaufen. Schottland liegt in nun greifbarer Nähe!

Begleitet uns auf unserer Tour über die wilden Klippen an Cornwalls Küste, durch die lieblichen Wiesen Somersets, über die Hochmoore der Pennines und die einsamen Wälder und Berge Nordenglands und Schottlands.

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Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA), Screenshot from GPXSee-App

 

Nach langer Planung und mehrmaligem Hin-und Hergeschiebe: We proudly present: „Steffi’s and Friedel’s LECW in neun Abenteuern!“

Übersicht: Der LECW-Plan

Die Abschnitte, die wir schon gelaufen sind:
Abschnitt 1: South West Coast Path: Land’s End to Tintagel
Abschnitt 2: SWCP Tintagel-Washford
Abschnitt 3: Somerset und Wales
Abschnitt 4: Die Midlands und White Peak
Abschnitt 5: The Pennine Way

Abschnitt 7: Glasgow Area und der Rob Roy Way

(auch oben im Menü „Land’s End to Cape Wrath“ auswählbar)

„Anwandern“ auf der Schwäbischen Alb rund um Geislingen

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In drei Wochen geht’s wieder los nach Nordengland – Also Zeit, die müden Knochen zu schütteln und rauf auf die Alb!
Vor ein paar Jahren sind wir nach Geislingen an der Steige gezogen, um näher an der Natur zu wohnen. Die Fünftälerstadt am Fuße der Alb ist von Bergen und Wald umgeben und wir müssen nur die Haustür aufmachen und loswandern!
Am Sonntag ging es hoch zum Geiselstein, dann am „Geislinger Grand Canyon“ entlang über den Hungerberg bis nach Türkheim. Von Türkheim durch das Vögelestal und wieder zurück nach Geislingen. Bei schönstem Frühlingswetter!

Länge der Tour: 15 Kilometer

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Hoch zum Geiselstein sieht es noch recht winterlich aus ..

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.. der“Canyon“ …

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aber dann wird’s frühlingshaft: Märzenbecher! Lärchensporn! Buschwindröschen!

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an der Kirche in Türkheim vorbei …

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… durch’s  Vögelestal …

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… vorbei am alten Büßerkreuz oben auf der Alb bei Wittingen …

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… und dann schließlich der Abstieg über die Wittinger Steige zurück nach Geislingen.
Schön war’s! 🙂

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Unser nächstes Abenteuer im Mai 2018 …

… führt uns auf den Pennine Way zurück, schließt Lücken und führt uns ins wilde englisch-schottische Grenzland!

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Traditionell sind die Weihnachtsferien immer dazu da, den Frühlingsurlaub im Detail zu planen. Der Wanderplan für den Mai steht nun – Dieses Mal haben wir uns sogar drei Wochen frei genommen, da passen dann jede Menge Wanderkilometer rein!

Ende April fliegen wir nach Manchester und fahren am Abend mit dem Zug nach Rugeley/Staffordshire (das dauert nicht mal zwei Stunden). Die nächsten zwei Tage geht es durch (vermutlich) matschige und eher langweilige Wiesen bis an den südlichen Rand des Peak District National Parks. Hier erwarten wir keine besonderen Strecken-Highlights, aber dies sind zwei Wandertage, die wir nachholen müssen. Doch Bluebells wird’s ja wohl hoffentlich geben!

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Und da es uns das letzte Mal im Peak District so gut gefallen hat, laufen wir eine Wegvariante durch die Limestone Dales …

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… bis nach Edale zum Startpunkt des Pennine Ways, um von dort aus die ersten beiden Etappen des Weges nachzuholen. Wir lieben den Pennine Way und wollen uns deshalb die 40 verpassten Kilometer über Kinder Scout und Black Hill auch noch geben!

Diese ersten sieben Tage und 150 Kilometer sind dann eigentlich doppelt auf unserem Weg zum Cape Wrath, aber was soll’s … wir haben es nicht eilig!
(Wen die Strecke genau interessiert: Auf dem Lecw-Plan ist sie als „Variante Limestone Dales und Kinder Scout“ aufgeführt)

Von Marsden aus fahren wir dann am Abend bis nach Hexham zum Hadrian’s Wall, dem Endpunkt unserer letzten Wanderung auf dem Pennine Way. Wir freuen uns darauf, diese Römische Mauer noch einmal zu sehen …

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und beginnen unsere Wanderung mit einer kurzen Besichtigung des Vindolanda Roman Forts. Anschließend geht es vier Tage auf die letzten Kilometer des Pennine Ways bis nach Kirk Yetholm, um uns verdient in das Register im „Border Hotel“ einzuschreiben und unser kostenloses Half Pint zu kassieren! 🙂

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Von nun an folgen wir keinem offiziellen Wanderweg mehr. Nach Möglichkeit wollen wir auf unserem Weg nach Edinburgh und dann zum Union Canal möglichst viele Sehenswürdigkeiten mitnehmen, aber auch die Einsamkeit der Southern Uplands genießen. Wir freuen uns schon jetzt auf die Abbeys in Dryburgh und Melrose, auf den River Tweed und ganz besonders auf Abbotsford House, dem Landsitz von Sir Walter Scott.

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Abbottsford House (Bild von Wikipedia.de)

Danach wird es über ein Stück des Southern Upland Ways und über alte Drove- und Reivers-Wege durch einsames Hügelland bis kurz vor Edinburgh gehen. Am Stadtrand von Edinburgh stoßen wir wieder auf den Union Canal und folgen ihm bis nach Falkirk, wo wir im Frühling 2017 Richtung Scottish Highlands aufgebrochen sind. Auf dem Weg werden wir hoffentlich noch Zeit haben, Blackness Castle und Linlithgow Palace zu besichtigen.

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Blackness Castle (Bild von Wikipedia.de)
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Linlithgow Palace (Bild von Wikipedia.de)

Uns erwartet also eine außerordentlich abwechslungsreiche Tour mit vielen landschaftlichen und kulturellen Highlights. Auf diesen Abschnitt freuen wir uns schon lange und auch alle Unterkünfte sind schon geplant. Aber leider müssen wir noch bis April warten. Und hoffentlich seid ihr dann alle wieder dabei! 🙂

 

Noch ein Award: Unsere Top 10 der (für uns) besten Inns und Hotels von Land’s End bis zum Hadrian’s Wall!

Winterpause .. aber in Gedanken sind wir trotzdem auf dem Trail!
Mit einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa und der Wolldecke um die Füße macht es Spaß, sich an die bisherigen Highlights der Tour zu erinnern. Und im Kopf „Top-10-Listen“ zu entwerfen (Danke, dass du mich an Nick Hornby und „High Fideltity“ erinnert hast, Britta!)
Etwas Besonderes sind auf jeden Fall auch die rustikalen Inns und Hotels, in denen wir auf dem LECW bisher übernachtet haben. Sei es wegen der besonderen Lage, der Architektur und Einrichtung oder dem besonders netten Service. Hier also unsere persönliche Bestenliste der bisher schönsten Inns in auf unserem LECW, die natürlich absolut subjektiv ist!

Platz 10:
Ancient Unicorn Inn in Bowes, Durham, Pennine Way
Der Umweg über Bowes auf dem Pennine Way (Bowes Loop) lohnt sich!
Im Ort ist dies die einzige Übernachtungsmöglichkeit und im (gemütlichen) Pub war es am Freitagabend supervoll und mit zwei Kaminfeuern mollig warm und gemütlich. Das Essen und die Atmosphäre waren super! Dazu hatten wir ein tolles und ruhiges Zimmer in einem Anbau – wohl ehemalige Ställe – des Anwesens. Bei der ganzen Anlage war noch sehr gut erkennbar, dass dies mal eine alte Kutscher-Station war. Sehr gut restauriert und erhalten, mit viel Liebe zum Detail – So lieben wir es! Am Morgen erhielten wir von einigen supercoolen Yorkshire-Jägern als besondere Attraktion eine blutige Präsentation ihrer Beute. Das hatte Lokalkolorit!
ancientunicorn.com

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Platz 9:
Bentley Brook Inn in Fenny Bentley, Derbyshire, Peak-District
Dieser Laden war einfach gut geführt – Schöne Außenanlagen, elegantes Innenleben, tolle große Zimmer, unseres in einem Nebengebäude, seeeehr gutes Essen und das beste Frühstück auf der Etappe. Superfreundlicher und schneller Service. Dies ist kein besonders altes Pub, auch die Location ist nicht sensationell, aber der Aufenthalt hier wird uns trotzdem unvergessen bleiben – weil hier alles stimmte – Preis, Service, Einrichtung, Qualität. Ein einfach edles, aber trotzdem gemütliches Inn.
bentleybrookinn.co.uk

