Tag 2: Sennen Cove nach Pendeen

Heute haben wir es gemerkt: Der SWCP hat es in sich! Wir rechneten mit einen launigen Spaziergang am Meer, aber es geht ganz schön auf und ab!

Heute morgen ist es frisch, es ist ja auch schon Oktober. Die Sonne scheint, jedoch merkt man in der „Cove” noch nichts davon, weil sich die Sonne noch hinter den Klippen versteckt. Es ist Ebbe, so dass wir einen schönen breiten Sandstrand haben und nicht den Pfad entlang der Klippen nehmen müssen. Der Sand ist schön fest und wir ziehen die Schuhe aus, lassen das Wasser unsere Zehen umspülen. Herrlich!

Bis zum Air Point kommen wir so gut voran, aber nun heißt es den Strand zu verlassen und sich in den Farn zu schlagen. Der Pfad windet sich den Hang auf und ab, es geht über Steine, durch teilweise mannshohen Farn, immer an der Kante entlang. Links das Meer, rechts die Klippen. Zwischendurch laden einsame Sandstrände unten zum Baden ein, denn mittlerweile ist es hübsch warm. Aber dann müssten wir ja ordentlich absteigen und danach wieder rauf, also verzichten wir heute auf das Bad.

Gegen Mittag wird es dann aber so richtig warm, und das Anfang Oktober! Da es einige steile Auf- und Abstiege gibt (immer dann, wenn ein Bach ins Meer fließt), kommen wir ganz schön ins Schwitzen – und erreichen endlich Cape Cornwall.

Auf dem Parkplatz in der Nähe einer kleinen Kirchenruine gibt es eine Kaffeebude, in der eine süße Dame selbst gebackenen Kuchen, Tee und Kaffee serviert. Wir sind begeistert, denn damit haben wir nicht gerechnet!

Als wir da so sitzen und gemütlich unseren Kaffee schlürfen, sehen wir das englische Pärchen wieder, das uns heute schon einmal begegnet ist. Die beiden sind vermutlich ein bisschen älter als wir, die Frau mit glatten, grauen Haaren, der Mann (etwas jünger?) mit einem sympathischen Dauergrinsen. Wir nicken uns kurz zu, nichtsahnend, dass wir uns von nun an noch häufiger begegnen werden …

An Cape Cornwalls höchstem Punkt gibt es einen riesigen Schornstein, ein Relikt aus der Zeit, als in diesem Gebiet intensiv Bergbau betrieben wurde. Das ganze Areal von hier bis Pendeen gehört dem National Trust und ist als Unesco-Weltkulturerbe geschützt. Ab hier durchlaufen wir ehemalige Minengebiete, in denen Kupfer und Zinn abgebaut wurde. Mehrmals passieren wir alte Industriegebäude und Schornsteine, außerdem gibt es riesige alte Abraumhalden, die das Bild der Landschaft prägen. Wir kommen uns vor, als ob wir durch eine Marslandschaft laufen!

Kurz vor Pendeen kommen wir an der Levant Mine vorbei, in der es eine alte Balancier-Dampfmaschine zu besichtigen gibt. Wir lassen das Museum jedoch links liegen, denn wir sind schon nicht mehr ganz frisch. Jedoch schauen wir uns die Info-Tafeln an, die überall angebracht sind. Wo wir heute Urlaub machen und uns den frischen Wind um die Nase wehen lassen, bauten früher bei Wind und Wetter Bergleute die Mineralien ab, teilweise in Stollen, die bis zu zweieinhalb Kilometer unter das Meer reichten. Frauen und Kinder sortierten danach über Tage Wertvolles von Unvertvollem. Das sind die riesigen Steinfelder, durch die wir laufen. Das Ganze bei Wind und Wetter. Da überkommt einen schon ein etwas ungutes Gefühl …

Ganz in der Nähe könnte man noch die Geevor Mine besichtigen, aber wir wollen noch weiter bis zum Leuchtturm Pendeen Watch. Außerdem freuen wir uns schon auf das Ale und darauf, unsere müden Knochen abzulegen.

