DDLN Etappe 12: Auf dem HW8 von Eppingen nach Heilbronn

27 Kilometer

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es gibt so Tage, da fragen wir uns, ob es wirklich so wichtig ist, jeden Meter einer Streckenwanderung gelaufen zu sein – Oder wäre es nicht besser, einfach die S-Bahn zu nehmen und darüber zu schweigen? 🙂

Auf den ersten drei Kilometern Rückmarsch von Eppingen bis zum HW ist es schon am Morgen sauheiß und schwül. Nach den zweieinhalb Kilometern Rückmarsch zum Waldrand sind wir superfroh, wieder im Wald zu sein! Vor allem, weil wir die Strecke ja schon gestern gelaufen sind.
Nach einer recht steilen Schwitztour zum  Aussichtspunkt Kraichgaublick haben wir einen schönen Blick zurück nach Eppingen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Danach geht es erneut auf schnurgeraden und geschotterten Waldwegen bis nach Niederhofen. Hier laufen wir das erste Mal durch die Weinberge, die wir sonst nur von Weitem gesehen haben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 Früher, als ich noch in Westfalen gewohnt habe, fand ich Weinberge toll. Sie haben so etwas Südliches!
Ich mag sie immer noch, aber nur, wenn sie nicht zu einer Monokultur ausarten. Hier in Niederhofen sind sie zum Glück noch zwischen Feldern und Wäldern in eine liebliche Landschaft eingebettet. Bis jetzt ist die Wanderung okay!

Aber je näher wir in Richtung Heilbronn vorstoßen, desto unangenehmer wird es: Heute ist Pfingsten, und es ist schönes Wetter! Und Heilbronn ist eine große Stadt!
Deshalb sind heute jede Menge Spaziergänger unterwegs – und Radfahrer!

Eigentlich wollen wir ja den ewigen Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern nicht noch weiter befeuern. Aber an so einem Tag wie heute ist es verdammt unangenehm, wenn man alle naslang Rentnergruppen mit E-Bikes und Kampfradlern ausweichen muss. Nicht weit entfernt verläuft ein schön geteerter Radweg, aber natürlich macht es viel mehr Spaß, auf diesen kleinen, schmalen Pfaden zu radeln und die Wanderer laut klingelnd und HUPEND vom Weg zu scheuchen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Schwäbische Hauptwanderweg 8 – ein beliebter Radweg!

Eigentlich wollten wir am Aussichtspunkt Heuchelberger Warte noch eine kleine Erfrischung einnehmen, bevor der lange Anmarsch auf Heilbronn beginnt. Aber das Gewimmel dort ist uns einfach zu viel. Das sind wir nicht mehr gewohnt!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf der Karte war schon ersichtlich, dass es nach der Heuchelberger Warte noch neun Kilometer schattenlos bis zum Heilbronner Bahnhof geht.
Zum Glück bewölkt es sich etwas, als wir zunächst die berühmten Heuchelberger Weinberge durchschreiten. Diese hier gehören allerdings eher zum Typ “Agrarwüste”, den wir nicht so mögen …

die Heuchelberger Warte
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Pittoresker Blick auf das Kohlekraftwerk Neckarsulm

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf heißem Teer geht es die letzten neun Kilometer durch langweilige Felder. Nach den Weinbergen gibt es nur noch flurbereinigte Weizen- und Kartoffelacker, so weit das Auge reicht. Kein Baum, kein Strauch, nur die Hochspannungsleitungen vom Kraftwerk …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nur einmal macht der HW8 einen Schlenker weg vom Teer – und wir landen im Nichts!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Doch, wir sind richtig! Nach Karte ist das der HW8 …

Kurz vor Heilbronn geht es noch einmal durch einen Park. Hier lässt sich typisch schwäbisches Brauchtum beobachten  – das Grillen in öffentlichen Parkanlagen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Den Duft von Würstchen und Rippchen in der Nase, geht es noch 1,5 Kilometer durch den Vorort Böckingen bis zum Neckar. Hurra, wir sind fast da!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Verschwitzt und mit platten Füßen kommen wir endlich am Bahnhof in Heilbronn an. Ganz ehrlich – die letzten zehn Kilometer waren die blödesten, die wir seit Land’s End gelaufen sind!
Hier kamen einfach einige unangenehme Faktoren zusammen: Schwülheißes Wetter, eine langweilige Strecke, fast durchweg Asphalt, Radfahrer, Pfingstgewimmel.
Eine Tour zum Abgewöhnen!

