HW8 Tag 3: Von Eppingen nach Heilbronn

27 Kilometer

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es gibt so Tage, da fragen wir uns, ob es wirklich so wichtig ist, jeden Meter einer Streckenwanderung gelaufen zu sein – Oder wäre es nicht besser, einfach die S-Bahn zu nehmen und darüber zu schweigen? 🙂

Auf den ersten drei Kilometern Rückmarsch von Eppingen bis zum HW ist es schon am Morgen sauheiß und schwül. Nach den zweieinhalb Kilometern Rückmarsch zum Waldrand sind wir superfroh, wieder im Wald zu sein! Vor allem, weil wir die Strecke ja schon gestern gelaufen sind.
Nach einer recht steilen Schwitztour zum  Aussichtspunkt Kraichgaublick haben wir einen schönen Blick zurück nach Eppingen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Danach geht es erneut auf schnurgeraden und geschotterten Waldwegen bis nach Niederhofen. Hier laufen wir das erste Mal durch die Weinberge, die wir sonst nur von Weitem gesehen haben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 Früher, als ich noch in Westfalen gewohnt habe, fand ich Weinberge toll. Sie haben so etwas Südliches!
Ich mag sie immer noch, aber nur, wenn sie nicht zu einer Monokultur ausarten. Hier in Niederhofen sind sie zum Glück noch zwischen Feldern und Wäldern in eine liebliche Landschaft eingebettet. Bis jetzt ist die Wanderung okay!

Aber je näher wir in Richtung Heilbronn vorstoßen, desto unangenehmer wird es: Heute ist Pfingsten, und es ist schönes Wetter! Und Heilbronn ist eine große Stadt!
Deshalb sind heute jede Menge Spaziergänger unterwegs – und Radfahrer!

Eigentlich wollen wir ja den ewigen Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern nicht noch weiter befeuern. Aber an so einem Tag wie heute ist es verdammt unangenehm, wenn man alle naslang Rentnergruppen mit E-Bikes und Kampfradlern ausweichen muss. Nicht weit entfernt verläuft ein schön geteerter Radweg, aber natürlich macht es viel mehr Spaß, auf diesen kleinen, schmalen Pfaden zu radeln und die Wanderer laut klingelnd und HUPEND vom Weg zu scheuchen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Schwäbische Hauptwanderweg 8 – ein beliebter Radweg!

Eigentlich wollten wir am Aussichtspunkt Heuchelberger Warte noch eine kleine Erfrischung einnehmen, bevor der lange Anmarsch auf Heilbronn beginnt. Aber das Gewimmel dort ist uns einfach zu viel. Das sind wir nicht mehr gewohnt!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf der Karte war schon ersichtlich, dass es nach der Heuchelberger Warte noch neun Kilometer schattenlos bis zum Heilbronner Bahnhof geht.
Zum Glück bewölkt es sich etwas, als wir zunächst die berühmten Heuchelberger Weinberge durchschreiten. Diese hier gehören allerdings eher zum Typ „Agrarwüste“, den wir nicht so mögen …

die Heuchelberger Warte
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Pittoresker Blick auf das Kohlekraftwerk Neckarsulm

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf heißem Teer geht es die letzten neun Kilometer durch langweilige Felder. Nach den Weinbergen gibt es nur noch flurbereinigte Weizen- und Kartoffelacker, so weit das Auge reicht. Kein Baum, kein Strauch, nur die Hochspannungsleitungen vom Kraftwerk …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nur einmal macht der HW8 einen Schlenker weg vom Teer – und wir landen im Nichts!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Doch, wir sind richtig! Nach Karte ist das der HW8 …

Kurz vor Heilbronn geht es noch einmal durch einen Park. Hier lässt sich typisch schwäbisches Brauchtum beobachten  – das Grillen in öffentlichen Parkanlagen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Den Duft von Würstchen und Rippchen in der Nase, geht es noch 1,5 Kilometer durch den Vorort Böckingen bis zum Neckar. Hurra, wir sind fast da!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Verschwitzt und mit platten Füßen kommen wir endlich am Bahnhof in Heilbronn an. Ganz ehrlich – die letzten zehn Kilometer waren die blödesten, die wir seit Land’s End gelaufen sind!
Hier kamen einfach einige unangenehme Faktoren zusammen: Schwülheißes Wetter, eine langweilige Strecke, fast durchweg Asphalt, Radfahrer, Pfingstgewimmel.
Eine Tour zum Abgewöhnen!

 

HW8, Tag 2: Von Maulbronn nach Eppingen

26 Kilometer


In der Nacht hat es ein wenig geregnet, aber nicht so arg, dass alles nass wäre. Es wird den ganzen Tag sonnig, aber angenehm kühl bleiben und ein angenehmes Windchen wehen. Bestes Wanderwetter!
Da wir am Morgen eh noch mal am Kloster vorbei müssen, werfen wir noch mal einen Blick in den riesigen Klosterhof. Heute Morgen ist dort noch niemand unterwegs.
Vom Kloster aus sind wir ganz schnell im Wald und kommen auf schönen Waldwegen schnell voran. Ein letztes Maulbronner Monument ist der Studentenbrunnen, dann hat der Wald uns verschluckt.


Was uns an dieser Gegend so gut gefällt, ist die abwechslungsreiche Wegführung – mal sind wir im Wald, dann wieder zwischen Feldern und fast alle Dörfer sind von Weinbergen umgeben. Der einzige Ort, durch den wir direkt laufen, ist Sternenfels, wo wir sogar einen Kaffee bekommen – 1:0 für Baden!


Apropos Baden: Die Badener sind irgendwie gar nicht grußfreundlich. Egal wo wir sonst bisher gewandert sind – überall grüßen sich entgegenkommende Radfahrer oder Wanderer. Hier vermeiden sie Blickkontakt und ziehen stumm an einem vorbei. Merkwürdig …
Unsere Mittagspause nehmen wir auf einem großen Baumstamm mitten im Wald ein. Obwohl es gar nicht so heiß ist, ist unser Käse mittlerweile zu einem großen Klumpen zusammengeschmolzen. Es schmeckt trotzdem!

Der HW8 verläuft heute an vielen Stellen auf der gleichen Wegführung wie der ¨Eppinger Linienweg¨. Im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde 1695-1697 von Pforzheim bis Neckargemünd eine 87 Kilometer lange Schanze errichtet, um die französische Truppen von Raubzügen abzuhalten. Die Verteidigungsanlage bestand aus aufgeschichteten Ästen, einem Graben und einem Erdwall dahinter. Auf unserem Weg treffen wir auf einige noch gut erkennbare Abschnitte der Verteidigungsanlage, vor allem im Wald. Kurz vor Eppingen wurde sogar ein alter Wehrturm wiedererrichtet.


Sehr interessant sind auch einige große Transparente, die der Eppinger Heimatverein im Wald aufgehängt hat. Sie erinnern an Wörter aus der französischen Sprache, die im Dialekt der Region eingesickert sind und erinnern damit an die geschichtlich enge Verbindung der Gegend zu Frankreich. Lesestoff im Wald, so wird es nicht langweilig! 🙂


Nach dem obligatorischen Marsch durch langweilige Neubaugebiete kommen wir noch relativ frisch in Eppingen an. Die Stadt rühmt sich seiner schönen Fachwerkbauten, und das zu Recht. Obwohl die Stadt zweieinhalb Kilometer vom HW8 entfernt ist, hat sich der Umweg auf jeden Fall gelohnt.






Auch gibt es in der Nähe des HW8 keine Unterkünfte. Unser Hotel in Eppingen ist dann auch noch ein echtes Juwel – unser Zimmer ist groß, gemütlich eingerichtet und hat einen Balkon auf einen grünen Innenhof raus. Aber nebenan gibt es Hühner! Mal sehen, wann uns der Hahn morgen früh weckt …

HW8, Tag 1: Von Pforzheim nach Maulbronn

24 Kilometer

Für unsere Deutschlandtour haben wir uns die Etappen, die von unserem Wohnort aus leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, für Wochenendtouren aufgehoben. Da wir an diesem Pfingstwochenende drei Tage Zeit haben, ist dieses Mal der Abschnitt von Pforzheim nach Heilbronn dran – wir erwarten eine abwechslungsreiche Streckenführung mit einigen kulturellen und landschaftlichen Highlights!

Heute geht es von Pforzheim aus auf dem Schwäbischen Hauptwanderweg 8 zur Klosteranlage Maulbronn – da wollte ich schon immer mal hin!

Zwar fehlen noch die restlichen zwei Etappen auf dem Ostweg von Calw nach Pforzheim, aber die laufen wir ein anderes Mal.

Interessanterweise heißt der HW8 auch Frankenweg – er führt nämlich in seinem späteren Verlauf durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald bis nach Bayern.

Wir sind heute morgen extra früh aufgestanden, damit wir nicht zu spät in Maulbronn ankommen. Wir wollen uns für die Besichtigung der Klosteranlage (eine UNESCO-Weltkulturerbestätte) viel Zeit nehmen. So laufen wir schon um halb neun am Bahnhof in Pforzheim los.