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Platz 8:
Farmyard Inn in Youlgreave, Derbyshire, Peak District
Dies ist ein Fuchsbau: Eng, proppevoll, schlauchartig, aber eine unglaubliche Stimmung. Vielleicht lag es auch daran. dass wir an einem Bank-Holiday, also an einem offiziellen Feiertag, hier übernachtet haben. Die Oma war da, die Enkel und alle Lieben aus dem Ort und von außerhalb. Trotzdem hatte die Wirtin für uns einen besonderen Service: Ein reservierter Tisch für die müden Wanderer, die bevorzugte Behandlung, den persönlichen Taxi-Service am Morgen, als klar war, dass sich der kniegebeutelte Friedel am Tag zuvor durch das unwiderstehliche Dovedale übernommen hatte – Vielen Dank!
An sich eine solide Pub-Unterkunft wie viel andere auch – aber an Freundlichkeit und Aufmerksamkeit kaum zu überbieten!
farmyardinn.co.uk

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Platz 7:
Langdon Beck Hotel in Langdon Beck, Durham, Pennine Way
Wie glücklich und dankbar waren wir, dass wir in diesem einsamen Tal die lange Etappe von Middleton nach Dufton (Pennine Way) unterbrechen konnten! Die Einrichtung des Zimmers war – nun ja – „omamäßig“, aber dafür war unser Zimmer riesig und wir hatten einen tollen Erker mit Sitzecke und einer grandiosen Aussicht. Am Abend sahen wir von dort aus die Sonne untergehen und am Morgen die Nebel über dem Tal wabern. In der Nacht standen wir staunend unter einem unglaublich klaren Sternenhimmel. Und als einzige Übernachtungsgäste erhielten wir zum Dinner im Restaurant einen Ehrenplatz. Ein schlichter, einsamer und schöner Ort für Wanderer.
langdonbeckhotel.com

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Platz 6:
Blue Ball Inn in Triscombe, Somerset
Diesen besonderen Ort hat sich Steffi an ihrem Geburtstag gegönnt. Tief ins Tal geschmiegt liegt hier schattig dieses entzückende Inn mit seinem romantischen, reetgedeckten Dach. Noch so ein Fuchsbau, aber urgemütlich!
Gewohnt haben wir in einem hübschen Außengebäude mit eigener Terrasse. Der Abend im Garten des Inns war himmlisch, denn wir waren ausnahmsweise mal im Juli unterwegs!
Auch die Gegend (Quantock Hills) ist einmalig. Die uralten Bäume, alten Alleen und die Wildpferde auf den farnbewachsenen Hügeln erinnerten uns an Wales. Vielleicht kommen wir noch mal dort hin?
blueball.pub

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Platz 5:
The Riverside in Boscastle, Cornwall, South West Coast Path
Noch so ein perfekt geführter Laden – liebevoll eingerichtete Zimmer, ein schöner Gastraum, tolles Essen und das beste Frühstück auf der dritten Etappe. Noch dazu kommt hier die Lage in einem der schönsten Orte Cornwalls. Leider konnten wir wegen des schlechten Wetters nicht im hübschen, direkt am Bach gelegenen Biergarten sitzen. Und wir mussten nachts das Fenster schließen, weil der Bach so laut war!
Der relativ hohe Preis von 95 Pfund war für diese edle Unterkunft jedoch absolut gerechtfertigt – da haben wir uns mal was Gutes gegönnt und es nicht bereut.
hotelriverside.co.uk

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Platz 4:
Merrymoor Inn in Mawgan Port, Cornwall, South West Coast Path
Als wir hier ankamen, waren wir quittennass und der Herbst war am Tag zuvor eingezogen. Das Inn liegt direkt am kleinen Hafen in einer hübschen Bucht. Ähnlich wie beim Seiners Arms in Perranporth herrschte hier eine ganz besondere Stimmung – der Charme der Nachsaison, als außer uns fast nur noch Surfer unterwegs und wir (fast) die einzigen Gäste beim Frühstück waren. Am Abend war der Laden noch rappelvoll gewesen, am Morgen dann verwaist. Aber in diesem Inn haben sich die Betreiber für uns viel Mühe gegeben – ein kostenloses Upgrade auf ein größeres Zimmer, ein schönes Haus, leckeres Essen, ein freundlicher, zuvorkommender und netter Wirt. Das Zimmer mit Meerblick war natürlich auch nicht schlecht, uns am Morgen schien die Sonne durch das große Fenster!
merrymoorinn.com

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Platz 3:
Hunters Inn im Exmoor (Devon), South West Coast Path
Hier sage ich nur: Lage, Lage Lage!!!
Viele Wanderer auf dem SWCP schimpfen über den fiesen Anstieg aus dem Heddon Valley, nachdem man vorher die beiden Hangmans bezwingen musste. Vor allem, wenn man hier keinen Zwischenstop eingelegt hat und gleich wieder aus dem Tal aufsteigen muss. Dabei ist das Exmoor viel zu schade, um einfach nur an der Küste entlang zu wandern. Und das Heddon Valley ist wirklich einmalig schön. Wie haben wir den kleinen Umweg am Fluss entlang durch das enge, waldige Tal genossen!
Das Hotel wirkt wie eine große Hunting-Lodge und ist altmodisch-stilvoll eingerichtet. Nach eine langen Wandertag hatten wir unser wohlverdientes Ale im prächtigen Garten verdient. Auf unser Dinner im edlen Restaurant haben wir gerne verzichtet, viel gemütlicher war’s in der Bar. Die 100 Pfund pro Nacht waren absolut gerechtfertigt und wir werden das Hunters Inn nie vergessen!
thehuntersinnexmoor.co.uk

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Übrigens: Direkt neben dem Hotel gibt es ein tolles Bothy vom National Trust:
nationaltrust.org.uk/holidays/heddon-orchard-bothy-devon

Platz 2:
Hartland Quay Hotel, Devon, South West Coast Path
Es gibt viele spektakuläre Orte und Hotels/Inns am nördlichen SWCP. Aber dieser hier ist wirklich der coolste. Die Klippen und Gesteinsformationen an diesem Abschnitt der Küste sind wirklich phänomenal, besonders bei rauhem Wetter. Und dieses Hotel ist so abenteuerlich nah an die Klippen gebaut, dass einem an einem windigen Tag glatt die Gischt ins Bierglas spritzt!
In einem anderen Land hätte man an so einen tollen Ort ein total schnöseliges Luxushotel hingesetzt, aber in England gibt es in soooo einer tollen Location ein gemütliches Pub mit netten Zimmern, erschwinglichen Preisen und rustikalem Flair. Wir konnten uns an den Wellen nicht satt sehen und liebten das Heulen des Windes um das Haus herum, als wir nach einem langen und harten Wandertag gemütlich im Bett lagen. Wir finden: Ein Muss auf dem SWCP!
hartlandquayhotel.co.uk

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Platz 1:
Und wenn ihr uns schlagt: Es ist noch immer die
Keld Lodge in den Yorkshire Dales, North Yorkshire, Pennine Way
Ein Ort von Wanderern für Wanderer!
Keine Ahnung, warum uns die Lodge so ans Herz gewachsen ist. Vielleicht, weil wir schon zweimal dort waren, einmal auf dem Coast-to-Coast-Walk und einmal auf dem Pennine Way. Jedes Mal hat es wie Hulle geregnet und wir sind tropfnass und verschlammt zur Rezeption gewankt. Jedes Mal hat man uns extrem liebenswürdig begrüßt und persönlich zu unseren Zimmern gebracht. Beide Male profitierten wir vom phantastischen Trockenraum, der unsere Sachen im Nullkommanix trocknete. Die Keld Lodge ist einfach ein Paradies für Wanderer.
Ich möchte glatt sagen: Wie immer haben wir wunderbar vor den riesigen Bay-Windows gespeist und dabei die Dämmerung über dem Tal genossen. Die Yorkshire Dales gehören überhaupt zu den schönsten Orten der Welt und von der erhobenen Lage der Lodge hat man einen wunderbaren Blick auf das kleine Dorf mit den typischen Steinhäusern und moosbewachsenen Mauern. Und die Wiesen sind wohl nur in Irland noch grüner. Und der Sternenhimmel ist nur in Langdon Beck so schön wie hier. Und .. und .. und …
Wie schon bei unserem letzten Besuch haben wir beim Frühstück mit einem der Wirte (hieß er Matt?) über das Wandern an sich und insbesondere dieses Mal über den Vergleich zwischen dem Pennine Way und dem Coast-to-Coast-Walk geplaudert. Auch diese liebenswürdigen Plaudereien scheinen hier Programm zu sein!
Unter Tränen haben wir uns erneut von diesem wunderbaren Wandererparadies verabschiedet und noch lange vom gegenüberliegenden Hügel zurückgeblickt. Zwar laufen die meisten durch bis zum legendären Tan Hill Inn – Aber schöner als in der Keld Lodge kann es gar nicht sein!
keldlodge.com