 

DDLN Etappe 10: Auf dem HW8 von Pforzheim nach Maulbronn

24 Kilometer

Für unsere Deutschlandtour haben wir uns die Etappen, die von unserem Wohnort aus leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, für Wochenendtouren aufgehoben. Da wir an diesem Pfingstwochenende drei Tage Zeit haben, ist dieses Mal der Abschnitt von Pforzheim nach Heilbronn dran – wir erwarten eine abwechslungsreiche Streckenführung mit einigen kulturellen und landschaftlichen Highlights!

Heute geht es von Pforzheim aus auf dem Schwäbischen Hauptwanderweg 8 zur Klosteranlage Maulbronn – da wollte ich schon immer mal hin!

Zwar fehlen noch die restlichen zwei Etappen auf dem Ostweg von Calw nach Pforzheim, aber die laufen wir ein anderes Mal.

Interessanterweise heißt der HW8 auch Frankenweg – er führt nämlich in seinem späteren Verlauf durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald bis nach Bayern.

Wir sind heute morgen extra früh aufgestanden, damit wir nicht zu spät in Maulbronn ankommen. Wir wollen uns für die Besichtigung der Klosteranlage (eine UNESCO-Weltkulturerbestätte) viel Zeit nehmen. So laufen wir schon um halb neun am Bahnhof in Pforzheim los.

Zum Glück ist der Weg durch Pforzheims Nordstadt ein recht schöner und wir sind schnell zwischen Wiesen und Feldern. Das Wetter ist vortrefflich – nicht zu heiß und es weht ein angenehmer Wind. Das ist auch wichtig, denn heute gibt es nur vereinzelte schattige Wegpassagen. Zum Glück ist es nicht mehr so heiß wie noch vor ein paar Tagen!
Der Weg führt uns durch eine sanft-hügelige Kulturlandschaft mit weiten Blicken bis zum Schwarzwald hin. Der Weizen auf den Feldern steht schon recht hoch und besonders schön ist, dass die Feldränder mit viel Klatschmohn und Kornblumen gesäumt sind. Knallige rote und blaue Farbtupfer vor schilerndem Grün – großartig!

Mitunter haben wir das Gefühl, in der früheren DDR unterwegs zu sein. Statt auf Asphalt laufen wir auf sogenannten ¨Panzerstraßen¨, also großen, aneinandergereihten Betonplatten, zwischen denen das Gras sprießt. Wir kommen an einer historischen Hofstatt voebei, die uns sehr an die alten Gutshöfe im Osten unserer Republik erinnert. Sehr heimelig, das würde uns als Alterswohnsitz schon gefallen!
Skurril sind die zwei ¨Eisinger Löcher¨, auf die wir gegen elf Uhr stoßen. Mitten zwischen hohen Wiesen ist das Erdreich in Form einer Doline eigestürzt und hat zwei große Krater hinterlassen. Leider ist das neue Eisinger Loch mit Müll verschandelt. Das alte Loch ist über abenteuerliche, total zugewucherte Glitschstufen zu erreichen. Unten finden wir einen total anderen Mikrokosmos als oben vor – Moose, Farne und umgestürzte Bäume. 

Gegen Mittag wird es dann doch recht heiß. Zum Glück geht es aber nun über halbwegs schattige Waldwege bis nach Maulbronn.

Die Klosteranlage ist – groß! Riesig! 
Über zwei Stunden laufen wir auf dem Gelände hin und her, es gibt wirklich viel zu sehen. 


Das im 12. Jahrhundert gegründete Kloster hat sehr lange und nachhaltig die Entwicklung in der Region geprägt. Vor 25 Jahren wurde die gesamte Anlage und die Umgebung (inklusive ihrer Fischteiche, Weinberge und der unterirdischen Wasserkanäle) zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Die Gebäude sind außerordentlich gut erhalten sind und alle wichtigen Stilepochen sind repräsentiert.


Wir sind schwer beindruckt, aber die ganze Verwaltung der Anlage wirkt auf uns ein wenig lieblos – die muffelige Dame an der Klosterkasse, zugewachsene Klostergärten, viele Absperrgitter, nicht zugängliche Bereiche, nur wenige und sehr knapp gefasste Informationstafeln. Da sind wir aber Besseres gewohnt!
Richtig toll ist aber das Radler im baumbeschatteten Kloster-Biergarten. Selten hat es so gezischt!

