Tag 65: Alston nach Haltwhistle

Was den heutigen Tag betrifft, haben wir zwei Routen zur Auswahl: Zum einen haben wir den South Tyne Trail, der auf einem alten befestigten Bahnweg verläuft und uns  direkt fast bis nach Haltwhistle bringt. Zum anderen gibt es natürlich die Original-Route des Pennine Way, die am Anfang etwas oberhalb des Flusses und des Bahn-Tracks bleibt, später aber auch direkt am Fluss, während der Bahntrack etwas oberhalb verläuft. Wir wollen uns heute morgen nicht gleich festlegen, sondern wollen je nach Lust und Laune entscheiden, auf welchem Weg wir bleiben – heeey, wir haben unser Pensum fast geschafft! Wenn wir Bock haben, auf einem breiten Bahntrack zu laufen, dann machen wir das halt! Wenn wir davon genug haben und lieber auf einer verschissenen Kuhwiese herum stolpern wollen – warum nicht? 🙂

Der größte Unterschied zwischen den beiden Wegen ist jedoch, dass der Pennine Way bis nach Greenhead am Hadrian’s Wall führt, während die direkte Route nach Schottland über den South Tyne Trail uns nach Haltwhistle führt. Bis Greenhead wären es heute circa 26 Kilometer gewesen – trotzdem müssten wir morgen noch den Hadrian’s Wall nördlich von Haltwhistle passieren. Reserviert haben wir in einem B&B in Haltwhistle, also wird es eher der South Tyne Trail werden …

Wir haben es so entschieden, also soll es so auch sein! Also hadern wir nicht und stapfen morgens lustig zum alten Astoner Bahnhof, an dem der South Tyne Trail entlangführt.

Es macht Spaß, an den alten Gleisanlagen entlangzulaufen. Wie auf vielen Strecken in England wurde der Bahnbetrieb hier schon in den 1970ern eingestellt. Der alte Bahnhof ist nun ein Café, aber heute Morgen noch geschlossen. Der Bahnbetrieb wird mit alten Loks für die Touristen aufgehalten, aber trotzdem passieren uns auf unserem Weg heute zwei alte E-Loks, die Material für Instandhaltungsarbeiten transportieren. Stolz grüßt uns der junge (!) Lokomotivführer aus dem Vehikel, aber einen Anhänger hat er nicht dabei  – Was transportiert er wohl??

Wie wir schon erwähnt haben: Wir mögen alte Bahntracks! Zwar läuft man manchmal in einer Art Röhre, aber es gibt auch erhöhte Bahntracks, von denen man einen tolle Rundumsicht hat. So auch heute auf dem South Tyne Trail. Also bleiben wir auf dem alten Bahntrack, er ist halt einfach bequemer und angenehmer als der Pennine Way.

Das Wetter heute ist herbstlich, aber sonnig. So zuckeln wir an alten Signalen und unter Viadukten  gemütlich weiter, bis wir in Lintley an eine Baustelle geraten. Hier werden wir gezwungen, den Bahntrack zu verlassen. Die Umleitung verläuft über den Pennine Way! Wer hätte das gedacht! 🙂

Sollte jemand den PW nicht kennen, hier weiß er sofort, was Sache ist – sind wir noch eben trockenen Fußes über einen mit Split gefestigten Weg gelaufen, konfrontiert uns die Umleitung mit einem wurzeligen, matschigen, mit Springerle überwucherten Pfad am Fluss entlang. Dankeschön, werden Millionen Radfahrer und Sonntagsspaziergänger sagen – darum geht es also beim PW! Blut und Tränen!

Da wir heute aber keinen Zeitdruck haben und die Sonne lacht, nehmen wir die Unbill des PW locker hin: Zwei Kilometer Schlammpatt sind besser als 22 Kilometer davon.

In Slaggyford trifft der PW wieder den Bahntrack. Hier gibt es auch ein bestimmt tolles B&B in einer alten Kapelle. Da hätten wir gern übernachtet, aber leider gibt es keinen Pub oder Restaurant im Ort und damit kein Abendessen … aber wer sich damit arrangieren kann, hat bestimmt eine tolle Übernachtungsmöglichkeit …

Auch in Slaggyford entscheiden wir uns gegen den PW und bleiben auf dem Bahntrack. In Burnstones könnten wir uns erneut für den PW entscheiden – nee, heute nicht! Nach all den Strapazen des PW haben wir uns diesen Track verdient!

