Land’s End to Cape Wrath

LECW – Das ist Land’s End to Cape Wrath, über 2200 Kilometer zu Fuß vom äußersten Süden Englands bis in den wilden Norden Schottlands.

Wir wandern die Strecke in neun Abschnitten jeweils im Frühling und im Herbst. Schon acht Etappen von neun sind wir gelaufen. Vom Finale am Cape Wrath trennen uns nur noch zwei Wochen, die wir … ähhh … wann laufen werden?

Wir hatten wirklich vor, den letzten Abschnitt 2019 zu schaffen. Aber dann kam ein neuer Job dazwischen. Und dann Corona. Und dann ein großer Umzug in ein neues Haus in einer vollkommen neuen Umgebung. Langjährige Leser unseres Blogs wissen Bescheid!

Wir WERDEN diesen Weg vollenden, aber vertreiben uns bis dahin die Zeit mit unserem zweiten großen Wanderprojekt, nämlich unsere Deutschland-Tour „DDLN – Deutschland der Länge nach“. Von Schaffhausen an der Schweizer Grenze aus gestartet, sind wir durch den Schwarzwald, durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald, über den Frankenweg, denn Rennsteig im Thüringischen bis zum Nördlichen Harz gelaufen. Dort wollte Corona uns stoppen, aber wir sind zäh: Kurzum haben wir unseren Wohnort vom Schwäbischen nach Seesen am Nördlichen Harzrand verlegt und erkunden nach der Schwäbischen Alb nun auch noch den Harz. Bald geht es weiter auf dem Deutschlandweg, mindestens bis zur Ostsee.

Begleitet uns auf unserer Tour über die wilden Klippen an Cornwalls Küste, durch die lieblichen Wiesen Somersets, über die Hochmoore der Pennines und die einsamen Wälder und Berge Nordenglands und Schottlands. Tolle Wanderwege in England haben wir erlebt:  Den South West Coast Path im Englands Süden, den Coast-to-Coast-Walk in Mittelengland, den Pennine Way in Mittel- und Nordengland. Noch nicht ganz abgeschlossen ist der „Scottish National Trail“ von Kirk Yetholm bis zum Cape Wrath, aber habt Geduld!

Bis dahin – auch Deutschland hat einiges zu bieten.  Schaut einfach mal rein und orientiert euch an der Menüleiste oben auf der Startseite. Wir freuen uns über jeden interessierten Leser und harren eurer Kommentare! 🙂

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Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA), Screenshot from GPXSee-App

Nach langer Planung und mehrmaligem Hin-und Hergeschiebe: We proudly present: „Steffi’s and Friedel’s LECW in neun Abenteuern!“

Übersicht: Der LECW-Plan

Die Abschnitte, die wir schon gelaufen sind:
Abschnitt 1: South West Coast Path: Land’s End to Tintagel
Abschnitt 2: SWCP Tintagel-Washford
Abschnitt 3: Somerset und Wales
Abschnitt 4: Die Midlands und White Peak
Abschnitt 5: The Pennine Way
Abschnitt 6: Pennine Way und Scottish Borders
Abschnitt 7: Glasgow Area und der Rob Roy Way
Abschnitt 8: Cairngroms, Corrieyairak und Cape Wrath Trail Süd

(auch oben im Menü „Land’s End to Cape Wrath“ auswählbar)

Social media meets reality extended

Am Freitag und Samstag fand das zweite phänomenale niedersächsische Bloggertreffen statt. Teilnehmende: Drei!

Und da ich das Treffen nicht besser als Darina von „Adventure in Pink“ beschreiben kann, reblogge ich Ihren Text mal – zum ersten Mal mache ich das!

Vielen Dank für das tolle Wochenende, Darina – und mögen weitere Folgen! 👍😄

Social media meets reality extended

Wildes Niedersachsen: Auf dem Hildesheim-Harz-Weg von Seesen nach Derneburg

Gefahren/gelaufen am 17. September 2022
Seesen-Derneburg 38 Kilometer

Schon mal vom Hildesheim-Harz-Weg gehört?
Nein, wir bisher auch nicht. Der Weg beginnt in Hahausen am nördlichen Harzrand, einem Nachbarort von Seesen. Entdeckt haben wir den Hildesheim-Harz-Weg (HHW) erst auf unserer „Outdooractive“-Karte und siehe da – Genialerweise können wir die Tour direkt vor unserer Haustür beginnen. Und nach Hildesheim mit seinem weltberühmten Dom wollten wir auch unbedingt mal. Die knapp 58 Kilometer lange Wanderung steht deshalb schon lange auf unserer Liste, ließe sie sich doch bequem an einem Wochenende erwandern.

Eine Übernachtung auf halber Strecke müsste da aber schon sein, hatten wir bisher gedacht, denn 58 Kilometer an einem Tag, das schaffen wir zu Fuß nicht. Deshalb wanderte der Weg auf unserer Liste immer weiter nach unten – Unterkünfte auf dem Weg gibt es nämlich in der wenig besiedelten Gegend nicht und illegal im Wald schlafen wollten wir auch nicht. Also haben wir unsere Wanderpläne zum Hildesheim-Harz-Weg immer wieder verschoben.

Aber jetzt haben wir ja die Fahrräder! Warum radeln wir die Strecke also nicht? Die 58 Kilometer schaffen wir doch locker an einem Tag!

Während unserer kurzen Radlerkarriere haben wir festgestellt, dass wir am liebsten naturbelassene Wege radeln. Mit den typischen Radfernwegen können wir eher wenig anfangen, denn die führen fast immer über Asphalt, durch Orte und oft an breiteren Straßen entlang. Da haben wir nicht das Gefühl, wirklich in der Natur unterwegs zu sein.

Zum Glück sind wir auf den schmalen Naturwegen hier noch nie mit Wanderern in den Clinch geraten. Im Nördlichen Harz ist kaum jemand unterwegs und selbst auf dem Zertifizierten „Karstwanderweg“ am südlichen Harzrand haben wir kaum eine Menschenseele getroffen. Wenn doch, sind wir brav abgestiegen und haben die Räder an den Wanderern vorbei geschoben. Wir können uns noch gut erinnern, wie oft wir uns früher über rücksichtslose Radler geärgert haben – Solche Waldrüpel wollen wir nicht sein!

Seit einer Woche steht nun unser Plan, heute am Samstag nach Hildesheim zu fahren. Jedoch ist es in den letzten Tagen empfindlich kalt geworden und für heute ist immer wieder mal Regen angesagt. Egal – wir haben unsere regendichten Wanderjacken und -hosen, die werden wohl auch auf dem Fahrrad funktionieren!

Beim Frühstück in unserer Gartenlaube prasselt der Regen auf das Überdach und es sind gerade mal neun Grad. Ein wenig mulmig ist uns da schon und wir erwägen kurz, die Radtour zu verschieben. Jedoch wollen wir im Oktober eine mehrtägige Radwanderung unternehmen und da wird das Wetter vermutlich noch schmuddeliger sein. Also wollen wir heute das Schlechtwetter-Fahren üben!

Kurz hinter Hahausen kommt dann sogar die Sonne raus. Bis Derneburg haben wir Glück – Sämtliche Regenschauer werden an uns vorbeiziehen.

Die ersten sieben Kilometer Richtung Hahausen radeln wir an der Landstraße entlang. Direkt hinter dem Ort geht es dann mittelsteil eine lange Strecke den Berg hoch. Wir sind stolz, dass wir es mittlerweile schaffen, solche Hügel zu erklimmen, ohne vom Rad steigen zu müssen. Das hätten wir früher nicht gedacht, dass uns das Radfahren mit Steigung auch noch Spaß machen würde!

Die lange Strecke durch den Wald ist eine echte Attraktion. Der Boden im lichten Wald steht voller Farn, der sich an den Spitzen schon rot und gelb färbt. Von den Bäumen tropft es und der Wald duftet frisch nach Nadelbäumen. Keine Menschenseele außer uns ist hier unterwegs und im sonst absolut stillen Wald krächzen über uns die Raben.

Auf die Bodensteiner Klippen – nach Kilometer 18 – waren wir schon gespannt. Bis jetzt konnten wir nämlich bequem fahren und mussten kein einziges Mal vom Rad steigen. Auf unserer Karte haben wir aber schon gesehen, dass der Hildesheim-Harz-Weg auf den nächsten Kilometern in Zickzacklinien den Hang hoch führt. Das verheißt eine schwierige Wegführung, bei der wir die Räder bestimmt schieben müssen. Und hier beginnt unser heutiges Abenteuer.

Die vielen Sandsteinklippen im Wald sind wirklich beeindruckend und der Wanderweg versucht, möglichst viele davon mitzunehmen. Der Weg ist dabei jedoch haarsträubend schmal und führt an fiesen Kanten und über steile Stufen kreuz und quer und hoch und runter. An vielen Stellen müssen wir unsere Räder tragen und ständig bleiben wir mit den Pedalen an Felsnasen oder Dornen hängen. Noch dazu ist der Weg schlecht markiert und wir landen ziellos in irgendwelchen Dornengebüschen oder an Abhängen. Für die zwei Kilometer bis zum höchsten Punkt, der Sofaklippe, brauchen wir fast zwei Stunden, auch weil wir natürlich ausgiebig staunen und fotografieren.

Die Felsen aus Sandstein erinnern uns an das Elbsandsteingebirge. Aber im Gegensatz zu dem touristisch überlaufenen Wandergebiet in Sachsen sind wir hier im niedersächsischen Hainberg ganz allein!

Oben auf der Sofaklippe habe zumindest ich Arme wie Gummi und wir haben uns unser Zweitfrühstück auf dem in den Stein gehauenen Sofa redlich verdient!

Von der Klippe wieder abzusteigen wäre auch ohne Fahrrad schon nicht einfach. Aber mit den Fahrrad an der Seite wird der Abstieg geradezu halsbrecherisch und wir wundern uns, dass unsere Knie das mitmachen und auch die Fahrräder heil bleiben.
Mit den Klippen hinter uns können wir auch wieder ein Stück auf den Fahrrädern verbringen, denn nun führt uns der HHW auf wurzeligen, aber befahrbaren Waldwegen nach unten, Richtung Hubertuskapelle.

An der Kapelle hören wir von Weitem lautes Gekreische. Wir staunen nicht schlecht, als vor uns eine wilde Horde Kinder in voller Feuerwehrmontur auf den Weg springt. Scheinbar übt hier die örtliche Jugendfeuerwehr ihren Einsatz. Ab hier werden wir immer wieder mal auf einzelne Fußgänger oder Radfahrer treffen – Schließlich ist Samstagnachmittag.

Eine Kapelle entdecken wir nicht, aber ein weites Arreal mit verschiedenen Veranstaltungsgebäuden. Früher gab es hier scheinbar mal eine Ausflugsgaststätte (Jägerhaus), aber heute sind alle Türen des schlossartigen Ensembles verschlossen.

Wir wollen nicht lange nach Kapelle und Grotte suchen, denn wir sind noch nicht weit gekommen und haben noch rund 35 Kilometer Fahrstrecke vor uns.

Kurz hinter der Hubertuskapelle/Jägerhaus teilt sich der HHW in zwei alternative Abschnitte. Beide führen über die A7, aber die südliche Variante erschien mir im Vorfeld auf der Karte attraktiver. Wie sich herausstellt, ist diese Wegvariante jedoch krass zugewachsen.

Auf den knapp fünf Kilometern nach Wohldenberg schlagen wir uns durch Brombeergebüsch und Brennnesseln, hieven unsere Fahrräder über vermoderte Baumstämme und kratzen mit unseren Helmen an tiefhängenden Ästen. Noch dazu ist ein starker Wind aufgekommen und über uns ächzen die Bäume und quietschen die Äste. Mit den sperrigen Rädern sind wir der norddeutschen Wildnis hilflos ausgeliefert. Wir brauchen ewig, um uns durch das Gebüsch zu schlagen!

In dem Chaos von Wind, Dornen und Gestrüpp verlieren wir irre viel Zeit. Friedel vergisst hier sogar das Fotografieren. Vor Sottrum kommen wir endlich aus dem Wald heraus und können ein paar Kilometer über Teer rollen. Doch erscheint es uns zu gefährlich, bei dem Wind noch weiter im Wald unterwegs zu sein. Auch drohen aus der Ferne schon die dicken Regenwolken. Wir beschließen hier und jetzt, in Derneburg unsere Tour zu beenden und mit dem Zug zurückzufahren. Hildesheim besichtigen wir dann halt ein anderes Mal!

Sottrum – endlich wieder übersichtliches Terrain!

Derneburg hat Schloss und Landschaftspark und wäre das Ganze nicht von einer großen Mauer umgeben und wäre der Himmel nicht so regenverhangen, hätten wir uns die Anlage gern angesehen. Im Schloss befindet sich eine große Kunstausstellung, so erfahren wir, aber für einen Museumsbesuch haben wir heute keine Zeit mehr. So werfen wir nur einen kurzen Blick auf das eher modern anmutende Schloss und suchen lieber nach dem Café, dass sich in einem der Nebengebäude befinden soll.

Ein Teil von Schloss Derneburg ..
… und ein der viel hübscheren Nebengebäude!

Im Café im Glashaus findet heute aber eine Hochzeit statt. An uns vorbei stöckeln elfenhafte Damen in cremefarbenem Plissee, viel zu luftig angezogen für den heutigen Tag. Wir aber, in unseren schlammbespritzten Radlerklamotten, trauen uns nicht, uns unter die Festtagsgesellschaft zu mischen.

Stattdessen checken die Feiglinge mal kurz ihre Bahn-App, wann denn der nächste Zug Richtung Heimat fährt. Wow! Vier Minuten bis zur Abfahrt am Bahnhof Derneburg! Das schaffen wir noch!

Wir schwingen uns in die Sättel, zum Glück geht es bergab. Am Bahnübergang leuchtet es bereits rot, die Warnhupe tönt. Wir flitschen unter der rotweißen Schranke durch – die ist schon halb unten. Noch dreihundert Meter bis zum Bahnhof, der Zug ist gerade eingefahren. Kurz vor der piepsenden Tür springen wir von den Rädern, Friedel wedelt mit den Armen, damit die Tür sich nicht schließt. Der Zugführer hängt aus dem Fenster raus und schüttelt missbilligend den Kopf. Aber egal – Wir haben es geschafft!

In der Bahn parken wir unsere Räder illegalerweise vor der Bahntoilette. Schnell buchen wir die Bahntickets auf unseren Handys, denn schwarz fahren wollen wir nicht auch noch. Ein Bahnticket von Derneburg über Goslar nach Seesen, noch dazu Niedersachsen-Fahrradkarte – da kommt Stress auf!

Fünf Minuten nach Abfahrt sind wir wieder entspannt genug, um der automatischen Durchsage aus den Lautsprechern zu lauschen. „Nächste Station Hildesheim Ost“ – Ja, toll, wir sind in der falschen Richtung unterwegs!
Und erst beim Aussteigen fällt uns auf, dass die Leute vor der Tür auf dem Bahnsteig alle Masken aufhaben. ABER WIR NICHT! In der Hektik des Einstiegs war uns vollkommen entfallen, unsere Masken aufzusetzen!

In Hildesheim-Ost haben wir noch Zeit, bei Edeka Kaffee und Käse-Schinken-Brötchen zu vernaschen. Noch Zeit, uns beim Warten auf dem Bahnsteig noch gründlich nass regnen zu lassen. Dem Regen, dem wir entkommen wollten, sind wir geschwind entgegen gefahren. Schön blöd!

Und da der Zug schon bei der Abfahrt viel zu spät ist, steigen wir nicht wir geplant in Goslar um, sondern am Umsteigebahnhof Salzgitter-Ringelheim. Da wir die Räder dabei haben, können wir in der Zeit bis zum nächsten Zug noch den ganzen Ort inklusive vergammeltem Schloss besichtigen.

Zum Hildesheimer Dom fahren wir dann ein anderes Mal – hoffentlich dann nicht mit dem Zug, sondern mit dem Fahrrad! 🙂

Auf die Räder!

Da schwingen wir uns auf unsere alten Tage noch mal auf die Räder!

Damals an und auf der Alb haben wir unsere alten Drahtesel im Keller verstauben lassen. Viel zu eng und steil waren die schmalen Albwege und viel zu viele Wanderer sind dort unterwegs. Als eingeschworene Fußgänger haben wir uns oft aufgeregt über die fiesen Downhill-Biker, die uns auf den Albpfaden vom Weg gescheucht haben. Fußgänger und Radfahrer prügelten sich um den Platz auf den Wegen. Gehasst haben wir es, gehasst!

