DDLN Etappe 56 und 57: Durchs Braunschweiger Land von Weddel nach Wahrenholz

14.05.2022: Weddel nach Fallersleben, 26 Kilometer
15. 05.2022: Fallersleben nach Wahrenholz, 33 Kilometer

Was bisher geschah:
Erinnert ihr euch noch, dass wir 2019 und 2020 von Schaffhausen an der Schweizer Grenze bis nach Goslar am südlichen Harzrand gelaufen sind? Wir haben dabei den Schwarzwald, den Schwäbisch-Fränkischen Wald, die Fränkische Schweiz, Oberfranken, den Rennsteig, das „Grüne Band“, das Eichsfeld und den Harz durchwandert. Über 1300 Kilometer sind wir auf DDLN „Deutschland der Länge nach“ gelaufen – dem Weg, den wir uns selbst ausgedacht haben. Ihr erinnert euch nicht? Wir aber schon! 🙂

In Goslar war dann 2020 erst mal Schluss. Nur 25 Kilometer westlich von unserem letzten Zielort haben wir uns in Seesen ein altes Fachwerkhaus gekauft und sind im November 2021 endgültig vom Ländle an den Harzrand gezogen. Seitdem haben wir abgerissen, verputzt, geweißelt und lediglich kleine Touren unternommen, um den Harz und unsere neue Heimat kennenzulernen. Aber jetzt – eineinhalb Jahre nach unserer letzten längeren Tour – geht es endlich weiter auf unserem DDLN!

Sieben Tage Wandern von Braunschweig bis zur Elbe liegen vor uns. Mit dem Harz haben wir dabei das letzte Mittelgebirge hinter uns gelassen. Von hier bis nach Flensburg wandern wir durch Flachland – Für uns als Freunde des Mittelgebirges ein echtes Novum!

Die ersten drei Etappen von Goslar nach Braunschweig-Weddel lassen wir erst mal aus: Sie lassen sich durch Tagestouren erwandern und wir laufen sie später an Wochenenden. Ab Braunschweig würde die An- und Abfahrt drei Stunden überschreiten – zu lang für uns, um das bequem an einem Tag zu fahren. Wir beginnen unsere Reise also in Weddel östlich von Braunschweig, weil es dort einen Bahnhof gibt. Dafür laden wir ein Tagesticket des „Verkehrsverbunds Region Braunschweig“ auf unsere Handys – So billig war noch keine unserer Anreisen in den Urlaub!

In Weddel bei Braunschweig geht es dann los. Am Ortsrand verläuft der E6 – auf dem waren wir schon 2020 unterwegs und wir werden dem Weg im Großen und Ganzen bis Flensburg folgen. Da aber unterwegs die Unterkünfte rar sind, werden wir den Weg immer wieder mal verlassen und die eine oder andere Abkürzung einbauen. Gern würden wir jeden Schlenker des Europäischen Fernwanderwegs mitnehmen. Das würde jedoch zu Etappen von über 35 Kilometern führen und das sollte eher die Ausnahme bleiben!

Vom Bahnhof Weddel aus sind wir recht schnell in Wald und Flur. Die Landschaft ist nicht spektakulär, aber die Sonne scheint, der Kuckuck ruft und der Raps blüht und duftet. Im Mai ist (fast) jede Landschaft schön!

Was uns heute gut gefällt, sind die vielen naturbelassenen Wege. Kaum einen Meter wandern wir auf Schotter oder Asphalt. Nur dann, wenn wir einen der wenigen Orte auf der Strecke durchlaufen, müssen wir Pflaster treten.

In Wendhausen haben wir das Gefühl, nun endgültig im Norden angekommen zu sein – zum ersten Mai auf DDLN sehen wir eine echte Windmühle!

Viele alte Bäume säumen unseren Weg. Unter einem von Ihnen verbringen wir unsere Mittagsrast und beobachten mit der Teetasse in der Hand, wie die Eichhörnchen die Bäume rauf und runter flitzen. Die Szenerie hier ist zwar nicht ganz so spektakulär wie im Harz, aber schön ist es hier auch!

Tatsächlich hatten wir vor unserem Urlaub eigentlich gar keine richtige Lust, weiter in Richtung Norden zu laufen. Unsere neue Heimat am Harz begeistert uns immer noch sehr und wir hätten uns auch gut vorstellen können, unsere Urlaubswoche in der Nähe zu verbringen, zum Beispiel im Ostharz, wo wir noch gar nicht waren. Aber der läuft uns nicht weg – Wir werden ihn an Wochenenden erkunden!