Mittlerweile merkt man, dass es Herbst wird. Am Nachmittag scheint noch die Sonne, aber ein Wind kommt auf, der einem durch Mark und Bein geht. Immerhin bleibt es trocken!

In der Nähe von Lambley spätestens muss man entscheiden, ob man nach Greenhead oder nach Haltwhistle laufen will. Wir laufen an Lambley vorbei und bleiben auf dem Bahntrack. Ein besonderes Highlight erwartet uns hier noch – das große Viadukt, dass über eine besonders breite Stelle des Tyne führt.

In der Tat ist der Bahntrack über das Viadukt sehr beeindruckend und es ist schade, dass der Pennine Way das Highlight nicht mitnimmt: Das Viadukt erhebt sich 35 Meter über den Fluss und die Brücke ist nur 3,5 Meter breit. So entsteht ein besonders filigraner und zerbrechlicher Eindruck, ein feines Stück englischer Ingenieurskunst und heute leider total ungenutzt. Wir sind komplett allein hier oben …

Ein zweites Highlight verspricht der Pub in Featherstone Rowfoot. Als wir dort ankommen, hoffen wir natürlich auf einen Kaffee. Der Landlord und die Landlady streichen aber gerade die Fenster und der Pub sieht eher geschlossen aus. Als wir vorsichtig anfragen, bekommen wir die charmanteste und freundlichste Antwort dieses Urlaubs: „If you want that it’s open, then it’s open!“ (Wenn Sie wollen, dass wir geöffnet haben, dann haben wir geöffnet!)

Vielen Dank, Wallace Arms in Featherstone Rowfoot! Der Kaffee war super und es gab sogar Kekse. Ihr habt voll erkannt, wie glücklich ihr Wanderer macht, die den ganzen langen Tag in Kälte und Wind vor sich hin trotten. You’ve made our day!

Die letzten Kilometer nach Haltwhistle laufen wir im Nu. Heute sind wir 22 Kilometer gelaufen, aber diese kann man in keiner Weise mit 22 Kilometern im Fell vergleichen: Als wir ankommen, ist es noch nicht mal 15 Uhr, und wir sind wir ein bisschen ausgekühlt, aber frisch wie der Morgentau!

Unser B&B ist gediegen, aber … uhhh! Das „Grey Bull“ war früher mal ein Pub am Rand des Ortes, aber heute wird es von einer spießigen, unwirschen Landlady verwaltet. Das Zimmer ist groß und es gibt sogar zwei Sessel, aber atmosphärisch ist der Laden supermuffig – nicht unser Geschmack. Wir verschlafen den Nachmittag und nach einem Gang in den Ort und einem guten Abendessen im SCHWARZEN Bullen inklusive zahlreicher Pints habe wir erneut gut geschlafen. So what, das ist Urlaub!

 

Tag 64: Garrigill nach Alston

Schon früh am Morgen werden wir von Geräuschen aus dem Erdgeschoss geweckt – aha, unsere Landlandy Laura ist da!

Was ich gestern übrigens nicht erwähnt habe: Das B&B ist ausgesprochen entzückend eingerichtet. Das Ambiente ist nicht übertrieben, also keine Deko-Herzchen aus Zwirbelholz – aber die eine oder andere Kuschel-Decke aus Tartan oder den Duschvorleger aus Schafwolle wissen wir durchaus zu schätzen. Die Einrichtung passt einfach zum Cottage!

Laura ist eine eher scheue Dame, aber sie serviert ein tolles Frühstück! Im zugegeben schleppenden Gespräch mit ihr erfahren wir, dass Sie genau in dem Hotel arbeitet, in dem wir an diesem Abend unterkommen werden. Nee, so haben wir unsere persönliche Betreuung im Cumberland Inn in Alston!

Der heutige Wandertag ist allerdings ein Witz: Sieben Kilometer haben wir heute bis Alston, das ist sozusagen ein Ruhetag!

Wir haben uns heute schon bemüht lange zu schlafen, aber trotzdem sind wir früh wach, einfach weil wir es gewohnt sind. Wir sind also schon um neun Uhr wieder auf der Piste und bummeln gemütlich die Original-Route des Pennine Way entlang – immer am River South Tyne entlang. Wir haben links Wiesen, rechts den Bach. Später haben wir rechts Wiesen, links den Bach. Die Sonne scheint, wir schlendern gemütlich unseren Pfad. Weder geht es nennenswert bergauf, noch gibt es ätzende Passagen an Straßen entlang. Für heute gibt es echt nichts Besonders zu berichten, der Weg ist angenehm, aber eher unspektakulär. Und obwohl wir uns Zeit nehmen, sind wir bereits um kurz vor zwölf Uhr in Alston, und wat nu?

