More to come

Was wir im Laufe der Zeit noch zeigen werden, nach dem LECW-Projekt:

– Wainwrights Coast to Coast Path (C2C)

– Unsere erste Schottland-Tour – die Cairngorms von Aviemore zum Loch Avon und ein bissle weiter…

– Offa’s Dyke Path: 1. Hälfte von Monmouth bis Knighton

– Glyndwr’s Way: 1. Hälfte ab Knighton

Und natürlich gibt es auch den „Gear Talk“ über Ausrüstung und Fotografie, Erfahrungen und Tipps & Tricks zur Planung, Übernachtung, Essen, Wetter, Verkehr, …

-> bleibt dran! 🙂

Abschnitt 7: Glasgow Area und der Rob Roy Way

Anfang Mai 2017 wanderten wir die Etappe von Falkirk (zwischen Edinburgh und Glasgow) bis nach Blair Atholl am Rand des Cairngorms Nationalparks. Dabei liefen wir in einem großen Bogen nach Westen und dann wieder nach Osten. Der direkte Weg von Glasgow aus in den Norden hätte uns über den West Highland Way geführt. Diese von uns so genannte „Autobahn“ wollten wir jedoch meiden, da der Weg der wohl meistbegangene Wanderweg der Insel ist und wir es nicht so mögen, in einer Kolonne zu laufen. Außerdem sucht man in Schottland ja wohl die Einsamkeit, oder?

Bei meiner Recherche stieß ich auf den Rob Roy Weg. Dieser führt durch den Loch Lomond and the Trossachs Nationalpark, entlang vieler Seen bis zu den Cairngorms. Da wir 2008 schon einmal in den Cairngorms wandern waren und es uns dort sehr gut gefallen hat, war uns die Aussicht auf einen „Umweg“ über die Cairngorms sehr willkommen. Da auch Cameron McNeish diese Strecke für seinen „Scottish National Trail“ gewählt hat, entscheiden wir uns für den Rob Roy Way und gegen den West Highland Way.

Da der Rob Roy Way größtenteils auf Forstwegen und schwach befahrenen Straßen verläuft und sich die Etappen relativ kurz gestalten lassen, begleitete uns dieses Mal eine etwas ältere Freundin. Carla war schon 2014 auf dem Coast to Coast Walk dabei. Daher wussten wir, dass sie weder Steine noch große Steigungen oder lange Etappen verträgt. Aus diesem Grund erschien uns der RRW für sie ideal. Eigentlich hätten wir der Reihenfolge nach lieber erst den Pennine Way abgeschlossen und die Scottish Borders durchquert, aber die Aussicht auf nette Gesellschaft ließ uns unsere Pläne verschieben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Fazit: Landschaftlich war die Strecke sehr schön, führte aber wenig durch abgelegene Natur, was man ja gemeinhin mit Schottland verbindet. Ein Großteil der Strecke verlief auf Teer- oder Schotterwegen in Sichtweite zu Straßen und Strommasten. Aufgrund des harten Bodenbelags war das Gehen nicht besonders freundlich zu den Gelenken: Unsere Freundin fiel in der zweiten Woche bereits voll aus, da sie sich aufgrund der einseitigen Belastung eine Knochenhautentzündung zugezogen hatte.

Wenn wir noch einmal über die Strecke entscheiden könnten, würden wir uns vielleicht doch für den West Highland Way entscheiden. Oder uns selbst einen Weg über die Berge suchen :-).

Ein besonderer Aspekt sei noch erwähnt: Wir hatten in 17 Tagen insgesamt nicht mal eine Stunde Regen. Unglaubliches Wetter! In Schottland! Incredible!

Tag 94: Pitlochry nach Blair Atholl

Der heutige Tag war bei der Planung eher als lästiger „Übergangstag“ geplant: Der Rob-Roy-Weg ist abgehakt, als nächstes folgen die Etappen durch die Cairngorms. Der Weg von Pitlochry nach Blair Atoll entlang der Bahnstrecke muss halt auch gelaufen werden. Der von Cameron McNeish vorgeschlagene Weg führt heute immer in der Nähe des Bahndamms, immer in Hörweite der B- und A-Roads, also dreierlei Belästigung. Trotzdem zählt die heutige Etappe zu einer der schönsten in diesem Urlaub. Wie das?

Nun…zum Einen haben wir kein nennenswertes Gepäck dabei…der Weg verläuft größtenteils auf Pfaden und nicht auf Forstwegen oder Teersträßchen. In der Zukunft werden wir wohl mehr auf solche Aspekte achten. Gelb unterlegte Straßen auf den Ordnance Survey Maps – vermeiden! Doppelt gestrichelte Wege  – auch nicht schön! Einfach gestrichelt – Yeah!! Aber das sagen wir jetzt, wo wir einen Urlaub ohne großen Matsch erlebt haben. Egal bei welchem Wetter, wir mögen die Pfade durch die offene Landschaft, bei denen uns nichts von der umgebenden Natur trennt. Pflastertreten ist einfach unangenehm, ob bei Regen oder Sonnenschein. Und lieber sind uns nasse Füße als Plattfüße! 🙂

Der Weg führt uns heute malerisch am Loch Faskally entlang. Der ist zwar ein schnöder Stausee, aber trotzdem ist er zwischen hohe Berge eingebettet und heute besonders ruhig und friedlich. Wir „rennen“ durch das Gelände, denn Carla wartet auf uns in Blair Atholl, um mit uns das Atholl Castle zu besichtigen.Sie hat sich so darauf gefreut, dass sie uns für den Eintritt in das Castle eingeladen hat. Also bemühen wir uns, die Strecke zu schaffen, bevor Carla mit dem Bus in Blair Atoll ankommt. Wir nehmen gern die Herausforderung an und werden noch vor dem Bus um 12:30 Uhr da sein. Sogar ein Kaffee in der alten Mühle in Blair Atoll wird noch drin sein, bevor der Bus unsere Carla anliefert.

Aber vorher führt uns der Pfad bis zum Soldier’s Leap immer am See entlang, und später am Fluss.  Der Weg führt tief durch eine Schlucht, die Straße und die Bahn führen wesentlich höher am Berg entlang. So hört man kaum den Lärm der Straße, auch weil das Rauschen des Flusses den Straßenlärm überdeckt.

Der Sodier’s Leap ist eine schmale Stelle im Fluss, von der ein Soldat bei der Schlacht von Killiecrankie von der einen zur anderen gesprungen sein soll. Bis heute haben wir allerdings nicht kapiert, wer da gegen wen gekämpft hat: Es gab die (schottischen) Jakobiten, die für die Wiedereinsetzung von Jakob dem II. aus dem Hause Stuart gekämpft haben. Aber die Gegenseite, zu der auch unser springender Soldat zählte – waren das keine Schotten? Waren es gedungene Handlanger? Verräter? Oder war unser springender Soldat gar – ein Engländer?

Egal! Die Stromschnelle ist hübsch, und das Wissen, an solch einem historischen Ort zu sein, macht die Stelle noch interessanter.

Nach Killiecrankie wechseln wir auf die andere Flussseite. Ab jetzt verläuft der Weg die nächsten fünf Kilometer wieder auf einer Straße. Da wir aber Kilometer machen wollen, stört uns das nicht besonders. Wir verbringen eine wunderbare zweite Frühstückspause an einem elysischen Ort am River Gary. (Ts ts ts! Wie konnte der River Tummel für uns so unbemerkt zum River Gary werden? :-). Unter Bäumen liegt hier ein gewaltiger natürlicher Sandstrand. Wenn wir Campen würden: Das wäre der ideale Wildcampingplatz!

Der Rest der Strecke verläuft auf einer Asphaltstraße, immer in der Nähe der bösen A-Road, die mit uns auf die linke Seite des Flusses gewechselt hat. Auf unserem Sträßchen ist wenig bis kein Verkehr, nur zweimal kommen uns riesige LKW entgegen, die zum nahe gelegenen Steinbruch unterwegs sind. Der erste Teil (10 Kilometer) unseres heutigen Tages war so schön, dass sie die letzten fünf weniger schönen Kilometer aufheben. Auf jeden Fall kommen wir gut und sehr zeitig in Blair Atholl an, so dass wir noch eine Kaffee trinken und Carla aus dem Bus holen können.

Wir wussten nämlich nicht, dass der Bus direkt bis zum Blair Castle fährt. So warten wir an der Bushaltestelle vor dem imposanten Tor zum Blair Estate auf Carla, aber die steigt nicht aus! Also laufen wir um den Bus herum und klopfen an die Scheibe.

Oh, hätten wir es doch nicht getan! So muss die Arme nun die lange Zufahrt zum Schloss hoch humpeln. Heute fällt uns dann besonders auf, wie schmerzhaft ihre Verletzung sein muss: Sie kommt wirklich nur im Schneckentempo voran!

Schon von weitem erwartet uns Dudelsackgedröhn. Ist das eine Abordnung der weltbekannten Atholl Highlanders? Nee, dies ist nur ein einzelner Pfeifer, der in voller Highlander-Montour in bestimmten Zeitabständen für die Touristen aufspielt und sich zwischenzeitlich um seinen Hund im Auto kümmert.

Blair Castle ist eins der bekanntesten Schlösser Schottlands und für die Öffentlichkeit zugänglich. Der derzeitige Besitzer des Schlosses, der x-te Duke of Atoll, wohnt nicht auf seinem Landsitz, sondern in Südafrika. Also ist das Schloss heute ein Tourismusunternehmen. Neben den Millionen Besuchern, die das Schloss und die dazugehörigen Parkanlagen besichtigen, lassen sich auch exklusive Jagd- und Fischerei-Ferien buchen oder man kann einen Caravan auf dem riesigen Campingplatz auf dem Estate mieten.

