Tag 7: Mawgan Port nach Padstow

In der Nacht hat es ordentlich geregnet und gestürmt. Der Blick am Morgen aus dem Fenster zeigt uns noch immer hohe Wellen und einen dunklen Himmel. Als wir nach dem opulenten Frühstück losziehen, lässt sich jedoch sogar die Sonne blicken. Das T-Shirt-Wetter ist nun wirklich vorbei, aber wir hoffen auf eine relativ trockenen Tag. Das würde uns doch schon reichen!

Leider regnet es dann doch den ganzen Vormittag immer wieder. Wir passieren eine Menge pittoresker Sandbuchten, teilweise mit Höhlen und kleinen Wasserfällen. Gegen zehn Uhr erreichen wir die berühmten Bedruthian Steps: Ein Reihe von imposanten Felsen im Wasser, die wie angelegt wirken, weil sie in einem ziemlich regelmäßigen Abstand zueinander liegen – gerade so, als habe der Riese Bedruthian sie ins Wasser geworfen, um von Fels zu Fels zu hüpfen. Eine ganze Reihe von Stufen führen hinunter zum Strand. Wir bleiben jedoch oben, denn von hier aus sind die Felsen am besten zu sehen und zu fotografieren. Hätte es unten ein Café, dann wären wir vielleicht nach unten gestiegen: Aber bei dem Regen sehen wir lieber zu, dass wir weiter kommen.

Auf dem weiteren Weg ist das typische Szenario zu sehen: Links die Steilküste mit Blick auf’s Meer, rechts langweilige flache Wiesen mit Kühen oder Schafen. Da freut man sich und freut sich auch nicht, wenn es mal wieder in ein Tal runtergeht: Es geht zwar bergab und wieder bergauf, aber geradeaus gibt es schon mehr zu sehen: Ein hübscher Bachlauf, eine Steilwand, ein Wasserfall, ein Stück Strand ..

In Porthcothan hoffen wir auf ein Café, finden aber leider keins. Also laufen wir weiter und spekulieren auf ein trockenes Plätzchen für eine Mittagspause. Tatsächlich hat die Jugendherberge in Trayarnon Beach ein kleines Café .. und geöffnet!

Wir setzen uns bei strömendem Regen unter ein Tarp im Hof und genießen unsere Kaffees und Flapjacks im Trockenen, aber draußen an der frischen Seeluft. So mögen wir’s!

Relativ zügig geht es weiter um Trevose Head und seinen Leuchtturm herum nach Harlyn, wo im dortigen Pub der nächste Kaffee wartet. Was geht es uns gut heute! Und mittlerweile hat es sogar zu regnen aufgehört.

Trevone ist uns nicht sonderlich sympathisch, wenn es auch einen netten Stand und eine berühmte Rettungsstation mit Bootsrutsche hat. Besonders am Ort ist nur, dass wir hier kurz den SWCP verlassen, um eine Abkürzung zu nehmen. Wir schlagen uns landeinwärts nach Padstow, anstatt den fünf Kilometer weiteren offiziellen Weg über Stepper Point zu nehmen. Puristen würden aufschreien, aber wir laufen schließlich nicht ausschließlich den Küstenweg, sondern sind auf dem Weg nach Schottland und müssen unsere Kräfte schonen. Da sei uns die eine oder andere Abkürzung verziehen :-).

Außerdem haben wir so auch noch die Zeit, uns in Ruhe Padstow anzusehen. Immerhin führt uns unsere Abkürzung zunächst an Prideaux Place vorbei. Der Palazzo ist Schauplatz zahlreicher Rosamunde-Pilcher-Filme. Der große Busparkplatz schreckt uns jedoch ab und es reicht uns, einen Blick durch die protzige Pforte zu werfen.

Padstow selbst gefällt uns sehr gut: Im Gegensatz zu St Ives hat man das Gefühl, dass es sich um einen „richtigen“ Ort handelt, in dem Menschen wirklich leben und arbeiten. Der Hafen ist hübsch, es gibt auch normale Geschäfte und es scheint noch andere Menschen außer Touristen zu geben. Jedoch kann dieser Eindruck auch dadurch entstehen, dass heute Dienstag ist und nicht Samstag, wie in St Ives erlebt.

Trotz überschäumender Kritiken für unser B&B in Padstow hält sich unsere Begeisterung für die Unterkunft in Grenzen: Der Weg dorthin ist steil, das Zimmer ist klein und die Wirtin versprüht ihren Charme wohl nur für ihre Landsleute. Uns hingegen fertigt sie relativ kühl ab. Leider regnet es am Abend wieder in Strömen und natürlich müssen wir das B&B verlassen, um an ein Abendessen zu kommen. Also patschen wir die Straße hinunter in den nächsten Pub, in dem es dann nur Fish and Chips gibt. Egal, einmal im Urlaub muss das auf jeden Fall sein. Und der Fisch war gut!

Ein Vorteil von B&Bs ist hingegen, dass sie oft ruhig sind, im Gegensatz zu Gasthöfen. Also schlafen wir wenigstens gut.

Tag 6: Perranporth nach Mawgan Porth

Die langen 26 Kilometer heute sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens wollte Steffi nicht in Newquay übernachten, weil sie davon nur Schlechtes gehört hat. Zweitens war es möglich, dass es keine Fähre über das Gannel Estuary geben würde: Beides bewahrheitete sich!

Wieder beginnt unser Tag damit, dass wir in nassem Sand einsinken. Zunächst gilt es, das Ende des Strandes zu erreichen, eine Klippe mit dem Namen Crotty Point. Wir hatten gehofft, bei Ebbe die Klippe zu umwandern, doch das Wasser steht hoch: So steigen wir Crotty Point hoch, wieder herunter und was erwartet uns? Drei Kilometer erneutes Stapfen durch nassen Sand! Doch das stört uns nicht wirklich: Der Tag ist jung und es regnet nur ein bisschen!

