Tag 22: Von Dunster nach Washford

*Schnüff * – Traurig hängen wir im riesigen,  schrecklichen Premier Inn am Flughafen Gatwick ab. Bis 13:00 Uhr war die Welt noch in Ordnung, da sind wir noch die zehn Kilometer von Dunster nach Washford gelaufen. Übrigens eine typische Somerset-Querfeldein-Wanderung nach bester Art. Dann kam die schreckliche Rückreise in die Post-Moderne nach Gatwick!

 

 

Tag 21: Von Porlock Weir über Minehead nach Dunster

Heute ist der Endspurt angesagt, was den SWCP angeht: 16 Kilometer bis Minehead zum Beginn bzw. Ende des SWCP. Wir aber werden noch sechs Kilometer weiter bis in das mittelalterliche Städtchen Dunster laufen, denn im ollen Seebad Minehead wollen wir nicht bleiben! 🙂
Aber zunächst genießen wir es erst mal aufzuwachen und die Sonne aus unserem Panoranafenster über dem Meer zu sehen. Dann finden wir es super, mit Blick auf den Garten und das Meer in einem riesigen Raum mit Panorama-Erker zu frühstücken. Wenn auch Porlock Weir selbst nicht viel bietet, das Café ist ein super Adresse!
Was uns auch gefällt, ist der circa vier Kilometer lange Marsch durch das Marschland bis nach Bossington. Die Sonne scheint, es gibt pittoreske abgestorbene Bäume zu fotografieren und das Wollgras bewegt sich im Wind.
Der kleine Ort Bossington sollte komplett vom National Trust übernommen werden, so unser Vorschlag – ein Reetdachhaus ist schöner als das andere.

Nach Bossington ist dann aber Schluss mit der Schlenderei! Wie quälen uns steil in einem Rutsch 250 Meter den Bossington Hill hoch. Hier müssen wir uns entscheiden: Nehmen wir die gemäßigte Inlandroute oder die als „schroff“ oder „wild“ bezeichnete Route an den Kliffs entlang? Na ratet mal! 🙂

Sooo schroff war sie dann aber doch nicht. Da haben wir ja schon gaaanz andere Sachen erlebt, und da gab’s keine Alternative!
Zweimal geht es herunter und wieder hinauf durch tiefe Combes. Hier gibt es natürlich wie üblich struppigen Wald, ansonsten gibt es nur wenige Bäume. der meiste Teil der Strecke verläuft durch braunen Farn, der aber in der Sonne viel schöner schimmert als bei schlechtem Wetter. Wo der Weg verläuft, wächst jedoch extrem grünes Gras, das einen hübschen Kontrast zum Farn liefert.

Was bei diesem Pfad ein wenig nervt, ist die fast durchgängige Neigung zum Meer hin. Man läuft quasi die ganze Zeit auf einer schiefen Ebene, was echt auf die Füße geht!
Toll sind die vielen Steine heute. Jede Menge Pausenplätze!
Es ist etwa 15 Uhr, als wir in Minehead ankommen. Natürlich gibt es ein paar Fotos am SWCP-Monument, dem offiziellen Start des Weges. Wenn man ihn komplett laufen würde, wäre man über 1000 Kilometer unterwegs und würde die vierfache Höhe des Mount Everest an Höhenmetern aufsteigen. Davon sind wir aber noch weit entfernt, denn bis jetzt sind wir nur rund 400 Kilometer dieses Wegs gelaufen. Aber eines Tages werden wir auch den Rest angehen, das nehmen wir uns heute vor.

Der SWCP ist für uns beendet, aber jetzt müssen wir noch die Lücke zwischen Minehead und Washford schließen. Vor zwei Jahren haben wir in Washford unser großes Wanderprojekt gestartet.
Entgegen unserer ursprünglichen Planung wollen wir nun aber nicht auf dem Macmillan Way nach Dunster wandern, sondern an der Küste entlang auf dem neuen England Coastal Path. Dieser neue National Trail soll irgendwann England komplett umrunden, ist bis jetzt aber erst in Ansätzen fertig. Wir können uns noch nicht vom Meer trennen, also nehmen wir lieber ein Stück des Küstenpfads.
Nachdem wir durch das eher hässliche Minehead durch und an dem furchtbaren Butlin’s Holiday Resort vorbei sind, wird es noch mal ganz nett. Der Weg führt uns durch einen schmalen Dünenstreifen, links ein steiniger Strand bei Ebbe, rechts ein riesiger Golfplatz. Als dieser zuende ist, geht es auf einem namenlosen Public Footpath zum Bahnhof von Dunster, an dem echt viele Leute warten! Ist die Strecke nicht eigentlich still gelegt? Tatsächlich kommt kurz darauf eine alte Dampflokomotive mit vier Waggons vorbei!

Nach dem Bahnhof gibt es einen netten Pfad nach Dunster hinein, den Dunster Jubilee Path.
Dunster haut uns echt um. Ein wunderschöner kleiner Ort mit sehr gut erhaltenem mittelalterlichem Dorfkern, über ihm thront eine stolze Burg. Absolut sehenswert und nur sechs Kilometer von Minehead entfernt. Wir plädieren DRINGEND dafür, den offiziellen Start des SWCP von Minehead nach Dunster zu verlegen! Millionen Wanderer haben dieses Kleinod Somersets schon verpasst! 🙂
Unseren letzten Abend vor dem Flughafenhotel genießen wir im Stags Inn
im Schatten der Burg. Ein letztes Mal das leckere Ale, köstlichen Coleslaw und dicke Pommes, ab nächste Woche ist Diät angesagt!:-)

 