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Nun ist es ein bisschen ungerecht, dass viele andere gute Inns keine „Preise“ gewonnen haben, obwohl sie sich sehr bemüht haben. Trostpreise gehen deshalb an:
– das Old Success Inn in Sennen Cove, SWCP (gut geführter Laden direkt an einem phänomenalen Strand, aber eher unpersönlich)
– das North Inn in Pendeen, SWCP (hübsche Zimmer mit Gartenterrasse in einem Anbau, nette Bedienung)
– das Seiners Arms in Perranporth, SWCP (einmaliger Charme der Nachsaison, mit windgepeitschten Palmen)
– das Tintagel Arms Hotel in Tintagel, SWCP (rittersaal-ähnlicher Restaurantbereich, wir waren die einzigen Gäste und dementsprechend gut betreut. Aber wo nur waren die anderen?)
das New Inn in Kilkhampton, etwas abseits am SWCP (wow, was für ein Badezimmer!)
– das New Inn in Clovelly, SWCP (am Abend war das Pub wie ausgestorben, aber das Zimmer war toll- mit süßem Erker mit Sitzbank und so altmodisch, wie wir es lieben!)
– das Hunter’s Moon Inn in Lllangattock Lingoed am Offa’s Dyke Path (der Ortsname ist kein Witz! Gemütliches Pub in hübscher Lage)
– das Dog and Partridge Inn in Flouch im Peak District (eigentlich würde es wohlverdient auf die obere Liste gehören, wenn es nicht an so einer fiieeesen Straße liegen würde!)
– das Listers Arms in Malham, Pennine Way (schön, gemütlich, nett, aber irgendwie nicht so schillernd wie die anderen ..)

… außerdem haben wir noch in einigen wirklich unvergesslich schönen B&Bs/Pensionen übernachtet oder auch an Orten, die aus anderen Gründen unvergesslich waren. Aber die gibt’s ein anderes Mal auf einer neuen Liste!

Purismus beim Wandern oder: Wann gilt ein Weg als komplett gelaufen?

Neulich auf dem Southwest Coast Path:2015-10-06-09-47-42handyElendes Sch…wetter! Eine Zumutung!!

Und darf man sowas auslassen? (Pennine Way kurz nach dem Tan Hill Inn)pen1_ - 480

Muss man jeden blöden Abschnitt eines Weges laufen, nur weil sich der Erfinder des Weges den Verlauf so ausgedacht hat? Oder darf man da kreativ ein bisschen „schummeln“?
Wenn man Blogs oder Bücher über das Wandern liest, stellt sich immer die Frage, ob die erfolgreiche Wanderung eines bestimmten Wanderwegs für einen selbst oder andere „gilt“ oder nicht. Kann sich Cheryl Strayed auf dem PCT eine „Thru-Hikerin“ nennen? Hat Bill Bryson nicht „beschissen“, wenn er nur bestimmte Abschnitte des Appalachian Trails gelaufen ist?

Jeder Weg hat bestimmte Widrigkeiten, die einem die komplette Wanderung eines Trails erschweren. Hier geht es kilometerlang über fiesen Teer, dort ist die Passage besonders sumpfig, verschneit, überflutet oder schlichtweg langweilig. Oder es regnet noch immer und man hat einfach nicht die Nerven für einen neuen, nassen Wandertag. Kann und darf man bestimmte Passagen eines Fernwanderwegs also einfach „skippen“?

Friedel und ich standen auf der bisherigen Wanderung unseres LECW schon einige Male vor der Entscheidung, ob wir einen langweiligen/lauten/hässlichen Abschnitt wirklich „ablaufen“ oder uns das lieber ersparen sollten. Ist es zum Beispiel in Ordnung, auf dem SWCP eine FÄHRE zu nehmen, oder muss man das Estuary umlaufen?
Wir persönlich finden die Fähre okay, solange sie nicht von Padstow bis nach Ullapool geht.  🙂

Am Anfang unseres Weges waren wir noch nicht solche Puristen: Auf dem SWCP haben wir uns die unattraktive Passage an der Straße entlang von St Ives nach Hayle (rund acht Kilometer) erspart. Wir hatten auch keine Lust, den kompletten Weg durch Bristol bis nach Severn Beach zu laufen (16 Kilometer), einfach weil auch dieser uns größtenteils in der Nähe unattraktiver Straßen und durch Industriegebiete geführt hätte. Heute jedoch ärgere ich mich, dass wir diese Passagen so leichtfertig übersprungen haben. Irgendwann müssen wir sie nachholen!!

Zweimal standen wir zudem vor der Situation, dass wir aufgrund einer Verletzung Wegabschnitte überspringen mussten. Von Skipton nach Malham wollten wir statt des Pennine Ways den Dales High Way nehmen, aber ich hatte mir den Fuß verstaucht. So sind wir die Tagesetappe von Skipton nach Malham (20 Kilometer) mit dem Bus gefahren. Noch schlimmer war es zwischen Rugeley und Ashbourne auf dem Staffordshire Way: Friedel hatte ein Knieproblem und wir mussten zwei komplette Tage mit dem Bus überspringen. Diese Passagen werden wir tatsächlich im April 2018 nachholen, auch wenn ihr uns für bescheuert haltet!

Ihr fragt euch vielleicht, wen so ein formeller Kram interessiert? Den Friedel tatsächlich nicht so sehr, aber neben meiner Wenigkeit gibt es noch einige andere, die auch solche Puristen sind!
Also möchte ich (in Anlehnung an Andrew Bowden, den „Rambling Man“) einige für mich persönliche Regeln für den erfolgreichen Abschluss eines Wanderwegs formulieren. Ich möchte wirklich niemandem vorschreiben, wie er zu laufen hat, aber für mich persönlich kann ich sagen, dass ich einen Weg gelaufen bin, wenn …

  • ich keine Passagen übersprungen habe, weil ich einfach keine Lust hatte, sie zu laufen oder weil das Wetter schlecht war.
  • ich zwar nicht jeden Meter des offiziellen Weges gelaufen bin, aber trotzdem alternativ einen andere Route genommen habe, z.B. um zu einer Unterkunft zu kommen.
  • ich einen anderen Weg nehmen musste, weil ich mich verlaufen habe. Ich muss also hier nicht wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren, sondern mein „Umweg“ gilt als mein persönlicher Weg.
  • ein anderer Wegabschnitt als der offizielle attraktiver und schöner ist.
  • ich wegen Schlechtwetter oder Unpassierbarkeit eine Umleitung nehmen musste.
  • ich wegen einer Verletzung oder Krankheit ein kurzes Wegstück überspringen musste (wie viel Kilometer das sein dürfen, ist eine persönliche Interpretationsfrage. Zwei Tage sind für mich aber absolut zu viel, also müssen wir diese Passage nachholen. Tut mir leid, Friedel!)

Wer sich für den Artikel von Andrew Bowden interessiert, hier ist der Link.

Was meint ihr, liebe Wanderfreunde? Stelle ich mich total an oder habt ihr ähnliche Anforderungen an euch selbst?

Aus der Winterpause grüßt euch
Steffi

sose_ - 94(„Pflastertreten“ auf dem Macmillan Way Southwest bei Sutton Mallet)

Zehn Gründe, 2300 Kilometer durch Großbritannien zu laufen

„Aber warum fahrt ihr denn immer nach England?!“

Freunde und Kollegen reagieren immer wieder verwundert über unser Wanderprojekt: 2300 Kilometer zu Fuß, immer in Großbritannien? Dabei ist die Insel das ideale Wanderland!
Im Gegensatz zu vielen anderen Langstreckenwanderern laufen wir die Strecke nicht in einem Stück, sondern in neun appetitlichen Häppchen: Immer im Mai und im Oktober sind Steffi und Friedel zwei Wochen auf dem Trail. Mittlerweile sind wir schon (fast) in Schottland angekommen und uns trennen nur noch 770 Kilometer von unserem Ziel.

Hier ist die Begründung für die Frage oben: Zehn Gründe, warum man in England wandern sollte!

1. Die Landschaften
Aaah! Die vielen Hecken. Moosbewachsene Mäuerchen. Sattgrüne Wiesen. Die uralten Bäume. Alte Fahrwege mit Kopfsteinpflaster. Endlose Moore in allen Grün- und Braunschattierungen. Bluebells. Alte Steinbrücken. Treidelpfade entlang stiller Kanäle. Nebel über tiefen Lochs. Steile, wolkenverhangene Berghänge. Wellenumtoste Klippen. Steinkreise. Das Meer.
Hier ist alles noch viel ursprünglicher. Landwirtschaftlich genutzt wie bei uns, natürlich. Aber längst nicht so versaut. Älter und wilder.

