Coast to Coast 8: Finally – the Sea!

P1080148 Kopie Etappen 14 und 15 auf dem Coast to Coast Walk Mai 2014:
Lion Inn – Glaisdale: 16 Kilometer
Whitby – Robin Hood’s Bay: 12 Kilometer

Als wir am Morgen aus dem Lion Inn taumeln, ist es kalt, nass und grau. Keine Spur mehr vom schönen Wetter der letzten Tage!

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Eigentlich wollen wir heute die 22 Kilometer bis nach Grosmont im Eskdale schaffen. Aber es werden nur 16 Kilometer bis Glaisdale – wir haben nämlich keine Lust mehr!
2014 sind wir noch keine Puristen. Es ist kalt und schmuddelig und wir werden am frühen Nachmittag aufgeben und uns die letzten fünf Kilometer der vorletzten Etappe nach Grosmont sparen. Auch den letzten Abschnitt von Grosmont nach Robin Hood’s Bay werden wir nur teilweise laufen. Aber dazu später mehr …

Auf den ersten drei Kilometern am Morgen treffen wir wie schon am Vortag auf diverse alte Grenzsteine und Steinkreuze. Besonders prominent: Der „Face Stone“ und „Fat Betty“.

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Der „Face Stone“ im Urra Moor- Foto von Carla
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White Cross oder „Fat Betty“ – Foto von Carla

Mit dem White Cross – oder „Fat Betty“ genannt – ist eine besondere Tradition für Coast-to-Coaster verbunden: Wer immer hier vorbeikommt, soll etwas Essbares von ihren Schultern nehmen und etwas anderes dafür hinterlassen – blöd, dass nur ein paar aufgeweichte Kaugummis und Bonbons dort liegen. Dafür geben wir unsere wertvollen Ingwer-Kekse nicht her!

Der Weg heute verläuft größtenteils über Asphalt und Schotterwege – jedenfalls, solange wir noch hier oben im Moor sind. Wie gut, denn das erspart uns (zunächst noch) nasse Füße. Wir verbringen den Vormittag mit Diskussionen darüber, ob Gepäcktransporte auf Wanderungen zulässig sind oder nicht. Die Australier tänzeln mit Tagesrucksäcken über das Moor und sehen jeden Abend aus wie aus dem Ei gepellt. Carla ist auf jeden Fall dafür, ich bin leidenschaftlich dagegen. Das nächste Mal will sie Gepäcktransport!

Während der Weg gestern uns über die Hochebene führte, geht es heute immer an der Kante entlang. Es bieten sich weite Ausblicke ins weite Eskdale … wenn es nur nicht so diesig und regnerisch wäre!

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Erst kurz vor Glaisdale verlassen wir die Moorberge und steigen endlich ins Tal ab. Mittlerweile hat es sich ordentlich eingeregnet und unsere Motivation sinkt kurzzeitig ziemlich in den Keller.

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Foto von Carla
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Foto von Christiane

Zwar hört es wieder auf zu regnen, aber der weitere Weg durch matschige Wiesen am Fluss Esk erscheint uns nicht wirklich verlockend. Schon gestern haben wir beschlossen, dass wir in Grosmont den Zug nehmen wollen und noch einen Nachmittag und Abend in der Hafenstadt Whitby verbringen wollen. Da der Zug aber auch schon in Glaisdale vorbei fährt, brechen wir unsere heutige Wanderung fünf Kilometer vor dem Tagesziel ab und warten auf den nächsten Zug.

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In der Wartezeit treiben wir uns um die alte Packhorse-Bridge herum, die in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof den Fluss Esk überspannt. Ein romantisches Fleckchen – und grün ist es hier unten!

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Foto von Carla

Normalerweise hätten wir von hier aus noch 17 Kilometer weiterlaufen müssen, bis wir die Nordsee bei High Hawsker erreicht hätten. Der Zug aber bringt uns in 20 Minuten nach Whitby zum Meer – oh Wunder der Technik!

Natürlich laufen wir zuerst zum Meer und zum Hafen – aber unsere Schuhe werden wir erst morgen in Robin Hood’s Bay wieder eindippen!

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Foto von Christiane
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Foto von Carla

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Whitby ist mit seinen 14.000 Einwohnern die erste richtige Stadt, die wir seit York sehen – und sie präsentiert sich nass und rostig!
Nach Baden ist uns an diesem kalten und regnerischen Maitag nicht zumute. Aber man kann sich vorstellen, dass am Strand im Sommer jede Menge los ist.

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Die Stadt ist um einen großen Hafern herum angelegt, es gibt jede Menge kleine Gassen und hoch über der Stadt thront die Ruine von Whitby Abbey, dem Schauplatz vieler Filme und eines großen Gothik-Festivals, das hier regelmäßig stattfindet – Whitby ist schließlich der Hafen, in dem Graf Dracula in England landete!

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Trotz des schlechten Wetters sind wir noch lange in der Stadt unterwegs. Den Abend lassen wir stilecht in einem Fischrestaurant in der Stadt ausklingen. Morgen gibt es noch mehr Meer – statt durch das matschige Inland laufen wir an der Küste entlang nach Robin Hood’s Bay!

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Am nächsten Morgen regnet es wieder. Die Besichtigung der Abbey und St Mary’s Church haben wir uns für heute aufgespart, denn sie liegt quasi auf dem Weg.

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Der Regen macht unserer heutigen Stimmung aber keinen Abbruch – es ist warm, kaum windig und die Küstenlinie präsentiert sich dramatisch!

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Wir genießen die heutigen 12 Kilometer auf dem Cleveland Way in vollen Zügen. Endlich am Meer!

Mittags freuen wir uns über eine regenfreie Pause – auch wenn wir die abgepackten, matschigen Weißbrot-Sandwiches nicht mehr sehen können …

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Foto von Carla

Die letzten fünf Kilometer verlaufen der Cleveland Way und der Coast-to-Coast-Walk auf der gleichen Strecke, so dass wir die letzten Kilometer „im Original“ laufen. Letztendlich sind wir am Ende weitere 22 Kilometer vom C2C nicht gelaufen – aber dafür sieben Kilometer auf dem Cleveland Way.

Aus heutiger Sicht ärgern sich Friedel und ich ein wenig, dass wir so viele Kilometer auf dem C2C ausgelassen haben. Auf der anderen Seite verbringen wir durch unsere „Schummelei“ noch zwei schöne Tage am Meer. Und durch die Abkürzung im Vale of Mowbray und den Abstecher nach York haben wir unseren „Thru-Hike“ ja eh schon versaut! 🙂

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Robin Hood’s Bay- Foto von Carla

Als wir in Robin Hood’s Bay ankommen, ist uns trotzdem feierlich zumute, obwohl wir insgesamt 47 der 310 Kilometer des C2C nicht gelaufen sind. Stolz lichten wir uns vor der C2C-Plakette am Bay Hotel ab. Im Bay Hotel gibt es sogar C2C-Devotionalien zu erstehen, wie Aufnäher, Tassen oder Kühlschrank-Magneten und man kann sich dort im Gäste-Buch verewigen. Der Kühlschrank-Magnet ziert bis heute unsere Dunstabzugs-Haube in der Küche. Interessanterweise gibt es solche Medaillen am Ziel des Pennine Ways nicht – obwohl der ein designierter National Trail ist und der Coast to Coast Walk nicht. Der C2C ist einfach ungleich populärer!

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Foto von Christiane

Nach unserer Foto-Session treffen wir am Strand die Australier wieder und es kommt zu einem Moment, für den wir uns bis heute schämen …
Drei der Damen fallen uns in die Arme, küssen uns ab und juchzen „Yeahhh! We made it! We’ve walked across England!“
(„Wir haben es geschafft, wir haben England durchquert!“)

In der Zeit, in der wir uns Whitby angesehen haben und gemütlich an der Küste entlang geschlendert sind, haben die Australier sich durch die matschigen Wiesen und Wälder des Eskdales geschlagen. Gleich fachsimpeln sie über die Härten der letzten Kilometer, wie furchtbar matschig doch alles gewesen ist, aber wir hätten es ja nun doch noch alle geschafft, blabla …
Wir busseln zurück, lächeln und … schweigen!
Zu peinlich ist es uns zuzugeben, dass wir am Ende geschummelt haben!

Um unsere Schuhe erneut in die Wellen zu tauchen, müssen wir übrigens extrem weit rauslaufen – es ist Ebbe und der ganze Strand ist voller Seetang!

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Robin Hood’s Bay ist ein wirklich hübsches Küstendörfchen – ein würdiger Abschluss für einen wundervollen Wanderweg!

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Foto von Carla

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Am Abend feiern wir in unserem Hotel unseren letzten Abend auf dem C2C. Am nächsten Tag geht’s zurück nach Edinburgh und dann nach Stuttgart.
Schön war’s!

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Vielen Dank an Carla und Christiane – Danke für eure Gesellschaft und die Fotos!

Coast to Coast 7: Die North York Moors

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Etappen 12 und 13 auf dem Coast to Coast Walk Mai 2014:
Ingleby Cross – Chop Gate: 18 Kilometer
Chop Gate – Lion Inn: 17 Kilometer

Endlich haben wir die North York Moors erreicht – jaaaa, es wird es wieder bergig!
Und zwar heute Morgen gleich mehr, als uns lieb ist. Wir sparen uns den Schlenker über die Mount Grace Priory, denn da waren wir ja schon gestern Nachmittag. Stattdessen nehmen wir einen Querweg durch den Wald, bei dem es aber ziemlich steil bergauf geht. Gleich auf dem ersten Kilometer müssen wir 200 Höhenmeter aufsteigen, aber zum Glück haben wir bei Beverleys Mum sehr gut gefrühstückt!

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Oben angekommen treffen wir zum ersten Mal die Australier – es sind elf! Alle Männer und Frauen sind in einem schon eher fortgeschrittenen Alter und tragen durchweg eine Kombination von kurzen Hosen, kleinen Rucksäcken und Gamaschen. Schließlich geht es heute wieder ins Moor! 🙂
Der Weg ist heute allerdings eher trocken – und nicht nur trocken, sondern staubtrocken! Schon um 10 Uhr brennt die Sonne ganz ordentlich und kein Baum ist in Sicht. Der Weg führt immer an der Kante entlang und bietet eine weite Sicht auf das Vale of Mowbray – phantastisch!

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Der Weg heute verläuft auf der gleichen Wanderstrecke wie der Cleveland Way – und der ist nicht umsonst einer der National Trails!
Im Vergleich zu den Mooren der Pennines sind die North York Moors viel farbenfroher – Grün wechselt sich ab mit verschiedenen Braun- und Grautönen, zwischendurch lugen überall ein paar Felsen hervor. Die Hochmoor-Hügel sind durchbrochen von grünen Tälern, in die es heute leider mehrmals hinuntergeht – und wieder hinauf!

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Wie schön muss es hier sein, wenn im Sommer die Heide blüht! Wir nehmen uns dringend vor, eines Tages wiederzukommen und den kompletten Cleveland Way zu laufen – im August!

Heute ist Sonntag und es ist jede Menge Volk unterwegs. Vor Carlton Bank werden wir plötzlich ständig von Läufern in Abendkleidung, mit Frack und Zylinder oder Brautkleidern überholt. Wir denken an eine ausgelassene Hochzeitsgesellschaft – aber dann folgen Leute mit Badehose, Taucherbrille und Schnorchel … und das alles bei dieser Hitze!
Des Rätsels Lösung: Heute kommen wir das erste Mal mit dem sehr englischen Konzept eines „Charity Run“ in Berührung. Die Engländer gehen oder laufen einen Weg nicht für sich selbst  – sie tun es für einen guten Zweck, zum Beispiel für die Krebshilfe, gegen Leukämie oder ähnliches. Mittlerweile gibt es das auch in Deutschland, aber 2014 war uns das vollkommen unbekannt. Auch wir auf unserem LECW-Weg werden später häufiger gefragt, für wen oder was wir den Weg laufen … äähh … nur für UNS!

