Variante Tag 46: Hulme End nach Tideswell, 26km

Mauern statt Hecken, eine englische Karten-Kuriosität, viel Wasser, die perfekte Unterkunft … und endlich ein Wetter!

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Heute erwartet uns ein toller Tag voller Abwechslungen. Am Morgen geht’s weiter am River Manifold entlang, mittags über die satten Wiesen im Kalkstein-Land und am Nachmittag der Abstieg in das Millers Dale und weiter durch das Monks Dale bis nach Tideswell.

Schon als wir am Morgen aufwachen, lacht die Sonne ins Zimmer. Der erste Gang vor die Tür zeigt aber, dass es noch empfindlich kalt ist: Die Wiesen sind grau von Rauhreif und es weht eine kühle Brise. Aber wir wollen ja nicht meckern – Der Wetterbericht verhieß einen bedeckten Tag!

Nach einem guten gehaltvollen englischen Frühstück mit Fried Bred (in Fett gebratetenem Toast), Black Pudding (gebratener Blutwurst) und den üblichen Bohnen, gebratener Tomate, Wurst und Schinken sind wir gerüstet für den Tag. Zwar sind einige Pubs auf dem Weg eingezeichnet, aber ob die geöffnet haben? Vorräte haben wir kaum noch.

Zunächst geht es weiter am River Manifold entlang. Heute allerdings nicht mehr über den Bahnweg, sondern über Country Lanes und durch Marschland. Zum Glück ist es relativ trocken und trotz einiger Fehtritte in den Matsch halten die wasserdichten Socken. Hier unten am Fluss ist es windgeschützt und wir ziehen zum ersten Mal unsere Windbreaker aus, yeahh!

Außerdem sind wir nun in Derbyshire und der Unterschied ist offensichtlich: Obwohl wir nach dem Manifold Trail nur über lokale “public footpaths” laufen, erkennt man: Diese Wege werden BEGANGEN! Wir bedanken uns recht herzlich bei den Bauern in Derbyshire, die die Stiles pflegen, Brücken setzen und Steine auf matschige Stellen legen. So gehört sich das!

Ein besonderes Highlight des Tages sollte die Durchquerung eines großen Kalksteinbruchs sein. Auf der Karte führt ein Weg mittendurch. Abenteuerlich!

Tatsächlich müssen wir vorher erst mal einen ordentlichen Berg über sattgrüne Wiesen und zahlreiche Stiles hochsteigen. Das erste Mal auf dieser Tour geraten wir richtig ins Schwitzen. Je höher wir aber steigen, desto mehr weht wieder der Wind. Also Jacken wieder an, wieder aus, wieder an … 🙂 Oben auf dem Berg erwartet uns der perfekte Blick in die Dales: Mauern, Schafe, Wiesen, spitze Berge und fotogene Wolken. Auf der anderen Seite aber klafft der Abgrund – der Berg ist komplett abgeschnitten und unter uns liegt der größte Steinbruch, den wir je gesehen haben! Als wir aber den Weg durch den Steinbruch suchen, werden wir enttäuscht – Es gibt keinen! Da, wo er laut unserem GPS und Karte beginnen soll, geht es 100 Meter tief steil nach unten, geschützt durch einen Zaun!

Wir stellen uns vor, wie Ordnance Survey die Zähne fletscht: ¨Hier befindet sich ein historisch beurkundeter Fußpfad! MITNICHTEN werden wir diesen auf unseren Karten löschen! Wir sind die königliche Instution, die die Hand auf die Bewahrung solcher Wege hält!¨ Englische Right-of-Way-Intrigen? Tja, aber der Weg ist nun einfach nicht mehr da!

So bleibt uns nicht anderes übrig, als den langen Weg um den Steibruch herum anzutreten. Auf einem gut ausgetretenen Pfad, der nicht auf der Karte eingezeichnet ist, ts ts ts! 😉

Nach diesem Hindernis treffen wir nach der Überquerung einer dichtbefahrenen Bundesstraße (wir hoppeln darüber wie die Hasen!) auf den Limestone Way, der uns bis ins Millers Dale führt. Hier bekommen wir nach einem Kniekracher-Abstieg endlich unseren wohlverdienten Kaffee an der Mühle.

Der Limestone Way hätte uns über die Hochebene am Monks Dale vorbeigeführt. Wie aber haben uns für den etwas längeren Weg durch das Tal entschieden. Uns erwartet ein wundervoller, romantischer Abschnitt mit einem plätschernden Wasserlauf und steilen Wegen links und rechts. Ganz klar das Highlight des Tages!

Wir fragen uns, warum der Limestone Way dieses wunderschöne Tal auslässt … Im oberen Teil des Tals wissen wir es dann: Es geht zwei Kilometer über glitschigste Steine, durch Modder und über einen Knöchelbrecher-Pfad, der eigentlich das Bachbett selber ist. Carla, du wärst gestorben! 🙂

Trotzdem sind wir begeistert von diesem Dale … Die letzten zwei Kilometer entlang einer engen, mauereingefassten Straße bis nach Tideswell sind ein fairer Preis dafür.

Das Horse and Jockey Inn ist ein gemütliches, lebendiges Pub mit tollen Zimmern – und auch nicht teurer als andere, wesentlich schlechtere Unterkünfte, die wir sonst so hatten. Ein Zimmer mit Himmelbett und Sofa, alten Möbeln und dem Charme der Vergangenheit – das mögen wir!

Variante Tag 45: Cauldon Lowe nach Hulme End, 19km

Eine Sonne, die nicht wärmt, ein Fluss, der nicht in seinem Bett ist, ein Pfad, der für einen sorgt – und trockene Füße.

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Heute ist ein halber Ruhetag: Nur 19 Kilometer und kein Matsch!

Aber vor der Freude kommt der Ärger: Das miese Campingplatz-Inn in Cauldon Lowe macht uns kein Frühstück! Auf der “booking.com” Seite haben sie noch damit angegeben, aber weil wir anscheinend die einzigen Gäste sind, bleibt die Küche kalt. Stattdessen verweisen sie uns freundlich an den nächsten Pub “fünf Kilometer in Richtung Ashbourne”.

Aber wir haben ja noch unsere deutsche Notration dabei, Lammsalami, Mini-Babybel und Pema-Brot. Und dank der schönen englischen Tradition, immer einen Wasserkocher, Kaffee und Tee auf den Zimmern zur Verfügung zu stellen, ist unser improvisiertes Frühstück gerettet. Für den heutigen Tag hoffen wir dann auf einen Tearoom unterwegs, der uns vor dem Verhungern bewahrt.

Unsere Klamotten stinken nach altem Bratfett vom Vortag, aber immerhin hatten sie eine schöne altmodische Heizung im Zimmer, so dass wir heute mit trockenen Schuhen und frischgewaschenen Sealskinz-Socken in den Tag starten.

Heute Morgen sind es frische drei Grad draußen, dazu weht eine steife Brise, die uns die Tränen in die Augen treibt. Aber wir werfen schon zarte Schatten …

Zunächst geht es zwei Kilometer an einer vielbefahrenen Straße, einem gigantischen Steinbruch und einem riesigen Zementwerk vorbei, bis wir hinter dem Werk in ein kleines Tal abbiegen können. Und siehe da – wir sind in den Dales! Wenige Meter von der fiesen Straße entfernt erwarten uns grüne Wiesen, sanfte Berge, Steinmäuerchen und knallgelb blühende Ginsterbüsche. Und so geht es eigentlich den ganzen Tag weiter. 🙂

Am Anfang der Dales steht wieder die übliche Navigiererei über Wiesen und Stiles, auch der eine oder andere Umweg und das damit verbundene Klettern über Stacheldrahtzäune ist dabei. Zum Glück sind die Wiesen heute überhaupt nicht matschig.

Bei Waterhouses kommen wir dann auf den Manifold Way, der uns den Rest des Tages tragen wird. Auf den mäandernden Fluss und auf das enge Tal haben wir uns schon den ganzen gestrigen Tag gefreut. Überhaupt ist der Fluss der Grund dafür, dass wir den Weg bis nach Edale zum Beginn des Pennine Way laufen und nicht fahren. Schließlich sind wir die Passage von Uttoxeter bis zum Tal von Edale schon 2016 gelaufen. Aber zapperlot! Kein Wasser im Fluss! Nur trockene, graue Steine und Bärlauch!

Friedel tröstet mich noch damit, dass dies noch gar nicht der River Manifold ist, sondern der River Hamps – aber auch sechs Kilometer weiter beim Zusammenfluss mit dem River Manifold gibt es nur ein zugekrautetes Flussbett und moosige Steine – Hier ist schon länger kein Wasser mehr geflossen!

