DDLN Etappe 50: Auf dem E6 von Duderstadt nach Scharzfeld

Dienstag, 29. September 2020: 27 Kilometer

Das Hotel Budapest ist ein richtiger Familienbetrieb: Die ungarische Großmutter macht das Frühstück – und sie will uns mästen! Entgegen unserer Proteste schöpft sie uns nicht eine, nein gleich zwei, Friedel drei Kellen ihres Spezial-Rühreis mit Paprika und Zwiebeln auf den Teller – zum Glück hat sie heute die Chilis vergessen … 🙂

UnserWandermorgen beginnt erneut kalt, aber mit strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Was haben wir doch wieder für ein Glück!

Heute wandern wir von Duderstadt aus direkt auf dem E6 in die Hügel. Von hier aus werden wir im nächsten Urlaub dem E6 weiter bis zur Ostsee folgen.

Auf allen Wiesen und Feldern glitzert der Tau und in den Tälern steht noch der Morgennebel.

Interessanterweise haben Friedel und ich andere Routen des E6 auf der Outdoor-Active-App. Ich habe die Karte von Outdoor-Active, Friedel wandert nach der Open-Street-Map-Karte. Mal stimmt die eine, mal die andere Version. Wir wählen am liebsten die Route, die nicht durch’s nasse Gras führt oder im Gestrüpp endet. Aber leider lässt sich beides nicht ganz vermeiden …

In Breitenberg suchen wir nach einer Bäckerei für einen Kaffee, aber es gibt keine. Sehr einladend sieht wenig später das Forsthaus Hübenthal aus, aber es scheint geschlossen zu sein. Friedel lässt sich aber nicht so leicht abschütteln und geht fragen, während ich schüchtern an der Pforte stehen bleibe. Obwohl der Gasthof eigentlich heute Ruhetag hat, hat der Wirt ein Herz für Wanderer und kocht uns exklusiv einen Kaffee, den wir im sonnigen Biergarten so richtig zu schätzen wissen. Vielen Dank (und Frechheit siegt)!

Weiter gehts durch Feld und Wald zum Quelltopf der Rhume. Wie bei uns auf der Alb kommt das Wasser aus einer unterirdischen Karstquelle nach oben und bildet einen blauen Quelltopf mit kristallklarem, schnell fließendem Wasser. Der See im Wald sieht verwunschen und friedlich aus.

Von nun an geht es kilometerlang im Wald sachte bergauf. Die Sonne hat sich mittlerweile verzogen und es wird wieder kälter, sodass wir für die Anstrengung ganz dankbar sind. Wir hiken uns sozusagen warm!

Unsere Mittagspause findet heute auf einem luxuriösen Picknickplatz im Wald statt. Leider haben wir nicht so viel zu essen dabei und so geht es bald weiter.

Als wir auf dem Rotenberg oben ankommen, haben wir einen phantastischen Blick auf das Harzvorland und die grünbraunen Berge des Harzes. Auch die Sonne zeigt sich wieder, passend für den Marsch über die grasigen Wiesen und abgeernteten Felder auf den Hügeln. Es geht rauf und runter, leider größtenteils auf Asphalt. Wann immer es möglich ist, weichen wir auf den schmalen Grasstreifen neben den Landsträßchen aus. Das Asphalt-Treten geht uns nämlich auf die Hacken!

Am Fuß des Harzes, in Barbis, treffen wir auf eine Bäckerei und gönnen uns Kaffee und zwei riesige Kuchenstücke. Beim Schwatz mit der Bäckereiverkäuferin freuen wir uns darüber, wieder unsere heimatliche Sprechweise zu hören und nicht mehr aufzufallen, wenn man „Ja, ne?“ sagt! Denn eigentlich kommen Friedel und ich ja aus dem nordöstlichen NRW und sind bis heute des Schwäbischen nicht mächtig … 🙂

Das Ende heute ist unschön: Zwei stramme Kilometer an einer vielbefahrenen Landstraße entlang. Der Anmarsch zum Hotel zieht sich ewig hin. Der Lohn dafür ist dann aber ein Zimmer mit – Terrasse! 🙂

DDLN Etappe 49: Auf verschwurbelten Wegen und auf dem Grünen Band von Heiligenstadt nach Duderstadt

Montag, 28. September 2020: 28 Kilometer

Wenn ihr mal als Touristen in Heiligenstadt seid: Wir empfehlen das Hotel „Norddeutscher Bund“ – es erhält den Preis für das beste Essen auf dieser Tour und für den originellsten Teppichboden.

Heute ist es schon morgens milder als gestern. Die Zitterpartie von gestern wird sich heute wohl nicht wiederholen!

Wir haben noch nicht die gesamte Altstadt von Heiligenstadt gesehen und beginnen den Tag mit einer Besichtigung des Westteils der Altstadt. Es folgt ein langer Weg durch die Kuranlagen, das lieben wir ja nicht so. Aber wenigstens fahren da keine Autos!

Ansonsten wandern wir heute schön abwechslungsreich durch Feld, Wald und Wiesen. Einmal kommt ein richtiges Schottland-Feeling auf: Ein Weg durch ein Tal – auf der Karte sehr wohl vorhanden, ist schlichtweg nicht existent und wir schlagen uns durch Büsche, kniehohes nasses Gras. Dann laufen wir einen Bach auf und ab, um eine halbwegs passable Stelle zum Überspringen zu finden. Es dauert vier Stunden, bis unsere Schuhe wieder trocken sind!

Der Nachteil beim Wandern abseits von gekennzeichneten Wegen ist, dass es nur wenige Bänke oder Picknick-Plätze gibt. Auch Cafés oder Imbiss-Buden gibt es keine. Deshalb legen wir unsere Mittagspause vor der Feuerwache von Neuendorf ein, direkt neben der Hauptstraße durch den Ort. Sämtliche vorbeifahrenden AutofahrerInnen verdrehen sich schier die Hälse. Scheinbar laufen solche Tramps wie wir nicht jeden Tag durch den Ort.

Das Highlight des heutigen Tages ist das Außenareal des Grenzmuseums Eichsfeld. Nachdem wir schon einige Kilometer auf dem ehemaligen Kolonnenweg zurückgelegt haben, kommen nun noch ein paar Türme, Bunker und Grenzzäune dazu, samt geharktem Sandstreifen und Flutlichtern. Hier hat man etwa einen Kilometer des originalen Zauns stehen lassen. Sehr beeindruckend, aber auch bedrückend.

Die letzten drei Kilometer nach Duderstadt laufen wir größtenteils auf einem asphaltierten Radweg. Die ziehen sich echt ewig, wenn einem die Füße nach 25 Kilometern eh schon wehtun.

Als erstes steuern wir ein Café an, wir haben uns Kaffee und Kuchen verdient. Danach haben wir endlich einen Blick für die Schönheit von Duderstadt. Was für prächtige Fachwerk-Bauten!

Heute Abend dann machen wir einen Abstecher nach Ungarn – wir wohnen im Hotel „Budapest“ mit stilechter Gulasch- und Krautwickel-Küche. Egészségére!

DDLN Etappe 48: Auf den Naturparkweg Leine-Werra von Martinfeld nach Heilbad Heiligenstadt

Sonntag, 27. September 2020: 22 Kilometer


Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Der Tag heute kann folgendermaßen umrissen werden: Wald Wald Wald, kalt kalt kalt!


Am Morgen hängen die Regenwolken noch an den Bergen, aber es wird den ganzen Tag trocken bleiben. Unser Weg verläuft heute größtenteils auf weichen Waldwegen, die vom Regen gesättigt sind. Es gibt so Tage, da wünscht man sich den Schotter zurück! 🙂

Aussichten haben wir heute satt. Wenn sich dann auch noch die Sonne ein wenig zeigt, glüht die Herbstlandschaft förmlich, mit all den kräftigen Herbstfarben – orange, ocker, sattgrün.
Besonders schön ist der Blick kurz nach Bernterode, von den Dieteroder Klippen herab. Hier treffen wir auch auf die einzigen anderen Wanderer an diesem kalten Herbsttag.

Unsere Mittagspause verbringen wir in einer zugigen Hütte über dem Dörfchen Lutter. Es ist so kalt und windig, dass wir uns freiwillig die Regenjacken anziehen …

Wie gestern führt uns der Wanderweg ständig wechselnd bergauf und -ab. So kommen auch heute 600 Höhenmeter Anstieg zusammen. Zwischendurch wird uns dabei immer wieder mal richtig warm!
Kurz vor Heiligenstadt kommen wir an einem Denkmal für den Turnvater Jahn vorbei – das erste Denkmal dieser Art, dass wir gesehen haben!
Heiligenstadt ist überraschend prächtig. Das hatten wir so nicht vermutet, denn der Ort ist nicht besonders groß. Von der Stadtmauer stehen noch größere Teile, die Innenstadt ist mit reich verzierten Barockbauten ausgestattet und der Barockgarten an der Marienkirche ist eine Augenweide. Aber wie es so häufig in mittelgroßen oder kleineren Städten in Deutschland der Fall ist – jedes dritte Geschäft in der Innenstadt steht leer. Bedauerlich!