Unser Zielort Fallersleben liegt eigentlich gar nicht auf dem E6, aber nur dort ist Bett, Restaurant und Frühstück zu ergattern. Gern nehmen wir die zusätzlichen Kilometer fernab der eigentlichen Strecke in Kauf, um am Abend im historischen Brauhaus der Stadt zu sitzen und dabei auf den Fallersleber Schlosspark zu blicken. Ein würdiger Ausklang unseres ersten Wandertags!

Das alte Brauhaus von Fallersleben
Schloss Fallersleben

Der berühmteste Sohn der Stadt ist übrigens August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text zur Deutschen Nationalhymne schrieb. Aber nicht nur das – auch diverse, typisch deutsche Kinderlieder stammen aus seiner Feder: „Alle Vögel sind schon da“, „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Kuckkuck, Kuckkuck, ruft’s aus dem Wald“. Auf unserem Weg von Weddel nach Fallersleben haben wir verstanden, woher August Heinrichs Inspiration stammte – aus der lieblichen Frühlingslandschaft des Braunschweiger Landes und den ständigen Kuckkucksrufen, die uns begleiten!

Diverse Hotels und Pensionen in Fallersleben standen zur Auswahl. Wir haben uns blöderweise für die glattgebügeltste und gesichtsloseste Unterkunft entschieden. Das Hotel ist korrekt modern und das Frühstück guter Standard – aber ein bisschen charaktervoller könnte es aber schon noch werden!

Unser zweiter Wandertag im Braunschweiger Land bricht an – und die Sonne scheint ganz heftig!

Neulich am Elbe-Seitenkanal

Heute ist „Canal Walking“ angesagt. Sehr gern sind wir immer in Mittelengland an den Kanälen entlang gewandert, die in der Frühzeit der Industrialisierung dem Transport von Kohle und Erzen diente. Solche Wasserwege gibt es auch in Deutschland – aber statt romantischer Narrowboats mit winkenden Freizeitkapitänen sind in Deutschland echte, vollbepackte Kähne unterwegs.

Wir hatten es uns sehr hübsch vorgestellt, am Mittelland- und am Elbe-Seitenkanal entlang zu wandern. Wir hofften, quakende Enten und ihren Nachwuchs im Dickicht der Rohrkolben verschwinden zu sehen. Stattdessen erwarten uns hoch technisierte Wasserstraßen.

Nun, hätten wir uns an die exakte Wegführung des E6 gehalten, wären wir heute 45 Kilometer durch Wald und Feld unterwegs gewesen. Die Wirtschaftswege an den Kanälen versprechen jedoch eine Abwechslung zu der Wald- und Wiesenroute gestern und dabei können wir noch einige Kilometer sparen. Die historische Stadt Gifhorn lassen wir also aus und kürzen ab über den Elbe-Seitenkanal.

Zum Glück gibt es am Elbe-Seitenkanal durchaus schöne Ecken. Teilweise ist die Uferlinie hübsch eingewachsen und wirkt fast natürlich. Auch die eine oder andere Entenfamilie fühlt sich auf dem Kanal wohl.

Aber der Tag wird immer heißer und die Wirtschaftswege am Kanal spenden kaum Schatten. Noch nie haben wir bei einer Wanderung Mitte Mai solche Temperaturen erlebt!

Noch dazu nervt, dass wir hier am Kanal fast die einzigen Fußgänger sind. Heute ist Sonntag und der Weg am Kanal dient vor allem als Schnellfahrstrecke für Radfahrer. Friedel und ich können immer nur hintereinander gehen – und dabei den schmalen Schatten der Bäume suchen.

Rechts des Weges ändert sich die Landschaft – Der Boden wid zunehmend sandiger und Kiefer und Birke dominieren die Wälder am Ufer des Kanals. Wir nähern uns der Lüneburger Heide!

Eigentlich lieben wir es, auf unbefestigten Wegen zu wandern – Aber hier stapfen wir lange Strecken durch Pudersand: Ganz schön anstrengend! Aber besser als Pflastertreten ist der Sand allemal.