Es ist interessant für uns, mal wieder so ein Schloss von Innen zu besichtigen. In jedem unserer Wanderferien reicht uns aber eins davon. Dieses sticht durch seine zahlreichen Erklärungen heraus, welche Frau von welchem Duke auf welchem Ball das ausgestellte Kleid oder Gepränge getragen hat. Zahlreiche Galerien mit Ölschinken verraten uns, in welchem Verhältnis die verschiedenen Zweige der Atholl-Familie mit anderen europäischen Adelsfamilien verwandt sind. Wow! Am meisten beeindrucken uns aber die holzgetäfelten Treppenhäuser und der Saal, der speziell den Atholl Highlanders gewidmet ist – der Duke leistet sich bis heute die einzige legal bestehende Privatarmee Europas!

Friedel wird jedenfalls im Verlauf des Schlossbesuchs immer grimmiger: Ihn befremdet es, dass einzelne Familien so viel Reichtum anhäufen konnten und bis heute noch horten. Und dass sie mit ihrem Reichtum so protzten und dafür auch noch bewundert wurden. Und ist das nicht bis heute so?

Also genießen wir lieber noch einen ehrlichen Kaffee auf einer Parkbank im Schlosspark und durchlaufen einmal kurz die Parkanlage. Zurück geht’s mit dem Bus über die Straße über den Pass von Killiecrankie, die wir auf unserem Weg hin tief im Tal vermeiden konnten. In einer halben Stunde bringt uns der Bus zurück nach Pitlochry, wo unsere Tour dieses Mal endet.

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Wir werden morgen mit dem Zug nach Dunbar an die Ostküste Schottlands fahren und dort noch zwei halbe Tage am Meer verbringen. Dort übernachten wir die Nacht von Samstag auf Sonntag in Dunbar und genießen die felsige „Promenade“ und die Klippen am Meer. Die Zeit reicht sogar noch, um kurz John Muirs Geburtshaus zu besichtigen.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Bus zum berühmten Tantallon Castle und klettern zwei Stunden in den pittoresken Ruinen herum. Den Nachmittag verbringen wir im Seebad North Berwick, dass uns aber an dem Sonntag zu voll ist. Am frühen Abend geht es zurück zum Edinburgh Airport, denn unser Flug geht am Montag schon um sieben Uhr morgens. Wir übernachten im DoubleTree Hilton direkt am Flughafen, das gar nicht so teuer und snobistisch ist, wie wir gedacht haben. Für den letzten Abend ist es okay dort, zumal wir im Wetherspoon im Flughafen zu Abend essen und zum Frühstück nur ein paar Sandwichs einplanen.

Alles in allem war dies mal wieder ein angenehmer Wanderurlaub, vor allem, was das Wetter und die Landschaft betrifft. Getrübt wurde er allerdings von Carlas Fußproblemen und von den vielen Kilometern auf Asphalt oder Schotter.

Tag 93: Aberfeldy nach Pitlochry

Heute bricht die letzte Etappe des RRW an. Dies ist jedoch nicht der letzte Wandertag für uns, da wir morgen noch von Pitlochry nach Blair Atholl laufen.

Carla kommt heute wieder nicht mit uns, sondern fährt mit dem Bus nach Pitlochry. Also haben Friedel und ich erneut einen Wandertag für uns allein, der uns eigentlich wieder viel zu kurz ist. Wenn wir den Weg noch einmal laufen würden, würden wir die Etappen länger anlegen und vielleicht die Alternativrouten mit einbeziehen.

Also traben wir am Morgen los und laufen erst mal zwei unschöne Kilometer direkt an einer Bundesstraße aus dem Ort heraus. Highlight ist hier die Dewar’s Destillery, an deren imposantem Gebäude wir vorbei kommen. Danach folgt der RRW einem Pfad immer parallel zum River Tay: Hübsch!

Nach weitern zwei Kilometer trifft der Weg auf ein altes Bahngleis. So viele Bahntracks sind wir in noch keinem Urlaub gelaufen. Bei dieser Art von Wegen gibt es zwei Varianten: Eine mit Aussicht auf die umliegende Landschaft – gern auch von hohen Viadukten aus – oder die tief eingeschnittene Form. Leider handelt es sich bei diesem Wegabschnitt von Aberfeldy nach Grantully um die letztere. Man sieht wenig bis gar nichts von der Landschaft. Wir treffen jedoch einen Rentner mit Hund, der uns rät, den RRW zu verlassen und lieber einen Schleichweg am Rand des River Tays zu nehmen. Dieser ist auf unserer Karte gar nicht eingezeichnet, aber existiert trotzdem, vermutlich von dem Hundehalter und seinen Freunden selbst kreiert. Wir nehmen den Tipp gern an und gehen in der Tat einen wunderschönen Weg am Tay entlang, der rauf und runter geht und vermutlich auch einen kleinen Umweg bedeutet, aber was soll’s?

Nach einer schönen Rast an einem Bootsanleger kommen wir nach Grantully, wo wir hoffen, einen Kaffee zu bekommen. Fehlanzeige, denn das „Inn on the Tay“ ist geschlossen.

Also erklimmen wir die Hügel, die uns noch von Pitlochry trennen. Auf einem sehr schönen Weg steigen wir am Rand des Tullypowrie Burn fast 300 Meter nach oben. Uns umgibt eine typische Moor-Landschaft, aber mit vielen üppig blühenden Ginsterbüschen. Der Mai ist eine wirklich schöne Wanderzeit: Ginster, Lämmer und Bluebells allerorten!

An der 350-Meter-Grenze treffen wir auf einen Wald. Inmitten des Waldes ist ein Steinkreis in unserer Karte eingezeichnet, und hätten wir es nicht gewusst, wir hätten ihn nicht gefunden. Drei aufrecht stehende Steine sind noch übrig .. mit viel Phantasie lässt sich also ein Kreis erkennen. Der umgebende Wald ist aber wirklich hübsch: Nadelwald mit lindgrünem Grasteppich.

Als wir aus dem Wald heraustreten, ragen die Berge des Cairngorms über das Tal des River Rummel – das sind Berge, aber hallo!

Der Weg nach Pitlochry hinein führt uns über eine Brücke über den Tummel. Von Weitem kann man hier das große Wasserkraftwerk sehen. Ein Abendspaziergang wird uns noch dorthin führen, und zurück durch Port-na-Craig, das alte Fischerviertel am Tummel.

Aber jetzt geht es erst mal hinein in das Gewimmel von Pitlochry. Der Ort erinnert an eine Western-Stadt: Entlang einer langen Straße reihen sich Hotels, Geschäfte und Restaurants auf. Es ist extrem viel Volk unterwegs und ganze Busladungen davon werden auf der Straße ausgespuckt. Oje, hier sollen wir zwei Tage bleiben?

Wir haben uns für zwei Tage in einem Cottage eingemietet, das zum McKay’s Hotel gehört. Wir treffen Carla schon auf der wuseligen Main Street. Und gut, dass wir sie getroffen haben, denn wir haben nur einen Schlüssel für das Häuschen und so können wir nur gemeinsam hinein. Carla hat sich schon das kleinere der zwei Schlafzimmer im ersten Stock eingerichtet. Wir nehmen das andere. Außer dem zwei Schlafzimmern gibt es noch ein Bad, ein ebenerdiges Wohnzimmer und eine Küche mit Seitentür. Das Haus ist groß, aber hat schon länger keine Renovierung gesehen, vor allem in Bezug auf die Möbel und das Dekor. Außerdem herrscht eine Bullenhitze im Häuschen: Die Heizung lässt sich nicht regulieren. In der Küche gibt es nicht mal Spülmittel oder ein Küchenhandtuch. Dementsprechend schmutzig ist das Besteck und die Tassen und Gläser, weil jeder die Sachen wohl nur kurz abspült. Grrr!

Tag 9: Port Isaac nach Tintagel

Heute ist unser letzter Tag in diesem Urlaub. Sehr schade, denn wir haben uns gerade erst richtig eingelaufen! Friedel hat jedoch am Wochenende ein Seminar in Ulm, das er auf keinen Fall verpassen möchte – Deshalb geht es schon morgen Abend zurück nach Deutschland.

An diesem Tag erwartet uns ein weiteres Highlight unserer Wanderung: Unser Ziel für heute ist Tintagel Castle, angeblich König Arthurs Geburtsort. König Arthur selbst interessiert uns jetzt nicht so, denn es gibt hier inflationär viele Orte, die mit ihm verbunden werden. Aber wir haben schon einige Fotos von der atemberaubenden Lage des Castles gesehen, also sind wir sehr gespannt!

Der Morgen beginnt mit einem bedeckten Himmel und es wird im Verlauf des Vormittags einige Male regnen. Hinter Port Gaverne erwartet uns wieder das offene Meer und Klippen, Klippen Klippen. Unser Reiseführer hatte uns auch schon vorgewarnt, dass es heute anstrengend wird. Uns erwarten einige steile Auf- und Abstiege – und so ist es auch. Wenn wir oben sind, schauen wir hundert Meter tief herunter. An einigen Stellen sind die Wiesenzäune so dicht an die Klippen gebaut, dass nur ein schmaler Fußweg bleibt. Wie gut, dass wir relativ schwindelfrei sind!