Der Leuchtturm lässt sich nicht besichtigen, also machen wir uns auf den Weg ins Inland. Wir kommen an einigen Häusern vorbei, in deren Gärten Palmen stehen und riesige Agapantus-Stauden. Kaum zu glauben, dass wir hier in England sind.

In Pendeen haben wir uns im North Inn eingemietet, dem einzigen Pub im Dorf. Unser recht großes Zimmer liegt in einer Art Pavillon hinter dem Pub, wir haben sogar eine Terrasse! Die Gaststube ist gemütlich und das Essen gut, da haben wir auch keine Lust mehr, noch lange in Pendeen herumzulaufen, zumal es da vermutlich sowieso nicht viel zu sehen gibt.

Beim Abendessen treffen wir das englische Pärchen wieder. Wir kommen kurz ins Gespräch und sie erzählen uns, dass sie eine Woche auf dem SWCP unterwegs sind, allerdings nur bis St Ives. Sie haben das schöne Wetter heute genutzt und ausgiebig gebadet. Also nehmen wir uns das für morgen auch vor …

Tag 1: Die ersten 2 km auf dem Weg nach Cape Wrath

An unserem ersten Tag schaffen wir nur zwei Kilometer, was unser Ziel Cape Wrath betrifft, aber wir wollen unseren Urlaub ja auch genießen und den St. Michael’s Mount sehen – also laufen wir am Morgen gaaaaanz gemütlich zwischen Bahnlinie und Meer auf dem South West Coast Path (ab jetzt SWCP genannt) in Richtung Osten nach Marazion. Wir haben schon schönere Meerabschnitte gesehen, aber der Weg ist ruhig, die Sonne scheint, die Wellen klatschen an die Steine, also was will man mehr an diesem ersten Tag?

In Marazion ist am Morgen noch nichts offen, wir müssen aber warten, bis der Steinweg durch das Watt zur Insel St. Michael’s Mount von der Ebbe freigelegt wird. Also setzen wir uns ganz gemütlich auf eine Steinbank am Strand und sehen zu, wie sich das Wasser langsam zurückzieht.

Am Ende dauert es uns aber doch zu lange und wir nehmen die „Fähre“ auf die Insel, also eine Art Fischerboot mit ca. zwölf Plätzen für Passagiere. Das erweist sich als gute Entscheidung, denn als wir auf der Insel ankommen, sind wir fast allein!

Nach einer ausführlichen Fototour im Hafen und im kleinen Dorf setzen wir uns in das Café auf die Terrasse am Strand und bestellen: Milchkaffee und Scones mit Blick auf’s Meer. Was dem Friedel sein Ale, sind der Steffi ihre Scones!

Kaum haben wir die Dinger verputzt, ist der Causeway (Damm) auch schon frei und die Menschenmassen strömen auf die Insel! Wir sehen zu, dass wir wieder (Fest)land gewinnen, denn wir haben ja heute noch einiges vor. Land’s End ruft!

Gestern Abend haben wir ja nur wenig von Penzance gesehen, also fahren wir mit dem Bus flugs dorthin zurück. Da der Bus nach Sennen Cove, unserer nächsten Übernachtung, erst in eineinhalb Stunden fährt, haben wir noch etwas Zeit, uns die Stadt anzusehen. Aber … was soll ich sagen … Penzance ist laut! Voll! Heiß! Eng!

Also sind wir eine Stunde später froh, den wuseligen Ort hinter uns zu lassen. Die Einsamkeit weiter Strände ruft!

Der Bus fährt uns direkt bis nach Sennen Cove, und der Ort ist schon eher nach unserem Geschmack: Er besteht zwar nur aus ein paar Fischerbooten, B&Bs, Fish-and-Chips-Buden und einem Sommerkram-Kiosk, aber zumindest ist es hier nicht so voll. Unsere Unterkunft, das Old Success Inn, sah schon im Internet sehr vielversprechend aus.

