Tag 79: Linlithgow nach Falkirk, 16km

Falkirk High Five

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Zielgerade! Heute laufen wir noch 16 Kilometer bis nach Falkirk High Station, wo wo wir im Mai letzten Jahres unsere Rob Roy-Etappe 7 (mit Carla) begonnen haben. Weil wir gegen 14:30 Uhr an der Station ankommen wollen, laufen wir schon um 8:30 Uhr los. Erst geht es wieder am Union Canal entlang, und wieder liefern wir uns ein Wettrennen mit „Patsy“, einem Narrowboat, das wir schon aus Ratho kennen. Smalltalk, winke-winke, und dann hängen wir sie ab.

Wenig später treffen wir den John Muir Way wieder, der uns kurz vor Falkirk vom Kanal weg in den Callander Wood und am Callander House vorbei führt. Welch eine Wohltat für Füße und Augen: Wurzeln! Alte Bäume! Steigung! 🙂

Dem Callander House können wir wenig abgewinnen, auch nicht der gregorianischen Küche, die man dort besichtigen kann. Callander Wood führt uns fast bis zur Bahnstation, wo wir uns „High Five“ geben: Lücke geschlossen! Nun sind wir von Land’s End bis Blair Atholl durchgelaufen! 🙂

Schon um 14 Uhr sind wir in Glasgow mitten im Großstadtdschungel und suchen uns ein recht ruhiges Plätzchen am River Clyde.

Weiter geht’s im Herbst mit Abschnitt 8 in den Cairgorms…

Tag 78: Ratho nach Linlithgow, 24km

Der Kanal ist voll und der Palace ist toll!

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Was ist der Unterschied zwischen Flachmoorwandern und Kanalwandern?

  1. Beim Flachmoorwandern federt der Boden wie Gummi, beim Kanalwandern ist der Boden steinhart, zumindest wenn der Treidelpfad asphaltiert ist.

  2. Beim Kanalwandern gibt es mehr Schatten als beim Flachmoorwandern.

  3. Beim Flachmoorwandern gibt es mehr Schlammpfützen, über die man springen muss. Das kann den Wanderschnitt auf extreme 1 km/h runterdrücken. Beim Kanalwandern schafft man bis zu 5 km/h!

  4. Beim Flachmoorwandern kriegt man nasse Füße, beim Kanalwandern Plattfüße.

  5. Beide sind auf Sicht etwas langweilig, aber das ist Arbeit, die manchmal getan werden muss! 🙂

Heute steht den ganzen Tag eine Wanderung entlang des Union Canals auf dem Programm. Wir kennen den Kanal schon von unserer Tour von Falkirk bis kurz vor Milngavie 2017. Er ist eher einer der langweiligen Kanäle, aber wir müssen ja irgendwie nach Norden in die Highlands kommen! Es gibt nur wenige von den hübschen Narrowboats zu sehen und links und rechts des Kanals erstreckt sich eher flaches Land.

Das Ufer des Union Canals ist jedoch hübsch eingewachsen, es gibt viele Bäume und teilweise ist der Kanal in einer Rinne angelegt. Oben hinter den Bäumen rauscht der Verkehr, unten quaken die Enten. Angenehm sind auch die immer wieder schattigen Ufer, da es heute wieder warm und sonnig ist.

Den halben Wandertag liefern wir uns ein Rennen mit dem einzigen Narrowboat, das heute auf diesem Abschnitt des Kanals unterwegs zu sein scheint. Es gibt nicht so viel Verkehr auf dem Union Canal! Das Boot fährt so langsam, dass wir zu Fuß schneller sind, obwohl wir immer wieder mal eine kleine Pause machen. Erst bei einer längeren Mittagspause in einem Cafe am Ufer werden wir abgehängt.

Schon um 14 Uhr sind wir in Linlithgow, trotz zweier Kaffeestops unterwegs. So haben wir noch genug Zeit, Linlithgow Palace zu besuchen. Der Palast war 150 Jahre lang ein Sitz der schottischen Königsfamilie Stuart und ist ein beindruckender, mächtiger Klotz. Wir sind begeistert!

Statistik des heutigen Tages:

24 Kilometer

0 Schleusen

1 fahrendes Narrowboat

4 riesige Abraumhalden des Bergbaus

1 Towercastle vor einer Abraumhalde

1 Kirchenruine in einem Feld

4 Entenfamilien

1 fauchender Schwan

Kein Wanderer

geschätzte 20 Spaziergänger mit Hunden

geschätze 40 klingelnde Fahrradfahrer

1 Palast

50 Höhenmeter Anstieg (Treppen im Palast)

Tag 77: Carlops nach Ratho, 24km

Wie unsere Helden das Moor verlassen müssen, den Firth of Forth erspähen, eine lange Mauer entlang traben, den Bullen entkommen und mit dem Union Canal endlich sicheres Fahrwasser erreichen

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Heute geht es ein letztes Mal in diesem Urlaub durch die Berge. Diesmal sind es die Pentland Hills, die wir schon einige Male vom Flughafen Edinburgh aus gesehen haben. Unser Hotel liegt direkt am Fuße der Hügel.

