DDLN Etappen 58 und 59: Durch die Ostheide und das Wendland von Wahrenholz nach Reddereitz

16.05.2022: Wahrenholz nach Bad Bodenteich 28 Kilometer
17.05.2022: Bad Bodenteich nach Reddereitz 30 Kilometer

„Grüner geht’s nicht!“
Das beschreibt unsere zwei nächsten Wandertage auf unserer Deutschlandtour, dieses Mal durch die Ostheide und das Wendland, am besten.

Gern hätten wir uns weiter östlich gehalten und wären heute, an unserem dritten Wandertag im Mai 2022, lieber der Originalroute des E6 über Oerrel und Hankensbüttel gefolgt. Vielleicht hätten wir dann ein bisschen mehr Heidekraut gesehen und weniger Wald. Der E6 schlägt jedoch einen großen Haken nach Westen und leistet sich dabei auch noch den einen oder anderen Schlenker nach links und rechts. Flugs wären da auf der Originalroute des E6 satte 37 Kilometer bis nach Bad Bodenteich zusammengekommen – für uns eindeutig zu viel. Deshalb habe ich uns eine direktere Route zusammengebastelt, die uns in einer geraden Linie durch die Wälder westlich der Ise bis nach Wentorf leitet, wo wir dann wieder auf den E6 treffen und erneut entlang des Elbe-Seitenkanals Bad Bodenteich erreichen. Von dem Kurort hatten wir zuvor noch nie gehört – aber hier gibt es Abendessen und Bett!

Schön sind die Wälder rechts des Flüsschens Ise. Das ganze Gebiet „Ise mit Nebenbächen“ ist Naturschutzgebiet und wir wandern auf größtenteils schnurgeraden Wegen durch einen lichten Nadelwald mit Blaubeergebüsch und feuchtem Unterbewuchs. Friedel nennt solche Abschnitte oft „Wald im Wald“, was sehr schön beschreibt, dass es im Unterholz viel zu bestaunen gibt. Mitunter bricht die Waldlandschaft auf und wir erhaschen einen Blick auf sattgrüne Feuchtwiesen mit Binsen und Mengen an Schmetterlingen. Aber leider haben wir kaum die Muße, das schöne Arrangement ausgiebig zu betrachten und zu fotografieren …

… denn hier gibt es UNMENGEN an Mücken!

Die Mistviecher lieben vor allem den Friedel. Flügelschlagend eilen wir durch den Wald, denn viel Bewegung verhindert die Landung der Insekten auf Haut, Hose oder T-Shirt. Wir stellen nämlich fest, dass unsre Merinoshirts nicht mückenfest sind – verdammte Hacke!

Im Gegensatz zu sonst renne ich HINTER Friedel durch den Wald, wo ich dich sonst immer vorne laufe. Dabei schlage ich ihm die eine oder andere Mücke von den hinteren Waden oder aus dem Nacken. Keine Ahnung, warum der Friedel bei den Viechern so beliebt ist!

So manch schönes Fleckchen lädt zu einer Teepause ein, aber die Mücken geben uns keine Ruhe. So fliegen wir förmlich durch den Wald und freuen uns, dass wir nach sechzehn gehetzten Wanderkilometern bei Alt-Isenhagen endlich aus dem Waldsumpf auftauchen können. An der Böschung zum Elbe-Seitenkanal dürfen wir nun endlich eine wohlverdiente Pause einlegen.

Heute sind jede Menge Schiffe auf dem Kanal unterwegs und wir sitzen recht lange da und schauen zu, wie die bunten Kähne an uns vorbeiziehen. Diese Form des Transports von Waren und Rohstoffen finden wir gut!

Heute am Montag sind am Kanal viel weniger Radler unterwegs als gestern am Sonntag. Dementsprechend gemütlich können wir nebeneinander laufen und gemütlich wandern wir die restlichen neun Kilometer bis zu unserem Endziel für heute, Bad Bodenteich.

Kurz vor Bad Bodenteich kommen wir noch einmal durch eine heideähnliche, mückenarme Landschaft und siehe da – es gibt sogar eine Bank. Hier trinken wir unser restliches Wasser und aus den Tiefen meines Rucksacks ziehe ich noch einige Haferkekse. Wir schon viele Male vorher stellen wir fest, dass wir diese letzten Pausen kurz vor dem Tagesziel besonders lieben. Aber natürlich nur bei gutem Wanderwetter!

Bad Bodenteich ist ein schmuckes Städtchen: Im Ortskern gibt es zwei Seen, auf denen es sogar Tretboote gibt.

Wir schätzen Bad Bodenteich vor allem für sein Eiscafé … denn da gibt es den wohlverdienten Eiskaffee, auf den sich Friedel schon seit gestern freut!

Das Eiscafé befindet sich in Bad Bodenteich hinter den Mülltonnen und Autos!

Dieses Eiscafé nun wird uns als das mit dem autistischen Kellner im Gedächtnis bleiben. Als er unserer Rucksäcke ansichtig wird, zieht er uns mit der Bemerkung ins Gespräch, dass er auch ein großer Outdoor-Liebhaber sei. Er erzählt uns minutenlang von seinen Radtouren in Italien, Frankreich und sonst wo und wir kommen kaum dazwischen. Als er mit seinem Monolog am Ende ist, kassiert er und verschwindet. Er hat nicht mal gefragt, warum wir in Bad Bodenteich sind!

Weitaus weniger gesprächig ist der Wirt im „Gasthaus zum alten Ritter“, in dem wir heute nächtigen. Wir erreichen das Themenhotel durch ein kleines Waldstück, in dem allerhand Verlustierungen des Mittelalters aufgebaut sind: Bahnen zum Bogenschießen, Buden zum Tonkrug-Werfen, hölzerne Pranger. Witzig!

Auch die Gasträume, der Innenhof und die Zimmer sind stilvoll im Mittelalter-Look gestaltet. Als wir den Wirt auf die gelungene Dekoration seines Hotels ansprechen, verzieht er keine Miene – und den Rest des Abends auch nicht mehr.

Zum Abendessen bestellen wir jeder eine halbe gegrillte Ente mit Rotkohl. Fürwahr ein ungewöhnliches Mahl! Wir schaffen jeder nur ein Viertel des fettigen, aber überaus leckeren Vogels. Beim Abräumen betonen wir dem Wirt gegenüber, dass unsere Portionen zwar wohlschmeckend, aber wirklich nicht zu schaffen seien. Wir meinen, da die Spur eines triumphierenden Lächelns auf seinem Gesicht zu sehen – und schweigend verschwindet er mit unseren Bergen an Knochen in Richtung Küche. Hintergründig – solche wortkargen Zeitgenossen sind uns weitaus lieber als Schwätzer!

Nach dem Abendessen besichtigen wir noch Burg Bodenteich. Die Anlage ist hübsch restauriert und beheimatet einige lokale Behörden und ein Museum. Extra der Burg wegen hätte sich die Anreise nach Bad Bodenteich wohl kaum gelohnt – aber für die Verdauung von halben Enten an einem lauen Sommerabend ist die Anlage absolut geeignet!

Am nächsten Tag halten wir uns ziemlich genau an dieWegführung des E6 – die knapp dreißig Kilometer bis nach Reddereitz erscheinen uns für eine Tagesetappe im Flachland gut machbar.

Heute erwartet uns ein ganz entzückender Wandertag. Zum einen ist es heute nicht so warm und schwül, es nieselt sogar. Zum anderen laufen wir heute durch äußerst abgelegene, aber sehr reizvolle Landschaften. Das Wendland ist eine alte, sehr urtümliche Region mit alten Wegen und schönen Wäldern!

Die Gegend um Bad Bodenteich herum könnte man sogar als sumpfig bezeichnen. Da es aber bei unserem Auszug aus der Stadt regnet, haben wir heute kein Problem mit Mücken. Friedel hat sich heute eh gewappnet – mit seinem (so finde ich) äußerst lächerlichen Regencape schreckt er jede Mücke ab!

Hier im Wendland wandern wir durch eine eher trockene Gegend – selbst heute, nach dem Regen, werden die Felder großräumig bewässert.

Beim Durchmarsch durch die Bewässerungsanlagen müssen wir unser Timing gut optimieren: Erst Warten, bis der Strahl sich vom Weg entfernt , dann zügig auf dem Weg voranschreiten und dabei immer die bewegliche Düse im Blick behalten. Nach dreißig Sekunden heißt es auf dem Weg nämlich wieder „Wasser Marsch!“

Das Wasser wird übrigens aus einer Art Hydranten im Boden mit dicken Schläuchen zu den Düsen geleitet. Die dicke Spulen für die Schläuche stehen überall mehr oder weniger dekorativ in der Landschaft herum.

Verrostete Wasserschlauch-Spule, vorteilhaft beleuchtet

Heute ist deutlich zu bemerken, das wir uns in einer alten und irgendwie vergessenen Kulturlandschaft bewegen. Viel Kopfsteinpflaster, alte Höfe, schattige Alleen.

Zwischendurch lange Abschnitte mit dichtem Kiefernwald. Auffällig ist der sandige Boden und die völlige Abwesenheit von Bächen und Pfützen. Knochentrocken ist es hier, jedenfalls am Boden!

In einem Waldstück kurz vor dem Weiler Gledeberg treffen wir auf etwas, was wir in Deutschland noch nie gesehen haben: Eine Hütte des Europäischen Fernwanderweg E6!

Freunde der Europäischen Wanderidee, die im nahegelegen Gledeberg wohnen, haben die Betreuung des hiesigen Abschnitts übernommen und pflegen vorbildlich Hütte, Wegmarkierungen und Informationen zum Weg. Schon den ganzen Wandertag haben wir uns über die lückenlosen Wegmarkierung seit Bad Bodenteich gewundert, die den Einsatz unserer Wanderapp nahezu überflüssig macht. In der Hütte finden wir Karten und Beschreibungen der gesamten Route von der Adria bis nach Finnland und ein Wanderbuch, in das wir uns sogleich eintragen. Der letzte Eintrag vor dem unseren ist vom Februar!

Neben den Mücken wird der Friedel dieses Mal noch von einem weiteren Ungemach geplagt: Blasen an den großen Zehen!
Noch nie in unserer ganzen Wanderkarriere hatten wir bisher Ärger damit. Andere Wanderer klagen ständig auf jeder längeren Tour über Blasen, aber wir haben darüber stets milde gelächelt. Wir hatten bisher NIE welche!

