DDLN – Deutschland der Länge nach

Ihr habt es vermutlich schon gemerkt – wir streckenwandern jetzt auch in Deutschland!

Bisher haben wir meistens nur Kurzurlaube und Wochenenden in Deutschland verbracht. Den Westweg sind wir so schon gelaufen, den Albsteig, den Schluchtensteig und den halben Altmühltal-Panoramaweg.

Ihr kennt uns als echte England-Fans. Aber aus verschiedenen Gründen haben wir die letzte Etappe von LECW etwas verschoben:

1 Der Brexit. Wann wird Großbritannien aus der EU austreten? Und wie? Stehen wir dann irgendwo blöd am Flughafen und kommen nicht zurück? Wie wird die Stimmung im Land sein, wenn der Austritt ansteht? Im Moment haben wir keine Lust auf diese Wirren und verschieben Schottland auf später.

  1. Die sogenannte ¨Flugscham¨: Wir wollen nicht jedes Jahr zweimal auf die Insel fliegen. Aber wenn man immer nur zwei Wochen am Stück wandert, ist eine lange Zugfahrt bis nach Schottland zu umständlich. Wir haben uns vorgenommen, in Zukunft nur noch einmal im Jahr zu fliegen – wenn überhaupt.

  2. In GB kennen wir uns mittlerweile ganz gut aus. Viel weniger wissen wir jedoch über Deutschland. Mehrmals sind wir in Großbritannien gefragt worden, wo man denn bei uns ganz gut wandern könne. Mehr als der Schwarzwald und die Alb fielen uns dazu erst mal nicht ein … Das wollen wir ändern!

  3. Besonders wenig wissen wir über Ostdeutschland. Deshalb werden wir auf jeden Fall einen Teil der Strecke durch die mittlerweile gar nicht mehr so neuen Länder laufen.

Der Plan: In Schaffhausen haben wir unsere Deutschlandreise auf dem Ostweg gestartet. Bis Treuchtlingen in Oberfranken können wir die Deutschlandtour an Wochenenden und mit Kurzurlauben abdecken. Die erste längere Etappe beginnt dann morgen: Auf dem Frankenweg und am Ende querfeldein geht es – wenn alles gut läuft – bis Bayreuth.

Das Ende der gesamten Tour soll dann die Ostsee sein – aber das dauert sicherlich noch ein paar Jahre! 🙂

Wir wünschen uns und euch viel Spaß mit ¨Deutschland der Länge nach¨!

Ostweg Etappe 8: Altensteig nach Calw

5. Mai 2019, 25 Kilometer

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Gestern Abend hatten wir bei dem schlechten Wetter keine Gas und keine Lust mehr, uns die Altstadt von Altensteig anzusehen. Der Ostweg führt heute eh den Berg zur Altstadt hoch, also gibt es die Besichtigung am Morgen!

Hoch oben thront das Altensteiger Schloss, umgeben von schönen Fachwerkhäusern und engen Gassen. Das eigentliche Leben findet zwar unten im neueren Stadtteil an der Nagold statt, aber hier oben ist es wie im Freilichtmuseum. Sehr hübsch!

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Weiter geht es über eine zugige Hochebene. Es ist immer noch ziemlich kalt, aber zwischendurch lässt sich sogar mal die Sonne blicken!

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Nach 2,5 Kilometern geht es gleich wieder runter. Und uns erwartet das nächsten Highlight: Berneck liegt wirklich wunderschön an einem grünen See und besticht mit einer überaus fotogenen Burg.

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Wow, was für ein Unterschied im Wandergefühl, wenn es mal nicht regnet! Zwar schneit es heute immer wieder mal, aber der körnige Schnee fällt von unseren Windbreakern gleich wieder ab. Perfekt! 🙂

Natürlich gibt es auch heute wieder jede Menge schöne Passagen im Wald. Friedel liebt es, wenn es „Wald im Wald“ gibt – oben die dunklen Tannen, dann ein Mittelbau aus grünen Buchen oder kleineren Nadelbäumen und unten Moose oder Blaubeersträucher. Drei-in-Eins!

