Variante Tag 49: Padfield nach Marsden, 23km

Erster Lückenschluss, noch mehr Steine und Wasser und die Sonne wird warm!

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Als wir heute morgen um 7:18 Uhr aufwachen (Wow, Frühstück gibt’s heute schon ab 7:30 Uhr!) sind wir sehr erstaunt, dass uns gar nichts weh tut: Kein Picken im Knie, kein Muskelkater, nix! Da hat sich unser spezielles Shropshire-Training mit den Spezial-Übungen Stile-Hechten, Grasinsel-Springen und Wiesenhang-Klettern doch ausgezahlt! 🙂

Schwer fällt uns der Abschied von der Windy Harbour Farm. Das Zimmer war zwar recht klein, aber unser Wirt Lee ist so herzerwärmend sympathisch und nett, da wären wir gern noch länger geblieben. Er bietet uns sogar einen kostenfreien Lift zurück zum Pennine Way an, aber wir wollen die vier Kilometer über einen alten Bahntrack lieber laufen. Das ist für uns ja kein Problem, wir mögen Bahntracks 🙂

Der Track ist schön mit alten Bäumen eingewachsen und wir kommen gut voran. Heute haben wir ein Zeitlimit: Wir müssen um 17 Uhr den Zug in Marsden kriegen, der uns (hoffentlich) zurück zum Endpunkt unserer Pennine Way Wanderung 2016 bringen wird, nach Hexham am Hadrians Wall.

Am Crowden Reservoir treffen wir wieder auf den PW und direkt danach führt uns der Weg über Wiesen relativ sanft zum Fuße des Black Hill Moors. Als wir das Moorland erreichen, wird es gleich wieder steinig, aber hallo!

Der Berg liegt im Nebel, doch wir hoffen, dass es aufklart, wenn wir höher steigen.

Der nun folgende Abschnitt führt uns immer am Grat entlang, unter uns fließt ein Bach, der je höher wir steigen, immer dichter neben uns plätschert. Das Gelände wirkt fast alpin, vor allem wegen einiger ¨Kletterstellen¨ und dem Abgrund rechts neben uns. Der Pfad ist ausgewaschen und matschig, sodass man beim Hüpfen der Kante oft gefährlich nahe kommt. Friedel ist leider nicht ganz schwindelfrei und bleibt etwas zurück, während Steffi wie eine Bergziege den Berg hochhüpft. Wenn es steinig und tritt-technisch kompliziert wird, ist sie erst richtig in ihrem Element. 🙂

Oben angekommen, erleben wir eine phantastische Aussicht. Der Blick zurück nach Crowden ist phänomenal!

Erstaunlicherweise sind an diesem Freitagvormittag einige Tageswanderer unterwegs – Wir treffen einige mit leichtem Gepäck, die uns an diesem diesigen Tag überholen oder entgegen kommen.

Unten haben wir noch gedacht, dass wir ganz schön kaputt sind und eigentlich einen Ruhetag benötigen. Aber als wir oben sind, sind wir erstaunt, dass wir die Kletterei doch relativ schnell bewältigt haben.

Bis wir den ¨Gipfel¨ des Plateaus erreicht haben, müssen wir jedoch noch den Bach überqueren. Ist es immer der gleiche? Oder sind es viele? Viermal oder so gibt es Überquerungen von braunen Fließgewässern, jedesmal links und rechts des Ufers von Matschpassagen eingefasst, so dass wir erst mal nach einer guten Stelle zum Rüberspringen suchen müssen. Zwar hat sich der National Trust die Mühe gemacht, schwere Slabs über die Plateaus zu legen, aber eine einfache Brücke ist wohl nicht drin. Vielleicht, weil die eh im nächsten Regenguss wieder weggerissen würde? Also hüpfen wir über Steine und Heidekraut und schaffen es tatsächlich, relativ trockenen Fußes auf die jeweils andere Seite zu kommen.

Oben geht es wieder kilometerlang über die Slabs, links und rechts ist zu sehen, wo der Weg früher verlief, als es noche keine Slabs gab: Uiuiui! Die guten alten Zeiten ohne Slabs wünschen wir uns nicht zurück! 🙂

Wir haben gelesen, dass es bis heute Puristen gibt, die die Slabs ablehnen. Das würde den wahren Geist des Pennine Ways untergraben und jede Menge ¨Touristen¨ ins Moor locken, die nicht hart genug für den Weg sind. Die Wahrheit liegt wohl wie so häufig in der Mitte … 🙂

Relativ schnell versuchen wir wieder nach unten zu kommen, denn dort soll häufig ein Kaffeewagen an der A-Road stehen. Aber welche Enttäuschung: Wie 2016 schon macht er wohl Urlaub!