Friedel hat sich gestern Abend gut verpflastert, aber ab Kilometer 25 schmerzen die Dinger immer unangenehmer. Die letzten fünf Kilometer geht der Friedel auf dem Zahnfleisch – der Vergleich „hinkt“, ich weiß! 🙂

Kurz vor unserem Etappenziel Reddereitz kommen wir am phänomenalen „Findlingspark Clenzer Schweiz“ vorbei. Hier hatten wir gehofft, große Findlinge in ihrer natürlichen Umgebung zu bestaunen. Aber die Steine sind größtenteils künstlich angeordnet und wurden nach geologischen Erdzeitaltern klassifiziert und beschriftet. Insgesamt ein nettes Plätzchen, aber für geologische Laien wir uns eher langweilig …

„Clenzer Schweiz“ heißt die Gegend wohl, weil es hier doch tatsächlich recht hügelig ist. Am Ende des Tages müssen wir sogar einige Hügel erklimmen!

Reddereitz ist gar kein richtiges Dorf. Zusammen mit dem benachbarten Kloster und dem nördlicher gelegenen Gohlefanz kommen vielleicht fünfzehn Gehöfte plus Nebengebäude zusammen, mehr nicht. Trotzdem leistet sich der Ort den „Heidehof“, eine herrlich altertümliche Hotelanlage!

Der Heidehof kocht nur für seine Gäste. Viel zu tun hat die Wirtin nicht – neben uns gibt es noch ein älteres Paar und einen allein reisenden Mann mit Badeschlappen, den wir für einen Radler halten. Bei mittlerweile schönstem Wetter sitzt das Paar drinnen, die „Outdoor-Sportler“ auf der Terrasse. Sowohl die Innen- als auch die Außenanlagen sind gepflegt, aber konsequent-durchgestylt in den Siebzigern stecken geblieben. Herrlich!

Friedel kann ich heute nach dem Abendessen gar nicht mehr überreden, noch einen Gang durch die Ortschaften zu machen, zu sehr schmerzen seine Füße. Stattdessen sitzen wir auf dem Balkon vor unserem Zimmer und beobachten den Pferdewirt von gegenüber aus Kloster, wie er eine Stunde lang ein Pferd nach dem anderen von der Koppel holt. Ein wahrhaftig abendfüllendes Unterhaltungsprogramm!

Aber wie es immer so ist – leider haben wir keine Fotos von unserem romantischen Abend mit Kunstrasen und Monoblock-Stühlen auf dem Balkon gemacht. So bleibt uns nichts anderes übrig, als zum Schluss noch ein paar Highlights des Tages einzufügen!

In GB gibt es jede Menge nach Honig duftenden Ginster – in Deutschland duftet er nicht!

I

Wales vor unserer Haustür

Blick nach Norden zum Buchenberg

Letzte Woche musste ich beruflich mal wieder nach Stuttgart fahren. Und erneut habe ich festgestellt, dass mir das „pulsierende Leben der Großstadt“ enorm auf den Wecker geht. Stuttgart City = Autolärm, Hitze, Gestank, Geschrei und Großbaustellen. Heilfroh war ich, als ich gestern wieder in Seesen aus dem Zug stieg!

Friedel konnte ich heute zu keiner Wanderung motivieren. Deshalb beschloss ich, einfach allein eine kleine Runde zu drehen – und ich habe es nicht bereut!

Unser neuer Wohnort Seesen nennt sich selbst „Das Fenster zum Harz“, denn nur ein kleiner Teil des Stadtgebiets liegt tatsächlich im Gebirge. Die eigentliche Kernstadt und diverse Dörfer, die auch zur Stadt zählen, sind dem Harz vorgelagert. Beispielsweise vom Schildberg aus hat man einen tollen Blick über eine weite Ebene, mit Harz und Leinebergland im Hintergrund.

Blick nach Osten zum Harz

Ich liebe meine kleine Sieben-Kilometer-Runde über den Schildberg und durch das Schildautal, für die ich nur aus der Haustür treten muss. Im Herbst sowieso, aber auch im Sommer erinnert mich die Landschaft mit seinen Hügeln und den Licht- und Schattenspiel an Wales. Findet ihr nicht?

Blick nach Westen zum Heber

.. und „wilde“ Ponys gibt’s hier auch! 🙂

Erste Harzquerung 2022 Teil 3: Auf verschlungenen Wegen von Hohegeiß nach Bad Sachsa

Teil 3 unserer Brockentour an Walpurgis: 23 Kilometer, 5 Stempel
Gelaufen am 30. April 2022

Heute, am dritten und letzten Tag unserer phantastischen Harzquerung, werden wir erneut satte fünf Stempel einsammeln. Und schon der erste Stempel heute wird uns zu Wanderkönigen krönen!
Gestern haben wir nämlich unseren 49. Stempel in das Wanderheft gedrückt. Nur noch ein Stempel und wir erreichen die nächste Leistungsstufe und werden damit zu Monarchen: Bei fünfzig Stempeln gibt es die goldene Nadel mit individuellem Halbedelstein. Na, wenn das mal kein Ansporn ist! 🙂

Für heute haben wir uns einen verschwurbelten Wegverlauf ausgedacht, um möglichst alle Stempel der Region zu erreichen. Drei der Stempel werden auf dem „Harzer Baudensteig“ liegen, einem rund einhundert Kilometer langen Fernwanderweg im südlichen Harz, der Bad Grund in mit dem Kloster Walkenried an der ehemaligen Zonengrenze verbindet. Der Weg schlängelt sich über diverse Höhen des Südharzes und nimmt auf seinem Weg möglichst viele „Bauden“, also Ausflugsgaststätten der Region mit. Und da diese meistens oben auf den Bergen liegen, kommen auf den sechs Etappen des Baudenstiegs fast 4000 Höhenmeter Auf- und Abstieg zusammen.

Eigentlich reizt es uns, den Weg auch mal komplett in einem Stück zu laufen. Das machen wir dann später, wenn wir „Rentner“ sind, bereits Wanderkaiser sind und mehr Zeit haben!

Hexenhaus in Hohegeiß

Die Häuser hier im Oberharz sind in diesen Tagen festlich geschmückt: Heute ist Walpurgis und aus fast jedem Haus schauen kess die Hexen heraus. Mitunter hängen sie aber auch an Laternenpfählen!

Festliche Dekoration in Schierke

Wir sind froh, dass wir dem Spektakel heute noch entkommen werden. Wenn die ultimative Party am Abend losgeht, sitzen wir schon wieder im Zug nach Hause!

Hohegeiß lag früher direkt an der Grenze zur DDR und der Grenzzaun nur knappe 300 Meter von der Dorfkirche entfernt. Heute kann der Wanderer glücklicherweise in alle Richtungen ausschwärmen. Wir entscheiden uns für den Weg nach Westen, runter ins Tal zur Stempelstelle „Dicke Tannen“.
Um dorthin zu gelangen, steigen wir 200 Meter über die „Alte Bobbahn“ ab. Von der Sportstätte selbst ist nichts mehr zu erkennen – Aber dass es sich hier um einen historischen Weg handelt, ist am alten Kopfsteinpflaster noch deutlich zu erkennen. An solchen Stellen geht immer die Phantasie mit uns durch und wir stellen uns vor, wie hier jahrhundertelang Ochsenkarren, Heerwagen und Postkutschen auf diesen unebenen Steinen talwärts gerattert sind. Neu und unbeseelt sind dagegen die geteerten Land- und Bundesstraßen, die heutzutage die Harzorte miteinander verbinden.

Im Naturschutzgebiet „Dicke Tannen“ ist es dunkel und kalt. Leider sind mittlerweile auch hier die mächtigen und alten Nadelbäume abgestorben, die dem Ort den Namen verliehen. Der Platz mit dem Stempelkasten ist nett, aber unspektakulär. Besonders ist hier nur, dass wir an dieser Stelle unseren fünfzigsten Stempel einheimsen!

Weiter geht es auf durch das grüne Tal des Wolfsbachs weiter, in Richtung des Talorts Zorge. Das langgezogene Dörfchen touchieren wir nur an seinem nördlichen Ende, denn hier treffen wir auf den Baudensteig und es geht gleich steil nach oben. Ein Zickzackweg schlängelt sich den Berg hinauf zum „Pferdchen“, einer hübschen Rasthütte mir grandioser Aussicht zurück auf Zorge – gut gewählt, diese Stempelstelle!

Die nächste Stempelstelle „Helenenruhe“ begeistert uns weniger. Die Hütte ist total zugemüllt und als sei dem schon nicht Ungemach genug, hat irgendein Idiot auch noch direkt neben die Hütte einen große Haufen hingesetzt. Die dabei verwendeten Taschentücher fliegen bereits in der Gegend herum. Wir sagen nur „Disgusting!“ und suchen das Weite.
(Den Stempel haben wir natürlich trotzdem mitgenommen.)

Die versiffte Stempelstelle „Arme Helene“ – dezent aus der Ferne!

Nach der Helenenruhe sollten wir laut Karte an der nächsten Kreuzung nach links abbiegen. Aber Friedel entdeckt auf einem Wegweiser einen Hinweis, dass es zur Stempelstelle 163 nach rechts gehen soll. Wie bitte? Wir drehen und wenden unsere Wanderkarte und die App von links nach rechts und von oben nach unten, aber eigentlich müsste es eindeutig nach links gehen!

Oh Lob und Ehr dem segensreichen Internet! Eine kurze Recherche mitten im Wald ergibt, dass die Stempelstelle 163 „versetzt“ wurde, und zwar lockere drei Kilometer nach Norden.
Als Grund wird genannt, dass der Weg zum ursprünglichen Standort „Bremer Klippen“ dauerhaft gesperrt und „entschildert“ sei.. Interessant, denn sowohl auf unserer Wanderkarte wie auch der Karte unserer Wanderappp sind zwei große Wanderwege – der Baudensteig und auch der Kaiserweg – auf der bisherigen (und nun gesperrten) Route verzeichnet!

Nun denn .. so bald kommen wir nicht mehr in die Gegend hier, also trotten wir los zum neuen Stempelpunkt, der sich „Gipfelblick am Kaiserweg“ nennt. Die Versetzung der Stempelstelle bedeutet für uns zwei unnötige Kilometer hin und zwei wieder zurück. Und natürlich geht es auf dem Hinweg konsequent bergauf. Aber immerhin dafür dann auf dem Rückweg bergab! 🙂

Als wäre das nicht schon lästig genug, ist an der neuen Stelle auch noch der Stempel defekt. Das Motiv ist abgefallen!
In solchen Fällen wird dem Stempeljäger erlaubt, die angegebene Nummer im Stempelkasten in sein Heft zu übertragen – in diesem Falle die 939. Aber wie sieht das denn am Ende aus, wenn auf der der Doppelseite ein Stempel fehlt?
Zuhause werde ich gleich eine Defekt-Meldung an das Büro der Harzer Wandernadel absetzen. Ich erhalte eine freundliche Dankesmail – immerhin!