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Im Wald kurz vor Oberhaugstett kommt uns eine einsame Wanderin mit großem Rucksack entgegen. Wir sind so begeistert, eine andere Fernwanderin auf dem Ostweg zu treffen, dass wir mit der Berlinerin glatt eine halbe Stunde verquatschen. Die Frau ist wie wir recht irritiert, dass im Ostschwarzwald so wenig los ist. Sie findet das als Alleinwanderin sogar ein wenig schaurig.  Und in der Tat – obwohl wir den Ostweg „verkehrt herum“, also nicht von Nord nach Süd laufen, haben wir bisher nur zwei weitere Fernwanderer getroffen, und das war auf der zweiten Etappe!

Die sympathische Berlinerin hat uns schon vorgewarnt – ab Oberhaugstett geht es fünf Kilometer über Asphalt, und das über eine saulangweilige und windige Hochebene. Solche Passagen sind  wohl einer der Gründe, warum der Ostweg nicht zu den „Top Trails of Germany“ gehört! 🙂

In Bad Teinach-Zavelstein wollen wir einen Kaffee trinken. Kurorte sind nur leider fast immer piekfein und spießig und Bad Teinach ist da keine Ausnahme. Wir hassen Kurorte!

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Im Kurhotel wollen wir nicht einkehren. So durchqueren wir den total verkitschten Kurpark und hoffen, dass es im Ort ein „normales“ Kaffee gibt. Ähhh … welcher Ort? Neben der Kureinrichtungen gibt es kein Café…

Vielleicht werden wir in Zavelstein fündig? Der Ostweg durchquert nämlich beide Ortsteile, Bad Teinach liegt im Tal und Zavelstein 200 Meter höher auf dem Berg. Auf dem Weg nach oben kommen wir zum ersten Mal auf dieser Tour so richtig ins Schwitzen – 200 Höhenmeter auf einem Kilometer!

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Zavelstein hat eine tolle Burg, aber leider keine Burgschänke. Im geputzten Örtchen sind jede Menge Sonntags-Spaziergänger unterwegs. Alle duften und glitzern, aber keiner ist so verschlammt und verschwitzt wie wir. Ins „Hotel Berlins Krone“ trauen wir uns deshalb nicht und mümmeln unsere Brote auf einer Bank hinter dem Ort – auch nicht schlecht, sogar die Sonne kommt raus und der Tee in der Thermoskanne ist noch warm. 🙂

Auf den restlichen fünf Kilometern nach Calw müssen wir uns ein wenig sputen – der Bus in Richtung Stuttgarter S-Bahn geht um 16:30 Uhr. Schade, denn der Weg ist recht schön, es gibt sogar Passagen auf waldigen Pfaden!

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Kurz vor Calw kommen wir an einem etwas skurrilen Ort vorbei, dem Calwer Schafott. Hier wurde 1818 das zweitletzte Todesurteil in Baden-Württemberg vollstreckt. Urrgh!

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Wir machen, dass wir weiter kommen. Leider haben wir für die schöne Altstadt von Calw gar keine Zeit. Beim nächsten Mal!

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Calw an der Nagold

Um 16:20 Uhr sind wir am Busbahnhof, aber es fährt kein Bus! Wegen einer Streckensperrung sollen wir ein „Shuttle“ zur „Linde“ nehmen. Der Minibus ist allerdings viel zu spät und bringt uns nach einer abenteuerlichen Fahrt über den Berg genau 200 Meter weiter hinter den Busbahnhof. Da der Tunnel unter den Bahngleisen jedoch auch für Fußgänger gesperrt ist, geht ohne das Shuttle nix. Ja toll! Unser anvisierter Bus ist nun weg…

Wir erwischen erst den nächsten Bus und kommen eine Stunde später als geplant in Geislingen an. Schade, denn von Calw nach Geislingen ist es eigentlich nicht so weit. Immerhin konnten wir in der Wartezeit auf den Bus noch etwas in einem Asia-Imbiss essen.