Wir trinken erst mal einen Kaffee, statten dem örtlichen Trekking-Laden einen Besuch ab, laufen alle Straßen auf und ab .. ja, wir besuchen sogar den ehemaligen Bahnhof, den wir eigentlich erst am nächsten Tag passieren wollten. Ein durchgeknallter Alstoner, ein Handwerker etwa in unserem Alter, spricht uns an, um uns von der Weltverschwörung zu berichten, wir werden ihn kaum los. Um 15 Uhr können wir endlich einchecken – um was zu tun?

Wir baden ausgiebig, waschen Wäsche, sitzen schon um 16 Uhr mit einem Ale auf der Terrasse. Aber wir sehen mal wieder, dass wir mit solchen Ruhetagen nichts anfangen können und lieber draußen sein möchten. Im Idealfall laufen wir 18 bis 25 Kilometer und kommen entspannt an – Ruhetage brauchen wir eher nicht!

Am Abend sitzen wir lange im Pub, und da Laura heute tatsächlich dort arbeitet, haben wir in der Tat unsere persönliche Betreuung. Sie liest uns jeden Wunsch förmlich von den Augen ab. Vielen Dank, Laura! Wir freuen uns schon auf den nächsten Tag, der wieder eine „richtige“ Wanderdistanz verspricht: Alston nach Haltwhistle mit korrekten 22 Kilometern!

Tag 63: Dufton nach Garrigill

Am Morgen verabschieden wir uns herzlich von Simon und gehen die schwierigste Passage auf dem Pennine Way an – THE CROSS FELL!

Der Berg ist nur 893 Meter hoch, aber der höchste in den Pennines. Ähnlich wie Mount Katadyn in den Appalachians gilt er aber als Schlechtwetterberg, der uns im Vorfeld unserer Planung schon ordentlich Respekt eingeflößt hat. Wikipedia:

„Eine Wanderung über Cross Fell ist nur bei gutem Wetter und mit angemessener Ausrüstung zu empfehlen, da der Gipfel im Frühjahr noch lange verschneit bleibt, häufig in Wolken und Nebel liegt und starken Winden ausgesetzt ist.

Huuuhh! Wird heute ein Tag mit gutem Wetter sein? Wir rechnen mit dem Schlimmsten und wissen, dass wir es mindestens bis Garrigill schaffen müssen. Das sind 25 Kilometer und wird wohl recht anstrengend bei den oben beschriebenen Bedingungen. Vor dem heutigen Tag haben wir am meisten gebangt. Wir haben von Wanderer gelesen, die sich auf der Hochebene des Cross Fells verlaufen haben und stundenlang herumgeirrt sind, bis sie den Abstieg gefunden haben. Wie wird es uns ergehen? Die Wettervorhersage ist durchwachsen!

Als wir loslaufen, ist es noch nicht neun Uhr. Wegen der umliegenden Hügel sehen wir den Cross Fell nicht – was wird uns erwarten? Egal – wir müssen eh über den Buckel!

Zunächst gilt es erst einmal, überhaupt in die Höhenlage der Pennines wieder aufzusteigen. Gestern sind wir auf unter 200 Meter abgestiegen, nur um in Dufton übernachten zu können. Für die Zelter unter euch: Einen Weg vom High Cup Nick in Richtung Cross Fell gibt es nicht – da wäre Querfeldeinwandern angesagt!

Von 200 Meter auf fast 900 … das ist schon ein ordentlicher Aufstieg. Viele Wanderer laufen durch von Dufton bis nach Alston – aber ob der vielen Höhenmeter und der unsicheren Wetterlage reichen uns die 25 Kilometer bis Garrigill. Im Vorfeld habe ich uns dort in ein B&B eingemietet. Also sind es heute 25 Kilometer mit einem ordentlichen Aufstieg und unsicherer Wetterlage – wir bibbern schon!

Zunächst geht es allerdings im strahlenden Sonnenschein langsam und gemächlich nach oben. Wir durchlaufen eine elysische Landschaft und die ersten fünf Kilometer geht es noch relativ gemächlich nach oben. Wir haben eine tolle Aussicht heute Morgen, auf das Eden Valley und Dufton Pike und Dodd Hill.

Schon ab 500 Höhenmetern wird es zunehmend kalt und neblig. Wir sind darauf eingerichtet und ziehen die Mütze und die Jacke aus den Seitentaschen – auf geht’s!