Den nun folgenden Abschnitt durch das Marsden Moor sind wir schon 2016 gelaufen. Da der Weg von nun an ¨bequem¨ über Schotter läuft, können wir unsere Gamaschen abwerfen. Wir werfen auch unsere Windbreaker ab, denn plötzlich kommt die Sonne raus und er wird RICHTIG WARM!

Schon heute Morgen ist uns aufgefallen, das der Morgen nicht so frisch wie die anderen Tage war. Aber jetzt kommen wir richtig ins Schwitzen. Fast haben wir ein Deja-Vu, denn 2016 war es genauso!

Der Weg an den Reservoirs entlang ist hübsch, aber nicht spektakulär. Wir freuen uns, dass wir Meilen abreißen und sind so pünktlich in Marsden, dass wir noch einkaufen und einen Kaffee trinken können.

Resümee der südlichen zwei Tage des Pennine Ways: Echte Wildnis und anstrengend, aber absolut eines der Highlights des PW. So urwüchsig ist es nur auf der Passage von Malham nach Horton in Ribblesdale und über den Cross Fell. Aber Northumberlands berüchtigte Sümpfe warten ja noch auf uns. Wir sind gespannt!

Kleine Anekdote des Abends: Als wir nach unproblematischer Drei-Stunden Fahrt in Hexham ankommen, genehmigen wir uns wieder unser wohlverdientes Ale in unserer Pub-Unterkunft direkt am Bahnhof und schreiben diesen Blog. Wir sitzen draußen und drinnen tobt die Freitagabend-Party. Als Friedel Ale-Nachschub besorgt, fragt eines der Mädels an der Bar¨Was ist das, was du da trinkst?¨ Die weibliche Bedienung erklärt dem Mädel, dass das Real Ale sei und SIE das nicht trinken könne. Das Mädel darauf zu Friedel: ¨Wow, you must be hardcore!¨ 🙂

Variante Tag 48: Edale über Kinder Scout nach Padfield, 28km

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, Steine über Steine und wie wir es am Ende trotzdem bis nach Padfield geschafft haben!

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Heute die Angststrecke dieses Urlaubs: 28 Kilometer über den berüchtigten Kinder Scout. Angeblich geben schon ein Drittel aller Wanderer am ersten Tag des Pennine Ways auf – huhhhh!

Immerhin ist für heute ein zwar nicht sonniger, aber zumindest trockener Tag angesagt. Dabei verheißt der Wetterbericht, dass es heute ¨breezy¨ sein soll – das kennen wir schon, das heißt auf gut Deutsch, dass der Wind recht ordentlich blasen wird, vor allem auf dem Hochplatau des Kinder Scout.

Aber erst mal geht es gemütlich durch das Edale Valley bis zur Upper Booth Farm.

Die Sonne zeigt sich, die Wiesen sind mit ¨Slabs¨ belegt, das sind große Steinquader, die wie ein Plattenweg den Weg und unsere Füße vor Nässe und Matsch schützen: Gefertigt sind sie aus den Böden abgerissener, ehemaliger Fabriken. Mitunter sind noch die Bohrlöcher der Befestigungen alter Webstühle zu erkennen. Früher haben auf diesen Böden Menschen für einen Hungerlohn geschuftet. Uns erleichtern sie heute unser Freizeitvergnügen. Wie sich die Zeiten doch geändert haben!

Der Blick auf das Tal ist wunderhübsch und der Austieg zum Kinder Scout, die Jacobs Ladder, ist steil, aber bequem. Flugs sind wir oben auf dem Gipfel des Kinder Low, einem der Hauptgipfel des große Plataus. Bis jetzt war der Weg ausgesprochen fußschonend – alles halb so schlimm, denken wir. 🙂

Kurz nach dem Kinder Low treffen wir auf den ersten Pennine Way Wanderer auf dieser Tour, der uns entgegen kommt. Er ist ein typischer Vertreter seiner Sorte: Mittelalt, schwer bepackt, alleine unterwegs und es umweht ihn der Hauch des einsamen Wolfes. Steffi quatscht ihn fröhlich und voller Bewunderung an, ob er den ganzen Weg von Schottland … ?

Als Anwort kommt ein Schwall genuschelter, unverständlicher Worte, aber eins verstehen wir: Er jammert! Er beschwert sich über ¨den verdammten Wind¨!

Auf dem Platau wandern wir immer an der Kante enlang: Interessant geformte Felsformationen und ein großes Durcheinander von großen Steinen, zwischen denen man ständig den Weg verliert.