Mittelfranken: Pegnitz nach Creußen

22 Kilometer

Die Zaussenmühle – unser Restaurant-Tipp

Der heutige Wandertag bleibt in jeder Beziehung mittelmäßig. Heute verfolgen wir keine eigene Route mehr, sondern haben uns einem Jakobsweg anvertraut. Die haben ja oft die Orientierung, möglichst schnell und ökonomisch nach Santiago zu führen. Aus diesem Grund geht es heute viel über Asphalt und über schnurgerade, meist geschotterte und weite Waldwege.

rühmliche Ausnahmen …

Immerhin ist es etwas wärmer als die letzten Tage, als wir in Pegnitz loslaufen. Zunächst geht es über eine Hochfläche mit langweiligen Feldern, es folgen drei Kilometer Wegstrecke auf Asphalt durch ein Dorf. Ein erstes Highlight ist die alte Eisenhammer-Mühle ¨Kotzenhammer¨, die trotz ihres hässlichen Namens ein idyllisches Fleckchen ist. Hier wurde früher Eisen gehämmert, es gibt sogar einen eignenen Wanderweg, der sich dem Thema widmet – der Erzweg.

In Lindenhardt gibt es natürlich wieder keine Bürgersteige, daher auch keinen Kaffee, jedenfalls nicht auf unserer Route. Das Suchen nach Koffeepoints in solchen Dörfern haben wir schon seit Längerem aufgegeben.

Nun schlägt der Jakobweg einen großen Haken durch einen riesigen Nadelwald, um den Wanderer an der Quelle des Roten Mains vorbeizuführen. Der Anmarsch erfolgt auf schnurgerader Schotterstrecke durch einen Windpark mit riesigen – und wir meinen RIESIGEN – Windrädern. Vier von diesen können angeblich 12.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Wir wissen immer noch nicht, was wir von den Windparks halten sollen: Irgendwoher muss die Energie für unsere moderne Gesellschaft ja herkommen und die naheliegende Autobahn durch den Forst stört die Natur und uns wesentlich mehr. Auf der anderen Seite verschandeln die Dinger schon die Landschaft und machen bei stärkerem Wind wirklich einen Mordslärm. Die nächsten Häuser sind weit entfernt und irgendwo müssen die Windräder ja stehen. Das ist wohl der Preis der Energiewende und allemal besser als die großen Kohlekraftwerke.

Leider gibt es heute keine Felsen mehr, wir sind schon raus aus der eigentlichen Fränkischen Schweiz. Schade, das war zu schnell. Wir nehmen uns vor, das nächste Mal doch noch den großen Westschlenker des Frankenwegs mitzunehmen.

Die Quelle des roten Mains – nun ja .. Bei der Pegnitz war die Schüttung schon lächerlich, aber diese Quelle ist nicht mehr als ein Rinnsal. Keine Ahnung, woher das Wasser für den roten Main kommt, der ja laut Karte schon in Bayreuth (unserem morgigen Ziel) ein richtiger Fluss sein soll.

Heute sind wir beide ein wenig schlapp, aber trotzdem kommen wir schnell voran. Das liegt an den geraden Wegen und an einem Mangel an Fotomotiven.

So sind wir schon um 15 Uhr in Creußen in unserem Gasthof, der etwas außerhalb vom eigentlichen Stadtkern liegt. Wir verschieben die Stadtbesichtigung auf morgen und genießen die Nachmittagssonne auf unserer Terrasse. Wenn man schon mal solch einen Luxus hat, muss man ihn schließlich auch nutzen!

DDLN Etappe 27: An der Pegnitz entlang von Hersbruck nach Krottensee

25 Kilometer

Heute – der schönste Wandertag bisher.

Liegt es daran, dass wir heute den Frankenweg verlassen? 🙂

Ab Hersbruck macht der Frankenweg einen großen Schlenker nach Westen. Noch dazu gibt es nur noch wenige Bahnhöfe und unser Wanderurlaub neigt sich so langsam dem Ende zu. Ein guter Endpunkt ist Bayreuth, aber das liegt nicht auf dem Frankenweg. Beim Planen möglicher Verbindungswege stoße ich auf den Ortsnamen Krottensee. Moment … war ich da nicht mal vor … Moment …echt? Dreißig Jahren zum Klettern? Der Ort mit seinem tollen Gasthof war mir noch so gut in Erinnerung, also sollte es auf jeden Fall über Krottensee gehen!

