Variante Tag 46: Hulme End nach Tideswell, 26km

Mauern statt Hecken, eine englische Karten-Kuriosität, viel Wasser, die perfekte Unterkunft … und endlich ein Wetter!

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Heute erwartet uns ein toller Tag voller Abwechslungen. Am Morgen geht’s weiter am River Manifold entlang, mittags über die satten Wiesen im Kalkstein-Land und am Nachmittag der Abstieg in das Millers Dale und weiter durch das Monks Dale bis nach Tideswell.

Schon als wir am Morgen aufwachen, lacht die Sonne ins Zimmer. Der erste Gang vor die Tür zeigt aber, dass es noch empfindlich kalt ist: Die Wiesen sind grau von Rauhreif und es weht eine kühle Brise. Aber wir wollen ja nicht meckern – Der Wetterbericht verhieß einen bedeckten Tag!

Nach einem guten gehaltvollen englischen Frühstück mit Fried Bred (in Fett gebratetenem Toast), Black Pudding (gebratener Blutwurst) und den üblichen Bohnen, gebratener Tomate, Wurst und Schinken sind wir gerüstet für den Tag. Zwar sind einige Pubs auf dem Weg eingezeichnet, aber ob die geöffnet haben? Vorräte haben wir kaum noch.

Zunächst geht es weiter am River Manifold entlang. Heute allerdings nicht mehr über den Bahnweg, sondern über Country Lanes und durch Marschland. Zum Glück ist es relativ trocken und trotz einiger Fehtritte in den Matsch halten die wasserdichten Socken. Hier unten am Fluss ist es windgeschützt und wir ziehen zum ersten Mal unsere Windbreaker aus, yeahh!

Außerdem sind wir nun in Derbyshire und der Unterschied ist offensichtlich: Obwohl wir nach dem Manifold Trail nur über lokale „public footpaths“ laufen, erkennt man: Diese Wege werden BEGANGEN! Wir bedanken uns recht herzlich bei den Bauern in Derbyshire, die die Stiles pflegen, Brücken setzen und Steine auf matschige Stellen legen. So gehört sich das!

Ein besonderes Highlight des Tages sollte die Durchquerung eines großen Kalksteinbruchs sein. Auf der Karte führt ein Weg mittendurch. Abenteuerlich!

Tatsächlich müssen wir vorher erst mal einen ordentlichen Berg über sattgrüne Wiesen und zahlreiche Stiles hochsteigen. Das erste Mal auf dieser Tour geraten wir richtig ins Schwitzen. Je höher wir aber steigen, desto mehr weht wieder der Wind. Also Jacken wieder an, wieder aus, wieder an … 🙂 Oben auf dem Berg erwartet uns der perfekte Blick in die Dales: Mauern, Schafe, Wiesen, spitze Berge und fotogene Wolken. Auf der anderen Seite aber klafft der Abgrund – der Berg ist komplett abgeschnitten und unter uns liegt der größte Steinbruch, den wir je gesehen haben! Als wir aber den Weg durch den Steinbruch suchen, werden wir enttäuscht – Es gibt keinen! Da, wo er laut unserem GPS und Karte beginnen soll, geht es 100 Meter tief steil nach unten, geschützt durch einen Zaun!

Wir stellen uns vor, wie Ordnance Survey die Zähne fletscht: ¨Hier befindet sich ein historisch beurkundeter Fußpfad! MITNICHTEN werden wir diesen auf unseren Karten löschen! Wir sind die königliche Instution, die die Hand auf die Bewahrung solcher Wege hält!¨ Englische Right-of-Way-Intrigen? Tja, aber der Weg ist nun einfach nicht mehr da!

So bleibt uns nicht anderes übrig, als den langen Weg um den Steibruch herum anzutreten. Auf einem gut ausgetretenen Pfad, der nicht auf der Karte eingezeichnet ist, ts ts ts! 😉

Nach diesem Hindernis treffen wir nach der Überquerung einer dichtbefahrenen Bundesstraße (wir hoppeln darüber wie die Hasen!) auf den Limestone Way, der uns bis ins Millers Dale führt. Hier bekommen wir nach einem Kniekracher-Abstieg endlich unseren wohlverdienten Kaffee an der Mühle.

Der Limestone Way hätte uns über die Hochebene am Monks Dale vorbeigeführt. Wie aber haben uns für den etwas längeren Weg durch das Tal entschieden. Uns erwartet ein wundervoller, romantischer Abschnitt mit einem plätschernden Wasserlauf und steilen Wegen links und rechts. Ganz klar das Highlight des Tages!

Wir fragen uns, warum der Limestone Way dieses wunderschöne Tal auslässt … Im oberen Teil des Tals wissen wir es dann: Es geht zwei Kilometer über glitschigste Steine, durch Modder und über einen Knöchelbrecher-Pfad, der eigentlich das Bachbett selber ist. Carla, du wärst gestorben! 🙂

Trotzdem sind wir begeistert von diesem Dale … Die letzten zwei Kilometer entlang einer engen, mauereingefassten Straße bis nach Tideswell sind ein fairer Preis dafür.

Das Horse and Jockey Inn ist ein gemütliches, lebendiges Pub mit tollen Zimmern – und auch nicht teurer als andere, wesentlich schlechtere Unterkünfte, die wir sonst so hatten. Ein Zimmer mit Himmelbett und Sofa, alten Möbeln und dem Charme der Vergangenheit – das mögen wir!

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