Hier im Nördlichen Harz jedoch treffen wir auf unseren abendlichen Touren kaum eine Menschenseele. Und zu Fuß würden wir es kaum schaffen, am Abend noch bis zur Kalten Birke und zurück zu kommen. Mit den Rädern aber haben wir unseren Aktions-Radius extrem erweitert!

Schnell haben wir aber festgestellt, dass unseren alten Tourenräder für die holprigen Harzwege recht wenig geeignet sind. Deshalb haben wir uns auch noch Mountainbikes gekauft – Wir, ja wir, die ehemals eingeschworenen Fußgänger!

Wenn es arg zu steil bergauf geht, schieben wir. So sind unsere Radtouren oft eine Mischung aus Radeln und Wandern mit Rad an der Seite.

Radwandern halt! 🙂

Wundert euch also nicht, wenn wir demnächst auch mal von unseren Radtouren berichten. So sind wir zum Beispiel mittlerweile fast den gesamten „Karstwanderweg“ abgefahren. Wir werden berichten!

Und hoffentlich bleibt ihr uns gewogen, auch wenn wir nicht mehr ausschließlich zu Fuß unterwegs sind! 🙂

Blankenburg… ist teuflisch!

An der Teufelsmauer am Hamburger Wappen

Von Timmenrode über die Teufelsmauer nach Blankenburg bis zur Ebertbrücke und wieder zurück, gelaufen am 4. August 2022: 17 Kilometer und 5 Stempel

Teufel auch!
Während unseres Kurzurlaubs in Thale habe ich fleißig jeden Abend geschrieben. Aber der letzte unserer vier Wandertage war natürlich auch Abreisetag. Als wir nach Hause kamen, mussten wir noch schnell zum Bäcker huschen, die Taschen auspacken, die Waschmaschine anschmeißen, die Post durchsehen, meine Mutter anrufen, den Garten wässern …

Ehe ich mich’s versah, war es schon dunkel und ich hatte noch keine Zeile geschrieben. Kein Problem, dann mache ich das halt morgen! Und dann übermorgen, und dann beginnt die Arbeitswoche wieder …

Dabei sind unsere Erlebnisse an diesem letzten Wandertag unseres Thale-Urlaubs besonders erzählenswert. Zum einen, weil die Kletterei über die Teufelsmauer wirklich etwas Besonderes war. Zum anderen, weil wir heute unseren einhundertsten Stempel gesammelt haben!

Wir parken unseren kleinen schwarzen Teufel am Sportplatz in Timmenrode und als wir aussteigen, herrschen schon höllische Temperaturen. Dieser Sommer wird uns als einer der wärmsten unserer Wanderkarriere in Erinnerung bleiben. Schon auf unserer DDLN-Tour von Braunschweig zur Elbe im Mai war es einfach nur heiß. Aber hier in unserer neuen Heimat gibt es so viel Neues zu entdecken, dass wir trotz hoher Temperaturen fast jedes Wochenende im Harz wandern waren. Soooo viele Touren haben wir unternommen – ich konnte gar nicht von allen berichten!

Auch heute Morgen brennt schon um neun Uhr die Sonne erbarmungslos. Auf der Karte haben wir gesehen, dass der erste Abschnitt über die Teufelsmauer größtenteils durch einen Waldstreifen verläuft. Aber der Boden hier ist extrem sandig und der Wald besteht fast ausschließlich aus lichten Kiefern – Viel Schatten spenden die nicht!

Eigentlich liegt die Teufelsmauer auch gar nicht richtig im Harz. Wie auch unsere Tour um die Sandsteinhöhlen am ersten Tag unseres Kurzurlaubs, verläuft unsere heutige Strecke größtenteils im nördlichen Harzvorland, etwa einen Kilometer vom nördlichen Harzrand entfernt. Wenn man dann oben auf dem felsigen Kamm einen Weitblick durch die Kiefern erhaschen kann, hat man gleich zu zwei Seiten eine Aussicht: Links schaut man auf die grünen, nördlichen Ausläufer des Harzes und rechts in die weite, zurzeit aber eher braune Ebene der Norddeutschen Tiefebene. Viele Wiesen sind schon abgemäht, das Korn ist eingefahren und wir blicken auf ein braungelbes Schachbrettmuster, das sich bis zur grünen Hügelkette des Huy zieht.

Auf der Hügelkette der Teufelsmauer zwischen Timmenrode und Bankenburg hat man die Wahl zwischen drei Wegen – dem nördlichen Hangweg, dem südlichen Hangweg und dem „Teufelsmauerstieg“, der in der Mitte verläuft. Natürlich entscheiden wir uns für den Weg in der Mitte, denn nur der führt einen direkt auf den Hahnenkamm der Formation. Hahaaaa, was für ein Abenteuer!

Die Kletterei über die ausgesetzten Felsen ist nicht unbedingt gefährlich – aber höllisch anstrengend! Eigentlich steigen wir nur knapp drei Kilometer direkt über die Felsen. Aber bei dem Wetter ist die Aktion total anstrengend und wir küren die zwei Stempel, die wir hier ergattern, zu den härtesten unserer bisherigen Kaiserkarriere. Zurück, nehmen wir uns vor, nehmen wir aber den südlichen Hangweg!

Nachdem wir den Stempel am Großvaterfelsen abgeholt haben, steigen wir ab nach Blankenburg. Dort warten Schloss und Barockgarten auf uns – und unser einhunderterster Stempel!

Auf dem Weg zur Stempelstelle 78 „Barocke Gärten“ passieren wir manch pittoreskes Wasserspiel und akkurates Heckchen. Aber das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier in dieser penibel gepflegten Anlage die Rasenflächen total verbrannt sind.

Auf dem Weg zum Burgberg schwitzen wir erneut ausgiebig. Gern hätten wir ein ein kleines Päuschen im Schatten eingelegt, bevorzugt mit Kaffee und Kaltgetränk. Aber weder im Barockgarten noch im Schloss sind die Cafés geöffnet. Und das mitten in der Ferienzeit!

Vor den verschlossenen Türen des Gasthauses „Obere Mühle“ befindet sich der Stempelkasten, der uns unseren Jubiläumsstempel beschert. Wir feiern diesen besonderen Augenblick mit einem ausgiebigen Schluck Wasser aus unserer Weithalsflasche.

Das Schloss von Blankenburg ist wunderschön, aber macht einen quasi abbruchreifen Eindruck. Wir wundern uns sehr darüber, dass sich das wunderschöne barocke Gebäudeensemble um den romantischen Innenhof in einem solch römisch-desolaten Zustand befindet. Vermutlich gibt es hier im Nördlichen Harzvorland einfach zu viele Schlösser, als dass sie alle unterhalten werden können?

Noch höher als das Schloss liegt die „Luisenburg“, ein Pavillion, der an der Stelle eines alten Lustschlösschens hoch über Blankenburg thront. Das total verkrautete Plätzchen hätten wir nie besucht, wenn wir hier nicht mit dem vierten Stempel unseres Wandertags belohnt worden wären …

Eigentlich hätten wir uns nun nur zu gern in die Innenstadt von Blankenburg begeben, die Stadt besichtigt, auf schattiger Terrasse zu Mittag gegessen und wären dann wieder zurück zum Auto gelaufen. Aber nein – westlich von Blankenburg gibt es im Wald noch eine Stempelstelle, die wir unbedingt noch mitnehmen müssen. Nichts an der Lokalität wirkt bei der Kartenansicht besonders verlockend. Mitten im Wald soll sich nahe einer Fußgängerbrücke über einer Bahntrasse ein Stempelkasten befinden. Wow!

Aber die Stempelstelle heute auszulassen und dann extra dafür noch mal in die Gegend um Blankenburg fahren zu müssen, das kommt gar nicht in Frage. Also machen wir uns auf den sechs Kilometer langen „Umweg“ durch den Wald und holen uns den Stempel an der Ebertbrücke. Zum Glück ist der Weg schön schattig und wir wandern auf schmalen, duftigen Wegen bis zur Brücke.

Die Ebert-Brücke besitzt außer ihrer Höhe in der Tat keine besonderen Qualitäten, die ihren Status als Stempelstelle des Harzes rechtfertigen könnten. Doch halt! Wie so häufig ist die Brücke mal wieder einem verdienten Förderer des Harzer Wandertourismus gewidmet. Otto Ebert war Bauleiter beim Bau der Rübelandbahn und wünschte sich als Natur- und Wanderfreund zu seinem 70. Geburtstag statt Geschenke Spenden zum Bau der Brücke. Manch Gedenkstein im tiefsten Wald hat dank solch rührender Geschichten nicht nur das Monument, sondern oft auch gleich eine Stempelstelle verdient. Für uns erschließt sich die Schönheit vieler dieser Orte nicht auf den ersten Blick – aber wir können es so stehen lassen! 🙂

Die Mittagshitze auf dem Rückweg ist mittlerweile nur noch mit Hut zu ertragen. Überraschenderweise hat der herrlich altmodische Berggasthof auf dem Ziegenkopf geöffnet. Zwar verweigert man uns den Aufenthalt auf der Terrasse … „Zu viele Wespen!!“ .. aber Käsekuchen und Kaffee im Kännchen munden im klimatisierten Teakholz-Saal mit den altmodischen Möbeln und dem altenglischen Kaffeeservice ganz vorzüglich! Wir sind entzückt und nehmen uns vor, hier mal ein stilvolles Wochenend-Arrangement zu buchen. Idealerweise sollten wir dann aber nicht mit unserem kleinen schwarzen Teufel, sondern mit dem Borgward anreisen!

Zurück in der Innenstadt von Blankenburg, hoffen wir auf eine erneute Gelegenheit, von einer schattigen Terrasse aus dem quirligen Kleinstadtleben zuzuschauen. Aber wie schon das Schloss ist die Innenstadt von Blankenburg verfallen, verrammelt und verwaist. Selbst in der Straße am Rathaus hat kein Geschäft mehr geöffnet und wir treffen keine Menschenseele – wahrhaft traurig, denn Blankenburgs Innenstadt ist eigentlich sehr schön!

Zurück geht es über den gleichen Höhenrücken wie auf dem Hinweg, jedoch nun unterhalb der Teufelsmauer, über den Südlichen Hangweg. Bei der Hitze verfluchen wir jeden Hügel und jeden wurzeligen Anstieg, den wir überwinden müssen. Die Sonne flirrt und es duftet nach Kräutern der Macchia.

Selten waren wir so glücklich, wieder am Parkplatz zu sein. Schon nach einstündiger Fahrt sind wir wieder in einer anderen Welt. Zurück im Alltag .. aber immerhin im Schatten! 🙂

Thale, nochmal Bodetal und der Hexentanzplatz

Rundtour südlich des Bodetals, 5 Stempel, 20 Kilometer
gelaufen am 3. August 2022

Gestern haben wir uns noch ein wenig auf die Schulter geklopft, dass wir so früh aufgewacht und so zeitig am Morgen unterwegs waren. Heute jedoch haben wir irgendwie „verschlafen“ und waren erst eine Stunde später, um 8:15 Uhr, am Einstieg zum Bodetal. Und das, obwohl heute 32 Grad Hitze angesagt sind!

Die Kabinenbahn zum Hexentanzplatz fährt so früh am Morgen auch noch nicht, so wie der Sessellift auch noch nicht verkehrt. Wir sehen die Gondeln langsam zwischen Berg- und Talstation hin und her eiern, allerdings ohne Passagiere. Ganz Europa spart Energie, nicht so aber die Thaler Bergbahnen!!

Schon beim Aufstieg zum legendären Hexentanzplatz schwitzen wir ganz ordentlich. Trotzdem ist es gut, dass wir den Aufstieg gleich am frühen Morgen bewältigen – alles andere wäre eine Qual heute.

Oben angekommen sind wir froh, schon so früh am Morgen hier zu sein. Nur Bedienstete der umliegenden Touristen-Attraktionen wuseln über die Wege, aber noch keine Besucher. Die kommen erst nach halb zehn. Aber auch ohne Besuchermassen ist schnell zu erkennen, dass der vielleicht früher mal mystische Ort nun jeglichen Charme verloren hat. Es gibt hier ein Freiluft-Theater, ein auf den Kopf gestelltes Hexenhaus für Kinder, eine Art Geisterbahn, einen Tierpark und jede Menge Fressbuden. Dazu einen fulminanten Bauzaun, der die Besucher um eine Großbaustelle herumführt. Familien mit Kindern können im „Hexenkessel“ im Tal schon jede Menge Geld lassen, aber hier geht es gleich weiter. Jedwede Erinnerung an einen vorchristlichen Versammlungs- und Kultort wurde hier konsequent ausgemerzt und durch Hexenkitsch ersetzt.

Wir verlassen diesen unseligen Ort ganz schnell und nehmen uns vor, niemals wiederzukehren. Zum Glück sieht der Wald schon wenige Schritte nach dem Tierpark wieder ganz normal aus, nämlich wie Wald.

Von der La Viershöhe, unser ersten Stempelstelle für heute, haben wir einen phantastischen Blick auf die Berge der gegenüberliegenden Talseite, wo wir gestern waren.

Gut möglich, dass es sich hierbei aber auch um die Aussichten von der „Prinzensicht“ handelt. Wir hatten heute so zahlreiche Aussichten, dass ich nicht mehr weiß, was wo war!

Die Stempelstelle „Prinzensicht“ wird uns nicht nur wegen der tollen Aussicht in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des unsäglich langen One-Way-Anmarschwegs zu Aussicht und Stempelkasten. 1,2 Kilometer geht es über einen breiten, schattenlosen Schotterweg hin und desselben Weg wieder zurück. Keine Möglichkeit, der Abwechslung halber einen vielleicht einen anderen schattenlosen Schotterweg zu wählen. Da kann man sich nur ein Mountain-Bike wünschen!

Das „Pfeil-Denkmal“ ist eine dieser merkwürdigen Stempelstellen, bei der irgendwelche Forstmeister oder Pioniere des Harzclubs geehrt werden. Davon gibt es einige im Harz, gerade gestern haben wir den Hinkelstein zu Ehren von Georg von Langen bewundert. Bei diesem heute wird Wilhelm Pfeil, ein Forstwissenschaftler des 19. Jahrhunderts geehrt, von den der berühmte Lehrsatz stammt:

„Fragt die Bäume, wie sie erzogen sein wollen, sie werden euch besser darüber belehren, als die Bücher es thun!“ 🙂

Zum „Weißen Hirsch“, dem nächsten Aussichtspunkt mit Stempelstelle, rasen wir durch den Wald. Wie haben uns vorgenommen, noch vor der große Mittagshitze zurück im Ferienhaus zu sein, also beeilen wir uns!

Blick vom „Weißen Hirsch“ auf Treseburg

So, eigentlich haben wir für heute alle Stempelstellen abgegrast. Nur ist Friedel heute aufgefallen, dass ich eine Stempelstelle im Bodetale glatt übersehen habe. Der Kasten steht am Gasthaus Königsruhe, wo wir gestern früh schon vorbeigelaufen sind!

Wir fahren also nicht mit der Seilbahn zu Tale, sondern wählen einen – zugegeben ziemlich abenteuerlichen – Abstieg durch eines der Nebentäler zur Bode runter, am Dambach entlang. Wir klettern über umgestürzte Bäume, stapfen durch Pfützen und bahnen uns den Weg durch Brennesels und Brombeergestrüpp. Aber schön schattig und kühl ist es hier. Und abseits der ausgetretenen Wege findet man auch im Bodetal ein ruhiges Plätzchen!

Im Bodetal angekommen wundern wir uns über die vielen Menschen, die trotz der Hitze hier unterwegs sind. Wir treffen unter anderem auf folgende Spezies: Eltern mit kleinen Kindern, die verzweifelt versuchen, ihren quengligen Nachwuchs mit „Waldabenteuern“ bei der Stange zu halten. Gestresste Familien mit Teenagern, die grußlos und verkniffen an uns vorbeiziehen. Fitte Rentner, die mit BARFUSSSCHUHEN die extrem steinigen Wegpassagen meistern und dabei locker mit ihrer Frau plaudern. Rentnerinnen mit Wanderstöcken, tränennah, die von den extrem steinigen Wegpassagen wirklich überfordert sind. Die Familie mit dem Bollerwagen, die scheinbar den weiteren Weg gestrichen hat und mitten auf dem Weg ein Picknick veranstaltet. Rücksichtslose Mitwanderer, die niemanden außer sich selbst registrieren, sich mitten auf dem Weg die Schule zubinden und niemanden vorbeilassen. Gelegentlich treffen wir aber auch auf freundlich grüßende Wanderpaare, die ganz normal wirken!