Am Morgen machen wir noch einen kleinen Gang durch Hersbruck und sind schnell wieder im Wald. Die ersten drei Kilometer folgen wir noch dem Frankenweg, aber dann heißt es Abschied nehmen – von nun an müssen wir auf die wertvollen Wegmarkierungen verzichten und einem vorher skizzierten eigenen Wegverlauf folgen. Das ist aber kein Problem – zufälligerweise laufen wir das erste Drittel des Tages auf dem ¨Fränkischen Gebirgsweg¨. Noch dazu gibt es an vielen Stellen Hinweistafeln, die uns lokale Wanderwege zu den nächsten Dörfern vorschlagen. So folgen wir zuerst dem blauen Balken, dann dem blauen Punkt, dann dem roten …

Heute geht es fast durchweg durch Wald. Im Gegensatz zu sonst wandern wir fast aussschließlich auf wurzeligen Pfaden – links und rechts, um die Ecke, zickezacke – aber leider gibt es keine Hohlwege mehr! 🙂

Auch hier – eine Akelei! 🙂
… in natürlicher Umgebung.

Im Verlauf des Tages liegen links und rechts des Weges immer mehr Steine. Die Stein werden größer und größer, Brocken … Felsen! Et voilà – wir sind in der fränkischen Schweiz!

Unser erster richtig dicker Brocken ist der Langenstein – mitten im Wald!

Der Wald wird immer wieder durch Wiesen und Felder durchbrochen. So haben wir zwar keine weiten Aussichten, aber dennoch kann das Auge schweifen.

In Rupprechtstegen treffen wir wieder auf die Pegnitz. Links und rechts gibt es viele glatte Felsen, die uns an die Sächsische Schweiz erinnern – nur so dunkel sind sie nicht, denn dies hier ist Jura-Land.

Es geht durch hübsche Dörfer und immer links und rechts der Pegnitz rauf und runter. Die Pegnitz selbst ist hier noch jung und wirkt sehr naturbelassen. Das Wasser ist grün, es gibt Forellen und jede Menge Enten und Schwäne.

Ein Schwan attackiert unaufhörlich zwei Kanus und wir sind froh, dass nicht wir die Auserwählten sind. Zum Glück sind die Leute durch das Boot etwas abgeschirmt und nehmen es mit Humor und ohne Gegenwehr. Etwas weiter oben am Flusslauf treffen wir auf die Schwanenmutter mit ihren beiden Jungen. Der Papa hat die Kanus regelrecht vertrieben!

In Velden finden wir tatsächlich eine Konditorei, die Kaffee und Kuchen serviert. Endlich! Der ¨Schwarzbeer¨-Kuchen ist vorzüglich!

Der Nachteil an selbst konzipierten Wegen ist, dass sie nicht immer so gangbar sind. So landen wir nach Velden mitten in einem aktiven Riesen-Steinbruch und werden von den vorbeifahrenden LKW ganz ordentlich eingepudert. Die Warnschilder sehen wir erst, als wir schon wieder aus der Anlage heraus sind.

Nach Engental müssen wir leider noch mal ein wenig über Asphalt, aber gerade, als es zu nerven beginnt, gibt es eine Alternative mit rotem Punkt. Obwohl wir uns genaustens an den Wegverlauf halten, müssen wir durch knietiefes Gras querfeldein marschieren und am Feldrändern entlang hoppeln. Ja sind wir denn her in Staffordshire? 🙂

In Krottensee ist alles noch so wie früher. In der ¨Linde¨ wird noch immer Hausschlachtung betrieben und die Speisekarte ist noch so rustikal wie damals. Obwohl die Wirtsleute heute Ruhetag haben, werden wir freundlichst aufgenommen und bekocht. So kommen wir trotz des Ruhetages zu einer warmen Mahlzeit und werden hier am Ende der Welt bestimmt vorzüglich schlafen!

DDLN Etappe 26: Auf dem Frankenweg von Altdorf nach Hersbruck

22 Kilometer

Puh, von wegen Ruhetag! In Nürnberg sind wir gestern circa 15 Kilometer kreuz und quer gelaufen …

… fast nur auf Asphalt.Wie gut, dass heute ¨nur¨ 22 Kilometer auf dem Tagesplan stehen. Mittlerweile ist so eine Distanz eher ein Spaziergang für uns. Unser jeweiliges Tagespensum hängt im Wesentlichen von den Unterkünften ab. Dabei sind 25 Kilometer für uns das ideale Maß. Man kommt nicht zu früh an und hat am Abend auch keine platten Füße. Noch dazu laufe ich seit Jahren ohne Kreuzband und nur mit einem halben Innenband- mehrere 30er hintereinander nimmt mir das linke Knie übel.