Eigentlich habe wir zwei Wochen Urlaub, aber Friedel hat am Montag einen wichtigen Termin. Deshalb geht es erst am Mittwoch mit unserem Wanderurlaub weiter. Diesmal auf dem Frankenweg!

Ostweg, Etappe 7: Von Freudenstadt bis Altensteig

25 Kilometer

Was ist das nur mit uns und dem Ostweg – nachdem es tagelang frühlingshaft warm war, hat uns heute Mittag der Winter wieder eingeholt.

Blöderweise hat es bei unserer Ankunft am Bahnhof in Freudenstadt gleich voll geregnet. Der Wetterbericht hat für den ganzen Tag Regen und Schnee angesagt – auweia!
Egal. Wie wollten trotzdem nicht zuhause bleiben und nun sind wir halt hier!

Friedel hat die Kamera gleich wasserdicht weggepackt, so sind alle Aufnahmen heute nur mit dem Handy enstanden.

Im Gegensatz zu den letzten Etappen haben wir heute sehr schöne Wege – kaum Asphalt, viel Wald, viel Moos, viel Blaubeergesträuch. 

Die übliche Etappe ist nur 17 Kilometer lang, bis nach Pfalzgrafenweiler. Da wir aber dort nicht übernachten und uns den langen Einmarsch in den Ort ersparen wollen, haben wir uns eine Ortsumgehung auf der Karte herausgeguckt. Wir laufen durch das Zinsbachtal – das ist zwar nicht der Ostweg, aber bedeutet insgesamt eine Abkürzung von etwa drei Kilometern bis nach Altensteig und ist bestimmt viel schöner!

Gegen Mittag ist der Regen tatsächlich in Schneeregen, Hagel und Graupel übergegangen und es ist saukalt geworden. Wir verbringen eine Schlotterpause vor einer Rasthütte mitten im Wald. Zum Glück haben wir unsere Thermoskanne dabei und können unsere eiskalten, nassen Hände daran aufwärmen.
Aber ab jetzt ist es nicht mehr ganz so nass- Schnee ist besser als Regen!

Ein Problem mit dem Wandern im Frühling ist, dass die Wege mitunter total versaut sind vom Holzschlagen. Sogar der Ostweg wird davon nicht verschont. Aber das kennen wir ja schon von den letzten Etappen …

Das Zinsbachtal ist in der Tat sehr lieblich.
Der Weg führt angenehm auf Halbhöhenlage an einer langen, blumenübersähten Wiese und einem murmelnden Bächlein entlang. Leider lassen im Graupel alle Blumen die Köpfchen hängen.


Hinweisschilder machen uns auf die Flößertradition in der Region aufmerksam. Von hier aus wurden in früheren Zeiten große Mengen an Baumstämmen über den Rhein bis nach Holland verflößt. 

Wir freuen uns, dass die Zinsbachstube zwischen Edelweiler und Wörnersberg geöffnet hat – aber was für ein skurriler Ort!
Der Laden hat seinen Zenit vermutlich schon in den 70er-Jahren überschritten und wir fühlen uns wie aus der Zeit gefallen: Im Gastraum sitzen außer uns noch eine Gruppe fideler Rentner, die plötzlich mehrstimmig Volkslieder anstimmen – schräg, aber gut! 🙂

Nun haben wir nur noch fünf Kilometer bis nach Altensteig – und mit der Sachertorte im Bauch schaffen wir die im Nu!
Zwischenzeitlich hört es sogar immer wieder mal kurz auf zu schneien. Freiheit für die Ohren, runter mit der Kapuze!