Jedoch geht es immer wieder tief in die Täler hinunter. In den Weg sind Stufen hineingebaut, die am Ende jeweils mit Brettern begrenzt sind. Da es gerade geregnet hat, steht vor fast jedem dieser Bretter eine Pfütze, in die man besonders bei den Absteigen voll hinein patscht. Also rentieren sich heute endlich mal unsere Gamaschen, die wir die ganze Zeit nutzlos im Rucksack herumgetragen haben!

Trotzdem gefällt uns der Weg heute wieder außerordentlich gut, zumal die Täler meistens pittoresk mit Farnen bewachsen sind. Immer wieder treffen wir dort neugierige Kühe, die sich nur ungern vom Weg verscheuchen lassen. Da wir nicht ganz sicher sind, ob die Viecher aggressiv sind, müssen wir uns immer wieder gedulden, bis sie freundlicherweise den Weg frei machen.

Ab Mittag wird das Wetter wieder sonnig. Außerdem kommt ein ordentlicher Wind auf, der die Wellen hochschlagen lässt. Friedel macht Millionen Gischt- Schaum- und Wellenfotos, die mit den vielen Felsen am Strand auch besonders gut wirken.

Schon ab ein Uhr können wir unser Endziel sehen: Die Kirche St Materiana, die auf einem Hügel bei Tintagel steht. Vorher geht es zwar noch einige Male auf und ab, aber es sind ja heute nur 16 Kilometer – da können wir ganz gemütlich weiterschlendern und uns schön viel Zeit nehmen, die Klippen und die Wellen zu bewundern.

In Trebarwith Strand kommen wir zwar zu einem Kaffee, aber uns überkommt auch so etwas wie ein kleiner Kulturschock: Der Ort scheint sehr beliebt zu sein – Nachdem wir den ganzen Tag wirklich niemanden getroffen haben, schocken uns nun die Massen an Rentnern, die auf der Terrasse des Port William sitzen. Die sind natürlich mit dem Auto und nicht zu Fuß gekommen. Der Gasthof liegt aber wirklich schön in einer schmalen Bucht und bietet einen ordentlichen Blick auf die Wellen, die nun bei Flut ganz besonders hoch an die Felsen spritzen. Vom Strand sehen wir so allerdings nichts.

Der Abschnitt von Trebarwith Strand nach Tintagel ist von Schiefer geprägt: Früher wurde dieser auf diesem Wegstück abgebaut, und davon zeugen noch einige Steinbrüche an den Klippen und die vielen Mauern und „Stiles“ aus geschichteten Schieferplatten – dies erinnert uns sehr an den Lake District oder Wales.

Kurz vor Tintagel verlassen wir den SWCP, um uns die St Materiana Kirche anzuschauen. Die Kirche stammt aus dem späten elften Jahrhundert und beeindruckt nicht nur durch seine exponierte Lage und den trutzigen Turm, sondern auch durch den großen Friedhof mit vielen alten Grabsteinen. Auch von Innen ist die Kirche sehr beeindruckend. Da es erst 15 Uhr ist, können wir uns viel Zeit für die Kirche lassen.

Trotzdem wollen wir nicht zu spät zum Tintagel Castle kommen, denn wie wir ja bereits wissen, schließen viele Sehenswürdigkeiten in England bereits um 17 Uhr. So sind wir gegen 16 Uhr dort – und erfreulicherweise ist das Kassenhäuschen schon geschlossen, aber die Burg noch geöffnet! Auf wieder ein Vorteil der Nachsaison?

Von der Burg selbst ist nicht wirklich viel erhalten. Ein Paar Mauerreste, das ist alles. Aber der Weg dorthin über in den Felsen gehauene Stiegen und eine schmale Holzbrücke über dem Abgrund ist schon sehr beeindruckend. Circa eine Stunde klettern wir auf dem großen Felsen herum, dann ruft uns die Aussicht auf ein Ale in der Abendsonne. Hoffentlich hat unsere Unterkunft einen Biergarten?

Hat sie! Um zum Tintagel Arms Hotel zu gelangen, müssen wir jedoch erst das ganze Straßendorf durchlaufen. Der Ort ist ziemlich lang gestreckt und unser Hotel liegt am anderen Ende des Ortes. Allerdings haben wir so den ganzen Ort schon gesehen und brauchen abends nicht noch einmal extra los. Außer dem alten Postoffice finden wir aber aber auch nichts wirklich Schönes am Ort. Wir freuen uns über ein Ale im improvisierten kleinen Biergarten hinter dem Haus, der auch tatsächlich noch Sonne hat.

Am Abend essen wir im Hotel – und sind die einzigen Gäste! Es wird uns ein wenig bange, denn sowas ist ja meistens kein gutes Zeichen. Das Essen ist jedoch sehr gut und im Speisesaal im Ritterstil läuft guter Jazz – Was will man mehr an seinem letzten Abend?

Es tut uns allerdings ein wenig leid für den Wirt des Hotels, dass so wenig los ist. Hier scheint es eine große Konkurrenz an anderen Hotels zu geben, das Hotel liegt am weitesten entfernt vom Castle und in der Nachsaison scheint es nicht mehr viele Gäste zu geben. Wir nehmen uns vor, hier wieder zu logieren, wenn wir den nächsten Abschnitt des SWCP laufen: Von Tintagel über Minehead nach Washford, den Beginn unsere Somerset-Tour.

Am nächsten Morgen reisen wir voller Bedauern ab. Der Wirt hat uns am Abend noch freundlicherweise ein Taxi bestellt, das uns zur Bahnstation Bodmin Parkway fährt – die Busfahrt mit drei Umstiegen würde sonst einfach zu lange dauern. Von dort aus sind wir fast den ganzen Tag bis nach London unterwegs. Das ist jedoch kein Problem, denn unser Flieger in Heathrow geht erst um 19:00 Uhr – Das haben wir locker geschafft.

Tag 8: Padstow nach Port Isaac

Nach dem (zugegeben guten) Frühstück ist unser erster Akt heute, die Fähre über das Camel Estuary nach Rock zu finden – was gar nicht so einfach ist, denn es gibt verschiedene Abfahrtsstellen, je nachdem ob Ebbe, Flut, „Halbflut“ oder extremes Niedrigwasser herrscht. Wir fragen uns jedoch erfolgreich durch und landen bereits um 9:30 Uhr auf der anderen Seite in Rock. Es erwarten uns: Ein endloser, breiter Sandstrand und ein dunkler Himmel, der jedoch immer wieder von der Sonne durchbrochen wird. Tolles Fotowetter.

Der Weg von Rock nach Polzeath ist wieder mal Küstenlinie at its best: Sauberster Sandstrand, Dünen, Wellen, und wenn man sich mal ein wenig vom Strand entfernt, eine hübsche Dünenlandschaft mit blühenden Ginsterbüschen, Ilex und Heide: Das lieben wir, ganz im Gegensatz zu den langweiligen Wiesen von gestern!

Was wir auch lieben, ist das Surfercafé in Polzeath, in das wir bereits um elf Uhr einkehren: Extra für uns öffnen sie die Tür! Vermutlich sind wir bei dem Wetter heute die einzigen Gäste.

In der Tat wehen uns auf der Terrasse fast die Mützen vom Kopf. Viel Wind bedeutet aber auch, dass es ordentliche Wellen gibt. Rauhes Nachsaisonklima, das uns aber durchaus gefällt! Außer uns gibt es nur ein paar Surfer-Bullis am Strand. Wanderer haben wir schon seit gestern nicht mehr gesehen.

Da wir nur gemütliche 19 Kilometer vor uns haben, folgen wir dem SWCP heute regelgerecht und machen den Schlenker über Pentire Point und Rumps Point. Tatsächlich werden wir mit Sonne und einer schön zerklüfteten Küstenlandschaft belohnt.

Der Weg bleibt wunderschön, bis wir Fort Quin erreichen. Dies ist ein hübscher kleiner Fischerort mit dazugehörigem kleinen Kastell – ach was, es ist nicht mehr als eine Ansammlung von Häusern. Ein Café gibt es nicht, aber unverhofft wird der Nachmittag noch einmal windstill, sonnig und warm. So setzen wir uns einfach auf ein paar Steine oberhalb der Bucht und genießen den „Altweibersommer“ und den Blick auf die Bucht.

Den Rest des Tages bummeln wir gemütlich bis nach Port Isaac. Zwar geht es am Nachmittag noch einige Male ordentlich rauf und runter, aber wir lassen uns Zeit und genießen die Sonne und den preiswürdigen Wegabschnitt. Hinter jedem Anstieg erwartet uns ein neuer toller Blick nach unten, in jedem Tal eine neue steinige Bucht mit tiefblauem Wasser. Die Hänge sind mit Ginster, Heidekraut oder Farnen bewachsen, so wie wir es besonders mögen.

Kurz vor Port Isaac schlängelt sich der Weg hoch über dem Meer in einer terrassenartigen Landschaft – aber dann geht es noch mal hundert Stufen nach unten – und wieder hundert Stufen auch oben – Port Isaac ist schon im Blick. Und nochmal um eine Bucht herum – nach unten – wieder hinauf – und noch eine Bucht. Es ist anstrengend, aber wunderschön.

Nachdem wir Port Isaac erreicht haben, sind wir uns einig, dass dies heute neben der Strecke von Pendeen nach St Ives der schönste Tag war. Zwar gab es keine besonderen „Sehenswürdigkeiten“, aber die Landschaft war so, wie man sich Cornwall vorstellt. Und das gute Wetter hat natürlich auch noch seinen Teil dazu beigetragen.