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Aufstieg zu Carlton Bank

Der Aufstieg zur Carlton Bank bringt uns ordentlich ins Schnaufen. Als wir den „Gipfel“ erreichen,  brauchen wir erst mal ’ne Pause!

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Foto von Christiane

Nach dem Aufstieg folgt der sofortige Abstieg – ein echter Kniekracher! Aber zwei Kilometer weiter wartet eine echte Kuriosität auf uns – ein Ausflugscafé, und es hat heute am Sonntag geöffnet, so wie in Deutschland!
In der Tat ist es das erste Café, auf das wir auf dem ganzen C2C stoßen – was wohl auch daran liegt, dass der Weg durch wirklich einsame Landschaften führt und man nur nach einem langen Wandertag eine Ortschaft erreicht.
Das Lordstones Café ist eine hobbitähnliche, aus Feldsteinen gebaute Anlage mit Grasdach und fügt sich wunderbar in die umliegende Landschaft ein. Der Biergarten davor ist rappelvoll, so dass wir unseren Kaffee und Kuchen auf dem Rasen nehmen müssen – kein Problem, wir sind das ja schon gewöhnt!

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Bei der Planung dieser Etappe hatten wir echte Schwierigkeiten, für heute eine Unterkunft zu finden. In Urra gab es ein B&B, aber das hat mittlerweile geschlossen. Vier Kilometer vom Cleveland Way entfernt gibt es unten im Tal in Chopgate jedoch einen Pub mit Zimmern – da wollen wir hin!
Deshalb biegen wir bei Broughton Bank vom Cleveland Way ab und schlagen uns auf kaum noch erkennbaren Wegen über das Cold Moor – die schönste Strecke des Tages. Der  schmale Hügel ragt weit in die umliegende grüne Landschaft hinaus und es bieten sich weite Ausblicke nach links und nach rechts. We are on Top of the World!

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In Chopgate erwartet uns eine Überraschung – unser Wirt heißt Wolfgang und kommt aus Ebersbach/Fils!

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Foto von Carla

Wolfgang lebt schon seit über 20 Jahren hier am Ende der Welt, zusammen mit seiner englischen Frau. Er freut sich sichtlich über den Besuch aus der alten schwäbischen Heimat, denn so viele Deutsche verschlägt es nicht hierher.
Wir werden von Wolfgang besonders umsorgt, aber trotzdem wollen wir heute keine „Rippchen“ oder „Kaese Spaetzle“ bestellen, auch das „Erdinger Weissbraeu“ lassen wir links liegen. Wir entscheiden uns stilecht für den lokalen Fasan, Wildtaube und ein echtes lokales Real Ale  – schließlich sind wir in den Yorkshire Moors!

Heute Abend ist es so warm, dass wir noch lange auf einer Bank vor dem Pub sitzen und das Lichtspiel der Abendsonne auf den umliegenden Bergen genießen. Später am Abend haben wir einen fabelhaften Sternenhimmel – heute war der perfekte Tag!!

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Kriegerdenkmal in Chopgate

Am nächsten Tag bietet uns Wolfgang freundlicherweise an, uns zum Pass zurückzufahren. Aber nein, wir (vor allem Friedel und ich) wollen natürlich laufen. Und auf keinen Fall den gleichen Weg wie gestern zum Cleveland Way zurück gehen – ein verhängnisvoller Fehler!
Auf der Karte gibt es verschieden eingezeichnete Wege über’s Urra Moor zurück zum Cleveland Way – allein … wir finden sie nicht!
Als wir auf der Suche nach den eingezeichneten öffentlichen Wegen auf einer Farm landen, werden wir von der Besitzerin mal so richtig angepampt – sie hat die Nase gestrichen voll von den „bloody“ Coast-to-Coastern … scheinbar gibt es noch andere außer uns, die auf ihrem Grundstück herumirren!
Am Ende hat die Dame ein Erbarmen mit uns und schickt uns um die Farm herum … mitten ins matschige Moor! Wir freuen uns trotzdem, denn das Wetter ist gut und es ist noch früh am Tag, haha! 🙂

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Foto von Gisela – kurz vor dem Urra Moor

Das Urra Moor ist jedoch äußerst matschig und hubbelig und wir irren weglos durch’s Gelände. Uns ist das Lachen jetzt vergangen und wir sind heilfroh, als wir eher durch Zufall einen Weg erreichen, den die Eichel der National Trails ziert – zwar sind wir zurück auf dem Cleveland Way, aber bereits ziemlich kaputt!

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Der Weg heute ist grundsätzlich verschieden zu dem gestern – da ging es immer an der Kante lang, mit weiten Ausblicke ins Tal. In der Tat verläuft der Cleveland Way weiter an der Kante entlang, bis er das Meer erreicht. Der C2C jedoch nimmt eine Abkürzung mitten durch das Moor. Durch ein Moor, wie man es sich (nicht) vorstellt, in seiner ganzen flachen, eintönigen und nährstoffarmen Pracht. Uns erinnert es eher an die Innere Mongolei als an England …

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Zum Glück verläuft der Weg auf einem ehemaligen Bahntrack, so dass die Füße trocken bleiben.
Tatsächlich macht der Weg auf der ehemaligen Bahntrasse den halben Wandertag aus – während sich das Wetter zusehends verschlechtert. Das Ganze trägt nun nicht unbedingt zur einem lieblichen Eindruck der Landschaft bei.

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Foto von Christiane

Friedel und ich sind trotzdem fasziniert von der Weite und Einsamkeit der Landschaft. Weite Teile des Moors sehen abgebrannt aus – sind das Maßnahmen zur Hege der Moorhühner, oder waren die Brände Unfälle?

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Christiane zeigt sich mäßig begeistert vom Moor und Carla ist ein wenig genervt von der Einöde – wird das mal bald besser?
Keine Ahnung, warum Friedel und mich hingegen diese endlose, karge Weite so fasziniert – wir wollen mehr davon und machen uns zwei Jahre später auf zum Pennine Way … WIR lieben es!

Plötzlich beginnt der Wind hier oben ganz ordentlich zu blasen und der Himmel zieht sich zu. Zwar regnet es nicht, aber es wird deutlich kälter. Am Nachmittag müssen wir zum Schutz gegen den Wind unsere Regenjacken wieder auspacken – ein Abend auf der Terrasse wird das heute wohl nicht!

Wir sind froh, als wir in der Ferne unsere Unterkunft, das Lion Inn auf der Blakey Ridge erblicken – in dieser unwirtlichen Gegend wollen wir bei dem Wind nur ungern noch länger verweilen!

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Das Lion’s Inn von Weitem … hoffentlich ist es keine Fata Morgana!
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… und aus der Nähe!

Das Lion Inn von 1553/1558 ist eines der ältesten und einsamsten Inns in England und in der Tat ein schräger Schuppen  – es fällt einem nicht schwer sich vorzustellen, dass das vielfach verschachtelte Inn viele Jahrhunderte als Zollstation und Raststätte für müde Kutscher diente. Es soll hier sogar spuken – wir haben aber nichts gemerkt!

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Hier treffen wir auch die lustigen elf Australier wieder. Die Gruppe hat eine Art Pauschalangebot mit Rucksacktransport und Unterkunfts-Service gebucht. Zwei der älteren Damen erzählen uns, dass sie  Julia Bradburys Dokumentation über den Weg im australischen Fernsehen gesehen haben und sich nun mit dieser Wanderung einen ihrer Lebensträume erfüllen. Kaum zu glauben – wir träumen von Outback und von der Weite Australiens … und die Aussies von einem schafverköttelten Weg im alten Europa? 🙂

 

 

 

 

Die Geiselsteinrunde im Februar

Nachts hat der Winter die Alb noch voll im Griff. Heute Morgen hatten wir noch Minusgrade. Aber tagsüber war es schon richtig warm – 15 Grad im Schatten!

Die Ruine von Burg Helfenstein vom Rohrachtal aus gesehen

Um 11 Uhr scheint die Sonne in die Küche und Friedel und ich müssen raus!
Heute wählen wir die dunkle Seite des Tals – hier auf der Westseite bleibt der Schnee immer noch ein wenig länger liegen als auf der Helfenstein-Seite. Der Weg hoch zum Wittinger Fels ist phasenweise noch eine ganz schöne Schlitterpartie!

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Auf dem Felsen angekommen, genießen wir den Blick auf eine sonnige Geislinger Steige und auf die Stadt.

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Der Geiselstein und darunter die Steige
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Da wo die Kirche ist, da wohnen wir! Das vorn ist eine Forellenzucht-Station.

Hier oben ist der Schnee an vielen Stellen schon komplett weggetaut, an anderen aber noch knöcheltief.

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Auf dem Weg zum Geiselstein gibt es jede Menge alte Grenzsteine …

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Jetzt kommt das ewige Highlight dieser Runde: Der Geiselstein, tausendmal von uns fotografiert, hier haben wir im Frühling, Sommer, Herbst und Winter schon viele Male gesessen …

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Aber Blumen haben wir noch keine einzige gesehen! 🙂

 

Coast to Coast 6: Ausflug nach York und das Vale of Mowbray

Eigentliche Etappe Richmond nach Lovesome Hill: 24 km (nicht gelaufen!)
Zickezacke in York: ca. 12 km
nächste Etappe Lovesome Hill nach Ingleby Cross: 15 km

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Jeder Fernwanderweg hat seine Schwachstellen: Lange Passagen über Asphalt, ödes Flachland, städtische Bebauung. Beim LECW gehörte der Asphalt-Marsch auf dem SWCP von Bideford nach Braunton nicht gerade zu den Highlights unserer Tour. Auch die flachen, matschigen Felder und Wiesen in Staffordshire lösten nur begrenzt Begeisterung in uns aus. Viele Wanderer skippen solche Passagen und nehmen den Bus oder das Taxi zum nächsten Highlight. Heute würden wir das nicht mehr tun, aber 2014 waren wir noch nicht so puristisch.

Auf dem Coast to Coast Walk gilt das Vale of Mowbray als eine dieser eher uninteressanten Etappen. Es geht durch viele Dörfer, weite Strecken führen über Country Roads und noch dazu ist das Gelände platt wie eine Flunder. Die meisten Wanderer hauen die vierzig Kilometer Strecke an einem Tag durch, aber das wollen wir uns nicht zumuten. Außerdem gibt es in unmittelbarer Nähe eine extrem attraktive Stadt, die wir unbedingt sehen wollen: York!
Statt uns also bis zu unserer nächsten Unterkunft (der Lovesome Hill Farm) die Füße plattzulaufen, lassen wir die ersten 24 Kilometer des Vale of Mowbray aus und nehmen lieber den Bus nach York. Für morgen sind immer noch 15 Kilometer vom Vale übrig, das reicht uns!

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York ist toll! Viel Tudor …

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… viel Gotik …

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… und extrem viele Touristen! Nach der Einsamkeit der Nine Standard Riggs sind wir total überfordert!
Friedel und ich verkrümeln uns schnell auf die eher nicht so überfüllte mittelalterliche Stadtmauer, die die gesamte Innenstadt umschließt und schauen uns die Stadt von oben an.

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Carla und Christiane stürzen sich in das Gewimmel der Innenstadt mit all ihren Schokoladenmanufakturen, Straßenmusikern und kleinen Läden mit hübschem Schnickschnack, aber leider können sie nicht viel mitnehmen – Trekking ultralight! 🙂

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Das Highlight von York ist für Friedel und mich ein stilechter Cream Tea mit Scones in einem romantischen, stillen Garten!