Tag 20: Von Lynmouth nach Porlock Weir

A walk in the woods – Ein Gang durch den Wald. Das würde den heutigen Tag gut beschreiben.
Wir haben noch gar nicht von unserem B&B berichtet. Das Riverside war okay, vor allen freundlich und ein gutes Frühstück. Das Zimmer war aber eher auf der kleineren Seite, wie der Engländer sagen würde 🙂
Nach dem relativ frühen Frühstück sind wie schon um neun Uhr wieder auf dem Weg. Zunächst führt uns dieser zu einer relativ wenig befahrenen A-Straße. Der Weg führt uns netterweise nicht auf die Straße, sondern auf einem separaten Pfad daneben. Da es hier auf den ersten vier Kilometern kaum Bäume gibt, haben wir einen unverstellten Blick auf das Meer.
Der Butter Hill ist die erste echte Erhebung heute (260 Meter) und der Aufstieg ist recht sanft und zum Glück wenig matschig. Hier beginnt es zu nieseln und den Rest des Tages hört es eigentlich nicht mehr auf. Aber was soll’s! So lange es nicht gießt, stört uns das mittlerweile eher wenig. Wir packen nicht mal mehr die Regensachen aus! 🙂
Nach dem Hill wollen wir einen Umweg machen, um den Leuchtturm am Foreland mitzunehmen. Wir laufen circa einen Kilometer hin und einen zurück auf einer Teerstraße, nur um festzustellen, dass der Leuchtturm kaum zugänglich und ausserdem ein eher funktionales, wenig ansehnliches Monument ist.

Unterwegs kommen wir an einem „Bothy‘ des National Trust vorbei, das man mieten kann und das zur Zeit von einem jungen Paar belegt ist, dass neben dem Bothy ein Lagerfeuer entzündet hat. Neben dem Bothy steht ihr AUTO! Was ist denn das für ein Bothy, zu dem man mit dem Auto fahren kann? ts ts ts!

Nach unserem Umweg kommen wir in den Wald, und das bedeutet heute schönes, angenehmes Wandern. Wir sehen wenig vom Meer, aber der Wald ist wie verwunschen, voller verschiedener Farne, verdrehter Bäume, Moose, Flechten, Beeren …
Der Herbst zeigt sich heute in seinen schönsten Farben. Unter unseren Füßen knackt und raschelt es viel und schmatzt es wenig.
Eine lange Passage führt uns durch einen großen Rhododendron-Wald, der ganze Hang bis runter zum Meer ist bewachsen. Wie muss das wohl im Frühling aussehen?

Vier Kilometer vor unserem heutigen Ziel kommen wir an der alten Kirche in Culborne vorbei, die hier mitten in der Einöde seit Jahrhunderten steht. Scheinbar finden hier von Zeit zu Zeit noch Gottesdienste statt, denn es gibt Gesangbücher; ziemlich muffige Sitzkissen und sogar welken Blumenschmuck drinnen.

Draußen beginnt es mittlerweile richtig an zu regnen.So können wir hier bequem in die Regenklamotten wechseln und kommen so trocken bis nach Porlock Weir. Der Pub hat geöffnet, so nehmen wir sofort einen Kaffee, bevor wir in unserem B&B einchecken. „The Cafe“ in Porlock Weir hat zwar bis Februar geschlossen, aber trotzdem vermietet die Landlady Zimmer. Noch dazu sehr schöne – und wir erhalten ein kostenloses Upgrade auf ein Zimmer mit Seeblick, weil wir die einzigen Gäste sind.
Nach einem ausgiebigen Bad in der großen Badewanne schlendern wir noch ein wenig durch den Ort. Dieser ist sehr übersichtlich, mit zwei Pubs, einem edlen Hotel und einen „Shopping Center“ mit Geschenkeladen, Kramladen und einem Damenmode-Geschäft. Es gibt einen Hafen, der eher einer ausgebaggerten Schlickgrube gleicht, und einer „Promenade“ aus groben Riesenkieseln, dir hier vermutlich nur zufällig vom Meer angespült wurden, aber eine natürliche Barriere gegen das Meer bilden.
Vermutlich sind die meisten Touristen hier Wanderer, ein Badeort ist dies nicht. Wie ärgerlich ist das denn – ein Ort am Meer zu sein, aber über keinen Fitzel Sandstrand zu verfügen?
Immerhin haben sie eine Reihe hübscher Cottages, stilvoll mit Reet gedeckt.
Der Pub ist auch gemütlich und es hat zu regnen aufgehört – Was wollen wir mehr? 🙂

 

 

Tag 19: Von Hunter’s Inn nach Lynmouth

Heute Morgen wachen wir auf und es regnet.
Wenn man aber dem Wetterbericht halbwegs Glauben schenken darf, sollte es trotzdem ein trockener Tag werden – wenigstens vom Knie an aufwärts! 🙂
Heute stehen schlappe 11 Kilometer bis nach Lynmouth auf dem Stundenplan, gefolgt von einem freien Tag. Ferien! 🙂
Tatsächlich hat es zu regnen aufgehört, als wir gegen 10 Uhr aufbrechen.
Da wir ja heute nur 11 Kilometer haben, können wir auch gleich am Anfang zur Mündung des Heddon River laufen, der durch das Tal fließt. Das ist ein sehr hübscher Umweg von etwa einem Kilometer durch Wald am Flüsschen entlang. An der Mündung gibt es einen kleinen Steinstrand und einen alten Kalkofen, die wir hier schon mehrmals angetroffen haben.
Wir lachen uns tot, dass der steinige Pfad als Elektro-Rolli-Weg ausgewiesen ist. Haha, aber nur für Engländer! Genauso, wie sie hier Schlammlöcher als National Trails bezeichnen!