Als der Weg vom Platau herunter geht, führt der Weg kilometerlang über Slabs – links und rechts von uns gluckert das Moor, pechschwarze Moorhügel türmen sich auf. Keine Chance, eine Pause neben dem Weg zu machen, nach einer Probe mit dem Stock nehmen wir Abstand davon, uns auf die Heidebüschel zu setzen.

Wie sumpfig muss der Weg wohl früher gewesen sein, als die Slabs noch nicht lagen?

Nach der Snake Pass Road wird’s dann richtig unangehm: Der Weg ist ein steiniger Bach! Wir springen von Stein zu Stein und von Heidebüschel zu Heidebüschel und brauchen für jeden Kilometer gefühlt eine Stunde. Rechts geht es steil bergab, als wir endlich den Abstieg zum Torside Reservoir erreichen. Der Abstieg über eine Treppe aus Steinen ist gut gemeint, aber mörderisch steil und sehr abschüssig.

Unsere Einschätzung von 2016 war richtig: Hätten wir damals den Weg über den Kinder Scout gewählt, hätten wir es vermutlich nicht geschafft. Wir waren damals einfach noch nicht reif für die lange, schwierige Etappe. Umso mehr können wir den Weg heute trotz aller Schwierigkeiten genießen.

Die letzten drei Kilometer bis zur Windy Harbour Farm sind dann ein Spaziergang, obwohl wir wie schon so oft querfeldein über einen auf der Karte verzeichneten, aber schon längst verschwundenen ¨local footpath¨ müssen.

Als wir gegen 19 Uhr endlich im Hotel ankommen, haben wir schon fast ein schlechtes Gewissen ob unserer späten Ankunftszeit. Aber wie wir im Laufe des Abends erleben, muss eine andere Gruppe zwei Stunden später vom Torside Reservoir abgeholt werden. Wir wollen mit ihnen die glückliche Ankunft feiern, aber die drei älteren Wanderer sind einfach zu erledigt. Einer von ihnen ist stark sehbehindert. Hut ab, dass er es trotzdem geschafft hat!

Variante Tag 47: Tideswell über Castleton nach Edale, 19km

Der Duft der Pennines, Dales über Dales, die Mongolische Steppe, der Abgang zum Arsch des Teufels und der Gipfel des Perfektionismus …

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Steffi hat ein feines Näschen und könnte sich bei ¨Wetten dass¨ damit bewerben, wenn es das noch gäbe: Erkenne einen englischen Wanderweg an seinem Geruch. Der Southwest Coastpath riecht nach Salz und Farn, der Rob Roy Way nach Harz, die Midlands nach Brennnesseln, die Limestone Dales nach Dung und der Pennine Way hat einen ganz besonderen Duft: Nach torfigem Wasser!

Heute haben wir den Pennine Way schon von Weitem geschnuppert, und zwar schon von Castleton aus!

Aber jetzt der Reihe nach: Die ganze Nacht hat es geregnet und am Morgen sieht es draußen ganz mies aus. Steffi kommt auf die glorreiche Idee, noch vor dem Frühstück einkaufen zu gehen und kommt total durchnässt zurück. Aber ab elf Uhr soll der Regen aufhören.

Wir trotten im strömenden Regen den gleichen Weg zum Limestone Way zurück. Gestern kam er uns länger vor – Wir fürchten ein wenig den Matsch im Peters Dale.

So schlimm isses dann aber gar nicht. Nach dem Peters Dale folgt sofort das Haydale, eins schöner als das andere. Ein grasiger Pfad führt uns durch grüne Täler mit felsigen Wänden und vereinzelten alten Baumgruppen.

Der Ausstieg aus dem Tal ist superwindig, steinig und später auf Asphalt. Aber schon bald erklimmen wir eine steile Wiese, erreichen einen Grat, und vor uns liegt eine Landschaft, die uns an eine Graswüste erinnert – So stellen wir uns die Innere Mongolei vor!

Mittlerweile hat es aufgehört zu regen und siehe da – Die Sonne hat sich besonnen und bescheint uns für den Rest des Tages. 🙂

Trotzdem weht ein eisiger Wind und nur Sonne ohne Wind ist warm!

Kurz vor Castleton führt uns der Weg durch ein weiteres Dale, dieses Mal durch das Cavedale. Der Abstieg durch das Tal ist eine Zumutung: Der Weg zwängt sich teilweise nur zwei Meter breit durch die Felswände und die gesamte Breite nimmt ein steiniger Bach ein. Noch dazu sind die Kalksteine superglitschig. Eine echte Konzentrationsarbeit!

Der Eingang der namensgebenden Höhle ist zwar vergittert, aber ein unheimliches, an einen lauten Generator erinnerndes Brummen dringt aus dem Loch. Spooky!