Zum Glück ist der Weg durch Pforzheims Nordstadt ein recht schöner und wir sind schnell zwischen Wiesen und Feldern. Das Wetter ist vortrefflich – nicht zu heiß und es weht ein angenehmer Wind. Das ist auch wichtig, denn heute gibt es nur vereinzelte schattige Wegpassagen. Zum Glück ist es nicht mehr so heiß wie noch vor ein paar Tagen!
Der Weg führt uns durch eine sanft-hügelige Kulturlandschaft mit weiten Blicken bis zum Schwarzwald hin. Der Weizen auf den Feldern steht schon recht hoch und besonders schön ist, dass die Feldränder mit viel Klatschmohn und Kornblumen gesäumt sind. Knallige rote und blaue Farbtupfer vor schilerndem Grün – großartig!

Mitunter haben wir das Gefühl, in der früheren DDR unterwegs zu sein. Statt auf Asphalt laufen wir auf sogenannten ¨Panzerstraßen¨, also großen, aneinandergereihten Betonplatten, zwischen denen das Gras sprießt. Wir kommen an einer historischen Hofstatt voebei, die uns sehr an die alten Gutshöfe im Osten unserer Republik erinnert. Sehr heimelig, das würde uns als Alterswohnsitz schon gefallen!
Skurril sind die zwei ¨Eisinger Löcher¨, auf die wir gegen elf Uhr stoßen. Mitten zwischen hohen Wiesen ist das Erdreich in Form einer Doline eigestürzt und hat zwei große Krater hinterlassen. Leider ist das neue Eisinger Loch mit Müll verschandelt. Das alte Loch ist über abenteuerliche, total zugewucherte Glitschstufen zu erreichen. Unten finden wir einen total anderen Mikrokosmos als oben vor – Moose, Farne und umgestürzte Bäume. 

Gegen Mittag wird es dann doch recht heiß. Zum Glück geht es aber nun über halbwegs schattige Waldwege bis nach Maulbronn.

Die Klosteranlage ist – groß! Riesig! 
Über zwei Stunden laufen wir auf dem Gelände hin und her, es gibt wirklich viel zu sehen. 


Das im 12. Jahrhundert gegründete Kloster hat sehr lange und nachhaltig die Entwicklung in der Region geprägt. Vor 25 Jahren wurde die gesamte Anlage und die Umgebung (inklusive ihrer Fischteiche, Weinberge und der unterirdischen Wasserkanäle) zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Die Gebäude sind außerordentlich gut erhalten sind und alle wichtigen Stilepochen sind repräsentiert.


Wir sind schwer beindruckt, aber die ganze Verwaltung der Anlage wirkt auf uns ein wenig lieblos – die muffelige Dame an der Klosterkasse, zugewachsene Klostergärten, viele Absperrgitter, nicht zugängliche Bereiche, nur wenige und sehr knapp gefasste Informationstafeln. Da sind wir aber Besseres gewohnt!
Richtig toll ist aber das Radler im baumbeschatteten Kloster-Biergarten. Selten hat es so gezischt!

Mittelfranken, Tag 9: Pegnitz nach Creußen

22 Kilometer

Die Zaussenmühle – unser Restaurant-Tipp

Der heutige Wandertag bleibt in jeder Beziehung mittelmäßig. Heute verfolgen wir keine eigene Route mehr, sondern haben uns einem Jakobsweg anvertraut. Die haben ja oft die Orientierung, möglichst schnell und ökonomisch nach Santiago zu führen. Aus diesem Grund geht es heute viel über Asphalt und über schnurgerade, meist geschotterte und weite Waldwege.

rühmliche Ausnahmen …

Immerhin ist es etwas wärmer als die letzten Tage, als wir in Pegnitz loslaufen. Zunächst geht es über eine Hochfläche mit langweiligen Feldern, es folgen drei Kilometer Wegstrecke auf Asphalt durch ein Dorf. Ein erstes Highlight ist die alte Eisenhammer-Mühle ¨Kotzenhammer¨, die trotz ihres hässlichen Namens ein idyllisches Fleckchen ist. Hier wurde früher Eisen gehämmert, es gibt sogar einen eignenen Wanderweg, der sich dem Thema widmet – der Erzweg.

In Lindenhardt gibt es natürlich wieder keine Bürgersteige, daher auch keinen Kaffee, jedenfalls nicht auf unserer Route. Das Suchen nach Koffeepoints in solchen Dörfern haben wir schon seit Längerem aufgegeben.

Nun schlägt der Jakobweg einen großen Haken durch einen riesigen Nadelwald, um den Wanderer an der Quelle des Roten Mains vorbeizuführen. Der Anmarsch erfolgt auf schnurgerader Schotterstrecke durch einen Windpark mit riesigen – und wir meinen RIESIGEN – Windrädern. Vier von diesen können angeblich 12.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Wir wissen immer noch nicht, was wir von den Windparks halten sollen: Irgendwoher muss die Energie für unsere moderne Gesellschaft ja herkommen und die naheliegende Autobahn durch den Forst stört die Natur und uns wesentlich mehr. Auf der anderen Seite verschandeln die Dinger schon die Landschaft und machen bei stärkerem Wind wirklich einen Mordslärm. Die nächsten Häuser sind weit entfernt und irgendwo müssen die Windräder ja stehen. Das ist wohl der Preis der Energiewende und allemal besser als die großen Kohlekraftwerke.

Leider gibt es heute keine Felsen mehr, wir sind schon raus aus der eigentlichen Fränkischen Schweiz. Schade, das war zu schnell. Wir nehmen uns vor, das nächste Mal doch noch den großen Westschlenker des Frankenwegs mitzunehmen.

Die Quelle des roten Mains – nun ja .. Bei der Pegnitz war die Schüttung schon lächerlich, aber diese Quelle ist nicht mehr als ein Rinnsal. Keine Ahnung, woher das Wasser für den roten Main kommt, der ja laut Karte schon in Bayreuth (unserem morgigen Ziel) ein richtiger Fluss sein soll.

Heute sind wir beide ein wenig schlapp, aber trotzdem kommen wir schnell voran. Das liegt an den geraden Wegen und an einem Mangel an Fotomotiven.

So sind wir schon um 15 Uhr in Creußen in unserem Gasthof, der etwas außerhalb vom eigentlichen Stadtkern liegt. Wir verschieben die Stadtbesichtigung auf morgen und genießen die Nachmittagssonne auf unserer Terrasse. Wenn man schon mal solch einen Luxus hat, muss man ihn schließlich auch nutzen!

Mittelfranken, Tag 8: Von Krottensee nach Pegnitz

22 Kilometer

Am Morgen wird uns in der Linde ein köstliches Frühstück serviert – mit selbstgemachter Marmelade und Stadtwurst aus Hausschlachtung. Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste.

Gestern Abend haben wir noch ein wenig mit dem Wirt der Linde geplaudert. Er bedauert, dass der Stammtisch langsam ausstirbt. Die jungen Leute gingen einfach nicht mehr so häufig ins Wirtshaus. Zum Glück haben er und seine Frau nebenbei noch die Landwirtschaft und einige Übernachtungen von Wanderern und Fliegenfischern. Ob der Sohn den Betrieb übernehmen wird, ist sehr fraglich – er ist Hotelmanager in Nürnberg.

Heute geht es auf unserer selbstgebastelten Route weiter nach Pegnitz. Leider wird es den ganzen Tag regnen, wenn auch nicht stark. Aber steter Tropfen nässt den Schuh und wir sind zu faul, rechtzeitig unsere wasserdichten Socken anzuziehen. So heißt es mal wieder: Embrace wet feet! 🙂

Unsere Route führt uns teilweise über breite Schotterwege und über Wiesenfeldwege, mitunter total überwachsen oder gar untergepflügt. Leider lässt sich auf den Karten von Outdoor Active nicht unbedingt erkennen, wie gut die Wegqualität ist – aber das zeigt eigentlich keine Karte, oder? Insofern ist es manchmal dann doch besser, sich an die etablierten Fernwanderwege zu halten. Nun ja …

Der Weg heute führt im Wesentlichen an der Bahnlinie zwischen Bayreuth und Neuhaus (also Krottensee) entlang. Im ersten Teil geht es auf schmalen, gewundenen Pfaden durch einen schwarzwaldähnlichen Nadelwald mit Blaubeer-Bodenbewuchs. Sehr hübsch, auch im Regen! Auch sehen wir seit Längerem mal wieder Sumpfgebiete, was sehr selten im Karstland ist.

Dann geht es durch ein großes Wassersschutzgebiet für die Stadt Nürnberg. Am Wege gibt es Hinweistafeln über zwei Dörfer, die in den 60ern dem Schutzgebiet weichen mussten und abgerissen wurden. Nur die Kapelle blieb stehen. Sowas haben wir noch nie gehört – zwar kennen wir das aus England, wo Stauseen Dörfer überfluten, aber eine Umsiedlung für ein Wasserschutzgebiet?

Wiesen und Wälder wechseln sich hübsch ab. Besonders toll ist ein Schlenker von der Bahnlinie weg durch einen märchenhaften Nadelwald mit Felsen und dichtem Moosbewuchs. Hier sieht es aus und duftet wie in Schweden!

