Ankunft und Weiterflug 13:45 Uhr

Stempeltour im äußersten Ostharz
Gelaufen am 19. Oktober 2022, 23 Kilometer, vier Stempel

Im Gegensatz zu gestern ist es heute recht kühl. Aber immerhin regnet es nicht.
Den frühen Morgen verbringen wir damit, darüber zu diskutieren, ob wir die 23 Kilometer heute schaffen oder einen Stempel weniger erlaufen sollen. Irgendwie habe ich in den letzten Tagen Knieschmerzen entwickelt, die sich vor allem beim Bergabgehen bemerkbar machen. Wir beschließen, dass wir mal schauen, wie es so läuft und erst im Dorf Wieserode entscheiden, ob wir direkt nach Maisdorf zurückgehen oder den Schlenker zur Konradsburg noch machen.

Gut an der Tour heute ist, dass sie relativ wenige Höhenmeter aufweist, „nur“ 377 Meter Anstieg und Abstieg. Gut für lädierte Knie. Jedoch stehen nicht gerade die Highlights des Harzes auf dem Programm: Ein Landschaftspark, eine Pausenbank unter einem bewaldeten Hügel, ein Wildgehege und eine halbverfallene Klosteranlage. Immerhin verspricht die Klosteranlage etwas Glamour auf dieser eher sehr ländlich orientierten Tour. Aber ob wir da hinkommen, das werden wir erst später sehen.

Trotzdem wird es eine sehr schöne Tour. Wir schlendern nämlich durch eine abwechslungsreiche und hügelige Landschaft, treffen auf hübsche, verschlafene Dörfer und auf sehr wenig Menschen.

Die erste Stempelstelle, der Degenershausener Landschaftspark, lässt uns darüber spekulieren, wie sich solch eine Anlage wohl finanziert. Wir wandern über ein weitläufiges Gelände mit exotischen und einheimischen Baumarten, einem Staudengarten und riesigen Rasenflächen. Das Gelände befindet sich aber äußerst abgelegen mitten im Wald und außer uns ist hier niemand unterwegs. Die Spendenbox am Eingang wird die vielen Gärtner, die zur Pflege der Anlage nötig sind, wohl kaum finanzieren, da sind wir uns einig.

Auf dem Weg zur zweiten Stempelstelle, dem Rastplatz am Klusberg, trainiere ich verschiedene Techniken, um das Kniepicken bei den Abstiegen zu verringern. Friedel rät mir zu verschieden Qi-Gong-Techniken, aber für mich bewährt sich der „Storchengang“, bei dem ich beim Abstieg die Knie bis auf Hüfthöhe hochziehe. Sieht bescheuert aus, hilft aber! 🙂

Die Picknickstelle mit Stempelkasten „Am Klusberg“ liegt in einem entzückenden Tal, das mich (sorry Darina!:-)) mal wieder an Wales erinnert. Vielleicht liegt es an den Weißdornbüschen, an den grünen Hügeln oder am Licht, aber Friedel stimmt mir voll zu!

Die dritte Stempelstelle, das Wildgehege, finden wir spektakulär!
Nicht oft kann man Bisons in Deutschland betrachten, aber vor allem nicht in solch einem weitläufigen Gehege und trotzdem aus der Nähe.

Bestimmt über einhundert von den wilden Gesellen tummeln sich in der privat geführten Anlage. Netterweise kommen die zotteligen riesigen Biester sogar ziemlich dicht zu uns an den Zaun, um gemütlich an der Futterstelle zu mampfen. Ich sage nur: „Tatonka!“

Ach ja, fast hätten wir es vergessen- eine Stempelstelle gibt es hier auch!

Kurz vor dem Dorf Wieserode hören wir über uns plötzlich ein Gezeter und Gekreische. Wir entdecken die erste Abordnung einer Zugvogel-Armada, die sich scheinbar auf dem Weg nach Süden befindet. Wir vermuten. dass es sich um Wildgänse handelt. Auf jeden Fall machen sie einen Mordslärm.

Aber dies ist, wie gesagt, nur die erste Gruppe. Die Turmuhr der Fachwerk-Kirche in Wieserode schlägt mal eben Viertel vor zwei, da kommt eine Reisegruppe nach der anderen über dem Himmel über uns an. Den ganzen Nachmittag fliegt eine Gruppe nach der anderen vorbei, teilweise in Gruppen von über fünfzig Vögeln. Fasziniert beobachten wir, wie sich die Gruppen am Himmel neu orientieren, zu neuen Teams zusammenschließen und immer wieder andere Formationen bilden.

Eigentlich haben wir schon vor Wieserode beschlossen, dass ich es bis zum Kloster Konradsburg noch schaffe. Das Kniepicken kommt und geht, da machen die drei Kilometer mehr auch nichts mehr aus!

Auf dem zugegeben eher langweiligen Wegabschnitt zwischen den Dörfern Wieserode und Neuplatendorf kommt sogar ein wenig die Sonne raus. Da sieht die weite Felderlandschaft doch gleich viel besser aus!