Port Isaac ist ein ausgesprochen hübsches Fischerdorf und gibt vor, noch wirklich zu fischen. Wir wohnen direkt am Hafen im Slipway Hotel. Das Hotel hat schon bessere Tage gesehen, aber der Schuppen hat Lokalkolorit und wir hegen die Hoffnung, am Abend auf der Terrasse mit Blick auf den Hafen sitzen zu können.

Vor dem Abendessen sind wir noch so fit, dass wir den ganzen Ort samt aller kleiner Gässchen rauf und runter erkunden und sogar noch mal den Weg zurückgehen, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu sehen. Es lohnt sich!

Das hat unseren Appetit ordentlich angeregt und wir sind glücklich und dankbar, dass es tatsächlich am Abend noch warm und trocken ist, so dass wir den Abend draußen an der frischen – zugegeben etwas fischigen – Luft genießen können. Das war ein perfekter Tag heute!

Tag 7: Mawgan Port nach Padstow

In der Nacht hat es ordentlich geregnet und gestürmt. Der Blick am Morgen aus dem Fenster zeigt uns noch immer hohe Wellen und einen dunklen Himmel. Als wir nach dem opulenten Frühstück losziehen, lässt sich jedoch sogar die Sonne blicken. Das T-Shirt-Wetter ist nun wirklich vorbei, aber wir hoffen auf eine relativ trockenen Tag. Das würde uns doch schon reichen!

Leider regnet es dann doch den ganzen Vormittag immer wieder. Wir passieren eine Menge pittoresker Sandbuchten, teilweise mit Höhlen und kleinen Wasserfällen. Gegen zehn Uhr erreichen wir die berühmten Bedruthian Steps: Ein Reihe von imposanten Felsen im Wasser, die wie angelegt wirken, weil sie in einem ziemlich regelmäßigen Abstand zueinander liegen – gerade so, als habe der Riese Bedruthian sie ins Wasser geworfen, um von Fels zu Fels zu hüpfen. Eine ganze Reihe von Stufen führen hinunter zum Strand. Wir bleiben jedoch oben, denn von hier aus sind die Felsen am besten zu sehen und zu fotografieren. Hätte es unten ein Café, dann wären wir vielleicht nach unten gestiegen: Aber bei dem Regen sehen wir lieber zu, dass wir weiter kommen.

Auf dem weiteren Weg ist das typische Szenario zu sehen: Links die Steilküste mit Blick auf’s Meer, rechts langweilige flache Wiesen mit Kühen oder Schafen. Da freut man sich und freut sich auch nicht, wenn es mal wieder in ein Tal runtergeht: Es geht zwar bergab und wieder bergauf, aber geradeaus gibt es schon mehr zu sehen: Ein hübscher Bachlauf, eine Steilwand, ein Wasserfall, ein Stück Strand ..

In Porthcothan hoffen wir auf ein Café, finden aber leider keins. Also laufen wir weiter und spekulieren auf ein trockenes Plätzchen für eine Mittagspause. Tatsächlich hat die Jugendherberge in Trayarnon Beach ein kleines Café .. und geöffnet!

Wir setzen uns bei strömendem Regen unter ein Tarp im Hof und genießen unsere Kaffees und Flapjacks im Trockenen, aber draußen an der frischen Seeluft. So mögen wir’s!

Relativ zügig geht es weiter um Trevose Head und seinen Leuchtturm herum nach Harlyn, wo im dortigen Pub der nächste Kaffee wartet. Was geht es uns gut heute! Und mittlerweile hat es sogar zu regnen aufgehört.

Trevone ist uns nicht sonderlich sympathisch, wenn es auch einen netten Stand und eine berühmte Rettungsstation mit Bootsrutsche hat. Besonders am Ort ist nur, dass wir hier kurz den SWCP verlassen, um eine Abkürzung zu nehmen. Wir schlagen uns landeinwärts nach Padstow, anstatt den fünf Kilometer weiteren offiziellen Weg über Stepper Point zu nehmen. Puristen würden aufschreien, aber wir laufen schließlich nicht ausschließlich den Küstenweg, sondern sind auf dem Weg nach Schottland und müssen unsere Kräfte schonen. Da sei uns die eine oder andere Abkürzung verziehen :-).

Außerdem haben wir so auch noch die Zeit, uns in Ruhe Padstow anzusehen. Immerhin führt uns unsere Abkürzung zunächst an Prideaux Place vorbei. Der Palazzo ist Schauplatz zahlreicher Rosamunde-Pilcher-Filme. Der große Busparkplatz schreckt uns jedoch ab und es reicht uns, einen Blick durch die protzige Pforte zu werfen.

Padstow selbst gefällt uns sehr gut: Im Gegensatz zu St Ives hat man das Gefühl, dass es sich um einen „richtigen“ Ort handelt, in dem Menschen wirklich leben und arbeiten. Der Hafen ist hübsch, es gibt auch normale Geschäfte und es scheint noch andere Menschen außer Touristen zu geben. Jedoch kann dieser Eindruck auch dadurch entstehen, dass heute Dienstag ist und nicht Samstag, wie in St Ives erlebt.

Trotz überschäumender Kritiken für unser B&B in Padstow hält sich unsere Begeisterung für die Unterkunft in Grenzen: Der Weg dorthin ist steil, das Zimmer ist klein und die Wirtin versprüht ihren Charme wohl nur für ihre Landsleute. Uns hingegen fertigt sie relativ kühl ab. Leider regnet es am Abend wieder in Strömen und natürlich müssen wir das B&B verlassen, um an ein Abendessen zu kommen. Also patschen wir die Straße hinunter in den nächsten Pub, in dem es dann nur Fish and Chips gibt. Egal, einmal im Urlaub muss das auf jeden Fall sein. Und der Fisch war gut!

Ein Vorteil von B&Bs ist hingegen, dass sie oft ruhig sind, im Gegensatz zu Gasthöfen. Also schlafen wir wenigstens gut.

Tag 6: Perranporth nach Mawgan Porth

Die langen 26 Kilometer heute sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens wollte Steffi nicht in Newquay übernachten, weil sie davon nur Schlechtes gehört hat. Zweitens war es möglich, dass es keine Fähre über das Gannel Estuary geben würde: Beides bewahrheitete sich!

Wieder beginnt unser Tag damit, dass wir in nassem Sand einsinken. Zunächst gilt es, das Ende des Strandes zu erreichen, eine Klippe mit dem Namen Crotty Point. Wir hatten gehofft, bei Ebbe die Klippe zu umwandern, doch das Wasser steht hoch: So steigen wir Crotty Point hoch, wieder herunter und was erwartet uns? Drei Kilometer erneutes Stapfen durch nassen Sand! Doch das stört uns nicht wirklich: Der Tag ist jung und es regnet nur ein bisschen!

Glücklicherweise legt sich der Regen im Verlauf des Vormittags. Im Nachhinein lässt sich bei uns immer gut rekonstruieren, wann es geregnet hat – es gibt dann nur wenige Fotos!

Was ich von diesem Vormittag jedoch noch weiß: Der Weg führt uns größtenteils hoch an Klippen entlang, immer wieder gibt es tiefe Einblicke auf unzugängliche Sandstrände. Die Wellen schäumen heute ordentlich, die Gischt spritzt dramatisch gegen die Felsen – da kann sich der Friedel dann doch nicht verkneifen, die Kamera einige Male auszupacken, trotz Regen.

Als wir das Gannel Estuary erreichen (breite Flussmündung des River Gannel), hat es aufgehört zu regen. Nun wird es spannend: Gibt es in der Nachsaison noch eine Fähre, die uns auf das andere Ufer nach Newquay bringt, oder müssen wir bis zur Holzbrücke laufen?

Nun, eine Fähre gibt es keine mehr. Das finden wir jedoch nicht weiter schlimm, denn 1,5 Kilometer weiter gibt es die Brücke über den Fluss, das ist dann ja nur ein kleiner Umweg, oder?

Ähmm  .. welche Brücke? Wir haben sie ernsthaft gesucht, aber einfach nicht gefunden!

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ästuar zu Fuß zu umrunden, was einen zusätzlichen Weg von fünf Kilometer ausmacht. So kommt es zu den heutigen 26 Kilometern.

Der Weg entlang des Flusses gefällt uns auf jeden Fall: Auf der anderen Seite schaut man auf tropisch angehauchte Terrassengärten, denn die geschützte Bucht erlaubt Palmen, Ziergräsern und Agaven ein üppiges Wachstum. Später weitet sich das Tal und der Fluss mäandert durch eine breite Wattlandschaft mit vielen Seevögeln – außerdem machen wir gut Strecke, weil es kaum Höhenmeter zu überwinden gibt. Und was uns besonders antreibt, ist die Aussicht auf .. einen Kaffee!

In Newquay erwartet uns –  die Hässlichkeit! Ich hatte also ganz recht damit, diesen Ort  zu meiden und uns lieber ein ruhigeres Plätzchen zum Übernachten zu suchen.

Ich habe mich schon bei früheren Urlauben gefragt, warum es manche englische Seebäder schaffen, sich so derartig zu verunstalten. Newquay ist da ein schönes Beispiel. Das triste Wetter tut noch ein Übriges dazu, aber immerhin finden wir auf der Cliff Road zwischen allerlei Wettbüros und Ramschläden einen Wetherspoon-Pub, der ordentliche Hamburger und einen guten Kaffee im Programm hat. England-Tipp: Wenn man nicht lange fackeln will, sollte man nach eine Wetherspoon Ausschau halten!