Glücklicherweise legt sich der Regen im Verlauf des Vormittags. Im Nachhinein lässt sich bei uns immer gut rekonstruieren, wann es geregnet hat – es gibt dann nur wenige Fotos!

Was ich von diesem Vormittag jedoch noch weiß: Der Weg führt uns größtenteils hoch an Klippen entlang, immer wieder gibt es tiefe Einblicke auf unzugängliche Sandstrände. Die Wellen schäumen heute ordentlich, die Gischt spritzt dramatisch gegen die Felsen – da kann sich der Friedel dann doch nicht verkneifen, die Kamera einige Male auszupacken, trotz Regen.

Als wir das Gannel Estuary erreichen (breite Flussmündung des River Gannel), hat es aufgehört zu regen. Nun wird es spannend: Gibt es in der Nachsaison noch eine Fähre, die uns auf das andere Ufer nach Newquay bringt, oder müssen wir bis zur Holzbrücke laufen?

Nun, eine Fähre gibt es keine mehr. Das finden wir jedoch nicht weiter schlimm, denn 1,5 Kilometer weiter gibt es die Brücke über den Fluss, das ist dann ja nur ein kleiner Umweg, oder?

Ähmm  .. welche Brücke? Wir haben sie ernsthaft gesucht, aber einfach nicht gefunden!

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ästuar zu Fuß zu umrunden, was einen zusätzlichen Weg von fünf Kilometer ausmacht. So kommt es zu den heutigen 26 Kilometern.

Der Weg entlang des Flusses gefällt uns auf jeden Fall: Auf der anderen Seite schaut man auf tropisch angehauchte Terrassengärten, denn die geschützte Bucht erlaubt Palmen, Ziergräsern und Agaven ein üppiges Wachstum. Später weitet sich das Tal und der Fluss mäandert durch eine breite Wattlandschaft mit vielen Seevögeln – außerdem machen wir gut Strecke, weil es kaum Höhenmeter zu überwinden gibt. Und was uns besonders antreibt, ist die Aussicht auf .. einen Kaffee!

In Newquay erwartet uns –  die Hässlichkeit! Ich hatte also ganz recht damit, diesen Ort  zu meiden und uns lieber ein ruhigeres Plätzchen zum Übernachten zu suchen.

Ich habe mich schon bei früheren Urlauben gefragt, warum es manche englische Seebäder schaffen, sich so derartig zu verunstalten. Newquay ist da ein schönes Beispiel. Das triste Wetter tut noch ein Übriges dazu, aber immerhin finden wir auf der Cliff Road zwischen allerlei Wettbüros und Ramschläden einen Wetherspoon-Pub, der ordentliche Hamburger und einen guten Kaffee im Programm hat. England-Tipp: Wenn man nicht lange fackeln will, sollte man nach eine Wetherspoon Ausschau halten!

Anschließend versuchen wir, möglichst schnell zurück zum Meer zu kommen: Durch verstopfte Straßen, über Parkplätze, an hässlichen Pizza-Express und Fish-and-Chips-Buden vorbei, durch eine dunkle Unterführung (sic!) zurück zum SWCP. Der führt uns zwar entlang einer großen Ausfallstraße aus dem Ort hinaus, aber immerhin hinaus! Endlich lassen wir die letzte hässliche Riesen-Hotelanlage hinter uns und .. die letzte Häuser .. und ein langweiliger Park … und wieder die Straße voller rasender Autos, Busse, LKW und hinunter in ein Tal, aus dem Tal heraus … und … das Meer! Die Weite! Wir fallen uns in die Arme. Der SWCP hat uns wieder! Die vier allerhässlichsten Kilometer des ganzen Urlaubs liegen hinter uns!

Auf dem Weg nach Mawgan Porth und zum Merrymoor Inn fängt es wieder zu regnen an, aber was soll’s? Wir wandern wieder durch wunderschöne Klifflandschaft, unterbrochen von sandigen und felsigen Buchten. Was soll man da meckern? Auch Friedel ist so glücklich, dass er trotz Regen zahlreiche Fotos macht. Erst eine Krise lässt einen wieder schätzen, was man am SWCP so hat!

Bei Tregurrian gibt es noch mal einen Flecken mit einer hässlichen Hotel- und Appartmentanlage und riesigem Parkplatz: Wie kann man da nur Urlaub machen, wenn es rundherum so schöne, lauschige Gasthöfe gibt, wie z.B. das Merrymoor Inn?

Sechs Kilometer nach Newquay erreichen wir es endlich. Wir sind schon etwas müde, aber haben die 26 Kilometer gut überstanden. Gut zu wissen, das so ein langer Tag auch mal geht.

Das Merrymoor Inn is ein echtes Kleinod. Es liegt geschützt in der Bucht direkt am Hafen. Der Wirt gibt uns netterweise ein kostenloses Upgrade auf ein Zimmer mit Meerblick – Nachsaison! Die große Terrasse mit Blick auf das Meer muss im Sommer sehr schön sein, jetzt jedoch sind wir froh, dass wir im Warmen sitzen können. Beim Rauchen kommen wir mit einem Camper-Pärchen aus Sunderland ins Gespräch – der Mann ist kaum zu verstehen. Ein Vorgeschmack auf die Dialekte Nordenglands – werden wir uns dort wohl verständigen können? 🙂

Es dauert jedoch nicht lange, und wir verziehen uns auf unser großes und schönes Zimmer. Alt werden wir heute nicht!