Wir sind glücklich und dankbar, dass wir noch gut zu Fuß sind und nicht noch nebenbei Kinder bespaßen müssen. Das Bodetal hat im Vergleich zu gestern früh einen ganz anderen Charakter – es ist heiß, grell und wesentlich voller!

Am Gasthaus Königsruhe angekommen, stempeln wir hurtig und wollen uns Pommes und Kaltgetränke bestellen. Es bleibt aber bei der Holunderlimonde, weil mir die Wartezeit für die Pommes viel zu lange dauert und in der Schlage hinter mir die Kinder in die Waden treten. Ich schnappe mir unsere Getränke und verziehe mich auf die Aussichtsterrasse, wo Friedel unsere Rucksäcke hütet. Gegessen wird dann halt „zuhause“!

Das Gasthaus wirbt übrigens damit, über einen der „100 schönsten Biergärten Deutschlands“ zu verfügen. Wir fragen uns, wer die Lokalitäten dabei kürt und welche weiteren Biergärten noch auf der Liste stehen. Vielleicht sollten wir als Nächstes mal eine „Biergarten-Fernwanderung“ veranstalten?

Am Eingang/Ausgang zum Bodetal befindet sich der „Hexenkessel“, eine kirmesähnliche Anlage mit Hüpfburgen, Kletterpark und Fahrgeschäften, alles im Zeichen der Hexe. Trotz der Hitze tobt hier der Bär.

Wir beeilen uns, dieses lebhaften Ort wieder zu verlassen und genießen kurz darauf Kaffee und Eis auf unserer schönen Terrasse mit Blick auf die Wohnblocks gegenüber. So schön es im Bodetal auch ist, so freuen wir uns aber auch darüber, dass wir im wenig besuchten Nordharz wohnen dürfen!

Thale, das Bodetal und die Rosstrappe: Fünf Stempel müssen hart erkämpft werden!

Thale, Bodetal, Böser Kleef und Rosstrappe: 22 Kilometer
gelaufen am 2. August 2022

Unglaublich, welche Freiheiten so eine Ferienwohnung uns eröffnet – Bekanntlich sind wir ja Frühaufsteher und sonst haben wir auf unseren Wandertouren immer die Zeit bis zum Hotelfrühstück totschlagen müssen, indem wir Stadtbesichtigungen eingeschoben, eingekauft, rumgedöst haben …

Heute hingegen können wir bereits um sechs Uhr aufstehen, gemütlich frühstücken und sind schon um 7:15 Uhr am Eingang zum Bodetal. Natürlich ist es unmöglich, um diese Uhrzeit den Sessellift zur Rostrappe zu nehmen: Der hat – geradezu lächerlich spät – seine erste Fahrt erst um 9:30 Uhr. So lange warten wir auf keinen Fall!

Also müssen wir laufen. Wir beginnen unseren Wandertag mit einer Neun-Kilometer-Tour das Bodetal hoch, immer entlang des Flusses. Dabei kommen bis Treseburg locker 350 Höhenmeter zusammen. Auf steinigen Pfaden geht es ständig bergauf und bergab. Wir dachten, dass wir den Tag mit einem beschaulichen Spaziergang an der Bode entlang beginnen – mitnichten!

Also .. das Bodetal ist ECHT beindruckend. Unserer Ansicht nach haben wir heute das absolute Highlight des Harzes durchwandert. Der Fluss windet sich durch eine tiefe Schlucht, links und rechts ragen die Felswände steil nach oben. Der Weg (übrigens die letzte Etappe des Harzer Hexenstiegs) folgt dem mäandernden Fluss mal links, mal rechts, aber meistens ausgesetzt und ungesichert. Wir sind begeistert!

Friedel ist ein wenig verzweifelt, weil sich die Pracht kaum fotografieren lässt. Am Morgen ist es stockdunkel in der Schlucht und die dreidimensionale Pracht ist bei den schwierigen Lichtverhältnissen fototechnisch nur schwer einzufangen.

Um die frühe Uhrzeit haben wir den Weg ganz für uns allein. Erst kurz vor Treseburg entdecken wir einen einsamen Fliegenfischer mitten im Fluss. Das haben wir in Deutschland noch nie gesehen – fast wie in Schottland!

Außerdem treffen wir erst um Treseburg herum die ersten Wanderer, die in die Gegenrichtung unterwegs sind. Gern hätten wir in Treseburg einen Kaffee genommen, aber um kurz vor zehn ist hier noch alles zu!

Der Weg aus dem Ort heraus führt unschön an einer engen Landstraße entlang. Hier handelt es sich um einen ausgeschilderten, offiziellen Weg des Harzclubs, aber wir müssen uns trotzdem eng an die Felswand drücken, wenn uns mal wieder ein rücksichtsloser Wagen mit dänischem oder holländischen Kennzeichen entgegenkommt, der keinen Zentimeter für uns Platz macht!

Der Weg zur nächsten Stempelstelle, dem „Wilhelmsblick“, führt kurioserweise erst durch einen engen Tunnel im Fels, bevor er über steile Stufen zum Aussichtsfelsen führt. Nie und nimmer hätten wir den Auf- und Abstieg auf gleicher Strecke auf uns genommen, wenn sich dort oben nicht so ein vermaledeiter grüner Stempelkasten befände!

Zum „Bösen Kleef“ traben wir zunächst über schmale Wege weiter nach oben. Mittlerweile ist es hübsch heiß geworden und der Schweiß rinnt in Strömen. Vor allem auch deshalb, weil gleich zwei Wege zum Aussichtspunkt wegen Windbruch eigentlich gesperrt sind, wir aber trotzdem über Baumstämme und Äste weiter klettern. Mögliche Alternativen würden einen Umweg von mehreren Kilometern bedeuten und die wollen wir auf keinen Fall laufen. Da zerkratzen wir uns doch lieber die Beine und hauen uns die Köpfe ein! 🙂

Am Ziel legen wir eine Mittagspause ein und genießen den Ausblick über Altenbrak. Herrlich einsam ist es hier, obwohl der August ja eigentlich die Hauptsaison sein müsste. Seit Treseburg haben wir niemanden getroffen!

Den Stempel bei der Ausflugsgaststätte „Todtenrode“ nehmen wir wie im Fluge mit. Trotz des schaurigen Namens scheint hier zu anderen Zeiten der Bär zu toben – heute aber ist hier alles verrammelt. Montags und dienstags ist hier Ruhetag!

Auf zunächst schattenlosen Forstwegen, aber zunehmend schmalen Waldwegen nähern wir und dem touristischen Highlight des heutigen Tages, der Rosstrappe. Der Anmarsch über den Fuß der Winzenburg, einer altgermanischen Fluchtburg, ist gut gewählt, denn fast niemand begegnet uns und wir können schon den einen oder anderen Blick von den Felsen hinunter ins Bodetal erhaschen.

Aber bei der Einmündung zur Rosstrappe trifft uns fast der Schlag – Millionen sind hier unterwegs, Dänen, Holländer, Asiaten, die Damen in luftigen Sommerkleidchen und die Herren in feschen Shorts und mit Riemensandalen. Und Kinder, jede Menge Kinder!

Trotzdem schlagen wir uns bis zum Ende des schmalen Felsenstegs durch. Wir sind hier, da wollen wir mehr sehen als den grünen Kasten mit dem Stempelkissen! Die Aussichtspunkte sind fast gänzlich mit Selfie-Fotografen verstellt, aber den einen oder anderen Blick ins Bodetal und auf die umliegenden schroffen Felswände können wir trotzdem erhaschen.

Hoffentlich haben wir und in dem Gedränge kein Corona geholt! Wir erholen uns bei Apfelschorle und Bockwurst am Kiosk beim Hotel. Am Ende unseres Wandertages gönnen wir uns ein ganz besonderes Schmankerl: Mit dem Sessellift lassen wir uns bequem zu Tal befördern – ein wenig flau im Magen ist uns aber auch dabei!

Unser früher Start am Morgen hat dazu geführt, dass wir schon vor der großen Nachmittagshitze wieder zurück in unserem Ferienhaus sind. Wir gönnen uns heute ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen und zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Oliven und Tomatensauce. Denn wir könnte es auch anders sein – die umliegenden Restaurants haben montags und dienstags Ruhetag!

Blankenburg fünf Stempel – jetzt ist der Osten dran!

Blankenburg Nord 18 Kilometer und 5 Stempel
gelaufen am 1. August 2022

Die Großen Sandsteinhöhlen bei Blankenburg

Mittlerweile haben wir fast alle Stempelstellen in unserer Nähe abgegrast. Der Harz aber ist groß und im Osten warten jede Menge weitere Attraktionen und tolle Touren auf uns.
Friedel und ich habe ein paar Tage frei und haben etwas arrangiert, was wir zu zweit noch nie gemacht haben – Wir haben uns ein kleines Ferienhaus in Thale gemietet!

So sah das Häusle bei unserem Einzug aus – mittlerweile haben wir überall unsere Sachen verteilt!

Wie ihr wisst, sind wir ja eigentlich sonst eher als Streckenwanderer unterwegs. Allerdings gibt es rund um Blankenburg und Thale so viele von diesen grünen Kästen mit Stempeln, dass sich die Tour von Hotel zu Hotel kaum lohnt. Unser Ferienhaus als Basisstation in Thale ist da eine sinnvolle Alternative.

Schon heute am Anreisetag sind auf den 18 Kilometern unserer Rundtour diverse Hotspots des Harzes nahezu inflationär vorhanden. Die Sandhöhlen bei Blankenburg, die Festung Regenstein und das Kloster Michaelstein lassen sich sehr gut verbinden, wenn auch mit einigen hässlichen Passagen an Bundesstraßen entlang. Aber dazu später.

Erste Station: Die Regenstein-Mühle. Angelegt Ende des 12. Jahrhunderts, beeindrucken nicht nur die rekonstruierten Mühlräder, sondern die gesamte Szenerie. Die Anlage liegt in einer sandigen Gegend, mit dicken Eichen und alten Kiefern bestanden. Im Nieselregen mutet die Gegend fast schon archaisch an.

Auf sandigen Wegen geht es weiter zu den „Kleinen Sandsteinhöhlen“. Die finden wir schon beindruckend genug. Die hellen Wände und der feine, helle Sand im Inneren der Höhlen mutet fast gemütlich an. Das muss ein lauschiges Plätzchen für unsere Vorfahren gewesen sein!

Noch beeindruckender sind dann die „Großen Sandsteinhöhlen“. Zwar sind die Höhlen nicht unbedingt tiefer oder höher, aber sie liegen allesamt in einer tiefen Senke, rund um einen riesigen, feinsandigen Platz. Dies wäre eine extrem coole Location für ein sommerlich-strandartiges Musikfestival!

Besonders schön ist , dass heute Morgen außer uns niemand anderes hier ist. Es ist mitten in der Sommerferienzeit, aber wir haben den Platz ganz für uns allein!

Zur Festung Regenstein geht es dann extrem fies bergauf. Wenn sich oben auf dem steilen Felsen nicht eine Stempelstelle befinden würde, hätten wir die Festung glatt ausgelassen!

Oben auf der Klippe liegt die Festung Regenstein

Obwohl es regnet, ziehen wir auf dem Weg nach oben unsere Regensachen aus. Lieber regennass als schweißdurchtänkt!

Immerhin werden wir auf dem Weg mit einigen tollen Ausblicken belohnt. Oben landen wir auf einer Straße, die Parkplatz-Wanderer bequem über eine steinerne Brücke in die Festung führt. Gemein – und wir haben uns so gequält!

Da das Café in der Festung nicht geöffnet ist und der Eintritt vier Euro pro Person kostet, machen wir uns nach der Stempelei gleich wieder an den Abstieg. Um 16:00 Uhr müssen wir unser Ferienhaus beziehen und vorher noch zwei Stempel einsammeln!

Der Weg von der Festung zum Kloster Michaelstein gehört zu den Tiefpunkten unserer bisherigen Unternehmungen. Entlang eines vielbefahrenden Autobahnzubringers laufen wir im Nieselregen durch ein Industriegebiet und entlang eines riesigen Einkaufs-Arreals. Wir fragen uns, warum wir so stur sind und unsere Stempelstellen partout zu Fuß erreichen wollen. Jeder außer uns fährt hier!

Kloster Michaelstein ist dann auch nicht so der Bringer. Die Anlage wurde schon vor Jahrhunderten profanisiert und beherbergt heute eine Musikakademie. Die Anlage ist hübsch und gepflegt, aber hat irgendwie keinen Flair. Fotogen sind jedoch das alte Torhaus und die vielen Fischteiche der ursprünglich mönchischen Fischzuchtanlage.

Neben den Sandhöhlen ist das heutige zweite Highlight das leckere Fischbrötchen mit geräucherter Forelle, dass wir uns in der Außenanlage des „Klosterfischers“ besorgen. Schließlich haben wir die vier Euro Eintritt auf der Festung eingespart, da kann man sich schon mal ein Gourmet-Fischbrötchen für 5,50 Euro pro Person gönnen!

Solide gestärkt machen wir uns auf zur letzten Stempelstelle, der Ruine „Altenburg“ in Heimburg. Durch sandige Wälder laufen wir auf dem „Harzer Klosterwanderweg“, der Goslar und Quedlinburg und zwölf ehemalige Klöster des Harzvorlandes miteinander verbindet. Schon zweimal sind wir bisher dem Weg begegnet: Auf DDLN von Goslar nach Schladen haben wir das Kloster Wöltingerode besucht und auch bei Wernigerode haben wir auf dem Weg zum Austberg den Klosterwanderweg beschritten.

Der letzte Anstieg des Tages, rauf zur Ruine Altenburg, sieht schlimmer aus, als er ist. Von der Burg ist nicht mehr viel erhalten, aber der Ausblick auf den Harz und das Harzvorland ist hübsch. Wären wir die Erfinder der Stempelstellen gewesen, wir hätten der Altenburg jedoch keinen Stempelkasten verpasst. Der Blick vom Austberg bei Wernigerode ist doch sehr ähnlich.

Der Klosterwanderweg führt uns von der Ruine weiter in Richtung unseres Parkplatzes, an dem unsere heutige Wanderung enden wird. Die Wegführung ist eine echte Unverschämtheit! Entlang eines Autozubringers laufen wir auf der Grasnarbe zwischen Leitplanke und Fahrbahn, wir haben kaum Platz und die Autos sausen an uns vorbei. Dies soll ein überregionaler Wanderweg sein? Vielen Dank auch!

Das letzte Stück ist dann wieder recht hübsch. Zwar hören wir rechts neben uns das Brausen des Verkehrs auf der Autobahn, aber wir wandern durch eine grasige heide-ähnliche Landschaft, die uns ausnehmend gut gefällt.

Unser kleines Ferienhaus für zwei befindet sich in der Altstadt von Thale, etwa zweieinhalb Kilometer von den Seilbahnen zum Hexentanzplatz und der Rosstrappe entfernt. Anscheinend ist die Altstadt von Thale kein touristischer Hotspot. Die Gebäude sind zwar aus Bruchstein, aber in keinem guten Zustand. Das Kloster ist die halbe Woche verrammelt und es gibt keine Restaurants oder Cafés in der Nähe. Unser historische Unterkunft in einer alten Gasse mit Kopfsteinpflaster ist schön renoviert, aber vom Balkon aus genießen wir den Blick auf die „Platte“. Das hat Lokalkolorit! 🙂

DDLN Etappen 58 und 59: Durch die Ostheide und das Wendland von Wahrenholz nach Reddereitz

16.05.2022: Wahrenholz nach Bad Bodenteich 28 Kilometer
17.05.2022: Bad Bodenteich nach Reddereitz 30 Kilometer

„Grüner geht’s nicht!“
Das beschreibt unsere zwei nächsten Wandertage auf unserer Deutschlandtour, dieses Mal durch die Ostheide und das Wendland, am besten.

Gern hätten wir uns weiter östlich gehalten und wären heute, an unserem dritten Wandertag im Mai 2022, lieber der Originalroute des E6 über Oerrel und Hankensbüttel gefolgt. Vielleicht hätten wir dann ein bisschen mehr Heidekraut gesehen und weniger Wald. Der E6 schlägt jedoch einen großen Haken nach Westen und leistet sich dabei auch noch den einen oder anderen Schlenker nach links und rechts. Flugs wären da auf der Originalroute des E6 satte 37 Kilometer bis nach Bad Bodenteich zusammengekommen – für uns eindeutig zu viel. Deshalb habe ich uns eine direktere Route zusammengebastelt, die uns in einer geraden Linie durch die Wälder westlich der Ise bis nach Wentorf leitet, wo wir dann wieder auf den E6 treffen und erneut entlang des Elbe-Seitenkanals Bad Bodenteich erreichen. Von dem Kurort hatten wir zuvor noch nie gehört – aber hier gibt es Abendessen und Bett!