Der Titel „Gipfelblick auf dem Kaiserweg“ bezieht sich in diesem Falle auf den Wurmberg, den zweithöchsten Berg des Harzes. Diese besondere Aussicht wurde vermutlich erst durch das Waldsterben im Harz ermöglicht. Schauen wir mal, ob der Stempelkasten dann erneut verlegt wird, wenn die Fichten wieder nachgewachsen sind! 🙂

Nun … der Ausblick ist wirklich schön und an der Stempelstelle wurde zudem ein netter Picknickplatz angelegt. Aber die vier Kilometer Umweg nerven natürlich, zumal wir generell ungern den gleichen Weg wieder zurück gehen.

Auf einer anderen Route als der ursprünglich geplanten laufen wir weiter in Richtung Wieda, denn wir wollen es nicht riskieren, am Ende in einer Sperrung zu landen und wählen einen parallelen Weg etwas tiefer am Hang. Die „Kreuztalsklippe“ oberhalb von Wieda bietet einen weiten Blick auf die Neubaugebiete des Straßendorfs, das sich fast fünf Kilometer durch das enge Tal schlängelt. Die Gegend um Wieda ist malerisch, aber wir persönlich präferieren eher Dörfer, die einen richtigen Ortskern haben. Einige Häuser in diesem engen Tal wird im Winter die Sonne vermutlich nie erreichen. Bei unser Haussuche haben wir uns in den Internetportalen auch einige Häuser in Wieda angesehen, aber in einem Ort ohne richtige Einkaufsmöglichkeiten und ohne Bahnhof wollten wir nicht wohnen. Und Angst vor Hochwasser hätten wir hier auch!

An der Stempelstelle treffen wir einen anderen Stempelsammler, der extra mit dem Auto von Osterode nach Wieda gefahren ist, um den Stempel hier oben zu ergattern. Eigentlich finden wir es doof, extra wegen eines Stempels zu einem Parkplatz zu fahren, zum Stempelkasten aufzusteigen und schnurstracks auf gleichem Wege wieder zurück zum Auto zu gehen. Bisher haben wir uns bemüht, alle Stempelrouten mit einer „richtigen“ Wanderung zu verbinden. Abr wer weiß, wie es ist, wenn uns nur noch wenige Abdrücke fehlen und man endlich „fertig“ werden will. Unser Wanderpartner hat sein Heft bereits bis zur Hälfte gefüllt. Und das sind immerhin schon über einhundert Stempel!

Nach Bad Sachsa laufen wir eigentlich nur, weil wir uns den UNESCO-Weltkulturerbeort Walkenried für eine andere Tour aufsparen wollen. Schnellen Schrittes eilen wir durch den Friedwald in Richtung Bahnhof Bad Sachsa, denn der Zug fährt nur einmal pro Stunde und wir wollen den Zug um 16:08 Uhr noch erwischen. Da haben wir kaum Zeit, auch noch Fotos zu machen. Aber dieses witzige Schild am Ortsausgang von Wieda hat es trotzdem geschafft, fotografiert zu werden:

Kaffee? Nur 2 km zurück!

Ohne Kaffee, aber gerade noch rechtzeitig erreichen wir den Bahnhof von Bad Sachsa. Die Bahnschranken an der Durchgangsstraße sind bereits unten, aber der Haltepunkt liegt zum Glück auf „unserer“ Seite.
Im Zug leeren wir den Rest Tee aus unserer Thermoskanne und freuen uns über die tolle, abwechslungsreiche Tour, die uns zudem dreizehn Stempel beschert hat. Wir beschließen jetzt und hier, noch mehr dieser „Harzquerungen“ zu unternehmen. In drei Wandertagen sind viele solcher Touren mit den Öffis möglich und diese Art des Stempelsammelns gefällt uns am besten!

Diese Doppelseite sieht schon ganz gut aus, aber einige andere sind noch ganz leer!
Was unterscheidet „Gold“ vom „Wanderkönig“ ? 26 zusätzliche Stempel und der Halbedelstein!

Erste Harzquerung 2022 Teil 2: Auf dem Harzer Grenzweg von Schierke nach Hohegeiß

Teil 2 unserer Brockentour an Walpurgis: 24 Kilometer, 5 Stempel
gelaufen am 27. Mai 2022

Ganz wunderbar geschlafen haben wir in unserer Pension in Schierke. Das mag an den beträchtlichen Höhenmetern gelegen haben, die wir gestern auf- und abgestiegen sind. Oder an dem hiesigen Magenbitter „Schierker Feuerstein“, den wir gestern zum ersten Mal probiert haben. Vielleicht aber auch daran, dass wir sonst eher in Gasthöfen übernachten, dieses Mal aber eine ruhige Pension gewählt haben. Nachts war’s tatsächlich wunderbar leise!

Am Frühstück in der Pension gibt es auch nichts auszusetzen. Uns erwartet ein „kontinentales“ Frühstücksbuffet mit Brötchen, Aufschnitt, Müsli, Joghurt, Eiern, Obst und Gemüse. Besser ist nur ein „Full English Breakfast“.

Nein, das ist nicht unsere Pension. Aber diese sieht so schön altmodisch aus!

Da wir fast die einzigen Gäste sind, erklärt uns unser sympathischer Gastgeber ausführlich die Strategie des Nationalparks: Der absterbende Wald wird sich selbst überlassen und man schaut, welche Bäume sich da so neu ansiedeln. Indem man das Bäume-Mikado einfach liegen lässt, bildet sich eine natürliche Barriere gegen das Rotwild, das so die neuen Bäumchen nicht mehr zerbeißen kann. Flugs zieht unser Gastgeber noch eine Broschüre des Nationalparks aus der Tasche. Wow, was für eine Werbung für den Nationalpark, unser Wirt könnte glatt ein „Ranger“ sein!

Beim Bezahlen dann die Überraschung: Als wir die „Gästekarte“ des Luftkurorts Schierke ausfüllen, um unsere obligatorische Kurtaxe zu bezahlen, stutzt unser Gastgeber merklich: „Ähhh … “ und er liest uns laut unsere Adresse vor: “ … da wohnen sie aber noch nicht so lange, oder?“ Hä? Nun sind wir wiederum irritiert: Woher kann er wissen, dass wir „Neuharzer“ sind?

Es stellt sich heraus, dass er der Sohn unserer Seesener Nachbarn zur Linken ist. Die beiden sympathischen Rentner sind die einzigen Seesener, die wir bisher näher kennenlernen konnten, und sechzig Kilometer entfernt landen wir, obwohl es in Schierke zahlreiche andere Übernachtungsmöglichkeiten gibt, ausgerechnet bei ihrem Sohn. Interessanterweise haben wir uns gleich viel zu sagen und freuen uns schon auf ein Wiedersehen am Gartenzaun.

Aber nun müssen wir uns dann doch von der Pension loseisen, denn 24 Kilometer und 700 Höhenmeter Aufstieg stehen heute auf dem Plan.

Unser erstes Ziel sind die „Mäuseklippen“ und kurz darauf die „Scharcherklippen“, bei denen es auch den ersten Stempel zu holen gibt. Wir steigen durch eine Baumwüste auf, denn fast alle Bäume um Schierke herum mussten mittlerweile „dran glauben“. Wenn man sich mit den alteingesessenen Harzern unterhält, äußern diese fast immer Bedauern und Trauer: Wir schön war der Harz doch früher, als alles noch so grün, dunkel und moosig war und wie schrecklich doch die kahlen Berge nun sind, kaum wiederzuerkennen! Nur wenige sehen den Wandel im Wald als Chance, so wie der Sohn unserer Nachbarn. Aber bis hier um Schierke herum wieder das Grün als Farbe des Waldes dominiert – das wird dauern!

Die Schnarcherlippen sehen aus, als hätte ein Riese einige flache Kiesel zu zwei Steinmännchen aufgetürmt. Der lustige Name rührt daher, dass bei starkem Wind aus einer bestimmten Richtung die Steine wohl nicht zu singen, aber zu „schnarchen“ beginnen. Das hätten wir heute nur zu gern gehört, aber der Wind steht leider ungünstig.

Einen der beiden Steintürme kann man sogar besteigen: Mehrere steile Eisenleitern führen bis zum „Gipfel“, von dem man einen weiten Blick auf Schierke und die verwüsteten umliegenden Berghänge hat. Das Panorama wird dominiert vom Brocken, dessen hässliche Radarstation auch heute, an diesem diesigen Tag, gut zu erkennen ist. Mögen die Hänge um diesen hübschen Ort herum doch bald wieder ergrünen! 🙂

Der zweite Stempel des Tages ist nicht weit vom ersten entfernt. Am Barenberg gibt es eine Aussichtsplattform, die ebenfalls einen Blick über Schierke eröffnet. Der Ausblick hier ist aber nicht besser als von anderen Stellen des recht kahlen Berges. Einen Vorteil hat das Waldsterben im Harz – Ausblicke gibt es nun an jeder Ecke!

Über den sogenannten „Ulmer Weg“ versuchen wir, wieder auf den „Harzer Grenzweg“ bzw. zum Grünen Band zu gelangen. Ulm kennen wir als properes, aufgeräumtes Städtchen, aber der Ulmer Weg hier im Harz ist eine echte Sauerei – Waldfahrzeuge haben den Weg total zerfahren und Äste und halbe Bäume auf dem Weg wurden kreuz und quer zurückgelassen. Der Weg sieht aus wie meine Haare heute Morgen!

Am „Kaffeehorst“ gibt es einen Stempel, aber keinen Kaffee. Früher stand hier ein Grenzturm der DDR-Schutztruppen, heute eine Schutzhütte der Harzclubs. Ein hübsches Plätzchen, aber da auf unserer Karte ein Skilift mit Bewirtung eingezeichnet ist, ziehen wir weiter.

Als wir aus dem Wald heraustreten, treffen wir auf einen riesigen Parkplatz. Im Winter muss hier am Skilift am Wurmberg die Hölle los sein. Heute steht auf dem riesigen Arreal kein einziges Auto, aber erstaunlicherweise ist die Skihütte trotzdem geöffnet. Hurra, wir haben es kaum zu hoffen gewagt, aber hier gibt es Kaffee, Pommes und Currywurst.

Auf den zweithöchsten Berg des Harzes, den Wurmberg, steigen wir heute aber nicht. Der Berg mit dem roten Aussichtsturm hat zwar auch eine Stempelstelle, aber die Logistikerin in mir hat den Wurmberg schon als Höhepunkt einer anderen Stempeltour bestimmt. Heute laufen wir weiter auf dem Kolonnenweg der ehemaligen DDR, immer entlang der Zonengrenze.

Schön, wenn man auf dem Grünstreifen zwischen den Lochplatten aus Beton laufen kann. Das ist nämlich nicht immer der Fall, manchmal ist der Steg total zugewachsen, steinig oder zu hubbelig. Dann muss man direkt auf den Lochplatten laufen, was mir extrem an die Nerven geht. Mit meinen kleinen Füßen laufe ich Gefahr, in den Löchern hängenzubleiben oder umzuknicken. Friedel mit seinen Quadratlatschen tritt einfach irgendwohin und deckt die Löcher ab. Ich kann mir nicht vorstellen, das komplette „Grüne Band“ zu laufen, das wäre mir echt zu anstrengend und monoton.