Der SWCP führt uns heute relativ smooth schräg und parallel zum Tal den Hang hinauf. Ach wenn doch nur alle Anstiege hier so bequem wären!


Allerdings merken wir auch, dass wir nach neun Wandertagen schon recht fit sind. Eigentlich ist es Blödsinn, immer nur zwei Wochen zu laufen, aber wir haben halt nur den klassischen Jahresurlaub zur Verfügung. Und wenn man nur einmal im Jahr einen langen Urlaub macht, dann muss man zu lange darauf warten.
Wie schon häufiger haben wir mal wieder große Lust, die Jobs zu schmeißen und nur noch zu laufen. Aber wie? 🙂
Aber nun zurück zum Weg: Er führt in der klassischen attraktiven Halbhöhenlage auf angenehm grasigen bzw. steinigen Wegen durch Farnhänge, links das blaue Meer, rechts brauner, verwelkter Farn.Wie das hier wohl im Sommer aussieht? Wir sind ja immer nur im Frühling und im Herbst unterwegs!

Ab der Woody Bay geht es fast nur noch über Teer weiter. Das wird uns auf die Dauer zu langweilig und wir biegen deshalb außerplanmäßig auf die Alternativ-Strecke über Crock Point aus. Ist ja nur ein Kilometerchen mehr, heute kein Problem!
Der Umweg entpuppt sich jedoch als weniger lohnenswert, er führt einfach nur über extrem matschige Schafswiesen um die Landmasse herum, Aussichten gibt es kaum.

Als wir wieder auf die Straße kommen, haben wir noch mal einen schönen Blick auf die hübsche Lee Bay, eine kleine, von Felsen eingeschlossene Sandbucht.
Auf der Straße geht es weiter, den Hang hinauf und an der Lee Abbey (nunmehr ein christliches Begegnungszentrum) vorbei bis zu einem Kreisverkehr, an dem Autofahrer eine Maut bezahlen müssen,
wenn sie weiterfahren wollen. Zwar haben wir noch das Valley of Rocks vor uns, aber ist das so ein Touristenmagnet?
In der Tat wundern wir uns über den großen Parkplatz und die vielen Leute, die hier in stylischen Wanderklamotten herumlaufen, heute, an einem Montag im Oktober.
Das Valley ist am Ende ein recht hübscher Küstenpfad, an dem große Felsformationen bizarre Formen bilden. Recht hübsch, aber am besten gefallen uns die vielen Bergziegen, die hier herumspringen.

Nach Lynmouth ist es nun nur noch ein Katzensprung. Zunächst laufen wir nach Lynton herein, das hoch oberhalb von Lynmouth liegt. Beide Stadtteile werden durch eine alte Seilbahn verbunden, an der wir entlang laufen. Morgen werden wir vielleicht mal mit der alten Wasserballast-Bahn von 1890 fahren. Faszinierend, solche seltenen Verkehrsmittel!

Im Ort angekommen nehmen wir erstmal einen klassischen Nachmittagstee (äh, Kaffee) mit Scones, Jam und Clotted Cream; einmal pro Urlaub muss das mindestens sein! 🙂

Danach wandern wir noch ein wenig durch den Ort. Und durch den Ortsteil hinter der Brücke. Und zum Hafen. Und zum Meer, das bei Ebbe ziemlich weit draußen ist. Und …. Wir sind ja heute nur elf Kilometer gelaufen; ne? 🙂

Zum Zeitpunkt dieser Aufzeichnung sitzen wir gerade im Village Pub. Und da wir ja morgen nicht laufen müssen, könnten wir hier jetzt so richtig versacken …

Tag 18: Von Ilfracombe nach Hunter’s Inn

What a glorious Day! Und so unverhofft!
Eigentlich war für heute mittelprächtiges Wetter mit „sonnigen Intervallen“ angesagt. Aber stattdessen knallt heute den ganzen Tag die Sonne, und das bei quasi null Wind. Da kommt man ja richtig ins Schwitzen, selbst bei einer Wanderpause, yeah!
Die Sonne brutzelt Friedel im Nu die Erkältung weg. Also, wir beide müssen sagen: So schnell sind wir noch nie unsere Schnupfen losgeworden. Das nächste Mal auf zu einem Gewaltmarsch statt Bettruhe, neue Behandlungsmethode? Medizin-Nobelpreis? 🙂
Der Tag beginnt mit einem Marsch durch Ilfracombe bis zum Hafen. Der Ort soll ja einen schlechten Ruf haben, aber das können wir gar nicht verstehen. Bei dem Wetter ist der Hafen sehr lebhaft, und dass die Einwohner so eine Statue wie die „Verity“ als Leihgabe von Damien Hirst akzeptieren, spricht für den Ort.

Uns jedenfalls gefällt die Amazone.
Als wir schließlich loslaufen, müssen wir erst mal aus dem Ort heraus finden. Während sonst die Wegweiser mit der Eichel sehr häufig anzutreffen sind (Ja, wo soll es denn wohl sonst lang gehen?), sind sie hier eher zu spärlich.
Am Ende schaffen wir es dann doch. Die Erfinder des Weges haben sich redlich bemüht, Alternativen zur dichtbefahrenen Straße zu finden, die hier dicht an der Küste verläuft. Deshalb führen sie uns über jede Klippe und über jeden möglichen Schlenker, und sei der Weg auch noch so schmal und noch so matschig. Aber danke, nett gemeint!
Kurz vor Combe Martin dann ein echtes Highlight: Small Mouth – ein Blick in eine Bucht so blau und so schön, als wäre sie angelegt. Überhaupt ist es erstaunlich, wie sich die Farbe des Meeres verändert, je nach Wetter. Heute leuchtet das Meer mediteran-azurblau.