Egal, der Weg ist trotzdem schön. Links und rechts des Trails Felsen und Höhlen, auf dem schmalen Wiesenstreifen zwischen dem Flussbett(!) und der Felswand springen frischgeborene Lämmer herum. Es gibt jede Menge blühende Büsche und Bluebells. Außerdem Bärlauch in rauhen Mengen. Da wir ja heute Morgen kein Obst hatten, pflücken wir einige Blätter links und rechts des Weges und mampfen die frischen scharfen Blätter. The path will provide! 🙂

Auch der Manifold Trail ist ein alter Bahntrack, so bleiben wir schön trocken an den Füßen und kommen wesentlich schneller voran, als wenn wir von Grasbüschel zu Grasbüschel springen müssten.

Wir haben gar nicht aufgepasst, aber plötzlich führt der Fluss Wasser! Scheinbar versickert der Fluss vorher in dem karstigen Kalkgestein. Von nun an wird es erst richtig hübsch im Tal und … es gibt ein Postkarten-Farmhaus mit einem Tearoom! Wer schon friert, soll wenigstens nicht hungern, haha!

Nach Kaffee, Möhrenkuchen und Chocolate Cake vor malerischer Flusskulisse sieht die Welt doch gleich besser aus, vor allem wenn sich auch die Sonne mal zeigt. Auch wenn sie nur wenig wärmt …

Die letzten vier Kilometer geht es weiter am Fluss entlang, bis sich das Tal weitet und wir schon um 14 Uhr am Manifold Inn ankommen. Das Inn und das Zimmer sind “ebbes recht’s¨, wie der Schwabe sagt: Hübsch gelegen am Fluss, eine Gruppe von alten Steinhäusern und mit solider Einrichtung. So mögen wir’s! Und Früstück scheint’s auch zu geben …

Jetzt sind wir in den Dales, so wird es hoffentlich weiterhin trocken unter den Füßen bleiben. Wir erwarten nur noch torfiges Wasser und kein Matsch mehr in den Schuhen. Wir freuen uns schon darauf!

Variante Tag 44: Uttoxeter nach Cauldon Lowe, 26km

Die 21 Kilometer, die matschige 26 Kilometer werden, verschwundene Pfade und Sabotageverdacht, wildgewordenes Nutzvieh…

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Rurales, flaches Mittelengland. Heute haben wir mit einer lockeren Tour gerechnet – Wenn Staffordshire denn wanderfreundlich wäre!

It really really really is a shame! Nicht nur dass es sich beim Staffordshire Way um den wichtigsten Wanderweg im County handelt – Nein, der Weg ist auch DIE Route, die ¨Land’s End to John o’ Groats¨-Wanderer normalerweise nehmen. Vermutlich sind hier aber schon länger keine solchen mehr durchgekommen, denn der Weg ist kaum zu erkennen! Unser GPS und die OS-App zeigen eindeutig, dass hier der Weg verlaufen sollte. Stattdessen gibt es nur Dickicht und Sumpf. Entweder ist der Weg total verwachsen oder (wir möchten es glatt Sabotage nennen) komplett untergepflügt oder mit Mist eingesaut. Sogar die Stiles!

Der Pfad entlang des River Dove ist abenteuerlich: Auf der einen Seite der Abhang zum Wasser, auf der anderen die untergepflügte Ackerkrume. Nach zwei Stunden sehen wir aus wie Sau: Böse, böse Bauern! Aber immerhin hat es nicht geregnet … 🙂

Besser wird es erst nach Rocester, wo wir auf den Churnet Way wechseln. Den Abschied vom Staffordshire Way bedauern wir nicht!

Der Churnet Way ist ein ehemaliger Bahntrack. Oh welche Wohltat! Wir können sogar nebeneinander gehen!

Hier treffen wir (heute am Sonntag) auf jede Menge Wanderer und Spaziergänger. Auf dem Staffordshire Way ist uns kein einziger begegnet! Wieso nur?

Bis Oakamor können wir sieben Kilometer abreißen. Der Track führt uns größtenteil durch Wald und endlich gibt es jede Menge Bluebells zu bewundern. Außerdem die fettesten Sumpfdotterblumen, die wir je gesehen haben.

Der beste Teil kommt dann! Nach einem wässrigen Automatenkaffee im einzigen Pub des Örtchens geht es dann auf den Staffordshire Moorlands Walk ordentlich nach oben. Der Weg führt uns durch ein schönes Waldstück (der erste nennenswerte Wald auf der Tour) auf einen Höhenzug, von dem wir eine schöne Sicht auf ein Tal haben. Nett ist auch, dass sich endlich mal die Sonne blicken läßt, wenn auch ein eisiger Wind weht.

Steffi will sich wieder als Lammretter beweisen, als wir an einem zappelnden Lamm vorbeikommen. Das arme Ding liegt auf der Seite und sieht so aus, als ob es nicht mehr auf die Füße kommen könnte. Sie stellt es auf die Beine, aber es fällt sofort wieder um und zuckt weiter. Epilepsie? Mit Bedauern ziehen wir weiter. Kein Farmhaus in Sicht, also was sollen wir tun?

Unser Martyrium beginnt auf den vermeintlich letzten drei Kilometern: Wir verlassen den Moorland Walk, um über Public Footpaths in Richtung unseres Inns in Cauldon Lowe zu wandern. Nach der Karte sieht es so aus, als wenn wir nur ein paar Wiesen durchlaufen müssten – aber oh weh! Jeder Pfad (wenn er denn existiert) endet im Sumpf oder gar an einem matschigen Bachlauf ohne Brücke. Wenn da Wege waren, dann war es vor langer, langer Zeit …

Am, Ende, nach Überwindung einiger kurioser Stiles, laufen wir über den Umweg des Umwegs des Umwegs, müssen uns auf einer Wiese über einen Stacheldrahzaun vor Bullen retten und werden fast von einem freudig herangaloppierenden Pferd überrannt.

Friedels Tracker zeigt am Ende statt der geplanten 21 Kilometer 26 an. So kann es gehen im wilden Staffordshire!

Im Camping-Pub in Cauldon Lowe gibt es dann zur Belohnung kein Essen mehr – zum Trost werden uns die schlechtesten Burger unseres Lebens serviert: Zwei Drittel Pommes, einen Brotlappen mit einer Scheibe Tiefkühl-Friko MIT KÄSERASPELN! Nun sind wir PAPPSATT, burps…ein Frühstück müssen wir uns morgen woanders suchen … aber das Bier ist gut! 🙂

Wandern im Staffordshire? Entbehrlich!

Aber morgen kommt der River Manifold und die Limestone-Dales! 🙂

Tag 43: Rugeley nach Uttoxeter: 25 km

Von Zivilisationsstress, Friedels prophetischer Gabe, mucho Matsch und netten mittelenglischen Dörfchen…

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Wir sind wieder unterwegs, jippie! Für drei Wochen und 450 Kilometer! 🙂

Gestern sind wir erst gegen 20:30 Uhr in Rugeley angekommen. Die Stationen unserer Odyssee waren: Stahlwald in Stuttgart, schnarrende, unverständliche Ansagen und Fussballfans (Manchester United?) im Flieger, 50m-Schlangen vor den Bahnticket-Automaten und -Schaltern, die üblichen Gleisverwirrungen…neee, Reisetage sind echt nicht der Hit!

Unser Premier Inn ist diesmal besonders günstig – woran das wohl lag? 🙂 Die der Hotelkette zugehörigen Pubs sind ähnlich standardisiert wie die Wetherspoons und nach einer solchen Reise ist das Doombar ein verdientes Schicksal…

Vom heutigen Wandertag – es ist ein Nachholtag, der Friedels kaputten Knien von 2016 geschuldet ist – haben wir ursprünglich nicht viel erwartet. Zuerst ein wenig am Trent-and-Mersey-Kanal entlang – das mögen wir!

Auf der Karte sieht es so aus, als ob es die ganze Zeit über Wiesen, Wiesen, Wiesen gehen würde. Und siehe da: Es geht die ganze Zeit über Wiesen … ! 🙂

Noch dazu sprühregnet es fast den ganzen Tag und der Boden ist dementsprechend matschig. Schon nach zwei Stunden sind die Schuhe voller Sotter, aber Gamaschen und wasserdichten Socken sei Dank – wir überstehen den Tag relativ trocken und können die Regenjacken sogar im Rucksack lassen.

Es ist schön, dass es den Staffordshire Weg gibt. Den ganzen Tag können wir ihm folgen. Jedoch scheint er nicht besonders häufig begangen zu sein – wackelige und zugewucherte Stiles, untergepflügte Wege, zugemistete Wiesen – besonders wandererfreundlich ist das nicht!