Neun Kilometer traben wir auf dem Betonstreifen durch den Wald, Friedel links, ich rechts. Nachdem wir die B242 überquert haben, entscheiden wir uns, auf dem Weg zum „Ring der Erinnerung“ nicht den Harzer Grenzweg zu nehmen. Wir wählen stattdessen eine kleine Abkürzung, die uns auf der Karte viel interessanter und kürzer als der eigentliche Wanderweg erscheint. Der eigentlich gut ausgetretene Pfad ist jedoch von umgestürzten Bäumen blockiert und beim Versuch, die Chaosstelle zu umgehen, landen wir am Steilhang. Tierpfade sehen aus wie Wanderwege, und wir folgen dem Weg, der am ehesten wie ein solcher aussieht. Dank unserer Wanderapp treten wir am Ende aus dem Dickicht und landen tatsächlich am „Ring“, aber Zweige und Spinnweben hängen in unseren Haaren … okay, in meinen!
Aber endlich sind wir wieder auf dem Weg!

Der „Ring der Erinnerung“ ist eine Kunstinstallation, die uns ohne die Erklär-Schilder gar nicht aufgefallen wäre. Der „Ring“ liegt auf dem ehemaligen Todesstreifen, hat 70 Meter Durchmesser und besteht aus einen Wall aus Totholz, aus dem „neues Leben“ (Brombeeergestrüpp?) sprießen soll. Friedel ist die Installation nicht mal ein Foto wert: Hier sieht es aus wie überall im Harz, aber immerhin gibt es hier eine Stempelstelle. Eine unscheinbare Konstruktion, aber welch ein bedeutungsschwangerer Name!

Kurz vor Hohegeiß machen wir noch ein Schlenker zum Hahnestein, weil sich hier noch ein abgelegener Stempelkasten befindet. Der Weg ist nichts Besonderes, der Stempelplatz auch nicht – aber der Weg ist nett und im Licht der untergehenden Sonne sieht der frühlingshafte Wald ganz wunderbar aus. Wären wir nicht zum Hahnestein gewandert, wären wir viel zu früh in der Unterkunft angekommen!

Hohegeiß ist ein Grenzort, in dem zu Zeiten des Kalten Krieges der Hund verfroren gewesen sein muss. Direkt östlich der Dorfstraße lag früher der „Eiserne Vorhang“ und dieser muss dem Ort förmlich die Lebensader abgeschnitten haben.
Aus dem Wolfsbachtal steigen wir extrem steil nach oben in den Höhenort … um auf DAS zu treffen!

Wie kann man nur! Ist das nicht der Inbegriff der Hässlichkeit? Welches krankes Bauherren-Hirn der 70er konnte sich so etwas ausdenken und erhielt auch noch freie Hand dabei, diesen perfiden Architekturplan auszuführen? Dieser Hotelkomplex ist das furchtbarste, was wir bisher im Harz sehen mussten! Und man sieht die Dinger schon von Weitem! Horrible!

Der Rest des Orts ist jedoch weitaus angenehmer. Nicht hübsch, aber authentisch dörflich und unser Hotel „Silbertanne“ ist ein Muster an Zuvorkommenheit und Serviceorientierung.

Unser Menü für den Abend mussten wir im Voraus wählen, denn der Chef kocht seit Corona nur noch für Hausgäste. Kein Problem für uns – Bett, Bad, Bier und Braten sind uns gewöhnlicherweise genug. Unsere Wirte sind zwei fidele Holländer und sie sorgen ganz wunderbar für uns. Wir mögen Hohegeiß – Heureka!

In Bad Harzburg tanzt der Bär, aber in Kamschlacken schlummert er noch!

Blick zum Brocken

Bad Harzburger Rundtour, 17 Kilometer, 4 Stempel, gelaufen am 11.03.2022
Riefenbeek-Kamschlacken, 16 Kilometer, 2 Stempel, gelaufen am 17.03.2022

Verrückt, wie warm dieser März schon ist. Auf der einen Seite sind wir erfreut, denn so gibt es einige wunderbare Wanderstunden mit strahlendem Sonnenschein und T-Shirt-Temperaturen. Aber findet ihr es nicht auch befremdlich, dass es im März schon so frühlingshaft warm ist?

Nach Bad Harzburg können wir ohne Umsteigen mit dem Zug fahren, also lassen wir das Auto dieses Mal stehen. Seitdem wir wieder selber fahren, kriegen wir viel weniger mit von den Orten, in deren Umgebung wir laufen. Der lange An- und Zurückmarsch zwischen Bahnhof und Wanderparkplatz entfällt bei der Anfahrt mit dem Auto – Heute jedoch marschieren wir durch ganz Bad Harzburg, bevor wir die Waldkante erreichen.

Die Stadt beeindruckt durch stylische Bäder-Architektur. Hier kurten einst die Reichen und Schönen, aber die glorreiche Zeit des Bäder-Tourismus ist schon lange vorbei. Die Stadt versucht deshalb heutzutage, Besucher durch „Erlebnisse“ anzulocken – es gibt eine Seilbahn auf den Burgberg, einen Baumwipfelpfad, eine Baumschwebebahn …

Der Einstieg zum Baumwipfelpfad

Außerdem beginnt direkt hinter der Stadt der Nationalpark Harz. Bisher haben wir ja nur Touren im Westharz unternommen und da gibt es nur den Harz, aber nicht den „Nationalpark Harz“. Heute erwarten wir also die Wildnis pur!

Was unterscheidet nun also den Harz vom Nationalpark Harz? Nun, zum Einen gibt es überall Bänke mit dem Nationalpark-Enblem und schickere Wegweiser. Da die vom Borkenkäfer zerstörten Bäume stehen gelassen und nicht gefällt und abtransportiert werden, sind die Wege nicht so zerfurcht und verschlammt – Aber die Baumgerippe, die hier überall in den Himmel ragen, sind nun wirklich kein schöner Anblick, finden wir …

Interessant ist, dass die Bäume, die hier natürlicherweise nachwachsen, keine Fichten mehr sind, sondern Birken. Wir fragen uns, wie der Wald hier im Nationalpark wohl in zwanzig Jahren aussehen wird.

Unsere erste Stempelstelle heute ist das Gasthaus Molkenhaus, das zu dieser frühen Stunde noch geschlossen ist. Trotzdem ist es erstaunlich, wie viele Leute außer uns schon unterwegs sind – dabei hat die Wandersaison noch gar nicht richtig angefangen!

am Molkenhaus

Das Molkenhaus liegt direkt am „Teufelsstieg“, der kürzesten, aber auch steilsten Wanderroute zum Brocken. Wir überlegen kurz, statt der geplanten Rundtour heute zum Brocken zu marschieren. Aber wie wir von Weitem sehen, liegt oben am Brockenhaus noch Schnee. Den Aufstieg werden wir deshalb lieber später im Jahr angehen, denn das Stapfen über glitschige und vereiste Wege schreckt uns. Heute laufen wir lieber weiter zur Rabenklippe.

Rabenklippe

Die Klippe finden wir beindruckend und es gibt einen tollen Ausblick von der Aussichtsplattform. Nicht so toll finden wir, dass sich die Stempelstelle erst hinter der Terrasse des anliegenden Gasthauses befindet und wir uns zwischen gut gelaunten Wanderern an vollbesetzten Tischen hindurchzwängen müssen. Zum ersten Mal in unserer Stempelkarriere müssen wir an einem Stempelkasten in der Schlange stehen. Was machen die bloß alle hier?

Noch voller wird es auf dem Weg zum „Kreuz des Ostens“. Ganze Wandergruppen kommen uns entgegen und was uns am meisten stört – sie sind laut! Wir können absolut verstehen, dass unsere Mitmenschen gleich wie wir die Sonne und die Natur suchen – Aber muss man dabei denn solch einen Lärm machen?

Friedel und ich stammen beide aus Flüchtlingsfamilien und am Kreuz des Ostens posiere ich deshalb am Stein meiner Herkunftsprovinz mütterlicherseits. Meine Omi stammte aus Pommern, meine Oma aus Danzig. Bei Friedel ist die Lage leider komplizierter, für ihn gibt es keinen Stein.

Als wir an unserer letzen Stempelstelle, dem Burgberg ankommen, ist gefühlt halb Niedersachsen hier. Auch wenn wir uns eigentlich die ganze Zeit draußen aufhalten, habe ich Angst, uns hier Corona einzufangen.

Der Außenbereich des Gasthauses auf dem Burgberg ist voll gefüllt und jede Bank mit Blick auf das Harzvorland ist besetzt. Auch hier müssen wir uns wieder einreihen, um an unseren Stempel zu kommen – nichts für Steffi!

Schön warm ist es an diesem ersten Frühlingstag im März – aber für meinen Geschmack ist es hier echt zu voll. Am nächsten Samstag suchen wir uns etwas Ruhigeres!

Blick auf Kamschlacken und den Söse-Stausee

Und so soll es auch sein. Am folgenden Samstag ist es genauso warm und schön, aber dafür viel einsamer!

An der ersten Stempelstelle, dem Leonorenblick, da lachen wir noch.

Wir Blödis haben nämlich nicht einkalkuliert, dass uns unser Weg heute auf über 800 Höhenmeter führen wird. Hier oben liegen aber noch jede Menge Schnee und Eis!

Diese Tatsache könnte man ja eigentlich ganz witzig finden und wir lachen auch erst mal ausgiebig. Aber dann treffen wir auf jede Menge vereiste Stellen und an einigen Stellen bleibt uns nichts anderes übrig, als quasi auf dem Hosenboden nach unten zu rutschen. Aber immerhin treffen wir hier oben auf dem Reitstieg zwischen Hanskühnenburg und Stieglitzeck fast keine anderen Wanderer! 🙂

Auch an den Hammersteinklippen sind wir fast ganz allein. Als wir um eine Felsenecke biegen, erschrecken wir eine einsame ältere Wanderin, die dort ihre Mittagspause eingelegt hat. Wir schüchtern sie so ein, dass sie glatt das Weite sucht – und wir haben die Klippen ganz für uns!

Unterhalb der Klippen finden wir ein nettes Plätzchen für unsere Mittagspause. Ich persönlich finde es viel netter, auf einer Bank im Wald meine Thermoskanne auszupacken als auf einer überfüllten Restaurant-Terrasse zu sitzen. Friedel ist da weitaus geselliger als ich, ihn schrecken die vielen Touristen deutlich weniger.

Am „großen Wehr“, der zweiten Stempelstelle des heutige Tages, hat sich der Himmel stark bewölkt und es kommt ein fieser Wind auf. Aber immerhin sind wir raus aus dem Schnee, auch wenn der Weg zum alten Wehr verflixt steinig ist!

