Tag 4: Hayle nach Portreath

Die beiden Engländer kommen aus Carlisle und heißen Carl und Lisa (natürlich heissen sie nicht so;)). Das erfahren wir beim gemeinsamen Frühstück. Da wir zwei Pärchen die beiden Zimmer im B&B belegen, sind wir die einzigen Gäste beim Frühstück – und haben scheinbar auch noch den gleiche Rhythmus, weil wir zur gleichen Zeit beim Frühstück eintreffen. Von Tisch zu Tisch sind wir plötzlich im angeregten „Gear Talk“ (Gespräche über die Vor-und Nachteile gewisser Outdoor-Gegenstände) und den SWCP: Die beiden laufen ihn jedes Jahr im Herbst, eine Woche lang, abschnittsweise. Leider ist heute ihr letzter Tag: Sie reisen heute morgen zurück nach Carlisle. So ist also unsere gemeinsame Zeit zu Ende, bevor sie angefangen hat. But this is the beginning of a beautiful friendship .. 🙂 Am Bahnhof von St Ives trennen wir uns schließlich, mit einem gewissen Bedauern auf beiden Seiten.

Friedel und ich werden im Winter nach Weihnachten noch einen Urlaub im Lake District (Ennerdale Bridge) einschieben, in dem wir uns mit den beiden verabreden. Aufgrund des Hochwassers im Dezember 2015/16 wird das Treffen jedoch vereitelt. Trotzdem werden wir vier von nun an in regem E-Mail-Verkehr stehen und uns über alle unseren weiteren Outdoor-Abenteuer austauschen.

Wie Carl schon so passend beim Frühstück erklärte: „You are no purists!“. Das war die Reaktion der beiden darauf, dass wir die langweiligen neun Kilometer von St. Ives nach Hayle skippen und erst in Hayle wieder in den SWCP einsteigen. Da wir wenig Zeit haben, wollte ich die Strecke bis Portreath (19 km) heute auf jeden Fall schaffen: Die neun langweiligen Kilometer entlang der Bahnstrecke nach Hayle dazu wären definitiv zu viel gewesen. Im Nachhinein ärgert es mich allerdings, das wir sie nicht gelaufen sind. Vielleicht holen wir sie später mal nach?

Die ersten Kilometer von Hayle geht es durch ein langweiliges Industriegebiet bis zum Meer. Aber dort werden wir dann mit einem weeeeeiten Sandstrand belohnt. Und die Sonne lacht! Und wie ist das Meer so türkisblau! Nachdem wir fertig gestaunt haben, haben wir die Wahl: Schlagen wir uns über den offiziellen und sandigen Weg durch die Dünen oder wandern wir bei Ebbe am Strand entlang? Wir probieren beides und beides ist gleich anstrengend: Knöcheltief durch trockenen oder knöcheltief durch nassen Sand – Aber wir wollen ja mal nicht meckern: Wir haben heute gemäßigte 19 Kilometer vor uns, es ist noch früh und das Wetter ist bombig.

Ab dem Godrevy Point wird es wieder felsig – und eine Auf und Ab Talfahrt beginnt. Unglaublich, denn auf der Karte sieht es nach NULL-Höhenmeter aus! Der Pfad geht immer an den Klippen entlang und nach unten gibt es atemberaubende Aussichten. In einer der Buchten unter uns entdecken wir sogar Robben!

Bis nach Portreath laufen wir durch eine bergige, aber auch wunderschöne Landschaft: Tiefe Täler, Wasserfälle, tolle Klifflandschaften – Schade aber, dass sich das Wetter im Verlauf des Nachmittags arg abkühlt. Regen gibt es noch keinen, aber wie wir in den nächsten Tagen sehen werden, nimmt der Herbst nun auch in dieser sonnenverwöhnten Gegend Einzug.

In Portreath laufen wir erst mal durch den ganzen langgestreckten Ort, um fernab der Küste an Andrea’s B&B zu klingeln – wieder ein B&B, denn in Portreath gibt es nichts anderes – aber das „Portreath B&B“ entpuppt sich als wahres Kleinod: Andrea vermietet nur ein Zimmer, aber was für eins! Wir haben ein riesiges Wohn/Schlafzimmer unter dem Dach, mit geräumigem Bad und eigenem Balkon. Die Landlady ist herb, aber herzlich und empfiehlt uns das „Basset Arms“ für das Abendessen – was dann auch eine gute Wahl ist. Erstmals sind wir die einzigen, die abends noch auf der Terrasse sitzen: Alle anderen hat es bereits nach drinnen getrieben: Wir halten aus!