Also checken wir schnell ein (Zimmer mit Blick nach links auf’s Meer), das Zimmer ist nicht groß, aber gemütlich. Wir beeilen uns, denn a) haben wir Hunger und b) wollen wir nach Land’s End! Wir ziehen uns also an besagter Bude jeder eine Portion Fish and Chips rein und schleppen uns dann mit vollem Bauch die steinigen zwei Kilometer an der Küste entlang bis zum Land’s End.

Land’s End: Dies ist der südlichste Zipfel Großbritanniens, okay, aber muss man dort dann gleich einen VERGNÜGUNGSPARK daraus machen? Dieser verströmt im September den Charme der Nachsaison, das heißt, diverse Karussells, Geisterbahnen und ähnliches sind geschlossen. Aber immerhin gibt es eine Kaffeebude, die geöffnet ist. Was auch zu besichtigen ist, ist eine Art Land’s-End-to-John-o’-Groats-Museum, in dem alle möglichen Fakten und Rekorde diverser Spielarten dieser 1500km-Herausforderung zu bestaunen sind. Recht interessant! (Die ca. 1500km sind Straßenkilometer – gelaufen sind es je nach Route deutlich mehr!)

Aber jetzt kommt das Unverschämteste: Am legendären Land’s End Signpost, also dem in Metall gegossenen Wegweiser nach John o’Groats, an dem sich alle Helden des Weges am ersten Tag ihrer langen Tour fotografieren lassen, soll man bezahlen, wenn man sich dort hinstellen will! Nein, das wollen wir dann doch nicht, schon aus Prinzip nicht *hmpf!*. Also macht Friedel ein Foto von mir, bei dem der Wegweiser nur weit im Hintergrund zu sehen ist. Das muss reichen. Aber nach unserem Kaffee hatte der Kassierer am Signpost wohl keine Lust mehr länger zu bleiben, das Fotomotiv ist nun frei!

Später Nachmittag: Da kann man ja noch ein wenig weiter laufen, zumal der Küstenabschnitt nach Land’s End in Richtung Gwennap Head auch noch einige interessante Fotomotive zu bieten hat: Felsen, Höhlen und die beiden kleinen Inseln Armed Knight und Enys Dodnan mit dem markanten Bogen. So laufen wir also noch weiter bis zur Mill Bay und dann im Sonnenuntergang zurück nach Sennen Cove.

Unser Abendessen nehmen wir glücklich und zufrieden draußen auf der Terrasse unseres Inns ein: Zwar sind wir die einzigen Gäste, die draußen sitzen, aber wir genießen den kühlen Abend mit dem Blick auf das Meer. Zu unserer großen Tour zählen heute nur zwei Kilometer von Land’s End zurück nach Sennen Cove. Doch waren wir heute nicht untätig und sind alles in allem doch 18 km gelaufen.

Tag 3: Pendeen nach St Ives

Mein englischer Reiseführer (Cicerone) hatte mich gewarnt: Dies sei eine der anstrengendsten Strecken auf dem SWCP. Wir hätten die Strecke in Zennor unterbrechen können, denn dort gibt es einen Pub mit Übernachtungsmöglichkeit. Da wir aber nur acht Wandertage zur Verfügung haben, laufen wir heute die 23 Kilometer bis St Ives in einem Rutsch durch. Nur 23 Kilometer, das schaffen wir!

Zunächst laufen wir von Pendeen aus den Weg zurück zum Leuchtturm und steigen dort wieder auf den Pfad ein. Der Weg, anfangs noch ein Fahrweg, verwandelt sich schnell in einen Trampelpfad, der 75 Meter über dem Meer an den steilen Klippen entlang führt. Unter uns liegt die einsame Portheras Cove, eine wunderschöne Bucht mit Sandstrand, in die wir fast bis auf Meeresniveau absteigen.

