Tag 6: Perranporth nach Mawgan Porth

Die langen 26 Kilometer heute sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens wollte Steffi nicht in Newquay übernachten, weil sie davon nur Schlechtes gehört hat. Zweitens war es möglich, dass es keine Fähre über das Gannel Estuary geben würde: Beides bewahrheitete sich!

Wieder beginnt unser Tag damit, dass wir in nassem Sand einsinken. Zunächst gilt es, das Ende des Strandes zu erreichen, eine Klippe mit dem Namen Crotty Point. Wir hatten gehofft, bei Ebbe die Klippe zu umwandern, doch das Wasser steht hoch: So steigen wir Crotty Point hoch, wieder herunter und was erwartet uns? Drei Kilometer erneutes Stapfen durch nassen Sand! Doch das stört uns nicht wirklich: Der Tag ist jung und es regnet nur ein bisschen!

Glücklicherweise legt sich der Regen im Verlauf des Vormittags. Im Nachhinein lässt sich bei uns immer gut rekonstruieren, wann es geregnet hat – es gibt dann nur wenige Fotos!

Was ich von diesem Vormittag jedoch noch weiß: Der Weg führt uns größtenteils hoch an Klippen entlang, immer wieder gibt es tiefe Einblicke auf unzugängliche Sandstrände. Die Wellen schäumen heute ordentlich, die Gischt spritzt dramatisch gegen die Felsen – da kann sich der Friedel dann doch nicht verkneifen, die Kamera einige Male auszupacken, trotz Regen.

Als wir das Gannel Estuary erreichen (breite Flussmündung des River Gannel), hat es aufgehört zu regen. Nun wird es spannend: Gibt es in der Nachsaison noch eine Fähre, die uns auf das andere Ufer nach Newquay bringt, oder müssen wir bis zur Holzbrücke laufen?

Nun, eine Fähre gibt es keine mehr. Das finden wir jedoch nicht weiter schlimm, denn 1,5 Kilometer weiter gibt es die Brücke über den Fluss, das ist dann ja nur ein kleiner Umweg, oder?

Ähmm  .. welche Brücke? Wir haben sie ernsthaft gesucht, aber einfach nicht gefunden!

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ästuar zu Fuß zu umrunden, was einen zusätzlichen Weg von fünf Kilometer ausmacht. So kommt es zu den heutigen 26 Kilometern.

Der Weg entlang des Flusses gefällt uns auf jeden Fall: Auf der anderen Seite schaut man auf tropisch angehauchte Terrassengärten, denn die geschützte Bucht erlaubt Palmen, Ziergräsern und Agaven ein üppiges Wachstum. Später weitet sich das Tal und der Fluss mäandert durch eine breite Wattlandschaft mit vielen Seevögeln – außerdem machen wir gut Strecke, weil es kaum Höhenmeter zu überwinden gibt. Und was uns besonders antreibt, ist die Aussicht auf .. einen Kaffee!

In Newquay erwartet uns –  die Hässlichkeit! Ich hatte also ganz recht damit, diesen Ort  zu meiden und uns lieber ein ruhigeres Plätzchen zum Übernachten zu suchen.

Ich habe mich schon bei früheren Urlauben gefragt, warum es manche englische Seebäder schaffen, sich so derartig zu verunstalten. Newquay ist da ein schönes Beispiel. Das triste Wetter tut noch ein Übriges dazu, aber immerhin finden wir auf der Cliff Road zwischen allerlei Wettbüros und Ramschläden einen Wetherspoon-Pub, der ordentliche Hamburger und einen guten Kaffee im Programm hat. England-Tipp: Wenn man nicht lange fackeln will, sollte man nach eine Wetherspoon Ausschau halten!

Anschließend versuchen wir, möglichst schnell zurück zum Meer zu kommen: Durch verstopfte Straßen, über Parkplätze, an hässlichen Pizza-Express und Fish-and-Chips-Buden vorbei, durch eine dunkle Unterführung (sic!) zurück zum SWCP. Der führt uns zwar entlang einer großen Ausfallstraße aus dem Ort hinaus, aber immerhin hinaus! Endlich lassen wir die letzte hässliche Riesen-Hotelanlage hinter uns und .. die letzte Häuser .. und ein langweiliger Park … und wieder die Straße voller rasender Autos, Busse, LKW und hinunter in ein Tal, aus dem Tal heraus … und … das Meer! Die Weite! Wir fallen uns in die Arme. Der SWCP hat uns wieder! Die vier allerhässlichsten Kilometer des ganzen Urlaubs liegen hinter uns!

Auf dem Weg nach Mawgan Porth und zum Merrymoor Inn fängt es wieder zu regnen an, aber was soll’s? Wir wandern wieder durch wunderschöne Klifflandschaft, unterbrochen von sandigen und felsigen Buchten. Was soll man da meckern? Auch Friedel ist so glücklich, dass er trotz Regen zahlreiche Fotos macht. Erst eine Krise lässt einen wieder schätzen, was man am SWCP so hat!

Bei Tregurrian gibt es noch mal einen Flecken mit einer hässlichen Hotel- und Appartmentanlage und riesigem Parkplatz: Wie kann man da nur Urlaub machen, wenn es rundherum so schöne, lauschige Gasthöfe gibt, wie z.B. das Merrymoor Inn?

Sechs Kilometer nach Newquay erreichen wir es endlich. Wir sind schon etwas müde, aber haben die 26 Kilometer gut überstanden. Gut zu wissen, das so ein langer Tag auch mal geht.

Das Merrymoor Inn is ein echtes Kleinod. Es liegt geschützt in der Bucht direkt am Hafen. Der Wirt gibt uns netterweise ein kostenloses Upgrade auf ein Zimmer mit Meerblick – Nachsaison! Die große Terrasse mit Blick auf das Meer muss im Sommer sehr schön sein, jetzt jedoch sind wir froh, dass wir im Warmen sitzen können. Beim Rauchen kommen wir mit einem Camper-Pärchen aus Sunderland ins Gespräch – der Mann ist kaum zu verstehen. Ein Vorgeschmack auf die Dialekte Nordenglands – werden wir uns dort wohl verständigen können? 🙂

Es dauert jedoch nicht lange, und wir verziehen uns auf unser großes und schönes Zimmer. Alt werden wir heute nicht!

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