Heiligenstadt ist unsere letzte Station in Thüringen. Morgen geht’s auf nach Niedersachsen!

DDLN Etappe 47: Auf den Grünen Band und dem Naturparkweg Leine-Werra von Altenburschla nach Martinfeld

Samstag, 26. September 2020: 29 Kilometer

So schlimm wird’s heute dann doch nicht mit dem Regen – erst um 13 Uhr beginnt es zu tröpfeln und erst ab 16 Uhr regnet es sich richtig ein. Wir packen nicht mal die Regenhosen aus!

Heute stehen 29 Kilometer im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal auf dem Programm. Wir sind erstaunt, wie bergig es hier ist – heute kommen satte 900 Höhenmeter Aufstieg zusammen, weitaus mehr als das tägliche Pensum auf dem Rennsteig.Die meiste Zeit der Strecke sind wir auf dem Grünen Band unterwegs, auf dem Kolonnenweg der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Bei der Errichtung der Grenzanlagen wurde scheinbar keine Rücksicht auf geografische Gegebenheiten genommen: Der Kolonnenweg führt wie bei einer Achterbahn ständig rauf und runter, teilweise mörderisch steil.Im Gegensatz zu dem Stück Kolonnenweg zwischen Blankenstein und Schlegel, das wir auch schon gelaufen sind, besteht der Weg hier nicht aus dem fiesen Lochbeton, sondern aus größeren Betonplatten – so muss man wenigstens nicht immer Sorge haben, in den Betonlöchern mit dem Fuß stecken zu bleiben.Spannend ist der „Stasi-Tunnel“, an dem wir gleich auf den ersten Kilometern auf dem grünen Band vorbei kommen. Die Röhre sieht aus wie ein gewöhnliches Abflussrohr, ist aber für die Stelle gänzlich überdimensioniert. Eine Infotafel verrät uns, dass hier Waffen und Menschen über die Grenze transportiert wurden, die nicht über die offiziellen Grenzübergänge gehen sollten.Später treffen wir noch auf zwei alte Grenztürme. Ansonsten erstaunt uns erneut, wie abgeschieden das Grüne Band ist: In der Nähe gibt es keine Dörfer, keine Straßen, keine Häuser.Uns kommt hier eine gute Geschäftsidee: Wir gründen einen Verein mit dem Ziel, die ehemaligen Grenzwege zu einem großen europäischen Fernwanderweg umzugestalten. Der ginge dann von der Ostsee bis an die österreichisch-slowenische Grenze. Unterwegs richten wir auf dem „ICT“ (Iron Curtain Trail) Camps mit Duschen ein und stellen Picknick-Bänke auf. Finanzieren wollen wir das Ganze, indem wir eine der Betonplatten-Spuren nach Schottland verkaufen! 😜In Geismar finden wir einen Netto-Supermarkt mit Bäckerei und kommen an einen Kaffee und den typischen Schmandkuchen der Region.

Als wir den Parkplatz verlassen, beginnt es so richtig zu regnen. Zum Glück liegen nur noch etwa acht Kilometer vor uns, die wir größtenteils durch Wald laufen. Durch das Blätterdach dringt nur wenig Regen durch, sodass wir nur mäßig nass werden. Und endlich kommen unsere Regenjacken zum Einsatz – die hätten wir doch sonst ganz umsonst mitgeschleppt!In der „Krone“ in Martinfeld nimmt uns die junge Wirtin gleich die nassen Klamotten ab und hängt sie in den Trockenraum. Das nennen wir hikerfreundlich!

DDLN Etappe 46: Auf dem Lutherweg und querfeldein von Hörschel nach Altenburschla

Freitag, 25. September 2020: 24 Kilometer

Glück gehabt!
Obwohl heute Regen angesagt ist, schauert es nur am Morgen, als wir noch im Hotel sind. Den Rest des Tages ist es windig und kalt, aber es bleibt trocken.

Kaum haben wir den Rennsteig verlassen, gibt es Aussichten! Wir wandern durch den Naturpark Werra-Leine und der Morgen beginnt mit einem Gang an der Werra entlang. Wir passieren den kleinen Ort Spichra und ein großes Hofgut, dass nun als Hotel- und Tagungszentrum dient. Die Auen um die Werra herum sind weit und flach und mir Binsen und Rohrkolben bestanden. Schon von Weitem erkennen wir Burg Creuzberg und die Kleinstadt am Fuß der Festung. Hier finden wir eine Bäckerei und freuen uns über Kaffee und Rosinenbrötchen auf einer Bank unterhalb der Burgmauer.Direkt nach Creuzburg geht es steil den ersten Berg des Tages hinauf – weitere werden folgen. Zwischen Schlehen-, Wachholder- und Weißdornbüschen schleppen wir uns einen steinigen Hang hinauf und kommen trotz der kühlen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen.
Die Belohnung ist ein weiter Blick zurück ins Werratal und auf die herbstliche Kulturlandschaft um uns herum.

Oben auf der Ebene treffen wir auf die einzige Wanderin, die uns heute entgegen kommt. Wie wir ist sie mit Rucksack unterwegs und genauso überrascht wie wir, auf diesem abgelegenen Stück Weg jemanden zu treffen. Vermutlich war sie auch bei den Hügelgräbern von Scherbda, auf die wir beide besonders gespannt waren. Wir krauchen eine Viertelstunde durch’s dichte Unterholz und entdecken tatsächlich drei hügelige Erhebungen mitten im Wald, aber bronzezeitliche Grabbeigaben, Schätze gar, haben wir nicht gefunden!Tolle Dörfer haben sie hier! Viel Fachwerk, mächtige Trutzkirchen, idyllische Dorfanger. Aber Bänke für unsere Mittagspause finden wir keine. Hinter Schnellmannshausen packen wir unsere Sitzmatten auf einer Wiese aus und setzen uns ins Gras. Das findet eine Horde Kühe ganz toll – laut muhend laufen sie auf uns zu, nur ein Elektrozaun rettet unser Mittagsmahl. Charakteristisch für den heutigen Tag sind die steilen Auf- und Abstiege. Um wieder zur Werra hinabzusteigen, müssen wir durch eine dunkle, matschige Rinne steil nach unten absteigen. Solche Kniekracher gab es auf dem Rennsteig nicht!
Unten an der Werra treffen wir wieder auf ein altes Stück Grenzweg. Wir überqueren den Fluß über eine alte Metallbrücke mit Gitterboden, die vermutlich noch aus DDR-Zeiten stammt.Heldra und Altenburschla sind ebenfalls echte Schmuckstücke. Unser Gasthof liegt in Altenburschla an einem schmucken Dorfplatz unter Linden, der rundherum mit prächtigen Fachwerkbauten umstanden ist. Das Essen ist teuer, aber ganz besonders. Das haben wir uns heute verdient – wir feiern heute Bergfest! Sieben Wandertage liegen hinter uns, sechs kommen noch – und morgen soll es uns die Hucke voll regnen!

DDLN Etappe 45: Auf dem Rennsteig von Mariental nach Hörschel

Donnerstag, 24. September: 14 Kilometer

Mit dem Wetter haben wir heute noch mal Glück: Als wir die supersteilen Pfade zur Wartburg aufsteigen, regnet es einmal kurz, aber heftig. Im dunklen Buchenwald unterhalb der Wartburg trifft uns jedoch kaum ein Tropfen.

Es ist klug, die Wartburg gleich am Morgen anzugehen, bevor die Touristen-Massen in die Burg einfallen. Morgens um neun haben wir die Festung fast für uns allein!

Diese angeblich „deutscheste“ aller Burgen besticht vor allem durch ihre Historie und Lage. Fast alle heute bestehenden Gebäude auf der Feste sind aus dem 19. Jahrhundert, also nicht besonders alt. Eine UNESCO-Weltkulturerbestätte ist die Burg aber wegen ihrer Geschichte: Von Martin Luther über den Sängerkrieg und das Wartburgfest im Jahr 1848, wohl auf kaum einer anderen Burg in Deutschland haben so viele symbolträchtige Ereignisse stattgefunden.

Die Anlage ist auf jeden Fall beeindruckend und vom „Tugendpfad“ unterhalb der Burg haben wir einen weiten Panoramablick über den Thüringer Wald und die Stadt Eisenach.

