Tag 9: Port Isaac nach Tintagel

Heute ist unser letzter Tag in diesem Urlaub. Sehr schade, denn wir haben uns gerade erst richtig eingelaufen! Friedel hat jedoch am Wochenende ein Seminar in Ulm, das er auf keinen Fall verpassen möchte – Deshalb geht es schon morgen Abend zurück nach Deutschland.

An diesem Tag erwartet uns ein weiteres Highlight unserer Wanderung: Unser Ziel für heute ist Tintagel Castle, angeblich König Arthurs Geburtsort. König Arthur selbst interessiert uns jetzt nicht so, denn es gibt hier inflationär viele Orte, die mit ihm verbunden werden. Aber wir haben schon einige Fotos von der atemberaubenden Lage des Castles gesehen, also sind wir sehr gespannt!

Der Morgen beginnt mit einem bedeckten Himmel und es wird im Verlauf des Vormittags einige Male regnen. Hinter Port Gaverne erwartet uns wieder das offene Meer und Klippen, Klippen Klippen. Unser Reiseführer hatte uns auch schon vorgewarnt, dass es heute anstrengend wird. Uns erwarten einige steile Auf- und Abstiege – und so ist es auch. Wenn wir oben sind, schauen wir hundert Meter tief herunter. An einigen Stellen sind die Wiesenzäune so dicht an die Klippen gebaut, dass nur ein schmaler Fußweg bleibt. Wie gut, dass wir relativ schwindelfrei sind!

Jedoch geht es immer wieder tief in die Täler hinunter. In den Weg sind Stufen hineingebaut, die am Ende jeweils mit Brettern begrenzt sind. Da es gerade geregnet hat, steht vor fast jedem dieser Bretter eine Pfütze, in die man besonders bei den Absteigen voll hinein patscht. Also rentieren sich heute endlich mal unsere Gamaschen, die wir die ganze Zeit nutzlos im Rucksack herumgetragen haben!

Trotzdem gefällt uns der Weg heute wieder außerordentlich gut, zumal die Täler meistens pittoresk mit Farnen bewachsen sind. Immer wieder treffen wir dort neugierige Kühe, die sich nur ungern vom Weg verscheuchen lassen. Da wir nicht ganz sicher sind, ob die Viecher aggressiv sind, müssen wir uns immer wieder gedulden, bis sie freundlicherweise den Weg frei machen.

Ab Mittag wird das Wetter wieder sonnig. Außerdem kommt ein ordentlicher Wind auf, der die Wellen hochschlagen lässt. Friedel macht Millionen Gischt- Schaum- und Wellenfotos, die mit den vielen Felsen am Strand auch besonders gut wirken.

Schon ab ein Uhr können wir unser Endziel sehen: Die Kirche St Materiana, die auf einem Hügel bei Tintagel steht. Vorher geht es zwar noch einige Male auf und ab, aber es sind ja heute nur 16 Kilometer – da können wir ganz gemütlich weiterschlendern und uns schön viel Zeit nehmen, die Klippen und die Wellen zu bewundern.

In Trebarwith Strand kommen wir zwar zu einem Kaffee, aber uns überkommt auch so etwas wie ein kleiner Kulturschock: Der Ort scheint sehr beliebt zu sein – Nachdem wir den ganzen Tag wirklich niemanden getroffen haben, schocken uns nun die Massen an Rentnern, die auf der Terrasse des Port William sitzen. Die sind natürlich mit dem Auto und nicht zu Fuß gekommen. Der Gasthof liegt aber wirklich schön in einer schmalen Bucht und bietet einen ordentlichen Blick auf die Wellen, die nun bei Flut ganz besonders hoch an die Felsen spritzen. Vom Strand sehen wir so allerdings nichts.

Der Abschnitt von Trebarwith Strand nach Tintagel ist von Schiefer geprägt: Früher wurde dieser auf diesem Wegstück abgebaut, und davon zeugen noch einige Steinbrüche an den Klippen und die vielen Mauern und „Stiles“ aus geschichteten Schieferplatten – dies erinnert uns sehr an den Lake District oder Wales.

Kurz vor Tintagel verlassen wir den SWCP, um uns die St Materiana Kirche anzuschauen. Die Kirche stammt aus dem späten elften Jahrhundert und beeindruckt nicht nur durch seine exponierte Lage und den trutzigen Turm, sondern auch durch den großen Friedhof mit vielen alten Grabsteinen. Auch von Innen ist die Kirche sehr beeindruckend. Da es erst 15 Uhr ist, können wir uns viel Zeit für die Kirche lassen.

Trotzdem wollen wir nicht zu spät zum Tintagel Castle kommen, denn wie wir ja bereits wissen, schließen viele Sehenswürdigkeiten in England bereits um 17 Uhr. So sind wir gegen 16 Uhr dort – und erfreulicherweise ist das Kassenhäuschen schon geschlossen, aber die Burg noch geöffnet! Auf wieder ein Vorteil der Nachsaison?

Von der Burg selbst ist nicht wirklich viel erhalten. Ein Paar Mauerreste, das ist alles. Aber der Weg dorthin über in den Felsen gehauene Stiegen und eine schmale Holzbrücke über dem Abgrund ist schon sehr beeindruckend. Circa eine Stunde klettern wir auf dem großen Felsen herum, dann ruft uns die Aussicht auf ein Ale in der Abendsonne. Hoffentlich hat unsere Unterkunft einen Biergarten?

Hat sie! Um zum Tintagel Arms Hotel zu gelangen, müssen wir jedoch erst das ganze Straßendorf durchlaufen. Der Ort ist ziemlich lang gestreckt und unser Hotel liegt am anderen Ende des Ortes. Allerdings haben wir so den ganzen Ort schon gesehen und brauchen abends nicht noch einmal extra los. Außer dem alten Postoffice finden wir aber aber auch nichts wirklich Schönes am Ort. Wir freuen uns über ein Ale im improvisierten kleinen Biergarten hinter dem Haus, der auch tatsächlich noch Sonne hat.

Am Abend essen wir im Hotel – und sind die einzigen Gäste! Es wird uns ein wenig bange, denn sowas ist ja meistens kein gutes Zeichen. Das Essen ist jedoch sehr gut und im Speisesaal im Ritterstil läuft guter Jazz – Was will man mehr an seinem letzten Abend?

Es tut uns allerdings ein wenig leid für den Wirt des Hotels, dass so wenig los ist. Hier scheint es eine große Konkurrenz an anderen Hotels zu geben, das Hotel liegt am weitesten entfernt vom Castle und in der Nachsaison scheint es nicht mehr viele Gäste zu geben. Wir nehmen uns vor, hier wieder zu logieren, wenn wir den nächsten Abschnitt des SWCP laufen: Von Tintagel über Minehead nach Washford, den Beginn unsere Somerset-Tour.

Am nächsten Morgen reisen wir voller Bedauern ab. Der Wirt hat uns am Abend noch freundlicherweise ein Taxi bestellt, das uns zur Bahnstation Bodmin Parkway fährt – die Busfahrt mit drei Umstiegen würde sonst einfach zu lange dauern. Von dort aus sind wir fast den ganzen Tag bis nach London unterwegs. Das ist jedoch kein Problem, denn unser Flieger in Heathrow geht erst um 19:00 Uhr – Das haben wir locker geschafft.

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