Kloster Konradsburg sieht aus der Ferne imposanter aus als aus der Nähe. Die ehemals wohl sehr weitläufige Anlage ist bis auf wenige Restgebäude nicht mehr existent. Es steht noch die große Mauer, der hintere Teil der großen Klosterkirche und einige Nebengebäude, die als Wohnhäuser genutzt werden.

Wir freuen uns, dass wir mit dem Bisongehege und dem Kloster Konradsburg die östlichsten Stempel der Harzer Wandernadel erworben haben, und das an so einem wunderbaren Herbsttag. Interessanterweise hatten wir nicht das Gefühl, im Harz unterwegs zu sein. Aber eine nette Landpartie war das heute!

Ein Salamander kommt selten allein

Im Selketal bei Meisdorf: Gelaufen am 18. Oktober 2022, 18 Kilometer, 4 Stempel

So schön der Tag gestern auch war – umso schlechter ist das Wetter heute!

Schon morgens pladdert der Regen gegen das Schlafzimmerfenster unserer Hütte. Wir ziehen das Frühstück extra in die Länge, aber es hilft nichts. Wir müssen raus!

Wir betrachten den Dauerregen alsTest für unsere Regensachen. Schon länger hatten wir das Gefühl, dass unsere Ultralight-Jacken und Hosen nicht mehr dicht sind. Leicht bedeutet halt auch filigran!

Schon an der ersten Stempelstelle, dem Mausoleum von der Asseburg, haben wir das Gefühl, dass wir beginnen durchzuweichen. Gleiches gilt auch für die Stempelhefte. Wenn es so stark regnet, ist es superschwierig, die Stempelhefte mit nassen Fingern aus dem Etui zu fummeln, schnell in den Stempelkasten zu befördern und keine Tropfen vom Ärmel auf die Stempel laufen zu lassen. Die sind nämlich wasserlöslich!

Zur Burg Falkenstein kommt man aus dem Selketal nur, wenn man einen Kilometer den superpatschigen Eselspfad hochsteigt, und wieder zurück. Bei trockenem Wetter mag der Weg gut begehbar sein, aber heute, mit den vielen aufgeweichten Blättern, ist er einfach nur glitschig!

Auf der Burg beschließen wir, dass wir, wenn wir wieder unten im Selketal sind und es weiter so stark regnet, zurück in unser Ferienhaus gehen. Machen wir natürlich nicht!
Wir verändern unsere Marschroute aber so, dass wir vier Kilometer abkürzen, aber trotzdem unsere vier Stempel für heute einsammeln.

An der dritten Stempelstelle, der Schutzhütte am Mettenberg, haben wir die Chance auf eine halbwegs trockene Mittagspause. Wir sind mittlerweile bis auf die Unterhosen nass, aber immerhin bleiben unsere Brote so trocken!

Gegen zwölf Uhr haben wir den Eindruck, dass es langsam weniger regnet und tatsächlich hört es kurz darauf auf zu pladdern. Wir gehen ein Stück auf dem Selketal-Stieg zurück und nehmen eine Abkürzung den Berg hoch, die wir am Morgen auf der Karte entdeckt haben. Der sogenannte „Steile Stieg“ ist weniger steil als vermutet und verläuft durch ein entzückendes Bachtal voller Feuersalamander!

Bei zehn hören wir auf zu zählen. So viele Feuersalamander auf einmal haben wir noch nie gesehen!

Der Weg nach oben ist wichtig, damit wir oben den für heute vierten und letzten Stempel mitnehmen können. Auch hier, zum „Selketal-Blick“, müssen wir circa einen Kilometer vom Hauptweg abgehen und später die gleiche Strecke wieder zurück. Sowas mögen wir eigentlich gar nicht, denn unser Motto lautet eigentlich „Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Aber heute müssen wir das gleich dreimal aushalten!

Der Aussichtspunkt, so erfahren wir, wurde zur schönsten Stempelstelle im Harz 2021 gewählt. Die Juroren müssen auch bei so einem Schietwette hier oben gewesen sein – die Aussicht auf das nebelverhangene Selketal ist nämlich phänomenal.

Auf direktestem Wege begeben wir uns danach zurück in unser Häusle. Nichts wie raus aus dem nassen Klamotten und die Rucksäcke ausgepackt. Wir schaffen es, innerhalb kürzester Zeit die komplette Hütte mit feuchten Karten, nassen Klamotten und tropfenden Rucksäcken zu verschandeln. Wenn das unsere pingeligen Vermieter wüssten!

Ein bisschen dezenter Nieselregen ist ja okay, aber drei Stunden Fußmarsch im Pladderregen – das brauchen wir nicht täglich!