Schon um 16:30 sind wir am Gasthof ¨Traube¨, unserer heutigen Unterkunft. Der Gasthof ist günstig und das Essen ist außerordentlich lecker – aber es gibt kein WLAN und auch die Einrichtung unseres Zimmers erinnert an die 70er. Gelsenkirchener Barock in Reinform, aber uns stört das nicht.

Die Aussichten für morgen: Weitere 25 Kilometer, es bleibt zwar kalt, aber wird trockener …
Trotz des miesen Wetter war heute ein toller Wandertag, mit Wald im Wald und Grün in Grün …

Ostweg Etappe 6: Von Alpirsbach nach Freudenstadt

17 Kilometer – gelaufen am 13. April 2019

Gestern Abend waren wir zu faul, uns Alpirsbach genauer anzusehen – zu mehr als einem kleinen Verdauungs-Spaziergang nach Lammbraten und Crème Brulée konnten wir uns nicht aufraffen.
Die Besichtigung des Klosters haben wir uns für heute aufgespart. Da die Anlage aber noch geschlossen ist, ist der Innenhof schnell besichtigt. Nach zehn Minuten sind wir schon wieder weg!

Für heute ist Schnee angesagt. Aber so richtig glauben können wir’s noch nicht! Kalt genug ist es!

Wie jeden Morgen geht es erst mal wieder steil bergauf – erst über Stufen, dann durch das obligatorische Wohnviertel in Halbhöhenlage und dann wieder über wurzelige Pfade  im Wald. Sogar die Sonne lässt sich kurz blicken!

Unsere Wander-App hat uns verraten, dass es heute nur zu 18 Prozent über Asphalt gehen soll. Jippie!
Aber alles hat seine Kehrseite – zwar geht es heute fast den ganzen Tag auf Forstwegen durch den Wald, aber wir müssen diese mit Waldarbeitern teilen … So eine Sauerei, wir protestieren! Dies ist ein Überregionaler! Offizieller! Markierter! Wanderweg!!!

Um 11 Uhr beginnt es tatsächlich leicht zu schneien .. und im Verlauf des Tages wird der Schnee immer dichter …

Unsere Mittagspause können wir zum Glück in der warmen „Tannenstub“ verbringen. Leberkäs mit Spiegelei und Kartoffelsalat werfen den inneren Ofen wieder gut an.

Eine kleine Abwechslung ist noch eine nette Hütte mit Schautafel, die an die Glasmacher der Region erinnert. Danach geht es auf schnurgeraden Wegen bis nach Freudenstadt.

Da es mittlerweile ordentlich schneit und wir ziemlich durchgefroren sind, marschieren wir direkt zum Bahnhof durch – ein ausgiebige Fototour über Freudenstadts Marktplatz gibt es das nächste Mal!
Wir sind froh, dass wir nur eine Drei-Tage-Tour geplant haben und am Sonntag nicht bis nach Altensteig weiterlaufen müssen. In der Nacht wird es ordentlich weiterschneien und am nächsten Morgen wird der Schnee ab 500 Metern erst mal liegen bleiben. Da warten wir für den nächsten Abschnitt doch lieber auf wärmere Tage!

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Die Stadtkirche in Freudenstadt

Ostweg Etappe 5: Von Schramberg nach Alpirsbach

19,5 Kilometer

Die Sonne betrügt uns! Heute scheint sie fast den ganzen Tag, aber irgendwie nicht richtig, und warm ist sie auch nicht … 🙂

Wir kommen früh aus Schramberg los. Frühstück gibt es schon um sieben, das mögen wir!
So sind wir schon um Viertel nach acht unterwegs. Wir statten noch dem Glockenturm um die Ecke einen kleinen Besuch ab, den konnten wir von unserem Hotelzimmer aus sehen. 