In Coombe Martin genehmigen wie uns wieder einen Kaffee Latte, was sonst? 🙂
Auch hier gibt es wieder Millionen nasse Hunde, auf der engen Terrasse des Cafés kommt man kaum an ihnen vorbei. Zum Glück sind die englischen Hunde aber insgesamt recht wohlerzogen und lassen uns in Ruhe.
Nach Combe Martin geht’s dann richtig ab: Wir betreten den Exmoor National Park mit gleich zwei dicken Hügeln, die wir natürlich besteigen müssen. Little Hangman ist knapp 220 Meter hoch, Great Hangman ist 318 Meter hoch. Da klingt nach nicht viel, aber das Café in Combe Martin liegt auf null!

Wir haben wegen Friedels Erkältung ein wenig Bedenken, aber Friedel nimmt die Hügel bravourös. Er ist somit wirklich „über den Berg“! 🙂

Toll ist, wie sich beim Großen Hangman sofort die Landschaft verändert. Plötzlich wandern wir durch die typische Moorlanschaft, wie wir die aus Yorkshire kennen: Steinige Wege, abwechselnd mit matschigen Torfstellen, Farne, Heidekraut, nur mit Meer auf der linken Seite! 🙂

Es ist erstaunlich, wie viele Leute heute unterwegs sind. Klar, es ist Sonntag, aber dass sie sich hier die Hügeln hinauf quälen, ist schon erstaunlich. Zumal es so matschig ist!
Ab dem großen Hangman wird es jedoch einsamer. Noch einmal geht es tief in das nächste Tal, aber wie tief: Dieser Abstieg ist so unverschämt steil, sowas haben wir noch nicht erlebt. Friedel bemerkt, dass er hier bei schechtem Wetter streiken würde – Aber was dann, mein Lieber, was dann? 🙂
Nach einem heftigen Abstieg folgt natürlich auch ein ebensolcher Aufstieg.

Danach gibt es zwar noch einige Aufs und Abs, aber im Großen und Ganzen war’s das für heute. An einem dieser eher kleineren Aufstiege kommt uns laut pustend und schnaufend eine Gruppe englischer Rentner entgegen, offensichtlich auch SWCPler, denn sie haben Hikingstöcke und tragen Rucksäcke und Wanderkarten um den Hals. Oje, ob sie heute noch ankommen werden? Es sind noch bestimmt acht Kilometer bis Combe Martin, und zwei Hangmans liegen dazwischen …
Kurz vor dem Haddon Valley wird es noch mal besonders schön: Der Weg macht noch eine Schleife um Peter Rock. Diesen „Umweg“ wollten wir erst gar nicht nehmen, aber in der späten Nachmittags-Sonne sind die steilen Felsen unter uns besonders beeindruckend.
Beim Abstieg ins Valley freuen wir uns über das viele noch blühende Heidekraut, das es hier an den geschützten Hängen gibt.
Schon von weitem blitzt das Hunters Inn zwischen den Bäumen, auf das wir besonders gespannt sind – die Bilder und Beschreibungen im Internet waren recht viel versprechend. In der Tat ist das hier jeden Penny wert. Die Zimmer sind schön und zweckmäßig, es gibt sogar eine Kaffeemaschine mit Pads. Das Essen ist ein Gedicht und der Service zuvorkommend und freundlich. So soll es sein!

 

 

Tag 17: Von Braunton nach Ilfracombe

Wir haben ja gewusst, dass das Wetter heute wieder schlechter werden sollte. Aber nach dem wundervollen Tag gestern wollten wir den Wetterwechsel einfach nicht wahrhaben und sind nicht glücklich, als wir den Vorhang vor dem Fenster aufziehen und es förmlich gallert!
Der Wetterbericht sagt, es wird bis 11 Uhr regnen. Da hilft es nicht, das Frühstück in die Länge zu ziehen – Wir haben heute 23 Kilometer vor uns, da können wir nicht herumbummeln!
Beim Frühstück enttäuscht uns das George Inn erneut: Zwar ist das English Breakfast selbst gut, aber es gibt weder Joghurt noch Obstsalat! Missmutig schneidet Steffi einen schon schrumpeligen Pfirsich auf, der in der Mitte schon angefault ist, igitt!
Das Establishment gehört scheinbar zu einer Kette, die Vintage-Pubs betreibt. Um jeden Preis vermeiden! Sie machen einen auf edel, aber kriegen die grundsätzlichen Dinge nicht hin!

Als wir loslaufen, regnet es echt unangenehm. Wir kürzen heute jedoch ab und laufen über Landstraßen in Richtung Croyde, da fällt es erst mal nicht auf, dass es arg matschig wird in diesem Land, wenn es regnet. Aber auf der „Long Lane“, einem Public Byway, wird es ganz arg – nicht nur Pfützen, nein ganze Seen gilt es zu überwinden, diese auch noch gefüllt mit Schafscheiße, oh weh!
Wir bemühen uns redlich, uns möglichst wenig zu beschmutzen, aber das Gespringe macht das Ganze nur noch schlimmer- am Ende sind wir bis zur Hüfte eingesaut (aber wir haben ja Gamaschen und Gummihosen, hehe!)
Als wir in Croyde ankommen, müssen wir auf den Schreck erst mal einen Kaffee trinken. Wir finden zum Glück ein Café mit überdachten Aussenplätzen, so dass wir den Laden nicht zusauen.
Nach Croyde sind wir endlich wieder auf dem SWCP, halleluja!