Auch das große Wehr an der Morgenbrodshütte ist Teil des UNESCO-Weltkurturerbes „Oberharzer Wasserregal“. Hier fließt ein Teil der Söse und eines anderen Baches in Richtung der großen historischen Bergwerke bei Clausthal-Zellerfeld. Das Kanalstück hier ist etwas mehr als vier Kilometer lang und mündet weiter unten am Berg in den längsten der Oberharzer Wasserkanäle, dem Dammgraben.

Zurück zum Parkplatz geht es ständig bergab, mal wieder über einen der typischen breiten Forstwege, die wir im Harz nicht so mögen. Aber da es mittlerweile regnet und dann sogar schneit, sind wir froh, dass wir schnell vorankommen.

Insgesamt hat mir die Tour bei Kamschlacken viel besser gefallen als die in Bad Harzburg. ich mag’s halt gern einsam und wild und halte mich lieber fern von spektakulären Hängebrücken, Seilbahnen und anderem Gedöns. Zum Glück gibt es im Harz etwas für jeden Geschmack!

… und wir stempeln wacker weiter!

Blick vom Försterstieg auf den Granestausee

Stempeltour 9: Von der Granetalsperre über die Bärenhöhle zum Steinbergturm bei Goslar
gelaufen am 28. Februar 2022: 13 Kilometer und zwei Stempel

So langsam gehen uns die Stempelstellen in der Nähe aus. Mittlerweile haben Friedel und ich fast alle Kästen in maximal dreißig Kilometern von Seesen abgegrast. Das Wichtige ist dabei eigentlich nicht das zwanghafte Sammeln der unscharfen Abdrücke in die kleinen Heftchen, sondern dass wir beim Stempelspaß einige Highlights des westlichen Harzes kennenlernen konnten, die wir als Neuharzer nicht sofort selbst entdeckt hätten.

Am besten gefällt es uns bisher an der Granetalsperre. Schon bei unserer ersten Wanderung in der neuen Heimat, auf dem E11 von Goslar nach Seesen, standen wir staunend auf der Staumauer und blickten auf die weite Wasserfläche und die waldigen Hügel dahinter. Das Besondere an dieser Talsperre ist, dass keine Straße am Stausee entlang führt und dass die Uferlinie so schön verschwurbelt ist. Das Schöne an Seen ist für uns nämlich nicht die Wasserfläche, sondern das, was an den Ufern zu sehen ist.

Der Graneseee wirkt auf uns geradezu skandinavisch, vor allem auch, weil das Ostufer so schön mit Birken bestanden ist.

Der erste Stempelkasten befindet sich auf einer Halbinsel in einer netten Schutzhütte, in der wir mal gern einen lauen Sommerabend verbringen würden – diese Stelle merken wir uns!

Von hier aus könnten wir, wenn wir denn wollten, direkt den Berg hoch zur nächsten Stempelstelle eilen und die heutige Tour erheblich abkürzen. Wir wollen jedoch noch zur Bärenhöhle und laufen deshalb noch ein wenig weiter am Seeufer entlang – und es gibt fürwahr unangenehmere Umwege!

Zur Bärenhöhle quälen wir uns einen fiesen Anstieg auf einem zerfurchten Forstweg hoch. Was die Forstleute hier im Harz mitunter veranstalten, ist eine echte Sauerei. Natürlich ist es ein Argument, dass das Totholz aus dem Wald entfernt werden muss. Aber muss man die Wege dafür so extrem zerfahren? Wie gut, dass der Boden noch gefroren ist, sonst würden wir hier knöcheltief im Matsch einsinken.

Die Bärenhöhle ist gar keine richtige Höhle. Überall im Westharz gibt es alte, aufgegeben Stollen und dieser hier ist auch so einer. Besonders ist dabei, dass der Eingang in einer dunklen Senke liegt und man dorthin ein wenig über Felsen klettern muss. Das Ganze wird dadurch zu einer kleinen Attraktion, auch wenn die Höhle nicht echt ist. Leider ist der Eingang versperrt, aber wir haben auch nichts anderes erwartet.

Über schmale Wege geht es weiter nach oben zu unserer zweiten Stempelstelle auf dem Steinberg. Da viele Wanderwege im Harz über breite Forstwege verlaufen, freuen wir uns über den schönen Pfad, auch wenn es dabei einige Hindernisse zu überwinden gilt.

Normalerweise stehen wir nicht so auf Aussichtstürme. Viele der oft hässlichen Gerippe aus Holz oder Eisen verschandeln so manch schönen Berg, aber der Steinbergturm ist da eine Ausnahme – hübsch ist er, der alte Steinturm!

Vor dem Turm ist auch schon der grüne Stempelkasten zu sehen. Wie so häufig ist dieser merkwürdigerweise mal wieder so hoch angebracht, dass ich mit meinen recht normalen 1,65 Metern Körpergröße nicht an den Stempel herankäme, wenn da nicht ein Holzklotz als Stufe dienen würde. Schon komisch … Warum sind die Ständer oft so hoch?

Eigentlich hatten wir gehofft, von oben einen schönen Blick auf Goslarer Altstadt und die Kaiserpfalz zu erhaschen. Aber genau in dieser Richtung versperren einige hohe Bäume die Sicht. Dafür lohnt sich der Blick auf die andere Seite, in Richtung Granetalsperre.

Der Rückweg erfolgt zunächst über einen glitschigen, supersteilen Weg nach unten in Richtung Goslar. Wir erwägen, in der markigen „Schutzhütte des Goslarer Handwerks“ eine Pause einzulegen, aber leider liegt sie im Schatten. Nee, also wenn schon eine Pause, dann doch bitte in der Sonne!

Der Name der Hütte mutet fast sozialistisch an!

Eigentlich wollen wir ab hier auf dem Harzer Försterstieg weiterlaufen, einem neuen Fernwanderweg, der mit 60 Kilometern von Riefensbeek-Kamschlaken nach Goslar längs durch den Westharz verläuft. Aber leider verfransen wir uns und landen auf einer wunderschönen Wiese. Diese liefert uns von oben einen tollen Blick in das Tal, durch das wir eigentlich laufen wollten. Wir sagen nur – Glückes Geschick für diesen Blick!

Der Försterstieg führt uns dann in pittoresker Halbhöhenlage entlang des Granesees zurück zum Parkplatz. Auch dieser Weg gehört zu einem der Highlights des Westharzes, finden wir – rechts moosige Felsen und mit Heidekraut bewachsene Hänge, links der Blick durch Birken hinunter zum Granesee. Wir sind begeistert!

Wir nehmen uns vor, diesen Pfad noch einmal zu laufen, wenn es ein wenig wärmer geworden ist. Der Weg heute hat uns ausnehmend gut gefallen und er liegt gar nicht weit von unserem Wohnort entfernt. Wir sind gespannt, welche Highlights uns dann erst im Oberharz erwarten! Sirenengleich rufen uns die großen Attraktionen „Brocken“, „Hexentanzplatz“ und „Teufelsmauer“ … Aber besser kann es doch eigentlich gar nicht mehr werden, oder?

Harzer Wandernadel Tour 2: Hahnenklee und der Obere Schalker Graben

Hahnenklee-Liebesbank-Schalker Turm-Oberer Schalker Graben-Hahnenklee:
13 Kilometer und 3 Stempel
Gelaufen am 1. Januar 2022

Zwischen den Feiertagen waren wir schon einmal hier in Hahneklee und wollten eine zünftige Winterwanderung unternehmen. Aber da war es noch so glatt auf den Wegen, dass wir die Wanderung nach einem Kilometer abbrechen mussten. Da freuen wir uns doch heute so richtig über das Schmuddelwetter, da ist es wenigstens nur matschig und nicht glatt!

Schon beim letzten Mal haben wir festgestellt, dass Hahnenklee wohl der touristische Hotspot der Region ist. Alle Welt weiß, dass in Hahnenklee sogar mal die Rennrodel-Weltmeisterschaften ausgetragen wurden – nur wir Sportmuffel nicht!
Ich allerdings wusste von der beeindruckenden Stabkirche, die sich gleich neben dem Parkplatz befindet.

Es ist erstaunlich, wie viele Wohnmobile auf dem Parkplatz stehen. Glücklicherweise sind wir aber heute schon sehr früh unterwegs und die Camper liegen noch alle in den Federn. Deshalb haben wir den bekannten „Liebesbankweg“ ganz für uns allein!

Wie es der Name schon verrät, sind über den Weg 25 Bänke mit Liebes- und Hochzeitsmotiven verteilt. Uns persönlich erscheint das Ganze ein wenig zu dick aufgetragen, aber wir müssen hier lang – der erste Stempelkasten wartet auf uns!

Wir sind froh, dass wir am „Auerhahn“ den amourösen Premium-Wanderweg verlassen dürfen und kämpfen uns auf einer Teerstraße steil nach oben zum Schalker Aussichtsturm.

Der ehemalige Gasthof Auerhahn – heute leider in Privatbesitz

Unterwegs gibt es an mehreren Stellen weite Ausblicke in die umgebenden Täler. Ich rate Friedel jedoch, mit dem Fotografieren zu warten – Oben gibt es bestimmt den tolleren Ausblick!

Die Aussicht vom Turm aus enttäuscht leider. Wir blicken auf eine matschige Wiese und die Fernsicht verschwindet im Nebel. Jedoch können wir in der feuchten und leicht schmuddeligen Schutzhütte unseren zweiten Stempel für heute abstauben.

Der Abstieg vom Schalker Gipfel zum nächsten Ziel, dem oberen Schalker Graben, erweist sich als echtes Abenteuer. Unsere Outdooractive-App hat uns einen zickzackartigen Abschnitt über waldige Pfade vorgeschlagen, aber in der Realität ist der Weg kaum noch vorhanden. Zunächst kämpfen wir uns über einen überaus matschigen Forstweg …

… dann durch dorniges Gestrüpp …

… um am Ende weglos mitten an einem steilen Hang zu landen.

Unsere Wanderapp aber versichert uns unermüdlich, dass wir uns komplett auf dem richtigen Weg befinden. Und vollends skurril ist, dass hier überall Flaschen im Moos herumliegen. Sieben Stück haben wir gezählt!

Am Ende halten wir uns an Blaubeerbüschen und jungen Kiefern fest und hangeln uns zu Tal. Als wir bei Festenburg wieder festen Boden in Form eines geschotterten Weges unter den Füßen haben, sind wir glücklich und dankbar. Hallelujah!

Den schmalen Weg entlang des Schalker Grabens beeindruckt uns sehr. Hier bei Festenburg verlaufen gleich mehrere Wassergräben parallel entlang des Steilhangs. In früherer Zeit wurde damit Wasser in die Bergwerke der Umgebung geleitet. Nicht alle diese Gräben und Teiche der montanen Wasserwirtschaft sind noch erhalten, aber die noch bestehenden sind mittlerweile von der UNESCO geschützt.