Dank des frühen Frühstücks im sehr netten Allan Ramsay Hotel kommen wir früh los. Das Hotel liegt leider direkt an einer sehr vielbefahrenen Straße, was jedoch ein Schwalbenpärchen nicht davon abhält, ständig im Sturzflug zwischen den Autos in ein unserem Fenster gegenüberliegendes Bushäuschen einzufliegen. Sie haben dort ihr Nest gebaut! 🙂

Fast direkt hinter dem Hotel geht es hoch auf einen Pass in den Pentlands, Bore Stane. Unser Weg führt uns erneut über die typischen Schafsweiden nach oben. Obwohl der Weg kein offizieller Trail ist, ist er ausgeschildert und in recht gutem Zustand, weil es trocken ist. Zunächst kommen wir am kleinen North Esk Reservoir vorbei. Der See ist eine Vogelkolonie mit vielen kreischenden Möven und Wildgänsen und von grünen Bergwiesen eingerahmt.

Schnell sind wir oben am Pass angekommen, wo wir eine kleine Teepause einlegen.

Der Blick von hier oben ist toll und zeigt uns, was wir schon geschafft haben: Wir sehen die weiße Forth-Hängebrücke mit ihren drei weißen Bögen in der Ferne und … das Meer!

Also, den Firth of Forth …. was als Meer gilt, weil das Wasser salzig ist. Das ist dann das Meer, oder? 🙂

Nun geht es hinunter in das dicht besiedelte Flachland zwischen Glasgow und Edinburgh. Hier hatte Steffi bei der Planung einige Schwierigkeiten, wie man den Abschnitt von den Pentland Hills bis zu den schottischen Highlands angenehm überbrücken kann. Die Lösung heißt: Union Canal!

Bis dahin aber versuchen wir uns möglichst angenehm durchzuschlagen: Wir nehmen heute einen kleinen Umweg in Kauf und wandern nicht direkt zum Kanal, sondern machen einen kleinen Schlenker über zwei Stauseen, den Treipmuir- und den Harlaw-Stausee. Zunächst geht es noch einmal über hügeliges, eher eintöniges braunes und gelbes Moorland. Der Feldweg, auf dem wir laufen, ist jedoch gut befestigt und wir behalten trockene Füße. Die Stauseen sind von Wald umgeben und sehen schön natürlich aus. Es ist kaum zu erkennen, dass es sich um Stauseen handelt.

Nun kommt der schwierige Teil, wir müssen über Edinburghs Vorort Currie zum Union Canal. Der Weg nach Currie führt schon mal über eine asphaltierte Straße. Das mögen wir nicht so, aber sie ist zum Glück nicht arg befahren. Von einem Hügel aus breitet sich Edinburgh unter uns aus.

Wir lassen die Stadt jedoch rechts von uns liegen und laufen in Richting Currie Station, in der Hoffnung, irgendwo einen Kaffee zu ergattern. Currie wirkt jedoch wie eine typische Schlafstadt ohne eigentliches Zentrum.

Nun kommen die schlimmsten vier Kilometer unseres Urlaubs: Steffi dachte sich, es wäre tolle Idee, an der Herriot Watt Universität vorbeizulaufen. Schließlich ist dies eine der Partneruniversitäten der Institution, bei der sie arbeitet und eine ihrer lieben Kolleginnen hat dort studiert. Steffi hat sogar versprochen, ein Foto von der Uni zu machen. Jedoch haben wir uns die falsche Seite des Campus ausgesucht – Alles was wir rechts sehen, ist eine große Mauer, und das auf drei Kilometern Länge. Friedel kann so gerade drübergucken, Steffi leider gar nicht. Links von uns gibt es eine dicht befahrene Straße und keinen Gehsteig. Tatsächlich gibt es ein einziges Mal eine Lücke in der Mauer – scheinbar eine Lieferanteneinfahrt. Wir verlieren irgendwie die Lust auf den Campus hinter der Mauer und machen, dass wir weiter kommen. Dann gibt es halt kein Foto!

Wir sind sogar so genervt von der Straße, dass wir den erstbesten Feldweg in Richtung Union Canal einschlagen und prompt auf einer Wiese mit kleinen Jungbullen stehen. Die finden wir erst sehr niedlich, aber als sie uns verfolgen und wild mit den Köpfen rotieren und laut schnauben, sehen wir zu, dass wir über einen Stacheldrahtzaun zum Kanal kommen. Endlich in Sicherheit! 🙂

Die letzten drei Kilometer zockeln wir gemütlich über den Treidelpfad am Kanal entlang. Diese Kanäle gibt es überall in England und Südschottland und sie wurden in der frühen Phase der Industrialisierung angelegt, um Rohstoffe effektiv in die Industrie-Zentren zu bringen. Die langen ¨Narrowboats¨ wurden von Pferden gezogen, die auf den Treidelpfaden neben den Kanälen liefen. Heute sind auf den alten Treidelpfaden jede Menge Fußgänger und Radfahrer unterwegs – So auch wir!

Unser Inn ist eine alte Pferdestation und liegt genau am alten Bootshafen. Leider regnet es heute Abend, so dass wir nicht am Bootssteg sitzen können.

Morgen aber sind wir den ganzen Tag am Kanal unterwegs – So werden wir noch genug Kanalwasser schnuppern!