Da wir dieses Mal am hinteren Ende des Ortes genächtigt haben, sind wir schnell raus und am Berg. Es geht gleich ein steile Treppe nach oben und schon sind wir im Wald. Auch das mögen wir, lange An- und Abwege durch Wohngebiete hingegen nicht!
Von oben haben wir noch mal einen schönen Blick zurück auf das Örtchen Schramberg. Wir fragen uns, wie es wohl wäre, in so einem engen Tal zu wohnen – auch unser Geislingen ist von Bergen umschlossen, aber nicht so hohen und dunklen …

Nett, dass der Weg gleich wieder schön schmal und wurzelig ist und die Sonne so schön durch die Bäume scheint – aber es sind höchstens vier Grad!

Nach drei Kilometern treffen wir leider schon wieder auf Asphalt. Der Weg durch den Ort Aichhalden ist lang, aber es gibt eine Bäckerei, die große Kaffees und leckere Brezeln verkauft. Wir haben schon wieder Hunger!
Bei Aichhalden haben wir auch unsere erste richtige Schwarzwald-Aussicht – allerdings eine ziemlich diesige.

Das Schöne an der zweiten Hälfte der heutigen Etappe sind die vielen Schwarzwaldhöfe. Aber auch hier hat die Modernität in Form von Baumarkt-Türen und Panorama-Fensterfronten Einzug gehalten. Der Preis der Energie-Wende?

Bei Zollhaus landen wir auf einem alten Weg, der früher die Grenze zwischen Baden und Württemberg markierte. Mal sind wir auf der Badener, mal auf der Württemberger Seite. Viele alte Grenzsteine mit den Wappen der beiden Länder stehen noch (so gerade) …

Die heutige Etappe besteht wieder zu einem Drittel aus Asphalt, aber gefühlt sind es mehr. Wir laufen jedoch konsequent auf dem Randstreifen, so dass es unseren Füßen recht gut ergeht. Aber weiche Pfade wären schöner!

Als wir die ersten Ausläufer von Alpirsbach erreichen, ist es gerade mal halb drei. Von oben erblicken wir im Tal eine riesige, hässliche Industrie-Anlage – das ist die berühmte Alpirsbacher Klosterbrauerei. Hmpf!
Mal wieder geht es extrem steil ins Tal runter. Wir laufen den Weg ja eigentlich ¨verkehrt herum¨, entgegen der allgemeinen Laufrichtung. Aber uns sind extrem steile Abstiege eigentlich lieber als hammermäßige Aufstiege am frühen Morgen – alles richtig gemacht!

Schon recht früh am Nachmittag erreichen wir unser Hotel Rössle. Sie lassen uns auch geich rein und wir freuen uns über das große Zimmer mit dem Charme der Siebziger. Und endlich mal wieder Teppichboden im Zimmer, statt Laminat! 🙂


Den Wasserkocher im Bild schleppen wir übrigens im Gepäck mit – wir haben uns in England einfach zu sehr an den Afternoon-Tee gewöhnt … 🙂

Ostweg Etappe 4: Villingen nach Schramberg

11.04.2019: 29 Kilometer

Wir sind wieder unterwegs! Und jetzt können wir´s ja verraten: Wir sind auf Deutschlandtour! Irgendwann wollen wir an der Ostsee ankommen … 🙂

Als wir heute morgen in Villingen loslaufen, hat uns der Winter wieder – es ist saukalt und der Frühling ist hier, auf 700 Meter Höhe, gefühlt mindestens eine Woche zurück.
Zum Glück sind wir für alle Temperaturen gewappnet – nie wieder frieren!

Villingen ist ein hübsches Städtchen mit einer ziemlich intakten Stadtmauer und schönen Toren und Brunnen. 

