Tag 74: Galashiels nach Innerleithen, 25km

Auf dem Southern Upland Way: Von Viehtreibern, Feen, drei Brüdern und ein wenig Kunst

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Heute wird es wieder bergig. 25 Kilometer auf dem Southern Upland Way stehen auf dem Programm, eine Etappe, auf die wir uns schon lange gefreut haben. Irgendwann werden wir den Weg auch komplett laufen. Für dieses Mal gibt es nur einen Vorgeschmack auf den Weg – Und er hat uns sehr gefallen!
Im Vergleich zum Pennine Way ist zumindest diese Etappe des SUW viel grüner – grün im Sinne von waldig, nicht sumpfig! 🙂

Zunächst geht es über Wiesen sanft nach oben. Das Wetter ist wunderbar, auch der Wind der letzten Tage hat nachgelassen. Es weht den ganzen Tag eine sanfte Brise, die einen nicht frieren, aber auch nicht schwitzen lässt.
Unser erstes Ziel sind die drei Brethren, die drei Brüder. Der Weg führt uns zuerst von 110 auf 300 Meter hoch, aber dann wieder runter auf 110 – unser alter Freund River Tweed fließt durch das Tal. Wir passieren den Fluss über eine alte Brücke und verlaufen uns danach erstmal – ein Kilometer matschiger Waldweg hin und zurück ist der Preis.


Danach geht es über schattige Waldwege langsam, aber stetig nach oben. Der Wald hier ist sehr abwechslungsreich – Nadelwald und Laubbäume wechseln sich ab, der Boden ist mit Mooos, Farnen und Blaubeeeren bestanden: Hübsch!

Am Ende tauchen wir aus dem Wald auf und kommen in eine Moorlandschaft mit Heide, aber der Weg ist weiterhin grasig und angenehm zu laufen. Die drei Brüder auf 470 Metern kommen erst in letzter Sekunde in Sicht, plötzlich sind sie da.

Die Brüder sind drei Steincairns aus dem 16. Jahrhundert und bieten einen Rundum-Ausblick. Hier sitzt schon ein einsamer Wanderer mit großem Rucksack, mit dem wir kurz ins Gespräch kommen. Er ist den ganzen Weg vom westlichen Startpunkt des Weges an der Irischen See heraufgelaufen. Auf dem ganzen Weg hat er nur sechs – SECHS- andere Wanderer getroffen! Man merkt ihm an, wie begeistert er vom Weg ist. Er schenkt uns zwei Abzeichen vom SUW, die er unterwegs in einem Cache gefunden hat – Dabei sind wir den Weg doch noch gar nicht gelaufen, aber wir fühlen uns geschmeichelt und nehmen sie dankend entgegen.

Oben geht es berab und bergauf über heidebestandenes Moorland. Es bieten sich weite Ausblicke zu allen Seiten bis zu den Cheviots und damit zum Ende des Pennie Ways. Sogar die Schneefelder auf den Flanken des Plateaus sind gut zu erkennen, auch die drei Buckel der Eildon Hills, durch die wir gestern gelaufen sind. Gestern Nacht hat es etwas geregnet und die Sicht ist viel besser als in den letzten Tagen.


Da heute Samstag ist, treffen wir einige Tageswanderer und am Nachmittag dann jede Menge Mountain-Biker, deren Zahl die der Wanderer weit übersteigt.

Auf dem SUW gibt es auch Kunst! Mitten in der Einöde hüngen an Steinmauern zum Beispiel Tafeln mit Gedichten und Pferdenamen – Der SUW teilt sich ab Mittag den Weg mit der Cross Borders Drove Road, einer uralten Viehreiberroute, die über 800 Jahre alt ist.

An anderer Stelle hat ein Künstler Kreise in das Heidekraut gebrannt, in Anlehnung an die alte Tradition, das Heidekraut für die bessere Moorhuhn-Zucht abzubrennen.

Am Cheese Well, einer alten Quelle am Wegesrand, gluckert ein kleines Wässerchen und auf einem alten Stein neben der Quelle liegen jede Menge Münzen – Der Tradition nach soll man hier ein Opfer für die Feen der Moore ablegen. Wir lassen nichts da – Wir sind nicht abergläubisch, aber geizig – und die Feen lassen’s ja eh liegen! 🙂

Am Ende steigen wir wieder in das Tal des River Tweed hinab und laufen noch zwei Kilometer über Straße nach Innerleithen hinein, unserem heutigen Ziel. Die Stadt ist scheinbar ein Eldorado für Moutainbiker, man begegnet ihnen überall in der Stadt. Ansonsten macht Innerleithen auf uns einen eher langweiligen Eindruck. Genauso ist auch unser Hotel – nix Besonderes, aber okay für eine Nacht. Immerhin gibt es einen Biergarten, in dem wir uns noch schon um 17 Uhr ein Pint genehmigen. Morgen soll es regnen, also carpe diem! 🙂

Tag 73: St Boswells nach Galashiels, 19km

Heute Kaffee statt Kultur! Wege-Potpourri und Zivilisationsschock.