Anschließend versuchen wir, möglichst schnell zurück zum Meer zu kommen: Durch verstopfte Straßen, über Parkplätze, an hässlichen Pizza-Express und Fish-and-Chips-Buden vorbei, durch eine dunkle Unterführung (sic!) zurück zum SWCP. Der führt uns zwar entlang einer großen Ausfallstraße aus dem Ort hinaus, aber immerhin hinaus! Endlich lassen wir die letzte hässliche Riesen-Hotelanlage hinter uns und .. die letzte Häuser .. und ein langweiliger Park … und wieder die Straße voller rasender Autos, Busse, LKW und hinunter in ein Tal, aus dem Tal heraus … und … das Meer! Die Weite! Wir fallen uns in die Arme. Der SWCP hat uns wieder! Die vier allerhässlichsten Kilometer des ganzen Urlaubs liegen hinter uns!

Auf dem Weg nach Mawgan Porth und zum Merrymoor Inn fängt es wieder zu regnen an, aber was soll’s? Wir wandern wieder durch wunderschöne Klifflandschaft, unterbrochen von sandigen und felsigen Buchten. Was soll man da meckern? Auch Friedel ist so glücklich, dass er trotz Regen zahlreiche Fotos macht. Erst eine Krise lässt einen wieder schätzen, was man am SWCP so hat!

Bei Tregurrian gibt es noch mal einen Flecken mit einer hässlichen Hotel- und Appartmentanlage und riesigem Parkplatz: Wie kann man da nur Urlaub machen, wenn es rundherum so schöne, lauschige Gasthöfe gibt, wie z.B. das Merrymoor Inn?

Sechs Kilometer nach Newquay erreichen wir es endlich. Wir sind schon etwas müde, aber haben die 26 Kilometer gut überstanden. Gut zu wissen, das so ein langer Tag auch mal geht.

Das Merrymoor Inn is ein echtes Kleinod. Es liegt geschützt in der Bucht direkt am Hafen. Der Wirt gibt uns netterweise ein kostenloses Upgrade auf ein Zimmer mit Meerblick – Nachsaison! Die große Terrasse mit Blick auf das Meer muss im Sommer sehr schön sein, jetzt jedoch sind wir froh, dass wir im Warmen sitzen können. Beim Rauchen kommen wir mit einem Camper-Pärchen aus Sunderland ins Gespräch – der Mann ist kaum zu verstehen. Ein Vorgeschmack auf die Dialekte Nordenglands – werden wir uns dort wohl verständigen können? 🙂

Es dauert jedoch nicht lange, und wir verziehen uns auf unser großes und schönes Zimmer. Alt werden wir heute nicht!

Tag 5: Portreath nach Perranporth

Am Morgen hat uns Andrea ein fürstliches Frühstück zubereitet: Außergewöhnlich gut! Gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Frühstückskonversation, die uns erwartet: Andrea nimmt lebhaft Anteil an Deutschlands Flüchtlingsproblematik und hält mit ihrem – nun ja, nennen wir es konservativem – Gedankengut nicht hinter’m Berg. Das wird uns bei unserer Englandtour noch mehrmals begegnen: Total nette und herzliche Leute, die allerdings sehr negativ gegenüber „Fremden“ eingestellt sind und von ihrer eigenen Regierung verlangen, dass diese sich doch erst mal um die „eigenen Leute“ kümmern sollte – ein Vorgeschmack auf den Brexit. Gott sei Dank zählen wir wohl nicht zu den „Fremden“? 🙂

Nach einer lebhaften Zwei-Stunden-Diskussion machen wir uns endlich auf den (verspäteten) Weg. Gern wären wir noch länger in Andreas schönem Dachgeschoss geblieben, aber hätten wir so eine Diskussion jeden Morgen ausgehalten?

Der Vormittag heute zeigt sich bedeckt und kühl, aber immerhin regnet es nicht. Wir wandern erneut durch eine Minenlandschaft, wieder durch eine Unesco-Weltkulturerbestätte. Die Wheal Coates Minen sind besonders pittoresk: Friedel kann gar nicht aufhören zu fotografieren. Allerdings kann ich ihn mit der Aussicht auf einen Kaffee vorantreiben, denn heute haben wir endlich mal einen Zwischenstopp mit Einkehrmöglichkeit: Das kleine Hafendorf Porthowan.

Der Ort liegt hübsch in die Bucht geschmiegt, mit einem ordentlichen Sandstrand. Obwohl heute Sonntag ist, hält sich die Besucherzahl des Cafés am Strand in Grenzen: Der Charme der Nachsaison, der uns ab jetzt begleiten wird. Der Kaffee war gut!

Eigentlich laufen wir heute den ganzen Tag durch ehemaliges Minengebiet. Es gibt viel zu sehen: Steinhügel in den unterschiedlichsten Farben, scharfe Abbruchkanten, kraterähnliche Wasserlöcher, alte Schienen und Schächte, ein endloser Abenteuerspielplatz – hätten wir mehr Zeit, könnte man hier unendlich fotografieren. Hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken.

Das kühle Wetter heute stört uns nicht wirklich. Ein Tag ohne groß zu schwitzen ist doch auch mal nicht schlecht, zumal es auch heute wieder ordentlich auf und ab geht. Außerdem passt das Wetter zu der rauhen Küstenlandschaft.

Schon kilometerweit vor unserem heutigen Etappenziel Parranporth sehen wir nicht nur den Ort, sondern auch den dazugehörigen riesigen Sandstrand. Aber vorher gilt es noch einige Abraumhalden zu umrunden, einige Abbruchkanten zu umtänzeln und einige eingeschnittene Schotterwege zu durcheilen.

Relativ früh kommen wir im Seiner’s Arms an. Das kühle Wetter hat dazu geführt, dass wir einen Schritt schneller gegangen sind.

Das Seiner’s Arms liegt direkt am Strand und wir haben einen direkten Blick auf den weiten Strand. Wir sehen: Windgepeitschte Palmen auf der Terrasse unseres Hotels, im Hintergrund eine verlassene Strandbar und ein paar wenige Menschen, die in Parka eingemummelt dem Wind trotzen. Unglaublich, dass es gestern noch so warm war!

Es gibt jedoch auch welche, für die beginnt sie Saison jetzt erst richtig: Die Surfer!

Tag 4: Hayle nach Portreath

Die beiden Engländer kommen aus Carlisle und heißen Carl und Lisa (natürlich heissen sie nicht so;)). Das erfahren wir beim gemeinsamen Frühstück. Da wir zwei Pärchen die beiden Zimmer im B&B belegen, sind wir die einzigen Gäste beim Frühstück – und haben scheinbar auch noch den gleiche Rhythmus, weil wir zur gleichen Zeit beim Frühstück eintreffen. Von Tisch zu Tisch sind wir plötzlich im angeregten „Gear Talk“ (Gespräche über die Vor-und Nachteile gewisser Outdoor-Gegenstände) und den SWCP: Die beiden laufen ihn jedes Jahr im Herbst, eine Woche lang, abschnittsweise. Leider ist heute ihr letzter Tag: Sie reisen heute morgen zurück nach Carlisle. So ist also unsere gemeinsame Zeit zu Ende, bevor sie angefangen hat. But this is the beginning of a beautiful friendship .. 🙂 Am Bahnhof von St Ives trennen wir uns schließlich, mit einem gewissen Bedauern auf beiden Seiten.

Friedel und ich werden im Winter nach Weihnachten noch einen Urlaub im Lake District (Ennerdale Bridge) einschieben, in dem wir uns mit den beiden verabreden. Aufgrund des Hochwassers im Dezember 2015/16 wird das Treffen jedoch vereitelt. Trotzdem werden wir vier von nun an in regem E-Mail-Verkehr stehen und uns über alle unseren weiteren Outdoor-Abenteuer austauschen.

Wie Carl schon so passend beim Frühstück erklärte: „You are no purists!“. Das war die Reaktion der beiden darauf, dass wir die langweiligen neun Kilometer von St. Ives nach Hayle skippen und erst in Hayle wieder in den SWCP einsteigen. Da wir wenig Zeit haben, wollte ich die Strecke bis Portreath (19 km) heute auf jeden Fall schaffen: Die neun langweiligen Kilometer entlang der Bahnstrecke nach Hayle dazu wären definitiv zu viel gewesen. Im Nachhinein ärgert es mich allerdings, das wir sie nicht gelaufen sind. Vielleicht holen wir sie später mal nach?

Die ersten Kilometer von Hayle geht es durch ein langweiliges Industriegebiet bis zum Meer. Aber dort werden wir dann mit einem weeeeeiten Sandstrand belohnt. Und die Sonne lacht! Und wie ist das Meer so türkisblau! Nachdem wir fertig gestaunt haben, haben wir die Wahl: Schlagen wir uns über den offiziellen und sandigen Weg durch die Dünen oder wandern wir bei Ebbe am Strand entlang? Wir probieren beides und beides ist gleich anstrengend: Knöcheltief durch trockenen oder knöcheltief durch nassen Sand – Aber wir wollen ja mal nicht meckern: Wir haben heute gemäßigte 19 Kilometer vor uns, es ist noch früh und das Wetter ist bombig.

Ab dem Godrevy Point wird es wieder felsig – und eine Auf und Ab Talfahrt beginnt. Unglaublich, denn auf der Karte sieht es nach NULL-Höhenmeter aus! Der Pfad geht immer an den Klippen entlang und nach unten gibt es atemberaubende Aussichten. In einer der Buchten unter uns entdecken wir sogar Robben!