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Foto von Carla

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Am Abend sind wir dann doch irgendwie wieder froh, der Großstadt zu entkommen und mit dem Zug zurück ins Vale zu fahren. Unser B&B-Wirt John holt uns netterweise am Bahnhof in Northallerton ab.

Das Schönste am folgenden Wandertag durch das Vale of Mowbray sind die Unterkünfte. Die Lovesome Hill Farm ist ein echter Bauernhof, der nebenbei noch Zimmer vermietet. Unsere Zimmer in einem Nebengebäude sind groß und gemütlich und das Frühstück mit selbstgemachter Marmelade, Eiern vom Hof und Würstchen aus eigener Herstellung ist der Knaller. Viel länger als geplant sitzen wir in der bäuerlich-gemütlichen Wohnküche und plaudern mit Mary, unserer B&B-Wirtin.

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Foto von Carla

Marys Mann John ist heute sehr beschäftigt – der Schafscherer ist da! So haben wir das einmalige Glück, die Aktion aus direkter Nähe zu erleben. Und wir lernen – wenn zappelnde Schafe auf ihr Hinterteil gelegt werden, strampeln sie nicht mehr und können in aller Ruhe geschoren werden!
Die Aktion sieht auf dem Bild etwas brutal aus, aber die Schererei geht blitzschnell!

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Fotos von Carla

Als wir gegen 11 Uhr aufbrechen, ist es bereits heiß und schwül. Heute wird geschwitzt!

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Tatsächlich gehört der Wandertag ansonsten zu der eher langweiligen seiner Art. Die ganze Gegend erinnert uns massiv an Steffis alte Heimat im Speckgürtel Ostwestfalens. Sogar die Holsteiner sind da!

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Foto von Carla

Es geht über kleine Straßen, Wiesen und sogar durch Felder!

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Wir verlaufen uns mehrere Male, denn es gibt kaum Anhaltspunkte für eine gute Orientierung. Selbst ordentliche Rastplätze sind rar … 🙂

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Foto von Carla

Am frühen Nachmittag keimt Hoffnung in uns auf – Berge in Sicht! Und Wald!!

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Kurz vor Ingleby Cross erreichen wir – so mein  Wanderführer –  den gefährlichsten Punkt auf dem ganzen Coast to Coast Walk: Eine extrem vielbefahrene Schnellstraße. Wie die Hasen hoppeln wir ohne jede Sicherheitsmaßnahme über die Piste – und wir haben überlebt!

Ab jetzt wird’s wieder schön: Wir passieren den alten Wasserturm von Ingleby, eine alte Kapelle mit verwitterten Friedhofsteinen und Arncliff House, der Sitz des Lords all der umliegenden Ländereien.

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Foto von Carla
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Fotos von Carla

Endlich Die Gelegenheit für eine schattige Rast im Wald und … Trailmagic!

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Foto von Carla

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Völlig durchgeschwitzt erreichen wir unser Parkhouse B&B, schattig im Wald gelegen – und werden von Beverley’s Mum mit einer Flasche Sekt begrüßt!

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Beverley hat sich ein paar Tage frei genommen und statt ihrer kümmern sich ihre Mum und eine Freundin um uns, wie Mama es nicht besser könnte – am Abend wird uns Fasan und Eton Mess im gemütlichen Wohnzimmer serviert, das B&B hat eine Alkohol-Lizenz … der Abend auf der Terrasse mit Blick auf das Vale und einem Glas Wein ist also geritzt!

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Foto von Carla

Aber halt, es ist doch erst später Nachmittag!
In unmittelbarer Nachbarschaft steht die Mount Grace Priory, die wir natürlich noch mitnehmen müssen. 150 Jahre lang lebten hier jeweils um die fünfzehn Mönche in völliger Abgeschiedenheit und totalem Schweigen. Eine rekonstruierte Mönchszelle, eine Art Reihenhaus mit Feuerstelle im Erdgeschoss, darüber liegendem Schlaf- und Arbeitsraum und angrenzendem ummauerten, kleinen Garten gibt einen bedrückenden Einblick in das Leben der damaligen Bewohner. Und jetzt am frühen Abend gibt es nur noch ganz wenige Besucher außer uns …

Nach dem tollen Abendessen sitzen wir noch lange vor dem Haus und genießen den schönen Abend. Der Weg selbst war zwar nicht so ereignisreich, aber der Start und das Ziel allemal!

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Fotos von Carla

 

 

 

Coast to Coast 5: Die Yorkshire Dales

Tag 7, 8 und 9 auf dem nordenglischen Coast to Coast Walk im Mai 2014:
Kirkby Stephen – Keld: 19 Kilometer
Keld – Reeth: 18 Kilometer (davon 4 Kilometer mit dem Bus)
Reeth – Richmond: 17 Kilometer

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Foto von Carla

Als wir am Morgen in Kirkby Stephen aufbrechen, regnet es bereits in Strömen. Da wir ja gestern noch nicht viel vom Ort gesehen haben, versuchen wir das schlechte Wetter mit einer Stadtbesichtigung auszusitzen. Der Ort gibt jedoch nicht viel her, also auf in die Yorkshire Dales!

Auf die Dales freuen wir uns schon besonders. Googelt mal „Yorkshire Dales“ und ihr seht den Inbegriff englischer Postkarten-Landschaften: Sattgrüne Wiesen, romantische Mauern und Ruinen, Swaledale-Schafe.
Es gibt Landschaften, die sehen bei jedem Wetter toll aus. Andere wirken umso dramatischer, wenn es regnet oder nebelt. Und manche sehen bei schlechtem Wetter einfach nur öde aus, da nutzen keine fototechnischen Raffinessen: Letzteres gilt leider für die Hochebenen der Yorkshire Dales … 😦

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Zum Glück gibt es zwischendurch auf diesen windgepeitschten Hochebenen mal das eine oder andere Bachtal, in dem ein paar Ginster-Büsche um ihr Überleben kämpfen und die netterweise ein Rastplätzchen bieten – aber nur für den Alleinwanderer!

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Kirkby Stephen liegt auf 170 Metern Höhe. Unser heutiges Ziel bis zum Mittag sind die „Nine Standard Riggs“, neun charakteristischen Steinhaufen, die sich auf 662 Höhenmetern befinden. Uns erwarten 500 quälende Höhenmeter Aufstieg, denn der Wind bläst uns voll ins Gesicht und es wird immer kälter, je höher wir kommen.

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Foto von Carla

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Foto von Christiane

Niemand weiß genau, wann, warum und von wem die neun Steingebilde aufgeschichtet wurden. Einige Experten vermuten, dass sie marodierende schottische Banden davon überzeugen sollten, dass englische Truppen hier oben auf sie warten … eine echte Beleidigung der schottischen Intelligenz! 🙂
Wir jedenfalls freuen uns, dass die Standards ein windstilles Plätzchen für unsere Mittagspause bieten, auch wenn es mit der vielgerühmten Weitsicht bis zu den Bergen des Lake-Districts und zum Cross Fell heute nicht weit her ist.

Wenigstens bleibt es bis zu unserem Einmarsch nach Keld heute Nachmittag trocken  – jedenfalls von oben!
Heute machen wir nämlich unsere erste Bekanntschaft mit patschigen, schuhziehenden Mooren. Die finden Friedel und ich so toll, das wir uns zwei Jahre später freudig in das Abenteuer der berüchtigten Pennine Way-Moore stürzen werden. So muss es auf dem Pennine Way in der guten alten Zeit vor den Steinplatten ausgesehen haben!

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Von den Nine Standard Riggs bis zum Abstieg ins Swaledale gibt es drei verschiedene Routen: Eine wird von Dezember bis April gelaufen, eine von Mai bis Juli und die dritte von Juli bis November. Dies ist der starken Erosion geschuldet, die die vielen Wanderer auf den sensiblen Moorböden erzeugen. Der C2C ist bis heute kein offizieller National Trail, so dass es keine finanziellen Mittel gibt, den Weg zu pflegen und zu unterhalten, wie es zum Beispiel beim Pennine Way oder dem West Highland Way der Fall ist. Zwar wird schon seit Jahren vorgeschlagen, den Weg in das Programm der National Trails aufzunehmen, doch der kostspielige Aufbau des England Coast Path blockiert bis auf Weiteres alle Mittel.
Für uns als Wanderer macht sich der informelle Status darin bemerkbar, dass die Wege oft sehr matschig sind, die Stiles oft wackeln, die Hecken nicht geschnitten werden und die Wegmarkierung sparsam ist. Die Wegfindung gestaltet sich deshalb manchmal etwas schwierig, aber das alles macht der Beliebtheit des Weges keinen Abbruch!

Komischerweise sind wir heute auf den Nine Standards total allein und auch auf dem Weg nach Keld werden wir niemanden mehr treffen.

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Auf dem Weg nach unten wird es wieder ein wenig grüner, denn wir befinden uns bereits im oberen Swaledale. Hier treffen wir das erste mal auf den River Swale, der uns die nächsten zweieinhalb Tage begleiten wird.

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Ohne Sonne …
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… mit Sonne!

Außerdem ist heute der Tag der hässlichen Tiere: Was der eine zu viel hat, hat der andere zu wenig!

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Das Wetter wird kurz vor Keld auch wieder besser. Et voilà – somit auch die Fotos!

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Catrake Force – Foto von Carla
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Catrake Force

Keld ist das oberste Dörfchen im Swaledale und im Winter unter Bergen von Schnee begraben – heute bescheint uns gnädig die Nachmittags-Sonne und es wird auch gleich wieder wärmer.
Das Dorf liegt hübsch im Tal und ist mit seinen braunen Steinhäusern ein echtes Schmuckstück. Woanders gäbe es jede Menge Cafés, Souvenirläden, Woll-Manufakturen und einen großen Busparkplatz – hier nicht!

Unsere Unterkunft ist heute die wunderbare Keld Lodge, eine ehemalige Jugendherberge und unsere ewige Nummer Eins auf unserer „Beste-Unterkünfte in GB“-Liste. Hier kreuzen sich der C2C und der Pennine Way, so dass wir 2016 noch einmal in dieser supergemütlichen und hikerfreundlichen Lodge übernachten können …

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Am nächsten Morgen drücken wir uns noch lange in der Keld Lodge rum. Der Blick aus den große Panorama-Fenstern beim Frühstück verheißt nichts Gutes – es regnet wie’d Sau!!
Und es wird den ganzen Tag nicht aufhören. Von Keld nach Reeth gibt es zwei Varianten als Wegführung des C2C: Die Hauptroute führt durch das Moor und an alten Bleiminen vorbei. Sehr reizvoll, aber heute definitiv zu sumpfig. Sogar unser Reiseführer rät davon ab!
Eine Variante verläuft durch Muker und Gunnerside direkt durch das Swaledale. Hier versinken wir zwar nicht im Moor, aber der Weg verläuft fast ausschließlich über nasse Wiesen und es gibt Stiles, Stiles, Stiles. In den Yorkshire Dales sind ja alle Wiesen so pittoresk mit Steinmäuerchen eingefasst. Das bedeutet aber, dass man über jede Mauer klettern muss. Extrem anstrengend, auch wenn in die Mauern glitschige Trittsteine eingebaut sind, die das Überklettern erleichtern sollen (Stiles). Oder es gibt so Einschnitte in den Mauern, die so eng sind, dass kein Schaf sich durchzwängeln kann. Aber vor allem auch kein Wanderer mit Rucksack!

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Unsere Mittagspause verbringen wir in einem alten Schafstall – der einzige trockene Platz weit und breit!

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Foto von Carla

So schön das Swaledale auch ist – Schon mittags sind wir patschnass und die Moral sinkt. Unterwegs begegnen wir Wanderern mit riesigen Regenponchos – Friedel und Carla beschließen, sich solche Dinger zu kaufen, so lächerlich sie auch aussehen mögen. Christiane und Steffi würden sich nie, nie und nochmals nie in solche unförmigen Schwitzdecken hüllen. So vergeht der Nachmittag mit der Diskussion um angemessene Regenkleidung. Am nassesten aber sind die Füße!