Weil es permanent regnet, finden wir schwer einen Pausenplatz für unsere Mittagspause. Am Ende wählen wir ein trockenes Plätzchen unter einer riesigen Kiefer. Das bleibt heute unsere einzige Pause, es ist einfach zu ungemütlich!

Pegnitz selbst enttäuscht. Zwar ist der Ort eine Partnerstadt von Linlithgow (Linlithgow Castle) in Schottland, aber im Zentrum gibt es jede Menge leerstehende Ladengeschäfte und kaum gemütliche Kneipen oder Restaurants. Selbst unser Hotel ¨Ratsstube¨ beherbergt im Erdgeschoss eine Pizzeria (von denen es im Ort mindestens vier gibt). Außerdem gibt es noch eine schmierig wirkende Kneipe, den obligatorischen Döner-Imbiss, einen

griechischen Schnellimbiss und zwei Take-away-Asiaten.

Immerhin finden wir auch eine Konditorei mit leckerem Kuchen.

Da wir erst um 17 Uhr einchecken können, besuchen wir noch die Pegnitz-Quelle. Die Schüttung der Karstquelle ist allerdings minimal, selbst die Eyb in Geislingen schüttet mehr Wasser aus. Dieses Rinnsal soll die Quelle des großen Flusses sein, den wir in Nürnberg gesehen haben?

Steffi sucht die Quelle

Auf dem Weg zur Quelle finden wir zum Glück noch ein nettes fränkisches Restaurant in der alten Zaußenmühle an der Pegnitz, wo wir dann zu Abend essen. Die Pegnitz hieß früher Zaußen und hat die Mühle betrieben. Im Innern der Mühle ist es urgemütlich und alles krumm und schief.

Das mögen wir! 🙂

Das Mühlrad der Zaußenmühle, kraftvoll betrieben

Mittelfranken, Tag 7: Hersbruck nach Krottensee

25 Kilometer

Heute – der schönste Wandertag bisher.

Liegt es daran, dass wir heute den Frankenweg verlassen? 🙂

Ab Hersbruck macht der Frankenweg einen großen Schlenker nach Westen. Noch dazu gibt es nur noch wenige Bahnhöfe und unser Wanderurlaub neigt sich so langsam dem Ende zu. Ein guter Endpunkt ist Bayreuth, aber das liegt nicht auf dem Frankenweg. Beim Planen möglicher Verbindungswege stoße ich auf den Ortsnamen Krottensee. Moment … war ich da nicht mal vor … Moment …echt? Dreißig Jahren zum Klettern? Der Ort mit seinem tollen Gasthof war mir noch so gut in Erinnerung, also sollte es auf jeden Fall über Krottensee gehen!

Am Morgen machen wir noch einen kleinen Gang durch Hersbruck und sind schnell wieder im Wald. Die ersten drei Kilometer folgen wir noch dem Frankenweg, aber dann heißt es Abschied nehmen – von nun an müssen wir auf die wertvollen Wegmarkierungen verzichten und einem vorher skizzierten eigenen Wegverlauf folgen. Das ist aber kein Problem – zufälligerweise laufen wir das erste Drittel des Tages auf dem ¨Fränkischen Gebirgsweg¨. Noch dazu gibt es an vielen Stellen Hinweistafeln, die uns lokale Wanderwege zu den nächsten Dörfern vorschlagen. So folgen wir zuerst dem blauen Balken, dann dem blauen Punkt, dann dem roten …

Heute geht es fast durchweg durch Wald. Im Gegensatz zu sonst wandern wir fast aussschließlich auf wurzeligen Pfaden – links und rechts, um die Ecke, zickezacke – aber leider gibt es keine Hohlwege mehr! 🙂

Auch hier – eine Akelei! 🙂
… in natürlicher Umgebung.

Im Verlauf des Tages liegen links und rechts des Weges immer mehr Steine. Die Stein werden größer und größer, Brocken … Felsen! Et voilà – wir sind in der fränkischen Schweiz!

Unser erster richtig dicker Brocken ist der Langenstein – mitten im Wald!

Der Wald wird immer wieder durch Wiesen und Felder durchbrochen. So haben wir zwar keine weiten Aussichten, aber dennoch kann das Auge schweifen.

In Rupprechtstegen treffen wir wieder auf die Pegnitz. Links und rechts gibt es viele glatte Felsen, die uns an die Sächsische Schweiz erinnern – nur so dunkel sind sie nicht, denn dies hier ist Jura-Land.

Es geht durch hübsche Dörfer und immer links und rechts der Pegnitz rauf und runter. Die Pegnitz selbst ist hier noch jung und wirkt sehr naturbelassen. Das Wasser ist grün, es gibt Forellen und jede Menge Enten und Schwäne.

Ein Schwan attackiert unaufhörlich zwei Kanus und wir sind froh, dass nicht wir die Auserwählten sind. Zum Glück sind die Leute durch das Boot etwas abgeschirmt und nehmen es mit Humor und ohne Gegenwehr. Etwas weiter oben am Flusslauf treffen wir auf die Schwanenmutter mit ihren beiden Jungen. Der Papa hat die Kanus regelrecht vertrieben!

In Velden finden wir tatsächlich eine Konditorei, die Kaffee und Kuchen serviert. Endlich! Der ¨Schwarzbeer¨-Kuchen ist vorzüglich!

Der Nachteil an selbst konzipierten Wegen ist, dass sie nicht immer so gangbar sind. So landen wir nach Velden mitten in einem aktiven Riesen-Steinbruch und werden von den vorbeifahrenden LKW ganz ordentlich eingepudert. Die Warnschilder sehen wir erst, als wir schon wieder aus der Anlage heraus sind.

Nach Engental müssen wir leider noch mal ein wenig über Asphalt, aber gerade, als es zu nerven beginnt, gibt es eine Alternative mit rotem Punkt. Obwohl wir uns genaustens an den Wegverlauf halten, müssen wir durch knietiefes Gras querfeldein marschieren und am Feldrändern entlang hoppeln. Ja sind wir denn her in Staffordshire? 🙂

In Krottensee ist alles noch so wie früher. In der ¨Linde¨ wird noch immer Hausschlachtung betrieben und die Speisekarte ist noch so rustikal wie damals. Obwohl die Wirtsleute heute Ruhetag haben, werden wir freundlichst aufgenommen und bekocht. So kommen wir trotz des Ruhetages zu einer warmen Mahlzeit und werden hier am Ende der Welt bestimmt vorzüglich schlafen!

Frankenweg, Tag 6: Altdorf nach Hersbruck

22 Kilometer

Puh, von wegen Ruhetag! In Nürnberg sind wir gestern circa 15 Kilometer kreuz und quer gelaufen …

… fast nur auf Asphalt.Wie gut, dass heute ¨nur¨ 22 Kilometer auf dem Tagesplan stehen. Mittlerweile ist so eine Distanz eher ein Spaziergang für uns. Unser jeweiliges Tagespensum hängt im Wesentlichen von den Unterkünften ab. Dabei sind 25 Kilometer für uns das ideale Maß. Man kommt nicht zu früh an und hat am Abend auch keine platten Füße. Noch dazu laufe ich seit Jahren ohne Kreuzband und nur mit einem halben Innenband- mehrere 30er hintereinander nimmt mir das linke Knie übel.

Am Morgen müssen wir zunächst mit der S-Bahn nach Altdorf zurückfahren, um dort wieder auf den Frankenweg zu kommen. Zum Glück liegt der Bahnhof dort etwas außerhalb und den Marsch durch die Gemeinde haben wir bereits am Sonntag hinter uns gebracht. So geht es schnell wieder in die Natur und wir müssen nicht lange Pflaster treten.

…der obligatorische Hohlweg

Überhaupt ist heute ein sehr schöner Wandertag. Es geht größtenteils auf schmalen Wegen und Pfaden durch einen schönen Mischwald. Und der Wald: Hier wird eine sehr schonende Waldwirtschaft betrieben, große Abholzungen wie im Schwarzwald sieht man hier nicht. Links und rechts des Weges liegt viel Altholz herum und Nadel- und Laubbäume stehen wild durcheinander.

Was uns auf dem Frankenweg generell ein wenig fehlt, sind die Aussichten. Zwar führt der Weg über viele Höhen, aber man sieht immer nur Wald. Wir können allerdings verstehen, dass für die Wanderer nicht extra Sichtschneisen geschlagen werden! 🙂

Immer wieder geht es jedoch aus dem Wald heraus und der Blick weitet sich auf Wiesen und Felder und das eine oder andere Dorf.

Tatsächlich begegen wir heute mal wieder einem Fernwanderer auf. Wow! Das ist schon der dritte in sechs Tagen und wir laufen ja entgegen der allgemeinen Laufrichtung und müssten sie alle treffen!

Ansonsten: Zweimal in Ortsnähe Hundeausführer, einen Jogger, zwei Radfahrer – that´s it!

Was das Wetter heute angeht: Kalt! Zwar wechseln sich Wolken und Sonne ab, aber es weht ein schneidender Wind. Immerhin kommen wir trocken nach Hersbruck – Das ist doch schon was! (Der Regen kommt erst, als wir schon im Gasthof sind.)