 

2. Die Wege
Noch in den 50er Jahren war es in GB überhaupt nicht selbstverständlich, dass Wanderer sich frei in der Natur bewegen durften. Seitdem ist aber ein Netz regionaler und überregionaler Wanderwege entstanden, das die Insel vom Süden bis zum äußersten Norden überzieht. So ist es möglich, sich größtenteils auf unbefestigten Wegen und Pfaden zu bewegen. Das ist angenehm für die Füße und auch für’s Auge! Durch die alten Wegerechte entstehen so teilweise kuriose Trails, die es so in Deutschland nie geben würde!
Ein Verzeichnis aller wichtigen Wanderwege in GB findet sich hier:
https://www.ldwa.org.uk/ldp/public/list_of_paths.php?sort_order=N

 

3. Die britischen Umgangsformen
Natürlich gibt es überall auf der Welt freundliche und weniger freundliche Zeitgenossen. Trotzdem denken wir, dass die Briten insgesamt höflicher und zuvorkommender miteinander umgehen als wir Deutschen. Zwar mussten wir uns zuerst daran gewöhnen, im Supermarkt „Love“ oder „Mate“ genannt zu werden oder daran, dass die Briten sich entschuldigen, wenn man ihnen im Weg steht. Auch sind wir zunächst entsetzt zurückgewichen, als uns wildfremde Wanderer auf das Wetter und die Wegqualität angesprochen haben. Aber spätestens als uns auf einem kleinen Campingplatz in Schottland Tee und Bisquits als Willkommensgeste für müde Wanderer angeboten wurden, tauten wir ein wenig für die britische Gastfreundlichkeit und die netten Umgangsformen auf. Seitdem genießen wir die freundliche Atmosphäre in Großbritannien und die kleinen, freundlichen Gespräche und Gesten, die zwar nicht unbedingt nötig sind, aber unsere Urlaube bereichern.

 

4. Die Inns, Hotels und Hostels
Was gibt es gemütlicheres als die typischen englischen Inns auf dem Land? Oder die altmodischen schlossartigen Hotels in Schottland? Hostels in ehemaligen Kirchen? Einige von ihnen sind über 600 Jahre alt, und in ihnen zu übernachten ist immer wieder ein Erlebnis. Zwar sind die Böden schief, Wasserhähne noch in Kalt und Warm getrennt, die Fenster schließen nicht richtig und es spukt, aber das hat Flair! Und wer mit schlammigen Schuhen und tropfnass in den Gastraum wankt, wird trotzdem freundlich empfangen.

 

5. Die Dörfer und Städte
Auch in England gibt es Autos – aber im Gegensatz zu Deutschland hat man die Orte nicht kaputtgemacht, um Platz für breite Straßen und Parkplätze zu schaffen. Hier gibt es sie noch: Enge Gassen, Dorfplätze, alte Steinbrücken. Auch die Häuser sind noch nicht alle dem Isolierungswahn zum Opfer gefallen. Also sind die Fassaden noch so, wie man sie aus Historienfilmen kennt – schief, verschnörkelt und originell.

 

6. Das englische Essen
Die Küche der Insel ist viel besser als ihr Ruf!
In den letzten Jahren ist viel passiert im Königreich: Selbst im einsamsten Pub in Yorkshire bekommt man ordentliche Mahlzeiten serviert. Natürlich stehen noch immer die Pub-Klassiker mit auf der Speisekarte: Fish and Chips, Steak and Ale Pie, Lamb Shank … wir mögen es! Aber fast jedes Restaurant oder Pub bietet mittlerweile auch viele vegetarische/vegane Gerichte und indische Currys an. Die Auswahl ist viel besser als bei uns auf dem Land und weitaus gesünder und leckerer.

Übrigens: Wer sich für das typisch englische oder schottische Frühstück entscheidet, der braucht bis zum Nachmittag nichts mehr!

 

7. Das Ale
Handgepumpt muss es sein – nicht lauwarm, aber auch nicht eiskalt!
Jede Region hat ihre besonderen Ales, es gibt sie in süßlich, bitter, hell, dunkel … und natürlich schmecken sie in einem stilvollen Pub viel besser als aus der Flasche. Nach einem langen Wandertag entspannt das Ale die Glieder und verleiht einem die nötige Bettschwere. Zu einem richtigen Urlaub gehört das Ale einfach dazu!

 

8. Das Wetter
Es stimmt nicht, dass es auf der Insel immer regnet!
Zwar mag es insgesamt mehr Niederschlag als in Deutschland geben, aber meistens regnet es nicht so stark und nicht so lange wie bei uns. Im typisch englischen Nieselregen muss man nicht mal die Regenjacke auspacken, die Softshelljacke reicht meist aus. Das feuchte, mittelwarme Klima der Insel sorgt für eine saftig-grüne Vegetation, im Süden gibt es sogar Palmen. Aber wer es gern heiß mag, der sollte vielleicht eher im Sommer wandern ..


9. Die Einsamkeit
Zwar leben auch in Großbritannien seeehr viele Menschen. Aber die halten sich eher in den Ballungszentren auf, so dass es auf dem Land wirklich einsam ist. Wenn wir unterwegs sind, treffen wir oft keine anderen Wanderer, den ganzen Tag nicht! Trotzdem ist es fast immer möglich, sich abends in einem gemütlichen Pub vor einem gemütlichen Kaminfeuer zu wärmen. Denn auch wenn das Dorf noch so klein ist – ein Pub gibt es fast immer! Es sei denn, man kommt in den äußersten Norden …


10. Traumhafte Übernachtungsplätze
Im Norden Schottlands, besonders auf dem Cape Wrath Trail werden die Orte und damit die Unterkünfte immer rarer – teilweise drei Tage am Stück werden wir auf keine Straße und keine Siedlungen treffen. Dort werden wir im Zelt oder in einem Bothy übernachten und abends statt im Pub auf der Isomatte sitzen. Aber dafür gibt es dann traumhafte Aussichten auf die Berge und die Lochs – Wenn denn das Wetter mitspielt und die Midges schon im Winterschlaf sind! 🙂

 

blogger recognition award…

…“was isch’n dees?“ – so war unsere erste, etwas für uns untypisch schwäbische Reaktion. „Socializing, wir als facebook-Vermeider!? Nee, nix für uns…“, so ging es weiter…

Noch einmal überdacht…“Oder vielleicht doch!?“

Jo, es macht schließlich Sinn, unsere kleine Community mal zu benennen und uns zu bedanken für das Interesse, das Feedback, die Impulse und die treue Begleitung! 🙂

Da sind also unsere eMail-Getreuen: Gise, Gitta, Johanna, Ivanor und Sue,
unsere „offiziellen“ Begleiter: simple Ula – simple UlaSteffi Röfke – Berlin goes Northern England, imtobeek – imtoobeekhikingincornwall2017 – Hiking in Cornwall 2017, TaLüWalks – TaLüWalks, viafrancigena2017blog – viafrancigena2017blog.wordpress.com, kitara – Weniger ist Meer
und natürlich Britta wandert – Britta wandert, die uns schliesslich hier nominiert hat,

sowie die Teilnehmer, die zumindest abschnittsweise dabei waren, prettylittleliars – Pretty Little Liarsbinmalkuerzweg – BinMalKürzWeg, Lady Evil – ladyevil.de, ivientdecktdieweltblogspot – Ivi entdeckt die WeltFeine Arbeiten – Feine Arbeiten, woidwuid – woidwuid, georgous – Winzersekt.wordpress.com und David P – Perspektiven und Blickwinkel.

Es gab auch noch Andere, die irgendwo in den Tiefen von WP verschollen sind oder sich anderswo eingeklinkt haben, z.B. die Reiseberichterstatterin (verschollen) und  RobRoyCountry auf Twitter…

Vielen Dank euch allen – besonders Dir, Britta 🙂 – jeder von Euch hat sich hier eingebracht und damit unseren Blog mit ausgeprägt!

Ursprünglich war der Blog als Ablösung für unsere Fotobücher und mündlichen Reiseberichte gedacht – praktisch und universell für Familie, Kollegium und Freundeskreis! Und dann kam die Eigendynamik: Das Beobachten der Statistiken, das Austüfteln der technischen Möglichkeiten, endlich mal richtig Platz für die vielen Bilder und für ausführlichere Erlebnisberichte … sowie Eure Reaktionen – Rückfragen, Feedback, Kritik, Kommentare und -dialoge, Hinweise…und daraus die unzähligen Impulse und Ideen, die unseren Blog und unser Bloggen beleben und anfeuern. Seitdem ist für uns klar: Dranbleiben, auch wenn’s oft eng wird mit der Zeit!

Dieser Logik folgend unsere Empfehlung an „neue Blogger“: Öffnet eure Blogs für Kommentare und erlaubt die Likes und das Folgen!