Wir laufen oberhalb eines riesigen Strandes durch die Dünen, und wir sehen – nichts! Der Nieselregen behindert die Sicht wie im Nebel, aber kurz vor Woolacombe hört es zum Glück auf zu regnen. Heute ist Friedel arg angeschlagen, Steffi hat ihn vermutlich angesteckt. Er schnieft und niest die ganze Zeit, der Arme, und zwar schlimmer als Steffi!
In Woolacombe ist es trocken genug, dass wir in einem Strandcafe eine Mittagspause einlegen können. Während wir mit Mütze und Regensachen auf der der Terrasse sitzen und die Hände an der Tasse wärmen, schälen sich die Surfer am Strand in aller Selenruhe im Wind und barfuß aus ihrem Neoprenzeug Uhhh!
Nach Woolacombe wird es dann noch mal richtig schön: Klippen, bizzarre Felsen, schöne Buchten – da geht uns das Herz auf, auch ohne Sonne!
Auch trocknen wir bald und der Weg ist weniger schlammig.

Der Nachmittag vergeht wie im Fluge und um kurz nach 17 Uhr kommen wir in Ilfracombe am Bath House Hotel an. Unsere heutige Unterkunft gefällt uns viel besser als die gestrige – so ein richtig schön altmodisches Ding wider, mit Stuckdecken und schiefen Böden. Das Zimmer ist schön groß; aber das beste ist der Lift: Man muss noch so ein Gitter vorziehen, wenn man fahren möchte! Das finden wir ganz toll, aber wir trauen uns dann doch nicht, das Ding zu benutzen.
Leider hat das Hotel kein Restaurant. Also gehen wir in das älteste Pub der Stadt. Steffi hat das George and Dragon schon von zuhause im Internet recherchiert. Eine gute Wahl!
Früh geht es aber zurück zum Hotel, denn Friedel muss sich erholen.

Tag 16: Von Instow über Barnstaple nach Braunton

Heute ist ein halber Ruhetag! Zwar laufen wir heute 20 Kilometer, die aber größtenteils auf einem geteerten Bahntrack entlang des Torridge and Taw Estuary verlaufen.
Heute Morgen starten wir gut ausgeruht in Instow, das den Charme der Nachsaison ausstrahlt: Die Gehwege und die Bushaltestellen sind halb mit Dünensand zugeweht und man muss teilweise auf die Straße ausweichen.
Unsere Unterkunft war nur mittelprächtig: Für weniger Geld hatten wir schon Zimmer mit Seeblick, besseren Möbeln, einem sauberen Teppich und weniger Schimmel im Bad. Im Wayfarer Inn gab es nicht mal Wifi! Aber das Bett war breit, das Zimmer war ruhig und das Essen gut.
Was uns in Instow extrem aufgefallen ist, waren die vielen Hunde. Millionen! Manche Damen hatte gar drei an der Leine!


Was wir nicht wussten und erst durch Talüs Blog erfahren haben: Hunde dürfen in England erst wieder ab dem ersten Oktober an den Strand, und das ist ja mal eine clevere tourismusfördernde Maßnahme des Staates: Im Oktober treffen sich dann alle Hundebesitzer zur Happy Nachsaison! 🙂
Wer hier auch glücklicher Nachsaison-Urlauber ist, das ist der radelnde Rentner. Da wir unseren National Trail heute mit einem überregionalen Radweg, dem Tarka Trail teilen, kommen uns diese zu hunderten entgegen. Friedel nennt sie die Happy Gromits – wie der Comic-Hund grinsen sie uns an und zeigen uns freundlich ihre Zähne.


Viele SWCP-Wanderer hassen diesen Abschnitt, viele umfahren ihn sogar mit dem Bus. Es geht halt fast die ganze Zeit über Teer an einer eher langweiligen Salzmarsch vorbei. Im Vergleich zu den Naturwundern der letzten Tage ist dies hier eher eine schlappe Nummer. Wir aber genießen den Tag: Entspannt laufen wir Kilometer nach Kilometer ab, hin und wieder gibt es das eine oder andere rostige Wrack zu knipsen oder ein paar Brachvögel oder Möwen zu beobachten. Zweimal legen wir eine Kaffeepause ein und genießen das schöne Wetter und das meditative Vor-sich-hin-Shuffeln.

Schon um 14:30 Uhr sind wir in Braunton und freuen uns auf einen halben Off-Tag in unserer Luxus-Unterkunft. Unser Zimmer im George Inn ist dann aber leider eher eine Enttäuschung: Das Gebäude ist eingerüstet und das Zimmer zwar hochwertig eingerichtet, aber von der Größe her eher eine Besenkammer. Natürlich beschweren wir uns nicht, dafür sind wir viel zu schüchtern. Zur Strafe werden wir hier aber heute Abend nicht essen, sondern woanders hingehen. So!

Tag 15: Von Clovelly über Bideford nach Instow

Man kann es nie wissen: Wir dachten, dass unsere Unterkunft, das New Inn in Clovelly gar nicht gut sein kann – der Ort ist voll der Touri-Treffpunkt und 80 Pfund ist nicht teuer – aber das Inn gehört damit zu den günstigeren Unterkünften unserer Reise und es ist bis jetzt eine der besten! So richtig schön altmodisch möbliert, große Zimmer und der Frühstücksraum erst, der sieht aus wie ein Rittersaal! Gestern Abend hat die ganze Crew der Abendschicht im Pub zusammen Darts gespielt. Süß!

