Tag 75: Innerleithen nach Peebles, 18km

Ein eitler Pfau, ein uralter Weg und Moorfeen im Schafspelz

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Für heute war eigentlich schlechtes Wetter angesagt. Tatsächlich hat es die ganze Nacht geregnet. Aber wir sind ja Glückskinder – schon am Morgen klart der Himmel auf und den ganzen Tag über fällt kein Tropfen mehr! 🙂

Überhaupt hatten wir in den 14 Tagen bis jetzt nur einen Tag Regen – und der war an unseren ersten Tag, als wir noch voll motiviert waren 🙂

Heuten haben wir die Wahl zwischen zwei Wegen: Der eine führt durch das Tweed Valley auf einem alten Eisenbahn- Track, 12 Kilometer. Der Weg ist absolut flach und hat zwei Cafes auf dem Weg. Der andere geht über Berge, genauer über die alte Drove Road, auf der wir gestern schon gelaufen sind. Dies sind 18 Kilometer. Natürlich nehmen wir die Drove Road! 🙂

Die Drove Roads haben eine sehr alte Geschichte. In der vorindustriellen Zeit wurden diese einsamen Wege über die Berge genutzt, um das Vieh aus den Highlands in die englischen Städte an der Grenze zu treiben. Die Drovers, also die Viehtreiber, waren die Cowboys Europas – Sie wählten besonders diese hohen Routen, weil das Vieh unterwegs grasen konnte und die Drover von der Höhe aus potentielle Viehdiebe identifizieren konnten – die sogenannten Border Reivers. Den langen Weg nahmen sie auf sich, weil sie in England bessere Preise für das Vieh erzielen konnten. Die Drovers waren wochenlang unterwegs und liefen im Schnitt 16 bis 20 Kilometer pro Tag, mit nichts als ein paar Handvoll Haferflocken und ein paar Zwiebeln als Verpflegung, so erklärt uns ein Schild am Wegesrand. Wir sind da heute wesentlich privilegierter – auch mit dem Wetter!

Die ersten fünf Kilometer laufen heute über Asphalt. Auf dem Weg nehmen wir noch schnell Schloss Traquir mit, Schottands ältestes bewohntes Castle. das Schloss ist sehr beindruckend, aber noch besser ist der eitle Pfau am Wegesrand. 🙂

Wir überholen eine große Gruppe von jugendlichen Wanderern mit ihrem erwachsenen Tourguide, die dann wie wir hinter uns den Berg hochächzen. Nur am Anfang gibt es einen nennenswerten Anstieg und der Weg ist zwar matschig, aber nicht zu arg.

Die Bilder zeigen eine ähnliche Landschaft wie gestern, so könnte euch dies etwas langweilig erscheinen – für uns ist es dies aber nicht, man muss die grandiosen Aussichten in die grünen Täler einfach selbst erleben!

Auf der Höhe treffen wir drei freundliche Schafe, die einen Kilometer lang vor uns her laufen und uns den Weg zeigen. Oder wollen sie uns in die Irre führen? Sind es vielleicht Moor-Elfen, verwandelt in Schafe? Wir vertrauen ihnen nur begrenzt und halten uns lieber an unsere OS-App, zumal die drei plötzlich den Hang hinunter rennen.

Außer der Teenie-Wandergruppe treffen wir den ganzen Tag niemanden, erst kurz vor Peebles kommen uns ein paar Spaziergänger entgegen.

Als wir schon fast eine Stunde in einem Cafe an der Highstreet sitzen, kommt die Gruppe Teenies vorbei. Friedel kann es sich nicht verkneifen, den Begleiter anzusprechen: ¨Na, hast du deine Herde sicher über die Drove Road gebracht?¨ Die Teenies sind empört, der Begleiter lächelt gequält… 🙂

Peebles ist ein schmuckes Örtchen mit schönen Geschäften und einer scheinbar funktionierenden Infrastruktur. Auch unseren alten Freund, den River Tweed, treffen wir wieder.

Die heutige Unterkunft ist ein Wetherspoon Pub, der ausnahmsweise auch Zimmer vermietet. Dies ist die billigste, aber gleichzeitig auch die komfortabelste Unterkunft, die wir auf dieser Tour hatten: Mit Gartenblick!

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