…warmer Empfang in Hersbruck…

Auch Hersbruck ist ein hübsches, altes Städtchen. Nicht zu geputzt, mit einem mittelalterlichen Marktplatz und ein paar alten Stadttürmen. Auch ein Schloss hat´s, profan als Amtsgericht genutzt.

Schade, heute können wir wieder nicht draußen sitzen. Die Windböen und gegentliche Schauer lassen das nicht zu. Irgendwie lässt der Frühsommer dieses Jahr noch auf sich warten …

…die Pegnitz bei Hersbruck – noch soo klein…

Frankenweg, Tag 4: Von Berching nach Höhenberg (Neumarkt)

33 Kilometer

Der Weg ist heute fast so schön wie immer! Vielleicht ein bisschen zu viel Schotter. Aber wieder nur wenig Asphalt, eigentlich fast nur in Ortsnähe.

Der Frankenweg ist herrlich abgeschieden. Zwar bewegt man sich hier wie fast überall in Deutschland in einer Kulturlandschaft, aber es gibt enorm große unbebaute Flächen – Landschaft pur.

Das nutzen die Franken allerdings, um Windparks großzügig auf die weiten Flächen zu verteilen.

Der heutige Weg führt uns an einigen vorbei. Die Dinger werfen einen weiten Schatten und klingen wie entfernter Fluglärm.

Wir laufen auf dem Frankenweg gänzlich ohne Papierkarten und verlassen uns auf die gute Wegkennzeichnung und auf die Karten der Outdoor Active App. Interessanterweise weicht der tatsächliche Weg manchmal erheblich von der App-Karte ab. Oft finden wir uns auf Wegschlenkern wieder, die auf der Karte nicht nachvollziehbar sind. Hä? Warum geht es jetzt hier lang?

Das Laufen nach Wegmarkierung ist jedoch wesentlich bequemer, als immer auf das Handy zu gucken. Sei´s drum, aber so werden aus 31 geplanten Kilometern dann 33 gelaufene. Statt 450 Metern Aufstieg gibt es dann 750.

Einen langen Weg soll man gemütlich angehen. Für die 33 Kilometer brauchen wir gut neun Stunden, inklusive drei Pausen. Scheinbar laufen wir relativ langsam, aber dafür geht es uns am Abend immer noch gut. 🙂

Heute haben wir zwei Rätsel für euch:

  1. Findet das schwarze Eichhörnchen.

  2. Auf einem der heutigen Bilder stimmt was nicht. Auf welchem? 🙂

Die Eindrücke des Tages:

starker Wind

ein zehnminütiger Platzregen

ein Hagelschauer

viel Sonne

bürgersteiglose Dörfer

keine Cafes, nur ein geschlossenes 😦

tief fliegende Schwalben

viel Grillengezirpe

Wolkengebirge

weite Aussichten

Laufen im T-Shirt! 🙂

Ostweg, Etappe 7: Von Freudenstadt bis Altensteig

25 Kilometer

Was ist das nur mit uns und dem Ostweg – nachdem es tagelang frühlingshaft warm war, hat uns heute Mittag der Winter wieder eingeholt.

Blöderweise hat es bei unserer Ankunft am Bahnhof in Freudenstadt gleich voll geregnet. Der Wetterbericht hat für den ganzen Tag Regen und Schnee angesagt – auweia!
Egal. Wie wollten trotzdem nicht zuhause bleiben und nun sind wir halt hier!

Friedel hat die Kamera gleich wasserdicht weggepackt, so sind alle Aufnahmen heute nur mit dem Handy enstanden.

Im Gegensatz zu den letzten Etappen haben wir heute sehr schöne Wege – kaum Asphalt, viel Wald, viel Moos, viel Blaubeergesträuch. 

Die übliche Etappe ist nur 17 Kilometer lang, bis nach Pfalzgrafenweiler. Da wir aber dort nicht übernachten und uns den langen Einmarsch in den Ort ersparen wollen, haben wir uns eine Ortsumgehung auf der Karte herausgeguckt. Wir laufen durch das Zinsbachtal – das ist zwar nicht der Ostweg, aber bedeutet insgesamt eine Abkürzung von etwa drei Kilometern bis nach Altensteig und ist bestimmt viel schöner!

Gegen Mittag ist der Regen tatsächlich in Schneeregen, Hagel und Graupel übergegangen und es ist saukalt geworden. Wir verbringen eine Schlotterpause vor einer Rasthütte mitten im Wald. Zum Glück haben wir unsere Thermoskanne dabei und können unsere eiskalten, nassen Hände daran aufwärmen.
Aber ab jetzt ist es nicht mehr ganz so nass- Schnee ist besser als Regen!

Ein Problem mit dem Wandern im Frühling ist, dass die Wege mitunter total versaut sind vom Holzschlagen. Sogar der Ostweg wird davon nicht verschont. Aber das kennen wir ja schon von den letzten Etappen …

Das Zinsbachtal ist in der Tat sehr lieblich.
Der Weg führt angenehm auf Halbhöhenlage an einer langen, blumenübersähten Wiese und einem murmelnden Bächlein entlang. Leider lassen im Graupel alle Blumen die Köpfchen hängen.


Hinweisschilder machen uns auf die Flößertradition in der Region aufmerksam. Von hier aus wurden in früheren Zeiten große Mengen an Baumstämmen über den Rhein bis nach Holland verflößt. 

Wir freuen uns, dass die Zinsbachstube zwischen Edelweiler und Wörnersberg geöffnet hat – aber was für ein skurriler Ort!
Der Laden hat seinen Zenit vermutlich schon in den 70er-Jahren überschritten und wir fühlen uns wie aus der Zeit gefallen: Im Gastraum sitzen außer uns noch eine Gruppe fideler Rentner, die plötzlich mehrstimmig Volkslieder anstimmen – schräg, aber gut! 🙂

Nun haben wir nur noch fünf Kilometer bis nach Altensteig – und mit der Sachertorte im Bauch schaffen wir die im Nu!
Zwischenzeitlich hört es sogar immer wieder mal kurz auf zu schneien. Freiheit für die Ohren, runter mit der Kapuze!

Schon um 16:30 sind wir am Gasthof ¨Traube¨, unserer heutigen Unterkunft. Der Gasthof ist günstig und das Essen ist außerordentlich lecker – aber es gibt kein WLAN und auch die Einrichtung unseres Zimmers erinnert an die 70er. Gelsenkirchener Barock in Reinform, aber uns stört das nicht.

Die Aussichten für morgen: Weitere 25 Kilometer, es bleibt zwar kalt, aber wird trockener …
Trotz des miesen Wetter war heute ein toller Wandertag, mit Wald im Wald und Grün in Grün …

Coast to Coast 6: Ausflug nach York und das Vale of Mowbray

Eigentliche Etappe Richmond nach Lovesome Hill: 24 km (nicht gelaufen!)
Zickezacke in York: ca. 12 km
nächste Etappe Lovesome Hill nach Ingleby Cross: 15 km

P1080051 Kopie

Jeder Fernwanderweg hat seine Schwachstellen: Lange Passagen über Asphalt, ödes Flachland, städtische Bebauung. Beim LECW gehörte der Asphalt-Marsch auf dem SWCP von Bideford nach Braunton nicht gerade zu den Highlights unserer Tour. Auch die flachen, matschigen Felder und Wiesen in Staffordshire lösten nur begrenzt Begeisterung in uns aus. Viele Wanderer skippen solche Passagen und nehmen den Bus oder das Taxi zum nächsten Highlight. Heute würden wir das nicht mehr tun, aber 2014 waren wir noch nicht so puristisch.

Auf dem Coast to Coast Walk gilt das Vale of Mowbray als eine dieser eher uninteressanten Etappen. Es geht durch viele Dörfer, weite Strecken führen über Country Roads und noch dazu ist das Gelände platt wie eine Flunder. Die meisten Wanderer hauen die vierzig Kilometer Strecke an einem Tag durch, aber das wollen wir uns nicht zumuten. Außerdem gibt es in unmittelbarer Nähe eine extrem attraktive Stadt, die wir unbedingt sehen wollen: York!
Statt uns also bis zu unserer nächsten Unterkunft (der Lovesome Hill Farm) die Füße plattzulaufen, lassen wir die ersten 24 Kilometer des Vale of Mowbray aus und nehmen lieber den Bus nach York. Für morgen sind immer noch 15 Kilometer vom Vale übrig, das reicht uns!

P1080011 Kopie

York ist toll! Viel Tudor …

_MG_4463_ Kopie_MG_4497_ Kopie

… viel Gotik …

_MG_4536_ Kopie_MG_4512_ Kopie_MG_4388_ Kopie

… und extrem viele Touristen! Nach der Einsamkeit der Nine Standard Riggs sind wir total überfordert!
Friedel und ich verkrümeln uns schnell auf die eher nicht so überfüllte mittelalterliche Stadtmauer, die die gesamte Innenstadt umschließt und schauen uns die Stadt von oben an.