Schön sind die Wälder rechts des Flüsschens Ise. Das ganze Gebiet „Ise mit Nebenbächen“ ist Naturschutzgebiet und wir wandern auf größtenteils schnurgeraden Wegen durch einen lichten Nadelwald mit Blaubeergebüsch und feuchtem Unterbewuchs. Friedel nennt solche Abschnitte oft „Wald im Wald“, was sehr schön beschreibt, dass es im Unterholz viel zu bestaunen gibt. Mitunter bricht die Waldlandschaft auf und wir erhaschen einen Blick auf sattgrüne Feuchtwiesen mit Binsen und Mengen an Schmetterlingen. Aber leider haben wir kaum die Muße, das schöne Arrangement ausgiebig zu betrachten und zu fotografieren …

… denn hier gibt es UNMENGEN an Mücken!

Die Mistviecher lieben vor allem den Friedel. Flügelschlagend eilen wir durch den Wald, denn viel Bewegung verhindert die Landung der Insekten auf Haut, Hose oder T-Shirt. Wir stellen nämlich fest, dass unsre Merinoshirts nicht mückenfest sind – verdammte Hacke!

Im Gegensatz zu sonst renne ich HINTER Friedel durch den Wald, wo ich dich sonst immer vorne laufe. Dabei schlage ich ihm die eine oder andere Mücke von den hinteren Waden oder aus dem Nacken. Keine Ahnung, warum der Friedel bei den Viechern so beliebt ist!

So manch schönes Fleckchen lädt zu einer Teepause ein, aber die Mücken geben uns keine Ruhe. So fliegen wir förmlich durch den Wald und freuen uns, dass wir nach sechzehn gehetzten Wanderkilometern bei Alt-Isenhagen endlich aus dem Waldsumpf auftauchen können. An der Böschung zum Elbe-Seitenkanal dürfen wir nun endlich eine wohlverdiente Pause einlegen.

Heute sind jede Menge Schiffe auf dem Kanal unterwegs und wir sitzen recht lange da und schauen zu, wie die bunten Kähne an uns vorbeiziehen. Diese Form des Transports von Waren und Rohstoffen finden wir gut!

Heute am Montag sind am Kanal viel weniger Radler unterwegs als gestern am Sonntag. Dementsprechend gemütlich können wir nebeneinander laufen und gemütlich wandern wir die restlichen neun Kilometer bis zu unserem Endziel für heute, Bad Bodenteich.

Kurz vor Bad Bodenteich kommen wir noch einmal durch eine heideähnliche, mückenarme Landschaft und siehe da – es gibt sogar eine Bank. Hier trinken wir unser restliches Wasser und aus den Tiefen meines Rucksacks ziehe ich noch einige Haferkekse. Wir schon viele Male vorher stellen wir fest, dass wir diese letzten Pausen kurz vor dem Tagesziel besonders lieben. Aber natürlich nur bei gutem Wanderwetter!

Bad Bodenteich ist ein schmuckes Städtchen: Im Ortskern gibt es zwei Seen, auf denen es sogar Tretboote gibt.

Wir schätzen Bad Bodenteich vor allem für sein Eiscafé … denn da gibt es den wohlverdienten Eiskaffee, auf den sich Friedel schon seit gestern freut!

Das Eiscafé befindet sich in Bad Bodenteich hinter den Mülltonnen und Autos!

Dieses Eiscafé nun wird uns als das mit dem autistischen Kellner im Gedächtnis bleiben. Als er unserer Rucksäcke ansichtig wird, zieht er uns mit der Bemerkung ins Gespräch, dass er auch ein großer Outdoor-Liebhaber sei. Er erzählt uns minutenlang von seinen Radtouren in Italien, Frankreich und sonst wo und wir kommen kaum dazwischen. Als er mit seinem Monolog am Ende ist, kassiert er und verschwindet. Er hat nicht mal gefragt, warum wir in Bad Bodenteich sind!

Weitaus weniger gesprächig ist der Wirt im „Gasthaus zum alten Ritter“, in dem wir heute nächtigen. Wir erreichen das Themenhotel durch ein kleines Waldstück, in dem allerhand Verlustierungen des Mittelalters aufgebaut sind: Bahnen zum Bogenschießen, Buden zum Tonkrug-Werfen, hölzerne Pranger. Witzig!

Auch die Gasträume, der Innenhof und die Zimmer sind stilvoll im Mittelalter-Look gestaltet. Als wir den Wirt auf die gelungene Dekoration seines Hotels ansprechen, verzieht er keine Miene – und den Rest des Abends auch nicht mehr.

Zum Abendessen bestellen wir jeder eine halbe gegrillte Ente mit Rotkohl. Fürwahr ein ungewöhnliches Mahl! Wir schaffen jeder nur ein Viertel des fettigen, aber überaus leckeren Vogels. Beim Abräumen betonen wir dem Wirt gegenüber, dass unsere Portionen zwar wohlschmeckend, aber wirklich nicht zu schaffen seien. Wir meinen, da die Spur eines triumphierenden Lächelns auf seinem Gesicht zu sehen – und schweigend verschwindet er mit unseren Bergen an Knochen in Richtung Küche. Hintergründig – solche wortkargen Zeitgenossen sind uns weitaus lieber als Schwätzer!

Nach dem Abendessen besichtigen wir noch Burg Bodenteich. Die Anlage ist hübsch restauriert und beheimatet einige lokale Behörden und ein Museum. Extra der Burg wegen hätte sich die Anreise nach Bad Bodenteich wohl kaum gelohnt – aber für die Verdauung von halben Enten an einem lauen Sommerabend ist die Anlage absolut geeignet!

Am nächsten Tag halten wir uns ziemlich genau an dieWegführung des E6 – die knapp dreißig Kilometer bis nach Reddereitz erscheinen uns für eine Tagesetappe im Flachland gut machbar.

Heute erwartet uns ein ganz entzückender Wandertag. Zum einen ist es heute nicht so warm und schwül, es nieselt sogar. Zum anderen laufen wir heute durch äußerst abgelegene, aber sehr reizvolle Landschaften. Das Wendland ist eine alte, sehr urtümliche Region mit alten Wegen und schönen Wäldern!

Die Gegend um Bad Bodenteich herum könnte man sogar als sumpfig bezeichnen. Da es aber bei unserem Auszug aus der Stadt regnet, haben wir heute kein Problem mit Mücken. Friedel hat sich heute eh gewappnet – mit seinem (so finde ich) äußerst lächerlichen Regencape schreckt er jede Mücke ab!

Hier im Wendland wandern wir durch eine eher trockene Gegend – selbst heute, nach dem Regen, werden die Felder großräumig bewässert.

Beim Durchmarsch durch die Bewässerungsanlagen müssen wir unser Timing gut optimieren: Erst Warten, bis der Strahl sich vom Weg entfernt , dann zügig auf dem Weg voranschreiten und dabei immer die bewegliche Düse im Blick behalten. Nach dreißig Sekunden heißt es auf dem Weg nämlich wieder „Wasser Marsch!“

Das Wasser wird übrigens aus einer Art Hydranten im Boden mit dicken Schläuchen zu den Düsen geleitet. Die dicke Spulen für die Schläuche stehen überall mehr oder weniger dekorativ in der Landschaft herum.

Verrostete Wasserschlauch-Spule, vorteilhaft beleuchtet

Heute ist deutlich zu bemerken, das wir uns in einer alten und irgendwie vergessenen Kulturlandschaft bewegen. Viel Kopfsteinpflaster, alte Höfe, schattige Alleen.

Zwischendurch lange Abschnitte mit dichtem Kiefernwald. Auffällig ist der sandige Boden und die völlige Abwesenheit von Bächen und Pfützen. Knochentrocken ist es hier, jedenfalls am Boden!

In einem Waldstück kurz vor dem Weiler Gledeberg treffen wir auf etwas, was wir in Deutschland noch nie gesehen haben: Eine Hütte des Europäischen Fernwanderweg E6!

Freunde der Europäischen Wanderidee, die im nahegelegen Gledeberg wohnen, haben die Betreuung des hiesigen Abschnitts übernommen und pflegen vorbildlich Hütte, Wegmarkierungen und Informationen zum Weg. Schon den ganzen Wandertag haben wir uns über die lückenlosen Wegmarkierung seit Bad Bodenteich gewundert, die den Einsatz unserer Wanderapp nahezu überflüssig macht. In der Hütte finden wir Karten und Beschreibungen der gesamten Route von der Adria bis nach Finnland und ein Wanderbuch, in das wir uns sogleich eintragen. Der letzte Eintrag vor dem unseren ist vom Februar!

Neben den Mücken wird der Friedel dieses Mal noch von einem weiteren Ungemach geplagt: Blasen an den großen Zehen!
Noch nie in unserer ganzen Wanderkarriere hatten wir bisher Ärger damit. Andere Wanderer klagen ständig auf jeder längeren Tour über Blasen, aber wir haben darüber stets milde gelächelt. Wir hatten bisher NIE welche!

Friedel hat sich gestern Abend gut verpflastert, aber ab Kilometer 25 schmerzen die Dinger immer unangenehmer. Die letzten fünf Kilometer geht der Friedel auf dem Zahnfleisch – der Vergleich „hinkt“, ich weiß! 🙂

Kurz vor unserem Etappenziel Reddereitz kommen wir am phänomenalen „Findlingspark Clenzer Schweiz“ vorbei. Hier hatten wir gehofft, große Findlinge in ihrer natürlichen Umgebung zu bestaunen. Aber die Steine sind größtenteils künstlich angeordnet und wurden nach geologischen Erdzeitaltern klassifiziert und beschriftet. Insgesamt ein nettes Plätzchen, aber für geologische Laien wir uns eher langweilig …

„Clenzer Schweiz“ heißt die Gegend wohl, weil es hier doch tatsächlich recht hügelig ist. Am Ende des Tages müssen wir sogar einige Hügel erklimmen!

Reddereitz ist gar kein richtiges Dorf. Zusammen mit dem benachbarten Kloster und dem nördlicher gelegenen Gohlefanz kommen vielleicht fünfzehn Gehöfte plus Nebengebäude zusammen, mehr nicht. Trotzdem leistet sich der Ort den „Heidehof“, eine herrlich altertümliche Hotelanlage!

Der Heidehof kocht nur für seine Gäste. Viel zu tun hat die Wirtin nicht – neben uns gibt es noch ein älteres Paar und einen allein reisenden Mann mit Badeschlappen, den wir für einen Radler halten. Bei mittlerweile schönstem Wetter sitzt das Paar drinnen, die „Outdoor-Sportler“ auf der Terrasse. Sowohl die Innen- als auch die Außenanlagen sind gepflegt, aber konsequent-durchgestylt in den Siebzigern stecken geblieben. Herrlich!

Friedel kann ich heute nach dem Abendessen gar nicht mehr überreden, noch einen Gang durch die Ortschaften zu machen, zu sehr schmerzen seine Füße. Stattdessen sitzen wir auf dem Balkon vor unserem Zimmer und beobachten den Pferdewirt von gegenüber aus Kloster, wie er eine Stunde lang ein Pferd nach dem anderen von der Koppel holt. Ein wahrhaftig abendfüllendes Unterhaltungsprogramm!

Aber wie es immer so ist – leider haben wir keine Fotos von unserem romantischen Abend mit Kunstrasen und Monoblock-Stühlen auf dem Balkon gemacht. So bleibt uns nichts anderes übrig, als zum Schluss noch ein paar Highlights des Tages einzufügen!

In GB gibt es jede Menge nach Honig duftenden Ginster – in Deutschland duftet er nicht!

I

Wales vor unserer Haustür

Blick nach Norden zum Buchenberg

Letzte Woche musste ich beruflich mal wieder nach Stuttgart fahren. Und erneut habe ich festgestellt, dass mir das „pulsierende Leben der Großstadt“ enorm auf den Wecker geht. Stuttgart City = Autolärm, Hitze, Gestank, Geschrei und Großbaustellen. Heilfroh war ich, als ich gestern wieder in Seesen aus dem Zug stieg!

Friedel konnte ich heute zu keiner Wanderung motivieren. Deshalb beschloss ich, einfach allein eine kleine Runde zu drehen – und ich habe es nicht bereut!

Unser neuer Wohnort Seesen nennt sich selbst „Das Fenster zum Harz“, denn nur ein kleiner Teil des Stadtgebiets liegt tatsächlich im Gebirge. Die eigentliche Kernstadt und diverse Dörfer, die auch zur Stadt zählen, sind dem Harz vorgelagert. Beispielsweise vom Schildberg aus hat man einen tollen Blick über eine weite Ebene, mit Harz und Leinebergland im Hintergrund.

Blick nach Osten zum Harz

Ich liebe meine kleine Sieben-Kilometer-Runde über den Schildberg und durch das Schildautal, für die ich nur aus der Haustür treten muss. Im Herbst sowieso, aber auch im Sommer erinnert mich die Landschaft mit seinen Hügeln und den Licht- und Schattenspiel an Wales. Findet ihr nicht?

Blick nach Westen zum Heber

.. und „wilde“ Ponys gibt’s hier auch! 🙂

DDLN Etappe 56 und 57: Durchs Braunschweiger Land von Weddel nach Wahrenholz

14.05.2022: Weddel nach Fallersleben, 26 Kilometer
15. 05.2022: Fallersleben nach Wahrenholz, 33 Kilometer

Was bisher geschah:
Erinnert ihr euch noch, dass wir 2019 und 2020 von Schaffhausen an der Schweizer Grenze bis nach Goslar am südlichen Harzrand gelaufen sind? Wir haben dabei den Schwarzwald, den Schwäbisch-Fränkischen Wald, die Fränkische Schweiz, Oberfranken, den Rennsteig, das „Grüne Band“, das Eichsfeld und den Harz durchwandert. Über 1300 Kilometer sind wir auf DDLN „Deutschland der Länge nach“ gelaufen – dem Weg, den wir uns selbst ausgedacht haben. Ihr erinnert euch nicht? Wir aber schon! 🙂

In Goslar war dann 2020 erst mal Schluss. Nur 25 Kilometer westlich von unserem letzten Zielort haben wir uns in Seesen ein altes Fachwerkhaus gekauft und sind im November 2021 endgültig vom Ländle an den Harzrand gezogen. Seitdem haben wir abgerissen, verputzt, geweißelt und lediglich kleine Touren unternommen, um den Harz und unsere neue Heimat kennenzulernen. Aber jetzt – eineinhalb Jahre nach unserer letzten längeren Tour – geht es endlich weiter auf unserem DDLN!

Sieben Tage Wandern von Braunschweig bis zur Elbe liegen vor uns. Mit dem Harz haben wir dabei das letzte Mittelgebirge hinter uns gelassen. Von hier bis nach Flensburg wandern wir durch Flachland – Für uns als Freunde des Mittelgebirges ein echtes Novum!

Die ersten drei Etappen von Goslar nach Braunschweig-Weddel lassen wir erst mal aus: Sie lassen sich durch Tagestouren erwandern und wir laufen sie später an Wochenenden. Ab Braunschweig würde die An- und Abfahrt drei Stunden überschreiten – zu lang für uns, um das bequem an einem Tag zu fahren. Wir beginnen unsere Reise also in Weddel östlich von Braunschweig, weil es dort einen Bahnhof gibt. Dafür laden wir ein Tagesticket des „Verkehrsverbunds Region Braunschweig“ auf unsere Handys – So billig war noch keine unserer Anreisen in den Urlaub!

In Weddel bei Braunschweig geht es dann los. Am Ortsrand verläuft der E6 – auf dem waren wir schon 2020 unterwegs und wir werden dem Weg im Großen und Ganzen bis Flensburg folgen. Da aber unterwegs die Unterkünfte rar sind, werden wir den Weg immer wieder mal verlassen und die eine oder andere Abkürzung einbauen. Gern würden wir jeden Schlenker des Europäischen Fernwanderwegs mitnehmen. Das würde jedoch zu Etappen von über 35 Kilometern führen und das sollte eher die Ausnahme bleiben!

Vom Bahnhof Weddel aus sind wir recht schnell in Wald und Flur. Die Landschaft ist nicht spektakulär, aber die Sonne scheint, der Kuckuck ruft und der Raps blüht und duftet. Im Mai ist (fast) jede Landschaft schön!