Wir nominieren hiermit, höchstoffiziell und feierlich, alle oben genannten Blogs und BloggerINNen für den Blogger Recognition Award, und nehmen dabei keine Rücksicht darauf, ob ihr bereits nominiert seid – doppelt hilft doppelt! 🙂

Die Regeln für die „Teilnahme“ an diesem Award sind überschaubar:

1. Bedanke dich bei demjenigen, der dich nominiert hat und verlinke ihn.
2. Schreibe einen Beitrag, um deinen Award zu präsentieren.
3. Erzähle kurz, wie du mit dem Bloggen angefangen hast.
4. Gib zwei Ratschläge für neue Blogger.
5. Nominiere 15 andere Blogger für diesen Award.
6. Kommentiere auf den nominierten Blogs, lass die jeweiligen Personen wissen, dass du sie nominiert hast, und verlinke deinen Beitrag zum Award.

Britta, zu Deinen Fragen (hier):
Steffi plant die Touren und schreibt darüber, ich begleite sie auf den Touren und mache die Fotos dazu — das alles natürlich interaktiv, und Ausnahmen bestätigen die Regel! 🙂

„Stolz wie Bolle“ – nein, das würden wir nie zugeben! Aber Danke, dass Du es für möglich hälst… 😛

 

Tag 22: Von Dunster nach Washford

*Schnüff * – Traurig hängen wir im riesigen,  schrecklichen Premier Inn am Flughafen Gatwick ab. Bis 13:00 Uhr war die Welt noch in Ordnung, da sind wir noch die zehn Kilometer von Dunster nach Washford gelaufen. Übrigens eine typische Somerset-Querfeldein-Wanderung nach bester Art. Dann kam die schreckliche Rückreise in die Post-Moderne nach Gatwick!

 

 

Tag 21: Von Porlock Weir über Minehead nach Dunster

Heute ist der Endspurt angesagt, was den SWCP angeht: 16 Kilometer bis Minehead zum Beginn bzw. Ende des SWCP. Wir aber werden noch sechs Kilometer weiter bis in das mittelalterliche Städtchen Dunster laufen, denn im ollen Seebad Minehead wollen wir nicht bleiben! 🙂
Aber zunächst genießen wir es erst mal aufzuwachen und die Sonne aus unserem Panoranafenster über dem Meer zu sehen. Dann finden wir es super, mit Blick auf den Garten und das Meer in einem riesigen Raum mit Panorama-Erker zu frühstücken. Wenn auch Porlock Weir selbst nicht viel bietet, das Café ist ein super Adresse!
Was uns auch gefällt, ist der circa vier Kilometer lange Marsch durch das Marschland bis nach Bossington. Die Sonne scheint, es gibt pittoreske abgestorbene Bäume zu fotografieren und das Wollgras bewegt sich im Wind.
Der kleine Ort Bossington sollte komplett vom National Trust übernommen werden, so unser Vorschlag – ein Reetdachhaus ist schöner als das andere.

Nach Bossington ist dann aber Schluss mit der Schlenderei! Wie quälen uns steil in einem Rutsch 250 Meter den Bossington Hill hoch. Hier müssen wir uns entscheiden: Nehmen wir die gemäßigte Inlandroute oder die als „schroff“ oder „wild“ bezeichnete Route an den Kliffs entlang? Na ratet mal! 🙂

Sooo schroff war sie dann aber doch nicht. Da haben wir ja schon gaaanz andere Sachen erlebt, und da gab’s keine Alternative!
Zweimal geht es herunter und wieder hinauf durch tiefe Combes. Hier gibt es natürlich wie üblich struppigen Wald, ansonsten gibt es nur wenige Bäume. der meiste Teil der Strecke verläuft durch braunen Farn, der aber in der Sonne viel schöner schimmert als bei schlechtem Wetter. Wo der Weg verläuft, wächst jedoch extrem grünes Gras, das einen hübschen Kontrast zum Farn liefert.

Was bei diesem Pfad ein wenig nervt, ist die fast durchgängige Neigung zum Meer hin. Man läuft quasi die ganze Zeit auf einer schiefen Ebene, was echt auf die Füße geht!
Toll sind die vielen Steine heute. Jede Menge Pausenplätze!
Es ist etwa 15 Uhr, als wir in Minehead ankommen. Natürlich gibt es ein paar Fotos am SWCP-Monument, dem offiziellen Start des Weges. Wenn man ihn komplett laufen würde, wäre man über 1000 Kilometer unterwegs und würde die vierfache Höhe des Mount Everest an Höhenmetern aufsteigen. Davon sind wir aber noch weit entfernt, denn bis jetzt sind wir nur rund 400 Kilometer dieses Wegs gelaufen. Aber eines Tages werden wir auch den Rest angehen, das nehmen wir uns heute vor.

Der SWCP ist für uns beendet, aber jetzt müssen wir noch die Lücke zwischen Minehead und Washford schließen. Vor zwei Jahren haben wir in Washford unser großes Wanderprojekt gestartet.
Entgegen unserer ursprünglichen Planung wollen wir nun aber nicht auf dem Macmillan Way nach Dunster wandern, sondern an der Küste entlang auf dem neuen England Coastal Path. Dieser neue National Trail soll irgendwann England komplett umrunden, ist bis jetzt aber erst in Ansätzen fertig. Wir können uns noch nicht vom Meer trennen, also nehmen wir lieber ein Stück des Küstenpfads.
Nachdem wir durch das eher hässliche Minehead durch und an dem furchtbaren Butlin’s Holiday Resort vorbei sind, wird es noch mal ganz nett. Der Weg führt uns durch einen schmalen Dünenstreifen, links ein steiniger Strand bei Ebbe, rechts ein riesiger Golfplatz. Als dieser zuende ist, geht es auf einem namenlosen Public Footpath zum Bahnhof von Dunster, an dem echt viele Leute warten! Ist die Strecke nicht eigentlich still gelegt? Tatsächlich kommt kurz darauf eine alte Dampflokomotive mit vier Waggons vorbei!

Nach dem Bahnhof gibt es einen netten Pfad nach Dunster hinein, den Dunster Jubilee Path.
Dunster haut uns echt um. Ein wunderschöner kleiner Ort mit sehr gut erhaltenem mittelalterlichem Dorfkern, über ihm thront eine stolze Burg. Absolut sehenswert und nur sechs Kilometer von Minehead entfernt. Wir plädieren DRINGEND dafür, den offiziellen Start des SWCP von Minehead nach Dunster zu verlegen! Millionen Wanderer haben dieses Kleinod Somersets schon verpasst! 🙂
Unseren letzten Abend vor dem Flughafenhotel genießen wir im Stags Inn
im Schatten der Burg. Ein letztes Mal das leckere Ale, köstlichen Coleslaw und dicke Pommes, ab nächste Woche ist Diät angesagt!:-)

 

Tag 20: Von Lynmouth nach Porlock Weir

A walk in the woods – Ein Gang durch den Wald. Das würde den heutigen Tag gut beschreiben.
Wir haben noch gar nicht von unserem B&B berichtet. Das Riverside war okay, vor allen freundlich und ein gutes Frühstück. Das Zimmer war aber eher auf der kleineren Seite, wie der Engländer sagen würde 🙂
Nach dem relativ frühen Frühstück sind wie schon um neun Uhr wieder auf dem Weg. Zunächst führt uns dieser zu einer relativ wenig befahrenen A-Straße. Der Weg führt uns netterweise nicht auf die Straße, sondern auf einem separaten Pfad daneben. Da es hier auf den ersten vier Kilometern kaum Bäume gibt, haben wir einen unverstellten Blick auf das Meer.
Der Butter Hill ist die erste echte Erhebung heute (260 Meter) und der Aufstieg ist recht sanft und zum Glück wenig matschig. Hier beginnt es zu nieseln und den Rest des Tages hört es eigentlich nicht mehr auf. Aber was soll’s! So lange es nicht gießt, stört uns das mittlerweile eher wenig. Wir packen nicht mal mehr die Regensachen aus! 🙂
Nach dem Hill wollen wir einen Umweg machen, um den Leuchtturm am Foreland mitzunehmen. Wir laufen circa einen Kilometer hin und einen zurück auf einer Teerstraße, nur um festzustellen, dass der Leuchtturm kaum zugänglich und ausserdem ein eher funktionales, wenig ansehnliches Monument ist.

Unterwegs kommen wir an einem „Bothy‘ des National Trust vorbei, das man mieten kann und das zur Zeit von einem jungen Paar belegt ist, dass neben dem Bothy ein Lagerfeuer entzündet hat. Neben dem Bothy steht ihr AUTO! Was ist denn das für ein Bothy, zu dem man mit dem Auto fahren kann? ts ts ts!

Nach unserem Umweg kommen wir in den Wald, und das bedeutet heute schönes, angenehmes Wandern. Wir sehen wenig vom Meer, aber der Wald ist wie verwunschen, voller verschiedener Farne, verdrehter Bäume, Moose, Flechten, Beeren …
Der Herbst zeigt sich heute in seinen schönsten Farben. Unter unseren Füßen knackt und raschelt es viel und schmatzt es wenig.
Eine lange Passage führt uns durch einen großen Rhododendron-Wald, der ganze Hang bis runter zum Meer ist bewachsen. Wie muss das wohl im Frühling aussehen?