_MG_4341_ Kopie_MG_4353_ Kopie

_MG_4357_

Carla und Christiane stürzen sich in das Gewimmel der Innenstadt mit all ihren Schokoladenmanufakturen, Straßenmusikern und kleinen Läden mit hübschem Schnickschnack, aber leider können sie nicht viel mitnehmen – Trekking ultralight! 🙂

P1080013 KopieP1080026 Kopie

Das Highlight von York ist für Friedel und mich ein stilechter Cream Tea mit Scones in einem romantischen, stillen Garten!

P1080031 Kopie
Foto von Carla

_MG_4488_ Kopie

Am Abend sind wir dann doch irgendwie wieder froh, der Großstadt zu entkommen und mit dem Zug zurück ins Vale zu fahren. Unser B&B-Wirt John holt uns netterweise am Bahnhof in Northallerton ab.

Das Schönste am folgenden Wandertag durch das Vale of Mowbray sind die Unterkünfte. Die Lovesome Hill Farm ist ein echter Bauernhof, der nebenbei noch Zimmer vermietet. Unsere Zimmer in einem Nebengebäude sind groß und gemütlich und das Frühstück mit selbstgemachter Marmelade, Eiern vom Hof und Würstchen aus eigener Herstellung ist der Knaller. Viel länger als geplant sitzen wir in der bäuerlich-gemütlichen Wohnküche und plaudern mit Mary, unserer B&B-Wirtin.

P1080045 Kopie

P1080044 Kopie
Foto von Carla

Marys Mann John ist heute sehr beschäftigt – der Schafscherer ist da! So haben wir das einmalige Glück, die Aktion aus direkter Nähe zu erleben. Und wir lernen – wenn zappelnde Schafe auf ihr Hinterteil gelegt werden, strampeln sie nicht mehr und können in aller Ruhe geschoren werden!
Die Aktion sieht auf dem Bild etwas brutal aus, aber die Schererei geht blitzschnell!

P1080050 Kopie

P1080048 Kopie
Fotos von Carla

Als wir gegen 11 Uhr aufbrechen, ist es bereits heiß und schwül. Heute wird geschwitzt!

_MG_4580_ Kopie

Tatsächlich gehört der Wandertag ansonsten zu der eher langweiligen seiner Art. Die ganze Gegend erinnert uns massiv an Steffis alte Heimat im Speckgürtel Ostwestfalens. Sogar die Holsteiner sind da!

_MG_4577_ Kopie_MG_4589_ Kopie

P1080059 Kopie
Foto von Carla

Es geht über kleine Straßen, Wiesen und sogar durch Felder!

_MG_4583_ Kopie

Wir verlaufen uns mehrere Male, denn es gibt kaum Anhaltspunkte für eine gute Orientierung. Selbst ordentliche Rastplätze sind rar … 🙂

P1080053 Kopie
Foto von Carla

Am frühen Nachmittag keimt Hoffnung in uns auf – Berge in Sicht! Und Wald!!

_MG_4604_ Kopie

Kurz vor Ingleby Cross erreichen wir – so mein  Wanderführer –  den gefährlichsten Punkt auf dem ganzen Coast to Coast Walk: Eine extrem vielbefahrene Schnellstraße. Wie die Hasen hoppeln wir ohne jede Sicherheitsmaßnahme über die Piste – und wir haben überlebt!

Ab jetzt wird’s wieder schön: Wir passieren den alten Wasserturm von Ingleby, eine alte Kapelle mit verwitterten Friedhofsteinen und Arncliff House, der Sitz des Lords all der umliegenden Ländereien.

P1080062 Kopie
Foto von Carla
P1080066 Kopie
Fotos von Carla

Endlich Die Gelegenheit für eine schattige Rast im Wald und … Trailmagic!

P1080085 Kopie
Foto von Carla

_MG_4616_ Kopie

Völlig durchgeschwitzt erreichen wir unser Parkhouse B&B, schattig im Wald gelegen – und werden von Beverley’s Mum mit einer Flasche Sekt begrüßt!

_MG_4618_ KopieP1080069 Kopie

Beverley hat sich ein paar Tage frei genommen und statt ihrer kümmern sich ihre Mum und eine Freundin um uns, wie Mama es nicht besser könnte – am Abend wird uns Fasan und Eton Mess im gemütlichen Wohnzimmer serviert, das B&B hat eine Alkohol-Lizenz … der Abend auf der Terrasse mit Blick auf das Vale und einem Glas Wein ist also geritzt!

P1080072 Kopie
Foto von Carla

Aber halt, es ist doch erst später Nachmittag!
In unmittelbarer Nachbarschaft steht die Mount Grace Priory, die wir natürlich noch mitnehmen müssen. 150 Jahre lang lebten hier jeweils um die fünfzehn Mönche in völliger Abgeschiedenheit und totalem Schweigen. Eine rekonstruierte Mönchszelle, eine Art Reihenhaus mit Feuerstelle im Erdgeschoss, darüber liegendem Schlaf- und Arbeitsraum und angrenzendem ummauerten, kleinen Garten gibt einen bedrückenden Einblick in das Leben der damaligen Bewohner. Und jetzt am frühen Abend gibt es nur noch ganz wenige Besucher außer uns …

Nach dem tollen Abendessen sitzen wir noch lange vor dem Haus und genießen den schönen Abend. Der Weg selbst war zwar nicht so ereignisreich, aber der Start und das Ziel allemal!

P1080070 Kopie

P1080076 Kopie
Fotos von Carla

 

 

 

Coast to Coast 4: Durch’s Eden Valley von Bampton nach Kirkby Stephen

Tag 6 und 7 auf dem nordenglischen Coast to Coast Walk Mai 2014:
Bampton Grange-Orton: 18 Kilometer
Orton-Kirkby Stephen: 19 Kilometer

_mg_3922_ kopie

Oh, elysisches Eden-Valley! So grün! So fruchtbar! So weit und eben! 🙂

Die nächsten zwei Wandertage des C2C stellen eine Art Übergang von den Bergen des Lake Districts zu den Pennines dar, dem großen Hochmoor in der Mitte Englands. Zwar ist das Eden Valley landschaftlich nicht ganz so spektakulär wie der Lake District und die vor uns liegenden Yorkshire Dales, aber wir freuen uns, dass wir uns in der sanft-hügeligen Landschaft ein wenig von den Strapazen der letzten Tage erholen können!

Als wir vier am Morgen in Bampton Grange aufbrechen, verlaufen wir uns erst mal ordentlich. Bampton liegt ja etwas abseits vom C2C und unser Plan ist, uns über Wiesen zur nächsten Wegmarke durchschlagen, zur Shap Abbey. Auf der Karte gibt es einen eingezeichneten Weg über die Wiesen, allerdings existiert der in der Realität gar nicht! So ist das, wenn man sich abseits der ausgetretenen Pfade bewegt – man muss sich im wahrsten Sinne des Wortes „durchschlagen“!

Zwei freundliche Bewohner des kleinen Örtchens Rosgill lassen und über ihr Grundstück laufen und erklären uns den richtigen Weg. Die beiden sind den C2C vor zehn Jahren gelaufen und schwärmen noch heute davon. Also flugs über die Mauer und auf  zur alten Abtei!

dsc_0653 kopie
Foto von Christiane
p1070892 kopie
In der Senke: Die Abbey

Das Highlight des heutigen Tages ist Shap Abbey. Die alte Klosteranlage wurde Ende des 13. Jahrhunderts erbaut, jedoch ist wenig über die weitere Geschichte der Abtei bekannt. Die mönchische Gemeinschaft wurde 1540 aufgelöst, als Heinrich der Achte (Henry XIII) das Kloster schließen ließ und an einen seiner weltlichen Vasallen verschenkte, wie so viele andere katholische Einrichtungen in England. Seitdem verfällt die Abbey. Wir aber sind erstaunt, dass von dem alten Gemäuer noch so viel erhalten ist und freuen uns über eine sonnige Mittagspause in der ansonsten menschenleeren Anlage.

p1070894 kopie
Foto von Carla

_mg_3932_ kopie_mg_3933_ kopie

Das Dörfchen Shap selbst gibt nicht viel her. Allerdings gibt es dort einen Laden, in dem wir unsere Vorräte wieder aufstocken können.
Der nächste Abschnitt ist nicht so schön: Wir müssen an einem riesigen Steinbruch vorbei und über eine fiese Autobahn, zum Glück gibt es eine Brücke. Das Eden Valley zwischen den Gipfeln des Lake Districts und den flachen Kuppen der Pennines war früher wie heute eine wichtige Passage zwischen Nord- und Mittelengland – und irgendwo müssen die Autobahnen ja hin. Immerhin sind die Highways nicht ganz so allgegenwärtig wie im Autoland Deutschland …

So freuen wir uns schon auf eine andere, ganz besondere Straße – auf unserer Karte sind eine Römische Straße und ein Steinkreis eingezeichnet. Jedoch erkennen wir in der Landschaft weder das eine noch das andere – irgendwie haben wir nicht das Auge für solche archäologischen Besonderheiten!