Was uns heute gut gefällt, sind die vielen naturbelassenen Wege. Kaum einen Meter wandern wir auf Schotter oder Asphalt. Nur dann, wenn wir einen der wenigen Orte auf der Strecke durchlaufen, müssen wir Pflaster treten.

In Wendhausen haben wir das Gefühl, nun endgültig im Norden angekommen zu sein – zum ersten Mai auf DDLN sehen wir eine echte Windmühle!

Viele alte Bäume säumen unseren Weg. Unter einem von Ihnen verbringen wir unsere Mittagsrast und beobachten mit der Teetasse in der Hand, wie die Eichhörnchen die Bäume rauf und runter flitzen. Die Szenerie hier ist zwar nicht ganz so spektakulär wie im Harz, aber schön ist es hier auch!

Tatsächlich hatten wir vor unserem Urlaub eigentlich gar keine richtige Lust, weiter in Richtung Norden zu laufen. Unsere neue Heimat am Harz begeistert uns immer noch sehr und wir hätten uns auch gut vorstellen können, unsere Urlaubswoche in der Nähe zu verbringen, zum Beispiel im Ostharz, wo wir noch gar nicht waren. Aber der läuft uns nicht weg – Wir werden ihn an Wochenenden erkunden!

Unser Zielort Fallersleben liegt eigentlich gar nicht auf dem E6, aber nur dort ist Bett, Restaurant und Frühstück zu ergattern. Gern nehmen wir die zusätzlichen Kilometer fernab der eigentlichen Strecke in Kauf, um am Abend im historischen Brauhaus der Stadt zu sitzen und dabei auf den Fallersleber Schlosspark zu blicken. Ein würdiger Ausklang unseres ersten Wandertags!

Das alte Brauhaus von Fallersleben
Schloss Fallersleben

Der berühmteste Sohn der Stadt ist übrigens August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text zur Deutschen Nationalhymne schrieb. Aber nicht nur das – auch diverse, typisch deutsche Kinderlieder stammen aus seiner Feder: „Alle Vögel sind schon da“, „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Kuckkuck, Kuckkuck, ruft’s aus dem Wald“. Auf unserem Weg von Weddel nach Fallersleben haben wir verstanden, woher August Heinrichs Inspiration stammte – aus der lieblichen Frühlingslandschaft des Braunschweiger Landes und den ständigen Kuckkucksrufen, die uns begleiten!

Diverse Hotels und Pensionen in Fallersleben standen zur Auswahl. Wir haben uns blöderweise für die glattgebügeltste und gesichtsloseste Unterkunft entschieden. Das Hotel ist korrekt modern und das Frühstück guter Standard – aber ein bisschen charaktervoller könnte es aber schon noch werden!

Unser zweiter Wandertag im Braunschweiger Land bricht an – und die Sonne scheint ganz heftig!

Neulich am Elbe-Seitenkanal

Heute ist „Canal Walking“ angesagt. Sehr gern sind wir immer in Mittelengland an den Kanälen entlang gewandert, die in der Frühzeit der Industrialisierung dem Transport von Kohle und Erzen diente. Solche Wasserwege gibt es auch in Deutschland – aber statt romantischer Narrowboats mit winkenden Freizeitkapitänen sind in Deutschland echte, vollbepackte Kähne unterwegs.

Wir hatten es uns sehr hübsch vorgestellt, am Mittelland- und am Elbe-Seitenkanal entlang zu wandern. Wir hofften, quakende Enten und ihren Nachwuchs im Dickicht der Rohrkolben verschwinden zu sehen. Stattdessen erwarten uns hoch technisierte Wasserstraßen.

Nun, hätten wir uns an die exakte Wegführung des E6 gehalten, wären wir heute 45 Kilometer durch Wald und Feld unterwegs gewesen. Die Wirtschaftswege an den Kanälen versprechen jedoch eine Abwechslung zu der Wald- und Wiesenroute gestern und dabei können wir noch einige Kilometer sparen. Die historische Stadt Gifhorn lassen wir also aus und kürzen ab über den Elbe-Seitenkanal.

Zum Glück gibt es am Elbe-Seitenkanal durchaus schöne Ecken. Teilweise ist die Uferlinie hübsch eingewachsen und wirkt fast natürlich. Auch die eine oder andere Entenfamilie fühlt sich auf dem Kanal wohl.

Aber der Tag wird immer heißer und die Wirtschaftswege am Kanal spenden kaum Schatten. Noch nie haben wir bei einer Wanderung Mitte Mai solche Temperaturen erlebt!

Noch dazu nervt, dass wir hier am Kanal fast die einzigen Fußgänger sind. Heute ist Sonntag und der Weg am Kanal dient vor allem als Schnellfahrstrecke für Radfahrer. Friedel und ich können immer nur hintereinander gehen – und dabei den schmalen Schatten der Bäume suchen.

Rechts des Weges ändert sich die Landschaft – Der Boden wid zunehmend sandiger und Kiefer und Birke dominieren die Wälder am Ufer des Kanals. Wir nähern uns der Lüneburger Heide!

Eigentlich lieben wir es, auf unbefestigten Wegen zu wandern – Aber hier stapfen wir lange Strecken durch Pudersand: Ganz schön anstrengend! Aber besser als Pflastertreten ist der Sand allemal.

Am Bernsteinsee hoffen wir auf einen Kaffee, denn hier gibt es einen Campingplatz und eine Wasserski-Anlage. Der Badesee, so lesen wir bei Wikipedia, entstand 1970 beim Bau des Kanals. Hier wurde damals eine halbe Million Kubikmeter Sand entnommen. Vom Wall am Kanal aus sehen wir jedoch, dass der Strand und das Strandcafé pickepackevoll sind. Da habe ich mal wieder gar keine Lust, mich für einen Kaffee anzustellen und Friedel hat dafür zum Glück Verständnis. Wir haben noch Tee in der Thermoskanne und suchen uns lieber ein schattiges Plätzchen im Wald, so beschließen wir.

Am Bernsteinsee verlassen wir nämlich den Kanalweg und betreten das „Große Moor bei Gifhorn“. Auf unser Wanderkarte sieht es so aus, als wenn es den ganzen restlichen Weg bis zu unserem heutige Endziel durch Wald laufen. Da wird sich doch wohl ein schattiges Plätzchen für eine Pause finden lassen!

Nun ja .. mitten auf den Weg könnten wir uns setzen … links und rechts des Weges blubbert nämlich ein echtes Moor! Wir halten Ausschau nach einem Baumstamm, Steinen zum Sitzen oder einem trockenen Rasenstück – Aber Kilometer auf Kilometer finden wir kein geeignetes Pausenplätzchen. Außerdem treffen wir hier im Moor auf eine Spezies, die wir aus den Mittelgebirgen kaum kennen … Mücken! Jede Menge Mücken!

Friedel kann nur dann fotografieren, wenn ich ihm dabei die Mücken vom Leib halte. Das Moor ist durchaus fotogen, aber jeder Stillstand zieht die Biester scharenweise an.
Mit den Arme fuchtelnd sausen wir auf den schnurgeraden Wegen durchs Moor und beneiden ausnahmsweise mal die Radfahrer, die an uns vorbei sausen. Wandern im Norden unserer Republik stellt uns vor ganz neue Herausforderungen!

Im Wald treffen wir zudem auf einige interessante mechanische Objekte. Wir erfahren, dass es sich um Pumpen für die ÖLFÖRDERUNG handelt!

Heimisches Erdöl liegt gerade voll im Trend. Wir erfahren jedoch, dass die Förderung hier im Landkreis Gifhorn sehr kontrovers diskutiert wird. Das können wir uns gut vorstellen, denn wer will schon gern Ölförderungsanlagen vor der Haustür haben?

Kurz vor unserem Tagesziel Wahrenholz treten wir aus dem Wald heraus und stehen sogleich am Lokalbahnhof, vor der heruntergelassenen Schranke. Der Zug von Gifhorn nach Uelzen fährt ein (nach unserem Wanderurlaub werden wir genau diese Stecke mit dem Zug fahren und uns wundern, dass wir das alles gewandert sind ).

An der Schranke spricht uns ein radelnder Familienvater an: „Ja wat denn? Haben wir euch nicht noch eben am Kanal gesehen?“ Es stellt sich heraus, dass uns die Familie am Elbe-Seitenkanal mit den Fahrrädern überholt hat, in Wahrenholz „mal schön Kaffeetrinken“ war und uns nun auf dem Rückweg wieder trifft. Ob wir denn tatsächlich die ganze Strecke zu Fuß gelaufen seien?

„JA ALTER VERWALTER!“ grölt unser Fan begeistert – Das sei ja nicht zu fassen, dass wir die ganze Strecke sooo schnell gelaufen seien! Wir sind ein wenig peinlich berührt, fühlen uns aber auch ein wenig geschmeichelt. So schnell waren wir doch nur wegen der Mücken!

In Wahrenholz fällt uns zum ersten Mal die typisch norddeutsche Backstein-Architektur auf: Die Kirche ist rot, die Apotheke, das Rathaus und der Gasthof. In Letzterem übernachten wir und der Wirt drückt uns beim Einchecken drei Schlüssel in die Hand – „Die drei Zimmer sind frei, sucht euch einfach eins aus!“

Am Abend sitzen wir noch lange auf der Terrasse, während nebenan die Kegelbrüder feuchtfröhlich ihre Würfe feiern. Auf der Speisekarte gibt es Schnitzel, Schnitzel und … Schnitzel. Wahlweise mit Pommes, Wedges oder Bratkartoffeln.
Egal – echte Athleten brauchen Energie!

Erste Harzquerung 2022 Teil 3: Auf verschlungenen Wegen von Hohegeiß nach Bad Sachsa

Teil 3 unserer Brockentour an Walpurgis: 23 Kilometer, 5 Stempel
Gelaufen am 30. April 2022

Heute, am dritten und letzten Tag unserer phantastischen Harzquerung, werden wir erneut satte fünf Stempel einsammeln. Und schon der erste Stempel heute wird uns zu Wanderkönigen krönen!
Gestern haben wir nämlich unseren 49. Stempel in das Wanderheft gedrückt. Nur noch ein Stempel und wir erreichen die nächste Leistungsstufe und werden damit zu Monarchen: Bei fünfzig Stempeln gibt es die goldene Nadel mit individuellem Halbedelstein. Na, wenn das mal kein Ansporn ist! 🙂

Für heute haben wir uns einen verschwurbelten Wegverlauf ausgedacht, um möglichst alle Stempel der Region zu erreichen. Drei der Stempel werden auf dem „Harzer Baudensteig“ liegen, einem rund einhundert Kilometer langen Fernwanderweg im südlichen Harz, der Bad Grund in mit dem Kloster Walkenried an der ehemaligen Zonengrenze verbindet. Der Weg schlängelt sich über diverse Höhen des Südharzes und nimmt auf seinem Weg möglichst viele „Bauden“, also Ausflugsgaststätten der Region mit. Und da diese meistens oben auf den Bergen liegen, kommen auf den sechs Etappen des Baudenstiegs fast 4000 Höhenmeter Auf- und Abstieg zusammen.

Eigentlich reizt es uns, den Weg auch mal komplett in einem Stück zu laufen. Das machen wir dann später, wenn wir „Rentner“ sind, bereits Wanderkaiser sind und mehr Zeit haben!

Hexenhaus in Hohegeiß

Die Häuser hier im Oberharz sind in diesen Tagen festlich geschmückt: Heute ist Walpurgis und aus fast jedem Haus schauen kess die Hexen heraus. Mitunter hängen sie aber auch an Laternenpfählen!

Festliche Dekoration in Schierke

Wir sind froh, dass wir dem Spektakel heute noch entkommen werden. Wenn die ultimative Party am Abend losgeht, sitzen wir schon wieder im Zug nach Hause!

Hohegeiß lag früher direkt an der Grenze zur DDR und der Grenzzaun nur knappe 300 Meter von der Dorfkirche entfernt. Heute kann der Wanderer glücklicherweise in alle Richtungen ausschwärmen. Wir entscheiden uns für den Weg nach Westen, runter ins Tal zur Stempelstelle „Dicke Tannen“.
Um dorthin zu gelangen, steigen wir 200 Meter über die „Alte Bobbahn“ ab. Von der Sportstätte selbst ist nichts mehr zu erkennen – Aber dass es sich hier um einen historischen Weg handelt, ist am alten Kopfsteinpflaster noch deutlich zu erkennen. An solchen Stellen geht immer die Phantasie mit uns durch und wir stellen uns vor, wie hier jahrhundertelang Ochsenkarren, Heerwagen und Postkutschen auf diesen unebenen Steinen talwärts gerattert sind. Neu und unbeseelt sind dagegen die geteerten Land- und Bundesstraßen, die heutzutage die Harzorte miteinander verbinden.

Im Naturschutzgebiet „Dicke Tannen“ ist es dunkel und kalt. Leider sind mittlerweile auch hier die mächtigen und alten Nadelbäume abgestorben, die dem Ort den Namen verliehen. Der Platz mit dem Stempelkasten ist nett, aber unspektakulär. Besonders ist hier nur, dass wir an dieser Stelle unseren fünfzigsten Stempel einheimsen!

Weiter geht es auf durch das grüne Tal des Wolfsbachs weiter, in Richtung des Talorts Zorge. Das langgezogene Dörfchen touchieren wir nur an seinem nördlichen Ende, denn hier treffen wir auf den Baudensteig und es geht gleich steil nach oben. Ein Zickzackweg schlängelt sich den Berg hinauf zum „Pferdchen“, einer hübschen Rasthütte mir grandioser Aussicht zurück auf Zorge – gut gewählt, diese Stempelstelle!

Die nächste Stempelstelle „Helenenruhe“ begeistert uns weniger. Die Hütte ist total zugemüllt und als sei dem schon nicht Ungemach genug, hat irgendein Idiot auch noch direkt neben die Hütte einen große Haufen hingesetzt. Die dabei verwendeten Taschentücher fliegen bereits in der Gegend herum. Wir sagen nur „Disgusting!“ und suchen das Weite.
(Den Stempel haben wir natürlich trotzdem mitgenommen.)

Die versiffte Stempelstelle „Arme Helene“ – dezent aus der Ferne!

Nach der Helenenruhe sollten wir laut Karte an der nächsten Kreuzung nach links abbiegen. Aber Friedel entdeckt auf einem Wegweiser einen Hinweis, dass es zur Stempelstelle 163 nach rechts gehen soll. Wie bitte? Wir drehen und wenden unsere Wanderkarte und die App von links nach rechts und von oben nach unten, aber eigentlich müsste es eindeutig nach links gehen!

Oh Lob und Ehr dem segensreichen Internet! Eine kurze Recherche mitten im Wald ergibt, dass die Stempelstelle 163 „versetzt“ wurde, und zwar lockere drei Kilometer nach Norden.
Als Grund wird genannt, dass der Weg zum ursprünglichen Standort „Bremer Klippen“ dauerhaft gesperrt und „entschildert“ sei.. Interessant, denn sowohl auf unserer Wanderkarte wie auch der Karte unserer Wanderappp sind zwei große Wanderwege – der Baudensteig und auch der Kaiserweg – auf der bisherigen (und nun gesperrten) Route verzeichnet!

Nun denn .. so bald kommen wir nicht mehr in die Gegend hier, also trotten wir los zum neuen Stempelpunkt, der sich „Gipfelblick am Kaiserweg“ nennt. Die Versetzung der Stempelstelle bedeutet für uns zwei unnötige Kilometer hin und zwei wieder zurück. Und natürlich geht es auf dem Hinweg konsequent bergauf. Aber immerhin dafür dann auf dem Rückweg bergab! 🙂

Als wäre das nicht schon lästig genug, ist an der neuen Stelle auch noch der Stempel defekt. Das Motiv ist abgefallen!
In solchen Fällen wird dem Stempeljäger erlaubt, die angegebene Nummer im Stempelkasten in sein Heft zu übertragen – in diesem Falle die 939. Aber wie sieht das denn am Ende aus, wenn auf der der Doppelseite ein Stempel fehlt?
Zuhause werde ich gleich eine Defekt-Meldung an das Büro der Harzer Wandernadel absetzen. Ich erhalte eine freundliche Dankesmail – immerhin!