Hinten ist am Weg der nächste Stempelkasten zu erkennen!

Am Wegesrand befinden sich mehrere Tafeln mit Erklärungen, wie das ausgeklügelte System der Gräben und Teiche aus dem 17. bis 19. Jahrhundert den Bergbau in der Region überhaupt erst ermöglicht hat. Wir überfliegen die Tafeln jedoch nur und nehmen uns vor, uns zu einem späteren Zeitpunkt näher damit zu beschäftigen. Heute genießen wir den hübschen Pfad, das Wasser, das neben uns fließt und die weiten, wenn auch etwas diesigen Aussichten in Richtung des Brocken.

Die Kamera erkennt es nicht, wir aber – durch den Nebel winkt der Brocken!

Der Stempelkasten, wegen dem wir in erster Linie hier sind, steht direkt am Wegesrand. Eigentlich befand er sich mal direkt neben dem Lochstein, einem alten Begrenzungsstein aus dem Bergbau. Der Weg dorthin ist mehr als nass, aber das kann uns schottlanderprobten Profimatscher nicht erschüttern!

Im letzen Drittel des Weges passieren wir noch ein paar hübsche Stauteiche, auch diese UNESCO-geschützt. Teilweise wurden gleich vier bis sechs der künstlichen Teiche in einer Reihe angelegt, weil es den Bergarbeitern im 17. Jahrhundert noch an Wissen fehlte, gleich größere Stauseen anzulegen. Heute sind die Teiche ein tolles Ausflugsziel und in einigen davon darf man sogar baden.

Die Tour heute war wieder sehr lohnenswert, nicht nur wegen der drei Stempel. Wir sind gespannt, welche landschaftlichen und kulturellen Schätze noch auf uns warten!

Harzer Wandernadel: Unsere Hausrunde im Schnee

Rundweg vom Sternplatz über den Luchsstein und die Tränkebachhütte:
Sieben Kilometer und zwei Stempel

Unten bei uns im Ort ist der Schnee nicht liegen geblieben. Aber direkt an der Ortsgrenze von Seesen beginnt schon der Harz. Nur sechs Kilometer Autofahrt zum Sternplatz, zwischen Seesen und Lautenthal gelegen, katapultieren uns flugs von 200 auf 500 Meter. Und hier oben ist es richtig winterlich!

Eigentlich kennen wir die Tränkebachhütte am Seeserberg schon, denn die Stempelstelle ist von unserem Haus aus fußläufig erreichbar. Aber gestempelt haben wir auf unseren bisherigen Spaziergängen hier noch nicht und das werden wir heute nachholen!
Außerdem lässt sich die kleine Rundtour mit der Stempelstelle „Luchsstein“ verbinden, die wir heute zuerst erreichen.

Die Website der „Harzer Wandernadel“ verrät uns, dass an dieser Stelle nach elftägiger Treibjagd 1818 der letzte Luchs im Harz erlegt wurde. So stolz war man auf diese Ruhmestat, dass man den Luchs ausstopfen und am Tatort einen Gedenkstein errichten ließ. Fast 200 Jahre später wird nun versucht, die Tiere mühevoll im Harz wieder anzusiedeln.

Das Stapfen im Schnee ist nicht wenig anstrengend und kurz vor der Tränkebachhütte, als wir Fahrspuren im Schnee entdecken, phantasieren wir von einem Überraschungs-Catering mit Punschausschank in der Hütte.

Im Hintergrund kaum erkennbar die Hütte

Die Hütte der Seesener Ortsgruppe des Harzklubs ist jedoch auch heute leider unbewirtschaftet. Doch freuen wir uns schon jetzt darauf, in dieser gepflegten Hütte eines Tages mal eine ordentliche Brotzeit mit zukünftigen Wanderkameraden einzulegen, wenn wir hier erst mal Leute kennengelernt haben! 🙂

Der Rückweg führt über den „Schnapsplatz“ und den „Schnepfenplatz“ zurück zum Parkplatz. Mittlerweile sind erstaunlich viele Leute unterwegs, die gleich wie wir einen Ausflug in den Schnee unternehmen. So viele Menschen haben wir hier im Harz noch nie gesehen!

Kurz vor Ende werden wir noch mit einer besonderen Aussicht auf die Innerste-Talsperre belohnt. Und pünktlich zum Mittagessen sind wir wieder im Warmen.

In der ersten Januarwoche haben wir noch zwei andere kleinere Wanderungen in der Gegend unternommen, sodass wir heute schon unseren neunten Stempel gesammelt haben. Theoretisch könnten wir schon unsere Bronzenadel abholen – aber wir warten auf Gold! 🙂

DDLN Etappe 51: Auf dem E6 von Scharzfeld nach Altenau

Mittwoch, 30. September 2020: 28 Kilometer

Wer die Schönheit des Harzes kennenlernen möchte, sollte sich nicht auf den E6 begeben!

Wir vermuten mal, dass die Europäischen Fernwanderwege konzipiert wurden, um den Wanderer möglichst schnell und effektiv durch Europa zu führen. Es sind quasi europäische Wander-Autobahnen, die uns auf breiten Spuren möglichst gerade und ohne Hindernisse wie Steine und Wurzeln von einer Etappe zur nächsten bringen sollen. Nur so können wir uns erklären, dass der E6 fast nur auf Asphalt und breitesten Forstwegen durch den Harz verläuft – jedenfalls auf der Etappe, die wir heute gelaufen sind!

Der Tag beginnt für uns nass. Nicht dass es regnen würde, nein nein, wir steigen halt in den dichtesten Nebel auf und begegnen dem Phänomen des Flugregens, den wir schon aus Schottland kennen. Direkt hinter Scharzfeld geht es bergauf (von 240 auf 640 Meter) auf den Großen Knollen. Woher er seinen Namen hat, wissen wir nicht, denn wir sehen nichts!

Interessanterweise hat die Baude auf dem Knollen geöffnet und auf dem steinigen Weg dorthin kommt uns im Nebel ein einsamer Poncho-Träger entgegen. Dies wird der einzige Wanderer bleiben, den wir heute treffen.

Den Kaffee bekommen wir durch eine Durchreiche in der Wand serviert und wir trinken ihn auf nassen Picknickbänken vor der Baude.

So halten wir uns dort gar nicht lange auf, denn wir haben noch ein strammes Wanderprogramm vor uns. Nach 400 Metern Aufstieg geht der Weg nun nämlich wieder 300 Meter runter nach Sieber, um uns von dort gleich wieder 500 Meter hoch zu führen. Wir laufen heute 18 Kilometer nur bergauf!

Nach der Knollen-Pause geht es auf einem schmalen und glitschigen Pfad recht steil bergab. Das ist zwar anstrengend und bedarf einer hohen Konzentration, aber dies ist der schönste Abschnitt des heutigen Tages!

Sieber ist nicht der Rede wert und besteht größtenteils aus Pensionen, die Namen wie „Haus Gisela“ oder „Haus Iris“ oder „Tannengrund“ heißen. Die Gardinen vor den Fenstern erinnern uns an unsere Kindheit in den 70ern.

Nach Sieber geht es wieder bergauf, und zwar kilometerlang auf einer asphaltierten Forststraße. Auf meiner Outdoor-Active-Karte ist der Weg jedoch als Schotterweg eingezeichnet. Wir wundern uns über den Belag, aber schnell wird uns klar, warum dieser Aufwand des Asphaltierens getroffen wurde: Auf dem Weg überholen uns mindestes sechs brausende, riesige LKW, mit Baumstämmen beladen. Überhaupt scheint der Holzschlag hier ein einträgliches Geschäft zu sein – wir passieren riesige, abgeholzte Flächen.

Aber auch ohne die Teerstraßen wird es nicht besser: Als wir endlich mal wieder Naturwege unter unseren Füßen haben, müssen wir durch Schlamm waten und über Äste steigen. Was für eine Unverschämtheit, dies ist immerhin ein internationaler Wanderweg!

Als wir die Grenze zum Nationalpark Harz passieren, wird es etwas weniger mit dem Holzschlag. Angeblich werden hier die toten Bäume stehen- und liegen gelassen. Tatsächlich sieht der Wald ein wenig besser aus, aber auch hier gibt es große Flächen mit abgestorbenen Bäumen. Schön ist was anderes!

Kurz vor Altenau freuen wir uns auf den „Wildnispfad“, der auf den Wegweisern ausgeschrieben wird. Auf unserer Karte als dünne, rote Strichel-Linie eingezeichnet, müssen wir auch hier breite Schotterwege in desolatem Zustand passieren, vorbei an großen Wüstungen. Erst kurz vor Altena erfahren wir, dass der „Wildnispfad“ ein 1,5 Kilometer langer Rundweg auf Rindenmulch ist, auf dem die Besonderheiten des Nationalparks en miniature gezeigt werden. Das. Ist. Doch. Nicht. Wild!!!

Beim Einmarsch nach Altena freuen wir uns über eine kleine, letzte Passage auf einem naturbelassen Weg. Na endlich!

Altenau sieh aus wie eine Wild-West-Stadt. Die Häuser sind fast alle aus Holz und sehen aus, als wenn sie nur provisorisch hier ständen. Auch hier buhlen zahlreiche, altmodisch anmutende Pensionen um die wenigen Gäste, die jetzt, Ende September, noch auf den Straßen flanieren.

Viele Geschäfte stehen leer, haben geschlossen oder verkaufen altmodische Harzer Souvenirs aus Holz, Porzellan, Schnaps oder Wurstwaren. Als wir um eine Ecke biegen, kriege ich fast einen Herzanfall, als mich aus einem Hauseingang zwei lebensgroße, struppige Hexen aus Pappmarché angrinsen.

Unser Hotel hat heute Ruhetag und wir laufen ein wenig herum, um einen Platz zum Essen zu finden. Wir landen im ersten Hotel am Ort, das aber merkwürdig aus der Zeit gefallen zu sein scheint: In den Fenstern stehen Barbie-Puppen mit gehäkelten Ballkleidern, die Einrichtung ist rustikal aus den 70ern und in der Ecke sitzen Loriot und seine Verlobte Hildegard.

Aber die Wirtin ist sehr freundlich und das Essen ist gut!

DDLN Etappe 50: Auf dem E6 von Duderstadt nach Scharzfeld

Dienstag, 29. September 2020: 27 Kilometer

Das Hotel Budapest ist ein richtiger Familienbetrieb: Die ungarische Großmutter macht das Frühstück – und sie will uns mästen! Entgegen unserer Proteste schöpft sie uns nicht eine, nein gleich zwei, Friedel drei Kellen ihres Spezial-Rühreis mit Paprika und Zwiebeln auf den Teller – zum Glück hat sie heute die Chilis vergessen … 🙂

UnserWandermorgen beginnt erneut kalt, aber mit strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Was haben wir doch wieder für ein Glück!