Im unteren Drittel öffnet sich das Tal in ein felsiges Rund, über dem links die Ruine des Perveril Castle thront – Der Weg dorthin ist uns dann aber doch zu steil und glitschig und wir verzichten auf die Besichtigung.

Viel mehr reizt uns die Aussicht auf einen Kaffee – Castleton ist ein touristischer Hotspot, aber zum Glück nicht Anfang Mai. Wir finden ein nettes Café, das leckere Brownies anbietet, aber leider keine Bakewell Tarts! 🙂

Castleton – übrigens ein sehr hübscher Ort mit vielen Limestone-Häusern – hat eine große Schauhöhle mit einem sehr großen Parkplatz davor. Das große Werbeschild für die Höhle spricht uns so gar nicht an:

Höhlen haben wir schon genug auf der Alb und so sehen wir zu, dass wir vom Hope Dale ins Edale Valley kommen … beide trennt eine beindruckende Bergkette, die wir überwinden müssen. Ein letzter Kraftakt des Tages, der uns gut vom Fuße geht. Interessant ist, dass es auf dem Anstieg fast windstill ist, aber es uns ab dem Grad und talwärts fast aus den Socken weht.

Auf dem Grat – Hollins Cross – angekommen haben wir den Kinder Scout und den alten Aufstieg des Pennine Ways am Grindbrook Clough entlang direkt vor den Augen. Wir hören schon, wie der Pennine Way uns ruft!

Der Kinder Scout ist überhaupt der Grund, warum wir nach den zwei Nachholtagen von Rugeley nach Uttoxeter nicht sofort bis zum Hadrians Wall weiterfahren: 2016 sind wir erst am Wessenden Head auf dem PW eingestiegen. Ehrlich gesagt, wir hatten Schiss vor der langen Etappe von Edale bis nach Torside! Stattdessen haben wir den „Alternative Pennine Way“ über Burbage Edge und durch das Dervent Valley genommen. Das war zwar auch ein schöner Weg, aber im Nachhinein hätten wir uns geärgert, wenn wir den Pennine Way nicht komplett gelaufen wären. So ist der Kinder Scout für uns der Gipfel der Perfektion und der Pennine Way ist so oder so unser absoluter Lieblingsweg in Great Britain! So machen wir in Edale unbedingt noch den Umweg zum „Old Nags Head“ und damit zum Beginn des Pennine Wegs.

Als unsere Schuhe im ¨Ramblers Inn¨ langsam neben der Heizung trocken, schnuppert Steffi und seufzt zufrieden – Die Lücke wird geschlossen und die Krämerseele hat Ruh! 🙂

Variante Tag 46: Hulme End nach Tideswell, 26km

Mauern statt Hecken, eine englische Karten-Kuriosität, viel Wasser, die perfekte Unterkunft … und endlich ein Wetter!

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Heute erwartet uns ein toller Tag voller Abwechslungen. Am Morgen geht’s weiter am River Manifold entlang, mittags über die satten Wiesen im Kalkstein-Land und am Nachmittag der Abstieg in das Millers Dale und weiter durch das Monks Dale bis nach Tideswell.

Schon als wir am Morgen aufwachen, lacht die Sonne ins Zimmer. Der erste Gang vor die Tür zeigt aber, dass es noch empfindlich kalt ist: Die Wiesen sind grau von Rauhreif und es weht eine kühle Brise. Aber wir wollen ja nicht meckern – Der Wetterbericht verhieß einen bedeckten Tag!

Nach einem guten gehaltvollen englischen Frühstück mit Fried Bred (in Fett gebratetenem Toast), Black Pudding (gebratener Blutwurst) und den üblichen Bohnen, gebratener Tomate, Wurst und Schinken sind wir gerüstet für den Tag. Zwar sind einige Pubs auf dem Weg eingezeichnet, aber ob die geöffnet haben? Vorräte haben wir kaum noch.

Zunächst geht es weiter am River Manifold entlang. Heute allerdings nicht mehr über den Bahnweg, sondern über Country Lanes und durch Marschland. Zum Glück ist es relativ trocken und trotz einiger Fehtritte in den Matsch halten die wasserdichten Socken. Hier unten am Fluss ist es windgeschützt und wir ziehen zum ersten Mal unsere Windbreaker aus, yeahh!

Außerdem sind wir nun in Derbyshire und der Unterschied ist offensichtlich: Obwohl wir nach dem Manifold Trail nur über lokale „public footpaths“ laufen, erkennt man: Diese Wege werden BEGANGEN! Wir bedanken uns recht herzlich bei den Bauern in Derbyshire, die die Stiles pflegen, Brücken setzen und Steine auf matschige Stellen legen. So gehört sich das!