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Vier Kilometer vor unserem Ziel geben wir auf. Wir sind ein Stück an einer Straße entlanggelaufen und die vorbeifahrenden Autos haben uns auch noch ordentlich nassgespritzt, da kommt ein Bus um die Ecke. Damals waren wir noch keine Puristen: Wir haben die Nase voll und steigen ein!

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Reeth mag ein hübsches Örtchen sein – Wir aber wollen nur noch in die Badewanne und in der herrlich überheizten Bar des Buck Hotels „Hornochse“ spielen! Am Abend sinken wir in unsere herrlich plüschigen Himmelbetten und träumen von besserem Wetter …

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An den nächsten Tag können wir uns gar nicht mehr richtig erinnern – das Swaledale öffnet sich und die Berge werden flacher, es geht über Wiesen, Wiesen Wiesen und Country Roads. Der Weg ist ganz nett, aber nicht atemberaubend. Noch dazu ist es kalt und schmuddelig. Wenigstens regnet es heute nur noch gemäßigt!

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Foto von Carla
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Foto von Carla – man beachte das Messer im Cairn???

Wir freuen uns, als wir die County-Grenze zu Richmond erreichen. Nun sind wir fast da und morgen haben wir einen wanderfreien Tag!

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Foto von Christiane

Richmond ist die einzige richtige „Stadt“ auf dem C2C -am Abend sind wir noch fit und motiviert genug, die Stadt und Richmond Castle zu besichtigen. So gibt es doch noch ein Highlight nach zwei eher mäßig schönen Wandertagen.

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Unser B&B in Richmond ist eher etwas steif und kühl. Die Empfehlung für das Abendessen ist ein veganes Restaurant in der City. Das trifft nun nicht unbedingt den Massengeschmack unserer Gruppe, aber wird mehrheitlich als „neue Erfahrung“ verbucht. Ich fand’s cool!

Da wir ja morgen einen Pausentag in York haben, können wir es abends im Pub mal so richtig „krachen lassen“! Wir kommen mit einem sehr interessanten Yorkshireman ins Gespräch, dem die einen in der Gruppe eher misstrauisch gegenüberstehen, aber von dem die anderen unserer Gruppe sich  gern und lange volllabern lassen. Sehr interessant, mal so einem echten Local zu lauschen – aber wir haben ihn mehr schlecht als recht verstanden. Lag das am berüchtigten Yorkshire-Dialekt oder am Ale? 🙂

 

Coast to Coast 4: Durch’s Eden Valley von Bampton nach Kirkby Stephen

Tag 6 und 7 auf dem nordenglischen Coast to Coast Walk Mai 2014:
Bampton Grange-Orton: 18 Kilometer
Orton-Kirkby Stephen: 19 Kilometer

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Oh, elysisches Eden-Valley! So grün! So fruchtbar! So weit und eben! 🙂

Die nächsten zwei Wandertage des C2C stellen eine Art Übergang von den Bergen des Lake Districts zu den Pennines dar, dem großen Hochmoor in der Mitte Englands. Zwar ist das Eden Valley landschaftlich nicht ganz so spektakulär wie der Lake District und die vor uns liegenden Yorkshire Dales, aber wir freuen uns, dass wir uns in der sanft-hügeligen Landschaft ein wenig von den Strapazen der letzten Tage erholen können!

Als wir vier am Morgen in Bampton Grange aufbrechen, verlaufen wir uns erst mal ordentlich. Bampton liegt ja etwas abseits vom C2C und unser Plan ist, uns über Wiesen zur nächsten Wegmarke durchschlagen, zur Shap Abbey. Auf der Karte gibt es einen eingezeichneten Weg über die Wiesen, allerdings existiert der in der Realität gar nicht! So ist das, wenn man sich abseits der ausgetretenen Pfade bewegt – man muss sich im wahrsten Sinne des Wortes „durchschlagen“!

Zwei freundliche Bewohner des kleinen Örtchens Rosgill lassen und über ihr Grundstück laufen und erklären uns den richtigen Weg. Die beiden sind den C2C vor zehn Jahren gelaufen und schwärmen noch heute davon. Also flugs über die Mauer und auf  zur alten Abtei!

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Foto von Christiane
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In der Senke: Die Abbey

Das Highlight des heutigen Tages ist Shap Abbey. Die alte Klosteranlage wurde Ende des 13. Jahrhunderts erbaut, jedoch ist wenig über die weitere Geschichte der Abtei bekannt. Die mönchische Gemeinschaft wurde 1540 aufgelöst, als Heinrich der Achte (Henry XIII) das Kloster schließen ließ und an einen seiner weltlichen Vasallen verschenkte, wie so viele andere katholische Einrichtungen in England. Seitdem verfällt die Abbey. Wir aber sind erstaunt, dass von dem alten Gemäuer noch so viel erhalten ist und freuen uns über eine sonnige Mittagspause in der ansonsten menschenleeren Anlage.

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Foto von Carla

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Das Dörfchen Shap selbst gibt nicht viel her. Allerdings gibt es dort einen Laden, in dem wir unsere Vorräte wieder aufstocken können.
Der nächste Abschnitt ist nicht so schön: Wir müssen an einem riesigen Steinbruch vorbei und über eine fiese Autobahn, zum Glück gibt es eine Brücke. Das Eden Valley zwischen den Gipfeln des Lake Districts und den flachen Kuppen der Pennines war früher wie heute eine wichtige Passage zwischen Nord- und Mittelengland – und irgendwo müssen die Autobahnen ja hin. Immerhin sind die Highways nicht ganz so allgegenwärtig wie im Autoland Deutschland …

So freuen wir uns schon auf eine andere, ganz besondere Straße – auf unserer Karte sind eine Römische Straße und ein Steinkreis eingezeichnet. Jedoch erkennen wir in der Landschaft weder das eine noch das andere – irgendwie haben wir nicht das Auge für solche archäologischen Besonderheiten!

Dafür gibt es satte Wiesen, alte Mauern, verfallene Gehöfte und Ställe – und weite Blicke über das Grasland und die Berge vor und hinter uns.

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Mit dem Eden Valley haben wir Kalkstein-Gebiet betreten – überall auf den ansonsten grünen Wiesen finden sich weiße Farbtupfer – Steine und Schafe!

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Am Nachmittag zieht Regen auf, aber das schreckt uns nicht – bald sind wir in Orton und der dunkle Himmel und ein Regenbogen sind der krönende Abschluss unseres heutigen Wandertages, auch wenn wir ein wenig nass werden.

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Orton ist ein wirklich hübsches Dörfchen, geschützt in einer Senke gelegen, mit hübschen Vorgärten voller Blumen und kreativer Figuren.  Das Klima hier soll sehr gesundheitsfördernd sein – das Dorf ist bekannt dafür, dass viele Bewohner über 100 Jahre alt werden!

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Das George Hotel ist eine der wandererfreundlichsten Herbergen, in denen wir je übernachtet haben: Sofort beim Einchecken werden uns unsere nassen Schuhe abgenommen und in einen Trockenraum gebracht. Wir könnten unsere Wäsche zum Waschen abgeben und auch ansonsten ist der Laden superfreundlich und gut geführt. Da freut sich das Wandererherz! 🙂

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Am nächsten Morgen auf dem Weg nach Kirkby Stephen wird es rauher, sowohl landschaftlich als auch wettertechnisch. Glücklicherweise regnet es nur wenig, aber die Wiesen sind patschnass. Auch die Landschaft wird zunehmend mooriger – die Yorkshire Dales nahen!

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Foto von Christiane

Wir alle fluchen ein wenig wegen der vielen Pfützen und nassen Passagen, die es heute zu überspringen und zu durchwaten gilt – aber noch Schlimmeres wird kommen! 🙂

Unsere Mittagspause  verbringen wir im „Paradies“: Das Smardale mit seinem alten Eisenbahnviadukt ist eine grüne Oase in der ansonsten kargen Moorlandschaft.

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Blick zurück zum Lake District

Als wir nach neunzehn Kilometern in der Kleinstadt Kirkby Stephen ankommen, sind wir trotzdem recht entspannt  – der Weg war zwar etwas nass, aber nicht besonders anstrengend. Wir freuen uns auf eine schöne Dusche und ein Ale in unserem Hotel „Black Bull“. Doch der Wirt an der Rezeption kann unsere Buchung nicht finden – oh Schreck!!!
Steffi hat den blödesten Buchungsfehler ihrer Hiking-Karriere verzapft – statt drei Zimmer für den 26. Mai hat sie die Zimmer für den 26. April gebucht! Das Hotel hatte die 190 Pfund für den Aufenthalt sogar schon von der Kreditkarte eingezogen – aber sie hatte es für eine Vorauszahlung gehalten!
Glücklicherweise ist das Hotel aber heute nicht voll ausgebucht und wir bekommen unsere Zimmer – und das alles ohne Aufpreis! Vielen Dank, Black Bull!

Den Abend verbringen wir Karten spielend im gemütlichen Pub. Die Stadtbesichtigung verschieben wir auf morgen! 🙂

 

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Coast to Coast 3: Von Grasmere über Patterdale nach Bampton Grange

Tag 4 und 5 auf dem Coast to Coast Walk Mai 2014:
Grasmere-Patterdale: 15  Kilometer
Patterdale-Bampton Grange: 23 Kilometer

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(Foto von Carla)

Im Tal in Grasmere ist es noch schön, als wir nach einem tollen Frühstück in unserem B&B aufbrechen. Beim Aufstieg (550 Höhenmeter) weht jedoch ein eisiger Wind von vorn, der uns den Weg zum Grisedale Tarn erschwert. Je höher wir steigen, desto mehr versinken wir in den Wolken – was für ein Unterschied zu den angenehmen Temperaturen der letzten Tage!  Zum Glück haben wir heute auf der Hauptroute des C2C von Gramere nach Patterdale nur 15 Kilometer vor uns. Den Gedanken, die Variante über die berühmte Striding Edge und den Berg Helvellyn zu nehmen, verwerfen wir schnell, als wir oben in die Wolken eintauchen – zu windig, zu neblig und zu kalt heute …

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So bleibt uns nichts anderes, als stramm bis zum Grisedale Tarn durchzumarschieren. Oben am See gibt es jedoch kein windgeschütztes Plätzchen für eine Pause, also laufen wir weiter bis zur Ruthwaite Lodge, in deren Windschatten wir unsere Mittagspause einlegen.

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am Grisedale Tarn (Foto von Carla)
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Ruthwaite Lodge

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Nach der Lodge sind wir froh, als wir wieder vom Berg runterkommen. Die letzten sieben Kilometer geht es durch das liebliche Grisedale und das Patterdale über Wiesen zu unserem B&B, der Greenbank Farm. Welch ein Kontrast zu dem fiesen Wetter oben auf dem Berg!

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im Grisedale

Auf diese B&B-Unterkunft auf einer echten Schafs-Farm sind wir ganz besonders gespannt. Wir haben alle drei Zimmer gebucht, die dort angeboten werden. Beim Anmarsch auf die Farm werden wir gleich von einem Rudel Border Collies begrüßt – Beverley und ihre Familie haben 19 Hüte-Hunde, die sich freudig auf uns stürzen!