Auf Stempeltour im Ostharz: Rund um Ballenstedt

Gelaufen am 17. Oktober 2022: 21 Kilometer, 5 Stempel

Blick von der Hubertushöhe auf den Kleinen Siebersteinteich

Vor zwei Tagen noch waren wir mit dem Rad in Ostwestfalen unterwegs. Tatsächlich sind wir am Freitag glücklich bei meinen Eltern angekommen. Das Wetter war nur mittelprächtig, die Gegend superflach, wir sind schnell wie der Blitz gefahren und haben kaum Fotos gemacht – denn Mutterns Kürbissuppe duftete schon von Weitem!

Wir haben aber zwei Wochen Urlaub. In der zweiten Urlaubswoche ist Wandern angesagt und wir haben uns dieses Mal den äußersten Osten des Harzes vorgenommen. Unser Auto parken wir an der Feuerwehr in Opperode und sind schon nach fünfzehn Minuten an der ersten Stempelstelle, dem Bismarckturm.

Blick vom Turm auf Oppenrode

Heute ist es warm und ziemlich windig und die Blätter fliegen uns nur so um die Ohren. Es sind aber noch genug an den Bäumen, um uns heute eine farbenprächtige Tour zu bescheren. Der Herbst ist echt die schönste Wanderzeit, finden wir!

Über weite Wiesen und über Massen an Eicheln und Bucheckern erwandern wir die zweite Stempelstelle, „Am Kohlenschacht“. Von dem alten Bauwerk ist nichts mehr zu sehen, aber an der Stempelstelle steht eine hübsche Hütte.

Um zur dritten Stempelstelle, dem „Schirm“ zu kommen, habe ich uns mal wieder eine tolle Wegführung über schmale, verwunschene Pfade kreiert. Aber wie so häufig landen wir komplett im Dickicht. Laut unserer Wanderapp sind wir aber absolut auf der richtigen Route!

Zum Glück landen wir irgendwann wieder auf einem richtigen Weg, allerdings warten hier andere Gefahren auf uns!

Irgendwie sind wir beide aus der Wanderform, merken wir heute. Vielleicht sind wir zu viel Rad gefahren statt zu wandern oder haben zu lange im Homeoffice gesessen, aber uns tun heute die Füße (Steffi) und der Rücken (Friedel) weh. Zum Glück ist der Weg heute nur mäßig steil und steinig und wir kommen gut voran.

Die dritte Stempelstelle, der „Schirm“

Viel interessanter als die Stempelstelle „Schirm“ finden wir ein altes Gedenkkreuz, das wir wenig später am Wegrand finden. Zu diesem gehört die Sage des „Armen Heinrich“, eines bei Kindern und Erwachsenen beliebten Vagabunden des Mittelalters, der an dieser Stelle gestorben sein soll und in dessen Taschen man siebenhundert eingenähte Taler fand. Vermutlich ist es aber nur eins der alten Büßerkreuze, die man noch überall in Deutschland finden kann. Wir meinen, dass der „Arme Heinrich“ eigentlich auch eine Stempelstelle verdient hätte!

Jedenfalls mehr als die Stempelstelle „Grauwacke“, der Blick in einen noch immer aktiven riesigen Steinbruch. Der Weg dahin ist leider weit, denn die Stempelstelle ist ziemlich abgelegen.

Immerhin gibt es vor und nach dem Steinbruch ein paar hübsche Teiche. An einem der beiden legen wir unsere Mittagspause ein. Dabei müssen wir alle Tüten gut festhalten, denn der Wind weht ganz ordentlich!

Nach dem Kleinen Siebensteinteich geht es über wacklige Stufen und Serpentinen noch mal steil hoch in Richtung Schloss Ballenstedt. Von oben haben wir einen wunderschönen Blick zurück auf den Teich.

Die letzte Stempelstelle des heutigen Tages gibt nicht viel her. Der Kasten am Arboretum im Schlosspark ist recht unspektakulär, aber der Schlosspark herrlich verwildert.

Schloss Ballenstedt ist riesig. Wir haben uns schon mehrmals darüber gewundert, dass jede Kleinstadt am nördlichen Harzrand ihr eigenes Schloss hat. Dieses ist aber besonders groß und prächtig und, wie wir erfahren, das Stammschloss der Anhaltiner.

Wie so häufig ist das Schloss im Verlauf der Geschichte viele Male umgestaltet und verändert worden. Wir freuen uns über ein großes Modell der „Urburg“ des Hauses Anhalt, das am Parkplatz vor dem Schloss zu sehen ist.

Wie immer sind alle Cafés in Schlossnähe geschlossen, wie sollte es auch an einem Montag anders sein. Kaffeelos schleppen wir uns die letzten drei Kilometer am Ortsrand entlang bis zum Auto. Auch hier gibt es keine Aussicht auf Erfrischung, auch wenn unsere Route auf dem Radwanderweg R1, dem Selketalstieg und dem Fernwanderweg E11 verläuft!

Zum Glück ist es nicht mehr weit bis zu unserer Ferienhütte in Meisdorf, die wir uns für vier Nächte gebucht haben. Wir sind entzückt, denn die Hütte ist wirklich hübsch eingerichtet und der Kaffee ist schnell aufgesetzt.

Hier werden wir es ein paar Tage aushalten!

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