Der Titel „Gipfelblick auf dem Kaiserweg“ bezieht sich in diesem Falle auf den Wurmberg, den zweithöchsten Berg des Harzes. Diese besondere Aussicht wurde vermutlich erst durch das Waldsterben im Harz ermöglicht. Schauen wir mal, ob der Stempelkasten dann erneut verlegt wird, wenn die Fichten wieder nachgewachsen sind! 🙂

Nun … der Ausblick ist wirklich schön und an der Stempelstelle wurde zudem ein netter Picknickplatz angelegt. Aber die vier Kilometer Umweg nerven natürlich, zumal wir generell ungern den gleichen Weg wieder zurück gehen.

Auf einer anderen Route als der ursprünglich geplanten laufen wir weiter in Richtung Wieda, denn wir wollen es nicht riskieren, am Ende in einer Sperrung zu landen und wählen einen parallelen Weg etwas tiefer am Hang. Die „Kreuztalsklippe“ oberhalb von Wieda bietet einen weiten Blick auf die Neubaugebiete des Straßendorfs, das sich fast fünf Kilometer durch das enge Tal schlängelt. Die Gegend um Wieda ist malerisch, aber wir persönlich präferieren eher Dörfer, die einen richtigen Ortskern haben. Einige Häuser in diesem engen Tal wird im Winter die Sonne vermutlich nie erreichen. Bei unser Haussuche haben wir uns in den Internetportalen auch einige Häuser in Wieda angesehen, aber in einem Ort ohne richtige Einkaufsmöglichkeiten und ohne Bahnhof wollten wir nicht wohnen. Und Angst vor Hochwasser hätten wir hier auch!

An der Stempelstelle treffen wir einen anderen Stempelsammler, der extra mit dem Auto von Osterode nach Wieda gefahren ist, um den Stempel hier oben zu ergattern. Eigentlich finden wir es doof, extra wegen eines Stempels zu einem Parkplatz zu fahren, zum Stempelkasten aufzusteigen und schnurstracks auf gleichem Wege wieder zurück zum Auto zu gehen. Bisher haben wir uns bemüht, alle Stempelrouten mit einer „richtigen“ Wanderung zu verbinden. Abr wer weiß, wie es ist, wenn uns nur noch wenige Abdrücke fehlen und man endlich „fertig“ werden will. Unser Wanderpartner hat sein Heft bereits bis zur Hälfte gefüllt. Und das sind immerhin schon über einhundert Stempel!

Nach Bad Sachsa laufen wir eigentlich nur, weil wir uns den UNESCO-Weltkulturerbeort Walkenried für eine andere Tour aufsparen wollen. Schnellen Schrittes eilen wir durch den Friedwald in Richtung Bahnhof Bad Sachsa, denn der Zug fährt nur einmal pro Stunde und wir wollen den Zug um 16:08 Uhr noch erwischen. Da haben wir kaum Zeit, auch noch Fotos zu machen. Aber dieses witzige Schild am Ortsausgang von Wieda hat es trotzdem geschafft, fotografiert zu werden:

Kaffee? Nur 2 km zurück!

Ohne Kaffee, aber gerade noch rechtzeitig erreichen wir den Bahnhof von Bad Sachsa. Die Bahnschranken an der Durchgangsstraße sind bereits unten, aber der Haltepunkt liegt zum Glück auf „unserer“ Seite.
Im Zug leeren wir den Rest Tee aus unserer Thermoskanne und freuen uns über die tolle, abwechslungsreiche Tour, die uns zudem dreizehn Stempel beschert hat. Wir beschließen jetzt und hier, noch mehr dieser „Harzquerungen“ zu unternehmen. In drei Wandertagen sind viele solcher Touren mit den Öffis möglich und diese Art des Stempelsammelns gefällt uns am besten!

Diese Doppelseite sieht schon ganz gut aus, aber einige andere sind noch ganz leer!
Was unterscheidet „Gold“ vom „Wanderkönig“ ? 26 zusätzliche Stempel und der Halbedelstein!

Erste Harzquerung 2022 Teil 2: Auf dem Harzer Grenzweg von Schierke nach Hohegeiß

Teil 2 unserer Brockentour an Walpurgis: 24 Kilometer, 5 Stempel
gelaufen am 27. Mai 2022

Ganz wunderbar geschlafen haben wir in unserer Pension in Schierke. Das mag an den beträchtlichen Höhenmetern gelegen haben, die wir gestern auf- und abgestiegen sind. Oder an dem hiesigen Magenbitter „Schierker Feuerstein“, den wir gestern zum ersten Mal probiert haben. Vielleicht aber auch daran, dass wir sonst eher in Gasthöfen übernachten, dieses Mal aber eine ruhige Pension gewählt haben. Nachts war’s tatsächlich wunderbar leise!

Am Frühstück in der Pension gibt es auch nichts auszusetzen. Uns erwartet ein „kontinentales“ Frühstücksbuffet mit Brötchen, Aufschnitt, Müsli, Joghurt, Eiern, Obst und Gemüse. Besser ist nur ein „Full English Breakfast“.

Nein, das ist nicht unsere Pension. Aber diese sieht so schön altmodisch aus!

Da wir fast die einzigen Gäste sind, erklärt uns unser sympathischer Gastgeber ausführlich die Strategie des Nationalparks: Der absterbende Wald wird sich selbst überlassen und man schaut, welche Bäume sich da so neu ansiedeln. Indem man das Bäume-Mikado einfach liegen lässt, bildet sich eine natürliche Barriere gegen das Rotwild, das so die neuen Bäumchen nicht mehr zerbeißen kann. Flugs zieht unser Gastgeber noch eine Broschüre des Nationalparks aus der Tasche. Wow, was für eine Werbung für den Nationalpark, unser Wirt könnte glatt ein „Ranger“ sein!

Beim Bezahlen dann die Überraschung: Als wir die „Gästekarte“ des Luftkurorts Schierke ausfüllen, um unsere obligatorische Kurtaxe zu bezahlen, stutzt unser Gastgeber merklich: „Ähhh … “ und er liest uns laut unsere Adresse vor: “ … da wohnen sie aber noch nicht so lange, oder?“ Hä? Nun sind wir wiederum irritiert: Woher kann er wissen, dass wir „Neuharzer“ sind?

Es stellt sich heraus, dass er der Sohn unserer Seesener Nachbarn zur Linken ist. Die beiden sympathischen Rentner sind die einzigen Seesener, die wir bisher näher kennenlernen konnten, und sechzig Kilometer entfernt landen wir, obwohl es in Schierke zahlreiche andere Übernachtungsmöglichkeiten gibt, ausgerechnet bei ihrem Sohn. Interessanterweise haben wir uns gleich viel zu sagen und freuen uns schon auf ein Wiedersehen am Gartenzaun.

Aber nun müssen wir uns dann doch von der Pension loseisen, denn 24 Kilometer und 700 Höhenmeter Aufstieg stehen heute auf dem Plan.

Unser erstes Ziel sind die „Mäuseklippen“ und kurz darauf die „Scharcherklippen“, bei denen es auch den ersten Stempel zu holen gibt. Wir steigen durch eine Baumwüste auf, denn fast alle Bäume um Schierke herum mussten mittlerweile „dran glauben“. Wenn man sich mit den alteingesessenen Harzern unterhält, äußern diese fast immer Bedauern und Trauer: Wir schön war der Harz doch früher, als alles noch so grün, dunkel und moosig war und wie schrecklich doch die kahlen Berge nun sind, kaum wiederzuerkennen! Nur wenige sehen den Wandel im Wald als Chance, so wie der Sohn unserer Nachbarn. Aber bis hier um Schierke herum wieder das Grün als Farbe des Waldes dominiert – das wird dauern!

Die Schnarcherlippen sehen aus, als hätte ein Riese einige flache Kiesel zu zwei Steinmännchen aufgetürmt. Der lustige Name rührt daher, dass bei starkem Wind aus einer bestimmten Richtung die Steine wohl nicht zu singen, aber zu „schnarchen“ beginnen. Das hätten wir heute nur zu gern gehört, aber der Wind steht leider ungünstig.

Einen der beiden Steintürme kann man sogar besteigen: Mehrere steile Eisenleitern führen bis zum „Gipfel“, von dem man einen weiten Blick auf Schierke und die verwüsteten umliegenden Berghänge hat. Das Panorama wird dominiert vom Brocken, dessen hässliche Radarstation auch heute, an diesem diesigen Tag, gut zu erkennen ist. Mögen die Hänge um diesen hübschen Ort herum doch bald wieder ergrünen! 🙂

Der zweite Stempel des Tages ist nicht weit vom ersten entfernt. Am Barenberg gibt es eine Aussichtsplattform, die ebenfalls einen Blick über Schierke eröffnet. Der Ausblick hier ist aber nicht besser als von anderen Stellen des recht kahlen Berges. Einen Vorteil hat das Waldsterben im Harz – Ausblicke gibt es nun an jeder Ecke!

Über den sogenannten „Ulmer Weg“ versuchen wir, wieder auf den „Harzer Grenzweg“ bzw. zum Grünen Band zu gelangen. Ulm kennen wir als properes, aufgeräumtes Städtchen, aber der Ulmer Weg hier im Harz ist eine echte Sauerei – Waldfahrzeuge haben den Weg total zerfahren und Äste und halbe Bäume auf dem Weg wurden kreuz und quer zurückgelassen. Der Weg sieht aus wie meine Haare heute Morgen!

Am „Kaffeehorst“ gibt es einen Stempel, aber keinen Kaffee. Früher stand hier ein Grenzturm der DDR-Schutztruppen, heute eine Schutzhütte der Harzclubs. Ein hübsches Plätzchen, aber da auf unserer Karte ein Skilift mit Bewirtung eingezeichnet ist, ziehen wir weiter.

Als wir aus dem Wald heraustreten, treffen wir auf einen riesigen Parkplatz. Im Winter muss hier am Skilift am Wurmberg die Hölle los sein. Heute steht auf dem riesigen Arreal kein einziges Auto, aber erstaunlicherweise ist die Skihütte trotzdem geöffnet. Hurra, wir haben es kaum zu hoffen gewagt, aber hier gibt es Kaffee, Pommes und Currywurst.

Auf den zweithöchsten Berg des Harzes, den Wurmberg, steigen wir heute aber nicht. Der Berg mit dem roten Aussichtsturm hat zwar auch eine Stempelstelle, aber die Logistikerin in mir hat den Wurmberg schon als Höhepunkt einer anderen Stempeltour bestimmt. Heute laufen wir weiter auf dem Kolonnenweg der ehemaligen DDR, immer entlang der Zonengrenze.

Schön, wenn man auf dem Grünstreifen zwischen den Lochplatten aus Beton laufen kann. Das ist nämlich nicht immer der Fall, manchmal ist der Steg total zugewachsen, steinig oder zu hubbelig. Dann muss man direkt auf den Lochplatten laufen, was mir extrem an die Nerven geht. Mit meinen kleinen Füßen laufe ich Gefahr, in den Löchern hängenzubleiben oder umzuknicken. Friedel mit seinen Quadratlatschen tritt einfach irgendwohin und deckt die Löcher ab. Ich kann mir nicht vorstellen, das komplette „Grüne Band“ zu laufen, das wäre mir echt zu anstrengend und monoton.

Neun Kilometer traben wir auf dem Betonstreifen durch den Wald, Friedel links, ich rechts. Nachdem wir die B242 überquert haben, entscheiden wir uns, auf dem Weg zum „Ring der Erinnerung“ nicht den Harzer Grenzweg zu nehmen. Wir wählen stattdessen eine kleine Abkürzung, die uns auf der Karte viel interessanter und kürzer als der eigentliche Wanderweg erscheint. Der eigentlich gut ausgetretene Pfad ist jedoch von umgestürzten Bäumen blockiert und beim Versuch, die Chaosstelle zu umgehen, landen wir am Steilhang. Tierpfade sehen aus wie Wanderwege, und wir folgen dem Weg, der am ehesten wie ein solcher aussieht. Dank unserer Wanderapp treten wir am Ende aus dem Dickicht und landen tatsächlich am „Ring“, aber Zweige und Spinnweben hängen in unseren Haaren … okay, in meinen!
Aber endlich sind wir wieder auf dem Weg!

Der „Ring der Erinnerung“ ist eine Kunstinstallation, die uns ohne die Erklär-Schilder gar nicht aufgefallen wäre. Der „Ring“ liegt auf dem ehemaligen Todesstreifen, hat 70 Meter Durchmesser und besteht aus einen Wall aus Totholz, aus dem „neues Leben“ (Brombeeergestrüpp?) sprießen soll. Friedel ist die Installation nicht mal ein Foto wert: Hier sieht es aus wie überall im Harz, aber immerhin gibt es hier eine Stempelstelle. Eine unscheinbare Konstruktion, aber welch ein bedeutungsschwangerer Name!

Kurz vor Hohegeiß machen wir noch ein Schlenker zum Hahnestein, weil sich hier noch ein abgelegener Stempelkasten befindet. Der Weg ist nichts Besonderes, der Stempelplatz auch nicht – aber der Weg ist nett und im Licht der untergehenden Sonne sieht der frühlingshafte Wald ganz wunderbar aus. Wären wir nicht zum Hahnestein gewandert, wären wir viel zu früh in der Unterkunft angekommen!

Hohegeiß ist ein Grenzort, in dem zu Zeiten des Kalten Krieges der Hund verfroren gewesen sein muss. Direkt östlich der Dorfstraße lag früher der „Eiserne Vorhang“ und dieser muss dem Ort förmlich die Lebensader abgeschnitten haben.
Aus dem Wolfsbachtal steigen wir extrem steil nach oben in den Höhenort … um auf DAS zu treffen!

Wie kann man nur! Ist das nicht der Inbegriff der Hässlichkeit? Welches krankes Bauherren-Hirn der 70er konnte sich so etwas ausdenken und erhielt auch noch freie Hand dabei, diesen perfiden Architekturplan auszuführen? Dieser Hotelkomplex ist das furchtbarste, was wir bisher im Harz sehen mussten! Und man sieht die Dinger schon von Weitem! Horrible!

Der Rest des Orts ist jedoch weitaus angenehmer. Nicht hübsch, aber authentisch dörflich und unser Hotel „Silbertanne“ ist ein Muster an Zuvorkommenheit und Serviceorientierung.

Unser Menü für den Abend mussten wir im Voraus wählen, denn der Chef kocht seit Corona nur noch für Hausgäste. Kein Problem für uns – Bett, Bad, Bier und Braten sind uns gewöhnlicherweise genug. Unsere Wirte sind zwei fidele Holländer und sie sorgen ganz wunderbar für uns. Wir mögen Hohegeiß – Heureka!

Erste Harzquerung 2022 Teil 1: Auf dem Teufelsstieg von Bad Harzburg zum Brocken und weiter nach Schierke

Teil 1 unserer Brockentour an Walpurgis: Von Bad Harzburg nach Schierke, 22 Kilometer, 3 Stempel
gelaufen am 26. April 2022

„… Aber wart ihr denn auch schon auf dem Brocken?“ haben wir schon tausendmal gehört, wenn wir von unseren Stempelabenteuern berichteten. Der Brocken ist ein mystischer Ort, mit seinen 1142 Metern der höchste Berg des Nordens, sagenumwobener Hexentanzplatz und die Hälfte des Jahres im Nebel versunken. Auf seinem Gipfel herrschen angeblich Klimabedingungen wie in Island.

Aber auf keinen Fall soll man den Brocken im Sommer besuchen. Nicht am Wochenende, nicht bei gutem Wetter und auf keinen Fall nach Sonnenaufgang. Ansonsten werde man als ernsthafter Wanderer von Massen an Tagestouristen in Grund und Boden getrampelt. Millionen von Ostfriesen, Holländern und Dänen suchen angeblich seine zugigen Höhen auf und der „Brockenwirt“ sei der Ballermann des Nordens, so wurden wir gewarnt.

Alles Gründe für uns, den legendären Berg möglichst früh im Jahr zu besteigen. Dann haben wir es hinter uns. Am liebsten hätten wir ihn schon im April erklommen, aber da lag oben noch zu viel Schnee, Nun haben wir drei zusammenhängende Wandertage zur Verfügung und gute Wetteraussichten: Nun muss es also sein!

Wegen der drei Wandertage am Stück steht bei uns eine komplette Harzdurchquerung auf dem Plan: Von Bad Harzburg am nördlichen Harzrand über den Brocken nach Schierke, am nächsten Tag über das Grüne Band bis nach Hohegeiß und am dritten Tag über den Baudensteig bis zum Bahnhof nach Bad Sachsa, am südlichen Rand des Harzes. Unsere erste Mehrtagestour seit eineinhalb Jahren – Wir freuen uns wie Bolle!

