Variante Tag 48: Edale über Kinder Scout nach Padfield, 28km

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, Steine über Steine und wie wir es am Ende trotzdem bis nach Padfield geschafft haben!

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Heute die Angststrecke dieses Urlaubs: 28 Kilometer über den berüchtigten Kinder Scout. Angeblich geben schon ein Drittel aller Wanderer am ersten Tag des Pennine Ways auf – huhhhh!

Immerhin ist für heute ein wenn auch nicht sonniger, aber zumindest trockener Tag angesagt. Dabei verheißt der Wetterbericht, dass es heute ¨breezy¨ sein soll – das kennen wir schon, das heißt auf gut Deutsch, dass der Wind ordentlich blasen wird, vor allem auf dem Hochplatau des Kinder Scout.

Aber erst mal geht es gemütlich durch das Edale Valley bis zur Upper Booth Farm.

Die Sonne zeigt sich, die Wiesen sind mit ¨Slabs¨ belegt, das sind große Steinquader, die wie ein Plattenweg den Weg und unsere Füße vor Nässe und Matsch schützen: Gefertigt sind sie aus den Böden abgerissener, ehemaliger Fabriken. Mitunter sind noch die Bohrlöcher der Befestigungen alter Webstühle zu erkennen. Früher haben auf diesen Böden Menschen für einen Hungerlohn geschuftet. Uns erleichtern sie heute unser Freizeitvergnügen. Wie sich die Zeiten doch geändert haben!

Der Blick auf das Tal ist wunderhübsch und der Austieg zum Kinder Scout, die Jacobs Ladder, ist steil, aber bequem. Flugs sind wir oben und auf dem Gipfel des Kinder Low, einem der Hauptgipfel des große Plataus. Bis jetzt war der Weg ausgesprochen fußschonend – alles halb so schlimm, denken wir. 🙂

Kurz nach dem Kinder Low treffen wir auf unseren ersten Pennine Way Wanderer auf dieser Tour. Er ist ein typischer Vertreter seiner Sorte: Mittelalt, schwer bepackt, alleine unterwegs und es umweht ihn der Hauch des einsamen Wolfes. Steffi quatscht ihn fröhlich und voller Bewunderung an, ob er den ganzen Weg von Schottland … ?

Als Anwort kommt ein Schwall genuschelter, unverständlicher Worte, aber eins verstehen wir: Er jammert! Er beschwert sich über ¨den verdammten Wind¨!

Auf dem Platau wandern wir immer an der Kante enlang: Interessant geformte Felsformationen und ein großes Durcheinander von Steinen, in denen man ständig den Weg verliert, wie auf einem Schiff im Mittelmeer.

Als der Weg vom Platau herunter geht, führt der Weg kilometerlang über Slabs – links und rechts von uns gluckert das Moor, pechschwarze Moorhügel türmen sich auf. Keine Chance, eine Pause neben dem Weg zu machen, nach einer Probe mit dem Stock nehmen wir Abstand davon, uns auf die Heidebüschel zu setzen.

Wie muss es nur früher gewesen sein, als die Slabs noch nicht lagen?

Nach der Snake Pass Road wird’s dann richtig unangehm: Der Weg ist ein steiniger Bach! Wir springen von Stein zu Stein und von Heidebüschel zu Heidebüschel und brauchen für jeden Kilometer gefühlt eine Stunde. Rechts geht es steil bergab, als wir endlich den Abstieg zum Torside Reservoir erreichen. Der Abstieg über eine Treppe aus Steinen ist gut gemeint, aber mörderisch steil und sehr abschüssig.

Unsere Einschätzung von 2016 war richtig: Hätten wir damals den Weg über den Kinder Scout gewählt, hätten wir es vermutlich nicht geschafft. Wir waren einfach noch nicht fit für die lange, schwierige Etappe. Umso mehr können wir den Weg heute trotz aller Schwierigkeiten genießen.

Die letzten drei Kilometer bis zur Windy Harbour Farm sind dann ein Spaziergang, obwohl wir wie schon so häufig querfeldein über einen auf der Karte verzeichneten, aber schon längst verschwundenen ¨local footpath¨ müssen.

Als wir gegen 19 Uhr endlich im Hotel ankommen, haben wir schon fast ein schlechtes Gewissen ob unserer späten Ankunftszeit. Aber wie wir im Laufe des Abends erleben, musste eine andere Gruppe zwei Stunden später vom Torside Reservoir abgeholt werden. Wir wollen mit ihnen die glückliche Ankunft feiern, aber die drei älteren Wanderer sind einfach zu erledigt. Einer von ihnen ist stark sehbehindert. Hut ab, dass er es trotzdem geschafft hat!

5 Antworten auf “Variante Tag 48: Edale über Kinder Scout nach Padfield, 28km”

  1. Heute hatten wir dagegen einen Off-Tag. Nur 23 Kilometer bis Marsden, haha! 🙂 Jetzt sind wir gerade auf der Zugreise nach Hexham. All diese schönen Leute im Zug! Und wie sehen aus wie Sau …

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