Dafür gibt es satte Wiesen, alte Mauern, verfallene Gehöfte und Ställe – und weite Blicke über das Grasland und die Berge vor und hinter uns.

p1070904 kopie_mg_3992

_mg_4070 kopie

Mit dem Eden Valley haben wir Kalkstein-Gebiet betreten – überall auf den ansonsten grünen Wiesen finden sich weiße Farbtupfer – Steine und Schafe!

_mg_4129_ kopie_mg_3977_mg_4020

Am Nachmittag zieht Regen auf, aber das schreckt uns nicht – bald sind wir in Orton und der dunkle Himmel und ein Regenbogen sind der krönende Abschluss unseres heutigen Wandertages, auch wenn wir ein wenig nass werden.

_mg_3987

_mg_4001

Orton ist ein wirklich hübsches Dörfchen, geschützt in einer Senke gelegen, mit hübschen Vorgärten voller Blumen und kreativer Figuren.  Das Klima hier soll sehr gesundheitsfördernd sein – das Dorf ist bekannt dafür, dass viele Bewohner über 100 Jahre alt werden!

_mg_4010_mg_4012

Das George Hotel ist eine der wandererfreundlichsten Herbergen, in denen wir je übernachtet haben: Sofort beim Einchecken werden uns unsere nassen Schuhe abgenommen und in einen Trockenraum gebracht. Wir könnten unsere Wäsche zum Waschen abgeben und auch ansonsten ist der Laden superfreundlich und gut geführt. Da freut sich das Wandererherz! 🙂

p1070907 kopie

Am nächsten Morgen auf dem Weg nach Kirkby Stephen wird es rauher, sowohl landschaftlich als auch wettertechnisch. Glücklicherweise regnet es nur wenig, aber die Wiesen sind patschnass. Auch die Landschaft wird zunehmend mooriger – die Yorkshire Dales nahen!

_mg_4139_ kopie

dsc_0842 kopie
Foto von Christiane

Wir alle fluchen ein wenig wegen der vielen Pfützen und nassen Passagen, die es heute zu überspringen und zu durchwaten gilt – aber noch Schlimmeres wird kommen! 🙂

Unsere Mittagspause  verbringen wir im „Paradies“: Das Smardale mit seinem alten Eisenbahnviadukt ist eine grüne Oase in der ansonsten kargen Moorlandschaft.

_mg_4087 kopie

_mg_3969
Blick zurück zum Lake District

Als wir nach neunzehn Kilometern in der Kleinstadt Kirkby Stephen ankommen, sind wir trotzdem recht entspannt  – der Weg war zwar etwas nass, aber nicht besonders anstrengend. Wir freuen uns auf eine schöne Dusche und ein Ale in unserem Hotel „Black Bull“. Doch der Wirt an der Rezeption kann unsere Buchung nicht finden – oh Schreck!!!
Steffi hat den blödesten Buchungsfehler ihrer Hiking-Karriere verzapft – statt drei Zimmer für den 26. Mai hat sie die Zimmer für den 26. April gebucht! Das Hotel hatte die 190 Pfund für den Aufenthalt sogar schon von der Kreditkarte eingezogen – aber sie hatte es für eine Vorauszahlung gehalten!
Glücklicherweise ist das Hotel aber heute nicht voll ausgebucht und wir bekommen unsere Zimmer – und das alles ohne Aufpreis! Vielen Dank, Black Bull!

Den Abend verbringen wir Karten spielend im gemütlichen Pub. Die Stadtbesichtigung verschieben wir auf morgen! 🙂

 

p1070936 kopie

Coast to Coast 3: Von Grasmere über Patterdale nach Bampton Grange

Tag 4 und 5 auf dem Coast to Coast Walk Mai 2014:
Grasmere-Patterdale: 15  Kilometer
Patterdale-Bampton Grange: 23 Kilometer

2014-05-23 12.52.53 Kopie

P1070854 Kopie
(Foto von Carla)

Im Tal in Grasmere ist es noch schön, als wir nach einem tollen Frühstück in unserem B&B aufbrechen. Beim Aufstieg (550 Höhenmeter) weht jedoch ein eisiger Wind von vorn, der uns den Weg zum Grisedale Tarn erschwert. Je höher wir steigen, desto mehr versinken wir in den Wolken – was für ein Unterschied zu den angenehmen Temperaturen der letzten Tage!  Zum Glück haben wir heute auf der Hauptroute des C2C von Gramere nach Patterdale nur 15 Kilometer vor uns. Den Gedanken, die Variante über die berühmte Striding Edge und den Berg Helvellyn zu nehmen, verwerfen wir schnell, als wir oben in die Wolken eintauchen – zu windig, zu neblig und zu kalt heute …

_MG_3742_ Kopie

_MG_3733_ Kopie

So bleibt uns nichts anderes, als stramm bis zum Grisedale Tarn durchzumarschieren. Oben am See gibt es jedoch kein windgeschütztes Plätzchen für eine Pause, also laufen wir weiter bis zur Ruthwaite Lodge, in deren Windschatten wir unsere Mittagspause einlegen.

P1070855 Kopie
am Grisedale Tarn (Foto von Carla)
2014-05-23 15.06.04 Kopie
Ruthwaite Lodge

_MG_3833_ Kopie

Nach der Lodge sind wir froh, als wir wieder vom Berg runterkommen. Die letzten sieben Kilometer geht es durch das liebliche Grisedale und das Patterdale über Wiesen zu unserem B&B, der Greenbank Farm. Welch ein Kontrast zu dem fiesen Wetter oben auf dem Berg!

_MG_3758_ Kopie

_MG_3756_ Kopie
im Grisedale

Auf diese B&B-Unterkunft auf einer echten Schafs-Farm sind wir ganz besonders gespannt. Wir haben alle drei Zimmer gebucht, die dort angeboten werden. Beim Anmarsch auf die Farm werden wir gleich von einem Rudel Border Collies begrüßt – Beverley und ihre Familie haben 19 Hüte-Hunde, die sich freudig auf uns stürzen!

Am Abend werden wir von Beverley fürstlich bekocht. Das Drei-Gänge Menü besteht aus Suppe, Hühnchen mit Kartoffeln und Gemüse und …. Sticky Toffee Pudding!!!
Das ist unsere erste Bekanntschaft mit dieser extrem süßen und tatsächlich klebrigen Nachspeise. Christiane und Carla kriegen das Zeug nicht runter und ich überlasse die Hälfte meines Desserts gern dem Friedel – der isst alles, was süß ist …

Am Abend wollen wir noch eine Runde um das Haus drehen, aber die Hunde warten schon auf uns. Besonders begeistert sind sie von Carla, sie springen gleich begeistert an ihr hoch und verdrecken ihre hellblauen Abend-Sneakers. Nee, da bleiben wir den Rest des Abends dann doch lieber im Haus … 🙂

_MG_3794_ Kopie

Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf, denn es wartet die anstrengende Abschluss-Etappe des Lake Districts auf uns – auf den ersten sieben Kilometern haben wir einen Anstieg von 650 Höhenmetern zum Kidsty Pike.

_MG_3798_ Kopie
die ersten Meter am Morgen …

Als wir die ersten 300 Höhenmeter Anstieg schon geschafft haben, gibt Carla für heute auf – zu anstrengend waren die letzten Tage und zu lang erscheint ihr der Weg, der heute noch vor uns liegt. Dabei hat sie die Hälfte des Aufstiegs schon geschafft! Unser gutes Zureden hilft nichts, sie steigt wieder ab und macht sich einen schönen Tag mit einer Bootsfahrt über Ullswater, einem Einkaufsbummel in Penrith und einer Taxifahrt nach Bampton, wo sie uns am Abend wieder in Empfang nehmen wird. Die gute touristische Infrastruktur im Lake District macht diese Solotour möglich und alle Beteiligten sind zufrieden.

_MG_3795_ Kopie

_MG_3799_ Kopie
rechts am Berg: Der Anstieg zum Angle Tarn

Der Aufstieg zum Angle Tarn und weiter zum Kidsty Pike (780 Meter) hat es in der Tat in sich – zwar ist es nicht ganz so kalt wie gestern, aber der Wind pfeift uns dreien trotzdem ordentlich um die Ohren. Es ist nicht zu glauben: Zwar sind die Berge hier nur selten über 800 Meer hoch, aber es herrschen alpine Verhältnisse! Wir sind froh über unsere langen Hosen und tragen wegen des Windes freiwillig unsere Regenjacken. Währenddessen überholen uns verrückte Engländer in kurzen Hosen und Träger-Shirts und tragen ihre Mountain Bikes auf dem Rücken den steinigen Pfad hoch …

_MG_3824_ Kopie
Angle Tarn

Der Grat kurz vor dem Gipfel heißt „High Street“, und so kommt er uns auch vor: Heute am Samstag sind Unmengen von Radfahrern und Wanderern unterwegs. Es ist schwer, auf dem Gipfel ein windstilles Plätzchen für unsere Mittagspause zu finden – hinter allen Steinen kauern Leute.