Am Abend werden wir von Beverley fürstlich bekocht. Das Drei-Gänge Menü besteht aus Suppe, Hühnchen mit Kartoffeln und Gemüse und …. Sticky Toffee Pudding!!!
Das ist unsere erste Bekanntschaft mit dieser extrem süßen und tatsächlich klebrigen Nachspeise. Christiane und Carla kriegen das Zeug nicht runter und ich überlasse die Hälfte meines Desserts gern dem Friedel – der isst alles, was süß ist …

Am Abend wollen wir noch eine Runde um das Haus drehen, aber die Hunde warten schon auf uns. Besonders begeistert sind sie von Carla, sie springen gleich begeistert an ihr hoch und verdrecken ihre hellblauen Abend-Sneakers. Nee, da bleiben wir den Rest des Abends dann doch lieber im Haus … 🙂

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Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf, denn es wartet die anstrengende Abschluss-Etappe des Lake Districts auf uns – auf den ersten sieben Kilometern haben wir einen Anstieg von 650 Höhenmetern zum Kidsty Pike.

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die ersten Meter am Morgen …

Als wir die ersten 300 Höhenmeter Anstieg schon geschafft haben, gibt Carla für heute auf – zu anstrengend waren die letzten Tage und zu lang erscheint ihr der Weg, der heute noch vor uns liegt. Dabei hat sie die Hälfte des Aufstiegs schon geschafft! Unser gutes Zureden hilft nichts, sie steigt wieder ab und macht sich einen schönen Tag mit einer Bootsfahrt über Ullswater, einem Einkaufsbummel in Penrith und einer Taxifahrt nach Bampton, wo sie uns am Abend wieder in Empfang nehmen wird. Die gute touristische Infrastruktur im Lake District macht diese Solotour möglich und alle Beteiligten sind zufrieden.

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rechts am Berg: Der Anstieg zum Angle Tarn

Der Aufstieg zum Angle Tarn und weiter zum Kidsty Pike (780 Meter) hat es in der Tat in sich – zwar ist es nicht ganz so kalt wie gestern, aber der Wind pfeift uns dreien trotzdem ordentlich um die Ohren. Es ist nicht zu glauben: Zwar sind die Berge hier nur selten über 800 Meer hoch, aber es herrschen alpine Verhältnisse! Wir sind froh über unsere langen Hosen und tragen wegen des Windes freiwillig unsere Regenjacken. Währenddessen überholen uns verrückte Engländer in kurzen Hosen und Träger-Shirts und tragen ihre Mountain Bikes auf dem Rücken den steinigen Pfad hoch …

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Angle Tarn

Der Grat kurz vor dem Gipfel heißt „High Street“, und so kommt er uns auch vor: Heute am Samstag sind Unmengen von Radfahrern und Wanderern unterwegs. Es ist schwer, auf dem Gipfel ein windstilles Plätzchen für unsere Mittagspause zu finden – hinter allen Steinen kauern Leute.

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Kidsty Pike

Der Abstieg vom Kidsty zum Haweswater herunter ins Tal ist mörderisch steil – da hätte Carla aber geflucht!
Im Gegensatz zu den vielen anderen Seen im Lake District ist Haweswater ein Stausee. So gibt es keinen direkten Zugang zum See, das Ufer ist komplett eingemauert bzw. eingezäunt. Schade eigentlich! Zumindest finden wir ein schönes Plätzchen für unsere Kaffeepause.

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Der Weg zieht sich ewig am Westufer des Sees entlang. Nach der Staumauer und einem kleinen Wäldchen öffnet sich die Landschaft und wird plötzlich flach – der Lake District liegt hinter uns.

Unser Inn in Bampton Grange liegt zwei Kilometer vom C2C ab, aber das macht uns gar nichts – heute haben wir uns unser Ale bzw. das Cider für Christiane redlich verdient! Auf einer Bank vor dem Inn wartet Carla schon auf uns – wir sind wieder vereint! 🙂

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Bampton Grange
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Unser Inn in Bampton Grange (Foto von Carla)

Wir wünschen euch alles Gute für 2019!

 

 

 

Coast to Coast Walk 2: Ennerdale nach Grasmere durch den Lake District

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Zwischen Ennerdale Bridge und Ennerdale Water

Tag 3 und 4 auf dem Coast to Coast Walk Mai 2014:
Ennerdale Bridge nach Seatoller: 23km
Rosthwaite nach Grasmere: 15km

Hier kommt die Beschreibung des zweiten und dritten Tages unserer C2c-Tour mit Carla und Christiane. Die nächsten vier Tage werden wir den Lake District in Nordengland durchwandern – es wird ganz schön bergig!

Nach einem reichhaltigen englischen Frühstück im Fox and Hounds geht es früh am Vormittag zum Ennerdale Water. Dunkle Wolken stehen über dem Tal, aber es regnet nicht und es ist relativ warm, auch schon am Morgen. Auf dem Rasen neben unserem Pub stehen drei Zelte – Hochsaison für den Coast to Coast Walk!

Die ersten 2,5 Kilometer geht es noch bequem über Asphalt und Schotter bis zum Westende des Sees. Aber kaum haben wir das Wasser erreicht, wird es verflixt steinig und wurzelig! Uns jüngeren drei Teilnehmern der Exkursion macht das nicht so viel aus – aber Carla ächzt und schimpft. Es gibt sogar eine Kletterstelle am Anglers Crag, die überwunden werden muss. Carla schlägt sich jedoch tapfer und im Verlauf der nächsten Tage wird sie sich zum Glück immer mehr an die Steine gewöhnen und sicherer werden.

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Der See und die Sicht auf die umliegenden Berge sind schon toll. Aber noch besser gefällt es uns hinter dem See. Im Ennerdale sieht es aus wie in Kanada!

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Bluebells!!

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Unser Pausenplatz für das Mittagessen

Am Ende des Tals steht ein extrem isoliertes Youth Hostel. Wir bleiben jedoch nicht dort, sondern müssen nun den Berg hinauf zum Hornister Pass. Wir haben auf unserem Weg um den See herum viel Zeit verloren und müssen uns ein wenig sputen – oben auf dem Pass wollen wir den Bus nach Keswick noch erreichen!

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Black Sail Youth Hostel, die kleinste und abgelegenste Jugendherberge Englands

Mittlerweile ist früher Nachmittag und es richtig heiß geworden – es geht steil 400 Meter den Berg hoch. Wir kommen bei der Kraxelei ganz schön ins Schwitzen, aber werden oben mit einem tollen Blick in das Nachbartal auf Crummock und Ennerdale Water und das Dörfchen Buttermere belohnt.

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Foto von Christiane

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Foto von Christiane

Der Abstieg zur alten Schiefermine von Honister und zum Pass ist wieder arg steinig. Zwar verläuft der Pfad teilweise über einen alten Bahntrack …

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Foto von Christiane

… aber wir verlieren trotzdem viel Zeit und verpassen den Bus an der Mine um wenige Minuten – Mist!

Wir beschließen, weiter das Tal hinunter nach Seatoller zu laufen, denn dort gibt es eine Telefonzelle. Von dort wollen wir uns ein Taxi rufen, denn wir übernachten heute nicht am eigentlichen Etappenziel in Rosthwaite, sondern in der nächsten Stadt, in Keswick. Die Unterkünfte in Rosthwaite waren alle ausgebucht oder zu teuer.

Nach all dem Geröll auf dem Pass erscheint uns Seatoller wie ein grünes Paradies …

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… und das Taxi ins 12 Kilometer entfernte Keswick ist für vier Personen dann sogar billiger als der Touristen-Bus!

Keswick ist ein nettes Örtchen und unser B&B-Wirt Connors ein echter Schatz. Da es direkt nach dem Frühstück am nächsten Tag  einen Bus zurück nach Rosthwaite gibt, können wir unseren Aufenthalt in der „Stadt“ genießen und gönnen uns am Abend Pizza und Pasta statt Fish and Chips – und natürlich unser wohlverdientes Ale!

Nachdem Friedel am Morgen im B&B einen Feueralarm mit dem Toaster ausgelöst hat, geht die abenteuerliche Busfahrt nach Rosthwaite durch scharfe Kurven und schmale Trollstraßen am Derwent Water entlang zurück ins Hobbitland. Weil der Bus nicht nach Seatoller fährt, haben wir die zwei Kilometer von Seatoller nach Rosthwaite übersprungen – aber 2014 sind wir noch keine Puristen! 🙂

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Die Nacht über hat es geregnet und Rosthwaite präsentiert sich nebelverhangen und patschnass. Die Wiesen um den aus Schiefersteinen erbauten Ort sind sattgrün und die für den Lake District so typischen alten Steinmauern famos vermoost. Da uns heute nur eine „lächerliche“ Etappe von 15 Kilometern erwartet, können wir uns für den Aufstieg zur Greenup Edge heute viel Zeit nehmen – die wir auch brauchen, denn es sind knapp 500 Meter Anstieg.

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Blick zurück auf Derwent Water
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Foto von Carla

Im Vergleich zu gestern ist der Weg aber geradezu bequem und am vormittag ist es auch noch nicht so heiß. Leider beginnt es am Pass zu regnen und bis Grasmere schauert es heute den ganzen Tag.

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Foto von Carla
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Foto von Carla

Eine kleine Regenpause nutzen wir für unser Mittagessen und Carla verblüfft uns mal wieder – sie hat sogar eine Picknick-Decke dabei!

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Heute gibt es Reste-Essen! (Foto von Carla)

Grasmere ist ein wirklich hübsches Dorf mit lauter Hobbit-Häusern – aber schrecklich touristisch. Es gibt fast keine normalen Geschäfte, nur Cafés, Kunstgewerbe- und Andenkenläden. Da aber heute ein Donnerstag in der Nebensaison ist, sind nicht allzu viele Menschen unterwegs.

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Unser B&B „How Foot Lodge“ (Foto von Carla)

Unser B&B gehört dem National Trust und raubt uns seiner Schönheit wegen den Atem – aber leider ist niemand da, als wir klingeln. Zum Glück gibt es jedoch einen Briefumschlag mit unseren Schlüsseln, so dass wir Einlass in unsere luxuriösen Zimmer erhalten. Ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, dieses B&B! Unsere Gastgeberin werden wir erst beim Frühstück kennenlernen.

Von unseren Fenstern aus können wir auf den Grasmere-See sehen und auf das Hotel schräg gegenüber, wo wir am Abend essen gehen. Der Spaziergang durch Grasmere muss heute Abend wegen des Regens leider ausfallen!

Dank an Christine und Carla für die Fotos!

 

Coast to Coast Walk 1: Vom Meer in die Berge

Erster Tag auf dem C2C: St Bees nach Ennerdale Bridge (23,5km)

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Steffi, Christiane, Carla und Friedel auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof – Letzte Chance, Ballast abzuwerfen! (Foto von Jürgen)

Im Mai 2014 hat unser Großbritannien-Abenteuer seinen Anfang genommen. Zwar waren Friedel und ich schon mal wandern und campen in Schottland, aber der C2C mit Carla und Christiane war unser erster Wanderurlaub in England. Seitdem sind wir England-Fans!

Ausgangspunkt unseres 16-tägigen Wanderabenteuers ist St Bees an der Irischen See – ein eher langweiliges Örtchen, aber mit bequemem Bahnanschluss nach Carlisle und Manchester. Die Küste dominiert ein riesiger Trailerpark, etwa halb so groß wie der Ort selbst – schauderhaft!

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Heute werden wir knapp 24 Kilometer von der Küste bis zum Beginn des Lake Districts nach Ennerdale Bridge laufen – eine abwechslungsreiche Etappe erwartet uns!