Anschließend geht es einen steinigen Weg wieder rauf auf einhundert Meter, und dann wieder runter in die nächste Cove, und dann wieder rauf … and so on. Morgens um zehn Uhr ist es noch dazu schon knallwarm: Aber wir beschweren uns nicht – kältere Tage werden kommen!

Nicht jede dieser Buchten, auf die wir hinuntersehen, hat einen Sandstrand – aber vielleicht hat die Flut den Sand auch verschluckt. Auf jeden Fall sehen wir auf fast weiße Felsen im Wasser, zwischen denen sich türkisgrün das Wasser bewegt. Man könnte stundenlang auf die Wellen schauen, aber wir müssen weiter!

Der Weg windet sich immer an den Klippen entlang, hoch über dem Meer. Links von uns liegen die Felsen und die Brandung, rechts von uns Farne, Farne, Farne. Weiter im Inland gibt es Weiden mit Kühen, Pferden oder Schafen, langweiliges Farmland. Wie schön, dass wir am Meer entlang laufen, und nicht wie andere LEJOG-Wanderer die kürzere Inland-Route nehmen.

Immer wieder haben sich tiefe Täler in die Klippen geschnitten, wenn ein Bach vom Inland zum Meer fließt. Hier geht es jedesmal einen steinigen Pfad hinunter (einige Male muss man gar die Hände zur Hilfe nehmen), aber natürlich auf der anderen Seite wieder hoch. Dies geht einige Male so.

Diese Täler bieten auch einiges an Abwechslung: Nur hier, in den geschützten Bachtälern, wachsen Bäume, Blumen, mediterrane Pflanzen. In einem dieser Täler gibt es auch ein schattiges Plätzchen für unsere Mittagspause – inklusive riesiger Brombeeren!

Ansonsten gibt es heute kein Café auf dem Weg, dafür aber so viel tolle Pausenplätze mit Blick auf das Meer.

Ab Wicca Pool halten wir Ausschau nach Seehunden, die hier oft zu sehen sein sollen – aber heute nicht. Auf dem letzten Stück nach St Ives gibt es zum Glück keine großen Auf und Abs mehr. Die 23 Kilometer anstrengenden Geländes sitzen uns in den Knochen.

In St Ives machen wir uns gleich auf den Weg zu unserem B&B. Normalerweise versuche ich B&Bs zu vermeiden, aber St Ives ist ein teures Pflaster: Entweder man mietet sich in ein teures Hotel ein oder halt in eins der vielen B&Bs. Gemütliche Pubs mit Gästezimmern gibt es kaum.

Unser B&B, Tregony Guest House, ist sauber und ruhig, das Zimmer aber wie in den meisten B&Bs eng und plüschig. Den beiden jungen Besitzern scheint das Lächeln im Gesicht eingefroren zu sein. Wir duschen und machen uns bald auf den Weg, um noch etwas von St Ives zu sehen und ein Ale zu trinken.

Nachdem wir die engen Gassen voller Craft-Shops rauf und runter gelaufen sind, landen wir relativ schnell am Hafen im Lifeboat Inn – und können sogar noch einem Platz auf der Terrasse ergattern!

St Ives ist ein nettes Örtchen, der Ort brummt – aber viel zu viele Touristen für unseren Geschmack. Außerdem ist auch noch Freitag. Das Essen im Lifeboat Inn ist okay, aber nichts Besonderes. Typisches Pub Food halt, aber wie immer gut essbar. Wir sind einfach nur froh, dass wir in diesem Touri-Ort ein nettes Plätzchen gefunden haben.

Als Friedel noch einmal in den Pub geht, um Bier-Nachschub zu holen, kommt und kommt er nicht wieder: Er hat an der Bar das englische Pärchen wiedergetroffen und sich recht lange mit ihnen unterhalten. Wie sich herausstellt, werden wir uns morgen früh beim Frühstück treffen: Sie sind im gleichen B&B wie wir!