Ein besonderes Highlight des Tages sollte die Durchquerung eines großen Kalksteinbruchs sein. Auf der Karte führt ein Weg mittendurch. Abenteuerlich!

Tatsächlich müssen wir vorher erst mal einen ordentlichen Berg über sattgrüne Wiesen und zahlreiche Stiles hochsteigen. Das erste Mal auf dieser Tour geraten wir richtig ins Schwitzen. Je höher wir aber steigen, desto mehr weht wieder der Wind. Also Jacken wieder an, wieder aus, wieder an … 🙂 Oben auf dem Berg erwartet uns der perfekte Blick in die Dales: Mauern, Schafe, Wiesen, spitze Berge und fotogene Wolken. Auf der anderen Seite aber klafft der Abgrund – der Berg ist komplett abgeschnitten und unter uns liegt der größte Steinbruch, den wir je gesehen haben! Als wir aber den Weg durch den Steinbruch suchen, werden wir enttäuscht – Es gibt keinen! Da, wo er laut unserem GPS und Karte beginnen soll, geht es 100 Meter tief steil nach unten, geschützt durch einen Zaun!

Wir stellen uns vor, wie Ordnance Survey die Zähne fletscht: ¨Hier befindet sich ein historisch beurkundeter Fußpfad! MITNICHTEN werden wir diesen auf unseren Karten löschen! Wir sind die königliche Instution, die die Hand auf die Bewahrung solcher Wege hält!¨ Englische Right-of-Way-Intrigen? Tja, aber der Weg ist nun einfach nicht mehr da!

So bleibt uns nicht anderes übrig, als den langen Weg um den Steibruch herum anzutreten. Auf einem gut ausgetretenen Pfad, der nicht auf der Karte eingezeichnet ist, ts ts ts! 😉

Nach diesem Hindernis treffen wir nach der Überquerung einer dichtbefahrenen Bundesstraße (wir hoppeln darüber wie die Hasen!) auf den Limestone Way, der uns bis ins Millers Dale führt. Hier bekommen wir nach einem Kniekracher-Abstieg endlich unseren wohlverdienten Kaffee an der Mühle.

Der Limestone Way hätte uns über die Hochebene am Monks Dale vorbeigeführt. Wie aber haben uns für den etwas längeren Weg durch das Tal entschieden. Uns erwartet ein wundervoller, romantischer Abschnitt mit einem plätschernden Wasserlauf und steilen Wegen links und rechts. Ganz klar das Highlight des Tages!

Wir fragen uns, warum der Limestone Way dieses wunderschöne Tal auslässt … Im oberen Teil des Tals wissen wir es dann: Es geht zwei Kilometer über glitschigste Steine, durch Modder und über einen Knöchelbrecher-Pfad, der eigentlich das Bachbett selber ist. Carla, du wärst gestorben! 🙂

Trotzdem sind wir begeistert von diesem Dale … Die letzten zwei Kilometer entlang einer engen, mauereingefassten Straße bis nach Tideswell sind ein fairer Preis dafür.

Das Horse and Jockey Inn ist ein gemütliches, lebendiges Pub mit tollen Zimmern – und auch nicht teurer als andere, wesentlich schlechtere Unterkünfte, die wir sonst so hatten. Ein Zimmer mit Himmelbett und Sofa, alten Möbeln und dem Charme der Vergangenheit – das mögen wir!

Variante Tag 45: Cauldon Lowe nach Hulme End, 19km

Eine Sonne, die nicht wärmt, ein Fluss, der nicht in seinem Bett ist, ein Pfad, der für einen sorgt – und trockene Füße.

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Heute ist ein halber Ruhetag: Nur 19 Kilometer und kein Matsch!

Aber vor der Freude kommt der Ärger: Das miese Campingplatz-Inn in Cauldon Lowe macht uns kein Frühstück! Auf der „booking.com“ Seite haben sie noch damit angegeben, aber weil wir anscheinend die einzigen Gäste sind, bleibt die Küche kalt. Stattdessen verweisen sie uns freundlich an den nächsten Pub „fünf Kilometer in Richtung Ashbourne“.

Aber wir haben ja noch unsere deutsche Notration dabei, Lammsalami, Mini-Babybel und Pema-Brot. Und dank der schönen englischen Tradition, immer einen Wasserkocher, Kaffee und Tee auf den Zimmern zur Verfügung zu stellen, ist unser improvisiertes Frühstück gerettet. Für den heutigen Tag hoffen wir dann auf einen Tearoom unterwegs, der uns vor dem Verhungern bewahrt.