Immer höher geht es auf den Great Dunn Fell hinauf und die Landschaft im Tal ist immer weniger zu sehen. Wir steigen förmlich in die Nebelfelder ein. Immer wieder öffnen sich die Wolken und man sieht das sonnige Tal unter uns. Bei uns gibt es allerdings nur Stille und eine wabernde Masse um uns herum. Als wir auf dem Great Dunn Fell die ersten Cairns erreichen, sind wir recht froh, haben wir doch den größten Teil des Anstiegs hinter uns – Dafür wird es aber auch extrem nass. Zwar haben hier fleißige und hilfreiche Kräfte Steinplatten auf dem matschigen Weg verlegt, aber aufgrund der hohen Niederschläge der letzten Tage stehen sie alle unter Wasser. Egal – wo die „Slabs“ liegen, da verläuft der Weg! So verirren wir uns wenigstens nicht auf dem Hochplateau und erreichen so glücklich den Gipfel des Great Dunn Fell – aber Moment! Sollte hier nicht eine Radarstation sein? Ja wo ist sie denn?

Ein kleiner Wind kommt auf und quirlt den Nebel etwas durch … plötzlich taucht sie aus dem Nebel auf, die große Kugel der Radarstation, direkt vor uns, wie konnten wir sie vorher übersehen? Und Sekunden später ist sie wieder verschwunden, Zauberei! Wir gut, dass wir zu zweit sind und blöde Witze machen können, alleine wäre uns hier schon etwas mulmig zumute!

Wir patschen den Hang herunter durch die Nebelsuppe. Auch hier liegen ordentlich verlegte Steinplatten. Nach einem kleinen Zwischental geht es auf der anderen Seite wieder hoch auf den Little Dunn Fell. All diese Berge sind höher als alle anderen der Pennines, aber da sie in einer Reihe liegen, merkt man den Unterschied kaum. Hier auf dem Little Dunn Fell beginnt sich der Nebel zu lichten: Wow! Wir haben eine Aussicht hinter und und sehen die Radarstation auf dem zurückliegenden Berg – nach vorn sehen wir den Aufstieg auf den Cross Fell deutlich vor uns: Oje, da geht es noch mal runter und dann noch mal ordentlich rauf!

Plötzlich überholt uns ein Mann ohne Rucksack mit Hund und hechtet den Hang vor uns hinunter. Wo will er so schnell hin? Wo will er ankommen? Zurück nach Dufton? Nach Garrigill? Wieder nach Kirkland hinunter?

Als wir den Anstieg auf den Cross Fell geschafft haben, sind wir glücklich und erleichtert. Ab jetzt geht es nur noch bergab und der Sonne entgegen.

In der Tat herrscht hier oben ein ordentlicher Wind, und der weht uns fast das Mark aus den Beinen. Auf dem Cross Fell hat man das Gefühl, dass man auf dem Mond wandelt: Steine, Steine und eine eintönige Landschaft. Auf dem Platau verliert man irgendwann sogar die Radarkugel auf dem Great Dunfell aus dem Blick, und solange man nicht auf der Kante dieses großen Hochplataus steht, hat man auch keine Aussicht. Aber nachdem wir uns einen Tee und einen Snack am „Shelter“ (ein offener Windschutz mitten auf dem Hochplateau) genehmigt haben, geht es wieder herunter, und damit gibt es eine (zugegebenermaßen etwas verhangene) Aussicht ins Eden Valley und auf die umliegenden Hügel. Wir sehen den Weg und die Steinmarker klar vor uns, also ist alles wunderbar!

Unser nächstes Ziel ist „Greg’s Hut“, ein Bothy in England!

Wir kennen Bothies, also unbewirtschaftete Schutzhütten, schon aus unserem letzten Schottland-Urlaub. Zweimal haben wir sogar schon in einem übernachtet. Aber neu war mir, dass es diese Hütten auch (aber selten) in unwirtlichen Gegenden in England gibt. Nun, heute werden wir auf eines der wenigen Bothys in England treffen. Dieses ist eine ehemalige Schmiede, als dies alles noch Minengebiet war. Greg ist ein Fellwanderer, der in den Alpen bei einem Bergunfall um’s Leben gekommen ist. Die Hütte wurde zu seinem Gedenken renoviert.

Heute besteht sie aus zwei Räumen, ausgerüstet mit einem Vorraum mit ollen Plastikstühlen  und einem „Schlafraum“ mit einem Podest aus Spanplatten und einem Ofen. Es stellt sich allerdings die Frage, wo man das Holz herholen soll, um den Ofen zu befeuern. Mitbringen?