Abenteuerlich ist die Wegführung, die ich uns von der Wartburg aus zurück zum Rennsteig ausgetüftelt habe: Die Pfade auf „Outdooractive“ existieren entweder gar nicht, sind steil und abschüssig oder mit Brennnesseln verkrautet. Das sind sieben wirklich anstrengende Kilometer, auf denen wir aber gar niemanden treffen! 🙂

Wir sind glücklich und dankbar, als wir in Claustal wieder auf den Rennsteig treffen. Auf den letzten Kilometern bis Hörschel kommen uns wieder einige Wanderer mit Rucksack entgegen, frisch aus dem Zug, mit sauberen Schuhen und einem seligen Lächeln auf den Lippen – haha, ihr wisst gar nicht, was euch erwartet: Schotter, Schotter, Schotter

Interessanterweise besteht der Wald nun nicht mehr aus Nadelgehölzen, sondern aus Buchen und Eichen. Der Charakter der Landschaft hat sich total verändert – über weite Wiesenflächen hinweg haben wir plötzlich weite Ausblicke in das Werratal hinunter. Besonders beeindruckend ist dabei die riesige Autobahnbrücke, die das Tal überspannt 🙂

Unser Zieleinlauf in Hörschel gestaltet sich eher enttäuschend: Das „Tor zum Rennsteig“ ist die Toreinfahrt zu einer Pension und die hat auch noch geschlossen. Wir ziehen uns eine Apfelschorle aus dem Automaten und feiern unser Finale auf dem Rennsteig auf einer Bank an der Werra. Dabei hat sich der Friedel doch so auf einen Eiskaffee gefreut!Zum Glück ist Hörschel nur neun Zugminuten von Eisenach entfernt und wir verbringen unseren Nachmittag mit einen kleinen Bummel durch die mittelprächtige Altstadt, dem Hochlegen unserer Füße im Hotel und – einem Eiskaffee!

DDLN Etappe 44: Vom Spießberghaus nach Eisenach-Mariental

Mittwoch, 23. September 2020: 29 Kilometer

Und weiter geht es mit den breiten Schotterwegen. Mir persönlich geht das mittlerweile ordentlich auf die Nerven. Friedel ist da duldsamer, er ist begeistert vom lichten Wald und das übersteuert bei ihm den Ärger über den unschön knirschenden Belag.
Der Wander-Morgen beginnt mit leichtem Regen und dunklen Wolken, aber im Verlauf des Tages bessert sich das Wetter zusehends. Früh gibt es einige steile Anstiege, nach denen es gleich wieder runter geht. Trotz der Achterbahn kommen wir irgendwann am Fuß des großen Inselsbergs an. Der Berg selbst ist mit einer großen Telekommunikations-Anlage verschandelt, aber beim steilen Aufstieg über diverse Treppen gibt es endlich mal eine ordentliche Aussicht.
Die Landschaft hat sich verändert: Schon gestern gab es kaum mehr heideähnliche Flächen, stattdessen sind wir umgeben von lichtem Mischwald, in dem ein binsenähnliches Gras steht – Friedel nennt die Landschaft „Steppenwald“. Unter unseren Füßen knirscht nicht nur der Kies, beim Laufen treten wir auch auf Eicheln und Bucheckern, die untern unseren Füßen laut knacken.
An einem Picknickplatz kommen wir mit einem älteren Wegwart des Rennsteigs ins Gespräch. Er beklagt sich über den vielen Müll, den die Wanderer und Mountain-Biker hinterlassen. Uns beiden sind besonders die vielen Pipi-Tücher aufgefallen, die an allen Picknickplätzen die umliegenden Waldflächen übersähen – hier sind einfach viel zu viele Leute unterwegs!

Plötzlich gibt es auch Felsen – hier bestehen sie aus altem Granit und sind grau und mächtig. Die Felsformationen an dem Bergkanten ermöglichen es dem Rennsteig-Wanderer, endlich mal über die Baumwipfel zu gucken, sodass wir mehrmals einen Blick auf die weite Waldlandschaft um uns herum werfen können.

Nach 25 knirschenden Kilometern verlassen wir für heute den Rennsteig, um in einen Vorort von Eisenach abzusteigen. Von dort aus wollen wir morgen einen Schlenker zur Wartburg machen und dann weiter nach Hörschel laufen, dem Endpunkt des Rennsteigs. Und siehe da – kaum haben wir den Fernwanderweg verlassen, wird es richtig toll!

Wir steigen durch die Drachenschlucht ins Tal ab, einer engen Schlucht, die spektakulär über Holzstufen und Gitter durch eine enge Klamm nach unten führt. Die Felswände sind an manchen Stellen nur 70 Zentimeter auseinander und unter unseren Füßen sehen und hören wir, wie sich unter dem Metallgitter ein Bach rauschend in Richtung Tal bewegt.

Der Preis des spektakulären Abstiegs ist, dass wir uns morgen die ganzen Höhenmeter zur Wartburg wieder hochquälen müssen. Aber die heutige Belohnung dafür ist die tolle Küche unseres kroatischen Hotels!

DDLN Etappe 43: Auf dem Rennsteig von Oberhof bis zum Spießberghaus

Dienstag, 22. September 2020: 26 Kilometer

Oberhof steht voll im Zeichen des Sports: Diverse Sporthotels buhlen um Gäste, es gibt zahlreiche Skilifte und gleich am morgen kommen wir an einem Sport-Internat vorbei. Im Wald rund um den Ort gibt es einige ordentlich geteerte Strecken für Trocken-Biathleten und Warnschilder ermahnen uns, beim Überqueren der Strecken nach links und rechts zu gucken.

Der Wandertag heute gefällt uns richtig gut. Im Gegensatz zu gestern überqueren wir nur eine Straße. Auf 26 Kilometern kommen wir durch keinen Ort und wir wandern den ganzen Tag durch lichten Wald. Überall ist der Waldboden mit hellbraunen Gräsern bestanden, die sich wie Wellen im Wind bewegen.

Überhaupt, der Wind. Auf den diversen Anstiegen sind wir sehr dankbar für die kühle Brise und das Rauschen der Fichten begleitet uns den ganzen Tag.

Einen Punktabzug gibt es mal wieder für den Weg selbst – fast durchweg laufen wir über mittelbreite Schotterwege, nur sehr wenige Abschnitte verlaufen über waldige Pfade. Noch einen Punkt ziehen wir ab für die Aussichten: Um welche zu haben, soll man auf Türme oder Aussichtsplattformen klettern. Nein, das wollen wir nicht!Erst im letzten Drittel des heutigen Wandertages gibt es Weitblicke: Einer ist an einem alten, gefluteten Steinbruch und der andere von einer weiten Wiese aus.Wir vertreiben uns den Tag mit Zählungen: Friedel zählt die echten Runster – immerhin 39. Erstaunlicherweise sind es viele ältere Wanderer, denen wir das gar nicht zugetraut hätten. Ein singendes Rentnerpaar zieht dabei locker an uns vorbei. Ansonsten sind nur wenige Pärchen unterwegs, viele alleinwandernde Frauen oder Kleingruppen mittelalter Männer.

Ich zähle Grenzsteine. Fast den ganzen Tag wandern wir an der historischen Grenze zwischen Hessen und Sachsen-Gotha entlang, sodass ich auf die phantastische Zahl von 105 komme!Am Ziel kommen wir endlich mal zu einem Feierabend-Bier auf der Terrasse. Mitten im Wald steht das Spießberghaus, ein historisches Ausflugslokal. Hier nächtigen wir heute, inmitten von Grillen-Gezirpe und fernab jedes Verkehrslärms. Wir werden bestimmt gut schlafen!

DDLN Etappe 42: Auf dem Rennsteig von Neustadt am Rennsteig nach Oberhof

Montag, 21. September 2020: 28 Kilometer

Der Rennsteig ist ein Angeber: Noch nie haben wir einen Weg mit so einer aufgemotzten Infrastruktur erlebt. Der Weg ist vorbildlich markiert, alle drei Kilometer gibt es eine luxuriöse, saubere Hütte, innen mit lackierten Tischen und Bänken und fein geschottertem Boden. Da könnte man glatt drin schlafen – was auf dem Rennsteig angeblich sogar geduldet wird.

Rundherum stehen stets ein bis zwei neuwertige Picknicktische, oft mit dem charakteristischen „R“ in die Bänke geschnitzt.

An allen noch so kleinen Sehenswürdigkeiten gibt es Infotafeln, sodass auch die Bildung auf dem Rennsteig nicht zu kurz kommt. Chapeau!

Trotzdem hat es der Rennsteig bisher nicht in die Gilde der „Top Trails of Germany“ geschafft. Dafür ist der Schotter-Anteil wohl einfach zu hoch – selbst die schmalen Wege heute sind hier fast durchweg – wenn auch wurzelig – mit dem knirschenden Belag versehen. Vermutlich beugt der Schotter der Erosion der Wege vor, aber besonders fußfreundlich ist er nicht.

Auch geht die Tour heute fast durchweg an Straßen entlang. Gut ist dabei, dass der Rennsteigverein für die Fußgänger etwas abseits der Straße schmale Fußpfade eingerichtet hat, aber die Autos und Motorräder sind fast immer zu hören. Uns haben die schmalen und wurzeligen Fußwege jedoch erfreut, denn die finden wir viel besser als breite Schotter-Trassen.