Heute wandern wir von Duderstadt aus direkt auf dem E6 in die Hügel. Von hier aus werden wir im nächsten Urlaub dem E6 weiter bis zur Ostsee folgen.

Auf allen Wiesen und Feldern glitzert der Tau und in den Tälern steht noch der Morgennebel.

Interessanterweise haben Friedel und ich andere Routen des E6 auf der Outdoor-Active-App. Ich habe die Karte von Outdoor-Active, Friedel wandert nach der Open-Street-Map-Karte. Mal stimmt die eine, mal die andere Version. Wir wählen am liebsten die Route, die nicht durch’s nasse Gras führt oder im Gestrüpp endet. Aber leider lässt sich beides nicht ganz vermeiden …

In Breitenberg suchen wir nach einer Bäckerei für einen Kaffee, aber es gibt keine. Sehr einladend sieht wenig später das Forsthaus Hübenthal aus, aber es scheint geschlossen zu sein. Friedel lässt sich aber nicht so leicht abschütteln und geht fragen, während ich schüchtern an der Pforte stehen bleibe. Obwohl der Gasthof eigentlich heute Ruhetag hat, hat der Wirt ein Herz für Wanderer und kocht uns exklusiv einen Kaffee, den wir im sonnigen Biergarten so richtig zu schätzen wissen. Vielen Dank (und Frechheit siegt)!

Weiter gehts durch Feld und Wald zum Quelltopf der Rhume. Wie bei uns auf der Alb kommt das Wasser aus einer unterirdischen Karstquelle nach oben und bildet einen blauen Quelltopf mit kristallklarem, schnell fließendem Wasser. Der See im Wald sieht verwunschen und friedlich aus.

Von nun an geht es kilometerlang im Wald sachte bergauf. Die Sonne hat sich mittlerweile verzogen und es wird wieder kälter, sodass wir für die Anstrengung ganz dankbar sind. Wir hiken uns sozusagen warm!

Unsere Mittagspause findet heute auf einem luxuriösen Picknickplatz im Wald statt. Leider haben wir nicht so viel zu essen dabei und so geht es bald weiter.

Als wir auf dem Rotenberg oben ankommen, haben wir einen phantastischen Blick auf das Harzvorland und die grünbraunen Berge des Harzes. Auch die Sonne zeigt sich wieder, passend für den Marsch über die grasigen Wiesen und abgeernteten Felder auf den Hügeln. Es geht rauf und runter, leider größtenteils auf Asphalt. Wann immer es möglich ist, weichen wir auf den schmalen Grasstreifen neben den Landsträßchen aus. Das Asphalt-Treten geht uns nämlich auf die Hacken!

Am Fuß des Harzes, in Barbis, treffen wir auf eine Bäckerei und gönnen uns Kaffee und zwei riesige Kuchenstücke. Beim Schwatz mit der Bäckereiverkäuferin freuen wir uns darüber, wieder unsere heimatliche Sprechweise zu hören und nicht mehr aufzufallen, wenn man „Ja, ne?“ sagt! Denn eigentlich kommen Friedel und ich ja aus dem nordöstlichen NRW und sind bis heute des Schwäbischen nicht mächtig … 🙂

Das Ende heute ist unschön: Zwei stramme Kilometer an einer vielbefahrenen Landstraße entlang. Der Anmarsch zum Hotel zieht sich ewig hin. Der Lohn dafür ist dann aber ein Zimmer mit – Terrasse! 🙂

DDLN Etappe 49: Auf verschwurbelten Wegen und auf dem Grünen Band von Heiligenstadt nach Duderstadt

Montag, 28. September 2020: 28 Kilometer

Wenn ihr mal als Touristen in Heiligenstadt seid: Wir empfehlen das Hotel „Norddeutscher Bund“ – es erhält den Preis für das beste Essen auf dieser Tour und für den originellsten Teppichboden.

Heute ist es schon morgens milder als gestern. Die Zitterpartie von gestern wird sich heute wohl nicht wiederholen!

Wir haben noch nicht die gesamte Altstadt von Heiligenstadt gesehen und beginnen den Tag mit einer Besichtigung des Westteils der Altstadt. Es folgt ein langer Weg durch die Kuranlagen, das lieben wir ja nicht so. Aber wenigstens fahren da keine Autos!

Ansonsten wandern wir heute schön abwechslungsreich durch Feld, Wald und Wiesen. Einmal kommt ein richtiges Schottland-Feeling auf: Ein Weg durch ein Tal – auf der Karte sehr wohl vorhanden, ist schlichtweg nicht existent und wir schlagen uns durch Büsche, kniehohes nasses Gras. Dann laufen wir einen Bach auf und ab, um eine halbwegs passable Stelle zum Überspringen zu finden. Es dauert vier Stunden, bis unsere Schuhe wieder trocken sind!

Der Nachteil beim Wandern abseits von gekennzeichneten Wegen ist, dass es nur wenige Bänke oder Picknick-Plätze gibt. Auch Cafés oder Imbiss-Buden gibt es keine. Deshalb legen wir unsere Mittagspause vor der Feuerwache von Neuendorf ein, direkt neben der Hauptstraße durch den Ort. Sämtliche vorbeifahrenden AutofahrerInnen verdrehen sich schier die Hälse. Scheinbar laufen solche Tramps wie wir nicht jeden Tag durch den Ort.

Das Highlight des heutigen Tages ist das Außenareal des Grenzmuseums Eichsfeld. Nachdem wir schon einige Kilometer auf dem ehemaligen Kolonnenweg zurückgelegt haben, kommen nun noch ein paar Türme, Bunker und Grenzzäune dazu, samt geharktem Sandstreifen und Flutlichtern. Hier hat man etwa einen Kilometer des originalen Zauns stehen lassen. Sehr beeindruckend, aber auch bedrückend.

Die letzten drei Kilometer nach Duderstadt laufen wir größtenteils auf einem asphaltierten Radweg. Die ziehen sich echt ewig, wenn einem die Füße nach 25 Kilometern eh schon wehtun.

Als erstes steuern wir ein Café an, wir haben uns Kaffee und Kuchen verdient. Danach haben wir endlich einen Blick für die Schönheit von Duderstadt. Was für prächtige Fachwerk-Bauten!

Heute Abend dann machen wir einen Abstecher nach Ungarn – wir wohnen im Hotel „Budapest“ mit stilechter Gulasch- und Krautwickel-Küche. Egészségére!

DDLN Etappe 48: Auf den Naturparkweg Leine-Werra von Martinfeld nach Heilbad Heiligenstadt

Sonntag, 27. September 2020: 22 Kilometer


Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Der Tag heute kann folgendermaßen umrissen werden: Wald Wald Wald, kalt kalt kalt!


Am Morgen hängen die Regenwolken noch an den Bergen, aber es wird den ganzen Tag trocken bleiben. Unser Weg verläuft heute größtenteils auf weichen Waldwegen, die vom Regen gesättigt sind. Es gibt so Tage, da wünscht man sich den Schotter zurück! 🙂

Aussichten haben wir heute satt. Wenn sich dann auch noch die Sonne ein wenig zeigt, glüht die Herbstlandschaft förmlich, mit all den kräftigen Herbstfarben – orange, ocker, sattgrün.
Besonders schön ist der Blick kurz nach Bernterode, von den Dieteroder Klippen herab. Hier treffen wir auch auf die einzigen anderen Wanderer an diesem kalten Herbsttag.

Unsere Mittagspause verbringen wir in einer zugigen Hütte über dem Dörfchen Lutter. Es ist so kalt und windig, dass wir uns freiwillig die Regenjacken anziehen …

Wie gestern führt uns der Wanderweg ständig wechselnd bergauf und -ab. So kommen auch heute 600 Höhenmeter Anstieg zusammen. Zwischendurch wird uns dabei immer wieder mal richtig warm!
Kurz vor Heiligenstadt kommen wir an einem Denkmal für den Turnvater Jahn vorbei – das erste Denkmal dieser Art, dass wir gesehen haben!
Heiligenstadt ist überraschend prächtig. Das hatten wir so nicht vermutet, denn der Ort ist nicht besonders groß. Von der Stadtmauer stehen noch größere Teile, die Innenstadt ist mit reich verzierten Barockbauten ausgestattet und der Barockgarten an der Marienkirche ist eine Augenweide. Aber wie es so häufig in mittelgroßen oder kleineren Städten in Deutschland der Fall ist – jedes dritte Geschäft in der Innenstadt steht leer. Bedauerlich!

Heiligenstadt ist unsere letzte Station in Thüringen. Morgen geht’s auf nach Niedersachsen!

DDLN Etappe 47: Auf den Grünen Band und dem Naturparkweg Leine-Werra von Altenburschla nach Martinfeld

Samstag, 26. September 2020: 29 Kilometer

So schlimm wird’s heute dann doch nicht mit dem Regen – erst um 13 Uhr beginnt es zu tröpfeln und erst ab 16 Uhr regnet es sich richtig ein. Wir packen nicht mal die Regenhosen aus!

Heute stehen 29 Kilometer im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal auf dem Programm. Wir sind erstaunt, wie bergig es hier ist – heute kommen satte 900 Höhenmeter Aufstieg zusammen, weitaus mehr als das tägliche Pensum auf dem Rennsteig.Die meiste Zeit der Strecke sind wir auf dem Grünen Band unterwegs, auf dem Kolonnenweg der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Bei der Errichtung der Grenzanlagen wurde scheinbar keine Rücksicht auf geografische Gegebenheiten genommen: Der Kolonnenweg führt wie bei einer Achterbahn ständig rauf und runter, teilweise mörderisch steil.Im Gegensatz zu dem Stück Kolonnenweg zwischen Blankenstein und Schlegel, das wir auch schon gelaufen sind, besteht der Weg hier nicht aus dem fiesen Lochbeton, sondern aus größeren Betonplatten – so muss man wenigstens nicht immer Sorge haben, in den Betonlöchern mit dem Fuß stecken zu bleiben.Spannend ist der „Stasi-Tunnel“, an dem wir gleich auf den ersten Kilometern auf dem grünen Band vorbei kommen. Die Röhre sieht aus wie ein gewöhnliches Abflussrohr, ist aber für die Stelle gänzlich überdimensioniert. Eine Infotafel verrät uns, dass hier Waffen und Menschen über die Grenze transportiert wurden, die nicht über die offiziellen Grenzübergänge gehen sollten.Später treffen wir noch auf zwei alte Grenztürme. Ansonsten erstaunt uns erneut, wie abgeschieden das Grüne Band ist: In der Nähe gibt es keine Dörfer, keine Straßen, keine Häuser.Uns kommt hier eine gute Geschäftsidee: Wir gründen einen Verein mit dem Ziel, die ehemaligen Grenzwege zu einem großen europäischen Fernwanderweg umzugestalten. Der ginge dann von der Ostsee bis an die österreichisch-slowenische Grenze. Unterwegs richten wir auf dem „ICT“ (Iron Curtain Trail) Camps mit Duschen ein und stellen Picknick-Bänke auf. Finanzieren wollen wir das Ganze, indem wir eine der Betonplatten-Spuren nach Schottland verkaufen! 😜In Geismar finden wir einen Netto-Supermarkt mit Bäckerei und kommen an einen Kaffee und den typischen Schmandkuchen der Region.