Am Bernsteinsee hoffen wir auf einen Kaffee, denn hier gibt es einen Campingplatz und eine Wasserski-Anlage. Der Badesee, so lesen wir bei Wikipedia, entstand 1970 beim Bau des Kanals. Hier wurde damals eine halbe Million Kubikmeter Sand entnommen. Vom Wall am Kanal aus sehen wir jedoch, dass der Strand und das Strandcafé pickepackevoll sind. Da habe ich mal wieder gar keine Lust, mich für einen Kaffee anzustellen und Friedel hat dafür zum Glück Verständnis. Wir haben noch Tee in der Thermoskanne und suchen uns lieber ein schattiges Plätzchen im Wald, so beschließen wir.

Am Bernsteinsee verlassen wir nämlich den Kanalweg und betreten das „Große Moor bei Gifhorn“. Auf unser Wanderkarte sieht es so aus, als wenn es den ganzen restlichen Weg bis zu unserem heutige Endziel durch Wald laufen. Da wird sich doch wohl ein schattiges Plätzchen für eine Pause finden lassen!

Nun ja .. mitten auf den Weg könnten wir uns setzen … links und rechts des Weges blubbert nämlich ein echtes Moor! Wir halten Ausschau nach einem Baumstamm, Steinen zum Sitzen oder einem trockenen Rasenstück – Aber Kilometer auf Kilometer finden wir kein geeignetes Pausenplätzchen. Außerdem treffen wir hier im Moor auf eine Spezies, die wir aus den Mittelgebirgen kaum kennen … Mücken! Jede Menge Mücken!

Friedel kann nur dann fotografieren, wenn ich ihm dabei die Mücken vom Leib halte. Das Moor ist durchaus fotogen, aber jeder Stillstand zieht die Biester scharenweise an.
Mit den Arme fuchtelnd sausen wir auf den schnurgeraden Wegen durchs Moor und beneiden ausnahmsweise mal die Radfahrer, die an uns vorbei sausen. Wandern im Norden unserer Republik stellt uns vor ganz neue Herausforderungen!

Im Wald treffen wir zudem auf einige interessante mechanische Objekte. Wir erfahren, dass es sich um Pumpen für die ÖLFÖRDERUNG handelt!

Heimisches Erdöl liegt gerade voll im Trend. Wir erfahren jedoch, dass die Förderung hier im Landkreis Gifhorn sehr kontrovers diskutiert wird. Das können wir uns gut vorstellen, denn wer will schon gern Ölförderungsanlagen vor der Haustür haben?

Kurz vor unserem Tagesziel Wahrenholz treten wir aus dem Wald heraus und stehen sogleich am Lokalbahnhof, vor der heruntergelassenen Schranke. Der Zug von Gifhorn nach Uelzen fährt ein (nach unserem Wanderurlaub werden wir genau diese Stecke mit dem Zug fahren und uns wundern, dass wir das alles gewandert sind ).

An der Schranke spricht uns ein radelnder Familienvater an: „Ja wat denn? Haben wir euch nicht noch eben am Kanal gesehen?“ Es stellt sich heraus, dass uns die Familie am Elbe-Seitenkanal mit den Fahrrädern überholt hat, in Wahrenholz „mal schön Kaffeetrinken“ war und uns nun auf dem Rückweg wieder trifft. Ob wir denn tatsächlich die ganze Strecke zu Fuß gelaufen seien?

„JA ALTER VERWALTER!“ grölt unser Fan begeistert – Das sei ja nicht zu fassen, dass wir die ganze Strecke sooo schnell gelaufen seien! Wir sind ein wenig peinlich berührt, fühlen uns aber auch ein wenig geschmeichelt. So schnell waren wir doch nur wegen der Mücken!

In Wahrenholz fällt uns zum ersten Mal die typisch norddeutsche Backstein-Architektur auf: Die Kirche ist rot, die Apotheke, das Rathaus und der Gasthof. In Letzterem übernachten wir und der Wirt drückt uns beim Einchecken drei Schlüssel in die Hand – „Die drei Zimmer sind frei, sucht euch einfach eins aus!“

Am Abend sitzen wir noch lange auf der Terrasse, während nebenan die Kegelbrüder feuchtfröhlich ihre Würfe feiern. Auf der Speisekarte gibt es Schnitzel, Schnitzel und … Schnitzel. Wahlweise mit Pommes, Wedges oder Bratkartoffeln.
Egal – echte Athleten brauchen Energie!

2 Antworten auf “DDLN Etappe 56 und 57: Durchs Braunschweiger Land von Weddel nach Wahrenholz”

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