Am historischen Rennsteigbahnhof kommen wir heute am späten Vormittag zu Kaffee und Kuchen. Und unser Vorurteil der letzten Tage müssen wir revidieren: Die Damen im Café sind ausnehmend freundlich!

Der Star des Rennsteigs ist der formidable Wald. Noch nie sind wir durch so ein großflächiges Waldgebiet gelaufen. auf dem Weg treffen wir kaum auf landwirtschaftliche Flächen und der Wald reicht bis dicht an die wenigen Ortschaften heran. Weil die Gegend hier so wenig besiedelt ist, stehen wir jeden Abend staunend unter einem phantastisch klaren Sternenhimmel – wir dachten, sowas gibt es nur in Schottland!

Heute haben wir übrigens den Mittel- und den höchsten Punkt (973 Meter) des Rennsteigs passiert. Wir hätten es nicht gemerkt, wenn es an beiden Stellen nicht wieder die Infotafeln gegeben hätte.

Eine Kurzweil von Friedel und mir ist heute, bei entgegen kommenden Wanderern einzuschätzen, ob sie „Runster“, „Halbrunster“ (Tageswanderer) oder Spaziergänger sind. Hauptkriterium für unsere Beurteilung ist die Größe der Rucksäcke und die Gangart. Am Ende zählen wir immerhin sechzehn echte Runster – fast alle kommen uns entgegen. Wir haben heute nämlich erfahren, dass wir falsch laufen – laut Wikipedia soll man den Rennsteig in geraden Jahren von Nordwest nach Südost laufen. Wir aber sind andersherum unterwegs. Peinlich!

Franz Wikipedia erklärt Friedel die richtige Marschrichtung.

DDLN Etappe 40: Auf dem Rennsteig von Steinbach am Wald nach Neuhaus am Rennweg

Sonntag, 19. September 2020
Rennsteig: 25 Kilometer

Endlich sind wir wieder auf einer längeren Wanderung!
In zwölf Wandertagen wollen wir dieses Mal vom Rennsteig bis zur Nordseite des Harzes wandern. Ein strammes Wanderprogramm von ca. 320 Kilometern erwartet uns!

Der Beginn unserer Reise gestern fing jedoch gleich kompliziert an: Wir pendeln eigentlich beide jede Woche mehrere Tage mit dem Zug nach Stuttgart und unsere Fahrt nach Bamberg sollte auch über Stuttgart gehen. Aber gerade bei unserem Urlaubsantritt gestern gab es einen Unfall auf dem Gleis und schon in Geislingen ging nichts mehr. Doch wir sind ja clever – kurzerhand haben wir uns in einen Bus nach Ulm gesetzt und haben die Unfallstelle großräumig umfahren. Am Ende waren wir nur zehn Minuten später als geplant in Bamberg.

Für dieses Mal haben wir uns vorgenommen, unbedingt Bamberg zu besichtigen, wenn auch nur für einen Abend. Abends wird es aber schon schnell wieder dunkel und wir sind erstaunt, wie wenig beleuchtet die Stadt ist. Und am Freitagabend und bei schönem Wetter ist die Stadt unangenehm voll. Menschenmassen auf der Straße, dicht an dicht, keine Maske im Gesicht. Hilfe, Corona-Alarm!

Heute früh wollen wir dann noch mal eine Stunde von Bamberg bis Steinbach fahren. Nur gibt es dieses Mal im Zug einen Notfall und in Kronach dauert es zwanzig Minuten, bis ein Sanitäter-Team das Alkohol-Opfer aus der Zugtoilette „abführt“ (O-Ton eines Mitreisenenden). Hoffentlich kommen wir ohne weitere Notfälle bis zum Harz!

Von Steinbach führt der offizielle Rennsteig fast sieben Kilometer an einer dichtbefahrenen Bundesstraße entlang. Zum Glück gibt es eine Alternativroute über schottrige Waldwege, aber auch wurzelige Pfade, die nur zwei Kilometer länger ist. Egal, wir wären doch blöd, wenn wir auf dem geteerten Radweg neben der ollen Fernstraße langzuckeln würden!

Generell erinnert uns der Thüringer Wald an den Schwarzwald: Viele Nadelbäume, breite Wege, wenig Aussichten.

Aber der Wald selbst ist sehr schön und nicht so dunkel wie der Schwarzwald. Wir bekommen heute viel Sonne ab und es geht durch Heide, Torfmoos und an großen Blaubeer-Beständen entlang.

Der Rennsteig soll ja der meistbegangene Wanderweg Deutschlands sein. So habe ich mit jeder Menge Wanderer gerechnet, gerade heute an Samstag. Friedel gegenüber habe ich schon von Menschenmassen in Jack-Wolfskin-Outfit und Meindl-Wanderbunken geunkt, die alle Pausenplätze belegen würden. Erstaunlicherweise – und sehr zu Friedels Amüsement – sind wir einen Großteil der Strecke ganz allein. Immerhin begegnen wir im Laufe des Tages vierzehn echten Fernwandern und zwei größeren, fröhlichen Rentnerrudeln mit Tagesrucksäcken – und Pausenplätze gibt es reichlich!

Das Gebiet hier ist historisch geprägt vom Schieferabbau. Wir kommen an einem großen ehemaligen Steinbruch vorbei, in dem früher besonders hochwertiger Schiefer für die Griffel-Herstellung abgebaut wurde. Heutzutage ist der Bedarf an Griffeln jedoch dramatisch gesunken und die Thüringer verkleiden nur noch die Fassaden ihrer Häuser mit dem Material – und schütten es statt Schotter auf ihre Wege!

Unser erster Zielort in diesem Urlaub ist Neuhaus am Rennweg, ein ausnehmend ungastlicher Ort. Der Einmarsch an einer Bundesstraße entlang zieht sich ewig hin und wir passieren Baumärkte und zahlreiche Handwerksbetriebe. Eigentlich hatten wir noch auf einen Eiskaffee spekuliert – Fehlanzeige!
Das Stadtzentrum ist mit moderner Zweck-Architektur verschandelt.

Der Ort war zu Beginn der Corona-Krise neun Wochen lang zum Sperrgebiet erklärt worden. Entsprechend scharf wurden wir im Hotel über die Corona-Regeln instruiert. Wir begrüßen diese Vorsicht, aber das Ganze könnte auch freundlicher ablaufen. Wir sind froh, dass wir schon vor unserer Wanderung einen Tisch in einem nahegelegenen Restaurant reserviert haben. Der ganze Ort ist nämlich wegen zahlreicher Jugendweihe-Veranstaltungen ausgebucht und wir fühlen mit den anderen Reisenden, die nicht allzu freundlich vom Wirt abgewiesen werden – Glück gehabt!
Irgendwie hat der Ort ein mieses Karma, zumindest kommt es uns so vor.

Zum Glück geht es gleich morgen wieder weiter! 🙂

Fazit für heute: Eine schöne, abwechslungsreiche Strecke mit vielen Wald- und Wurzelwegen und tolles Wanderwetter. So kann es bleiben, aber etwas weniger Schotter und Straße dürften es schon sein!

Aber einen tollen Sternenhimmel haben sie hier!

DDLN Etappe 41: Auf dem Rennsteig von Neuhaus am Rennweg nach Neustadt am Rennsteig

Samstag, 20. September 2020: 30 Kilometer

Der Rennsteig ist nicht nur der bekannteste und meist begangene, sondern auch der älteste der deutschen Fußwege. Die älteste bekannte Erwähnung des alten Handelsweg über den Kamm des Thüringer Waldes ist aus dem 14. Jahrhundert – wir wandeln also auf wahrhaft historischen Pfaden! Zeugen dazu gibt es viele unterwegs:

Neuhaus, Neustadt … die beiden Orte am Rennsteig konnte ich ewig nicht auseinander halten. Am Ende habe ich mir eine persönliche Eselsbrücke gebaut: Neustadt ist der kleinere Ort und kommt später!

Heute am Sonntag treffen wir nun doch seeehr viele Wanderer, noch dazu einige Fernwanderer mit großen Rucksäcken. Schon im Zug nach Steinbach gestern habe ich Friedel instruiert, dass der echte Rennsteigwanderer nicht „Hallo“ oder „Grüß Gott“ sagt, sondern ein zünftiges „Gut Runst“!
Wir wollen jedoch nicht übereifrig wirken und warten erst mal, was die anderen sagen. Dieses „Gut Runst“ erscheint uns doch gar zu albern. Also: Entweder grüßen uns die entgegenkommenden gar nicht oder sie rufen uns wie überall ein „Hallo“ zu. Erst am Nachmittag treffen wir zwei übereifrige Puristen mit handgeschnitzten Wanderstöcken, die uns laut den Rennsteig-Gruß entgegen werfen – aber das sind die einzigen!