Als wir den Parkplatz verlassen, beginnt es so richtig zu regnen. Zum Glück liegen nur noch etwa acht Kilometer vor uns, die wir größtenteils durch Wald laufen. Durch das Blätterdach dringt nur wenig Regen durch, sodass wir nur mäßig nass werden. Und endlich kommen unsere Regenjacken zum Einsatz – die hätten wir doch sonst ganz umsonst mitgeschleppt!In der „Krone“ in Martinfeld nimmt uns die junge Wirtin gleich die nassen Klamotten ab und hängt sie in den Trockenraum. Das nennen wir hikerfreundlich!

DDLN Etappe 46: Auf dem Lutherweg und querfeldein von Hörschel nach Altenburschla

Freitag, 25. September 2020: 24 Kilometer

Glück gehabt!
Obwohl heute Regen angesagt ist, schauert es nur am Morgen, als wir noch im Hotel sind. Den Rest des Tages ist es windig und kalt, aber es bleibt trocken.

Kaum haben wir den Rennsteig verlassen, gibt es Aussichten! Wir wandern durch den Naturpark Werra-Leine und der Morgen beginnt mit einem Gang an der Werra entlang. Wir passieren den kleinen Ort Spichra und ein großes Hofgut, dass nun als Hotel- und Tagungszentrum dient. Die Auen um die Werra herum sind weit und flach und mir Binsen und Rohrkolben bestanden. Schon von Weitem erkennen wir Burg Creuzberg und die Kleinstadt am Fuß der Festung. Hier finden wir eine Bäckerei und freuen uns über Kaffee und Rosinenbrötchen auf einer Bank unterhalb der Burgmauer.Direkt nach Creuzburg geht es steil den ersten Berg des Tages hinauf – weitere werden folgen. Zwischen Schlehen-, Wachholder- und Weißdornbüschen schleppen wir uns einen steinigen Hang hinauf und kommen trotz der kühlen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen.
Die Belohnung ist ein weiter Blick zurück ins Werratal und auf die herbstliche Kulturlandschaft um uns herum.

Oben auf der Ebene treffen wir auf die einzige Wanderin, die uns heute entgegen kommt. Wie wir ist sie mit Rucksack unterwegs und genauso überrascht wie wir, auf diesem abgelegenen Stück Weg jemanden zu treffen. Vermutlich war sie auch bei den Hügelgräbern von Scherbda, auf die wir beide besonders gespannt waren. Wir krauchen eine Viertelstunde durch’s dichte Unterholz und entdecken tatsächlich drei hügelige Erhebungen mitten im Wald, aber bronzezeitliche Grabbeigaben, Schätze gar, haben wir nicht gefunden!Tolle Dörfer haben sie hier! Viel Fachwerk, mächtige Trutzkirchen, idyllische Dorfanger. Aber Bänke für unsere Mittagspause finden wir keine. Hinter Schnellmannshausen packen wir unsere Sitzmatten auf einer Wiese aus und setzen uns ins Gras. Das findet eine Horde Kühe ganz toll – laut muhend laufen sie auf uns zu, nur ein Elektrozaun rettet unser Mittagsmahl. Charakteristisch für den heutigen Tag sind die steilen Auf- und Abstiege. Um wieder zur Werra hinabzusteigen, müssen wir durch eine dunkle, matschige Rinne steil nach unten absteigen. Solche Kniekracher gab es auf dem Rennsteig nicht!
Unten an der Werra treffen wir wieder auf ein altes Stück Grenzweg. Wir überqueren den Fluß über eine alte Metallbrücke mit Gitterboden, die vermutlich noch aus DDR-Zeiten stammt.Heldra und Altenburschla sind ebenfalls echte Schmuckstücke. Unser Gasthof liegt in Altenburschla an einem schmucken Dorfplatz unter Linden, der rundherum mit prächtigen Fachwerkbauten umstanden ist. Das Essen ist teuer, aber ganz besonders. Das haben wir uns heute verdient – wir feiern heute Bergfest! Sieben Wandertage liegen hinter uns, sechs kommen noch – und morgen soll es uns die Hucke voll regnen!

DDLN Etappe 45: Auf dem Rennsteig von Mariental nach Hörschel

Donnerstag, 24. September: 14 Kilometer

Mit dem Wetter haben wir heute noch mal Glück: Als wir die supersteilen Pfade zur Wartburg aufsteigen, regnet es einmal kurz, aber heftig. Im dunklen Buchenwald unterhalb der Wartburg trifft uns jedoch kaum ein Tropfen.

Es ist klug, die Wartburg gleich am Morgen anzugehen, bevor die Touristen-Massen in die Burg einfallen. Morgens um neun haben wir die Festung fast für uns allein!

Diese angeblich „deutscheste“ aller Burgen besticht vor allem durch ihre Historie und Lage. Fast alle heute bestehenden Gebäude auf der Feste sind aus dem 19. Jahrhundert, also nicht besonders alt. Eine UNESCO-Weltkulturerbestätte ist die Burg aber wegen ihrer Geschichte: Von Martin Luther über den Sängerkrieg und das Wartburgfest im Jahr 1848, wohl auf kaum einer anderen Burg in Deutschland haben so viele symbolträchtige Ereignisse stattgefunden.

Die Anlage ist auf jeden Fall beeindruckend und vom „Tugendpfad“ unterhalb der Burg haben wir einen weiten Panoramablick über den Thüringer Wald und die Stadt Eisenach.

Abenteuerlich ist die Wegführung, die ich uns von der Wartburg aus zurück zum Rennsteig ausgetüftelt habe: Die Pfade auf „Outdooractive“ existieren entweder gar nicht, sind steil und abschüssig oder mit Brennnesseln verkrautet. Das sind sieben wirklich anstrengende Kilometer, auf denen wir aber gar niemanden treffen! 🙂

Wir sind glücklich und dankbar, als wir in Claustal wieder auf den Rennsteig treffen. Auf den letzten Kilometern bis Hörschel kommen uns wieder einige Wanderer mit Rucksack entgegen, frisch aus dem Zug, mit sauberen Schuhen und einem seligen Lächeln auf den Lippen – haha, ihr wisst gar nicht, was euch erwartet: Schotter, Schotter, Schotter

Interessanterweise besteht der Wald nun nicht mehr aus Nadelgehölzen, sondern aus Buchen und Eichen. Der Charakter der Landschaft hat sich total verändert – über weite Wiesenflächen hinweg haben wir plötzlich weite Ausblicke in das Werratal hinunter. Besonders beeindruckend ist dabei die riesige Autobahnbrücke, die das Tal überspannt 🙂

Unser Zieleinlauf in Hörschel gestaltet sich eher enttäuschend: Das „Tor zum Rennsteig“ ist die Toreinfahrt zu einer Pension und die hat auch noch geschlossen. Wir ziehen uns eine Apfelschorle aus dem Automaten und feiern unser Finale auf dem Rennsteig auf einer Bank an der Werra. Dabei hat sich der Friedel doch so auf einen Eiskaffee gefreut!Zum Glück ist Hörschel nur neun Zugminuten von Eisenach entfernt und wir verbringen unseren Nachmittag mit einen kleinen Bummel durch die mittelprächtige Altstadt, dem Hochlegen unserer Füße im Hotel und – einem Eiskaffee!

DDLN Etappe 44: Vom Spießberghaus nach Eisenach-Mariental

Mittwoch, 23. September 2020: 29 Kilometer

Und weiter geht es mit den breiten Schotterwegen. Mir persönlich geht das mittlerweile ordentlich auf die Nerven. Friedel ist da duldsamer, er ist begeistert vom lichten Wald und das übersteuert bei ihm den Ärger über den unschön knirschenden Belag.
Der Wander-Morgen beginnt mit leichtem Regen und dunklen Wolken, aber im Verlauf des Tages bessert sich das Wetter zusehends. Früh gibt es einige steile Anstiege, nach denen es gleich wieder runter geht. Trotz der Achterbahn kommen wir irgendwann am Fuß des großen Inselsbergs an. Der Berg selbst ist mit einer großen Telekommunikations-Anlage verschandelt, aber beim steilen Aufstieg über diverse Treppen gibt es endlich mal eine ordentliche Aussicht.
Die Landschaft hat sich verändert: Schon gestern gab es kaum mehr heideähnliche Flächen, stattdessen sind wir umgeben von lichtem Mischwald, in dem ein binsenähnliches Gras steht – Friedel nennt die Landschaft „Steppenwald“. Unter unseren Füßen knirscht nicht nur der Kies, beim Laufen treten wir auch auf Eicheln und Bucheckern, die untern unseren Füßen laut knacken.
An einem Picknickplatz kommen wir mit einem älteren Wegwart des Rennsteigs ins Gespräch. Er beklagt sich über den vielen Müll, den die Wanderer und Mountain-Biker hinterlassen. Uns beiden sind besonders die vielen Pipi-Tücher aufgefallen, die an allen Picknickplätzen die umliegenden Waldflächen übersähen – hier sind einfach viel zu viele Leute unterwegs!

Plötzlich gibt es auch Felsen – hier bestehen sie aus altem Granit und sind grau und mächtig. Die Felsformationen an dem Bergkanten ermöglichen es dem Rennsteig-Wanderer, endlich mal über die Baumwipfel zu gucken, sodass wir mehrmals einen Blick auf die weite Waldlandschaft um uns herum werfen können.

Nach 25 knirschenden Kilometern verlassen wir für heute den Rennsteig, um in einen Vorort von Eisenach abzusteigen. Von dort aus wollen wir morgen einen Schlenker zur Wartburg machen und dann weiter nach Hörschel laufen, dem Endpunkt des Rennsteigs. Und siehe da – kaum haben wir den Fernwanderweg verlassen, wird es richtig toll!

Wir steigen durch die Drachenschlucht ins Tal ab, einer engen Schlucht, die spektakulär über Holzstufen und Gitter durch eine enge Klamm nach unten führt. Die Felswände sind an manchen Stellen nur 70 Zentimeter auseinander und unter unseren Füßen sehen und hören wir, wie sich unter dem Metallgitter ein Bach rauschend in Richtung Tal bewegt.

Der Preis des spektakulären Abstiegs ist, dass wir uns morgen die ganzen Höhenmeter zur Wartburg wieder hochquälen müssen. Aber die heutige Belohnung dafür ist die tolle Küche unseres kroatischen Hotels!
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