Am Morgen müssen wir zunächst mit der S-Bahn nach Altdorf zurückfahren, um dort wieder auf den Frankenweg zu kommen. Zum Glück liegt der Bahnhof dort etwas außerhalb und den Marsch durch die Gemeinde haben wir bereits am Sonntag hinter uns gebracht. So geht es schnell wieder in die Natur und wir müssen nicht lange Pflaster treten.

…der obligatorische Hohlweg

Überhaupt ist heute ein sehr schöner Wandertag. Es geht größtenteils auf schmalen Wegen und Pfaden durch einen schönen Mischwald. Und der Wald: Hier wird eine sehr schonende Waldwirtschaft betrieben, große Abholzungen wie im Schwarzwald sieht man hier nicht. Links und rechts des Weges liegt viel Altholz herum und Nadel- und Laubbäume stehen wild durcheinander.

Was uns auf dem Frankenweg generell ein wenig fehlt, sind die Aussichten. Zwar führt der Weg über viele Höhen, aber man sieht immer nur Wald. Wir können allerdings verstehen, dass für die Wanderer nicht extra Sichtschneisen geschlagen werden! 🙂

Immer wieder geht es jedoch aus dem Wald heraus und der Blick weitet sich auf Wiesen und Felder und das eine oder andere Dorf.

Tatsächlich begegen wir heute mal wieder einem Fernwanderer auf. Wow! Das ist schon der dritte in sechs Tagen und wir laufen ja entgegen der allgemeinen Laufrichtung und müssten sie alle treffen!

Ansonsten: Zweimal in Ortsnähe Hundeausführer, einen Jogger, zwei Radfahrer – that´s it!

Was das Wetter heute angeht: Kalt! Zwar wechseln sich Wolken und Sonne ab, aber es weht ein schneidender Wind. Immerhin kommen wir trocken nach Hersbruck – Das ist doch schon was! (Der Regen kommt erst, als wir schon im Gasthof sind.)

…warmer Empfang in Hersbruck…

Auch Hersbruck ist ein hübsches, altes Städtchen. Nicht zu geputzt, mit einem mittelalterlichen Marktplatz und ein paar alten Stadttürmen. Auch ein Schloss hat´s, profan als Amtsgericht genutzt.

Schade, heute können wir wieder nicht draußen sitzen. Die Windböen und gegentliche Schauer lassen das nicht zu. Irgendwie lässt der Frühsommer dieses Jahr noch auf sich warten …

…die Pegnitz bei Hersbruck – noch soo klein…

DDLN Etappe 25: Auf dem Frankenweg von Höhenberg (Neumarkt i.d.OPf.) nach Altdorf

25 Kilometer

Schlechtes Wetter verleiht Flüüügel!

Heute morgen hat es sich merklich abgekühlt. Von lauen Frühlingstemperaturen und Sonne keine Spur mehr. Stattdessen Windböen und Nieselregen.

Der Frankenweg führt direkt an unserem Hotel vorbei. Wir verlassen das Hotel nur ungern: Unser Zimmer war das Schönste auf der Tour bisher und wir hatten sogar einen Balkon mit einem tollen Blick auf das Tal und die Burg Wolfstein.

Aber nun heißt es raus in das Schmuddelwetter. Der erste Teil des Weges ist noch recht hübsch durch den Wald und an der Burg vorbei, aber dann kommen wir auf eine fiese Hochebene. Der Weg führt kilometerweit über eine öde, flache Agrarfläche mit zahreichen Windrädern. Aber damit nicht genug – der Gegenwind ist eine echt kalte und fiese Möpp, fast fühlen wir uns an den HELM in den Pennines erinnert. Gottseidank hat es zu regnen aufgehört, so peitscht uns wenigstens nicht der Regen ins Gesicht.

In zwei Stunden schaffen wir zehn Kilometer, das ist der Ungemütlichkeit geschuldet!

Zum Glück geht es irgendwann auf einem holprigen Waldweg wieder nach unten. So freuen wir uns doch noch über eine relativ windgeschützte Mittagspause.