Unser besonderer Dank gilt den freundlichen Leuten in Colton, die uns mehrfach zu ihrem Dorf-Frühstück einladen. Als wir an der Kirche dort unsere Gamaschen anlegen, kommt der Vikar vorbei und Friedel scherzt: Pass auf, gleich kommt er und bietet uns Kaffee, Tee und Kekse an … und er kommt und lädt uns zum Frühstück ein, mit Kaffee, Tee und Bisquits! 🙂 Kurz darauf hält ein Auto an und lädt uns ebenfalls zum Frühstück ein. Leider können und wollen wir nicht bis zum Beginn desselben warten, wir sind noch satt und wollen weiter.

Danke auch an das freundliche Café im historischen Dorf Abbots Bromley, deren Betreiber uns trotz unserer schmutzigen Schuhe nicht rauswerfen.

Erwähnenswert ist auch, dass der Kaffee im Uttoxeter ¨Old Swan¨ (Wetherspoon) spottbillig ist und es dazu ein kostenloses Refill gibt!

Insgesamt ist die Tour heute sportlicher als wir gedacht haben – das liegt nicht nur an den 25 Kilometern, sondern auch an den vielen Sprüngen über diverse schlammige Riesenpfützen und an den zahllosen Stiles, die wir heute überwinden mussten.

Also ein idealer Trainingstag für den Kinder Scout, der uns demnächst erwartet…:-)

Tag 22: Von Dunster nach Washford

*Schnüff * – Traurig hängen wir im riesigen,  schrecklichen Premier Inn am Flughafen Gatwick ab. Bis 13:00 Uhr war die Welt noch in Ordnung, da sind wir noch die zehn Kilometer von Dunster nach Washford gelaufen. Übrigens eine typische Somerset-Querfeldein-Wanderung nach bester Art. Dann kam die schreckliche Rückreise in die Post-Moderne nach Gatwick!

 

 

Tag 21: Von Porlock Weir über Minehead nach Dunster

Heute ist der Endspurt angesagt, was den SWCP angeht: 16 Kilometer bis Minehead zum Beginn bzw. Ende des SWCP. Wir aber werden noch sechs Kilometer weiter bis in das mittelalterliche Städtchen Dunster laufen, denn im ollen Seebad Minehead wollen wir nicht bleiben! 🙂
Aber zunächst genießen wir es erst mal aufzuwachen und die Sonne aus unserem Panoranafenster über dem Meer zu sehen. Dann finden wir es super, mit Blick auf den Garten und das Meer in einem riesigen Raum mit Panorama-Erker zu frühstücken. Wenn auch Porlock Weir selbst nicht viel bietet, das Café ist ein super Adresse!
Was uns auch gefällt, ist der circa vier Kilometer lange Marsch durch das Marschland bis nach Bossington. Die Sonne scheint, es gibt pittoreske abgestorbene Bäume zu fotografieren und das Wollgras bewegt sich im Wind.
Der kleine Ort Bossington sollte komplett vom National Trust übernommen werden, so unser Vorschlag – ein Reetdachhaus ist schöner als das andere.

Nach Bossington ist dann aber Schluss mit der Schlenderei! Wie quälen uns steil in einem Rutsch 250 Meter den Bossington Hill hoch. Hier müssen wir uns entscheiden: Nehmen wir die gemäßigte Inlandroute oder die als “schroff” oder “wild” bezeichnete Route an den Kliffs entlang? Na ratet mal! 🙂

Sooo schroff war sie dann aber doch nicht. Da haben wir ja schon gaaanz andere Sachen erlebt, und da gab’s keine Alternative!
Zweimal geht es herunter und wieder hinauf durch tiefe Combes. Hier gibt es natürlich wie üblich struppigen Wald, ansonsten gibt es nur wenige Bäume. der meiste Teil der Strecke verläuft durch braunen Farn, der aber in der Sonne viel schöner schimmert als bei schlechtem Wetter. Wo der Weg verläuft, wächst jedoch extrem grünes Gras, das einen hübschen Kontrast zum Farn liefert.

Was bei diesem Pfad ein wenig nervt, ist die fast durchgängige Neigung zum Meer hin. Man läuft quasi die ganze Zeit auf einer schiefen Ebene, was echt auf die Füße geht!
Toll sind die vielen Steine heute. Jede Menge Pausenplätze!
Es ist etwa 15 Uhr, als wir in Minehead ankommen. Natürlich gibt es ein paar Fotos am SWCP-Monument, dem offiziellen Start des Weges. Wenn man ihn komplett laufen würde, wäre man über 1000 Kilometer unterwegs und würde die vierfache Höhe des Mount Everest an Höhenmetern aufsteigen. Davon sind wir aber noch weit entfernt, denn bis jetzt sind wir nur rund 400 Kilometer dieses Wegs gelaufen. Aber eines Tages werden wir auch den Rest angehen, das nehmen wir uns heute vor.

Der SWCP ist für uns beendet, aber jetzt müssen wir noch die Lücke zwischen Minehead und Washford schließen. Vor zwei Jahren haben wir in Washford unser großes Wanderprojekt gestartet.
Entgegen unserer ursprünglichen Planung wollen wir nun aber nicht auf dem Macmillan Way nach Dunster wandern, sondern an der Küste entlang auf dem neuen England Coastal Path. Dieser neue National Trail soll irgendwann England komplett umrunden, ist bis jetzt aber erst in Ansätzen fertig. Wir können uns noch nicht vom Meer trennen, also nehmen wir lieber ein Stück des Küstenpfads.
Nachdem wir durch das eher hässliche Minehead durch und an dem furchtbaren Butlin’s Holiday Resort vorbei sind, wird es noch mal ganz nett. Der Weg führt uns durch einen schmalen Dünenstreifen, links ein steiniger Strand bei Ebbe, rechts ein riesiger Golfplatz. Als dieser zuende ist, geht es auf einem namenlosen Public Footpath zum Bahnhof von Dunster, an dem echt viele Leute warten! Ist die Strecke nicht eigentlich still gelegt? Tatsächlich kommt kurz darauf eine alte Dampflokomotive mit vier Waggons vorbei!

Nach dem Bahnhof gibt es einen netten Pfad nach Dunster hinein, den Dunster Jubilee Path.
Dunster haut uns echt um. Ein wunderschöner kleiner Ort mit sehr gut erhaltenem mittelalterlichem Dorfkern, über ihm thront eine stolze Burg. Absolut sehenswert und nur sechs Kilometer von Minehead entfernt. Wir plädieren DRINGEND dafür, den offiziellen Start des SWCP von Minehead nach Dunster zu verlegen! Millionen Wanderer haben dieses Kleinod Somersets schon verpasst! 🙂
Unseren letzten Abend vor dem Flughafenhotel genießen wir im Stags Inn
im Schatten der Burg. Ein letztes Mal das leckere Ale, köstlichen Coleslaw und dicke Pommes, ab nächste Woche ist Diät angesagt!:-)

 

Tag 20: Von Lynmouth nach Porlock Weir

A walk in the woods – Ein Gang durch den Wald. Das würde den heutigen Tag gut beschreiben.
Wir haben noch gar nicht von unserem B&B berichtet. Das Riverside war okay, vor allen freundlich und ein gutes Frühstück. Das Zimmer war aber eher auf der kleineren Seite, wie der Engländer sagen würde 🙂
Nach dem relativ frühen Frühstück sind wie schon um neun Uhr wieder auf dem Weg. Zunächst führt uns dieser zu einer relativ wenig befahrenen A-Straße. Der Weg führt uns netterweise nicht auf die Straße, sondern auf einem separaten Pfad daneben. Da es hier auf den ersten vier Kilometern kaum Bäume gibt, haben wir einen unverstellten Blick auf das Meer.
Der Butter Hill ist die erste echte Erhebung heute (260 Meter) und der Aufstieg ist recht sanft und zum Glück wenig matschig. Hier beginnt es zu nieseln und den Rest des Tages hört es eigentlich nicht mehr auf. Aber was soll’s! So lange es nicht gießt, stört uns das mittlerweile eher wenig. Wir packen nicht mal mehr die Regensachen aus! 🙂
Nach dem Hill wollen wir einen Umweg machen, um den Leuchtturm am Foreland mitzunehmen. Wir laufen circa einen Kilometer hin und einen zurück auf einer Teerstraße, nur um festzustellen, dass der Leuchtturm kaum zugänglich und ausserdem ein eher funktionales, wenig ansehnliches Monument ist.