_MG_3849_ Kopie
Kidsty Pike

Der Abstieg vom Kidsty zum Haweswater herunter ins Tal ist mörderisch steil – da hätte Carla aber geflucht!
Im Gegensatz zu den vielen anderen Seen im Lake District ist Haweswater ein Stausee. So gibt es keinen direkten Zugang zum See, das Ufer ist komplett eingemauert bzw. eingezäunt. Schade eigentlich! Zumindest finden wir ein schönes Plätzchen für unsere Kaffeepause.

_MG_3888_ Kopie

_MG_3874_ Kopie

Der Weg zieht sich ewig am Westufer des Sees entlang. Nach der Staumauer und einem kleinen Wäldchen öffnet sich die Landschaft und wird plötzlich flach – der Lake District liegt hinter uns.

Unser Inn in Bampton Grange liegt zwei Kilometer vom C2C ab, aber das macht uns gar nichts – heute haben wir uns unser Ale bzw. das Cider für Christiane redlich verdient! Auf einer Bank vor dem Inn wartet Carla schon auf uns – wir sind wieder vereint! 🙂

_MG_3919_ Kopie
Bampton Grange
P1070882 Kopie
Unser Inn in Bampton Grange (Foto von Carla)

Wir wünschen euch alles Gute für 2019!

 

 

 

Coast to Coast Walk 1: Vom Meer in die Berge

Erster Tag auf dem C2C: St Bees nach Ennerdale Bridge (23,5km)

P1070715 Kopie
Steffi, Christiane, Carla und Friedel auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof – Letzte Chance, Ballast abzuwerfen! (Foto von Jürgen)

Im Mai 2014 hat unser Großbritannien-Abenteuer seinen Anfang genommen. Zwar waren Friedel und ich schon mal wandern und campen in Schottland, aber der C2C mit Carla und Christiane war unser erster Wanderurlaub in England. Seitdem sind wir England-Fans!

Ausgangspunkt unseres 16-tägigen Wanderabenteuers ist St Bees an der Irischen See – ein eher langweiliges Örtchen, aber mit bequemem Bahnanschluss nach Carlisle und Manchester. Die Küste dominiert ein riesiger Trailerpark, etwa halb so groß wie der Ort selbst – schauderhaft!

_MG_3135_ Kopie

_MG_3132_ Kopie

Heute werden wir knapp 24 Kilometer von der Küste bis zum Beginn des Lake Districts nach Ennerdale Bridge laufen – eine abwechslungsreiche Etappe erwartet uns!

P1070765 Kopie
Offizieller Start des C2C (Foto von Carla)
20140604163248g Kopie
Info Tafel in St Bees am Start. Die Karte wurde von Alfred Wainwright selbst gezeichnet. (Foto von Carla)

Am Anfang eines jeden Coast to Coast Walks steht die Tradition: Alle Wanderer dippen ihre Wanderschuhe kurz in die Irische See und suchen sich am Strand von St Bees einen schönen Stein aus, den sie 300 Kilometer bis an die Nordsee nach Robin Hood’s Bay tragen. Dort erfolgt dann eine erneute Schuhwäsche und man wirft den Stein in die Nordsee – so hat es Meister Wainwright verfügt! 🙂

P1070767 Kopie
Friedel, Steffi und Christiane bei der Auswahl eines würdigen Reisebegleiters (Foto von Carla)

Die ersten sieben Kilometer geht es an der Küste entlang. Es gäbe auch eine Abkürzung durch das Hinterland, mit der man sechs Kilometer der heutigen Gesamtstrecke sparen würde. Wir aber halten uns an das Original und genießen die Seeluft und den Blick auf das Meer und die Steilküste. Das Wetter wird im Laufe des Vormittags auch immer besser!

P1070774 Kopie

_MG_3204_ Kopie

2014-05-20 10.20.26 Kopie
St Bees Head
2014-05-20 10.22.46 Kopie
St Bees Head
_MG_3219_ Kopie
Weg von der Küste

Wie bedauerlich, dass wir nach zweieinhalb Stunden Bummelei die Küste verlassen müssen – der Lake District und somit die Berge rufen uns!

Der folgende Abschnitt bis nach Cleator (8 Kilometer) führt uns durch eine leicht hügelige Kulturlandschaft, die schon einiges zu bieten hat, was uns an englischen Landschaften so gefällt: Sümpfe, Schafe, moosige Mauern und knorrige Bäume.

P1070785 Kopie
Foto von Carla

_MG_3240_ Kopie

_MG_3228_ Kopie

_MG_3243_ Kopie

Mittlerweile ist es ziemlich heiß geworden und wir freuen uns, dass es in Cleator einen Village-Store gibt, der Eis und kalte Getränke verkauft. Zwar müssen wir damit vor dem Laden auf dem Bordstein sitzen, aber die Abkühlung tut uns allen gut. Hier kommen wir mit einigen freundlichen Einwohnern des alten Industrie-Städtchens ins Gespräch. Die Menschen dort sind dem Coast to Coast Walk gegenüber sehr positiv eingestellt, bringt er doch ein bisschen Leben in den ansonsten verschlafenen Ort …

In Cleator trennt sich unsere Gruppe in zwei Parteien: Carla und Christiane laufen über die Landstraße nach Ennerdale Bridge, denn so ersparen sie sich den Aufstieg auf den Dent, den ersten Hügel des Lake Districts. Das bedeutet für die beiden allerdings sieben Kilometer Pflaster treten – auch kein Zuckerschlecken!

DSC_0362 Kopie
Carla auf dem Weg nach Ennerdale Bridge (Foto von Christiane)
DSC_0341 Kopie
Brücke über den River Ehen (Foto von Christiane)

Friedel und ich wählen die zwei Kilometer längere Route über den Hügel. Der ist zwar nur 352 Meter hoch, aber es geht fast 300 Meter recht steil nach oben. Erst durch einen Zauberwald …

_MG_3259_ Kopie

… dann über die kahle Kuppe des Dent …

_MG_3269_ Kopie

… bis zum „Gipfel“, der eher ein Hochplateau ist.

2014-05-20 17.32.21 Kopie

Wenn es nicht so diesig wäre, hätte man einen tollen Ausblick auf die Berge vorn und auf die Küste hinten – heute ist die Sicht leider nur mäßig.

_MG_3274_ Kopie
Blick auf die ersten Hügel des Lake Districts

Beim Abstieg verlaufen wir uns erst mal gründlich. In diesem Urlaub haben wir noch nicht unsere tolle OS-Karten-App, sondern laufen konventionell mit der Strip-Map von Harvey. Wegweiser sind auf dem C2C auch nur spärlich vorhanden. Noch dazu zieht ein Gewitter auf. So können wir die schöne Landschaft leider gar nicht richtig genießen.

_MG_3288_ Kopie
Steiler Abstieg vom Dent
_MG_3284_ Kopie
Uldale

Nach zwei Kilometern unfreiwilligem Umweg durch den Lowther-Park-Wald treffen wir wieder auf die Original-Route am Kinniside Stone Circle. Das ist unser erster Steinkreis – zwar etwas mickrig und wohl nicht ganz echt, aber wir finden ihn beindruckend!

2014-05-20 19.35.22 Kopie
Kinniside Stone Circle

Mittlerweile ist das Gewitter bedrohlich nah gekommen. Es donnert und blitzt bei unserem Abstieg ins Tal, aber wir schaffen es noch gerade rechtzeitig in unsere Unterkunft im „Fox and Hounds“, bevor es richtig zu regnen beginnt. Christiane und Carla haben sich schon Sorgen gemacht und kommen uns am Ortseingang entgegen!

Den Abend lassen wir gemütlich im Pub ausklingen. Christiane hat heute Geburtstag und Carla zaubert eine Tischdecke, ein Schoko-Törtchen, Kerzen und Servietten aus ihrem Rucksack. Sogar eine Blumenvase hat sie dabei! (Wir werden uns demnächst noch wundern, was sie noch alles in ihrem Rucksack hat und davon ganz massiv profitieren! 🙂 )

P1070798 Kopie
Das „Fox and Hounds“ in Ennerdale Bridge – wir haben alle drei Zimmer belegt!

Vielen Dank an Carla, Jürgen und Christiane für die Fotos!

Cairngorms, Corrieyairak und der Cape Wrath Trail – Jetzt wird’s lustig!

Morgen geht’s los auf unsere achte und damit vorletzte Etappe unseres langen Weges durch Great Britain. Wir fangen in Blair Atholl am Schloss wieder dort an, wo wir im Mai 2017 (mit Carla) aufgehört haben. Erst kürzlich eingestiegene Leser mag unsere Springerei etwas verwirren – In der Tat haben wir bei unserem letzten Abenteuer in diesem Mai ja gerade unseren Einmarsch nach Schottland gefeiert. Da wir aber schon im Frühling 2017 durch Central Scotland gelaufen sind, springen wir nun direkt bis zum Eingang des Cairngorms National Parks nach Blair Atholl und laufen wieder durch den Schlosspark.Die ersten drei Wandertage geht es durch das Glen Tilt und das Glen Feshie nach Newtonmore. Auf dieser Etappe werden wir drei Nächte hintereinander zelten, denn es gibt dort nichts – außer Natur und frischer Luft!