Ab Pilsach verläuft der Frankenweg ein kurzes Stück deckungsgleich mit dem Oberpfälzer Jakobsweg. Aber auch auf diesem Stück ist außer dem Blechgesellen niemand außer uns unterwegs …

Im letzten Drittel des Tages wird der Weg zum Glück wieder schöner und das Wetter auch. Sogar die Sonne lässt sich blicken und voilà – es wird auch gleich wieder wärmer.

Kurz vor Altdorf treffen wir auf so viele Menschen, wie wir seit Tagen nicht mehr gesehen haben. Es ist Sonntag und halb Altdorf genießt die Nachmittags-Sonne.

Heute Abend werden wir noch mehr Menschen aushalten müssen – wir fahren mit der S-Bahn nach Nürnberg und legen dort morgen einen ¨Ruhetag¨ ein. Da wir beide die Stadt noch nicht kennen, wollen wir unbedingt einen Tag dort verbringen. Ob wir die Menschenmassen dort wohl verkraften werden? 🙂

DDLN Etappe 24: Auf dem Frankenweg von Berching nach Höhenberg (Neumarkt)

33 Kilometer

Der Weg ist heute fast so schön wie immer! Vielleicht ein bisschen zu viel Schotter. Aber wieder nur wenig Asphalt, eigentlich fast nur in Ortsnähe.

Der Frankenweg ist herrlich abgeschieden. Zwar bewegt man sich hier wie fast überall in Deutschland in einer Kulturlandschaft, aber es gibt enorm große unbebaute Flächen – Landschaft pur.

Das nutzen die Franken allerdings, um Windparks großzügig auf die weiten Flächen zu verteilen.

Der heutige Weg führt uns an einigen vorbei. Die Dinger werfen einen weiten Schatten und klingen wie entfernter Fluglärm.

Wir laufen auf dem Frankenweg gänzlich ohne Papierkarten und verlassen uns auf die gute Wegkennzeichnung und auf die Karten der Outdoor Active App. Interessanterweise weicht der tatsächliche Weg manchmal erheblich von der App-Karte ab. Oft finden wir uns auf Wegschlenkern wieder, die auf der Karte nicht nachvollziehbar sind. Hä? Warum geht es jetzt hier lang?

Das Laufen nach Wegmarkierung ist jedoch wesentlich bequemer, als immer auf das Handy zu gucken. Sei´s drum, aber so werden aus 31 geplanten Kilometern dann 33 gelaufene. Statt 450 Metern Aufstieg gibt es dann 750.

Einen langen Weg soll man gemütlich angehen. Für die 33 Kilometer brauchen wir gut neun Stunden, inklusive drei Pausen. Scheinbar laufen wir relativ langsam, aber dafür geht es uns am Abend immer noch gut. 🙂

Heute haben wir zwei Rätsel für euch:

  1. Findet das schwarze Eichhörnchen.

  2. Auf einem der heutigen Bilder stimmt was nicht. Auf welchem? 🙂

Die Eindrücke des Tages:

starker Wind

ein zehnminütiger Platzregen

ein Hagelschauer

viel Sonne

bürgersteiglose Dörfer

keine Cafes, nur ein geschlossenes 😦

tief fliegende Schwalben

viel Grillengezirpe

Wolkengebirge

weite Aussichten

Laufen im T-Shirt! 🙂

DDLN Etappe 22: Auf dem Frankenweg von Weißenburg nach Thalmässing

28 Kilometer

Heute wissen wir irgendwie gar nicht, was wir schreiben sollen: Die Etappe war unspektakulär und lang, aber trotzdem außerordentlich schön!

Der Weg heute: Grasig und laubig!

Ein langer Aufstieg am Morgen, dann eine lange Wanderung an der Kante der Albfläche entlang. Links ein dunkler, waldiger Abhang mit einigen Ausblicken, rechts weite Flächen. Am Nachmittag ein weiterer Aufstieg im Wald und ein steiler Abstieg nach Thalmässing.

Das Wetter: Unberechenbar.

Am Morgen ist schön sonnig, fast heiß. Einen Dank an alle Daumendrücker, es hat geklappt!

Ab Mittag waren Regenschauer angesagt, aber wir entkommen den großen Schauern – außer ein paar Tropfen kriegen wir nix ab und das Regenzeug bleibt im Rucksack. Erst mit dem Eintreffen im Gasthof in Thalmässing gallert es richtig los.