Der Rennsteig heute verläuft in großen Teilen in steinigen Rinnen. Die dicken Steine und großen Stufen aus Wurzeln machen den Weg recht schwierig zu gehen und wir brauchen für die 30 Kilometer am Ende siebeneinhalb Stunden. Und die Füße tun uns weh!

Besonders ist der Rennsteig auch durch fast totale Abwesenheit von Aussichten. Eigentlich sind wir es gewohnt, dass am Ende eines langen, harten Aufstiegs eine Belohnung in Form einer tollen Fernsicht steht – nicht so auf den Rennsteig! Da kommt man prustend auf dem Gipfel an und man steht einfach nur mitten im Wald!

Andere tolle Fernwanderwege folgen oft Wasserläufen. Es gibt nichts Schöneres, als wenn sich ein munteres Bächlein neben einem murmelnd ins Tal ergießt. Aber auch Wasser trifft man auf dem Rennsteig nicht, schließlich ist es ein KAMMWEG!

Berühmt sind hier auch die vielen Bauden, kleine kiosk-ähnliche Buden mit Tischen und Bänken davor. Ich weiß nicht wie viele wir davon schon umlaufen haben, aber fast alle waren geschlossen, selbst heute am Sonntag. So müssen wir unsere Pausen mit trockenen Brötchen und unserem mitgebrachten Käse in einer der zahlreichen unbewirtschafteten Bauden verbringen.

Trotzdem gefällt uns der Weg. Der Wald ist phantastisch und um diese Zeit gibt es Unmengen von Fliegenpilzen am Wegrand. Interessanterweise sind sie hier aber rostrot bis braun, selten richtig rot.

In Masserberg, sieben Kilometer vor dem Ziel unseres heutigen Wandertages, haben wir endlich etwas Fernsicht.

Unser Hotel in Neustadt ist reichlich merkwürdig. Es gibt überhaupt nur zwei Hotels im Ort, das andere war ausgebucht. So sind wir im „Hotel Kammweg“ gelandet und mussten Halbpension buchen, sonst hätten wir im Ort nichts zu essen bekommen. HALBPENSION! Wann haben wir das das letzte Mal gehabt? Als Teenager mit den Eltern? Im Schullandheim?

Der Speisesaal versprüht den Charme einer Krankenhaus-Caféteria. Wir haben die Wahl zwischen Sauer – und Kasslerbraten, dazu gibt es Blumenkohl mit Speck und Knödel. Zum Nachtisch gibt es Wackelpeter! 🙂

Friedel ist sauer, weil er statt der Götterspeise ein Eis wollte, dies ihm aber verweigert wurde. Drei Herren am Nebentisch haben später aber eins bekommen! Wir fühlen uns diskriminiert und vermuten, dass wir hier als Kurzzeit-Gäste nicht den vollen Service bekommen. Gemein!

Auch hier ist das Service-Personal eher ruppig und das erinnert mich an Verwandten-Besuche zu DDR-Zeiten, als der Umgangston in Restaurants auch eher hemdsärmelig war. Jetzt, in der Corona-Krise, wird man sogar wieder platziert!

Aber wir wollen nicht meckern – das Wetter ist weiterhin prächtig und das Laufen macht Spaß!

DDLN Etappen 15 und 16: Durch Hohenlohe und den Schwäbisch-Fränkischen Wald von Crailsheim nach Murrhardt

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Schloss Vellberg

Crailsheim nach Schwäbisch Hall-Hessental: 32 Kilometer
Schwäbisch Hall-Hessental nach Murrhardt: 27 Kilometer
gewandert am 30. und 31. Mai 2020

Dieses Teilstück fehlte uns noch, um die letzte Lücke auf unserem Deutschlandweg zu schließen. Nun sind wir von Schaffhausen bis zum Rennsteig alle Etappen gelaufen!

Was gibt es über diese zwei Wandertage zu berichten: Ähhh … nix Besonderes! Wir hatten bestes Wanderwetter, es war sonnig, aber nicht zu heiß. Es ging durch viel Wald und Wiesen und an viel Wasser entlang. Besonders ist aber, dass es bei uns in Baden-Württemberg überhaupt erst seit diesem Wochenende wieder erlaubt ist, zu „touristischen Zwecken“ in Hotels und Gasthöfen zu übernachten. Da haben wir die Gelegenheit doch gleich genutzt!

Aber sonst war der Weg an diesen zwei Tagen wenig spektakulär. Am ersten Tag ging es über Schotter, Schotter, Schotter. Da es keinen ausgewiesenen Wanderweg zwischen Crailsheim und Schwäbisch Hall gibt, haben wir uns eine Kombination vom „Schwäbischen Hauptwanderweg 4“ und einer von Outdooractive vorgeschlagenen Route über schöne schmale Waldwege gebastelt. Der Hauptwanderweg war durchweg geschottert, was wir ja nicht so mögen. Man kommt zwar gut voran, aber das ewige Geknirsche unter den Schuhen nervt. Bergauf rutscht man zurück und bergab muss man höllisch aufpassen, nicht mit den größeren Steinen zusammen nach unten zu kollern. Außerdem sind die Wege ziemlich breit und so ein richtiges Wald-Feeling kommt für uns dabei nicht auf. Immerhin ging es über Wiesen und Felder und an dem einen oder anderen hübschen Waldsee vorbei.

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Hochmoor bei Crailsheim

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Das Highlight des Tages war das kleine mittelalterliche Städtchen Vellberg, das mit seiner befestigten Altstadt hoch über der Bühler thront. Und es gab sogar ein Eisscafé!

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Die Bühler

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Schloss Vellberg

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Dabei fiel uns auf, dass man es mit den Hygienevorschriften in solch kleinen schwäbischen Städtchen oft nicht so ernst nimmt: Zwar mussten wir uns die Hände desinfizieren und uns in eine Liste eintragen, aber bedient und abkassiert wurden wir von einer Bedienung ohne Mundschutz …

Nach Vellberg wurde es schlimm: Die von Outdooractive vorgeschlagenen Waldwege waren schlichtweg nicht mehr existent! Wir landeten nicht nur einmal im Gestrüpp und kämpften uns tapfer durch Kletten, Brennnesseln und über umgestürzte Baumstämme. Wenn wir dann wieder einen Schotterweg erreichten, waren wir richtig froh und untersuchten uns erst mal ausgiebig nach Zecken.

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Kunst am Einkorn

Am Abend nahm man in unserem Gasthof die Corona-Maßnahmen dann umso genauer: Wir durften nur den einen Eingang ins Hotel benutzen und mussten zur anderen Seite wieder hinaus. Auch wenn die Restaurant-Terrasse am Eingang lag und wir wirklich niemanden auf den Gängen getroffen haben …

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Die Krone in Schwäbisch Hall-Hessental

Beim Frühstück wurden wir dreimal gefragt, ob wir denn auch wirklich unsere Hände desinfiziert hätten. Die arme Bedienung musste uns alles einzeln an den Tisch tragen, denn am Vorabend hatten wir ein ordentliches Hiker-Frühstück bestellt: Müsli, Obst, Joghurt, Wurst, Käse, Eier, Brötchen … Trotzdem war es schön, die arg strapazierten Knochen auf einem richtigen Bett auszustrecken und am Abend mal wieder im Biergarten eine richtige Halbe zu trinken!

Am nächsten Morgen merkten wir schon, dass uns das viele Laufen auf Schotter ein wenig auf die Waden gegangen war. Zuerst mussten wir steil zum Kocher absteigen, um dann auf der anderen Seite gleich wieder hochzusteigen, das ziepte ordentlich. Aber es kam noch schlimmer – die Etappe von Schwäbisch Hall nach Murrhardt verläuft auf einem Jakobsweg und unsere Vorurteile gegen deutsche Jakobswege bestätigten sich mal wieder: Gefühlt waren wir die Hälfte der Strecke auf Asphalt unterwegs! Ein weiteres Viertel führte über breit planierte Schotterwege durch den eigentlich sehr schönen und wilden Schwäbisch-Fränkischen Wald. Erst gegen Ende der Etappe kamen wir in den Genuss, einige Abschnitte auf weichen Waldpfaden zu laufen …

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Kurz vor Murrhardt gab es noch mal ein paar schöne Ausblicke auf das Tal der Murr.

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Insgesamt war es schön, mal wieder draußen zu sein, vor allem bei dem prächtigen Wetter. Die Wiesen und Wälder sind in dieser Jahreszeit auch wunderschön. Nur an unserer Routenwahl sollten wir noch ein wenig arbeiten – vielleicht sollten wir doch häufiger auf Premium-Wegen laufen?