Vier Kilometer vor unserem heutigen Ziel kommen wir an der alten Kirche in Culborne vorbei, die hier mitten in der Einöde seit Jahrhunderten steht. Scheinbar finden hier von Zeit zu Zeit noch Gottesdienste statt, denn es gibt Gesangbücher; ziemlich muffige Sitzkissen und sogar welken Blumenschmuck drinnen.

Draußen beginnt es mittlerweile richtig an zu regnen.So können wir hier bequem in die Regenklamotten wechseln und kommen so trocken bis nach Porlock Weir. Der Pub hat geöffnet, so nehmen wir sofort einen Kaffee, bevor wir in unserem B&B einchecken. „The Cafe“ in Porlock Weir hat zwar bis Februar geschlossen, aber trotzdem vermietet die Landlady Zimmer. Noch dazu sehr schöne – und wir erhalten ein kostenloses Upgrade auf ein Zimmer mit Seeblick, weil wir die einzigen Gäste sind.
Nach einem ausgiebigen Bad in der großen Badewanne schlendern wir noch ein wenig durch den Ort. Dieser ist sehr übersichtlich, mit zwei Pubs, einem edlen Hotel und einen „Shopping Center“ mit Geschenkeladen, Kramladen und einem Damenmode-Geschäft. Es gibt einen Hafen, der eher einer ausgebaggerten Schlickgrube gleicht, und einer „Promenade“ aus groben Riesenkieseln, dir hier vermutlich nur zufällig vom Meer angespült wurden, aber eine natürliche Barriere gegen das Meer bilden.
Vermutlich sind die meisten Touristen hier Wanderer, ein Badeort ist dies nicht. Wie ärgerlich ist das denn – ein Ort am Meer zu sein, aber über keinen Fitzel Sandstrand zu verfügen?
Immerhin haben sie eine Reihe hübscher Cottages, stilvoll mit Reet gedeckt.
Der Pub ist auch gemütlich und es hat zu regnen aufgehört – Was wollen wir mehr? 🙂

 

 

OFF-Tag in Lynmouth

Heute haben wir einen Off-Tag – aber warum eigentlich?

Wir sind ja sowohl den ersten Abschnitt unserer LECW-Tour (Land’s End nach Tintagel) schon gelaufen, wie auch bereits den dritten, Washford nach Monmouth in Wales. Bei diesem zweiten Abschnitt hatten wir einfach einen Tag zu viel zur Verfügung, weil unser Flieger zurück nach Stuttgart nur samstags geht. Nun ja, es gibt Schlimmeres als einen Gammel-Tag, oder? 🙂

Warum wir uns gerade für Lynmouth entschieden haben: Wir wollten noch ein bisschen mehr vom Exmoor sehen und die heutige kleine Tour durch die Lyn River Schlucht zum Watersmeet House hatten wir für heute fest eingeplant . Denn das kommt ja gar nicht in Frage, dass man an einem Off-Tag gar nichts tut! 🙂

Entgegen des Wetterberichts regnet es heute bis zum Mittag. Da es aber wieder der typische Nieselregen ist, ziehen wir nicht mal die Regensachen an. Mittlerweile nennen wir den Regen auch nicht mehr so, sondern „groben Flugnebel“. 🙂

Zunächst wandern wir auf dem Two Moors Way oberhalb der Schlucht auf einem tollen Pfad mit einer gewiss tollen Aussicht, wenn man denn mal gescheit sehen könnte bei dem Nebel!

Dafür hören wir etwas. Friedel denkt sofort an ein Monster, ich an einen Bullen. In der Tat ist es ein Bulle, und zwar ein mächtiger Hirschbulle, der da auf einer Wiese unter uns steht und sich die Lunge aus dem Hals brüllt. Aus einem Nebental antwortet ein anderer mit etwas schwächerem Gebell, das uns aber trotzdem beeindruckt. Trotz des Regens stehen wir dort eine Weile, er schaut uns an, wir schauen zurück und wir alle sind froh über die Höhendistanz, die uns trennt.

Am Watersmeet überkommt uns fast ein Kulturschock ob der Menschenmengen, die da herumlaufen, dass wir glatt noch eine Extrarunde durch das obere Lyn-Tal einlegen. Es hilft aber nix, irgendwann müssen wir uns der Situation stellen, denn das Watersmeet-House ist ein TEAROOM!

Es ist unglaublich, aber an diesem Dienstag Mitte Oktober sind alle überdachten Tische besetzt. Also nehmen wir unseren Latte im Nieselregen ein, das macht uns doch gar nix! 🙂

Der Weg zurück nach Lynmouth ist sehr schön, denn der Fluss führt ordentlich Wasser und donnert gewaltig durch das steinige Flussbett.

Im Ort gehen wir noch mal beide „Einkaufsstraßen“ ab, auf der Suche nach einer Mütze für Friedel, er hat seine nämlich verloren. Die Mode hier richtet sich allerdings eher nach dem Durchschnittsalter der Gäste – mit einer Tweedmütze a la Prince Charles möchte Friedel nun doch nicht herumlaufen. Auch dem Nationalpark-Center statten wir noch einen Besuch ab. Und weil die erste Pause beim Watersmeet doch etwas ungemütlich war, nehmen wie im gleichen Tearoom wie gestern noch mal einen Cream Tea mit Scones ein. Dort erkennt man uns wieder und wir werden begrüßt wie alte Stammgäste und nach unserer heutigen Wanderung befragt. Das ist ja auch mal schön, sowas erlebt man ja nur, wenn man mal länger an einem Ort bleibt 🙂

Deswegen werden wir heute auch wieder in den gleichen Pub gehen.

Also dafür, dass wir heute nichts erlebt haben, haben wir doch recht viel geschrieben! 🙂

Tag 19: Von Hunter’s Inn nach Lynmouth

Heute Morgen wachen wir auf und es regnet.
Wenn man aber dem Wetterbericht halbwegs Glauben schenken darf, sollte es trotzdem ein trockener Tag werden – wenigstens vom Knie an aufwärts! 🙂
Heute stehen schlappe 11 Kilometer bis nach Lynmouth auf dem Stundenplan, gefolgt von einem freien Tag. Ferien! 🙂
Tatsächlich hat es zu regnen aufgehört, als wir gegen 10 Uhr aufbrechen.
Da wir ja heute nur 11 Kilometer haben, können wir auch gleich am Anfang zur Mündung des Heddon River laufen, der durch das Tal fließt. Das ist ein sehr hübscher Umweg von etwa einem Kilometer durch Wald am Flüsschen entlang. An der Mündung gibt es einen kleinen Steinstrand und einen alten Kalkofen, die wir hier schon mehrmals angetroffen haben.
Wir lachen uns tot, dass der steinige Pfad als Elektro-Rolli-Weg ausgewiesen ist. Haha, aber nur für Engländer! Genauso, wie sie hier Schlammlöcher als National Trails bezeichnen!

Der SWCP führt uns heute relativ smooth schräg und parallel zum Tal den Hang hinauf. Ach wenn doch nur alle Anstiege hier so bequem wären!


Allerdings merken wir auch, dass wir nach neun Wandertagen schon recht fit sind. Eigentlich ist es Blödsinn, immer nur zwei Wochen zu laufen, aber wir haben halt nur den klassischen Jahresurlaub zur Verfügung. Und wenn man nur einmal im Jahr einen langen Urlaub macht, dann muss man zu lange darauf warten.
Wie schon häufiger haben wir mal wieder große Lust, die Jobs zu schmeißen und nur noch zu laufen. Aber wie? 🙂
Aber nun zurück zum Weg: Er führt in der klassischen attraktiven Halbhöhenlage auf angenehm grasigen bzw. steinigen Wegen durch Farnhänge, links das blaue Meer, rechts brauner, verwelkter Farn.Wie das hier wohl im Sommer aussieht? Wir sind ja immer nur im Frühling und im Herbst unterwegs!

Ab der Woody Bay geht es fast nur noch über Teer weiter. Das wird uns auf die Dauer zu langweilig und wir biegen deshalb außerplanmäßig auf die Alternativ-Strecke über Crock Point aus. Ist ja nur ein Kilometerchen mehr, heute kein Problem!
Der Umweg entpuppt sich jedoch als weniger lohnenswert, er führt einfach nur über extrem matschige Schafswiesen um die Landmasse herum, Aussichten gibt es kaum.