Bad Harzburgs schmucker Bahnhof

Heute, an Tag eins unserer dreitägigen Tour, starten wir erneut am Jugendstil-Bahnhof von Bad Harzburg. Vor nur einem Monat sind wir dieselben zwei Kilometer bis zum Harzrand durch die City gewandert, aber die Wiederholung stört uns keineswegs – die stylische Bäderarchitektur begeistert uns schon wieder und wir sind beeindruckt von der Menge an Läden, Restaurants und Cafés, die unseren Weg durch die Innenstadt säumen.

Direkt an der Waldkante geht es bereits steil bergauf. Dieses Mal haben wir einen etwas anderen Weg zum Molkenhaus gewählt: Der „Teufelsstieg“ über die Ettersklippe ist viel schmaler und wurzeliger als der Weg, den wir beim letzten Mal genommen haben.

Zudem beeindruckt uns das fast knallige Grün der Buchen um uns herum. Grün, grüner am grünsten – mehr geht nicht!

Wir amüsieren uns ein wenig über die Beschilderung in Richtung Brocken: Am Rand von Bad Harzburg lesen wir „zwölf Kilometer“, aber gefühlte zwei oder drei Kilometer später sind es auf den nächsten Wegweisern immer noch zwölf!

Um auf den Gipfel des Brockens zu gelangen, bieten sich drei Möglichkeiten an: Man fährt mit der historischen, von einer Dampflok angetriebenen Brockenbahn nach oben. Das ist bestimmt ein schöner Zeitvertreib, aber damit fahren wir später mal, wenn die Eltern uns besuchen! 🙂

Mit dem Auto kommt man – Gott sei Dank – nicht direkt zum Gipfel. Die häufigste und einfachste Erklimmung gelingt vom Parkplatz „Torfhaus“ über den Goetheweg, auf dem es in etwa acht Kilometern 350 Höhenmeter zu überwinden gilt, ehe man beim Brockenwirt seine Bratwurst vertilgen kann. Wir aber entscheiden uns natürlich für den mühsamsten Fußweg zum Brocken: Zwölf Kilometer vom Bad Harzburger Baumwipfelpfad aus, 900 Meter Anstieg bis zum Brocken, auf dem TEUFELSSTIEG!

Natürlich wollen wir auf unserer Tour auch Stempel sammeln. Den ersten Abdruck auf dem Weg, den vom Molkehaus, haben wir schon. Die Mitarbeiter der Ausflugsbaude stellen morgens um zehn gerade die Schilder und Sitzpolster raus, als wir an der Baude vorbeilaufen. Macht nichts, denn unseren Kaffee haben wir schon in Bad Harzburg getrunken.

Das finden wir ziemlich toll an unserer neuen Heimat Harz: Die „Bauden“, die oft auf den Gipfeln der Harzer Berge liegen, sind viel zahlreicher und viel häufiger geöffnet als auf der Schwäbischen Alb. Das hat uns schon auf unser Deutschlandtour 2020 auf dem E6 verwundert – An einem stinknormalen Wochentag im Oktober landeten wir im Sprühnebel am Großen Knollen an und ergatterten das, was wir kaum zu hoffen gewagt hatten – einen heißen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen! (Allerdings hatten wir 2020 auf unserem DDLN noch keine Ahnung von der Stempelei und müssen deshalb bald auf jeden Fall noch mal zum Knollen, um den verpassten Stempel nachzuholen.)
Auch wenn wir heute also am Molkehaus nicht einkehren, finden wir es toll, dass wir es KÖNNTEN! Auf dem Brocken gibt es dann die nächste Einkehr-Möglichkeit und dann werden wir uns den Kaffee so richtig verdient haben.

Nach dem Molkehaus geht es auf dem Teufelsstieg erst mal bergab, ins Tal der Ecker. Uns erwartet ein wunderschöner Pfad entlang des Bachs, von Felsen umrahmt und mit grünen, gesund aussehenden Fichten umstanden. In den feuchten Tälern sieht der Wald insgesamt viel besser aus als im eher trockenen Oberharz. Hier gewinnt man einen Eindruck darüber, wie der Oberharz mal war, bevor der Borkenkäfer die Bäume befiel – dunkel, mystisch, moosig.

Der Blick auf den Staudamm des Eckerstausees ist ein kleiner Schock, denn plötzlich landet man gefühlt wieder in der Ziviisation. Oben auf der Staumauer begeistert dann aber der Blick auf das blaue Wasser und die heidebestanden Hänge des östlichen Seeufers. Das kleine, weiße Pumpenhäuschen in der Mitte der Staumauer wirkt fast mediteran, markiert aber auch die ehemalige Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland.

Schon bei unserer Tour auf dem Thüringischen Rennsteig hat uns das Wandern auf der ehemaligen Zonengrenze fasziniert. Noch immer empfinden wir es als besonderes Geschenk der Geschichte an unsere Generation, dass wir hier heute wandern dürfen, wo sich vor 35 Jahren noch Stacheldrahtzäune und Grenztürme befanden und Grenztruppen patrouillierten. Frei und selbstbestimmt leben zu dürfen, ist nicht selbstverständlich, auch nicht für uns aus dem „Westen“!

Was hier am Eckersee ebenfalls begeistert, ist das Fehlen von jedwedem Zivilisationslärm. Schön auch, dass das Ostufer so schön mit Heidekraut bewachsen ist. Hier müssen wir mal im August wiederkommen!

Aber zurück zur Wanderung: Noch ein besonderes Geschenk wartet auf uns am Ende der Staumauer – der Stempel mit der Nummer 1!

Um Wanderkaiser zu werden. muss man ja bekanntlich 222 Stempel gesammelt haben. Bis jetzt haben wir eher in der Nähe unseres Wohnorts gestempelt, also ist die fünfte bis siebte Seite unseres Stempelhefts schon ziemlich voll. Auf den ersten drei Doppelseiten haben wir jedoch noch gar keinen Stempel – das wird sich an dieser Dreitagestour ändern. Denn gleich nach dem wunderschönen Eckerstausee wird der Stempel mit der Nummer 2 auf uns warten.

Aber nein, ich bin zu blöd. Nach dem „Viehstall“, einem verfallenden Gehöft auf einer weiten Wiese mitten im Wald, beginnt der Kolonnenweg der ehemaligen Grenze. Was im Eckertal noch nicht richtig zu sehen war, springt einem hier förmlich ins Auge – Hier verlief die ehemalige Grenze zur DDR, mit Zaun, Todesstreifen und Grenzpatrouillen. Außerdem geht es ab hier, dem Frickenplatz, plötzlich ziemlich steil bergauf. Dass das irgendwann kommen musste, war uns schon klar – Nun heißt es das Ränzel schnüren und wacker bergauf steigen!

Vor lauter Vorfreude vergesse ich, dass sich direkt um die Ecke, bei der Ranger-Station, die Stempelstelle mit der Nummer 2 befindet. Dass wir dort auch einen Kaffee bekommen hätten, darf ich dem Friedel gar nicht erzählen!

Jedenfalls bemerken wir erst am Abend, dass wir statt vier Stempel nur drei neue im Stempelhaft haben. Wie blöd ist das denn? Da sind wir direkt an der Stempelstelle vorbei gelaufen!

Aber zurück zum Grenzweg … vor uns liegen nun 500 Meter Anstieg auf vier Kilometern – wahrhaftig teuflisch!
Wir nehmen uns vor, einfach ruhig und bedächtig nach oben zu steigen. Das gelingt uns erstaunlich gut, aber trotzdem schwitzen wir tüchtig. Links und rechts von uns ist viel Wald zerstört, aber zum Glück spendet uns die eine oder andere Fichtenschonung Schatten. Ein lustiger älterer Wanderer, der uns entgegenkommt, fragt uns strackfrech, ob wir denn heute wirklich noch bis ganz nach oben wollen. Erneut sind wir erstaunt, dass uns hier im Harz wildfremde Menschen einfach so ansprechen. Im Schwäbischen haben wir das fast nie erlebt!
Der Rentner aus dem Thüringischen ist ebenfalls Stempeljäger und ein paar Tage in Wernigerode zu Besuch. Es ist schön, dass sich durch die Stempelei häufig schnell ein Gesprächseinstieg ergibt und wir tauschen uns kurz über die schönsten Plätze in der Nähe aus. Solche kleinen, zwischenmenschlichen Begegnungen erfreuen uns, sieh einer an! 🙂

Den ganzen Aufstieg zum Brocken hin hören wir schon das Pfeifen der Brockenbahn. Die ist dann auch das beste am Brocken – die alte Bahn ist hübsch anzuschauen und bei unserem nächsten Besuch auf dem Gipfel werden wir auch mal damit FAHREN!

Oben ist es merklich kühl und es weht ein eisiger Wind. An schattigen Stellen liegen noch jede Menge Schneebretter und die Vegetation wirkt deutlich boreal. Krüppelkiefern, dicke Steine, Heidekraut – wir fühlen uns, als wären wir in Lappland!

Die touristischen Einrichtungen auf dem Brocken lassen uns ebenfalls kalt. Die Radarstation ist hässlich, die Brockenuhr langweilig, das Brockenhotel ist ein Betonklotz und die beiden Dependancen des „Brockenwirts“ können uns mit ihrem Kantinen-Flair auch nicht begeistern. Aber immerhin gibt es Kaffee und einen recht ordentlichen Apfelkuchen, wenn auch zu gesalzenen Preisen!

Am Brockenhaus sammeln wir unseren Stempel ein und machen uns bald wieder auf den Abstieg. Nur noch sieben Kilometer auf dem Teufelsstieg trennen uns von unserer Pension in Schierke und von nun an geht es permanent bergab. Ha, das ist doch eine unserer leichtesten Übungen!

Aber oh weh! Der Eckerlochstieg nach unten hat es in sich! Geradezu halsbrecherisch ist die Wegführung durch eine steinige Rinne mit dicken Steinen, in der man sich permanent fragt, ob man überhaupt noch auf dem Weg ist. Überall zwischen den Steinen rinnt Schmelzwasser den Hang hinunter und das Staken zwischen den dicken Steinen geht höllisch auf die Nerven und auf die Knie.

Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder auf die Brockenstraße treffen, beschließen wir, auf dieser zu bleiben und lieber auf Asphalt zu Tal zu traben, statt uns auf dem „Teufelsstieg“ die Haxen zu brechen. Dieser Weg ist einfach unverschämt steinig und unsere Konzentration lässt nach…

Erst um halb sechs kommen wir in Schierke in unserer Pension an und treffen auf eine verschlossene Tür. Zum Glück gibt es einen Schlüsselkasten und auf meinem Handy finde ich den Code für die Schlüsselausgabe. Im Zimmer halten wir uns aber nicht lange auf, wir duschen und machen und auf den Weg zum „Holzfäller“, denn wir haben Hunger!

Das Bier und unser Abendessen auf der Terrasse haben wir uns heute redlich verdient. Heute feiern wir den Beginn unserer ersten Mehrtagestour seit eineinhalb Jahren – und das bei bestem Wetter!

Harzer Hexenstieg – Sechs auf einen Streich!

Von Altenau über den Hexenstieg nach Torfhaus und über die Wolfswarte wieder zurück
19 Kilometer, 6 Stempel
Gelaufen am 25. März 2022

Ende März, als schon Frühling war und der Winter noch nicht zurückgekehrt war, hatten Friedel und ich eine Woche Urlaub.
Eigentlich wollten wir die Woche in erster Linie dafür nutzen, das Gästezimmer fertig zu renovieren. Aber bei dem schönen Wetter haben wir es dann doch nicht ausgehalten, die ganze Zeit in der Bude zu bleiben!

Eigentlich wollten wir uns die Stempelstellen auf dem Hexenstieg für eine „echte“ Fernwanderung aufsparen. Aber dann laufen wir das Teilstück später halt noch mal. Die Strecke von Altenau nach Torfhaus steht heute auf dem Plan, weil auf der Strecke gleich drei Stempelstellen liegen – und auf dem Rückweg über die Wolfswarte noch zwei weitere!

Wenn wir schon mal in Altenau sind, nehmen wir gleich am Morgen noch die Stempelstelle auf Altenaus Hausberg mit – die Köte Brockenblick liegt zwar nicht auf der Strecke, aber zwei Kilometer Umweg und einhundert Höhenmeter Aufstieg ist uns der Stempel wert.

Die Köte „Brockenblick“ auf dem Schwarzenberg über Altenau

Die Stempelstelle auf dem Schwarzenberg enttäuscht uns jedoch. Die Köte sieht aus wie ein mickriges Bushaltestellen-Häuschen und die Aussicht ist total zugewachsen – von Brockenblick keine Spur!

Schon so manches Mal haben wir uns gefragt, nach welchen Kriterien ein Plätzchen 2006/2007 zur Stempelstelle auserkoren wurde – und andere nicht. Über den ganzen Harz verteilt sind 220 besondere Plätze auf der Liste. Sie befinden sich in erster Linie in den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, aber einige Stempelkästen stehen auch auf Thüringer Grund. Die Auswahl ist schon lange abgeschlossen, mehr oder weniger Kästen werden es nicht.

An der Köte „Brockenblick“ stellen wir uns vor, wie die Honoratioren der Stadt Altenau damals, bei der Erstellung der Stempelkästenliste, so richtig Druck ausgeübt haben: Unsere Köte auf dem Schwarzenberg muss unbedingt einen Stempelkasten bekommen! Vermutlich wurden Drohungen ausgestoßen, dass Altenau sich gar nicht am System beteiligen würde, wenn die Köte Brockenblick keinen Kasten erhält. Vielleicht sind sogar Bestechungsgelder geflossen und am Ende hat der Touristenort Altenau gleich fünf Stempelkästen abgestaubt. Verarmte Bergwerkstädtchen, wie beispielsweise Wildemann, erhielten jedoch nur einen einzigen, einsamen Stempelkasten an der Prinzenlaube … Das finden wir voll gemein!

(Wildemann hat deshalb sein eigenes Stempelsystem ausgebaut, wie auch unser Heimatort Seesen. Hier stempeln wir auch schon … wir werden berichten!)

Auf dem Hexenstieg bei der kleinen Oker

Aber egal … auf dem Rückweg von der Köte gönnen wir uns in Altenau unseren ersten Terrassen-Kaffee des Jahres. Heute kommen bei uns glatt Urlaubsgefühle auf!

Auf dem Hexensteig gefällt es mir richtig gut. Der Weg führt immer am Dammgraben entlang, einem weiteren Attraktion des Oberharzer Wasserregals. Es plätschert allerorten und alle dreihundert Meter gibt es ein Wehr, einen Stichkanal oder Staustufen zu bewundern. Der Weg unter unseren Füßen ist mal wurzelig, mal etwas steinig, mal torfig – sehr abwechslungsreich!

am Dammgraben

Kurz vor Torfhaus geht es ordentlich bergauf und die Temperaturen steigen. Unglaublich, wie warm es im März schon werden kann!

Geschockt sind wir mal wieder über den Zustand des Waldes im Oberharz. Im Sommer würden wir hier nur ungern wandern. Wo es früher über liebliche schattige Waldwege ging, stehen heute nur noch Baumstümpfe am Wegesrand – hier wird einem im Sommer ordentlich eingeheizt!

Um die Stempelstelle „Jungfernklippe“ zu erreichen, nehmen wir einen weiteren kleinen Umweg auf uns – schließlich wollen wir heute ordentlich Abdrücke sammeln!
Blöd nur, dass wir dafür extra weiter nach oben steigen müssen.

Die Jungfernklippe von Weitem …
… und von Nahem!

Unsere Mittagsvesper nehmen wir im Schatten kurz vor Torfhaus ein. Als wir da gerade so schön sitzen, zieht ein schwerbepackter, recht übergewichtiger Hexenstieg-Wanderer an uns vorbei. Er prustet, er schnauft und flucht unentwegt vor sich hin – und sieht uns nicht!

In Torfhaus gibt es einen riesigen Parkplatz, einen Skilift, ein Outdoor-Activity-Center, diverse Lokale … also nichts für uns! Wir werden den Tourismus-Komplex ein anderes Mal besichtigen und schlagen uns kurz vor der Straße zurück in den Wald. Mittlerweile befinden wir uns aber auf über 800 Meter und natürlich liegt hier noch Schnee!

Im Torf bei Torfhaus
Auf dem Weg zur Wolfswarte

Zwar befinden wir uns nun schon wieder auf dem Rückwerg nach Altenau, aber ganz oben sind wir noch nicht. Unser höchster Punkt heute ist die Wolfswarte auf 900 Metern.