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Corona-Ferien auf dem Südrandweg

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Schwäbische-Alb-Südrandweg
Schelklingen bis Lautertal: 27 Kilometer
Lautertal bis Billafingen: 33 Kilometer
Billafingen bis Sigmaringen: 15 Kilometer
7. bis 9. Mai 2020

Friedel und ich haben Urlaub!
Traditionell unternehmen wir immer Anfang Mai unsere erste 14-tägige Streckenwanderung. Dieses Jahr war eigentlich die Fortsetzung unseres Deutschland-Wegs auf dem Rennsteig und durch den Harz geplant. Aber wie bei so vielen, die ihren Urlaub für April oder Mai geplant haben, muss unsere lange Streckenwanderung leider coronabedingt ausfallen. Aber die ganze Zeit auf der Terrasse bleiben kommt nicht in Frage – das ist doch unser Homemoffice!

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Wenn wir Urlaub haben, müssen wir wandern!
Wir trauen uns allerdings nicht, das Bundesland zu verlassen und lange mit dem Zug fahren wollen wir auch nicht. So bleiben wir also in der Nähe und bewegen uns lediglich vom Nordrand zum Südrand der Alb. Wir wollen ein weiteres Stück auf dem Südrandweg angehen, 75 Kilometer von Schelklingen bei Ulm bis nach Sigmaringen im Donautal. Dieser Abschnitt des 288 Kilometer langen Fernwanderwegs ist ziemlich einsam, mit Massen an anderen Wanderern und Biosphärenpark-Rangern ist hier nicht zu rechnen.

In eineinhalb Stunden sind wir schon da und beginnen um 9:00 Uhr am Bahnhof von Schelklingen unser Biwak-Abenteuer.

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Wildes Zelten ist in Baden-Württemberg verboten, Biwakieren aber angeblich erlaubt.  So habe ich bei der Planung unserer Tour verschiedene Grill- und Waldhütten recherchiert, in denen wir unterkommen wollen. Außerdem ist bestes Wetter vorhergesagt, notfalls hauen wir uns mit unseren Schlafsäcken einfach auf die Wiese. Und so wird es auch kommen!

Gleich beim Eintritt ins Schmiechtal werden wir an die Krise erinnert, dabei wollten wir doch eigentlich von Corona abschalten!

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Der lange Weg durch das Schmiechtal verläuft durchweg auf Schotter. Überhaupt bestätigt sich mal wieder: Während der Nordrandweg größtenteils auf waldigen Pfaden verläuft, ist der Schotteranteil auf dem Südrandweg viel höher. Es gibt auch weniger spektakuläre Ausblicke als auf dem Nordrandweg, aber dafür mehr Wasser!

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Wir wandern immer an den Gleisen einer Museumsbahn entlang, die eigentlich im Moment gar nicht verkehrt. Dennoch fährt das Bähnle viermal an uns vorbei („Betriebsfahrt“) und tutet uns jedesmal lustig an!

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Das Wetter ist wirklich vortrefflich, sonnig, nicht zu heiß und mit einer kleinen Brise. Wir laufen abwechslungsreich durch Wald und frühlingshafte Wiesen und es ist toll, einfach wieder mal länger unterwegs zu sein!

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Eigentlich wollten wir nur 24 Kilometer bis zu einer Hütte bei Erbstetten laufen, aber als wir dort ankommen, haben wir keine besondere Lust, dort zu nächtigen: Die Hütte ist dunkel und staubig  und auf dem Boden liegt ein großer Haufen aus zerrissener Teerpappe.

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Wasser gibt es auch keins in der Nähe, also tritt Plan B in Kraft: Wir steigen über einen höllisch steilen und steinigen Weg noch zwei Kilometer ins liebliche Lautertal ab. Dort unten soll es eine Grillhütte direkt am Fluss geben.

Zum Glück ist die Hütte wesentlich freundlicher als die erste und es gibt sogar luxuriöse Picknicktische und -bänke. Glamping!

Am Abend ist noch viel los im Lautertal: Der Schotterweg durch das autofreie Tal ist ein beliebter Radweg, sodass jede Menge Radfahrer unterwegs sind. Wir mit unseren großen Rucksäcken und dem Kocher auf dem Tisch erregen einiges Aufsehen. So trauen wir uns erst bei Einbruch der Dunkelheit, unsere Matten und Schlafsäcke hinter der Hütte auszupacken. Wir verbringen eine ruhige Nacht, nur ein mehrmaliges Rascheln (Rehe? Füchse? Wildschweine? ) schreckt uns hin und wieder auf.

Am Morgen wachen wir mit der Dämmerung auf und setzten uns mit den Schlafsäcken an den Picknicktisch. Es sind nur vier Grad!

Schon bald aber geht die Sonne im Tal auf und wir beginnen unseren Wandertag mit einem Marsch durch das liebliche Lautertal.

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Schon um neun Uhr wird es oben auf der Albhochfläche richtig warm. Heute wird es heißer als gestern werden!

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In Hayingen versorgen wir uns mit Kaffee und Butterbretzeln. Ein Zweitfrühstück nehmen wir immer gerne!

Typisch für den südlichen Rand der Alb sind die zahlreichen Wachholder-Heiden, vielerorts wird das Gras noch traditionell von Schafen kurzgehalten.

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Auch typisch sind die vielen engen Bach-und Flusstäler, oft von Felsen eingerahmt. Durch das romantische Glastal wandern wir gleich am späten Vormittag.

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An der Wimsener Höhle wird es ein wenig voller: Erstmals begegnen uns hier andere Wanderer und Spaziergänger. Dabei ist die Schauhöhle, die mit Kähnen befahren wird, natürlich geschlossen.

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Zwiefalten mit seiner berühmtem Abtei ist dagegen ein verschlafenes Örtchen, zumindest in diesen Zeiten.

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Nach Zwiefalten wird der Weg ein wenig langweilig. Wir laufen durch Wald, Wald und nochmals Wald und über Schotter. Als wir am eigentlichen Ziel, einer Waldhütte kurz vor Friedingen ankommen, behagt uns auch diese nicht. Sie steht direkt am Weg und es wimmelt von Waldameisen. Das hat uns die App nicht gezeigt!

Wir fühlen uns aber noch fit und so laufen wir einfach weiter. Wir werden schon ein Plätzchen für unsere Schlafsäcke finden, denn regnen soll es nicht. Eine Waldlichtung, eine Wiese, wir nehmen alles!

Mhh .. das Gras ist zu hoch, man könnte uns vom Weg aus sehen, im Wald lauern die Zecken und dort steht ein Jägerstand. Einen potenziellen Platz nach dem anderen lassen wir sausen. Aber – Glückes Geschick – kurz nach Billafingen finden wir den idealen Grillplatz: Wieder mit Hütte, Tischen und Bänken und einer großen, gemähten (!) Graswiese. Hier bleiben wir, traumhaft!

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Wir danken der Gemeinde Billafingen für diesen luxuriösen Schlafplatz!
Wir schlagen unser Lager unter einem Baum an Rand der Wiese auf, nachts blinkt der Mars und ein toller Sternenhimmel und der Vollmond bescheint unser Domizil für diese Nacht. Auch an das Bellen der Hirsche im nahegelegenen Wald gewöhnen wir uns schnell. Die Wildschweine, die uns zum Glück nicht behelligt haben, treffen wir erst am Morgen.

Da wir gestern so fleißig waren, haben wir heute nur schlappe 15 Kilometer vor uns. Gestern Abend ist uns das Wasser ausgegangen, mehr als ein Morgenkaffee war nicht drin. So freuen wir uns, dass wir gleich nach sieben Kilometern auf eine Bäckerei treffen, die neben Kaffee und Brezeln auch Wasser im Angebot hat.

Auch heute wird nämlich wieder ein heißer Tag. Highlight des heutigen Wandertags ist das Laucherttal, wieder voller Felsen und Höhlen.

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Kurz vor Sigmaringen geht es noch mal ordentlich hoch, aber dafür werden wir noch einmal mit einem schönen Panorama vom Laucherttal belohnt.

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Das Schloss in Sigmaringen ist natürlich auch geschlossen, aber das besichtigen wir das nächste Mal, wenn wir die letzten drei Etappen des Südrandwegs von Sigmaringen bis Tuttlingen wandern. Hoffentlich nach Corona!

2015: Jahreswende im Ennerdale, Lake District, Nordengland

Ennerdale Water

Normalerweise lieben Friedel und ich es, das Jahr gemütlich auf dem Sofa zuhause ausklingen zu lassen. 2015 war jedoch eine Ausnahme und wir nahmen das besondere Weihnachtsangebot des „Fox and Hounds“ in Ennerdale Bridge wahr – sieben Tage bleiben, nur vier Nächte zahlen. Ein verlockendes Angebot, den Lake District einmal im Winter zu erleben – Diesen extrem regenreichen Kurzurlaub werden wir in unserem ganzen Leben nicht vergessen!