Wir grüßen das Bild von Greg an der Wand des Bothys, fotografieren den berühmten Ort (mehr als 600 Wanderer übernachten hier jedes Jahr) und machen uns weiter auf den langen Abstieg nach Garrigill.

Von Greg’s Hut aus sind es noch mal zehn Kilometer bis nach Garrigill. Diese verlaufen fast durchweg auf breiten Schotterwegen. So kommen wir gut voran, aber der Abstieg durch ehemalige Abraumhügel der Minen aus alter Zeit ist eher bedrückend: Wie viele Menschen haben hier früher unter unmenschlichen Bedingungen und diesen fiesen Winden geschuftet? Wie kalt und ärmlich müssen die Lebensbedingungen hier gewesen sein? 

Fünf Kilometer vor Garrigill werden wir durch Schüsse aus unseren düsteren Gedanken geweckt – Jagdsaison, oje!

Zunächst versuchen wir das Geballere noch zu ignorieren, denn immerhin befinden wir uns auf einem NATIONAL TRAIL! Man wird uns doch hier nicht über den Haufen schießen?

Aber irgendwann sehen wir vor uns auf dem Weg junge Männer, die wie wild Fahnen vor uns schwenken – Oh Gott, wir laufen durch ein Kriegsgebiet!

Unser Schritt beschleunigt sich in der Tat – nichts wie weg von dieser wilden Moorhuhnjagd!

Kurz vor Garrigill, nachdem wir die Kehre hinter uns gebracht haben, treffen wir auf einen Konvoi von Jägern. Diverse SUV, teilweise in Tarnfarben, überholen uns, die Fahrzeuge voll mit alten Männern – Ihrer Lordschaft erlesene Gäste? Einer spricht uns an, aber wir haben große Probleme, den Mann zu verstehen. Haben wir seine Fragen beantwortet? Wir glauben schon! 🙂

Endlich erreichen wir Garrigill, einen kleinen Ort mit weniger als zweihundert Einwohnern. Es gibt ein Post Office und einen Pub, der aber seit 2016 leider endgültig geschlossen ist. Bei unserer Planung standen wir vor folgender Überlegung:

  1. Übernachten wir in einem B&B in Garrigill und nehmen wir ein Abendessen mit, so dass wir unabhängig vom Pub hier übernachten können oder
  2. laufen wir 32 Kilometer durch bis Alston und kommen spät, aber kaputt und happy dort in einem Pub an?

Zum Zeitpunkt unserer Planung erschienen uns die 32 Kilometer zu viel und wir entschieden uns für die Garrigill-Übernachtung. Aber im Nachhinein müssen wir zugeben, dass wir auch die 32 Kilometer geschafft hätten, da das Wetter auf den Fells ganz gut war. Wir hatten Glück, aber es hätte natürlich auch schlimmer kommen können!

In Garrigill erwartet und folgende Situation: Als wir in unserem B&B ankommen (East View B&B), finden wir die Tür des Cottages unverschlossen und eine Nachricht von unserer Landlady Lana, dass sie heute Abend nicht da sei, da sie arbeiten müsse. Wir sollten uns jedoch wie zuhause fühlen und sie habe in einem benachbarten B&B ein Abendessen für uns arrangiert. Das ist doch super, oder?

Das B&B mit dem Abendessen hat nicht nur zwei Gerichte für uns zur Auswahl (naaa, was ist es wohl? Lasagne und Steak and Ale Pie!!!!), sondern auch gezapftes Ale. Also freut sich Friedel ein Loch in den Bauch über das unverhoffte Bier, Glückes Geschick! 🙂

Wir genießen unseren gemütlichen Abend in dem improvisierten Pub und kommen später auch mit einem anderen Gast ins Gespräch. Nach kurzer Zeit bemerken wir allerdings, dass dieser ziemlich betrunken und nationalistisch eingestellt ist, sodass wir tunlichst das Weite suchen. Mit uns flüchten noch diverse andere Gäste, die er auch vollgequatscht hat.

Wir verbringen einen schönen Restabend mit Tee und Keksen im Cottage. Unser Zimmer ist sehr gemütlich eingerichtet, so auch die Lounge für die Gäste. Da wir die einzigen Übernachtungsgäste sind, haben wir das gesamte Cottage für uns. Wir betrachten Karten und Bildbände der Region und genießen das Ferienhaus-Ambiente. Morgen früh werden wir Lana, die Landlady, kennenlernen. Wir sind schon gespannt!