Natürlich geht es erst mal wieder durch die obligatorischen Neubaugebiete, aber bald sind wir im Märchenwald. So stellt man sich den Schwarzwald vor: Dunkle Tannen, Moose, Flechten und verschlungene Pfade. Der erste Abschnitt von Villingen bis Möchweiler ist richtig toll. Sogar die Sonne lässt sich zwischen den Tannen blicken …

Leider geht es ab Mönchweiler wieder zunehmend über Asphalt – ein großer Nachteil des Ostwegs. Auf keinem Wanderweg bisher mussten wir so viel Asphalt treten wie hier!

In Königfeld trinken wir einen Kaffee und kommen am Albert-Schweizer-Haus vorbei. Wir haben aber keine Zeit hereinzugehen, wir haben noch 14 Kilometer vor uns.

Nach Königsfeld gibt es zwar schöne Ausblicke ins Tal, aber wir müssen wieder Asphalt treten wie blöde … die Ruine Waldau ist eine schöne Abwechslung und es gibt die ersten typischen Schwarzwald-Höfe zu begucken. Wir versuchen, möglichst viel auf dem Seitenstreifen zu laufen, aber unsere Knie und Füße meckern …

Nach Tischneck geht es endlich wieder in einen moosigen Wald – aber es geht steil bergab, und das ganze auf einer extrem nassen Hoppelpiste.

Als Schramberg unter uns auftaucht, haben wir das Gefühl, dass wir fliegen – der Ort liegt bestimmt zweihundert Meter unter uns!

Nach dem Kniekracher-Abstieg sind wir froh, dass wir endlich im Ort ankommen. Und siehe da: Hier unten stehen die Kirschbäume in voller Blüte. Der Frühling hat uns wieder.

Leider ist in unserem Hotel das Restaurant geschlossen. So müssen wir am Abend doch noch mal los – wir landen im ¨Brauhaus Schreivogel“. Allerdings ist das hauseigene Bier so früh im Jahr noch nicht gebraut. Egal, es gibt das gute Alpirsbacher! 
Da kommen wir dann hoffentlich morgen hin … 🙂

Der Tag der Märzenbecher -auf dem Ostweg von Stühlingen nach Fürstenberg: 32km

Ihr habt uns nicht richtig die Daumen gedrückt. Deshalb hatten wir bis Mittag Regen! 🙂


Im Hotel gab´s schon um 6:30 Uhr Frühstück – wunderbar, denn wir haben für heute eine ordentliche Tour vor uns, denn alle Gasthöfe in Achdorf oder Blumberg auf halber Strecke sind geschlossen. Vermutlich müssen sie sich von der Fastnacht erholen. 🙂
Die ersten sechs Kilometer wären langweilig gewesen, wenn es nicht die vielen Märzenbecher gegeben hätte!


Und dann haben wir uns auch noch verlaufen! Erst kurz vor Weizen haben wir gemerkt, dass wir einen Kilometer ins falsche Tal gelaufen sind. Wir sind es echt nicht mehr gewohnt, nach Karte zu laufen!
In Blumegg treffen wir zum zweiten Mal auf die ¨Sauschwänzlebahn¨, eine historische Bahnstrecke, die so heißt, weil sie sich so windet.  


Ab hier verläuft der Weg spektakulär durch die Wutschschlucht. Echt der Hammer!
Es geht auf superschmalen, steinigen, wurzeligen Pfaden auf Halbhöhe durch die Schlucht, links geht es steil nach unten. Der Weg ist in keiner Weise abgesichert, kein Geländer, keine Stufen, einfach nur wild!
Wir müssen uns extrem konzentrieren, dass wir nicht abstürzen!


Ab Mittags wird das Wetter sonniger, aber auch windiger und kälter. Nach Achdorf kommen wir trotzdem ordentlich ins Schwitzen, denn es geht nur noch steil bergauf. Am Ende des Tages sind wir 1670 Höhenmeter aufgestiegen, das geht in die Waden!
Unsere Kaffeepause verbringen wir in der einzigen Hütte, die wir auf der heutigen Strecke antreffen. Ein echtes Glück, denn der Wind heult hier auf dem Berg ganz ordentlich!