Zum B&B müssen wir ein letztes Mal vom Hafen den Berg rauf – um dann todmüde im Bett zu landen. 23 tolle Kilometer, die es aber in sich hatten.

Abschnitt 1: South West Coast Path: Land’s End to Tintagel

Dies ist der erste Abschnitt unserer langen Reise, aber eigentlich ist es bereits unser Dritter: Im Herbst 2014 sind wir schon fünf Tage auf dem Offa’s Dyke von Monmouth nach Knighton gelaufen, und im Frühling 2015 haben wir die Somerset Levels und Bristol durchquert und den ersten Abschnitt des Offa’s Dyke in Wales bis Monmouth nachgeholt. Warum wir die Etappen nicht der Reihe nach angegangen sind, erfahrt ihr später im Kapitel „Der Weg und die Planung“.

Nun aber zu Cornwall: Nach einer ewig langen Zugfahrt von London nach Penzance kommen wir am Abend des 29. Septembers gegen 21 Uhr in Penzance an. Ich habe uns direkt gegenüber vom Bahnhof im Longboat Inn angemeldet: So kommt Friedel noch zu seinem sehnlichst erwarteten Ale und wir müssen auch nicht mehr lange in Penzance herumlaufen.

Nun, das Longboat Inn ist nicht die erste Sahne (das Zimmer ist ein wenig schmuddelig und „riecht“), aber das Frühstück am nächsten Morgen ist gut!

Friedel und ich haben uns ja vorgenommen, nicht straight durchzulaufen, sondern auch das eine oder andere Highlight links und rechts am Wege mitzunehmen: Also, wie kann man nach Penzance fahren, ohne den St Michael’s Mount mitnehmen? Deshalb sind wir extra einen Tag früher angereist.

Tag 23: Von Washford nach Triscombe

Am Vorabend sind wir relativ spät mit dem Zug in Taunton angekommen. Bis mittags haben wir noch gearbeitet und dann einen Nachmittags-Flug nach Heathrow genommen. Von Paddington aus dauert es nur ca. zwei Stunden nach Taunton. Trotzdem war es fast 22:00 Uhr, als wir im Premier Inn in Taunton ankamen.

Die Hotels der Premier Inn-Kette sind nicht der Gipfel der Gemütlichkeit, aber man findet sie überall in England und sie gefallen uns besser als andere Hotelketten. Das Frühstücksbuffet ist auch recht gut, also übernachten wir immer wieder mal in den Premier Inns, wenn es denn nichts anderes gibt. Dieses Premier Inn ist keine Ausnahme. Vor allem können wir früh frühstücken und nehmen bereits um neun Uhr einen Bus nach Washford, dem Beginn unserer großen Reise zu Fuß.

Washford

In Washford lässt uns der Bus direkt im „Zentrum“ raus und wir müssen erst mal eine vielbefahrene, enge Straße herunterlaufen. Natürlich ist die Straße wie so viele in England links und rechts mit dichten Hecken und anderem Grünzeug bewachsen, so dass man höllisch aufpassen muss, dass man nicht umgefahren wird. Am Morgen hat es während der Busfahrt noch ein wenig geregnet und es ist bewölkt, doch klart der Himmel zusehends auf.

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Bereits nach 500 Metern erwartet uns sofort die erste Sehenswürdigkeit: Cleeve Abbey liegt direkt am Wegesrand. Die Bude, an der man den Eintritt bezahlt, ist jedoch noch nicht besetzt, wir sind zu früh. Also machen wir ein paar Fotos von der durchaus ansehnlichen Abbey und verschwinden wieder. Schließlich haben wir heute noch 23 Kilometer vor uns, was für den ersten Tag nicht sooo wenig ist.

Im Gegensatz zu anderen Abschnitten gibt es in Somerset nicht „den“ Wanderweg, dem wir folgen, sondern ich habe für unsere Tour eine Kombination verschiedener Wege herausgesucht. Ein wichtiger Weg in diesem Urlaub ist jedoch der Macmillan Way West, den wir circa einen Kilometer nach Washford erreichen sollten – aber wir finden ihn nicht!