Es ist schon skurril, wenn einem beim Aufstieg so heiß wird, dass man sich die Hosenbeine hochkrempeln muss – aber gleichzeitig durch den Schnee tappt.
Zum Glück ist der Schnee nicht mehr gefroren, sondern um die Mittagszeit angetaut. Bei jedem Schritt sinken wir weich ein und haben trotz Schnee einen festen Tritt. Später, beim Abstieg von der Wolfswarte, werden wir glücklich darüber sein!

Auf der Wolfswarte

Oben auf der Höhe hat man bei klaren Wetterverhältnissen bestimmt einen tollen Blick. Heute ist es jedoch diesig und der Ausblick eher mäßig. Wir wundern uns, dass an einem normalen Wochentag im März hier so viel los ist. Neben uns haben noch vier andere Wanderparteien den Weg auf den steinigen Gipfel gefunden.

Auf dem Rückweg laufen wir über einen endlosen, verschneiten Forstweg schnurgerade zu Tal. Friedel fängt hier ein wenig das Maulen an: Das monotone Stapfen durch den Schnee nervt und ihm hat die heutige Wanderung nicht sonderlich gut gefallen, was man im Nachhinein auch an der Menge der Bilder sieht, die er fotografiert hat. Ich hingegen fand den Weg heute schön abwechslungsreich und interessant. Manchmal kann man gar nicht richtig begründen, warum einem die eine Wanderung besser gefällt als die andere – oft sind es die Tagesform und die Stimmung, die das eigene Urteil beeinflussen. Das Wetter, aber auch das Licht beim Fotografieren sind weitere Faktoren, die einem die Tour vermiesen oder versüßen können.

Die letzte Stempelstelle heute, „Gustav-Baumann-Weg“ tituliert, ist so langweilig, wie sie klingt. Zwar sollen sich hier in der Nähe Felsen befinden, aber wir sehen nichts davon. Der Stempelkasten steht gänzlich unspektakulär in einer Pfütze unter Fichten am Wegesrand und Ausblicke gibt es hier auch nicht. Womit sich dieser Ort den Stempelkasten verdient hat, erschließt sich uns nicht – Friedel ist der Spot nicht mal ein Foto wert!

Kurz vor Altenau verlassen wir den breiten Forstweg und wir laufen das letzte Stück entlang einer schönen Waldwiese, bevor es steil nach unten zurück zum Parkplatz geht.

Auch wenn die heutige Wanderung nicht zu den schönsten Touren bisher gehört, haben wir heute viele Stempel gesammelt und frühlingshafte, fast sommerliche Temperaturen genossen. Und das schon im März!

Waldwiese kurz vor Altenau

In Bad Harzburg tanzt der Bär, aber in Kamschlacken schlummert er noch!

Blick zum Brocken

Bad Harzburger Rundtour, 17 Kilometer, 4 Stempel, gelaufen am 11.03.2022
Riefenbeek-Kamschlacken, 16 Kilometer, 2 Stempel, gelaufen am 17.03.2022

Verrückt, wie warm dieser März schon ist. Auf der einen Seite sind wir erfreut, denn so gibt es einige wunderbare Wanderstunden mit strahlendem Sonnenschein und T-Shirt-Temperaturen. Aber findet ihr es nicht auch befremdlich, dass es im März schon so frühlingshaft warm ist?

Nach Bad Harzburg können wir ohne Umsteigen mit dem Zug fahren, also lassen wir das Auto dieses Mal stehen. Seitdem wir wieder selber fahren, kriegen wir viel weniger mit von den Orten, in deren Umgebung wir laufen. Der lange An- und Zurückmarsch zwischen Bahnhof und Wanderparkplatz entfällt bei der Anfahrt mit dem Auto – Heute jedoch marschieren wir durch ganz Bad Harzburg, bevor wir die Waldkante erreichen.

Die Stadt beeindruckt durch stylische Bäder-Architektur. Hier kurten einst die Reichen und Schönen, aber die glorreiche Zeit des Bäder-Tourismus ist schon lange vorbei. Die Stadt versucht deshalb heutzutage, Besucher durch „Erlebnisse“ anzulocken – es gibt eine Seilbahn auf den Burgberg, einen Baumwipfelpfad, eine Baumschwebebahn …

Der Einstieg zum Baumwipfelpfad

Außerdem beginnt direkt hinter der Stadt der Nationalpark Harz. Bisher haben wir ja nur Touren im Westharz unternommen und da gibt es nur den Harz, aber nicht den „Nationalpark Harz“. Heute erwarten wir also die Wildnis pur!

Was unterscheidet nun also den Harz vom Nationalpark Harz? Nun, zum Einen gibt es überall Bänke mit dem Nationalpark-Enblem und schickere Wegweiser. Da die vom Borkenkäfer zerstörten Bäume stehen gelassen und nicht gefällt und abtransportiert werden, sind die Wege nicht so zerfurcht und verschlammt – Aber die Baumgerippe, die hier überall in den Himmel ragen, sind nun wirklich kein schöner Anblick, finden wir …

Interessant ist, dass die Bäume, die hier natürlicherweise nachwachsen, keine Fichten mehr sind, sondern Birken. Wir fragen uns, wie der Wald hier im Nationalpark wohl in zwanzig Jahren aussehen wird.

Unsere erste Stempelstelle heute ist das Gasthaus Molkenhaus, das zu dieser frühen Stunde noch geschlossen ist. Trotzdem ist es erstaunlich, wie viele Leute außer uns schon unterwegs sind – dabei hat die Wandersaison noch gar nicht richtig angefangen!

am Molkenhaus

Das Molkenhaus liegt direkt am „Teufelsstieg“, der kürzesten, aber auch steilsten Wanderroute zum Brocken. Wir überlegen kurz, statt der geplanten Rundtour heute zum Brocken zu marschieren. Aber wie wir von Weitem sehen, liegt oben am Brockenhaus noch Schnee. Den Aufstieg werden wir deshalb lieber später im Jahr angehen, denn das Stapfen über glitschige und vereiste Wege schreckt uns. Heute laufen wir lieber weiter zur Rabenklippe.

Rabenklippe

Die Klippe finden wir beindruckend und es gibt einen tollen Ausblick von der Aussichtsplattform. Nicht so toll finden wir, dass sich die Stempelstelle erst hinter der Terrasse des anliegenden Gasthauses befindet und wir uns zwischen gut gelaunten Wanderern an vollbesetzten Tischen hindurchzwängen müssen. Zum ersten Mal in unserer Stempelkarriere müssen wir an einem Stempelkasten in der Schlange stehen. Was machen die bloß alle hier?

Noch voller wird es auf dem Weg zum „Kreuz des Ostens“. Ganze Wandergruppen kommen uns entgegen und was uns am meisten stört – sie sind laut! Wir können absolut verstehen, dass unsere Mitmenschen gleich wie wir die Sonne und die Natur suchen – Aber muss man dabei denn solch einen Lärm machen?

Friedel und ich stammen beide aus Flüchtlingsfamilien und am Kreuz des Ostens posiere ich deshalb am Stein meiner Herkunftsprovinz mütterlicherseits. Meine Omi stammte aus Pommern, meine Oma aus Danzig. Bei Friedel ist die Lage leider komplizierter, für ihn gibt es keinen Stein.

Als wir an unserer letzen Stempelstelle, dem Burgberg ankommen, ist gefühlt halb Niedersachsen hier. Auch wenn wir uns eigentlich die ganze Zeit draußen aufhalten, habe ich Angst, uns hier Corona einzufangen.

Der Außenbereich des Gasthauses auf dem Burgberg ist voll gefüllt und jede Bank mit Blick auf das Harzvorland ist besetzt. Auch hier müssen wir uns wieder einreihen, um an unseren Stempel zu kommen – nichts für Steffi!

Schön warm ist es an diesem ersten Frühlingstag im März – aber für meinen Geschmack ist es hier echt zu voll. Am nächsten Samstag suchen wir uns etwas Ruhigeres!

Blick auf Kamschlacken und den Söse-Stausee

Und so soll es auch sein. Am folgenden Samstag ist es genauso warm und schön, aber dafür viel einsamer!

An der ersten Stempelstelle, dem Leonorenblick, da lachen wir noch.

Wir Blödis haben nämlich nicht einkalkuliert, dass uns unser Weg heute auf über 800 Höhenmeter führen wird. Hier oben liegen aber noch jede Menge Schnee und Eis!

Diese Tatsache könnte man ja eigentlich ganz witzig finden und wir lachen auch erst mal ausgiebig. Aber dann treffen wir auf jede Menge vereiste Stellen und an einigen Stellen bleibt uns nichts anderes übrig, als quasi auf dem Hosenboden nach unten zu rutschen. Aber immerhin treffen wir hier oben auf dem Reitstieg zwischen Hanskühnenburg und Stieglitzeck fast keine anderen Wanderer! 🙂

Auch an den Hammersteinklippen sind wir fast ganz allein. Als wir um eine Felsenecke biegen, erschrecken wir eine einsame ältere Wanderin, die dort ihre Mittagspause eingelegt hat. Wir schüchtern sie so ein, dass sie glatt das Weite sucht – und wir haben die Klippen ganz für uns!

Unterhalb der Klippen finden wir ein nettes Plätzchen für unsere Mittagspause. Ich persönlich finde es viel netter, auf einer Bank im Wald meine Thermoskanne auszupacken als auf einer überfüllten Restaurant-Terrasse zu sitzen. Friedel ist da weitaus geselliger als ich, ihn schrecken die vielen Touristen deutlich weniger.

Am „großen Wehr“, der zweiten Stempelstelle des heutige Tages, hat sich der Himmel stark bewölkt und es kommt ein fieser Wind auf. Aber immerhin sind wir raus aus dem Schnee, auch wenn der Weg zum alten Wehr verflixt steinig ist!

Auch das große Wehr an der Morgenbrodshütte ist Teil des UNESCO-Weltkurturerbes „Oberharzer Wasserregal“. Hier fließt ein Teil der Söse und eines anderen Baches in Richtung der großen historischen Bergwerke bei Clausthal-Zellerfeld. Das Kanalstück hier ist etwas mehr als vier Kilometer lang und mündet weiter unten am Berg in den längsten der Oberharzer Wasserkanäle, dem Dammgraben.

Zurück zum Parkplatz geht es ständig bergab, mal wieder über einen der typischen breiten Forstwege, die wir im Harz nicht so mögen. Aber da es mittlerweile regnet und dann sogar schneit, sind wir froh, dass wir schnell vorankommen.

Insgesamt hat mir die Tour bei Kamschlacken viel besser gefallen als die in Bad Harzburg. ich mag’s halt gern einsam und wild und halte mich lieber fern von spektakulären Hängebrücken, Seilbahnen und anderem Gedöns. Zum Glück gibt es im Harz etwas für jeden Geschmack!

… und wir stempeln wacker weiter!

Blick vom Försterstieg auf den Granestausee

Stempeltour 9: Von der Granetalsperre über die Bärenhöhle zum Steinbergturm bei Goslar
gelaufen am 28. Februar 2022: 13 Kilometer und zwei Stempel

So langsam gehen uns die Stempelstellen in der Nähe aus. Mittlerweile haben Friedel und ich fast alle Kästen in maximal dreißig Kilometern von Seesen abgegrast. Das Wichtige ist dabei eigentlich nicht das zwanghafte Sammeln der unscharfen Abdrücke in die kleinen Heftchen, sondern dass wir beim Stempelspaß einige Highlights des westlichen Harzes kennenlernen konnten, die wir als Neuharzer nicht sofort selbst entdeckt hätten.

Am besten gefällt es uns bisher an der Granetalsperre. Schon bei unserer ersten Wanderung in der neuen Heimat, auf dem E11 von Goslar nach Seesen, standen wir staunend auf der Staumauer und blickten auf die weite Wasserfläche und die waldigen Hügel dahinter. Das Besondere an dieser Talsperre ist, dass keine Straße am Stausee entlang führt und dass die Uferlinie so schön verschwurbelt ist. Das Schöne an Seen ist für uns nämlich nicht die Wasserfläche, sondern das, was an den Ufern zu sehen ist.

Der Graneseee wirkt auf uns geradezu skandinavisch, vor allem auch, weil das Ostufer so schön mit Birken bestanden ist.

Der erste Stempelkasten befindet sich auf einer Halbinsel in einer netten Schutzhütte, in der wir mal gern einen lauen Sommerabend verbringen würden – diese Stelle merken wir uns!

Von hier aus könnten wir, wenn wir denn wollten, direkt den Berg hoch zur nächsten Stempelstelle eilen und die heutige Tour erheblich abkürzen. Wir wollen jedoch noch zur Bärenhöhle und laufen deshalb noch ein wenig weiter am Seeufer entlang – und es gibt fürwahr unangenehmere Umwege!

Zur Bärenhöhle quälen wir uns einen fiesen Anstieg auf einem zerfurchten Forstweg hoch. Was die Forstleute hier im Harz mitunter veranstalten, ist eine echte Sauerei. Natürlich ist es ein Argument, dass das Totholz aus dem Wald entfernt werden muss. Aber muss man die Wege dafür so extrem zerfahren? Wie gut, dass der Boden noch gefroren ist, sonst würden wir hier knöcheltief im Matsch einsinken.

Die Bärenhöhle ist gar keine richtige Höhle. Überall im Westharz gibt es alte, aufgegeben Stollen und dieser hier ist auch so einer. Besonders ist dabei, dass der Eingang in einer dunklen Senke liegt und man dorthin ein wenig über Felsen klettern muss. Das Ganze wird dadurch zu einer kleinen Attraktion, auch wenn die Höhle nicht echt ist. Leider ist der Eingang versperrt, aber wir haben auch nichts anderes erwartet.

Über schmale Wege geht es weiter nach oben zu unserer zweiten Stempelstelle auf dem Steinberg. Da viele Wanderwege im Harz über breite Forstwege verlaufen, freuen wir uns über den schönen Pfad, auch wenn es dabei einige Hindernisse zu überwinden gilt.

Normalerweise stehen wir nicht so auf Aussichtstürme. Viele der oft hässlichen Gerippe aus Holz oder Eisen verschandeln so manch schönen Berg, aber der Steinbergturm ist da eine Ausnahme – hübsch ist er, der alte Steinturm!

Vor dem Turm ist auch schon der grüne Stempelkasten zu sehen. Wie so häufig ist dieser merkwürdigerweise mal wieder so hoch angebracht, dass ich mit meinen recht normalen 1,65 Metern Körpergröße nicht an den Stempel herankäme, wenn da nicht ein Holzklotz als Stufe dienen würde. Schon komisch … Warum sind die Ständer oft so hoch?

Eigentlich hatten wir gehofft, von oben einen schönen Blick auf Goslarer Altstadt und die Kaiserpfalz zu erhaschen. Aber genau in dieser Richtung versperren einige hohe Bäume die Sicht. Dafür lohnt sich der Blick auf die andere Seite, in Richtung Granetalsperre.

Der Rückweg erfolgt zunächst über einen glitschigen, supersteilen Weg nach unten in Richtung Goslar. Wir erwägen, in der markigen „Schutzhütte des Goslarer Handwerks“ eine Pause einzulegen, aber leider liegt sie im Schatten. Nee, also wenn schon eine Pause, dann doch bitte in der Sonne!

Der Name der Hütte mutet fast sozialistisch an!

Eigentlich wollen wir ab hier auf dem Harzer Försterstieg weiterlaufen, einem neuen Fernwanderweg, der mit 60 Kilometern von Riefensbeek-Kamschlaken nach Goslar längs durch den Westharz verläuft. Aber leider verfransen wir uns und landen auf einer wunderschönen Wiese. Diese liefert uns von oben einen tollen Blick in das Tal, durch das wir eigentlich laufen wollten. Wir sagen nur – Glückes Geschick für diesen Blick!

Der Försterstieg führt uns dann in pittoresker Halbhöhenlage entlang des Granesees zurück zum Parkplatz. Auch dieser Weg gehört zu einem der Highlights des Westharzes, finden wir – rechts moosige Felsen und mit Heidekraut bewachsene Hänge, links der Blick durch Birken hinunter zum Granesee. Wir sind begeistert!

Wir nehmen uns vor, diesen Pfad noch einmal zu laufen, wenn es ein wenig wärmer geworden ist. Der Weg heute hat uns ausnehmend gut gefallen und er liegt gar nicht weit von unserem Wohnort entfernt. Wir sind gespannt, welche Highlights uns dann erst im Oberharz erwarten! Sirenengleich rufen uns die großen Attraktionen „Brocken“, „Hexentanzplatz“ und „Teufelsmauer“ … Aber besser kann es doch eigentlich gar nicht mehr werden, oder?

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