Tag 1: Die ersten 2 km auf dem Weg nach Cape Wrath

An unserem ersten Tag schaffen wir nur zwei Kilometer, was unser Ziel Cape Wrath betrifft, aber wir wollen unseren Urlaub ja auch genießen und den St. Michael’s Mount sehen – also laufen wir am Morgen gaaaaanz gemütlich zwischen Bahnlinie und Meer auf dem South West Coast Path (ab jetzt SWCP genannt) in Richtung Osten nach Marazion. Wir haben schon schönere Meerabschnitte gesehen, aber der Weg ist ruhig, die Sonne scheint, die Wellen klatschen an die Steine, also was will man mehr an diesem ersten Tag?

In Marazion ist am Morgen noch nichts offen, wir müssen aber warten, bis der Steinweg durch das Watt zur Insel St. Michael’s Mount von der Ebbe freigelegt wird. Also setzen wir uns ganz gemütlich auf eine Steinbank am Strand und sehen zu, wie sich das Wasser langsam zurückzieht.

Am Ende dauert es uns aber doch zu lange und wir nehmen die „Fähre“ auf die Insel, also eine Art Fischerboot mit ca. zwölf Plätzen für Passagiere. Das erweist sich als gute Entscheidung, denn als wir auf der Insel ankommen, sind wir fast allein!

Nach einer ausführlichen Fototour im Hafen und im kleinen Dorf setzen wir uns in das Café auf die Terrasse am Strand und bestellen: Milchkaffee und Scones mit Blick auf’s Meer. Was dem Friedel sein Ale, sind der Steffi ihre Scones!

Kaum haben wir die Dinger verputzt, ist der Causeway (Damm) auch schon frei und die Menschenmassen strömen auf die Insel! Wir sehen zu, dass wir wieder (Fest)land gewinnen, denn wir haben ja heute noch einiges vor. Land’s End ruft!

Gestern Abend haben wir ja nur wenig von Penzance gesehen, also fahren wir mit dem Bus flugs dorthin zurück. Da der Bus nach Sennen Cove, unserer nächsten Übernachtung, erst in eineinhalb Stunden fährt, haben wir noch etwas Zeit, uns die Stadt anzusehen. Aber … was soll ich sagen … Penzance ist laut! Voll! Heiß! Eng!

Also sind wir eine Stunde später froh, den wuseligen Ort hinter uns zu lassen. Die Einsamkeit weiter Strände ruft!

Der Bus fährt uns direkt bis nach Sennen Cove, und der Ort ist schon eher nach unserem Geschmack: Er besteht zwar nur aus ein paar Fischerbooten, B&Bs, Fish-and-Chips-Buden und einem Sommerkram-Kiosk, aber zumindest ist es hier nicht so voll. Unsere Unterkunft, das Old Success Inn, sah schon im Internet sehr vielversprechend aus.

Also checken wir schnell ein (Zimmer mit Blick nach links auf’s Meer), das Zimmer ist nicht groß, aber gemütlich. Wir beeilen uns, denn a) haben wir Hunger und b) wollen wir nach Land’s End! Wir ziehen uns also an besagter Bude jeder eine Portion Fish and Chips rein und schleppen uns dann mit vollem Bauch die steinigen zwei Kilometer an der Küste entlang bis zum Land’s End.

Land’s End: Dies ist der südlichste Zipfel Großbritanniens, okay, aber muss man dort dann gleich einen VERGNÜGUNGSPARK daraus machen? Dieser verströmt im September den Charme der Nachsaison, das heißt, diverse Karussells, Geisterbahnen und ähnliches sind geschlossen. Aber immerhin gibt es eine Kaffeebude, die geöffnet ist. Was auch zu besichtigen ist, ist eine Art Land’s-End-to-John-o’-Groats-Museum, in dem alle möglichen Fakten und Rekorde diverser Spielarten dieser 1500km-Herausforderung zu bestaunen sind. Recht interessant! (Die ca. 1500km sind Straßenkilometer – gelaufen sind es je nach Route deutlich mehr!)

Aber jetzt kommt das Unverschämteste: Am legendären Land’s End Signpost, also dem in Metall gegossenen Wegweiser nach John o’Groats, an dem sich alle Helden des Weges am ersten Tag ihrer langen Tour fotografieren lassen, soll man bezahlen, wenn man sich dort hinstellen will! Nein, das wollen wir dann doch nicht, schon aus Prinzip nicht *hmpf!*. Also macht Friedel ein Foto von mir, bei dem der Wegweiser nur weit im Hintergrund zu sehen ist. Das muss reichen. Aber nach unserem Kaffee hatte der Kassierer am Signpost wohl keine Lust mehr länger zu bleiben, das Fotomotiv ist nun frei!

Später Nachmittag: Da kann man ja noch ein wenig weiter laufen, zumal der Küstenabschnitt nach Land’s End in Richtung Gwennap Head auch noch einige interessante Fotomotive zu bieten hat: Felsen, Höhlen und die beiden kleinen Inseln Armed Knight und Enys Dodnan mit dem markanten Bogen. So laufen wir also noch weiter bis zur Mill Bay und dann im Sonnenuntergang zurück nach Sennen Cove.

Unser Abendessen nehmen wir glücklich und zufrieden draußen auf der Terrasse unseres Inns ein: Zwar sind wir die einzigen Gäste, die draußen sitzen, aber wir genießen den kühlen Abend mit dem Blick auf das Meer. Zu unserer großen Tour zählen heute nur zwei Kilometer von Land’s End zurück nach Sennen Cove. Doch waren wir heute nicht untätig und sind alles in allem doch 18 km gelaufen.

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