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In diesem Urlaub haben wir noch keine Navigation per Handy und keine OS-App, wir wandern noch ganz klassisch nach Karte. Noch vor der Cider-Farm soll es links abgehen, aber wo? Wir rennen hin und her, finden auch keinen klassischen „Public Footpath“-Wegweiser. Schließlich entdecken wir hinter einem Schuttabladeplatz einen halb von Brombeeren zugewachsenen Stile, und wenn es auch keinen Hinweis auf den Macmillan Way gibt: Egal, hier muss es sein! Tatsächlich sind wir richtig, wie wir nach einiger Zeit feststellen, denn immer wieder werden wir im Verlauf des Tages auf vereinzelte Wegplaketten treffen. Der Weg bis Williston führt über Feldwege und teilweise auch quer über Felder und Wiesen, mitunter laufen wir durch brusthohen Mais oder Weizen. Eine unglaubliche Wegführung, die man so wohl in Deutschland nicht treffen würde!

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Schwierig ist es zuweilen, die Stiles zu finden, die den Weg von Feld zu Feld führen, und schwierig ist auch die Überwindung derselben, denn viel sind mit Brennnesseln und Dornen überwuchert. Sollten wir nochmal im Hochsommer selten begangene Wege laufen, nehmen wir eine Heckenschere mit! In Williton laufen wir extra durch den Ort, in der Hoffnung, ein Café zu finden, aber es gibt wohl keins. Mittlerweile ist es ordentlich heiß und schwül geworden, wenn es auch bedeckt bleibt. Kurz vor Bicknoller überqueren wir die Trasse der historischen West Somerset Railway. Tatsächlich fährt sogar gerade eine alte Dampflokomotive vorbei!

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Kurz nach Bicknoller geht es hinauf in die wunderschönen Quantock Hills. Obwohl sie nur ca. 300 Meter hoch sind, finden wir hier wieder eine „Moor“-Landschaft wie aus dem Bilderbuch. In Deutschland hätte man hier schon lange eine Landwirtschafts-Wüste angelegt. Das ist eine der Dinge, die wir an England so lieben: Zwar ist auch die Insel dicht bevölkert, aber es gibt so viele landschaftlich geschützte Gebiete, dass das Wandern nie langweilig wird.

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Zunächst geht es ein waldiges, enges Tal hoch. Der Wald weicht schon bald riesigen Farnflächen, durchbrochen von einzelnen Ginsterbüschen und windzerzausten Schlehen- und Weißdornbüschen. Beim Aufstieg sehen wir eine Horde Rehe, die in aller Ruhe auf dem Hügel vor uns weiden. Der Blick ins Tal zurück zeigt uns, woher wir gekommen sind: Eine liebliche Hügellandschaft mit Feldern, Wiesen, Wäldern und vielen Hecken und kleinen Wegrainen. Welch ein Unterschied zu den riesigen Feldflächen in Deutschland!

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Oben angekommen folgt der Macmillan Way einer alten „Drove-Road“. Diese uralten Wege wurden früher benutzt, um das Vieh über lange Überlandstrecken zu den Märkten in den Städten zu treiben. Es handelt sich meistens um rinnenartige Wege, die links und rechts von dichten Bäumen eingefasst sind. Dieser von mächtigen, uralten Buchen umschlossene Weg ist ein besonders prächtiges Beispiel dafür. Jetzt am Abend fällt das Licht besonders schön durch die Bäume.

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Friedel fotografiert ausgiebig und sogar Steffi zückt ihr Handy. Dementsprechend spät kommen wir gegen 19:00 Uhr nach einem ordentlichen Kniekracher-Abstieg im Blue Ball Inn in Triscombe an.