Unterwegs kommen wir an einem “Bothy’ des National Trust vorbei, das man mieten kann und das zur Zeit von einem jungen Paar belegt ist, dass neben dem Bothy ein Lagerfeuer entzündet hat. Neben dem Bothy steht ihr AUTO! Was ist denn das für ein Bothy, zu dem man mit dem Auto fahren kann? ts ts ts!

Nach unserem Umweg kommen wir in den Wald, und das bedeutet heute schönes, angenehmes Wandern. Wir sehen wenig vom Meer, aber der Wald ist wie verwunschen, voller verschiedener Farne, verdrehter Bäume, Moose, Flechten, Beeren …
Der Herbst zeigt sich heute in seinen schönsten Farben. Unter unseren Füßen knackt und raschelt es viel und schmatzt es wenig.
Eine lange Passage führt uns durch einen großen Rhododendron-Wald, der ganze Hang bis runter zum Meer ist bewachsen. Wie muss das wohl im Frühling aussehen?

Vier Kilometer vor unserem heutigen Ziel kommen wir an der alten Kirche in Culborne vorbei, die hier mitten in der Einöde seit Jahrhunderten steht. Scheinbar finden hier von Zeit zu Zeit noch Gottesdienste statt, denn es gibt Gesangbücher; ziemlich muffige Sitzkissen und sogar welken Blumenschmuck drinnen.

Draußen beginnt es mittlerweile richtig an zu regnen.So können wir hier bequem in die Regenklamotten wechseln und kommen so trocken bis nach Porlock Weir. Der Pub hat geöffnet, so nehmen wir sofort einen Kaffee, bevor wir in unserem B&B einchecken. “The Cafe” in Porlock Weir hat zwar bis Februar geschlossen, aber trotzdem vermietet die Landlady Zimmer. Noch dazu sehr schöne – und wir erhalten ein kostenloses Upgrade auf ein Zimmer mit Seeblick, weil wir die einzigen Gäste sind.
Nach einem ausgiebigen Bad in der großen Badewanne schlendern wir noch ein wenig durch den Ort. Dieser ist sehr übersichtlich, mit zwei Pubs, einem edlen Hotel und einen “Shopping Center” mit Geschenkeladen, Kramladen und einem Damenmode-Geschäft. Es gibt einen Hafen, der eher einer ausgebaggerten Schlickgrube gleicht, und einer “Promenade” aus groben Riesenkieseln, dir hier vermutlich nur zufällig vom Meer angespült wurden, aber eine natürliche Barriere gegen das Meer bilden.
Vermutlich sind die meisten Touristen hier Wanderer, ein Badeort ist dies nicht. Wie ärgerlich ist das denn – ein Ort am Meer zu sein, aber über keinen Fitzel Sandstrand zu verfügen?
Immerhin haben sie eine Reihe hübscher Cottages, stilvoll mit Reet gedeckt.
Der Pub ist auch gemütlich und es hat zu regnen aufgehört – Was wollen wir mehr? 🙂

 

 

Tag 19: Von Hunter’s Inn nach Lynmouth

Heute Morgen wachen wir auf und es regnet.
Wenn man aber dem Wetterbericht halbwegs Glauben schenken darf, sollte es trotzdem ein trockener Tag werden – wenigstens vom Knie an aufwärts! 🙂
Heute stehen schlappe 11 Kilometer bis nach Lynmouth auf dem Stundenplan, gefolgt von einem freien Tag. Ferien! 🙂
Tatsächlich hat es zu regnen aufgehört, als wir gegen 10 Uhr aufbrechen.
Da wir ja heute nur 11 Kilometer haben, können wir auch gleich am Anfang zur Mündung des Heddon River laufen, der durch das Tal fließt. Das ist ein sehr hübscher Umweg von etwa einem Kilometer durch Wald am Flüsschen entlang. An der Mündung gibt es einen kleinen Steinstrand und einen alten Kalkofen, die wir hier schon mehrmals angetroffen haben.
Wir lachen uns tot, dass der steinige Pfad als Elektro-Rolli-Weg ausgewiesen ist. Haha, aber nur für Engländer! Genauso, wie sie hier Schlammlöcher als National Trails bezeichnen!

Der SWCP führt uns heute relativ smooth schräg und parallel zum Tal den Hang hinauf. Ach wenn doch nur alle Anstiege hier so bequem wären!


Allerdings merken wir auch, dass wir nach neun Wandertagen schon recht fit sind. Eigentlich ist es Blödsinn, immer nur zwei Wochen zu laufen, aber wir haben halt nur den klassischen Jahresurlaub zur Verfügung. Und wenn man nur einmal im Jahr einen langen Urlaub macht, dann muss man zu lange darauf warten.
Wie schon häufiger haben wir mal wieder große Lust, die Jobs zu schmeißen und nur noch zu laufen. Aber wie? 🙂
Aber nun zurück zum Weg: Er führt in der klassischen attraktiven Halbhöhenlage auf angenehm grasigen bzw. steinigen Wegen durch Farnhänge, links das blaue Meer, rechts brauner, verwelkter Farn.Wie das hier wohl im Sommer aussieht? Wir sind ja immer nur im Frühling und im Herbst unterwegs!

Ab der Woody Bay geht es fast nur noch über Teer weiter. Das wird uns auf die Dauer zu langweilig und wir biegen deshalb außerplanmäßig auf die Alternativ-Strecke über Crock Point aus. Ist ja nur ein Kilometerchen mehr, heute kein Problem!
Der Umweg entpuppt sich jedoch als weniger lohnenswert, er führt einfach nur über extrem matschige Schafswiesen um die Landmasse herum, Aussichten gibt es kaum.

Als wir wieder auf die Straße kommen, haben wir noch mal einen schönen Blick auf die hübsche Lee Bay, eine kleine, von Felsen eingeschlossene Sandbucht.
Auf der Straße geht es weiter, den Hang hinauf und an der Lee Abbey (nunmehr ein christliches Begegnungszentrum) vorbei bis zu einem Kreisverkehr, an dem Autofahrer eine Maut bezahlen müssen,
wenn sie weiterfahren wollen. Zwar haben wir noch das Valley of Rocks vor uns, aber ist das so ein Touristenmagnet?
In der Tat wundern wir uns über den großen Parkplatz und die vielen Leute, die hier in stylischen Wanderklamotten herumlaufen, heute, an einem Montag im Oktober.
Das Valley ist am Ende ein recht hübscher Küstenpfad, an dem große Felsformationen bizarre Formen bilden. Recht hübsch, aber am besten gefallen uns die vielen Bergziegen, die hier herumspringen.

Nach Lynmouth ist es nun nur noch ein Katzensprung. Zunächst laufen wir nach Lynton herein, das hoch oberhalb von Lynmouth liegt. Beide Stadtteile werden durch eine alte Seilbahn verbunden, an der wir entlang laufen. Morgen werden wir vielleicht mal mit der alten Wasserballast-Bahn von 1890 fahren. Faszinierend, solche seltenen Verkehrsmittel!

Im Ort angekommen nehmen wir erstmal einen klassischen Nachmittagstee (äh, Kaffee) mit Scones, Jam und Clotted Cream; einmal pro Urlaub muss das mindestens sein! 🙂

Danach wandern wir noch ein wenig durch den Ort. Und durch den Ortsteil hinter der Brücke. Und zum Hafen. Und zum Meer, das bei Ebbe ziemlich weit draußen ist. Und …. Wir sind ja heute nur elf Kilometer gelaufen; ne? 🙂

Zum Zeitpunkt dieser Aufzeichnung sitzen wir gerade im Village Pub. Und da wir ja morgen nicht laufen müssen, könnten wir hier jetzt so richtig versacken …

Tag 18: Von Ilfracombe nach Hunter’s Inn

What a glorious Day! Und so unverhofft!
Eigentlich war für heute mittelprächtiges Wetter mit “sonnigen Intervallen” angesagt. Aber stattdessen knallt heute den ganzen Tag die Sonne, und das bei quasi null Wind. Da kommt man ja richtig ins Schwitzen, selbst bei einer Wanderpause, yeah!
Die Sonne brutzelt Friedel im Nu die Erkältung weg. Also, wir beide müssen sagen: So schnell sind wir noch nie unsere Schnupfen losgeworden. Das nächste Mal auf zu einem Gewaltmarsch statt Bettruhe, neue Behandlungsmethode? Medizin-Nobelpreis? 🙂
Der Tag beginnt mit einem Marsch durch Ilfracombe bis zum Hafen. Der Ort soll ja einen schlechten Ruf haben, aber das können wir gar nicht verstehen. Bei dem Wetter ist der Hafen sehr lebhaft, und dass die Einwohner so eine Statue wie die “Verity” als Leihgabe von Damien Hirst akzeptieren, spricht für den Ort.