Die Begegnung des Tages: Mysteriös!

Nach etwa zwei Stunden treffen wir zwei ältere Wanderprofis, die den Frankenweg ¨richtig herum¨ laufen. Die beiden schneiden ein wenig auf, wenn auch sympathisch. 🙂

Sie wollen uns weismachen, dass sie heute morgen da losgelaufen sind, wo wir in sechs Stunden ankommen wollen. Wir sind ein Viertel der Strecke schon gelaufen, sie angeblich bereits drei Viertel. Kann das sein? Das beschäftigt uns den ganzen Tag.

Am Abend können wir es uns nicht verkneifen, die Wirtin in unserem Gasthof zu fragen, wann denn die beiden heute früh gestartet sind …. sie waren gar nicht gestern dort, sondern vorgesterrn. Aaaha!

Die Stimmung des Tages: Spooky!

Am Nachmittag wechseln sich Sonne und Regen ständig ab oder überschneiden sich. Jede dunkle Phase wird mit ordentlichen Windböen eingeleitet und sorgt im Wald für eine gruslige Stimmung – es knackt und knallt überall, wenn die Kronen der Bäume gegeneinander schlagen. Außerdem regnet es Tannenzapfen! 🙂

Die Farben des Tages:

Knallgelb (Rapsfelder), ein tiefes Braun (tonige Erde, altes Laub) saftiges Grün (überall).

Tiere des Tages:

Rehe, Eichhörnchen, eine Blindschleiche, die ersten Grillen des Jahres und lästige, längliche schwarze Fliegen.

Ein Wort zum bisherigen Wegstück auf dem Frankenweg: Verschwurbelt!

Er lässt sich Zeit, er meidet Straßen, er scheut keine Umwege, aber trotzdem läuft er mehr oder weniger linear.

Wir laufen zwar selten auf Pfaden, aber der Asphaltanteil ist relativ gering. Die meisten Wegstücke heute sind zweispurige weiche Waldwege oder grasige Feldwege. Mitunter haben wir den Eindruck, dass wir im Kreis gelaufen sind, aber am Ende kommen wir doch voran.

Wenn wir selbst einen Weg suchen müssten, wäre der wahrscheinlich nur halb so lang, aber auch längst nicht so schön.

Typisches Jura-Haus

Keltische Hohlwege

DDLN Etappe 21: Auf dem Frankenweg von Treuchtlingen nach Weißenburg

Treuchtingen nach Wettelsheim: 4 Kilometer

Wettelsheim nach Weißenburg: 20 Kilometer

Schon gestern sind wir vier Kilometer vom Bahnhof in Treuchtlingen quer über den Berg gelaufen, um nach Wettelsheim zum ¨Goldenen Lamm¨ zu kommen. Wir wollten einfach noch den Abend dort genießen und morgens auschlafen, statt erst heute morgen anzureisen. In der Tat hatten wir einen schönen Abend mit einem tollen Abendessen im ¨Lamm¨! 🙂

Heute haben wir deshalb so richtig Zeit zum Bummeln. ¨Nur¨ 20 Kilometer, das sind wir gar nicht mehr gewöhnt! 🙂

Ausschlafen können wir irgendwie auch nicht mehr. Schon um neun Uhr sind wir startklar.

Der Weg heute läuft unter dem Motto ¨Wiesen, Wald und Felder – schön abwechslungsreich, wenig langweilig. Zwar gibt es bis Kilometer 16 kaum Attraktionen, aber das Wandern macht einfach Spaß! Es geht an der Wettelsbacher Brauerei vorbei über die Altmühl …

… den Berg hoch mit einem (zugegeben etwas diesigen) Blick zurück nach Wettelsheim …

… und dann nach einem langen Asphalt- Marsch durch ein paar kleine Dörfer auf den nächsten Berg und in den Wald.

Das Wanderwetter ist bis zum Mittag eigentlich ideal: So etwa 15 Grad und leicht bedeckt, nicht zu sonnig. So mögen wir es, vor allem, weil für den ganzen Tag Regen angesagt war!