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Steffi, was hast du da wieder für ein Kleinod gebucht! Der kleine Pub mit umliegenden Wirtschaftsgebäuden liegt reetdachgeschmückt ins enge Tal geschmiegt, entzückend! Unser Zimmer befindet sich in einem der Nebengebäude und hat sogar eine kleine Terrasse. Also werden wir hier ungestört schlafen. Aber zunächst gilt es, noch schnell an etwas Essbares zu kommen, denn es ist schon spät. Wir genießen den Abend im schönen Garten des Pubs und lassen dort den Tag gemütlich ausklingen. Welch ein wunderbarer Beginn unserer Tour!

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Tag 24: Triscombe nach Bridgwater

Triscombe

Heute Morgen müssen wir erst mal wieder zurück und den Macmillan Way finden. Wir wollen nicht den gleichen steilen Weg wie gestern hochsteigen und entscheiden uns für eine „Abkürzung“ schräg am Hang entlang. Der Weg ist jedoch nicht besonders viel begangen und wirklich so schräg, so dass wir aufpassen müssen, dass wir nicht herunterpurzeln!

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Der Macmillan Way führt uns wieder durch eine farn- und heidebewachsene Landschaft. Heute ist die Luft etwas klarer, so dass wir bis zum Meer sehen können. Beim Aufstieg auf den Cothestone-Hill kommen wir ordentlich ins Schwitzen – mittlerweile ist es knallheiß geworden. Dort oben treffen wir auf wilde Ponys, wie in Wales! Wir freuen uns, denn damit haben wir gar nicht gerechnet. Im Gegensatz zu Wales sind die Pferde hier aber kaum scheu und lassen sich durch uns gar nicht stören. So gelingen uns wesentlich bessere Nahaufnahmen als in Wales 🙂

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Der folgende Weg führt uns wieder über schattige Hohlwege bis zur Ivyton-Farm, wo wir uns ordentlich verlaufen. Wie so häufig haben wir wieder mal viel Respekt vor den kläffenden Hunden der Farm, als wir den Hof überqueren. Folglich sind wir abgelenkt und entscheiden uns zu früh für einen der Wege, statt mal in Ruhe auf die Karte zu gucken. So landen wir am Ende auf dem West Deane Way und in Kingston St Mary statt in Broomfield. Den Weg nach Broomfield laufen wir eine olle Straße entlang, aber es ist Samstag und so arg befahren ist sie zum Glück nicht. Für den restlichen Kilometer des Rückwegs nach Broomfield wählen wir einen in die Karte eingezeichneten Fußweg, der sich jedoch als dunkle, zugewachsene Rinne entpuppt. Wir schlagen uns durch Brennnesseln und anderes Geflecht und kommen verschwitzt und schmutzig in Broomfield an.

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Dort gibt es einen hübschen Garten (Fyne Court), aber leider haben wir keine Zeit dafür, denn es ist schon 16 Uhr. Der Umweg hat uns satte drei Kilometer gekostet.

Auf dem folgenden Wegabschnitt des Macmillan Ways gibt es aber auch einige schöne Wegabschnitte, die an Parkanlagen erinnern. Wir machen Rast an einem schönen kleinen See nach Broomfield Common, der wie angelegt wirkt. Vielleicht ist er das auch? Überhaupt ist die Strecke nach North Petherton wieder mal ein Beweis dafür, dass eine Karte einem gar nicht immer verraten kann, wie schön ein Weg ist. Keine Informationen über die schönen Hohlwege und die farnbewachsenen Wegränder, die uns erwarten!

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In North Petherton machen wir unsere letzte Pause für heute, auf einer Bank im Kirchhof der alten, imposanten Dorfkirche aus dem 15. Jahrhundert. Ab nun geht es durch die Somerset Levels, eine ehemalige Sumpflandschaft, die wir am folgenden Tag komplett durchqueren werden.