Im Pub haben sie uns erzählt, dass sie alle von auswärts kommen, also nicht in Clovelly wohnen. Friedel und ich machen uns deshalb so unsere Gedanken, was die Einwohner von Clovelly wohl so tun: Sie sind wahrscheinlich alle Statisten in diesem schönen Dorf, dürfen als Einheimische dort von Lords Gnaden wohnen bleiben, die Häuser pflegen, ein wenig fischen, Blumen pflanzen, die Außenanlagen dekorieren und erhalten noch ein kleines Taschengeld. Arbeiten tun dann Auswärtige. Kann man sich als Clovellier bewerben? 🙂

Heute sind wir erst um 9:15 auf dem Trail, denn die Auswärtigen machen erst um 8:30 Frühstück, das aber flott.
Zunächst geht es vier Kilometer über den Hobby-Drive bis zum Ende des Estates. Wir sind recht dankbar für den alten Fahrweg, denn es hat am Morgen ordentlich geregnet. Aber als wir los laufen, hat es gerade aufgehört. Schön für uns, aber alles ist matschig und rutschig.
Fast die gesamten ersten 10 Kilometer gehen heute durch Wald, Wald, Wald. Fast denken wir, dass wir auf der Alb sind, außer – es ist viel matschiger und und hier haben wie nach links immer wieder mal Ausblicke auf das Meer, das ist schon schöner! 🙂
Ausserdem haben wir heute wieder viele Auf- und Abstiege. Zwar sind sie nicht so steil und lang wie in den letzten Tagen, aber es sind einfach total viele und die Höhenmeter summieren sich ..
Außerdem ist es unglaublich matschig. Irgendwann trampeln wir nur noch durch und hoffen, nicht den Abhang hinunter zu rutschen. Aber alles geht gut!


Insgesamt gefällt uns der SWCP heute wieder sehr gut. Wie schon gestern treffen wir auf unzählige Fasane: Einmal zähle ich 25 Stück auf einmal, die auf dem Pfad vor uns herlaufen. Wir taufen sie heute „die Moorhühner des Südens“: Wie die Moorhühner in Yorkshire fliegen sie erst in letzter Sekunde aus den Gebüsch vor uns auf und erschrecken uns zu Tode!

Als wir nach dem Green Cliff den Weg verlassen, bedauern wir das etwas, aber wir haben noch 12 Kilometer vor uns, größtenteils über Landstraßen und einen geteerten Bahntrack über Bideford bis nach Instow. Wir kommen so gut voran, nehmen sogar noch Kaffee und Kuchen in Bideford und sind trotzdem schon vor 18 Uhr in Instow. So können wir noch ein Halfpint in der Sonne am Strand von Instow genießen, warm genug ist es heute. 25 Kilometer waren es bei 1300 Höhenmetern, von denen die erste Hälfte echt hart war, die zweite war ein Kinderspiel. It’s all about Terrain!

Tag 14: Von Hartland Quay nach Clovelly

 

Heute schreiben wir nicht viel. Die verdammte Mailer – App ist abgestürzt, nachdem ich fast den ganzen Text für heute geschrieben hatte. Jetzt hab ich echt keine Energie mehr, alles noch mal zu schreiben.
Das Wetter war heute bedeckt, etwas wärmer und es hat nicht geregnet. Die ersten zwei Stunden des Weges waren wieder spektakulär, sowohl was das Meer und die Felsen anging, aber auch das Auf -und-Ab war wieder unglaublich steil.
Am Hartland Point haben wir in der Kaffeebude am Parkplatz einen Kaffee Latte genommen, dann ging es weniger spektakulär und auch deutlich weniger windig in Richtung Osten weiter.

Hübsch waren heute die Täler, die BEWALDET waren. Sowas haben wir ja seit Tagen nicht gesehen!.

Relativ bequem kamen wir in Clovelly an. Der Ort ist wirklich sehr hübsch, wenn auch ein wenig künstlich. Der ganze Ort gehört einem Duke, der Eintritt für das Dorf nimmt.

Das romantische Fischerdorf selbst klebt am Hang, es gibt zwei Straßen. von denen die eine „oben herum“ heißt, die andere „unten herum“. Autos gibt es keine, die Bürger des Ortes transportieren ihre Waren auf Schlitten, die sie über das grobe Kopfsteinpflaster ziehen. Abends sind die Tagestouristen weg und außer den beiden Hotels hat alles andere zu. Aber hübsch ist es hier auf jeden Fall!

 

Tag 13: Von Kilkhampton nach Hartland Quay

Heute Morgen wacht Steffi mit einem ordentlichen Schnupfen auf, aber sie hat gut geschlafen und fühlt sich nicht schlapp. Noch dazu scheint die Sonne, yeah!
Zunächst müssen wir ca. sieben Kilometer Straße laufen, bis wir wieder zum Meer kommen. Wir wollen nicht denselben Weg wie gestern gehen, also laufen wir die Strecke über superschmale Landstraßen, die links und rechts mit dichten Hecken zugewachsen sind. Alle 200 Meter gibt es eine Ausweichbucht. Da gilt es die Ohren zu spitzen, ob ein Auto naht. Einmal kommt sogar ein Bus. Wir drücken uns und unsere Rucksäcke in die dornige Hecke. Der Bus fährt schön langsam, aber das Manöver ist Zentimeterarbeit. Wir hatten außerdem gedacht, das wir ein paar fiese Aufstiege sparen, wenn wir Straße laufen. Aber auch die Straße hatte fiese Auf- und Abs! 🙂