Von Newtonmore (es gibt Hotels und einen Supermarkt!) geht es durch das Glen Banchor bis nach Laggan und von dort aus über den Corrieyairak-Pass bis nach Fort Augustus am Loch Ness. Hier können wir wieder einkaufen und im Hostel duschen. Dann ein kleines Stück auf dem Great Glen Way nach Südwesten bis zum Hostel nach Invergarry, und dann steigen wir von der Seite auf den Cape Wrath Trail ein: Ab jetzt wird’s richtig wild!

Eine Nacht auf weichen Kissen im Cluanie Inn wollen wir uns auf jeden Fall gönnen, aber von da ab ist nichts mehr vorgebucht: Wir werden auf jeden Fall versuchen, uns bis Shiel Bridge durchzuschlagen (Resupply an der Tankstelle!!!) und dann je nach Wetter eine der Varianten wählen, die uns bis ins Atterdale zur Bahnstation Achnashellach führt.

Insgesamt werden wir dieses Mal 270 Kilometer in 14 Wandertagen zickzack Richtung Norden laufen – und dabei alles mitnehmen, was die Highlands landschaftlich zu bieten haben. Drückt uns die Daumen, dass die Füße und Knie mitmachen! 🙂

robr - 538
„The Soldier’s Leap“ in Killiecrankie, kurz vor Blair Atholl

 

Wasser gibt’s genug in Schottland …

 

pen1_ - 481
(okay .. das war in Yorkshire ..:-))

… aber ist das auch trinkbar? 🙂

Eigentlich trinken wir auf unseren Touren zu wenig Wasser – meistens nur den knappen Liter Tee, den wir in unserer Thermosflasche mitschleppen. Für warme Tage hatten wir bisher auch noch eine Sigg-Flasche (1 Liter) dabei, die wir aber selten geleert haben. In der Regel sind wir ja auch im Mai bzw. im September/Oktober unterwegs, da ist es in Großbritannien nicht so heiß. Unser Feuchtigkeits-Defizit haben wir am Abend dann einfach mit Ale ausgeglichen!

whit_-162.jpg

 

pen1_-82.jpg

Wozu auch unnötiges Gewicht für das Wasser mitschleppen, wenn man es eh nicht braucht?

Im Notfall habe ich auch schon mal Wasser aus einem Bach getrunken, das ist (zum Glück) auch gut gegangen. Aber wie unangenehm ist es denn, wenn man das Wasser aus einem murmelnden Gebirgsbach trinkt und oberhalb des Pfades dann auf eine intensiv bewirtschaftete Schafweide trifft?

Jetzt – haha! – haben wir uns was ganz besonderes zugelegt. Auf diese Neuanschaffungen sind wir ganz besonders stolz. Steffi and Friedel proudly present: 

„Life Straw Go“ mit zugehöriger Wasserflasche!

2018-08-21 16.54.07

und ….

Wasserentkeimer „Steripen Adventurer“!

2018-08-21 17.01.40

Der Life Straw wiegt mit Flasche nur 194 Gramm und man kann sich das (unbehandelte) Wasser aus der Flasche direkt durch den Filter in den Mund ziehen. Der Aktivkohle-Filter filtert die Schwebstoffe heraus und angeblich 99,9 Prozent aller Bakterien und Protozoen (z.B. Trichinen) und Chemikalien. Besonders toll: Das Ding braucht keine Batterien!

Nicht so wirksam ist der Filter allerdings bei Viren. Deshalb kommt auch noch der Steripen mit, dessen UV-Licht auch diese eliminiert. Der Steripen wiegt zwar auch noch mal 103 Gramm (inklusive Batterien), aber mit dem Set sind wir dann auf der ganz sicheren Seite. Mit 300 Gramm Gesamtgewicht in der Seitentasche filtern wir uns dann unser „Wasser-to-Go“ und lassen die Sigg zuhause – 700 Gramm gespart!

So können wir (außer Salzwasser) nun jede Art von Wasser trinken!

sose_ - 106

 

The Highlands are calling our names!

P1000499

Nur noch sechs Wochen bis zu unserem wilden Camping-Abenteuer!

Mensch, was freuen wir uns schon auf unseren nächsten Wanderurlaub Ende September! Wenn die anderen wieder arbeiten müssen, dürfen wir endlich los! 

Während sich Friedel zwischen unseren Urlauben mit dem Dachbodenausbau unseres alten Hauses fit hält …

20171213_172126

… renne ich voll bepackt die Alb rauf und runter. Die Knie sollen ja nicht schlapp machen, oder? Dieses Mal erwartet uns nämlich eine besondere Herausforderung: Wir campen!
Mit leichtem Gepäck hupfig über die Mauer, DAS WAR MAL!

DAS ist ein Rucksack für’s Campen!

2018-08-14 17.37.37

Auf unseren Etappen eins bis sieben unseres Weges durch Great Britain konnten wir bequem in Hotels und B&Bs übernachten. In Nordschottland werden wir diesen Luxus jedoch nur noch gelegentlich genießen können. Statt der üblichen 5,5 Kilo Gepäck werden es dieses Mal fast neun. Dazu kommen noch bis zu drei Kilo Verpflegung. 

Unser letzter großer Campingurlaub (der war auch in den Cairngorms) liegt bereits elf Jahre zurück. Damals haben wir unter unseren großen Rucksäcken geächzt und nachts trotzdem wie die Schneider gefroren. Und das war im August!

IMG_2514
(2007 haben wir uns noch den Luxus eines schweren Tarps gegönnt. Heute undenkbar! :-))
IMG_2562(Damals im August am Loch Avon)

So brüte ich (Steffi) schon seit Wochen über unserer Ausrüstungsliste – Es gilt, das richtige Gleichgewicht zwischen „Ultralight“ und Bequemlichkeit zu finden, schließlich sind wir ja beide schon Ü-50!

Bei den letzten Touren haben wir schon die eine oder andere Änderung bei unserer Ausrüstung vorgenommen und einige Neuanschaffungen flugs wieder aussortiert: Die Goretex-Leichtwanderstiefel hielten leider doch nicht dicht. Der berüchtigte „Helm“-Wind hätte uns mit unseren Lightweight-Trekking-Regenschirmen fast von der Burbage Edge geweht. Die elektrischen Schuhtrockner waren eine tolle Idee, aber sie trocknen einfach zu langsam …

In den nächsten Tagen stellen wir euch unsere neue Trekking-Liste vor und wollen euch zudem einige unserer bereits getesteten und neuen Ausrüstungsgegenstände zeigen und die eine oder andere Erfahrung mit euch teilen. 

Hier also unsere Erkenntnis Nummer 1: 

Embrace wet feet!
Man, was haben wir uns in früheren Jahren über teure, schwere, undichte Goretex-Stiefel geärgert!

Seit drei Jahren wandern wir nur noch in Trailrunning-Schuhen. In Kombination mit den wasserdichten Socken von Sealskinz bleiben unsere Füße zwar so auch nicht immer trocken, aber zumindest sind die Schuhe leichter, billiger, bequemer und trocknen schneller. Auch die Bedenken, dass man in den Turnschuhen schneller umknickt, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Wir lieben unsere Brooks bzw. Asics und die Sealskinz!

Unser ersten Trailrunner und die wasserdichten Socken haben nun ihr Leben auf dem Pennine Way ausgehaucht. Durch die Socken schwappte das Wasser. Und das Profil der Schuhe war schon ganz abgelaufen und wir mussten sie unterwegs mit Kinesio-Tape kleben. Doch haben sie uns mehr als 1000 Kilometer treu begleitet. Nun heißt es Abschied nehmen, aber ihr werdet immer einen Ehrenplatz in unserem Schuhregal behalten!

2018-08-14 15.55.06

Die nächste fancy Generation ist schon da und bereits eingelaufen … 🙂

2018-08-14 16.01.24

Erkenntnis Nummer 2: 

Gekocht wird jetzt leichtgewichtig!
Der gute alte Trangia Spiritus-Kocher ist immer noch für den Chinese Hotpot auf der Terrasse gut. 🙂

2018-08-11 18.18.20

Aber leider bringt er auch ohne den Wasserkessel 900 Gramm auf die Waage. Unser neuer Traildesigns Caldera Cone besteht eigentlich nur aus zwei flachen Alu-Blechen und einer umgearbeiteten Blechdose als Brenner. Letztere ist uns jedoch zu wacklig und zu wenig regulierbar, also kommt der Brenner vom Trangia doch mit. Zusammen mit den beiden neuen Titan-Töpfen von Evernew (genau passend zum Caldera Cone) wiegt das Ensemble nur 460 Gramm. Die Hälfte! Und er kocht einen Liter Wasser schneller als der Trangia! Ich habe selbst die Zeit gestoppt! Hach, was kann die Steffi sich begeistern! 🙂

2018-08-14 16.51.29

Hier ein Vorgeschmack auf die nächsten Titel, die da kommen werden:

Nie wieder frieren!

Wasser? Gibt’s genug in Schottland!

Ob das Zelt wohl hält?

Mücken sind nun wahrlich kein Entzücken.

Luxus, den wir uns nicht nehmen lassen. Oder: Das kommt mit! Koste es, was es wolle!

und … jedes Gramm zählt! 🙂

2018-08-14 16.58.18