Unsere Klamotten stinken nach altem Bratfett vom Vortag, aber immerhin hatten sie eine schöne altmodische Heizung im Zimmer, so dass wir heute mit trockenen Schuhen und frischgewaschenen Sealskinz-Socken in den Tag starten.

Heute Morgen sind es frische drei Grad draußen, dazu weht eine steife Brise, die uns die Tränen in die Augen treibt. Aber wir werfen schon zarte Schatten …

Zunächst geht es zwei Kilometer an einer vielbefahrenen Straße, einem gigantischen Steinbruch und einem riesigen Zementwerk vorbei, bis wir hinter dem Werk in ein kleines Tal abbiegen können. Und siehe da – wir sind in den Dales! Wenige Meter von der fiesen Straße entfernt erwarten uns grüne Wiesen, sanfte Berge, Steinmäuerchen und knallgelb blühende Ginsterbüsche. Und so geht es eigentlich den ganzen Tag weiter. 🙂

Am Anfang der Dales steht wieder die übliche Navigiererei über Wiesen und Stiles, auch der eine oder andere Umweg und das damit verbundene Klettern über Stacheldrahtzäune ist dabei. Zum Glück sind die Wiesen heute überhaupt nicht matschig.

Bei Waterhouses kommen wir dann auf den Manifold Way, der uns den Rest des Tages tragen wird. Auf den mäandernden Fluss und auf das enge Tal haben wir uns schon den ganzen gestrigen Tag gefreut. Überhaupt ist der Fluss der Grund dafür, dass wir den Weg bis nach Edale zum Beginn des Pennine Way laufen und nicht fahren. Schließlich sind wir die Passage von Uttoxeter bis zum Tal von Edale schon 2016 gelaufen. Aber zapperlot! Kein Wasser im Fluss! Nur trockene, graue Steine und Bärlauch!

Friedel tröstet mich noch damit, dass dies noch gar nicht der River Manifold ist, sondern der River Hamps – aber auch sechs Kilometer weiter beim Zusammenfluss mit dem River Manifold gibt es nur ein zugekrautetes Flussbett und moosige Steine – Hier ist schon länger kein Wasser mehr geflossen!

Egal, der Weg ist trotzdem schön. Links und rechts des Trails Felsen und Höhlen, auf dem schmalen Wiesenstreifen zwischen dem Flussbett(!) und der Felswand springen frischgeborene Lämmer herum. Es gibt jede Menge blühende Büsche und Bluebells. Außerdem Bärlauch in rauhen Mengen. Da wir ja heute Morgen kein Obst hatten, pflücken wir einige Blätter links und rechts des Weges und mampfen die frischen scharfen Blätter. The path will provide! 🙂

Auch der Manifold Trail ist ein alter Bahntrack, so bleiben wir schön trocken an den Füßen und kommen wesentlich schneller voran, als wenn wir von Grasbüschel zu Grasbüschel springen müssten.

Wir haben gar nicht aufgepasst, aber plötzlich führt der Fluss Wasser! Scheinbar versickert der Fluss vorher in dem karstigen Kalkgestein. Von nun an wird es erst richtig hübsch im Tal und … es gibt ein Postkarten-Farmhaus mit einem Tearoom! Wer schon friert, soll wenigstens nicht hungern, haha!

Nach Kaffee, Möhrenkuchen und Chocolate Cake vor malerischer Flusskulisse sieht die Welt doch gleich besser aus, vor allem wenn sich auch die Sonne mal zeigt. Auch wenn sie nur wenig wärmt …

Die letzten vier Kilometer geht es weiter am Fluss entlang, bis sich das Tal weitet und wir schon um 14 Uhr am Manifold Inn ankommen. Das Inn und das Zimmer sind „ebbes recht’s¨, wie der Schwabe sagt: Hübsch gelegen am Fluss, eine Gruppe von alten Steinhäusern und mit solider Einrichtung. So mögen wir’s! Und Früstück scheint’s auch zu geben …

Jetzt sind wir in den Dales, so wird es hoffentlich weiterhin trocken unter den Füßen bleiben. Wir erwarten nur noch torfiges Wasser und kein Matsch mehr in den Schuhen. Wir freuen uns schon darauf!

Variante Tag 44: Uttoxeter nach Cauldon Lowe, 26km

Die 21 Kilometer, die matschige 26 Kilometer werden, verschwundene Pfade und Sabotageverdacht, wildgewordenes Nutzvieh…

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Rurales, flaches Mittelengland. Heute haben wir mit einer lockeren Tour gerechnet – Wenn Staffordshire denn wanderfreundlich wäre!