Als wir kurz vor Morwenstow wieder auf den Path treffen, freuen wir uns doch sehr. Sofort treffen wir auf Hawker’s Hut, eine kleine Hütte, in der mal gerade zwei Personen sitzen können. Der exzentrische Reverend Hawker hat die Hütte vor ca. 100 Jahren gebaut; um dort in Ruhe mit seinem Hausschwein zu sitzen, auf’s Meer zu starren und Opium zu rauchen.
Wir haben heute keins dabei und wir haben‘ s auch ein wenig eilig, also weiter geht’s.
Wir treffen ein englisches Pärchen auf den Weg, dem wir ein typisch englisches „What a lovely day, isn’t it?“ entgegen schmettern. Die Frau antwortet trocken „Yes, it’s glorious, although a little bit cold“ ?????? Das müssen Deutsche gewesen sein, immer ein Haar in der Suppe finden! 😉

Auf dem Weg geht’s gleich wieder achterbahngleich rauf und runter. Rauf auf grasigem oder steinigem Pfad, 100 bis 200 Meter oben bleiben, dann wieder runter in die nächste Bucht. Die Ausblicke sind jedenfalls toll, die Buchten auch. Fast alle sind steinig, und wenn die Wellen sich zurückziehen, dann klickert es laut.
Wir sind heut ein wenig schlappi, aber wie nehmen die vielen Aufstiege mit Fassung. Heute haben wir nur 800 Höhenmeter zu überwinden, so what? (Aber how the hell haben wir die 1500 Höhenmeter vorgestern geschafft, und bei dem Wind und dem Regen? 🙂 )

Kurz vor Hartland Quay wird es dann richtig dramatisch. Das Hotel sieht man schon von Weitem. Weiß klebt es förmlich an den Klippen. Davor und danach ist die Küste total zerklüftet, riesige Schieferplatten ragen fast senkrecht aus dem Meer. Noch dazu wirft die späte Nachmittags-Sonne ein schönes Licht auf die Klippen.
Als wir am Hotel ankommen, machen wir etwas, was wir die ganze Zeit wegen des Wetters nicht gemacht haben: Wir holen uns ein Pint und setzten uns auf eine Picknickbank direkt ans Meer. Zwar halten wir es im Wind nicht lange aus, aber eine Pint-Länge schaffen wir es, eingemummelt in unsere warmen Jacken auf der Bank sitzenzubleiben.
Das Hotel ist auch wirklich ein einmaliger Platz und ein Muss für jeden SWCP-Wanderer.
Das Essen in der Bar wird schnell serviert und ist typischer Pub-Standard. Heute gibt es keinen Mondschein-Spaziergang mehr, stattdessen geht es früh auf’s Zimmer. Steffi muss sich schonen!

Tag 12: Von Widemouth Bay nach Kilkhampton

Die Nacht war recht unruhig, denn der Wind heulte um das Haus. Zimmer mit Meerblick sind laut!

Im Vergleich zu gestern ist die heutige Etappe ein Kinderspiel: Nur 17 Kilometer und nur 750 Höhenmeter!
Das Frühstück dauert recht lang, weil die Bedienung so schnarchig ist. Dabei sind wir die einzigen Gäste!
Aber die Sonne scheint, als wir losgehen. Trotzdem haut der Wind (Steffi nennt es Sturm, Friedel einen starken Wind) voll in die Bucht. Wir stämmen uns gegen die Brise, die gemeinerweise zwischendurch immer wieder plötzlich abflaut. Da muss man dann aufpassen, dass man nicht auf den Knien landet!
Bei Steffi bahnt sich heute eine Erkältung an, oje! Das hatten wir noch nie auf einer Wanderung. Hoffen wir, dass es nicht so schlimm wird!

Unser erstes Zwischenziel heute ist Bude, ein recht großes Seebad. Unglaublich viele Leute und Hunde sind hier unterwegs, und das an einem Montag im Oktober. Wie das wohl im Sommer ist?
Wir freuen uns jedoch über ein Café mit einem anständigen Kaffee Latte, denn der Kaffee im Hotel war recht dünn.
Ansonsten haben wir wenig Lust, lange im Ort herumzulaufen. Wir schlagen uns sofort wieder auf den Pfad.
Im Vergleich zu gestern gibt es heute links dramatische Felsen und Strände tief unter uns, aber wir laufen fast nur auf Wiese. Das bedeutet, dass der Weg selbst wenig matschig, aber auch ein bisschen langweilig ist. Dafür sind die Ausblicke toll!
Am Sandy Mouth Beach hat das Café offen, so dass wir noch einen Kaffee trinken. Außerdem gibt es fette Brownies, aber sowas von fette!

Schon um 14 Uhr sind wir am Duckpool-Strand, wo wir das Meer für heute verlassen und durch das Coombe Valley noch sechs Kilometer bis Kilkhampton laufen. Endlich mal kein Wind! Das Tal ist sehr schön, mit richtigen Bäumen und mannshohen Wurmfarnen!

Wir machen noch eine Teepause, aber leider beginnt es wieder zu regnen. Dieses Mal sind wir aber clever und werfen schnell unsere Regensachen über. Kluge Entscheidung, denn jetzt fängt es RICHTIG an zu regnen.
Wir haben schließlich keine Lust mehr auf die matschigen Footpathes und laufen den Rest des Weges bis Kilkhampton auf der Straße.