Als wir wieder auf die Straße kommen, haben wir noch mal einen schönen Blick auf die hübsche Lee Bay, eine kleine, von Felsen eingeschlossene Sandbucht.
Auf der Straße geht es weiter, den Hang hinauf und an der Lee Abbey (nunmehr ein christliches Begegnungszentrum) vorbei bis zu einem Kreisverkehr, an dem Autofahrer eine Maut bezahlen müssen,
wenn sie weiterfahren wollen. Zwar haben wir noch das Valley of Rocks vor uns, aber ist das so ein Touristenmagnet?
In der Tat wundern wir uns über den großen Parkplatz und die vielen Leute, die hier in stylischen Wanderklamotten herumlaufen, heute, an einem Montag im Oktober.
Das Valley ist am Ende ein recht hübscher Küstenpfad, an dem große Felsformationen bizarre Formen bilden. Recht hübsch, aber am besten gefallen uns die vielen Bergziegen, die hier herumspringen.

Nach Lynmouth ist es nun nur noch ein Katzensprung. Zunächst laufen wir nach Lynton herein, das hoch oberhalb von Lynmouth liegt. Beide Stadtteile werden durch eine alte Seilbahn verbunden, an der wir entlang laufen. Morgen werden wir vielleicht mal mit der alten Wasserballast-Bahn von 1890 fahren. Faszinierend, solche seltenen Verkehrsmittel!

Im Ort angekommen nehmen wir erstmal einen klassischen Nachmittagstee (äh, Kaffee) mit Scones, Jam und Clotted Cream; einmal pro Urlaub muss das mindestens sein! 🙂

Danach wandern wir noch ein wenig durch den Ort. Und durch den Ortsteil hinter der Brücke. Und zum Hafen. Und zum Meer, das bei Ebbe ziemlich weit draußen ist. Und …. Wir sind ja heute nur elf Kilometer gelaufen; ne? 🙂

Zum Zeitpunkt dieser Aufzeichnung sitzen wir gerade im Village Pub. Und da wir ja morgen nicht laufen müssen, könnten wir hier jetzt so richtig versacken …

Tag 18: Von Ilfracombe nach Hunter’s Inn

What a glorious Day! Und so unverhofft!
Eigentlich war für heute mittelprächtiges Wetter mit „sonnigen Intervallen“ angesagt. Aber stattdessen knallt heute den ganzen Tag die Sonne, und das bei quasi null Wind. Da kommt man ja richtig ins Schwitzen, selbst bei einer Wanderpause, yeah!
Die Sonne brutzelt Friedel im Nu die Erkältung weg. Also, wir beide müssen sagen: So schnell sind wir noch nie unsere Schnupfen losgeworden. Das nächste Mal auf zu einem Gewaltmarsch statt Bettruhe, neue Behandlungsmethode? Medizin-Nobelpreis? 🙂
Der Tag beginnt mit einem Marsch durch Ilfracombe bis zum Hafen. Der Ort soll ja einen schlechten Ruf haben, aber das können wir gar nicht verstehen. Bei dem Wetter ist der Hafen sehr lebhaft, und dass die Einwohner so eine Statue wie die „Verity“ als Leihgabe von Damien Hirst akzeptieren, spricht für den Ort.

Uns jedenfalls gefällt die Amazone.
Als wir schließlich loslaufen, müssen wir erst mal aus dem Ort heraus finden. Während sonst die Wegweiser mit der Eichel sehr häufig anzutreffen sind (Ja, wo soll es denn wohl sonst lang gehen?), sind sie hier eher zu spärlich.
Am Ende schaffen wir es dann doch. Die Erfinder des Weges haben sich redlich bemüht, Alternativen zur dichtbefahrenen Straße zu finden, die hier dicht an der Küste verläuft. Deshalb führen sie uns über jede Klippe und über jeden möglichen Schlenker, und sei der Weg auch noch so schmal und noch so matschig. Aber danke, nett gemeint!
Kurz vor Combe Martin dann ein echtes Highlight: Small Mouth – ein Blick in eine Bucht so blau und so schön, als wäre sie angelegt. Überhaupt ist es erstaunlich, wie sich die Farbe des Meeres verändert, je nach Wetter. Heute leuchtet das Meer mediteran-azurblau.

In Coombe Martin genehmigen wie uns wieder einen Kaffee Latte, was sonst? 🙂
Auch hier gibt es wieder Millionen nasse Hunde, auf der engen Terrasse des Cafés kommt man kaum an ihnen vorbei. Zum Glück sind die englischen Hunde aber insgesamt recht wohlerzogen und lassen uns in Ruhe.
Nach Combe Martin geht’s dann richtig ab: Wir betreten den Exmoor National Park mit gleich zwei dicken Hügeln, die wir natürlich besteigen müssen. Little Hangman ist knapp 220 Meter hoch, Great Hangman ist 318 Meter hoch. Da klingt nach nicht viel, aber das Café in Combe Martin liegt auf null!

Wir haben wegen Friedels Erkältung ein wenig Bedenken, aber Friedel nimmt die Hügel bravourös. Er ist somit wirklich „über den Berg“! 🙂

Toll ist, wie sich beim Großen Hangman sofort die Landschaft verändert. Plötzlich wandern wir durch die typische Moorlanschaft, wie wir die aus Yorkshire kennen: Steinige Wege, abwechselnd mit matschigen Torfstellen, Farne, Heidekraut, nur mit Meer auf der linken Seite! 🙂

Es ist erstaunlich, wie viele Leute heute unterwegs sind. Klar, es ist Sonntag, aber dass sie sich hier die Hügeln hinauf quälen, ist schon erstaunlich. Zumal es so matschig ist!
Ab dem großen Hangman wird es jedoch einsamer. Noch einmal geht es tief in das nächste Tal, aber wie tief: Dieser Abstieg ist so unverschämt steil, sowas haben wir noch nicht erlebt. Friedel bemerkt, dass er hier bei schechtem Wetter streiken würde – Aber was dann, mein Lieber, was dann? 🙂
Nach einem heftigen Abstieg folgt natürlich auch ein ebensolcher Aufstieg.

Danach gibt es zwar noch einige Aufs und Abs, aber im Großen und Ganzen war’s das für heute. An einem dieser eher kleineren Aufstiege kommt uns laut pustend und schnaufend eine Gruppe englischer Rentner entgegen, offensichtlich auch SWCPler, denn sie haben Hikingstöcke und tragen Rucksäcke und Wanderkarten um den Hals. Oje, ob sie heute noch ankommen werden? Es sind noch bestimmt acht Kilometer bis Combe Martin, und zwei Hangmans liegen dazwischen …
Kurz vor dem Haddon Valley wird es noch mal besonders schön: Der Weg macht noch eine Schleife um Peter Rock. Diesen „Umweg“ wollten wir erst gar nicht nehmen, aber in der späten Nachmittags-Sonne sind die steilen Felsen unter uns besonders beeindruckend.
Beim Abstieg ins Valley freuen wir uns über das viele noch blühende Heidekraut, das es hier an den geschützten Hängen gibt.
Schon von weitem blitzt das Hunters Inn zwischen den Bäumen, auf das wir besonders gespannt sind – die Bilder und Beschreibungen im Internet waren recht viel versprechend. In der Tat ist das hier jeden Penny wert. Die Zimmer sind schön und zweckmäßig, es gibt sogar eine Kaffeemaschine mit Pads. Das Essen ist ein Gedicht und der Service zuvorkommend und freundlich. So soll es sein!

 

 

Tag 17: Von Braunton nach Ilfracombe

Wir haben ja gewusst, dass das Wetter heute wieder schlechter werden sollte. Aber nach dem wundervollen Tag gestern wollten wir den Wetterwechsel einfach nicht wahrhaben und sind nicht glücklich, als wir den Vorhang vor dem Fenster aufziehen und es förmlich gallert!
Der Wetterbericht sagt, es wird bis 11 Uhr regnen. Da hilft es nicht, das Frühstück in die Länge zu ziehen – Wir haben heute 23 Kilometer vor uns, da können wir nicht herumbummeln!
Beim Frühstück enttäuscht uns das George Inn erneut: Zwar ist das English Breakfast selbst gut, aber es gibt weder Joghurt noch Obstsalat! Missmutig schneidet Steffi einen schon schrumpeligen Pfirsich auf, der in der Mitte schon angefault ist, igitt!
Das Establishment gehört scheinbar zu einer Kette, die Vintage-Pubs betreibt. Um jeden Preis vermeiden! Sie machen einen auf edel, aber kriegen die grundsätzlichen Dinge nicht hin!