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Offizieller Start des C2C (Foto von Carla)
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Info Tafel in St Bees am Start. Die Karte wurde von Alfred Wainwright selbst gezeichnet. (Foto von Carla)

Am Anfang eines jeden Coast to Coast Walks steht die Tradition: Alle Wanderer dippen ihre Wanderschuhe kurz in die Irische See und suchen sich am Strand von St Bees einen schönen Stein aus, den sie 300 Kilometer bis an die Nordsee nach Robin Hood’s Bay tragen. Dort erfolgt dann eine erneute Schuhwäsche und man wirft den Stein in die Nordsee – so hat es Meister Wainwright verfügt! 🙂

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Friedel, Steffi und Christiane bei der Auswahl eines würdigen Reisebegleiters (Foto von Carla)

Die ersten sieben Kilometer geht es an der Küste entlang. Es gäbe auch eine Abkürzung durch das Hinterland, mit der man sechs Kilometer der heutigen Gesamtstrecke sparen würde. Wir aber halten uns an das Original und genießen die Seeluft und den Blick auf das Meer und die Steilküste. Das Wetter wird im Laufe des Vormittags auch immer besser!

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St Bees Head
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St Bees Head
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Weg von der Küste

Wie bedauerlich, dass wir nach zweieinhalb Stunden Bummelei die Küste verlassen müssen – der Lake District und somit die Berge rufen uns!

Der folgende Abschnitt bis nach Cleator (8 Kilometer) führt uns durch eine leicht hügelige Kulturlandschaft, die schon einiges zu bieten hat, was uns an englischen Landschaften so gefällt: Sümpfe, Schafe, moosige Mauern und knorrige Bäume.

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Foto von Carla

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Mittlerweile ist es ziemlich heiß geworden und wir freuen uns, dass es in Cleator einen Village-Store gibt, der Eis und kalte Getränke verkauft. Zwar müssen wir damit vor dem Laden auf dem Bordstein sitzen, aber die Abkühlung tut uns allen gut. Hier kommen wir mit einigen freundlichen Einwohnern des alten Industrie-Städtchens ins Gespräch. Die Menschen dort sind dem Coast to Coast Walk gegenüber sehr positiv eingestellt, bringt er doch ein bisschen Leben in den ansonsten verschlafenen Ort …

In Cleator trennt sich unsere Gruppe in zwei Parteien: Carla und Christiane laufen über die Landstraße nach Ennerdale Bridge, denn so ersparen sie sich den Aufstieg auf den Dent, den ersten Hügel des Lake Districts. Das bedeutet für die beiden allerdings sieben Kilometer Pflaster treten – auch kein Zuckerschlecken!

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Carla auf dem Weg nach Ennerdale Bridge (Foto von Christiane)
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Brücke über den River Ehen (Foto von Christiane)

Friedel und ich wählen die zwei Kilometer längere Route über den Hügel. Der ist zwar nur 352 Meter hoch, aber es geht fast 300 Meter recht steil nach oben. Erst durch einen Zauberwald …

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… dann über die kahle Kuppe des Dent …

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… bis zum „Gipfel“, der eher ein Hochplateau ist.

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Wenn es nicht so diesig wäre, hätte man einen tollen Ausblick auf die Berge vorn und auf die Küste hinten – heute ist die Sicht leider nur mäßig.

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Blick auf die ersten Hügel des Lake Districts

Beim Abstieg verlaufen wir uns erst mal gründlich. In diesem Urlaub haben wir noch nicht unsere tolle OS-Karten-App, sondern laufen konventionell mit der Strip-Map von Harvey. Wegweiser sind auf dem C2C auch nur spärlich vorhanden. Noch dazu zieht ein Gewitter auf. So können wir die schöne Landschaft leider gar nicht richtig genießen.

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Steiler Abstieg vom Dent
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Uldale

Nach zwei Kilometern unfreiwilligem Umweg durch den Lowther-Park-Wald treffen wir wieder auf die Original-Route am Kinniside Stone Circle. Das ist unser erster Steinkreis – zwar etwas mickrig und wohl nicht ganz echt, aber wir finden ihn beindruckend!

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Kinniside Stone Circle

Mittlerweile ist das Gewitter bedrohlich nah gekommen. Es donnert und blitzt bei unserem Abstieg ins Tal, aber wir schaffen es noch gerade rechtzeitig in unsere Unterkunft im „Fox and Hounds“, bevor es richtig zu regnen beginnt. Christiane und Carla haben sich schon Sorgen gemacht und kommen uns am Ortseingang entgegen!

Den Abend lassen wir gemütlich im Pub ausklingen. Christiane hat heute Geburtstag und Carla zaubert eine Tischdecke, ein Schoko-Törtchen, Kerzen und Servietten aus ihrem Rucksack. Sogar eine Blumenvase hat sie dabei! (Wir werden uns demnächst noch wundern, was sie noch alles in ihrem Rucksack hat und davon ganz massiv profitieren! 🙂 )

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Das „Fox and Hounds“ in Ennerdale Bridge – wir haben alle drei Zimmer belegt!

Vielen Dank an Carla, Jürgen und Christiane für die Fotos!

Nordengland für Einsteiger – Wainwright’s Coast to Coast Walk (C2C)

Wenn wir nur einen Wanderweg in Großbritannien gehen dürften – wir würden uns für „A Coast to Coast Walk“ entscheiden. Kein anderer Wanderweg hat auf seiner Strecke so eine Vielfalt an tollen Landschaften zu bieten. Von der Irischen See im Westen durch drei Nationalparks (den Lake District, die Yorkshire Dales und das North York Moor) bis zur Nordsee an der Ostküste – 300 abwechslungsreiche Wanderkilometer durch die schönsten Landschaften Nordenglands.

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Start in St Bees an der Irischen See

 

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Lake District: Ennerdale Water
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Lake District: Patterdale

2014 sind wir mit zwei Freundinnen diesen unvergesslichen Weg quer durch England gelaufen und haben uns dabei mit dem England-Virus infiziert. Seitdem haben wir alle unsere nachfolgenden Wanderurlaube auf der Insel verbracht.

Wo es doch jetzt draußen so kalt und schmuddelig ist, wollen wir euch in den nächsten Wochen mit einigen Artikeln für den C2C erwärmen, auch wenn die Tour schon fast fünf Jahre zurückliegt. Aber zunächst ein paar Infos zum Weg:

Kaum zu glauben, aber der Coast to Coast Walk zählt zu den populärsten Fernwanderwegen der Welt, wenn er auch in Deutschland eher unbekannt ist. Er verläuft nicht durch Schottland, zählt nicht zu den offiziellen National Trails, ist nicht markiert und auf keiner Ordnance-Survey-Karte eingezeichnet. In den USA oder Australien gehört der Trail jedoch zu den Top-Ten-Wegen, die jeder Fernwanderer einmal gelaufen sein soll.

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Info Tafel in St Bees am Start

Der Weg wurde 1973 von Alfred Wainwright, dem Wanderguru des Lake-Districts, als eine von mehreren möglichen C2C-Alternativen beschrieben. Tatsächlich wird der Leser in seinem Buch „A Coast to Coast Walk“ aufgefordert, sich selbst seine eigene Route zu basteln. Trotzdem hat sich im Laufe der Jahre eine typische Wegführung etabliert, an die sich (mit einigen alternativen Gipfelvarianten) die meisten Wanderer halten. Richtig bekannt wurde der Trail dann durch eine BBC-Fernsehserie mit Julia Bradbury, die auch in den USA, Kanada und Australien ausgestrahlt wurde. Während man auf dem West Highland Way vor allem Deutsche oder auf dem Pennine Way Niederländer trifft, haben wir auf den C2C vor allem jede Menge sympathische Aussies (Australier) kennengelernt – und nur einen Deutschen, Wolfgang, ein Wirt in Yorkshire!

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„Buck Inn“ in North York Moor

Obwohl im Frühling und Sommer jeden Tag fünfzehn bis zwanzig Wanderer ihre Füße in die Irische See dippen und sich auf den Weg nach Osten gen Nordsee machen, ist der Weg nicht überlaufen. Für viele Wanderer ist der C2C ihr erster Fernwanderweg überhaupt, aber er sollte trotzdem nicht unterschätzt werden! 

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Aufstieg zum Honister Pass

Der Weg wird traditionell in zwölf Wandertagen gelaufen – ein reizvoller Plan, am Meer zu starten, hohe Berge und Moore zu überwinden und am Ende wieder an der See anzukommen – und das Ganze in zwei Urlaubswochen! Dies würde allerdings bedeuten, dass der Wanderer im Schnitt jeden Tag 25 Kilometer zurücklegen müsste, und das in oft schwierigem Gelände. Zwar lassen sich die meisten Wanderer ihr Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft transportieren, aber das kam für uns nicht in Frage.

Deshalb teilten wir uns 2014 den Weg in sechzehn statt in zwölf Tagesetappen ein, auch weil wir eine eher unerfahrene Wanderin in unserer Vierergruppe dabei hatten. Einen Pausentag zur Besichtigung von York gönnten wir uns auch noch. Alles in allem war die Tourenplanung eine gute Entscheidung, denn am Ende kamen alle vier von uns glücklich an der Nordsee in Robin Hood’s Bay an! 

Wir wollen euch demnächst in einer Reihe die einzelnen Landschaften auf dem C2C vorstellen:

  1. vom Meer in die Berge

  2. der Lake District

  3. das Eden Valley

  4. die Yorkshire Dales

  5. Ausflug nach York und das Vale of Mowbray

  6. das North York Moor

  7. das Eskdale und Robin Hood’s Bay

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Friedel, Steffi und Carla am Start des C2C. Nicht auf dem Bild: Christiane

Bis bald in St Bees am Start des Coast to Coast Walks!

Meine Dachsrunde im Herbst

Der „Dachsweg“ bei Geislingen: 3,5 Kilometer, 370 Meter rauf, 370 Meter runter, durchschnittliche Laufdauer: 50 Minuten

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Was tun Steffi und Friedel, wenn sie keinen Urlaub haben und nicht wandern können? Nun, alles Mögliche. Arbeiten, lesen, Serien gucken, den Dachboden ausbauen, im Garten werkeln … was man halt so tut! Ich (Steffi) allerdings versuche, mindestens viermal pro Woche auf den Berg zu gehen. Andere rennen ins Fitnessstudio, aber dazu habe ich keine Lust. Wenn man in der Natur unterwegs ist, bleibt man nicht nur fit, sondern tut auch was für seine Seele – ich liebe es!

Ein Vorteil ist, dass wir dafür so strategisch günstig wohnen – in zwei Minuten bin ich im Wald. Kollegen und Freunde in Stuttgart können gar nicht verstehen, warum wir so weit weg in der Provinz wohnen: Für uns sind es die Natur und die tolle Landschaft, die unser kleines Städtchen so lebens- und liebenswert machen.

Auch nach Feierabend und 60 Kilometer Rückfahrt von der Arbeit schaffe ich es häufig, am Abend wenigstens noch meine kleine Alltagsrunde zu wandern: Unter uns nennen wir sie die „Dachsrunde“, weil es einen ehemaligen Dachsbau auf dem Weg gibt.

Zuerst geht es über die Straße und unter der Bahn durch ..

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… danach geht es an Schrebergärten vorbei sofort bergauf und man schaut zur Kirche zurück ..

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… der Weg wird zu einem Pfad und es wird wurzeliger und steiniger, je höher man steigt …

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Oben angekommen, am mittelalterlichen Ödenturm, gibt es eine Aussichtsplattform. Rechts schaut man auf die Burg Helfenstein, …2018-11-06 14.53.562018-11-06 14.53.17

… im Rücken habe ich den Ödenturm, einen alten Feuerwachturm aus dem Mittelalter.

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Am Ödenturm gibt es einen großen Picknickplatz, groß genug für einen ganzen Wanderverein!

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Nach dem Ödenturm geht es eine zeitlang am Waldrand entlang bis zu einem selten begangenen Weg zurück zur Stadt. Dies ist mein Lieblingsstück auf dieser Tour: Der Weg ist herrlich wild, aber auch steil. Hier ist man immer ganz allein!

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Diesen Weg laufe ich in der Hitze im Sommer, im nassen Herbst, bei Schnee und Eis im Winter … ein Hauch von Wildnis im Alltag!