Bis nach Portreath laufen wir durch eine bergige, aber auch wunderschöne Landschaft: Tiefe Täler, Wasserfälle, tolle Klifflandschaften – Schade aber, dass sich das Wetter im Verlauf des Nachmittags arg abkühlt. Regen gibt es noch keinen, aber wie wir in den nächsten Tagen sehen werden, nimmt der Herbst nun auch in dieser sonnenverwöhnten Gegend Einzug.

In Portreath laufen wir erst mal durch den ganzen langgestreckten Ort, um fernab der Küste an Andrea’s B&B zu klingeln – wieder ein B&B, denn in Portreath gibt es nichts anderes – aber das „Portreath B&B“ entpuppt sich als wahres Kleinod: Andrea vermietet nur ein Zimmer, aber was für eins! Wir haben ein riesiges Wohn/Schlafzimmer unter dem Dach, mit geräumigem Bad und eigenem Balkon. Die Landlady ist herb, aber herzlich und empfiehlt uns das „Basset Arms“ für das Abendessen – was dann auch eine gute Wahl ist. Erstmals sind wir die einzigen, die abends noch auf der Terrasse sitzen: Alle anderen hat es bereits nach drinnen getrieben: Wir halten aus!

Tag 30: Severn Beach nach Tintern

Am Morgen verlassen wir ohne Frühstück das Hotel in Bristol und frühstücken im Bahnhof Temple Meads. Wir haben die heutige Tour so geplant, dass wir uns den langen Weg durch Bristol sparen und mit dem Zug bis Severn Beach fahren. Zwar hätten wir auch den Severn Way am River Avon entlang laufen können, doch erschien uns der Weg nicht besonders attraktiv. 22 Kilometer entlang hässlicher Industriebauten und Schnellstraßen, eine ganze Tagestour, dafür ist uns unser kostbarer Urlaub zu schade. Sollte jemand den Weg von Bristol City nach Severn Beach komplett laufen wollen: In Severn Beach könnte man nach der Tagestour einen Zug zurück nach Bristol nehmen und am nächsten Morgen von Severn Beach aus die nächste Tagestour starten. Zum Zeitpunkt unserer Tour gab es dort keine Übernachtungsmöglichkeit.

Wir fahren in Bristol Temple Meads um Viertel nach neun los. Gern wären wir schon früher gestartet, aber der Zug fährt nur alle zwei Stunden. Obwohl es zu Fuß nur 22 Kilometer wären, dauert die Fahrt planmäßig fast 40 Minuten.

Severn Beach ist ein reizloses Schlafdorf im Einzugsbereich von Bristol. Unsere Hoffnung auf einen Kaffee zerschlägt sich, denn Shirley’s Café hat nicht geöffnet. Leider fängt es auch an zu regnen und es wird den ganzen Tag nicht mehr aufhören …

Zunächst laufen wir durch den Ort zum „Strand“, in diesem Fall zum Ufer des riesigen Severn Estuary. Unser Plan für heute ist, am Estuary entlang zu laufen, bis wir nach Aust und zum „Second Severn Crossing“ gelangen, einer großen Brücke über den Severn, die uns nach Wales bringen wird. Die Brücke in Wales liegt ganz in der Nähe von Chepstow, das der Beginn des Offa’s Dyke Path ist.

Letztes Jahr sind wir schon einen Teil des Offas’s gelaufen, allerdings sind wir erst in Monmouth gestartet. Heute und morgen wollen wir diese Lücke schließen: Heute bis Tintern und morgen von Tintern bis nach Monmouth.

Eigentlich regnet es schon stark, als wir am Strand ankommen. Wir legen eine kurze Pause unter der ersten Severn-Brücke ein, denn dies ist der einzige trockene Platz weit und breit.

Der Weg führt uns durch eine flache Marschlandschaft. Links liegt das Watt, rechts matschige Wiesen. Weil es so stark regnet, liegt die Landschaft grau in grau. Das Watt ist braungrau, die Wiesen erscheinen grüngrau. Hin und wieder treffen wir Kühe, sonst niemanden. So traben wir bis Aust circa sieben Kilometer vor uns hin, der Regen trommelt auf unsere Kapuzen. Vom Weg bleibt uns nicht viel in Erinnerung. Es mag sein, dass das Marschland bei Sonne ganz nett ist, uns jedoch erscheint es eintönig und grau.

Das ändert sich, als wir die Severn-Brücke erreichen. Auf der Brücke ist es extrem windig, noch dazu regnet es wie verrückt. Wie kämpfen uns (kichernd!) die vier Kilometer über die Brücke, die sich hoch über dem Wasser erhebt. Links ein Geländer und das graue Wasser unter uns, rechts donnern die LKW und Autos an uns vorbei und wirbeln dabei ganze Wolken von Sprühregen auf. Obwohl der Rad- und Fußweg ziemlich breit ist, werden wir des öfteren von oben bis unten vollgespritzt, wenn ein LKW kommt. Ich bitte Friedel, ein Foto von der skurrilen Situation zu machen, aber er traut sich nicht, die Kamera auszupacken.

Aber es ist trotz des Regens ein erhebendes Gefühl, von England nach Wales zu laufen, vor allem unter solch abenteuerlichen Bedingungen :-).

In Wales angekommen, legen wir eine kleine Pause unter einer Straßenbrücke ein. Wir leeren unsere Schuhe und wringen unsere Socken aus, denn trotz Goretex sind unsere Füße quappennass. F*** Goretex!

Zum Glück ist es aber jetzt im Juli relativ warm, so dass unsere Füße wenigstens nicht kalt sind. Das ist unser letzter Urlaub, in dem wir uns auf die Wasserdichtigkeit unserer Schuhe verlassen. Bei uns halten die Membrane maximal zwei Urlaube, also werden wir in Zukunft auf teure Wanderschuhe mit Goretex verzichten!

Nach der Brücke sind es noch mal etwa drei Kilometer durch die Suburbs, bis wir das Zentrum von Chepstow erreichen. Dort finden wir ein nettes marokkanisches Café („Arabesque“), wo wir zu Mittag essen und uns etwas trocknen können. Als wir wieder auf die Straße treten, ist es allerdings schon 15 Uhr. Deshalb lassen wir Chepstow Castle links liegen und schlagen uns über die Wye-Brücke auf den Offa’s Dyke Path.

Interessanterweise befinden wir uns nun wieder in England, denn der Fluß ist die Grenze. So werden wir den Nachmittag in England verbringen, aber wieder in Wales übernachten.

Nach Chepstow hört es mal für eine Stunde auf zu regnen, der Rest des Tages fällt jedoch wieder ins Wasser.

Der Weg führt am Nachmittag größtenteils durch Wald, fast sieben Kilometer, was sehr ungewöhnlich für England ist. Immer wieder treffen wir auf Teile des Offa’s Dyke, die aber im Wald nicht so gut zu erkennen sind. Da es die ganze Zeit regnet und es recht schwül ist, mutet der Wald fast tropisch an. Auf der Höhe von Tintern verlassen wir den Offa’s Dyke Path, um nach Tintern abzusteigen.

Der Pfad ist schlammig bis überflutet und Friedel rutscht am glitschigen Hang einmal lang aus und kann sich nur noch mit Mühe an einem Ast festhalten. Das kommentiert Steffi mit einem knappen „Danke für die Warnung!“ und zieht kichernd an Friedel vorbei. Er baumelt da hilflos mit einem Arm am Ast, den Abhang unter sich… dies ist einer der Momente, die uns noch lange in Erinnerung bleiben, und das „Danke für die Warnung!“ wird in der Zukunft zu einem geflügelten Wort :-).

Dementsprechend schlammig sehen wir aus, als wir am Fluss ankommen. Mittlerweile hängen die Regenwolken dicht über dem Fluss. Die verfallene Tintern Abbey liegt auf der anderen Flussseite im Nebel, ein wunderschönes Bild.

Wir haben uns für zwei Nächte im „Parwa Farmhouse“ einquartiert, einer schön altmodischen Pension mit acht Zimmern bei Peter und Angela. Peter nimmt uns in Empfang und zuckt nicht mit der Wimper, als wir durch die Tür schwimmen. Wie in jeder guten Pension gibt es Zeitungspapier für unsere Schuhe und einen Trockenraum, so dass wir schon bald unter der warmen Dusche stehen dürfen. Herrlich!

Das Parma Farmhouse ist ein Erlebnis: Angela kocht für alle Gäste und um sieben wird gegessen. Jedoch finden sich die Gäste schon vorher in der „Honesty Bar“ ein, in der sich jeder an zahlreichen Spirituosen frei bedienen kann und seinen Konsum auf freiwilliger Basis in eine Liste einträgt. Abgerechnet wird am Schluss.

So sitzen bzw. stehen also verschiedene Gäste (meist älteren Semesters) plaudernd in der Bar, bis ein Gong und der jeweilige Name der Gäste ertönt. Die genannte Partei darf dann in den Dining Room einziehen, in dem das vorher bestellte Menü kredenzt wird. Very British!

Da zurzeit eine redselige amerikanische Familie mit uns dort residiert, werden auch wir schnell in eine Gespräch gezogen und werden somit schnell Teil der Gästeschar.

Das Essen war natürlich vorzüglich!