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Der Weg von North Petherton bis nach Triscombe ist jedoch eher langweilig: Wir verlassen den Macmillan Way und laufen über verkrautete Felder und Wiesen nach Bridgwater. Ab und zu gibt es mal einen Wassergraben, das ist alles, was von den Sümpfen hier übrig geblieben ist. Auch hier werden die öffentlichen Wege scheinbar wenig begangen, denn wir verlieren den Weg zweimal und schlagen uns über Stacheldraht und durch Hecken, bis wir endlich Südende des Ortes bei der Willstock Farm ankommen. Auf dem Feldweg dorthin treffen wir zwei kleine Kläffer (die Besitzerinnen folgten erst 200 Meter weiter), von denen einer Steffi in die Wade zwickt. Es blutet leicht, doch wir machen keinen Aufstand: Teebaumöl drauf und weiter!

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In Bridgwater übernachten wir direkt im Ort im Old Vicarage Hotel. Das Hotel erinnert eher an ein B&B, aber sie haben einen (ungepflegten) Biergarten hinter dem Haus und servieren auch Abendessen. Das Hotel ist so, wie wir es mögen: Ein historisches Gemäuer, altmodische Einrichtung, leicht heruntergekommen, aber nicht zu sehr. Der Hotelmanager ist ein Deutscher aus Bayern! Da er uns aber zu viel von seinem abenteuerlichen Leben erzählt, gehen wir lieber auf Abstand.

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Nach dem Abendessen (Drei-Gänge-Menü, hehe!) können wir noch durch Bridgwater schlendern, der Vorteil der langen Abendstunden. Der Ort hat abgesehen von einer großen Kirche und seiner Lage am River Parrett wirklich nicht besonders viel zu bieten, Trotzdem laufen wir nun am Abend noch zusätzliche drei Kilometer am Fluss entlang und zum Yachthafen. Der Abend ist so schön!

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Abschnitt 3: Somerset und Wales

Wenn man sich die komplette Stecke unseres langen Wegs anschaut, ist dies der dritte Abschnitt von neun. Er ist allerdings zweigeteilt: Der erste Abschnitt verläuft von Washford in Devon bis nach Monmouth in Wales, der zweite von Monmouth bis nach Craven Arms in Shropshire. Den zweiten waren wir schon gelaufen, bevor wir unsere großes Wanderprojekt angefangen haben: Der Abschnitt ist Teil des Offa’s Dyke Path, den wir in Teilen schon im Herbst 2014 gelaufen sind. Wir haben unsere lange Wanderung also nicht im Süden in Land’s End angefangen, sondern in Wales und Somerset.

Begonnen haben wir „das Projekt“ auch hier in Somerset, weil wir für den Urlaub nur ein relativ kleines Zeitfenster hatten: Neun Wandertage, mehr war bei diesem Urlaub nicht drin. Zudem war dieser Urlaub auch ungewöhnlich, weil wir im Juli unterwegs waren – sonst sind unsere typischen Urlaubszeiten eher April/Mai oder September/Oktober.

Warum aber haben wir mit dem Somerset-Abschnitt begonnen, und nicht im Süden in Land’s End? Das lag einfach daran, dass wir den Juli-Urlaub relativ kurzfristig einschieben konnten und in Cornwall viele Unterkünfte schon besetzt waren. Außerdem schreckten uns die Touristenmassen im Sommer. St Ives und Tintagel mit Massen an deutschen Wohnmobil-Touristen teilen? Nee, dann laufen wir Cornwall doch lieber im Herbst, zumal es im Juli dort eh zu warm ist. Noch ein Kriterium war, dass man mit dem Zug ewig bis zur Südspitze von Cornwall unterwegs ist. Das hätten wir an einem Reisetag nicht geschafft. Also begannen wir mit der Somerset- Etappe.

Abschnitt3

Tatsächlich war es nicht schwer, auch im Juli in Somerset Unterkünfte zu finden. Ein Hotspot für Sommertouristen ist es nicht, aber trotzdem wurde unsere Tour in Somerset ein schöner und besonders abwechslungsreicher Wanderurlaub!

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