Schön, ne? 🙂

 

Was wir auf dem Cape Wrath Trail Süd für den Cape Wrath Trail Nord gelernt haben …

Jetzt, wo wir wieder in unserem warmen und trockenen Zuhause sitzen, kommen die Nachbetrachtungen. Wir sind froh, dass wir unseren Laufplan (fast) eingehalten haben. Aber der nächste und letzte Abschnitt unseres LECW von Strathcarron bis Cape Wrath kommt bald und wir wollen einiges anders machen!

Der nächste Abschnitt wird fast komplett auf dem CWT (Cape Wrath Trail) verlaufen – nein, wir haben die Nase noch nicht voll! 🙂 Aber es ist Zeit, ein paar Erkenntnisse für das nächste Mal festzuhalten.

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  1. Das Wetter ist entscheidend!

Auch bei früheren Abschnitten, z.B. auf dem Pennine Way, haben Regen und Wind mitunter extrem genervt. Aber anders als beim CWT hat das Wetter den Weg nicht unmöglich gemacht: Auf dem CWT werden kleine Bäche plötzlich zu reißenden Flüssen und der Wind kann extrem auskühlen, wenn man erst mal nass ist. Brücken gibt es im Gegensatz zu den National Trails auch nur sporadisch. Schlechtes Wetter kann auf dem CWT wirklich gefährlich sein. Und da draußen ist man allein! Deshalb werden wir das nächste Mal darauf achten, in einer möglichst niederschlagsfreien Zeit zu wandern und mehr Möglichkeiten für Pausentage einzuplanen. Außerdem werden wir versuchen, immer eine Exit-Strategie für schlechtes Wetter parat zu haben.

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Abstieg ins Glen Elchaig

2. Die Wege-Qualität ist nicht vorhersehbar

Auf der Karte ist der Weg als Pfad eingezeichnet, aber während der Jagdsaison ist er ein gut benutzter Fahrweg. Ein Pfad wird mitunter so wenig gelaufen, dass er verschwindet. Durch wegloses Gelände zu laufen kann Stunden dauern. Es ist also oft nicht vorhersehbar, ob wir vier oder sogar fünf Kilometer pro Stunde schaffen oder nur einen. Deshalb werden wir in Zukunft stets Reservezeit einplanen. Das heißt auch, dass Oktober eindeutig eine ungünstige Zeit für den CWT ist – abends wird es einfach zu schnell dunkel!

Windschutz an alter Militäranlage auf dem Corrieyairak Pass

3. Ultralight ist nicht alles – Sicherheit geht vor!

Wir bezweifeln, dass unser untraleichtes Zelt  der Windstärke 9 standgehalten hätte, so bedenklich wie es sich schon bei geringeren Winden eingebeult hat. Nehmen wir beim nächsten Mal also doch unser schwereres und kleineres, aber windstabileres Hilleberg Nallo mit? Und unsere Regenjacken Montane Minimus und Montane-Hosen sind zwar leicht und für Cornwall absolut okay, aber bei Dauerregen und starkem Wind lassen sie viel Wasser durch. Festeres und (leider) schwereres Regenzeug muss her!

Unsere erste Flussüberquerung auf dem LECW – haha, pillepalle! 🙂

4. Embrace wet feet – ähh … nur begrenzt!

Unsere Strategie, mit leichten Trailrunnern und wasserdichten Socken zu laufen, war insgesamt gut. Allerdings halten die Socken nur ein paar Stunden dicht. Den ganzen Tag in nassen Füßen zu laufen ist bei warmen Temperaturen okay – aber nicht, wenn es kalt ist. Deshalb werden wir beim nächsten Mal ein zweites Paar wasserdichte Socken mitnehmen – dann kann man bei Pausen in die trockenen Socken schlüpfen und muss nicht wie blöde hin und her springen, um die Füße warm zu halten.

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Unsere sechs Kilo Marschproviant für drei Tage

5. Wir brauchen weniger Proviant, als wir gedacht haben.

Im Internet haben wir gelesen, dass die Profis ein Kilo pro Tag verbrauchen. Das gilt aber nur dann, wenn man länger als drei Wochen unterwegs ist. Wir sind mit 700 Gramm pro Tag gut hingekommen. Unsere Nuss-Körner-Mischung hat als Reserve bis zum Ende gereicht – schön, aber wir haben sie die ganze Zeit geschleppt!

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Am Coire an Ean Bhain, Alternativroute zu den Falls of Glomach

6. Flexibilität im Laufplan

Das nächste Mal werden wir drei Wochen Urlaub nehmen, obwohl wir für den Trail vielleicht nur zwei Wochen brauchen – so können wir nasse oder windige Tage aussitzen, Pausentage einlegen oder die Etappen kürzer gestalten. Die Gegend ist viel zu schön, als einfach nur angestrengt das Etappenziel anzustieren!

7. Vergiss die schlauen Forenbeiträge

Im Vorfeld der CWT-Wanderung haben wir uns versucht, im Internet über die verschiedenen Etappen zu informieren. Aber die Beiträge zeigen nur, wie es den Wanderern zu diesem Zeitpunkt mit diesem Wetter und diesen speziellen Bedingungen ging – am Ende ist doch alles anders. Rechne mit dem Schlimmsten und freu dich, wenn es besser ist! 🙂

8. Der Cape Wrath Trail kocht auch nur mit Wasser …

Wir waren erstaunt, wie fit wir als 50+-er für den CWT waren – der Pennine Way war ein gutes Training! Wandere den PW im Oktober/November oder März/April, dann sind die Wegbedingungen bei beiden Wegen recht ähnlich. Aber übernachte schon auf dem PW zum Training am besten im Zelt und halte es zum Beispiel aus, mehrere Tage hintereinander ein nasses Camp aufzubauen. Denn anders als auf dem PW, auf dem wir für den Abend immer schon ein Hotel oder B&B vorgebucht hatten, gibt es auf dem CWT eher selten die Möglichkeit, abends ein Hotel, Hostel oder Bothy zu finden.

Aber das Campen eröffnet auch besondere und schöne Möglichkeiten: Eine besondere Flexibilität im Wanderplan, wunderbare Naturerlebnisse und eine Form von „Wayfaring“ (Wanderschaft), die sich nicht allein an Start- und Endpunkten orientiert, sondern in der man sich anhand der Gegebenheiten und der eigenen Möglichkeiten und Stimmungen nach seinem eigenen Rhythmus bewegen kann.

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Camp im Glen Tilt

Iron Lodge-Strathcarron, 34km, 11.10.2018

Noch ein Durchmarsch – schlechtes Wetter verleiht Flüüüügel!

Wir stehen heute wieder früh auf – die Wege auf der Karte für heute sind nur gepunktet gezeichnet und uns steht außerdem unsere erste Wegstrecke ohne Pfad bevor. Wir können absolut nicht einschätzen, wie schnell wir voran kommen, also nix wie los!

Unser erstes Ziel für heute ist das Bothy Maol Bhuidhe. Der Weg dorthin wird in den Internet-Foren als „tough going“ beschrieben, aber das finden wir überhaupt nicht. Wir kommen gut voran und statt der anvisierten 13 Uhr sind wir bereits um 11 Uhr da. Zeit für eine gemütliche Mittagspause mit frischem Kaffee!

Maol Bhuidhe von vorn…

Maol Bhuidhe von hinten…

Um zum Bothy zu gelangen, muss man einen großen Bach durchqueren. Da direkt danach eine weitere Flussdurchquerung ansteht, ziehen wir unsere Socken erst gar nicht wieder an. Die Devise heißt: Lieber kalte Füße als umständliche Umzieh-Aktionen!

Heute wollen wir im Bendronaig Bothy übernachten. Allerdings gibt es von Maol Bhuidhe bis zum Loch Calavie keinen Weg, das bedeutet drei Kilometer quer durch die sumpfige Heide bis zum See. Anstrengend!

Am „Strand“ am östlichen Ende des Lochs machen wir wieder eine ausgiebige Pause. Von nun an gibt es einen Fahrweg bis zum Bothy!

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Eigentlich waren für heute Schauer angesagt. Wir haben aber Glück und es regnet nur sehr wenig. Ein typischer Regenjacke-an-Regenjacke-aus-Tag!

Am Bothy ankommen tritt genau das ein, was wir schon befürchtet haben – das Bothy ist wegen „deer maintenance“ bis zum 15. Oktober geschlossen. Bendronaig Bothy wird nämlich nicht von der Mountain Bothy Association unterhalten, sondern privat geführt. Da gerade Jagdsaison ist, ist es halt für Jäger reserviert. Pech für uns, denn wir wollen heute auf keinen Fall im Zelt übernachten – für die Nacht und morgen ist Sturm angesagt!

Unsere Exit-Stategie haben wir uns vorher schon überlegt: Wir marschieren durch bis Strathcarron, da gibt es ein Hotel!

Bendronaig Bothy

Wir haben nun die Wahl: Schlagen wir uns über einen auf der Karte gepunkteten Weg (10km) durch die Heide direkt nach Strathcarron, oder laufen wir auf einem neu angelegten, hässlichen und breiten Schotterweg und einer B-Straße 16 Kilometer über Attadale zum Hotel?

Als wir den Eingang zum Pfad sehen, ist die Entscheidung schnell klar – lieber sechs Kilometer Umweg laufen als durch den Matsch und über den fiesen Pass da vor uns! Außerdem können wir nicht einschätzen, wie lange wir in dem unwegsamen Gelände brauchen würden und die Dunkelheit droht. Wenn schon mit Taschenlampe laufen, dann lieber auf der Straße.

Der neue Weg führt sogar an einem neuen Wasserkraftwerk vorbei, das in der OS-Karte noch nicht eingezeichnet ist. Auch vom weitläufigen Attadale-Forest ist leider nur noch wenig übrig. Echt hässlich!

Aber egal. Wir machen ordentlich Tempo, keine Pause und kommen kurz nach Einbruch der Dunkelheit in Strathcarron an. Aber das verdammte Hotel hat geschlossen! Wir hämmern gegen die Tür, wir rufen an und hören das Klingeln durch die geschlossene Glastür. Verflixte Nachsaison!

Der letzte Zug nach Kyle of Lochalsh ist blöderweise auch schon weg. Also rufen wir ein Taxi und lassen uns für 60 Pfund nach Kyle fahren. Die Straße ist jedoch wegen eines Erdrutsches teilweise geschlossen, so dass unser Taxi nicht durchkommt. Netterweise holt uns ein Bauarbeiter von der Baustelle mit seinem Baufahrzeug ab und bringt uns zum vor der Baustelle wartenden Taxi. So macht man das hier!

Als wir gegen 21 Uhr im Hotel eintreffen, sind wir saufroh, dass wir es vor dem Sturm geschafft haben. Am nächsten Tag heult der Wind mit Windstärke 9 ums Hotel. Zwar sind wir noch zehn Kilometer von unserem Endziel dieser Herbst-Etappe (Achnashellach) entfernt. Aber die paar Kilometerchen laufen wir beim nächsten Mal halt mehr.

Wir haben unser Etappenziel erreicht. Für die letzten drei Tage unseres Urlaubs sind wir Touristen! 😆

Von Shiel Bridge zur Iron Lodge, 18 km, 10.10.2018

Nachdem wir zwei Tage im Cluanie Inn den Regen aussitzen mussten, geht es nun endlich weiter mit dem Bus nach Shiel Bridge.

So wie oben sah es am Morgen noch in Cluanie aus …

… und so bei unserem Abmarsch in Shiel Bridge um 10:30 Uhr. Endlich ein Wetter!

Der Anmarsch auf die Berge verläuft noch auf einem ordentlichen Fahrweg, aber im Wald wird es immer steiler und nasser. Zwar ist das Moos nicht mehr so mit Wasser vollgesogen und die Bäche sind abgeschwollen, aber nass ist es noch genug. Es erwarten uns zwei Tage mit durchgängig nassen Füßen!