Uns jedenfalls gefällt die Amazone.
Als wir schließlich loslaufen, müssen wir erst mal aus dem Ort heraus finden. Während sonst die Wegweiser mit der Eichel sehr häufig anzutreffen sind (Ja, wo soll es denn wohl sonst lang gehen?), sind sie hier eher zu spärlich.
Am Ende schaffen wir es dann doch. Die Erfinder des Weges haben sich redlich bemüht, Alternativen zur dichtbefahrenen Straße zu finden, die hier dicht an der Küste verläuft. Deshalb führen sie uns über jede Klippe und über jeden möglichen Schlenker, und sei der Weg auch noch so schmal und noch so matschig. Aber danke, nett gemeint!
Kurz vor Combe Martin dann ein echtes Highlight: Small Mouth – ein Blick in eine Bucht so blau und so schön, als wäre sie angelegt. Überhaupt ist es erstaunlich, wie sich die Farbe des Meeres verändert, je nach Wetter. Heute leuchtet das Meer mediteran-azurblau.

In Coombe Martin genehmigen wie uns wieder einen Kaffee Latte, was sonst? 🙂
Auch hier gibt es wieder Millionen nasse Hunde, auf der engen Terrasse des Cafés kommt man kaum an ihnen vorbei. Zum Glück sind die englischen Hunde aber insgesamt recht wohlerzogen und lassen uns in Ruhe.
Nach Combe Martin geht’s dann richtig ab: Wir betreten den Exmoor National Park mit gleich zwei dicken Hügeln, die wir natürlich besteigen müssen. Little Hangman ist knapp 220 Meter hoch, Great Hangman ist 318 Meter hoch. Da klingt nach nicht viel, aber das Café in Combe Martin liegt auf null!

Wir haben wegen Friedels Erkältung ein wenig Bedenken, aber Friedel nimmt die Hügel bravourös. Er ist somit wirklich “über den Berg”! 🙂

Toll ist, wie sich beim Großen Hangman sofort die Landschaft verändert. Plötzlich wandern wir durch die typische Moorlanschaft, wie wir die aus Yorkshire kennen: Steinige Wege, abwechselnd mit matschigen Torfstellen, Farne, Heidekraut, nur mit Meer auf der linken Seite! 🙂

Es ist erstaunlich, wie viele Leute heute unterwegs sind. Klar, es ist Sonntag, aber dass sie sich hier die Hügeln hinauf quälen, ist schon erstaunlich. Zumal es so matschig ist!
Ab dem großen Hangman wird es jedoch einsamer. Noch einmal geht es tief in das nächste Tal, aber wie tief: Dieser Abstieg ist so unverschämt steil, sowas haben wir noch nicht erlebt. Friedel bemerkt, dass er hier bei schechtem Wetter streiken würde – Aber was dann, mein Lieber, was dann? 🙂
Nach einem heftigen Abstieg folgt natürlich auch ein ebensolcher Aufstieg.

Danach gibt es zwar noch einige Aufs und Abs, aber im Großen und Ganzen war’s das für heute. An einem dieser eher kleineren Aufstiege kommt uns laut pustend und schnaufend eine Gruppe englischer Rentner entgegen, offensichtlich auch SWCPler, denn sie haben Hikingstöcke und tragen Rucksäcke und Wanderkarten um den Hals. Oje, ob sie heute noch ankommen werden? Es sind noch bestimmt acht Kilometer bis Combe Martin, und zwei Hangmans liegen dazwischen …
Kurz vor dem Haddon Valley wird es noch mal besonders schön: Der Weg macht noch eine Schleife um Peter Rock. Diesen “Umweg” wollten wir erst gar nicht nehmen, aber in der späten Nachmittags-Sonne sind die steilen Felsen unter uns besonders beeindruckend.
Beim Abstieg ins Valley freuen wir uns über das viele noch blühende Heidekraut, das es hier an den geschützten Hängen gibt.
Schon von weitem blitzt das Hunters Inn zwischen den Bäumen, auf das wir besonders gespannt sind – die Bilder und Beschreibungen im Internet waren recht viel versprechend. In der Tat ist das hier jeden Penny wert. Die Zimmer sind schön und zweckmäßig, es gibt sogar eine Kaffeemaschine mit Pads. Das Essen ist ein Gedicht und der Service zuvorkommend und freundlich. So soll es sein!

 

 

Tag 17: Von Braunton nach Ilfracombe

Wir haben ja gewusst, dass das Wetter heute wieder schlechter werden sollte. Aber nach dem wundervollen Tag gestern wollten wir den Wetterwechsel einfach nicht wahrhaben und sind nicht glücklich, als wir den Vorhang vor dem Fenster aufziehen und es förmlich gallert!
Der Wetterbericht sagt, es wird bis 11 Uhr regnen. Da hilft es nicht, das Frühstück in die Länge zu ziehen – Wir haben heute 23 Kilometer vor uns, da können wir nicht herumbummeln!
Beim Frühstück enttäuscht uns das George Inn erneut: Zwar ist das English Breakfast selbst gut, aber es gibt weder Joghurt noch Obstsalat! Missmutig schneidet Steffi einen schon schrumpeligen Pfirsich auf, der in der Mitte schon angefault ist, igitt!
Das Establishment gehört scheinbar zu einer Kette, die Vintage-Pubs betreibt. Um jeden Preis vermeiden! Sie machen einen auf edel, aber kriegen die grundsätzlichen Dinge nicht hin!

Als wir loslaufen, regnet es echt unangenehm. Wir kürzen heute jedoch ab und laufen über Landstraßen in Richtung Croyde, da fällt es erst mal nicht auf, dass es arg matschig wird in diesem Land, wenn es regnet. Aber auf der “Long Lane”, einem Public Byway, wird es ganz arg – nicht nur Pfützen, nein ganze Seen gilt es zu überwinden, diese auch noch gefüllt mit Schafscheiße, oh weh!
Wir bemühen uns redlich, uns möglichst wenig zu beschmutzen, aber das Gespringe macht das Ganze nur noch schlimmer- am Ende sind wir bis zur Hüfte eingesaut (aber wir haben ja Gamaschen und Gummihosen, hehe!)
Als wir in Croyde ankommen, müssen wir auf den Schreck erst mal einen Kaffee trinken. Wir finden zum Glück ein Café mit überdachten Aussenplätzen, so dass wir den Laden nicht zusauen.
Nach Croyde sind wir endlich wieder auf dem SWCP, halleluja!

Wir laufen oberhalb eines riesigen Strandes durch die Dünen, und wir sehen – nichts! Der Nieselregen behindert die Sicht wie im Nebel, aber kurz vor Woolacombe hört es zum Glück auf zu regnen. Heute ist Friedel arg angeschlagen, Steffi hat ihn vermutlich angesteckt. Er schnieft und niest die ganze Zeit, der Arme, und zwar schlimmer als Steffi!
In Woolacombe ist es trocken genug, dass wir in einem Strandcafe eine Mittagspause einlegen können. Während wir mit Mütze und Regensachen auf der der Terrasse sitzen und die Hände an der Tasse wärmen, schälen sich die Surfer am Strand in aller Selenruhe im Wind und barfuß aus ihrem Neoprenzeug Uhhh!
Nach Woolacombe wird es dann noch mal richtig schön: Klippen, bizzarre Felsen, schöne Buchten – da geht uns das Herz auf, auch ohne Sonne!
Auch trocknen wir bald und der Weg ist weniger schlammig.

Der Nachmittag vergeht wie im Fluge und um kurz nach 17 Uhr kommen wir in Ilfracombe am Bath House Hotel an. Unsere heutige Unterkunft gefällt uns viel besser als die gestrige – so ein richtig schön altmodisches Ding wider, mit Stuckdecken und schiefen Böden. Das Zimmer ist schön groß; aber das beste ist der Lift: Man muss noch so ein Gitter vorziehen, wenn man fahren möchte! Das finden wir ganz toll, aber wir trauen uns dann doch nicht, das Ding zu benutzen.
Leider hat das Hotel kein Restaurant. Also gehen wir in das älteste Pub der Stadt. Steffi hat das George and Dragon schon von zuhause im Internet recherchiert. Eine gute Wahl!
Früh geht es aber zurück zum Hotel, denn Friedel muss sich erholen.