Obwohl die Sonne scheint, schauert es zwischendurch immer mal wieder. Der Lohn: Einer der intensivsten Regenbögen unserer Wanderkarriere!


Am Schluss müssen wir noch drei Kilometer an der Straße entlang laufen, denn unser Gasthof liegt etwas ab vom Ostweg. Drei Kilometer können so lang sein!
Selten war eine heiße Dusche so schön!

Drei Tage Ostweg – so schön kann Resturlaub sein!

Unglaublich, wie sonnig ein Wandertag Anfang März sein kann!


Wir müssen noch unseren Resturlaub verbraten und haben uns gestern Nachmittag kurzerhand nach Schaffhausen in die Schweiz aufgemacht. Schon immer wollten wir die Rheinfälle mal aus der Nähe sehen und Schaffhausen soll ja auch sehr schön sein.


Gestern Abend stand erst mal eine Stadtbesichtigung auf dem Programm. Die historische Altstadt hat uns sehr gut gefallen und zu einer richtigen Stadt gehört ja bekanntlich eine Stadtburg und ein ordentlicher Fluss!


Tatsächlich kam ein echtes Auslandsgefühl auf. Wir fiddelten mit den Fränkli herum und hatten leichte Probleme, das Schwyzerdütsch zu verstehen. Wir mussten uns echt zusammenreißen, nicht auf Englisch zu antworten!
Und die Preise! Zum Glück haben wir ein schönes Restaurant in einer Seitengasse gefunden, mit einem kreativen und sehr leckeren Menü.

Frühstück gab es im Hotel schon ab sieben, also waren wir früh auf und hatten die Rheinfälle ganz für uns!

Nach einem zweiten Kaffee machen wir uns dann zum Ostweg auf. Der startet in Schaffhausen und verläuft an der Ostkante des Schwarzwaldes bis nach Pforzheim. Der Westweg im Schwarzwald ist wesentlich bekannter, aber den sind wir 2007 schon mal gelaufen. Also ist nun der Ostweg dran!

Heute laufen wir 22 Kilometer bis nach Stühlingen. Wir sind den ganzen Tag auf schweizer Gebiet, erst am Abend werden wir die Wutach überqueren und wieder in Deutschland sein.
Zunächst geht es durch schaffhausener Wohngebiete hinauf, hinauf, hinauf. Oben angekommen verläuft der Weg teils auf Forstwegen, teils über Magerwiesen.

Das Wetter ist traumhaft sonnig und klar und wir haben eine tolle Weitsicht auf die Alpen!


Das Alpenpanorama begleitet uns bis zum Mittag, als es ab dem Schleitheimer Randenturm den Berg wieder hinuntergeht. Der Abstieg ist mörderisch – es geht auf abschüssigen, steilsten Waldwegen über Wurzeln, steinige Pisten und durch tiefes Laub nach unten. Links und rechts gibt es weite Ausblicke in die Täler – ein anstrengender, aber ganz toller Abschnitt!


Der Weg durch den Ort Schlaitheim selbst zieht sich ziemlich in die Länge und leider gibt es auch keinen Kaffee dort.
Von Schlaitheim nach Stühlingen geht es durch Weinberge und in einem Waldstück noch mal arg steil runter. Dafür hat Steffi im Ort aber einen Gasthof gebucht, der im weitesten und obersten Ortsteil liegt! Puh!
Egal! Die Sonne scheint und der Ort ist hübsch!


Insgesamt hat uns dieser erste Abschnitt des Ostwegs sehr gut gefallen. Die Wege in der Schweiz sind sehr gut markiert und der Alpenblick war phänomenal. Jetzt freuen wir uns auf einen gemütlichen Abend in unserem historischen Gasthof Rebstock!
Morgen geht es dann an der Wutach entlang bis nach Fürstenberg. Drückt uns die Daumen, dass das Wetter so bleibt!