Pitschenass kommen wir im New Inn an, aber die nette Wirtin nimmt uns gleich unsere Sachen ab, zum Trocknen.
Das Zimmer ist SUPER, riesig groß mit einer Sitzecke, einem tollen Bad und mit Bakon.
Nur leider können wir diesen – gleich wie gestern – nicht nutzen: Gestern war es zu windig, heute hat es sich so richtig eingeregnet. Wie gut, dass wir nicht im Zelt übernachten müssen! 🙂

 

Tag 11: Von Boscastle nach Widemouth Bay

 

Vor dem heutigen Tag hatten wir ehrlich gesagt ein bisschen Bammel. 22 Kilometer von Boscastle nach Widemouth Bay erschienen uns bei der Planung erst mal als kein Problem. Erst später haben wir bemerkt, dass es heute 1500 Meter Höhenanstieg gibt!
Egal. Treu nach dem Motto „Langsam aber sicher“ machen wir uns gegen 9:30 Uhr auf den Weg. Gern wären wir früher gestartet; aber das Riverside Inn bietet erst Frühstück ab 8:30 Uhr.
Ausserdem haben wir heute ein Blind Date. Gestern hat uns Britta vom Blog „Britta wandert“ mitgeteilt, dass eine andere deutsche Bloggerin (die sie auch auf dem SWCP getroffen hat) uns bald entgegen kommt, Talü von „Talü Walks“. Gestern Abend haben wir noch ungefähre Personen-Beschreibungen augetauscht; aber das war vollkommen unnötig. Talü ist die erste Wanderin, die uns bei dem Sauwetter begegnet! Jedoch ist die Klippe, auf der wir uns treffen, gerade regengetränkt und recht windig, so dass es für einen gemütlichen Kaffeeklatsch echt zu nass und windig ist!

Ja, was ist das heute für ein Wetter? Nun, zeitweise kann man es schon „Regen“ nennen. Aber es gibt auch vom Meer aufziehenden dichten Nebel, den der Wind einem regengleich um die Ohren haut. Egal – nass werden wir so oder so!
Noch dazu bläst uns der Wind fast den Kopf ab, wie der Engländer sagt. Außerdem ist der Weg heute eine Zumutung: Es geht steil nach oben, teilweise mit kniehohen, wassergefüllten Stufen, abwechselnd mit schlammgefüllten Stufen, oder es geht steil rauf ohne Stufen. Um dann 500 Meter weiter wieder steil nach unten zu gehen. Ein Wunder, dass wir uns heute nicht langgelegt haben!
Aber die Ausblicke! Bei dem Wind gibt es ordentlich Wellengang, die Wellen schlagen hoch an die steilen Klippen. Teilweise schneit es Schaum auf uns – Der Wind treibt ihn 50 Meter hoch nach oben. Immer wieder durchwandern wir auf unserer Achterbahnfahrt tiefe Täler, die mit allerlei Blumen, Weißdorn, gelbem Ginster und fast tropisch anmutenden uns unbekannten Pflanzen bewachsen sind.
Wir haben die tiefen Täler und die anschließenden steilen Aufstiege heute nicht gezählt. Irgendwann denken wir uns, dass es auch egal ist, wann wir ankommen, Hauptsache noch vor dem Dunkelwerden! Am Ende geht es noch durch nassen Dünensand – ja super!
Schließlich ist es fast 19 Uhr, bis wir im „Bay View Inn“ ankommen. Badewanne (yeah!), Essen, noch ein paar Zeilen schreiben, das reicht dann für heute.
Wir haben ein Zimmer mit einem tollen Balkon, aber der Wind heult dermaßen um das Haus, dass einem fast die Bakontür aus der Hand fliegt. Wie gut, dass wir heute nicht im Zelt übernachten müssen!

Tag 10: Von Tintagel nach Boscastle

Heute sind wir erst um 11:14 mit den Zug in Bodmin Parkway angekommen. Um Zeit zu sparen, haben wir schon im Voraus ein Taxi bestellt, das uns nach Tintagel bringt. Wir haben unsere Tour wieder genau da aufgenommen, wo wir sie vor zwei Jahren aufgehört haben: Am Tintagel Castle.

Der Wind weht uns gleich am Start ganz ordentlich um die Ohren, aber wir sind froh, dass es nicht regnet. Der Wetterbericht hat für heute „heavy rain“ angesagt, aber es ist zunächst trocken.

Uns begegnet auf dem Weg jede Menge Volk, denn heute ist Samstag. Das Meer ist bei dem Wind heute schön aufgewühlt, die Gischt spritzt hoch an die zerklüfteten Felsen. Zwar beginnt es bald zu sprühregnen, aber das macht nix: Wir sind wieder auf dem Trail! 🙂

Schon nach acht Kilometern kommen wir in Boscastle an: Wir hätten glatt noch weiterlaufen können!

Das Beste heute Abend: Es fängt erst richtig zu regnen an, als wir auf unserem Zimmer sind. Ich hör den Regen an die Scheibe plätschern, während ich in der Badewanne liege.

Am Abend endlich ein frisch gezapftes Ale – so geht es hoffentlich  weiter!

Abschnitt 2: SWCP Tintagel-Washford

 

Heute geht’s los! Wir schliessen die Lücke zwischen Tintagel und Washford und laufen den Abschnitt 2. Da unser Flieger leider erst am späteren Nachmittag startet, schaffen wir es heute nicht ganz bis Tintagel. Wir machen Zwischenstation in Taunton und fahren morgen früh dann nach Tintagel.

Drückt uns die Daumen für einen goldenen Oktober und dass wir klippauf-klippab nicht schlapp machen…

Puh, wenn einer eine Reise macht, dann muss er was ertragen!  Mittags um 12 los, und nach krachend übervollen Bahnhöfen und Flughäfen abends um 21:30 endlich da: Premier Inn in Taunton, nebenan ein moderner Pub mit Biergarten, das erste Ale auf dem Tisch – URLAUB!! 🙂