River Liza im oberen Ennerdale

Eineinhalb Jahre zuvor waren wir auf unserem „Coast to Coast Walk“ ( Insider schreiben: „C2C“) schon einmal im „Fox and Hounds“ abgestiegen. Der freundliche und gemütliche Pub, der von der Dorfgemeinschaft in Eigenregie betrieben wird, hat uns damals sehr gut gefallen. Noch toller fanden wir die Strecke am Ennerdale Water entlang. Nun haben wir die Gelegenheit, sechs Tage lang auch die umliegenden Fells und Wälder näher zu erkunden – und das wird kein Stück langweilig!

Ennerdale Water

Schon die Anfahrt ist aufregend: Eigentlich wollten wir auf dem Hinweg noch unsere Wanderfreunde Lisa und Carl in Carlisle treffen, aber schon diese Verabredung fällt buchstäblich ins Wasser. Die Schnellstrecke von Manchester nach Carlisle ist wegen Überflutung gesperrt und so nehmen die Züge einen Riesenumweg über diverse Kleinstädte und Dörfer. Statt um 19:00 Uhr kommen wir erst um 22:00 Uhr in Carlisle an – zu spät für Lisa und Carl. Zu diesem Zeitpunkt sind viele Kleinstädte im Norden Englands bereits überflutet – unter anderem Hebden Bridge am Pennine Way. Zwei Jahre später, als wir auf dem LECW zwei Tage in Hebden Bridge übernachten, sind die Schäden immer noch deutlich zu sehen.

Auch die Anreise nach Ennerdale Bridge gestaltet sich als schwierig: Die Bahntrasse von Carlisle nach St Bees steht ebenfalls unter Wasser und nach viel Hin- und Hergerenne finden wir heraus, dass es eine komplizierte Busverbindung in die Nähe von Ennerdale gibt. Den ersten Urlaubstag verbringen wir also in diversen Bussen und mit einem nassen Neun-Kilometer-Fußmarsch von der Bushaltestelle zum Pub – das Begrüßungsbier lassen wir uns aber durch das Wetter nicht vermiesen!

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Schon am nächsten Tag finden wir zu einer Morgenroutine, die wir in den nächsten fünf Tagen stramm einhalten: Morgens um acht serviert uns Alyson das immer gleiche Englische Frühstück, stets sind wir die einzigen Gäste. Die herbe Alyson – Barfrau, Köchin und Zimmermädchen in Personalunion – wohnt im Anbau hinter dem Pub und ist wahrhaftig kein Plappermaul. Am Anfang sprechen wir wirklich nur das Nötigste miteinander. Aber mit jedem weiteren Tag taut sie ein wenig mehr auf und macht sich zunehmend gern lustig über die Deutschen, die sich tagtäglich bei Regen, Schnee und Sturm in die Regensachen schmeißen und erst bei Dämmerung pitschnass in den Pub zurück stolpern. Wir bilden uns sogar ein, dass wir mir jedem Tag ein wenig mehr in ihrer Achtung steigen – die lassen sich nicht kleinkriegen! 🙂

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Ennerdale

Jeden Abend setzt sich Alyson extra für uns die Kochmütze auf – außer ein paar einsamen Biertrinkern verirrt sich um diese Jahreszeit niemand zum Dinner in den Pub. So futtern wir uns im Verlauf der Woche durch alle Klassiker der englischen Pub-Speisekarten: Steak and Ale Pie, Gammon Steak, Burger, Lasagne mit dicken Pommes, Steak and Ale Pie, Gammon Steak, Lasagne mit dicken Pommes … 🙂

Die Wanderung am ersten Tag führt uns einmal um den See herum: Auf dem Hinweg kommen wir auf den neun nassen, glitschigen Kilometern über rutschige Steine und glitschige Wurzeln kaum voran. Der Wind peitscht uns den Regen von vorn mitten ins Gesicht und wir sehen unsere Füße kaum. Stellenweise steht das Seewasser bis über den Weg und wir müssen den Hang entlang kraxeln.

der See ohne Wind …

… und mit Wind

Obwohl es den ganzen Tag nicht aufhört zu regen, hat die Landschaft einen ganz besonderen Reiz: Wir sind ganz allein, die Wellen schlagen an das steinige Ufer und der Nebel wabert um die Berge auf der anderen Seeseite.
Auf dem Rückweg an der Nordseite des Sees entlang haben wir den Wind dann zum Glück im Rücken und wir entdecken, dass auf dieser Seeseite ein Fahrweg verläuft. Der Weg ist zwar ein wenig länger, aber man läuft viel schneller! So schaffen wir es, noch im Hellen wieder im Pub zu sein. Nasse Klamotten aufhängen, Teewasser aufsetzten, heißes Wasser in die Badewanne laufen lassen … Auch dies gehört von nun an zu unserer abendlichen Routine.

Fahrweg auf der Nordseite

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Für unseren zweiten Ausflug am nächsten Tag wählen wir dann gleich die schnelle Route auf der Nordseite und erkunden das waldige Tal hinter dem See. Hier waren wir im Jahr zuvor auf dem C2C schon einmal durchgestürmt, aber jetzt können wir viel mehr auf die Details der Landschaft achten. Im winterlichen Regen ist mitnichten alles grau – Flechten, Moose, vertrocknete Farne leuchten in verschiedenen Grün- und Brautönen und der Nadelwald im oberen Ennerdale erinnert einmal mehr an Kanada. Toll, dass wir hier sind!

Pillar

im oberen Ennerdale

River Liza im oberen Ennerdale

Am dritten Tag stürmt es so heftig, dass wir die geplante Tour zum Gipfel des Pillars frustriert abbrechen müssen. Der Weg zurück ist schlimmer als der Weg hinauf. So verbringen wir auch diesen Nachmittag im oberen Ennerdale und schlagen uns dieses Mal abseits des C2Cs auf schmalen Pfaden durch die Wälder. Die Black-Sail-Hütte im oberen Tal ist verriegelt und verrammelt – keine Erfrischung für müde Wanderer in dieser Jahreszeit!

Am nächsten Tag bekommen wir Besuch. Mein englischer Kollege aus Stuttgart ist auf Heimaturlaub und mit seiner Mutter die sechzig Kilometer von Ulverston mit dem Auto hergekommen, um mit uns im schönen Ennerdale zu wandern: Haha, die sind aber auch nass geworden!
Im strömenden – und wirklich STRÖMENDEN Regen patschen wir auf dem Fahrweg einmal zum Seeende und wieder zurück. Den Rest des Nachmittags sitzen wir im Pub und tropfen ab – unvergesslich! Der Pub macht heute Nachmittag den doppelten Umsatz: Ein Steak and Ale Pie mehr und gleich zweimal Lasagne!

Jonathan, seine Mum und ich

In unauslöschlicher Erinnerung bleibt uns auch der Silvesterabend im Pub. Alyson hat uns netterweise ein ruhiges Tischchen in einer Ecke des Pubs reserviert. An den Vorabenden waren selten mehr als zwei oder drei Biertrinker im Pub – heute ist das Lokal zum Bersten voll mit älteren Leutchen, die sich so laut unterhalten, dass der arme Livemusiker mit der Country-Gitarre vollkommen im Stimmengewirr untergeht. Alyson hat ihre Küchenschürze heute gegen ein schwarzes, enges Glitterkleid getauscht und auf ihren nackten Oberarmen und auf dem Rücken prangen jede Menge schwarzer Tattoos.
Friedel und ich beschäftigen uns mit dem Büffet und den obligatorischen Gimmicks einer englischen Silvesterparty – Papierhüte, Tröten und Knallfrösche.

Happy New Year!

Spätestens heute wird uns klar, dass wir hier echte Outsider sind: Wir verstehen die Leute kaum und uns spricht auch niemand an. Am Vormittag haben wir uns noch überlegt, was wir denn singen würden, wenn uns die Menge dazu aufforderte, deutsches Liedgut zum Besten zu geben. Wir haben sogar noch einen Kanon einstudiert. Aber zum Glück singen nur die anderen.
Die Zeit bis zum Feuerwerk überbrücken wir mit Kniffel und gelegentlichen Zigarettenpäuschen. Hier kommen wir auch tatsächlich mal mit anderen kurz ins Gespräch – einem älteren Pärchen aus Birmingham, das im Ennerdale ein Ferienhaus gemietet hat.

Das kommunale Feuerwerk fällt an diesem Silvester leider ins Wasser – die Raketen sind  zu nass geworden und zünden nicht. Grund für Friedel und mich, uns auf unser Zimmer zu verkrümeln. An Schlaf ist jedoch nicht zu denken – die Menge unter uns singt lauthals bis vier Uhr morgens englische Schlager und haut dabei rhythmisch auf die Tische, sodass die Gläser klirren. Alysons müder Kommentar am nächsten Morgen: „They’ve sung their heads off!“ (Sie haben sich ihren Kopf weggesungen!)

An unserem letzten Wandertag haben wir tatsächlich Glück – es regnet nicht, es schneit!