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Woran erkennt man ein gut geführtes Hotel oder B&B? Wir meinen, an der Sorgfalt und den kleinen Gesten. Das hat nichts mit dem Preis des Etablissements zu tun: Wenn die Blumen in den Blumenkästen vertrocknen, wenn der Teppich auf der Treppe arg verschlissen ist, wenn nicht darauf hingewiesen wird, dass man für den Abend lieber einen Tisch reservieren sollte, wenn auf den Restaurant-Toiletten kein Papier mehr vorhanden ist, der Kaffee zu sparsam abgezählt ist, nur ein oder gar kein Biskuit bereit liegt … 🙂

Aber gut, dies nur am Rande … Wir halten uns heute mal an echte Wanderwege – Zuerst ist es der St Cuthbert’s Way, der uns aus St Boswells hinausführt und direkt über die Eildon Hills nach Melrose bringt.

Zwar müssen wir erst ein Stück an einer fiesen Hauptstraße entlang laufen, aber der Weg führt uns bald durch hübsche Waldwege auf den Sattel zwischen dem ¨Mittleren¨ und dem ¨Nördlichen¨ Eildon Hill. Das Gestein der Berge ist rötlich und erinnert uns an Arthur’s Seat in Edinburgh. Tatsächlich handelt es sich um sehr altes vulkanisches Gestein. Einer Sage nach sollen die Berge innen hohl sein, und allerhand illustre Gestalten sollen sich dort aufgehalten haben, natürlich auch King Arthur – wer sonst? 🙂

Die Berge sind dicht mit blühendem Ginster und Farn bestanden, ähnlich wie die Quantock Hills in Somerset, die uns auch sehr gut gefallen haben.

Als wir nach einem relativ gemütlichen Anstieg oben ankommen, haben wir einen – zugegeben heute etwas diesigen – weiten Blick auf die Southern Uplands und auf Melrose.

Der Abstieg ist dann recht knackig und uns kommen einige schnaufende Wanderer entgegen, der Aufstieg muss für sie wohl anstrengender als der aus unserer Richtung sein.

In Melrose nehmen wir erst mal einen Kaffee. Dann traben wir zur Abbey und stellen fest, dass wir beide heute irgendwie keine Lust auf noch ein Kloster haben. Zwar ist Melrose das am besten erhaltene und bekannteste der Region, aber auch das vollste. Auf dem Parkplatz steht Reisebus neben Reisebus, also wollen wir die umgerechnet 15 Euro Eintritt lieber in Kaffee investieren und Friedel fotografiert die Abbey durch den Zaun.

Ab Melrose wechseln wir wieder auf den Border Abbeys Way, der sich den Trail zunächst mit dem Southern Upland Way teilt. So kommen wir an der interessanten Hängebrücke über den River Tweed vorbei, die den Southern Upland Way nach Lauder führen würde. Friedel möchte gern wie üblich in der Mitte der Brücke schaukeln und Gitta ein Filmchen dazu schicken, aber zum Glück entdecken wir noch das Schild, dass das Wippen und Stehenbleiben auf der Brücke mit zwei Pfund Strafe (au ja, ein billiger Spaß!) oder GEFÄNGNIS belegt. Da haben wir ja noch mal Glück gehabt, dass wir das Schild noch gesehen haben ! 🙂

Weiter geht es über den Border Abbeys Way wieder an unserem Freund Tweed entlang. Wie gestern ist der Weg mal flach und grasig, mal führt er uns über wurzelige Stufen durch Wald. Immer wieder mal geht es ein Steilufer hoch, der Weg ist hier sehr bequem mit Holzstufen versehen. Sehr angenehm, der Border Abbeys Way! 🙂

Wir hätten auch auf dem Southern Upland Way laufen können, aber der Flussweg ist viel schöner und bringt uns direkt bis Abbotsford House, dem damaligen Wohnsitz des Dichters Sir Walker Scott.

Ähhh … sogar direkt bis in die Anlage hinein, so dass wir gar nicht am Ticketshop vorbeikommen und wir die Gartenanlagen schon ausgiebig besichtigt und fotografiert haben, bevor wir am Eingang des Schlosses nach Tickets gefragt werden. Aber nein, wir können leider dort keine erstehen, sondern werden den ganzen Weg zurück durch die Anlage zum Besucherzentrum geschickt. Nein, das wollen wir nicht und wir schlagen uns zurück in die Büsche!

Ehrlich gesagt, wir haben keine Ahnung von Sir Walker Scott. Die Anglisten unter euch werden aufschreien, wir aber wissen nur, dass er „Rob Roy“ geschrieben hat. So reicht uns der Blick auf das romantische Schlösschen und die schöne Anlage vollkommen aus, die alten Möbel, Ritterrüstungen und dicken Folianten drinnen brauchen wir nicht unbedingt. Wieder Geld gespart! 🙂

(Die abendliche Recherche ergibt: Wir haben unwissentlich 11£ gespart für den Garten, bzw. 22£ für das gesamte Besichtigungsprogramm…)

Der Weg nach Galashiels zu unserem B&B ist dann weniger schön – Erst geht es über eine große Autobrücke, dann über den Campus der Uni und dann über die eher hässliche Highstreet in den Ort hinein. Galashiels ist eine richtige Stadt und wir sind die vielen Menschen, Autos und engen Gehsteige gar nicht mehr gewöhnt und honken mit unseren Rucksäcken ungeschickt umher. „Gala“ hat schon bessere Tage gesehen: Jedes dritte Geschäft ist ein Charity-Shop, ein Friseur oder Barbier oder ein …. Café! 🙂

Wir gönnen uns den zweiten Kaffee plus Scones dazu, denn das haben wir uns vom Kulturprogramm abgespart. Heute Abend ist Fish-and-Chips-Tag im Wetherspoon-Pub: Eine Portion plus Getränk für 7,85£. Yeahhhh! 🙂