Der Cape Wrath Trail führt eigentlich an den Falls of Glomach vorbei, den höchsten Wasserfällen Großbritanniens. Aber wir sind jetzt vorsichtig geworden – es ist nass und glitschig und der Weg soll sehr steil und abschüssig sein, mit einigen Kletterstellen. Nein danke!

So haben wir eine Alternativroute gewählt, die hoffentlich nicht so schwierig ist. Nun ja …

… aber zumindest ist sie nicht so steil. Eine weitere Herausforderung ist, dass wir unten im Tal über den Elchaig waten oder bis zur Brücke an der Originalroute laufen, dann aber den Allt a‘ Glomach überqueren müssen. Ein Blick auf den River Elchaig zeigt uns, dass wir da auf keinen Fall ohne Brücke rüber wollen.

Also schlagen wir uns zwei Kilometer über „Wiesen“ bis zur Brücke. Das Terrain ist super anstrengend, wir brauchen für drei Kilometer zwei Stunden. Ständig muss man matschigen Sumpf-Flächen ausweichen, eine gute Route suchen und über fiese, versteckte Bäche springen – und das mit dem Rucksack. Das geht auf den Rücken und die Knie!

Nach der abenteuerlichen Überquerung des Allt a‘ Glomach (wieder ging uns das Wasser weit über die Knie) sind wir echt froh, als wir die Brücke erreichen. Ab jetzt ist easy going, über einen Fahrweg weitere fünf Kilometer bis zu unserem Wildcamp an der unbewohnten Iron-Lodge.

So schön kann Wandern sein! Das Glen Elchaig ist wunderschön und die warme Nachmittags-Sonne taucht das Tal in ein goldenes Licht.

Ein Nachteil bei schwierigem Gelände ist, dass man sich nicht wirklich gut auf die Umgebung einlassen kann. Der bequeme Anmarsch auf die Iron Lodge entschädigt uns nun vollends.

Hier ist es, unser Zuhause für diese Nacht. Nur blöd, dass der flache Hof mit den potentiellen Zeltplätzen total zugedungt ist und natürlich wieder mal ein Jägerauto vor der Tür steht. Zum Glück finden wir ein wenig flußaufwärts ein tolles, idyllisches Plätzchen direkt am Fluss. Unser schönstes Camp in diesem Urlaub!

Noch dazu ist der Abend warm und lind und die Nacht sternenklar. Die Gegend hier ist so dünn besiedelt, dass es quasi null Lichtverschmutzung gibt. Ein richtig toller Campabend!

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Steffi und Friedel, gestrandet im Cluanie Inn, 08.-09.10.2018

Blick aus unserem Fenster

Da sitzen wir nun im Warmen und Trockenen und warten schon den zweiten Tag auf besseres Wetter. Der Regen prasselt gegen das Fenster und der Wind heult um das Haus. Wir würden es einen ausgemachten Herbststurm nennen, aber die Angestellten hier lächeln nur milde. Wir können und wollen hier nicht weg und warten bis morgen auf besseres Wetter. Der Blick aus dem Fenster zeigt uns: Es war die richtige Entscheidung, heute noch nicht wieder aufzubrechen!

Der Picknick-Platz wartet auf bessere Zeiten …
Schade, heute sind die Rehe nicht da …

Gestern noch haben wir verschiedene Stategien durchgespielt: Zweimal am Tag kommt hier ein Bus vorbei, von denen der eine in Richtung Skye geht (da ist das Wetter auch nicht besser), der andere nach Inverness, das liegt im Osten und da soll es trocken sein. Ein paar schöne Tage am Meer im Osten, wäre das was? Aber wollen wir schon aufgeben? Am Mittwoch soll es ja aufhören zu regnen …

Gestern haben wir auch mit dem Gedanken gespielt, an der bösen B-Straße entlang Richtung Skye nach Shiel Bridge zu laufen. Da gibt es wenigstens Brücken und es wäre nicht so matschig. Aber die Straße hat keinen Seitenstreifen und ständig donnern LKW vorbei. Das wäre schon bei trockenem Wetter kein Spaß, geschweige denn bei Starkregen.
Auch der nette Rezeptionist/Tankwart/Kellner (in der Nachsaison ist man im Cluanie Inn Allrounder) riet uns beim Dinner gestern Abend dringend davon ab, an der Straße entlang zu laufen. Das sei total gefährlich!

Also haben wir gestern beschlossen, hier noch einen weiteren Tag abzugammeln, den Regen auszusitzen und morgen früh den Bus nach Shiel Bridge zu nehmen. Von dort aus geht es mit einer noch nicht ganz festgelegten Route weiter.

Das bedeutet jedoch für den LECW, dass wie die zwei kurzen Etappen Cluanie Inn-Camban Bothy und Camban-Shiel Bridge auslassen. Wir sind allerdings schon 2008 durch das Glen Affric und das Gleann Lichd bis nach Shiel Bridge gewandert und können somit drei Viertel der Strecke als „schon gelaufen“ bezeichnen. Es fehlen dann die acht Kilometer vom Cluanie Inn bis zum Glen Affric, aber nun ja, diese Lücke sei den Umständen geschuldet…

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Was tut man nun den ganzen Tag in einem Hotelzimmer?
– Wäsche waschen
– Zelt trocknen und saubermachen
– mit dem Fön Schuhe trocknen
– Kaffee und Tee kochen
– bloggen
– mit Mama telefonieren
– schlafen
– Schokoriegel aus dem wertvollen Proviant essen
– sich massieren und stretchen
– auf dem Handy Bücher lesen
– Alternativ-Routen diskutieren
– „full scottish“ frühstücken
– zu Abend essen (es gibt fünf Haupspeisen zur Auswahl, bald haben wir sie alle durch)
– Smalltalk mit den wechselnden Angestellten des Hotels und den wenigen anderen Gästen betreiben
– sich gegenseitig Hauptstädte der Welt abfragen
– Wetter-Apps konsultieren
– baden (warmes Wasser ist okay!)

Das Zimmer ist groß genug, wieder halbwegs aufgeräumt und wir werden hier schon wie Stammgäste behandelt. Es könnte schlimmer sein! 😆

Von Poulary zum Cluanie Inn, 19km, 07.10.2018

Hurra, wir leben noch!

Es gibt ja diese lustige Fun-Skala für Abenteuer-Urlaube: 1 symbolisiert ein schönes und angenehmes Erlebnis, das aber meistens nicht lange im Gedächtnis bleibt. 2 ist abenteuerlich und im Moment unangenehm, aber im Nachhinein ist man stolz, dass man es geschafft hat und was zu erzählen hat. 3 ist dann gar nicht lustig und mit potentiell fatalem Ausgang. Für heute wollen wir eine neue Kategorie aufmachen: Es ist Fun 3 mit gutem Ausgang. Aber sowas wie heute machen wir nie wieder!! 😧

Der Wecker klingelt um sechs und wir bemühen uns, heute mal schneller loszukommen als sonst. Nur einen Kaffee gönnen wir uns und kein warmes Porridge, sondern nur ein paar Handvoll Nüsse. Trotzdem ist es schon halb acht, als wir aufbrechen. Zunächst geht es zwei Kilometer an der Straße entlang, bis wir ins Moor abbiegen. Wir frohlocken, denn bis jetzt regnet es nur wenig. Wir wollen auf jeden Fall noch über den River Loyne kommen, bevor er zu sehr anschwillt und uns nicht mehr rüber lässt. Exit-Stategie bis dahin: Wenn er uns nicht lässt, laufen wir heute das ganze Stück über Straße zurück nach Invergarry.

Von Anfang an ist der Weg sehr anstrengend. Es ist ein unerhört patschiges, glitschiges Moor und mehrmals verlieren wir den Pfad und orientieren uns nach Karte, GPS und Geländemerkmalen, um die Passage zwischen den beiden Bergsatteln zu finden, die den einfachsten Weg ins Glen Loyne bedeuten. Auf halbem Weg zum Pass beginnt der Starkregen und ein ordentlicher Wind von vorn erschwert das Vorankommen. Trotzdem sind wir – den Umständen nach – recht schnell und unser Plan geht auf: Wir kommen rechtzeitig über den Fluss, aber das schnell fließende Wasser geht uns bis zum Knie.

Auf der anderen Seite feiern wir mit einer heißen Tasse Tee und freuen uns: der Weg zum Cluanie Inn ist frei! Friedel macht hier das einzige Bild auf der heutigen Tour: Dafür zieht er extra die wasserdicht verstaute Kamera aus dem Ruchsack. River Loyne, bäh bä bäbäh bääähh!

Aber zu früh gefreut! Durch den starken Regen sind die umliegenden Bergbäche inzwischen zu reißenden Weißwassern geworden. Den ersten können wir noch durchwaten. Beim zweiten finden wir 20 Meter weiter oben am Hang eine Stelle, an der wir über mehrere Steine in grossen Sprüngen rüberhechten können. Mit 12 Kilo auf dem Rücken!

Vor dem dritten stehen wir ratlos und wissen echt nicht, was wir jetzt machen sollen – da durch wollen wir auf keinen Fall!

Uns dämmert nun aber, dass unsere Exit-Stategie mittlerweile ebenfalls weggespült wurde – wenn wir zurückgehen würden, wäre der Loyne vermutlich unpassierbar, denn die ganzen Wassermassen fließen in ebendiesen Fluss.

Wir stehen vor einem Dilemma: Durch den reißenden Allt Coire nan Leach „waten“ oder ein Notcamp im abschüssigenMoor unter nassesten Bedingungen?

Wir beratschlagen und entscheiden, dass wir es wagen (müssen): Wir behalten die ohnehin schon nassen Klamotten an und tasten uns, Friedel voran, durch das fast hüfthohe Weißwasser. Wir und die Wanderstöcke stützen uns gegenseitig und wir schaffen es tatsächlich, auf die andere Seite zu kommen. Puh, das war knapp! Wenn wir noch später am Tag hier angekommen wären, wäre diese Aktion nicht mehr möglich gewesen! 😅

Ein Blick auf die Karte sagt uns: Über den Allt A‘ Choire Odhair müssen wir ja auch noch! Aber zum Glück finden wir nach längerem Suchen eine Stelle zum erneuten Rüberhechten.

Klitschnasses sind wir nun. Der Pfad selbst ist zu einem Bach geworden und wir patschen kilometerweit durch knöcheltiefes Wasser. Aber egal!

Bald sind wir an einem Fahrweg, der uns nach weiteren fünf windigen und kalten Kilometern zum Cluanie Inn (an der A87 nach Skye) führt. Der indisch-stämmige Rezeptionist verzieht keine Mine, als wir tropfnass vor ihm stehen. Im Gegenteil – verständnisvoll lässt er uns sofort ins Zimmer und wir können erst mal auftauen, bevor wir die Formalitäten erledigen. Wir buchen gleich noch eine Nacht dazu – von diesem Abenteuer müssen wir uns erst mal erholen und morgen soll es im gleichen Stil weiterregnen.

Im Nullkommanix haben wir das Hotelzimmer verwüstet. Zwei Tage sollten jedoch reichen, dass wir und unser ganzes Equipment trocknen.

Im Cluanie Inn grasen die Rehe direkt vor unserem Fenster. Zuerst haben wir gedacht, dass sie in einem großen Gehege stehen, aber sie sind freiwillig hier!

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Resümee: Gut war, dass wir früh los und durchmarschiert sind. Schlecht: Wir hätten die Wetterwarnungen beachten sollen. Dies sind besondere Bedingungen und in den Alpen läuft ja auch keiner los, wenn starker Schneefall angesagt ist. Schön blöd sind wir, aber das Glück ist mit die Doofen! 😜