Tatsächlich beginnt es am Mittag etwas zu tröpfeln. Aber wir schaffen es, den ganzen Tag die Regenjacken im Rucksack zu lassen. Kein Vergleich zum Ostweg! 🙂

Die eigentlichen Highlights des Tages warten auf uns bis zum Schluss. Vier Kilometer vor dem Tagesziel liegt die sternförmige Festung Wülzburg. Innerhalb der riesigen Anlage sind fast keine alten Gebäude mehr erhalten, zu oft wurde der Zweck der Anlage umgewidmet: Erst Kloster, dann Festung, dann Garnison, dann Gefängnis, dann Krieggefangenen-Lager …

Aber die Mauern sind riesig hoch und der Burggraben ist beeindruckend tief. Toll ist auch der Kirschkuchen in der Burgschänke … 🙂

Direkt vor der Festung grast eine große Schafherde, ganz stilvoll mit Schäfer (der aber flott mit einem alten Golf unterwegs ist). Inmitten der Schafe gibt ein Tier, das dort offensichtlich nicht hingehört: Ein Esel! Nanu?

Wie wir von dem Schäfer erfahren, soll der Esel die Schafe vor dem Wolf beschützen. Er soll angeblich kicken, beißen und sich rasend aufführen, so dass der Wolf die Flucht ergreift. Allerdings steht laut Schäfer der Beweis dafür noch aus, bisher gab es noch keine Wolfsattacke.

Weißenburg ist eine ¨Große Kreisstadt¨, dementsprechend lang ist der blöde Anmarsch auf die Innenstadt – über eine Schnellstraße, am Kaufland vorbei, an -zig Tankstellen …

Aber dann!

Die Stadt besitzt eine der intaktesten Stadtmauern im süddeutschen Raum. Auch innerhalb der Stadtmauern gibt es tolle Gebäude und kleine Altstadtgassen.

Aber das spektakulärste Bauwerk ist das mittelalterliche Ellinger Tor. Doch, das ist echt!

Zu den 20 Kilometern kommen heute noch zwei Sightseeing-Kilometer dazu. Ein toller Abschluss unserer Wanderung. Und genau passend, um gegen 16 Uhr in unser Hotel einzuchecken. Wir haben sogar einen kleinen Balkon mit Blick auf Kirche und Stadtmauer! 🙂

DDLN – Deutschland der Länge nach

Ihr habt es vermutlich schon gemerkt – wir streckenwandern jetzt auch in Deutschland!

Bisher haben wir meistens nur Kurzurlaube und Wochenenden in Deutschland verbracht. Den Westweg sind wir so schon gelaufen, den Albsteig, den Schluchtensteig und den halben Altmühltal-Panoramaweg.

Ihr kennt uns als echte England-Fans. Aber aus verschiedenen Gründen haben wir die letzte Etappe von LECW etwas verschoben:

1 Der Brexit. Wann wird Großbritannien aus der EU austreten? Und wie? Stehen wir dann irgendwo blöd am Flughafen und kommen nicht zurück? Wie wird die Stimmung im Land sein, wenn der Austritt ansteht? Im Moment haben wir keine Lust auf diese Wirren und verschieben Schottland auf später.

  1. Die sogenannte ¨Flugscham¨: Wir wollen nicht jedes Jahr zweimal auf die Insel fliegen. Aber wenn man immer nur zwei Wochen am Stück wandert, ist eine lange Zugfahrt bis nach Schottland zu umständlich. Wir haben uns vorgenommen, in Zukunft nur noch einmal im Jahr zu fliegen – wenn überhaupt.

  2. In GB kennen wir uns mittlerweile ganz gut aus. Viel weniger wissen wir jedoch über Deutschland. Mehrmals sind wir in Großbritannien gefragt worden, wo man denn bei uns ganz gut wandern könne. Mehr als der Schwarzwald und die Alb fielen uns dazu erst mal nicht ein … Das wollen wir ändern!

  3. Besonders wenig wissen wir über Ostdeutschland. Deshalb werden wir auf jeden Fall einen Teil der Strecke durch die mittlerweile gar nicht mehr so neuen Länder laufen.

Der Plan: In Schaffhausen haben wir unsere Deutschlandreise auf dem Ostweg gestartet. Bis Treuchtlingen in Oberfranken können wir die Deutschlandtour an Wochenenden und mit Kurzurlauben abdecken. Die erste längere Etappe beginnt dann morgen: Auf dem Frankenweg und am Ende querfeldein geht es – wenn alles gut läuft – bis Bayreuth.

Das Ende der gesamten Tour soll dann die Ostsee sein – aber das dauert sicherlich noch ein paar Jahre! 🙂

Wir wünschen uns und euch viel Spaß mit ¨Deutschland der Länge nach¨!