Das ist tatsächlich eine Seltenheit, hier, so dicht an der Küste. Wir wollen versuchen, doch noch mal einen Berg zu erklimmen. Wenn es schon nicht der 900 Meter hohe Pillar ist, dann doch wenigstens der erste Hügel in der Kette um den See, Crag Fell mit seinen sagenhaften 525 Metern Höhe. Wir nähern uns dem Berg vom Hinterland her, über den Steinkreis von Kinniside und den 488 Meter hohen Grike.

Kiniside Stone Circle

Am Kinniside Circle waren wir auch schon 2014, auf unserer ersten Etappe auf dem C2C. Das macht aber nichts, denn letztes Jahr konnten wir hier wegen eines drohenden Gewitters gar nicht lange verweilen.
Heute können wir auch nicht viel länger bleiben, denn die Tage sind kurz und wir wollen auf den Berg und auch wieder herunter. Zwar haben wir von unten gesehen, dass auf dem Crag Fell kein Schnee liegt, aber dafür ist der Weg dorthin voller Eis. Und der Wind bläst uns fast unsere Kapuzen vom Kopf. Es ist LAUT hier oben! Und KALT! Und jetzt GRAUPELT es auch noch!

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Auf dem Weg zum Crag Fell

Auf dem Gipfel des Crag Fell

Der Blick auf die verschneiten Gipfel um uns herum ist jedoch phantastisch. Für einen Augenblick hört es sogar auf zu stürmen. So trauen wir uns sogar, den steilen und steinigen Weg zum See herunter zu rutschen. Für einen kurzen Augenblick öffnet sich dann die Wolkendecke und wir sehen ein Stück blauen Himmel – das einzige Mal in unserer Winter-Wanderwoche im schönen Ennerdale!

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So nass und kalt der Urlaub auch war: Von nun an schreckt uns kein schlechtes Wetter mehr. Ob Nebel auf dem Rennsteig oder Sturmböen auf dem Kamm der Pennines – so verregnet wie in diesem Winterurlaub war es danach nie wieder!

Wanderung zum Floutern Tarn

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Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch! 🙂

 

 

 

 

 

DDLN Etappe 39: Auf dem Rennsteig von Grumbach nach Steinbach am Wald

  1. November 2019: 11 Kilometer

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Eigentlich verfasse wir unsere Artikel ja immer recht zeitnah. Aber dieses Mal haben wir es bisher nicht geschafft, die letzte Etappe unseres November-Urlaubs bis zum Bahnhof in Steinbach am Wald zu posten.

Der Grund: Schon nachts im Gasthof war mir ganz kodderig im Magen. Beim Frühstück habe ich ganz gegen meine Gewohnheit kaum etwas herunterbekommen. Und so schleppte ich mich mit Übelkeit und Magenkrämpfen die elf Kilometer durch den Nebel …_DSC0949 Kopie_DSC0936 Kopie

Wir müssen uns beim Rennsteig entschuldigen: Gestern haben wir uns über die breiten Forstwege beschwert, aber heute führt der Weg uns über wurzelige, weiche Wege durch Moos und Farn. So mögen wir es!
Das Wetter könnte besser sein, aber wenigstens regnet es nicht. Aussichten gibt es bei dem Nebel allerdings keine – aber dafür herrscht im Wald eine fast märchenhafte Stimmung.

Kurz vor Brennersgrün kommen wir durch ein Waldstück, in dem Schulklassen „Waldkunst“ gestaltet haben. Hübsch!

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Brennersgrün selbst zeigt sich wie viele Orte in der Gegend ziemlich düster. Fast alle Häuser des Ortes sind mit Schieferplatten verkleidet. Im Nebel sieht das fast gruslig aus. Hier werden wir uns keinen Alterssitz zulegen! 🙂

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Der folgende Wegabschnitt ist ziemlich ziemlich interessant für Freunde geschichtlicher Relikte. Wir kommen an zahlreichen alten Grenzsteinen vorbei, die die Grenze zwischen Franken bzw. Bayern und Thüringen markierten. Der älteste Grenzstein auf diesem Abschnitt, der Kurfürstenstein, ist aus dem Jahr 1513!

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Ich bin saufroh, dass wir heute nur elf Kilometer vor uns haben. Im Verlauf des Vormittags wird mir immer schlechter. Kraftlos schleppe ich mich durch den Wald und und ich fröstle. Der finale Einmarsch nach Steinbach am Wald zieht sich endlos über einen Radweg an einer Bundesstraße entlang. Entbehrlich!

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Zwei Stunden früher als geplant kommen wir in Steinbach am Bahnhof an. Zum Glück erwischen wir relativ schnell einen Zug nach Nürnberg. Dort müssen wir dann allerdings zwei Stunden warten, denn wir haben einen „Super-Sparpreis“ der Deutschen Bahn gebucht und haben daher Zugbindung. Schlapp hängen wir uns in die Sessel der DB-Lounge, die es in Nürnberg glücklicherweise gibt. Auch Friedel geht es mittlerweile gar nicht gut. Haben wir uns einen Magen-Darm-Virus eingefangen oder uns mit dem Fisch gestern Abend den Magen verdorben?

Tatsächlich brauchen wir beide zwei Tage, bis es uns wieder halbwegs erholt haben. Für die Zukunft merken wir uns: Fischgerichte am Ende der Welt sind unbedingt zu vermeiden!

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DDLN Etappe 38: Auf dem Frankenweg/Rennsteig von Naila nach Grumbach

25.11.2019: 27 Kilometer

Für heute war Frühnebel angesagt – Und es gab: Frühnebel!

Unser selbstgebastelter Weg am Morgen hat uns gut gefallen: Sehr schnell sind wir aus dem Ort heraus und der Weg entlang der Selbitz ist schön ruhig und romantisch – vor allem in Nebel!

Besonders gefreut haben wir uns auf das Höllental. Wir sind schon seit einigen Kilometern wieder auf dem Frankenweg, dessen letzte Kilometer wir nun beschreiten. Fast 500 Kilometer haben wir auf ihm zurückgelegt – dies ist einer der längsten Wege in Deutschland!

Das Tal ist im Herbst vermutlich viel schöner als in anderen Jahreszeiten. Niemand außer uns ist heute hier unterwegs. Links und rechts des Weges gibt es uralte Felsen aus Diabas, einem alten Lava-Gestein. Die Selbitz rauscht über moosiges Gestein durch die enge Schlucht. Allerdings ist es ziemlich schattig hier – typisches November-Wetter!

Am Blechschmidtenhammer zeugen ein alter Bahnhof und ein paar alte Waggons und Loren von der Geschichte des Tals als ehemaligem Steinbruch für Schiefer und Diabas, Silber und Erze. Bis heute sind viele Fassaden der alten Häuser hier mit Platten aus Schiefer verkleidet: Das schafft eine romantische, aber auch etwas düstere Atmosphäre in den Dörfern.

Hier am Blechschmidtenhammer verlassen wir den Frankenweg und wenden uns dem „Grünen Band“ zu. Zunächst geht es durch das Tal der Moschwitz, die geschichtlich die Grenze zwischen Bayern und Thüringen markiert. Den Rest des Tages wandern wir auf Thüringer Gebiet.

Als wir aus dem Tal aufsteigen und auf den Kolonnenweg der ehemaligen Grenze treffen, sind wir gleich von den Ausmaßen der ehemaligen Grenzlinie beeindruckt: Kilometerlang erstreckt sich die breite Schneise mit dem löchrigen Betonweg durch die Landschaft. Acht anstrengende Kilometer wandern wir auf der ehemaligen Grenzlinie. Auf der einen Seite ist der Weg echt anstrengend zu laufen – Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht in die Löcher im Beton treten und womöglich umknicken.

Auf der anderen Seite haben wir in Deutschland noch nie eine so lange Strecke ohne jedwede menschliche Ansiedlung erlebt. Kilometerlang laufen wir auf Lochplatten durch eine absolut menschenlose Landschaft – keine Straßen, keine Häuser, keine Strommasten – einfach nichts außer Gras, Bäumen, einem Wall mit Graben und dem Panzerweg, auf dem wir laufen.

Auf Dauer wird die Trotterei auf dem Löcherbeton jedoch langweilig – Wir können uns nicht vorstellen, das gesamte „Grüne Band“ zu laufen. Das reicht jetzt!

Als wir hinter Schlegel auf den berühmten Rennsteig treffen, wird es aber auch nicht viel aufregender. Der Rennsteig ist hier ein extrem breiter Schotterweg, der kilometerweit schnurgerade durch den Tannenwald führt. Im weiteren Verlauf (nach unserer Mittagspause) gibt es aber auch ein paar Wegabschnitte, die auf wurzeligen Pfaden verlaufen.

Schon um 15 Uhr erreichen wir unseren Zielort Grumbach. Wir haben heute nur zwei kurze Pausen eingelegt und uns danach „warmhiken“ müssen – Kaltes Wetter verleiht Flüüüügel!