Tag 16: Von Instow über Barnstaple nach Braunton

Heute ist ein halber Ruhetag! Zwar laufen wir heute 20 Kilometer, die aber größtenteils auf einem geteerten Bahntrack entlang des Torridge and Taw Estuary verlaufen.
Heute Morgen starten wir gut ausgeruht in Instow, das den Charme der Nachsaison ausstrahlt: Die Gehwege und die Bushaltestellen sind halb mit Dünensand zugeweht und man muss teilweise auf die Straße ausweichen.
Unsere Unterkunft war nur mittelprächtig: Für weniger Geld hatten wir schon Zimmer mit Seeblick, besseren Möbeln, einem sauberen Teppich und weniger Schimmel im Bad. Im Wayfarer Inn gab es nicht mal Wifi! Aber das Bett war breit, das Zimmer war ruhig und das Essen gut.
Was uns in Instow extrem aufgefallen ist, waren die vielen Hunde. Millionen! Manche Damen hatte gar drei an der Leine!


Was wir nicht wussten und erst durch Talüs Blog erfahren haben: Hunde dürfen in England erst wieder ab dem ersten Oktober an den Strand, und das ist ja mal eine clevere tourismusfördernde Maßnahme des Staates: Im Oktober treffen sich dann alle Hundebesitzer zur Happy Nachsaison! 🙂
Wer hier auch glücklicher Nachsaison-Urlauber ist, das ist der radelnde Rentner. Da wir unseren National Trail heute mit einem überregionalen Radweg, dem Tarka Trail teilen, kommen uns diese zu hunderten entgegen. Friedel nennt sie die Happy Gromits – wie der Comic-Hund grinsen sie uns an und zeigen uns freundlich ihre Zähne.


Viele SWCP-Wanderer hassen diesen Abschnitt, viele umfahren ihn sogar mit dem Bus. Es geht halt fast die ganze Zeit über Teer an einer eher langweiligen Salzmarsch vorbei. Im Vergleich zu den Naturwundern der letzten Tage ist dies hier eher eine schlappe Nummer. Wir aber genießen den Tag: Entspannt laufen wir Kilometer nach Kilometer ab, hin und wieder gibt es das eine oder andere rostige Wrack zu knipsen oder ein paar Brachvögel oder Möwen zu beobachten. Zweimal legen wir eine Kaffeepause ein und genießen das schöne Wetter und das meditative Vor-sich-hin-Shuffeln.

Schon um 14:30 Uhr sind wir in Braunton und freuen uns auf einen halben Off-Tag in unserer Luxus-Unterkunft. Unser Zimmer im George Inn ist dann aber leider eher eine Enttäuschung: Das Gebäude ist eingerüstet und das Zimmer zwar hochwertig eingerichtet, aber von der Größe her eher eine Besenkammer. Natürlich beschweren wir uns nicht, dafür sind wir viel zu schüchtern. Zur Strafe werden wir hier aber heute Abend nicht essen, sondern woanders hingehen. So!

Abschnitt 2: SWCP Tintagel-Washford

 

Heute geht’s los! Wir schliessen die Lücke zwischen Tintagel und Washford und laufen den Abschnitt 2. Da unser Flieger leider erst am späteren Nachmittag startet, schaffen wir es heute nicht ganz bis Tintagel. Wir machen Zwischenstation in Taunton und fahren morgen früh dann nach Tintagel.

Drückt uns die Daumen für einen goldenen Oktober und dass wir klippauf-klippab nicht schlapp machen…

Puh, wenn einer eine Reise macht, dann muss er was ertragen!  Mittags um 12 los, und nach krachend übervollen Bahnhöfen und Flughäfen abends um 21:30 endlich da: Premier Inn in Taunton, nebenan ein moderner Pub mit Biergarten, das erste Ale auf dem Tisch – URLAUB!! 🙂

Tag 51: Marsden nach Littleborough

Heute ist der letzte Tag unserer sehr abwechslungsreichen Urlaubs. Die ersten fünf Kilometer und 200 Höhenmeter Aufstieg werden wir brauchen, um wieder auf den Pennine Way zu stoßen. Die nächsten sieben Kilometer werden wir auf diesem verbringen, um dann wieder vier Kilometer zum Bahnhof nach Littleborough abzusteigen. Eine besonders effektive Art, den Pennine Way zu wandern ist das nicht! 🙂

Die Sonne lacht heute wieder. Den Weg durch Marsden verbringen wir recht angenehm: Zunächst geht es am Huddersfield Narrow Canal entlang, bis dieser samt Bahnstrecke in einem Tunnel verschwindet. Der Standedge-Tunnel ist spektakulär: Er verläuft in vier parallelen Röhren fünf Kilometer lang unter der Erde. Drei Röhren sind für die Bahn, eine Röhre ist eine Kanaldurchfahrt. Wir stellen uns vor, wie schaurig es 1811 gewesen sein muss, den Tunnel im Dunkeln zu durchfahren.

Wir folgen nun dem Standage-Trail weiter bis zur Close Gate Bridge. Zunächst geht es  entlang des Colne-Flüsschens auf einem attraktiven Fußpfad weiter, so dass wir keinen Asphalt treten müssen. Das letzte Stück bis zur Brücke geht es dann aber doch über eine Straße, und zwar steil nach oben!

Die Brücke selbst ist eine hübsche einbogige Steinbrücke in einem hübschen Tal. Hinter der Brücke beginnt ein unmarkierter Trampelpfad, der uns nach drei Kilometern zur A640 und damit zum Pennine Way führen wird. Es geht über eine weite, grasbestandene Hochebene, teilweise durch sumpfiges Gelände. Wir freuen uns, dass die Sonne scheint und der Boden relativ ausgetrocknet ist. Bei Regen muss der Weg ein echtes Abenteuer sein! Heute aber macht es Spaß, durch die Graswüste zu laufen.

An der A-Road hat uns die Zivilisation wieder. Wir hoppeln wie die Hasen über die vielbefahrene Straße – et voilà, der Pennine Way!

Zum White Hill geht es ordentlich bergauf. Während wir bisher heute noch niemanden getroffen haben, kommen uns auf dem Stück bis zum White Hill gleich drei Pärchen entgegen. Wow, und das an einem Donnerstag Anfang Mai. Hoffentlich bleibt das nicht so!

Nach White Hill wird es grauenhaft: Wir müssen zunächst eine weitere A-Road überqueren, und dann auch noch den Motorway 62. An der A-Road gibt es einen Parkplatz, an dem mitten im Niemandsland ein kleiner Kaffee-Caravan steht. Sage und schreibe fünf Wanderer sitzen vor dem Wagen an einem Picknicktisch und frühstücken!

Wir gehen jedoch weiter, an Gasfördertürmen (sic!) vorbei und dann über eine Brücke über die sechsspurige Autobahn. Diese schlängelt sich wie eine Schlange durch die wüstenartige Landschaft, irre!

Direkt nach der Gruppe führt der Weg sofort wieder wieder durch wildes Land, abgesehen von dem Getöse der Autobahn, das uns noch lange verfolgt.

Richtig schön wird es noch einmal am Blackstone Edge. Wir laufen durch eine Landschaft voller großer Steine, die im Sonnenlicht grau-grünlich schillern. Ein einsamer Gitarrenspieler sitzt an der Kante und klimpert vor sich hin. Er genießt die tolle Aussicht, so wie wir. Wir verbringen einige Zeit zwischen den Steinen, fotografieren und genießen unsere letzte Teepause in den Pennines.

Am Aiggin Stone (einem alten Stein, von dem man nicht genau weiß, warum und wann jemand das Gesicht in den Stein geritzt hat) verlassen wir den Pennine Way und steigen ab. Wir nehmen eine alte römische Straße, die als Teil des Pennine Bridleways ausgezeichnet ist. Deutlich sind die Pflastersteine der alten Straße, sogar die Rinnsteine zu erkennen. Tatsächlich habe ich bei näherer Recherche erfahren, dass die aktuelle „Straße“ wohl von ca. 1735 stammt. Hier wurde halt überbaut und überbaut und überbaut …

Aber wie immer, wenn wir historisches Gelände betreten, überkommt uns irgendwie ein feierliches Gefühl. Der Weg führt und so oder so bequem nach unten. Auf halber Höhe treffen wir auf die A58. Die wollen die jedoch verständlicherweise nicht nehmen und folgen weiter dem Pennine Bridleway nach Lydgate. Hier treffen wir auf einen der furchtbarsten Wege, die wir je getroffen haben: Der Weg ist durch Kühe tief eingeschnitten, wir versinken in Schlamm und Kuhscheiße. Es ist kaum möglich, sich an den Rand zu retten, auch der ist total verschissen. Als wir endlich den Hof Lydgate (Grrrrr!) und die Straße erreichen, nehmen wir uns vor, beim nächsten Mal auf keinen Fall hier wieder in den Weg einzusteigen. Vermeide Lydgate unter allen Umständen!