It really really really is a shame! Nicht nur dass es sich beim Staffordshire Way um den wichtigsten Wanderweg im County handelt – Nein, der Weg ist auch DIE Route, die ¨Land’s End to John o‘ Groats¨-Wanderer normalerweise nehmen. Vermutlich sind hier aber schon länger keine solchen mehr durchgekommen, denn der Weg ist kaum zu erkennen! Unser GPS und die OS-App zeigen eindeutig, dass hier der Weg verlaufen sollte. Stattdessen gibt es nur Dickicht und Sumpf. Entweder ist der Weg total verwachsen oder (wir möchten es glatt Sabotage nennen) komplett untergepflügt oder mit Mist eingesaut. Sogar die Stiles!

Der Pfad entlang des River Dove ist abenteuerlich: Auf der einen Seite der Abhang zum Wasser, auf der anderen die untergepflügte Ackerkrume. Nach zwei Stunden sehen wir aus wie Sau: Böse, böse Bauern! Aber immerhin hat es nicht geregnet … 🙂

Besser wird es erst nach Rocester, wo wir auf den Churnet Way wechseln. Den Abschied vom Staffordshire Way bedauern wir nicht!

Der Churnet Way ist ein ehemaliger Bahntrack. Oh welche Wohltat! Wir können sogar nebeneinander gehen!

Hier treffen wir (heute am Sonntag) auf jede Menge Wanderer und Spaziergänger. Auf dem Staffordshire Way ist uns kein einziger begegnet! Wieso nur?

Bis Oakamor können wir sieben Kilometer abreißen. Der Track führt uns größtenteil durch Wald und endlich gibt es jede Menge Bluebells zu bewundern. Außerdem die fettesten Sumpfdotterblumen, die wir je gesehen haben.

Der beste Teil kommt dann! Nach einem wässrigen Automatenkaffee im einzigen Pub des Örtchens geht es dann auf den Staffordshire Moorlands Walk ordentlich nach oben. Der Weg führt uns durch ein schönes Waldstück (der erste nennenswerte Wald auf der Tour) auf einen Höhenzug, von dem wir eine schöne Sicht auf ein Tal haben. Nett ist auch, dass sich endlich mal die Sonne blicken läßt, wenn auch ein eisiger Wind weht.

Steffi will sich wieder als Lammretter beweisen, als wir an einem zappelnden Lamm vorbeikommen. Das arme Ding liegt auf der Seite und sieht so aus, als ob es nicht mehr auf die Füße kommen könnte. Sie stellt es auf die Beine, aber es fällt sofort wieder um und zuckt weiter. Epilepsie? Mit Bedauern ziehen wir weiter. Kein Farmhaus in Sicht, also was sollen wir tun?

Unser Martyrium beginnt auf den vermeintlich letzten drei Kilometern: Wir verlassen den Moorland Walk, um über Public Footpaths in Richtung unseres Inns in Cauldon Lowe zu wandern. Nach der Karte sieht es so aus, als wenn wir nur ein paar Wiesen durchlaufen müssten – aber oh weh! Jeder Pfad (wenn er denn existiert) endet im Sumpf oder gar an einem matschigen Bachlauf ohne Brücke. Wenn da Wege waren, dann war es vor langer, langer Zeit …

Am, Ende, nach Überwindung einiger kurioser Stiles, laufen wir über den Umweg des Umwegs des Umwegs, müssen uns auf einer Wiese über einen Stacheldrahzaun vor Bullen retten und werden fast von einem freudig herangaloppierenden Pferd überrannt.

Friedels Tracker zeigt am Ende statt der geplanten 21 Kilometer 26 an. So kann es gehen im wilden Staffordshire!

Im Camping-Pub in Cauldon Lowe gibt es dann zur Belohnung kein Essen mehr – zum Trost werden uns die schlechtesten Burger unseres Lebens serviert: Zwei Drittel Pommes, einen Brotlappen mit einer Scheibe Tiefkühl-Friko MIT KÄSERASPELN! Nun sind wir PAPPSATT, burps…ein Frühstück müssen wir uns morgen woanders suchen … aber das Bier ist gut! 🙂

Wandern im Staffordshire? Entbehrlich!

Aber morgen kommt der River Manifold und die Limestone-Dales! 🙂

Tag 43: Rugeley nach Uttoxeter: 25 km

Von Zivilisationsstress, Friedels prophetischer Gabe, mucho Matsch und netten mittelenglischen Dörfchen…

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Wir sind wieder unterwegs, jippie! Für drei Wochen und 450 Kilometer! 🙂

Gestern sind wir erst gegen 20:30 Uhr in Rugeley angekommen. Die Stationen unserer Odyssee waren: Stahlwald in Stuttgart, schnarrende, unverständliche Ansagen und Fussballfans (Manchester United?) im Flieger, 50m-Schlangen vor den Bahnticket-Automaten und -Schaltern, die üblichen Gleisverwirrungen…neee, Reisetage sind echt nicht der Hit!