Tag 31: Tintern nach Monmouth

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht erwachen wir in unserem Queensize-Bockspringbett – und die Sonne scheint! Nach dem wunderbaren Frühstück, das Peter uns serviert (in der Tat haben wir in den zwei Tagen im Farmhouse Angela immer nur von Weitem gesehen), besichtigen wir zunächst Tintern Abbey. Danach machen wir uns gemütlich auf den Weg nach Monmouth. Auf den Offa’s Dyke Path treffen wir erst wieder in Brockweir, also wandern wir heute morgen auf der rechten (walisischen) Seite des Wyes auf dem Wye Valley Walk.

Der Fluss und die nassen Wiesen glitzern im Morgenlicht, es dampft überall. Jede Menge Vogelvolk ist auf dem Fluss unterwegs. Wir genießen die Sonne und schlendern gemütlich am Flussufer entlang.

In Brockweir wechseln wir auf einer alten Steinbrücke auf die englische die Flussseite. Es ist einfach, an so einem Tag das Wye-Valley zu lieben. Was für einen Unterschied macht es, ob man im Regen läuft oder ob die Sonne scheint!

Bis zur Bigsweir Bridge bleiben wir auf der englischen Seite, immer am Fluss. Dort verlassen wir das Tal und wandern etwas oberhalb des Flusses durch den Wald. Kurz vor Monmouth treffen wir auf den Naval Temple. Der Sinn dieses Monuments erschließt sich uns nicht, vielleicht sind wir da zu deutsch? (Schlacht am Nil, 1798, hä?)

Auf jeden Fall ist der Blick auf Monmouth toll, und es gibt ich ein paar Bänke, so dass wir den Rest unseres Thermoskannen-Tees austrinken können.

Nach Monmouth laufen wir über die Brücke, die wir schon vom Abend unserer Offa’s-Dyke-Start-Tour kennen. Es ist ca. 16 Uhr, eine typische Ankunftszeit für einen Tag wie diesen. Jedoch bleiben wir dieses Mal nicht im Coach House, sondern fahren mit dem Bus zurück nach Tintern. Hier erklärt uns am frühen Abend Peter, dass Angela heute nicht kochen kann, weil sie unter Rückenschmerzen leidet. So verbringen wir den letzten Abend unserer diesmaligen Tour im „Rose and Crown“, im Pub die Straße hinunter. Wir sitzen auf der provisorischen Terrasse auf der anderen Seite der Straße am Fluss, während erneut der Nebel über dem Fluss aufsteigt. Was für ein wunderbarer Ausklang!

Wir könnten noch viel weiter laufen, denn gerade sind wir gut in Form. Aber es geht zurück nach Deutschland und an die Arbeit. Wir haben einige E-Books und Blogs gelesen, in den Wanderer genervt waren, schon so lange unterwegs zu sein. Aber was ist die ideale Länge, um noch fit zu sein und den Weg noch voll genießen zu können? Leider können wir dies mit unseren sechs Wochen Jahresurlaub nicht herausfinden. Wir fragen uns wie es wäre, einfach weiterzulaufen bis nach Schottland …

Tag 28: Cheddar nach Dundry

Die Cheddar-Schlucht hat zwei Seiten. Die Südseite ist privat und wird ausgiebig touristisch genutzt: Dort gibt es die berühmten Höhlen, einen Aussichtsturm und die Jacob’s Ladder (Jakobsleiter), eine Treppe mit 275 Stufen, die aus der Schlucht hinausführt. Sogar eine Seilbahn nach oben ist geplant, aber der National Trust hat dagegen bisher erfolgreich Einspruch erhoben.

Die Süddseite hingegen gehört dem National Trust. Hier ist kein Eintrittspreis zu entrichten und wir versprechen uns weitaus weniger Menschenmassen.

Da es bereits morgens nieselt, haben wir tatsächlich unsere Seite der Schlucht fast für uns allein. Beindruckend geht es hundertdreißig Meter die enge Schlucht nach unten. Die Wände sind mit grauen Sandsteinfelsen eingefasst. Wir können uns nicht vorstellen, dass der Eindruck von der anderen Seite der Schlucht besser sein kann. Wo die Schlucht endet, geben die Felsen den Blick auf die weitläufigen Somerset-Levels frei. Ein bisschen schade ist nur, dass auf dem Boden der Schlucht eine Straße verläuft.

Am Ende der Schlucht treffen wir wieder auf unseren West Mendip Way, der unverständlicherweise die Schlucht südlich umläuft. Mittlerweile fängt es ordentlich an zu regnen, nein zu schütten!

Bereits nach einem Kilometer verlassen wir den West Mendip Way wieder und laufen auf dem „Limestone-Link“ weiter. Der Weg führt uns durch ein „Velvet Bottom“ genanntes Tal und ist trotz des Regens wunderschön. Der Weg führt in einer Rinne durch ein ehemaliges Bleiminengebiet, die ehemaligen Abraumhalden sind hübsch mit Gras und Moos überzogen. So können wir den Namen des Tals (Samtboden) gut nachvollziehen.

Um 14 Uhr kommt die Sonne wieder raus, es wird sogar richtig warm. Der Limestone Link führt uns abwechslungsreich durch Wiesen und Wald nach Compton Martin. Hier wechseln wir auf den Monarch’s Way, der zwischen zwei großen Stauseen durch das Chew Valley führt. Da unser Weg über den Breech Hill verläuft, haben wir Ausblicke zu beiden Seen, zum Chew Valley Lake und zum Blagdon Lake. Der Weg führt uns größtenteils über sanft-hügelige Wiesen nach Winford.

Der letzte Wegabschnitt für heute über die Dundry Downs bietet uns ein Hundertachtzig-Grad-Panorama über Bristol. Wie merkwürdig – Bristol ist nur einen Katzensprung entfernt, aber wir verbringen den Abend gemütlich auf der Terrasse des Dundry Inn, einem typischen Village Pub in einem hübschen, beschaulichen englischen Dorf!

Tag 29: Dundry nach Bristol City

Heute ist ein „Ruhetag“. Wir laufen 13 Kilometer nach Bristol und werden uns etwas Zeit nehmen, uns die Stadt anzusehen. Erfahrungsgemäß werden wir auch da viel laufen, also faul werden wir heute nicht sein!

Es war nicht möglich, für das Dundry Inn ein Frühstück zu buchen. Im Zimmer gibt es jedoch einen kleinen Kühlschrank mit Müsli-Zutaten, Äpfeln, Bananen und Jogurt, so dass wir uns ein Müsli machen können. Wir spekulieren außerdem heute sowieso darauf, dass wir unterwegs ein Café finden.

Zunächst schlagen wir uns durch Brombeer-Hecken den Hügel hinunter ins Tal, wo wir auf den Community Forest Path treffen. Den nehmen wir, bis wir nach Bristol kommen. Aber zunächst geht es immer am Stadtrand entlang, über Felder und Wiesen. Rechts sehen wir von Weitem die Suburbs von Bristol. Kurz hinter der Castle Farm wird unser Weg durch eine Großbaustelle unterbrochen. Natürlich hat man sich über die Führung unseres Wanderwegs keine Gedanken gemacht, so dass wir fast eine Stunde auf der Baustelle hin und her irren.

Ein schönes Wegstück gibt es noch mal über das Ashton Court Estate. Der Schlossgarten mit dem imposanten Schloss wurde zum größten Teil von der Natur zurückerobert, der Weg führt durch ungemähte Blumenwiesen. Auf einer Bank machen wir eine Rast, trinken unseren Tee und schieben ein Zweitfrühstück ein. Suspension Bridge, wir kommen!

Der Einmarsch nach Bristol gestaltet sich so spektakulär, wie wir es uns erhofft hatten: Das Stadtgebiet von Bristol beginnt mit der Überquerung der Clifton Suspension Bridge, einer historischen Hängebrücke von 1864, entworfen vom berühmten Architekten und Ingenieur Isambard Brunel. Die weiße Brücke überspannt die Schlucht des River Avon, tief geht der Blick nach unten auf den Fluss und eine Schnellstraße.

Auf der anderen Seite des Flusses wandern wir gemütlich am Ufer des River Avon in die Innenstadt. In einem Café in der Nähe der Marinas bestellen wir uns zwei große Milchcafés und zweimal englisches Frühstück. Das kommt ja gar nicht in Frage, dass wir heute auf unser English Breakfast verzichten!

Eingemietet haben wir uns im Ibis-Hotel direkt in der Innenstadt. Zwar sind wir keine Fans von großen Hotelketten, aber es gab im Zentrum keine wirklich guten Alternativen, und das Doppelte wie üblich wollten wir nicht zahlen. Schon um 14 Uhr sind wir da. Wir leisten uns heute mal ein Mittagsschläfchen und schauen uns danach die Stadt an.

Leider hat die Kathedrale geschlossen, also landen wir am Ende auf dem Brandon Hill, nachdem wir sämtliche Innenstadtstraßen rauf und runter gelaufen sind. Dort ist es schön ruhig und wir genießen dort die sanfte Abendsonne. Insgesamt haben wir in Bristol am Nachmittag noch mal sieben Kilometer zurückgelegt, verrät uns der Tracker.

Und das sieht dann so aus…;-)

Wir sind aber einfach keine großen Fans von Einkaufsstraßen und Shopping-Malls. Deswegen gefällt es uns am besten auf dem Brandon Hill und am Hafen. Wir essen in einem Pub mit Biergarten zu Abend und setzten uns am Abend noch in einen anderen Pub mit Terrasse und Blick auf den Hafen, um ein letztes Pint zu trinken.

Tag 27: Wells nach Cheddar

Heute geht es in die Mendip Hills. Da der Samaritan’s Way die Hügel nur am Rande streift, haben wir uns für den West Mendip Way entschieden, der zickezacke durch die Hills verläuft. Da er aber gut ausgeschildert ist, verlaufen wir uns nicht!