Der Rest des Weges bedeutet zwei Kilometer Pflastertreten bis Littleborough. Schon um 14:30 Uhr erreichen wir den Bahnhof und eine Stunde später sind wir in Manchester City. Herausgerissen aus der Natur versuchen wir, den Rest des Tages „naturverbunden“ zu verbringen: Wir erlaufen am Nachmittag in Manchester verschiedene Kanäle, die sozusagen als Parallelwelt neben der oberen Stadt existieren. Faszinierend, und dafür mögen wir Manchester!

Direkt an unserem „Premier Inn“ verläuft der Ashton Canal. Dieser würde uns irgendwann zum Huddersfield Narrow Canal führen und damit zurück bis nach Marsden. So ein Kanal übt auf uns eine Faszination aus, die eine Route 66 nie erreichen würde …

Tag 50: Dog and Partridge Inn (Flouch) nach Marsden

Heute Morgen beim Frühstück sind außer uns nur zwei Handwerker beim Frühstück. Dies ist sehr lecker und finden es schade, dass der Pub abseits des Pennine Way liegt. Der gut geführte Pub hätte wesentlich mehr Gäste, wenn er an der Hauptroute liegen würde.

Wir sind glücklich und dankbar, dass wir nicht am Rande der furchtbaren Straße weiterlaufen müssen, sondern der „Barnsley Boundary Walk“ etwas abseits der A-Road verläuft. Links haben wir immer die Autokolonnen im Blick – dort braust und dröhnt es gewaltig. Lenkt man aber den Blick nach rechts, so erstreckt sich hier die „Wüste“, soweit das Auge reicht. Unglaublich für den Mitteleuropäer, was hier für Flächen brachliegen! Unser Weg verläuft hier zweispurig, bis wir bei „Fiddlers Green“ zum Windleden Reservoir abbiegen. Grün ist hier um die Jahreszeit gar nichts, aber in der Sonne sehen auch die Brauntöne auf den umliegenden Hügeln gut aus.

Das nächste Reservoir kommt gleich eineinhalb Kilometer weiter. Am Winscar Reservoir laufen wir über die Staumauer. Links unter der Mauer liegt der Ort Dunford Bridge – wie muss das sein, im Schatten einer großen Staumauer zu wohnen? Von oben sieht der Ort jedenfalls sehr hübsch aus.

Am Ende der Staumauer folgen wir einem Pfad am nördlichen Ufer des Sees. Hier verläuft der Pfad auf kleinen Platten zwischen hohem Gras und Binsen. Plötzlich hören wir ein Keuchen und das Gras teilt sich vor uns: Ein Nacktjogger! Nun ja, ein kleines Höschen hat er schon noch an .. aber trotzdem sehr tapfer bei den Temperaturen. Die Engländer sind echte Helden!

Nach dem Winscar Reservoir gibt es noch einen kleineren, zweiten Stausee, aber wir verlassen das Ufer und laufen ein Teersträßchen nach Snittlegate hoch. An einer Kreuzung treffen wir auf den Holme Valley Circular Walk, dem wir nun folgen. Unglaublich, wie viele verschiedene markierte Weg es hier gibt!

Wir laufen in einen hübschen Kiefernwald, der unseren Augen eine nette Abwechslung bietet. Mittlerweile ist es zwölf Uhr und die Sonne knallt ganz ordentlich. Da wir keine Sonnencreme dabei haben, muss Steffi sich schon schützen – dem Friedel macht die Sonne bekanntlich nicht so viel aus.

Im „Hades“ haben wir den tiefsten Punkt erreicht, hier verläuft ein hübscher Bach in einer tiefen Schlucht. nach Danach folgt „Elysium“ – Na, da ist ja wieder alles in Ordnung!

Von nun an laufen wir quasi immer am Rand des Nationalparks entlang. Unser Zwischenziel lautet Holme an der A6024. Durch Wiesen und Weiden geht es auf dem Kirklees Way bis zum Brownhill Reservoir. Mittlerweile ist es richtig heiß geworden! Von Weitem sehen wir die Häuserreihen von Holmbridge, erster Vorposten einer städtischen Zivilisation.

Wir bleiben auf jeden Fall auf dem Kirklees Way, bis wir an der A635 -Tatatataaa! – auf den Pennine Way treffen. Natürlich machen wir hier Fotos mit den typischen verwitterten Wegweisern aus Holz mit dem charakteristischen Eichelsymbol.

Der Pennine Way – berühmt und berüchtigt! Einst als englische Antwort auf den amerikanischen Appalachian Way konzipiert (aber nur ein Siebtel so lang), führt er 429 Kilometer durch den Höhenzug, der quasi das Rückgrat Englands ausmacht. Berüchtigt ist er, weil er THE HELM ausgesetzt ist und damit als notorische Schlechtwetterzone gilt. Zweitens bestehen die Höhenzüge größtenteils aus Torfboden, der einen besonderen Hang zur Erosion hat. Wanderer berichteten in der Geschichte des Weges immer wieder von Schlammschlachten nach Regengüssen, einige sollen sogar auf immer im Torfboden versunken sein! 🙂

In letzter Zeit wurden an besonders von der Erosion betroffenen Stellen sogenannte „Slabs“ verlegt, also Steinplatten, die das schlimmste Einsinken verhindern sollen. Die Puristen untern den englischen Wanderern lehnen diese aber total ab, weil sie dem Pennine Way sein Wildnis-Feeling nehmen würden. Schließlich sollen nur die ganz Harten sich rühmen können, den berüchtigten Weg in seiner gesamten Länge durchschritten zu haben! Wir sind also gespannt, was uns der Weg bringen wird.

Heute folgen wir dem Weg jedoch nur drei Kilometer. Hinter dem Wessenden Reservoir biegt der Pennine Way ab nach Standedge. Wir jedoch folgen dem Kirklees Way nach Marsden. Der Pennine Way ist uns heute nur in Form eines breiten Schotterwegs begegnet. Da haben wir aber mehr erwartet!

Die letzten Kilometer nach Marsden – entlang weiterer Reservoirs *gähn* – sind dann auch nicht spektakulärer. Der Weg ist weit, heiß und staubig.

Hat uns Marsden gefallen? Wir können es gar nicht sagen, denn der Ort bietet weder besondere Schönheiten, noch ist er besonders hässlich. So betrachten wir Marsden vor allem als Nachtlager und freuen uns über unseren (mittelmäßigen) Pub und ein kühles Bier am Abend!

Tag 49: Ladybower zum Dog and Partridge Inn

Heute wird es vollends einsam werden. Wir werden durch gar keine Orte kommen und sowohl der Beginn als das Ende der Tour sind traditionelle Gasthöfe an Fernstraßen. Dazwischen befindet sich nichts als Wasser, Heide, Gras und Wald – Wildnis!

Die ersten neun Kilometer heute benötigen keine besonderen Navigationsfähigkeiten: Es geht zunächst am östlichen Ufer des Ladybower-Stausees vorbei, dann folgt der Weg rechts dem Dervent Reservoir und trifft dann auf das Howden-Reservoir. Diese drei Seen liegen aneinandergereiht im Tal des Derwent.

Die Seen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet, um die Wasserversorgung für Derby und die umliegenden Großstädte Sheffield und Nottingham zu sichern. Das Ladybower Reservoir hat sogar zwei Dörfer verschluckt. Derwent und Ashopton.

Heute ist jedoch nichts davon zu sehen. Das  Reservoir wirkt wie ein natürlicher See. Der Stausee ist gut gefüllt, keine hässliche Kante ist zu erkennen, wie wir das schon bei anderen Stauseen erlebt haben.

Ein breiter Schotterweg führt am rechten Seeufer entlang und ermöglicht ein angenehmes Gehen unter Bäumen bis zum Ende des Sees und zum Beginn des nächsten Stausee, des Derwent Reservoirs.

Die Mauer des Derwent Reservoirs ist besonders schön mit zwei Türmen verziert. Sie erinnern uns irgendwie an alte Inka-Türme.

Am Derwent Reservoir beginnt es zu regnen, aber nach einem kräftigen Schauer kommt zum Glück die Sonne raus. Im Verlauf des Tages wird es sogar richtig warm werden. Der erste T-Shirt-Tag in diesem Urlaub!

Unser „Alternative Pennine Way“-Führer rät, dem Howden Reservoir bis zu seinem Ende zu folgen und dann bei den Slippery Stones einen Pfad nach Osten einzuschlagen, um zum Langsett-Reservoir zu kommen, unserem nächsten Zwischenziel. Wir jedoch haben den Schotter satt und beschließen, uns schon am Howden Clough in die Berge zu schlagen.