Unser Premier Inn ist diesmal besonders günstig – woran das wohl lag? 🙂 Die der Hotelkette zugehörigen Pubs sind ähnlich standardisiert wie die Wetherspoons und nach einer solchen Reise ist das Doombar ein verdientes Schicksal…

Vom heutigen Wandertag – es ist ein Nachholtag, der Friedels kaputten Knien von 2016 geschuldet ist – haben wir ursprünglich nicht viel erwartet. Zuerst ein wenig am Trent-and-Mersey-Kanal entlang – das mögen wir!

Auf der Karte sieht es so aus, als ob es die ganze Zeit über Wiesen, Wiesen, Wiesen gehen würde. Und siehe da: Es geht die ganze Zeit über Wiesen … ! 🙂

Noch dazu sprühregnet es fast den ganzen Tag und der Boden ist dementsprechend matschig. Schon nach zwei Stunden sind die Schuhe voller Sotter, aber Gamaschen und wasserdichten Socken sei Dank – wir überstehen den Tag relativ trocken und können die Regenjacken sogar im Rucksack lassen.

Es ist schön, dass es den Staffordshire Weg gibt. Den ganzen Tag können wir ihm folgen. Jedoch scheint er nicht besonders häufig begangen zu sein – wackelige und zugewucherte Stiles, untergepflügte Wege, zugemistete Wiesen – besonders wandererfreundlich ist das nicht!

Unser besonderer Dank gilt den freundlichen Leuten in Colton, die uns mehrfach zu ihrem Dorf-Frühstück einladen. Als wir an der Kirche dort unsere Gamaschen anlegen, kommt der Vikar vorbei und Friedel scherzt: Pass auf, gleich kommt er und bietet uns Kaffee, Tee und Kekse an … und er kommt und lädt uns zum Frühstück ein, mit Kaffee, Tee und Bisquits! 🙂 Kurz darauf hält ein Auto an und lädt uns ebenfalls zum Frühstück ein. Leider können und wollen wir nicht bis zum Beginn desselben warten, wir sind noch satt und wollen weiter.

Danke auch an das freundliche Café im historischen Dorf Abbots Bromley, deren Betreiber uns trotz unserer schmutzigen Schuhe nicht rauswerfen.

Erwähnenswert ist auch, dass der Kaffee im Uttoxeter ¨Old Swan¨ (Wetherspoon) spottbillig ist und es dazu ein kostenloses Refill gibt!

Insgesamt ist die Tour heute sportlicher als wir gedacht haben – das liegt nicht nur an den 25 Kilometern, sondern auch an den vielen Sprüngen über diverse schlammige Riesenpfützen und an den zahllosen Stiles, die wir heute überwinden mussten.

Also ein idealer Trainingstag für den Kinder Scout, der uns demnächst erwartet…:-)

Abschnitt 4: Die Midlands und White Peak

Wir freuen uns, dass wir dieses Mal nach Manchester fliegen können: Seit kurzem bietet Ryanair einen (fast) täglichen Direktflug von Stuttgart nach Manchester an. Midlands, wir kommen!

Über die Wegführung dieser Tour freuen wir uns besonders: Dieses Mal folgen wir keinem markierten Weg, sondern haben uns – wie auch schon in Somerset (Abschnitt 3) –  den Weg aus verschiedenen lokalen Wanderwegen zusammengebastelt. Hierbei galt es, einen attraktiven Weg durch das eher langweilige Flachland zwischen Wales und dem Peak District zu finden.

Unsere Tour führt uns dieses Mal also durch das hügelige Shropshire über Wenlock Edge und die Ironbridge-Schlucht, dann durch das Flachland bis zum Cannock Chase, einer hügeligen „Area of Outstanding Beauty“. Von dort aus wandern wir entlang des Trent-and-Mersey Canal bis nach Rugeley.

Hier hätten uns nun zwei Tage Weg durch das Flachland erwartet, aber leider hat Friedel Knieprobleme und wir fahren stattdessen mit dem Bus bis nach Ashbourne.

Hier erwarten uns der Peak District (White Peak) und die Kalkstein-Berge Süd-Yorkshires. Wir hoffen auf eine abwechslungsreiche Tour durch verschiedene Landschaften und werden am Ende der Tour bei Marsden auf den legendären Pennine Way treffen.

Fazit nach der Tour: Insgesamt war die Tour sehr abwechslungsreich und wir waren sehr zufrieden mit unserer Wegführung. Die drei ausgelassenen Tage wollen wir jedoch später nachholen …