Als wir loslaufen, regnet es echt unangenehm. Wir kürzen heute jedoch ab und laufen über Landstraßen in Richtung Croyde, da fällt es erst mal nicht auf, dass es arg matschig wird in diesem Land, wenn es regnet. Aber auf der „Long Lane“, einem Public Byway, wird es ganz arg – nicht nur Pfützen, nein ganze Seen gilt es zu überwinden, diese auch noch gefüllt mit Schafscheiße, oh weh!
Wir bemühen uns redlich, uns möglichst wenig zu beschmutzen, aber das Gespringe macht das Ganze nur noch schlimmer- am Ende sind wir bis zur Hüfte eingesaut (aber wir haben ja Gamaschen und Gummihosen, hehe!)
Als wir in Croyde ankommen, müssen wir auf den Schreck erst mal einen Kaffee trinken. Wir finden zum Glück ein Café mit überdachten Aussenplätzen, so dass wir den Laden nicht zusauen.
Nach Croyde sind wir endlich wieder auf dem SWCP, halleluja!

Wir laufen oberhalb eines riesigen Strandes durch die Dünen, und wir sehen – nichts! Der Nieselregen behindert die Sicht wie im Nebel, aber kurz vor Woolacombe hört es zum Glück auf zu regnen. Heute ist Friedel arg angeschlagen, Steffi hat ihn vermutlich angesteckt. Er schnieft und niest die ganze Zeit, der Arme, und zwar schlimmer als Steffi!
In Woolacombe ist es trocken genug, dass wir in einem Strandcafe eine Mittagspause einlegen können. Während wir mit Mütze und Regensachen auf der der Terrasse sitzen und die Hände an der Tasse wärmen, schälen sich die Surfer am Strand in aller Selenruhe im Wind und barfuß aus ihrem Neoprenzeug Uhhh!
Nach Woolacombe wird es dann noch mal richtig schön: Klippen, bizzarre Felsen, schöne Buchten – da geht uns das Herz auf, auch ohne Sonne!
Auch trocknen wir bald und der Weg ist weniger schlammig.

Der Nachmittag vergeht wie im Fluge und um kurz nach 17 Uhr kommen wir in Ilfracombe am Bath House Hotel an. Unsere heutige Unterkunft gefällt uns viel besser als die gestrige – so ein richtig schön altmodisches Ding wider, mit Stuckdecken und schiefen Böden. Das Zimmer ist schön groß; aber das beste ist der Lift: Man muss noch so ein Gitter vorziehen, wenn man fahren möchte! Das finden wir ganz toll, aber wir trauen uns dann doch nicht, das Ding zu benutzen.
Leider hat das Hotel kein Restaurant. Also gehen wir in das älteste Pub der Stadt. Steffi hat das George and Dragon schon von zuhause im Internet recherchiert. Eine gute Wahl!
Früh geht es aber zurück zum Hotel, denn Friedel muss sich erholen.

Tag 16: Von Instow über Barnstaple nach Braunton

Heute ist ein halber Ruhetag! Zwar laufen wir heute 20 Kilometer, die aber größtenteils auf einem geteerten Bahntrack entlang des Torridge and Taw Estuary verlaufen.
Heute Morgen starten wir gut ausgeruht in Instow, das den Charme der Nachsaison ausstrahlt: Die Gehwege und die Bushaltestellen sind halb mit Dünensand zugeweht und man muss teilweise auf die Straße ausweichen.
Unsere Unterkunft war nur mittelprächtig: Für weniger Geld hatten wir schon Zimmer mit Seeblick, besseren Möbeln, einem sauberen Teppich und weniger Schimmel im Bad. Im Wayfarer Inn gab es nicht mal Wifi! Aber das Bett war breit, das Zimmer war ruhig und das Essen gut.
Was uns in Instow extrem aufgefallen ist, waren die vielen Hunde. Millionen! Manche Damen hatte gar drei an der Leine!


Was wir nicht wussten und erst durch Talüs Blog erfahren haben: Hunde dürfen in England erst wieder ab dem ersten Oktober an den Strand, und das ist ja mal eine clevere tourismusfördernde Maßnahme des Staates: Im Oktober treffen sich dann alle Hundebesitzer zur Happy Nachsaison! 🙂
Wer hier auch glücklicher Nachsaison-Urlauber ist, das ist der radelnde Rentner. Da wir unseren National Trail heute mit einem überregionalen Radweg, dem Tarka Trail teilen, kommen uns diese zu hunderten entgegen. Friedel nennt sie die Happy Gromits – wie der Comic-Hund grinsen sie uns an und zeigen uns freundlich ihre Zähne.


Viele SWCP-Wanderer hassen diesen Abschnitt, viele umfahren ihn sogar mit dem Bus. Es geht halt fast die ganze Zeit über Teer an einer eher langweiligen Salzmarsch vorbei. Im Vergleich zu den Naturwundern der letzten Tage ist dies hier eher eine schlappe Nummer. Wir aber genießen den Tag: Entspannt laufen wir Kilometer nach Kilometer ab, hin und wieder gibt es das eine oder andere rostige Wrack zu knipsen oder ein paar Brachvögel oder Möwen zu beobachten. Zweimal legen wir eine Kaffeepause ein und genießen das schöne Wetter und das meditative Vor-sich-hin-Shuffeln.

Schon um 14:30 Uhr sind wir in Braunton und freuen uns auf einen halben Off-Tag in unserer Luxus-Unterkunft. Unser Zimmer im George Inn ist dann aber leider eher eine Enttäuschung: Das Gebäude ist eingerüstet und das Zimmer zwar hochwertig eingerichtet, aber von der Größe her eher eine Besenkammer. Natürlich beschweren wir uns nicht, dafür sind wir viel zu schüchtern. Zur Strafe werden wir hier aber heute Abend nicht essen, sondern woanders hingehen. So!

Tag 15: Von Clovelly über Bideford nach Instow

Man kann es nie wissen: Wir dachten, dass unsere Unterkunft, das New Inn in Clovelly gar nicht gut sein kann – der Ort ist voll der Touri-Treffpunkt und 80 Pfund ist nicht teuer – aber das Inn gehört damit zu den günstigeren Unterkünften unserer Reise und es ist bis jetzt eine der besten! So richtig schön altmodisch möbliert, große Zimmer und der Frühstücksraum erst, der sieht aus wie ein Rittersaal! Gestern Abend hat die ganze Crew der Abendschicht im Pub zusammen Darts gespielt. Süß!

Im Pub haben sie uns erzählt, dass sie alle von auswärts kommen, also nicht in Clovelly wohnen. Friedel und ich machen uns deshalb so unsere Gedanken, was die Einwohner von Clovelly wohl so tun: Sie sind wahrscheinlich alle Statisten in diesem schönen Dorf, dürfen als Einheimische dort von Lords Gnaden wohnen bleiben, die Häuser pflegen, ein wenig fischen, Blumen pflanzen, die Außenanlagen dekorieren und erhalten noch ein kleines Taschengeld. Arbeiten tun dann Auswärtige. Kann man sich als Clovellier bewerben? 🙂

Heute sind wir erst um 9:15 auf dem Trail, denn die Auswärtigen machen erst um 8:30 Frühstück, das aber flott.
Zunächst geht es vier Kilometer über den Hobby-Drive bis zum Ende des Estates. Wir sind recht dankbar für den alten Fahrweg, denn es hat am Morgen ordentlich geregnet. Aber als wir los laufen, hat es gerade aufgehört. Schön für uns, aber alles ist matschig und rutschig.
Fast die gesamten ersten 10 Kilometer gehen heute durch Wald, Wald, Wald. Fast denken wir, dass wir auf der Alb sind, außer – es ist viel matschiger und und hier haben wie nach links immer wieder mal Ausblicke auf das Meer, das ist schon schöner! 🙂
Ausserdem haben wir heute wieder viele Auf- und Abstiege. Zwar sind sie nicht so steil und lang wie in den letzten Tagen, aber es sind einfach total viele und die Höhenmeter summieren sich ..
Außerdem ist es unglaublich matschig. Irgendwann trampeln wir nur noch durch und hoffen, nicht den Abhang hinunter zu rutschen. Aber alles geht gut!


Insgesamt gefällt uns der SWCP heute wieder sehr gut. Wie schon gestern treffen wir auf unzählige Fasane: Einmal zähle ich 25 Stück auf einmal, die auf dem Pfad vor uns herlaufen. Wir taufen sie heute „die Moorhühner des Südens“: Wie die Moorhühner in Yorkshire fliegen sie erst in letzter Sekunde aus den Gebüsch vor uns auf und erschrecken uns zu Tode!

Als wir nach dem Green Cliff den Weg verlassen, bedauern wir das etwas, aber wir haben noch 12 Kilometer vor uns, größtenteils über Landstraßen und einen geteerten Bahntrack über Bideford bis nach Instow. Wir kommen so gut voran, nehmen sogar noch Kaffee und Kuchen in Bideford und sind trotzdem schon vor 18 Uhr in Instow. So können wir noch ein Halfpint in der Sonne am Strand von Instow genießen, warm genug ist es heute. 25 Kilometer waren es bei 1300 Höhenmetern, von denen die erste Hälfte echt hart war, die zweite war ein Kinderspiel. It’s all about Terrain!