Wir folgen also dem kleinen Bachlauf auf einem kleinen Pfad nach oben. Der Pfad führt ausgesprochen hübsch zuerst durch einen Wald, dann durch ein mit Heidekraut und kleinen Bäumen bestandenes Tal. Der Bach wurde hier zu kleinen Wasserbecken aufgestaut, die von Birken und Heidekraut umstanden sind.

Weiter oben verliert sich der Pfad auf einer großen Grasebene. Jetzt wird es auch ganz schön quappig unter den Füßen. Ein Pfad ist leider gar nicht mehr zu erkennen, aber die Grasebene begeistert uns: Die umliegenden Hügelflanken schillern in verschiedene Farbtönen von dunkellila über gelb bis hellbeige, fast weiß. Der Wind bewegt das Gras, es rauscht und riecht nach Heu.

Dank unserer GPS-Einrichtung auf unseren Mobiltelefonen schlagen wir die ungefähre Richtung zum Cut Gate ein. Tatsächlich treffen wir nach circa einer halben Stunde anstrengenden Stakens durch hohes Gras auf den eigentlichen Weg, der von den Slippery Stones hochkommt. Es mag sein, dass dieser Weg weniger anstrengend gewesen wäre, aber wir hatten unseren Spaß!

Der Weg zum Langsett Reservoir ist nun klar zu erkennen. Er scheint auch reichlich begangen zu werden, denn an einigen Stellen ist der Pfad richtig ausgewaschen. Wenn es frisch geregnet hat, muss es eine totale Schweinerei sein, hier durchzulaufen. So freuen wir uns, dass der Torf halbwegs trocken ist und wir mehr oder weniger trocknen Fußes das Langsett-Reservoir erreichen.

Unten im Tal macht es Freude, wieder einen Wald zu sehen. Wir folgen hier einem Weg, der in der OS-Karte als „Barnsley Boundary Walk“ ausgeschrieben ist. Einmal aus dem Wald heraus, geht es den restlichen Kilometer bis zu unserem Pub über einen Feldweg zur A628, an der das „Dog and Partridge Inn“ liegt. Wir amüsieren uns köstlich darüber, dass der Landlord den Weg mit großen Verkehrsschildern markiert hat, damit auch bloß kein Wanderer sich auf seinem Grundstück verläuft! 🙂

Schon bevor wir die A-Road errreichen, wundern wir uns über den Lärm, der hier herrscht. Beim Anblick der LKW-Kolonnen auf der Straße überkommt uns der Horror. Unglaublich, was für ein Verkehrsaufkommen auf der Straße herrscht! Du trittst heraus aus der Einsamkeit der Berge und dich trifft fast der Schlag!

Wir hatten wohl realisiert, dass der Pub an einer Straße liegt. Aber doch nicht an SO EINER! Egal. Weit und breit gibt es auch keine andere Unterkunft, also auf zum Inn. Wir laufen noch 200 Meter über den schmutzigen Grasstreifen am Fahrbahnrand. Das Dog and Partridge Inn wirkt wie eine Trucker-Raststätte an einem Highway in der Mojawe-Wüste: Kein Baum weit und breit, nur die Straße und das einsame Gebäude des Gasthofs.

Der Pub ist dann aber sehr schön. Wir haben ein tolles Zimmer im hinteren Teil des Gebäudes, so dass wir sogar bei geöffnetem Fenster schlafen können. Der Pub ist gemütlich und gut geführt und am Abend beobachten wir noch die Unmengen an Kaninchen, die hinter dem Haus ihre Purzelbäume schlagen. Auch Vogelfreunde hätten hier ihre wahre Freude – viele verschiedene Vögel drehen ihre Runden über dem Moor, wir können jedoch nur die Moorhühner und Schwalben bestimmen.

Tag 48: Fox House Inn nach Ladybower

Der heutige Tag war als „Ruhe-Tag“ eingeplant: Nur vierzehn Kilometer bis zum Ladybower Inn! Aber da wir uns Friedels neugewonnener Fähigkeiten noch nicht sicher sind, sind wir froh, dass die heutige Etappe nicht so lang ist. Trotz der kurzen Länge erwartet uns eine schöne, aber auch anstrengende Etappe.

Der Weg vom Fox House führt uns zunächst ein Stück an der Straße entlang, die aber bald ins freie Feld führt. Es geht nun am Rand der Burbage Edge entlang, einer dramatischen Felskante, die ich schon im Internet auf diversen Kletter-Seiten bewundert habe. Burbage Edge im Sonnenaufgang, Burbage Edge im Sonnenuntergang ..

Zunächst geht es durch eine mondähnliche Landschaft. Das Auge schweift frei über Gräser, Farne, Heide, Steine ..  bis zum Horizont nichts als braune Landschaft, unterbrochen durch ein paar Felskanten und Steinhügel. Mein Vater meinte beim Anblick der Fotos spontan: „Das ist ja langweilig!“ Wir aber empfinden diese „Wüste“ als sehr entspannend und anregend. Auf unserem Weg schrecken wir das eine oder andere Moorhuhn auf, also wenn das aber mal nicht anregend ist!

Diese Vögel haben die Angewohnheit, sich komplett ruhig zu verhalten, bis man in unmittelbarer Nähe ist. Dann plötzlich fliegen sie mit lautem Geschrei auf  – es bleibt einem förmlich das Herz stehen. Das ist echt der besondere Trick der Viecher – wenn man sich vom Schreck erholt hat, sind sie schon weg!

Wir folgen nun dem „Sheffield Country Walk“. Am Morgen haben wir noch einige Jogger als Gesellschaft, aber auch die werden im Verlauf des Morgens immer weniger. Vom Foxhouse Inn wandert man bis zu einem Parkplatz auf einer Art Plateau: Rechts steht die Kante der Burbank Rocks, links ein Wald, der aber wohl schon länger keiner mehr ist .. nur Stümpfe und ein kleiner Rest sind davon übrig. Nach dem Parkplatz beginnt Stanage Edge. Hier treffen wir gar niemanden mehr, nur der Wind heult uns um die Ohren. Es ist unglaublich, welche Einsamkeit man hier trifft, heute an einem offiziellen Feiertag, nur fünf Kilometer von Sheffield entfernt!

Stanage Edge ist wieder stark THE HELM ausgesetzt. Ich bin froh, dass ich meine Mütze dabei habe. Friedel und ich machen Spaßfotos im Wind. Da wir immer an der Kante entlang laufen, haben wir jedoch einen tollen Blick ins Tal. Während wir hier gegen Wind und Wolken kämpfen, herrscht im Tal eitel Sonnenschein! Insgesamt sind wir froh, dass wir bei dem Wind nicht zwanzig Kilometer laufen müssen, bei vierzehn Kilometern kann man schon mal ein paar Witze reißen.

 

Um etwa ein Uhr mittags beginnt es aber fies zu regen. Sofort verwandelt sich der zuvor sandig-elastische Weg in einen Matsch. Das ist es, wofür der Höhenzug berühmt-berüchtigt ist: Pennines = Matsch! Entsetzen!

Zum Glück gib es hier und da einige Plattenwege, immer wenn der Weg über potentiell matschiges Gelände verläuft. Zwar gibt es die eine oder andere Pfütze, aber die lässt sich noch locker umspringen. Da haben wir auf dem Coast to Coast Walk aber schon anderes erlebt, haha! Wir verbringen sogar noch eine coole Mittagspause mit Tee in strömendem Regen und typisch englischen Gurken-Sandwiches. Egal!

Als wir an der A57 bei der Moscar Lodge ankommen, sind wir schon eine Zeitung von Bult zu Bult gesprungen. Aha, so fühlen sich die Pennines an! In der Tat ist dies ein kleiner Vorgeschmack darauf.

Wir wollen natürlich nicht an der Straße entlang laufen, sondern wählen Feldwege entlang der Straße. Auf diesem Weg neben Strommasten wird es nun vollends nass: Unser erster „Vollmatsch“ auf dieser Tour! (Im Verlauf der weiteren Etappen werden wir nasse Füße als natürliche Gegebenheit akzeptieren lernen – so ist es halt!) Gegen 15 Uhr erreichen wir das Ladybowers Inn: Auf der einen Seite haben wir das Gefühl, dass sie auf Leute wie uns spezialisiert sind. Trotzdem haben sie keinen Trockenraum für nasse Wanderstiefel und nicht mal Zeitungspapier zum Ausstopfen. Was ist denn das für eine Performance?

Die Zimmer sind jedenfalls nett in einem Nebengebäude untergebracht und groß und gut gepflegt. Mit roten, windgegerbten Gesichtern verbringen wir einen gemütlichen Abend im Pub und feiern, dass Friedel wieder laufen kann.