Cheddar – was fällt einem dazu ein? Richtig! Was dem Holländer sein Gouda, ist dem Engländer der Cheddar. Die Stadt des weltberühmten Käses ist aber nicht nur Käse, sondern auch Heimat der Cheddar-Schlucht. Diese ist weniger bekannt als der Käse, aber nichtsdestotrotz die größte Felsschlucht in Großbritannien – Millionen Kitschfotos zeugen davon!

Aber bis dahin müssen wir zahlreiche Höhlen passieren, Schluchten umrunden, Blumenwiesen durchschreiten …

Die Mendip Hills sind im Gegensatz zu den Quantock Hills weniger mit Farnen bestanden als mit Blumenwiesen ausgestattet. Dazu gibt es an schönen Tagen einen Weítblick bis zum Meer – und heute ist so ein Tag!

Unser Weg führt am Morgen an Wookey Hole vorbei, einer der größten Schauhöhlen Englands. Das Ganze ist aber mittlerweile als eine Art Disney-Land angelegt und als wir den riesigen Parkplatz voller Busse sehen, gehen wir schnell weiter. Und zieht es eher zur Ebbor Gorge, einer bewaldeten Schlucht circa einen Kilometer von Wookey Hole entfernt. Tatsächlich ist es hier weitaus ruhiger – Wir haben die komplette Schlucht für uns allein. Der Weg führt rechts an der Schlucht vorbei zu zwei Aussichtspunkten, aber leider ist die Aussicht ziemlich zugewachsen, man sieht nicht besonders viel.

Der Weg nach Priddy führt an alten Steinmauern und in Bäume eingewachsenen Toren über Feld- und Fußwege, teilweise sehr verkrautet. Auch nach Priddy führt der Weg größtenteils über Wiesen, und die Gegend sieht zusehends nach Limestone-Country aus, also immer mehr Kalkfelsen und Kalksteine prägen das Bild der Landschaft.

Ab Mittags wandern wir stets auf dem Kamm der Mendip-Hills, so dass wir mit einem stundenlangen Weitblick über die Somerset Levels beglückt werden. Wir legen uns eine zeitlang ins Gras und genießen die Blumenwiese und den Blick auf die Levels.

Einmal kurz vor Cheddar verlassen wir den West Mendip Way, denn dieser würde uns den Berg hinunter in den Ort Draycott führen und anschließend wieder hinauf. Stattdessen nehmen wir eine Abkürzung durch das Draycott Sleights Nature Reserve. Hier treffen wir wieder auf Farne, Heidekraut und uralte verknorrte Baumreihen. Leider ist das Naturschutzgebiet sehr klein und schnell landen wir in Cheddar, schon um 16 Uhr sind wir da.

Der Ort hat vermutlich schon bessere Tage gesehen. Der Ortskern wirkt verlassen, zahlreiche Geschäfte sind geschlossen. Nach dem Check In wandern wir noch zum Eingang der Schlucht, und hier ist der Bär los! Zahlreiche Cafés, Eisbuden, Saloons und Ramschläden erwarten die Gorge-Besucher, es gibt sogar ein Café Edelweiß. Was für ein Unterschied zur „Innenstadt“, wo jedes zweite Haus ein „zu verkaufen“.Schild trägt!

Zum Glück wohnen wir im ruhigen Teil der Stadt im Bath Arms.

Die Unterkunft ist wirklich sehr gut, hat jedoch im Vergleich zu anderen historischen Gasthöfen eher wenig Atmosphäre. Das Dinner ist aber ausnehmend gut und auch das Frühstück lässt keine Wünsche offen!

Übrigens: Es gibt in Cheddar ein Käsemuseum und historische Käse-Höhlen, jedoch wird mittlerweile der meiste Cheddar-Käse nicht mehr in Cheddar produziert.

Wir wollen aber am nächsten Morgen gleich weiter, die Schlucht begucken.

Tag 25: Bridgwater nach Glastonbury

Avalon, wir kommen! Wie schon erwähnt war es relativ schwierig, einen attraktiven Weg vom Ende des SWCP bis zu den Pennines zu finden. Da zum Zeitpunkt unserer Wanderung das Teilstück des English Coast Walks von Minehead nach Brean noch nicht fertig gestellt war, stellte sich die Frage, wie wir die eher langweilig erscheinenden Somerset Levels angenehm überqueren könnten. Bei meiner Recherche stieß ich auf den Samaritan’s Way South West, der zwar nicht in den OS-Karten eingezeichnet ist, aber eine schöne Wegführung verhieß. Der Weg führt um die Levels herum nach Glastonbury, Schauplatz des Glastonbury-Festivals und im Ruf stehend, das legendäre Avalon zu sein. Au ja!

Auf der Karte wirkte der Weg südwestlich um die Levels herum eher langweilig, also warum nicht mittendurch? Und da bei den Levels auch nun auch wirklich keine besonderen Berge zu erwarten sind, dachten wir uns, dass wir es bis Avalon auch an einem Tag schaffen.

Aber zunächst gilt es am Morgen nach dem sehr guten Frühstück erst mal aus Bridgwater herauszukommen. Der Ort streckt sich lang nach Westen und wir brauchen drei Kilometer, bis wir an der Fußgängerbrücke über die Autobahn sind. Ab jetzt beginnt unsere lange Wanderung, erst einmal durch ein Maisfeld, und dann über endlose Teersträßchen durch die Drains: Chedzoy, Sutton Mallet, Moorlinch … Es gibt wirklich wenig zu sehen, außer hin und wieder mal ein zugekrauteter Seitengraben oder ein Wasserloch voller Wasserlinsen. Ansonsten eher langweilige Wiesen und schnurgerade Straßen.

Zum Glück ist heute ein eher bedeckter Morgen, es ist also nicht zu heiß und der Tritt ist angenehm. Obwohl die Landschaft nicht atemberaubend ist, kommen wir gut voran und wir freuen uns einfach, draußen und unterwegs zu sein. In Greinton erwartet uns dann ein netter Pub, der Kaffee und Scones im Angebot hat.

Nach Shapwick geht es noch mal eine schnurgerade Straße entlang, bis wir endlich in den „richtigen“ Drains landen: Eine Moorlandschaft mit wirklich viel Wasser. Eine alte Bahntrasse führt über Shapwick Heath bis nach Glastonbury hinein, und diese letzte neun Kilometer werden richtig schön und interessant.

Die Somerset Levels sind eine Tiefebene, die hollandähnlich null bis 20 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Zwar gibt es hier auch einige Hügelchen, die aus den Levels herausragen, aber der Großteil des Gebiets ist flach und sumpfig. In der Vergangenheit ist das Gebiet natürlich immer wieder vom Meer überflutet worden, weshalb man Dämme gebaut und Gräben gezogen hat: Eine „Drainage“ also, auf Englisch „Drains“.

Trotz der unangenehm nassen Lage haben hier schon vor Ewigkeiten Menschen gesiedelt. So wurde hier vor fast 6000 Jahren der Sweet Track errichtet, ein alter Bohlenweg über das Moor. Ein Teil der alten Bretter ist mittlerweile im British Museum in London zu bewundern, ein anderer Teil im Somerset Museum in Taunton. An der Fundstelle gibt es wenig zu sehen außer einen kleinen Nachbildung und einiger Schautafeln – trotzdem ist es aufregend, an einem so alten Ort zu stehen. Beziehungsweise zu sitzen, denn an der Fundstelle gibt es eine Bank im Schatten, auf der wir eine ausgiebige Pause einlegen, denn mittlerweile ist die Sonne hinter den Wolken aufgetaucht und hat uns ordentlich eingeheizt.

Der Weg über den Bahntrack führt an zahlreichen Seen vorbei, auf denen sich Millionen von Wasservögeln tummeln. Wenn wir Vogelfans wären, hätten wir hier unsere wahre Freude. In der Tat treffen wir zahlreiche Vogelfreunde, die mit Ferngläsern, Klappstühlen und Kameras bewaffnet am Wegrand sitzen.

Je näher wir uns Glastonbury nähern, desto mehr Spaziergänger kommen uns entgegen – und desto größer wird der Glastonbury Tor vor uns. Dieser legendäre Berg mit dem Turm darauf ist wohl auch deshalb so beeindruckend, weil die Umgebung so flach ist. Der Tor ist auch der Grund, warum Glastonbury bei Esoterikern so hoch im Kurs steht: Der Hügel wurde schon von den Kelten besiedelt, die vielleicht auch die terrassenförmigen Furchen darauf angelegt haben. Außerdem sollen über den Hügel zahlreiche Ley-Linien verlaufen und – was die Beliebtheit des Ortes auch bei Fantasy-Fans erklärt – der Turm soll der Eingang zum Feenreich Avalon sein.

Aber damit nicht genug: Es gibt eine Sage, dass Jesus Glastonbury besucht und den HEILIGEN GRAL dorthin gebracht haben soll. JESUS!

Sobald Glastonbury Tor in Sicht ist, beginnt Steffi die Hymne „Jerusalem“ zu singen, die sie extra für den Einmarsch nach Glastonbury auswendig gelernt hat: „And did those feet in ancient times …“

Stilgerecht haben wir keine Kosten gescheut und uns im 1470 erbauten „George and Pilgrims Inn“ einquartiert, einem der ältesten Gebäude der Stadt. Unser Zimmer gleicht einem Museum: Es ist riesig, in der Mitte des schiefen Bodens thront ein Himmelbett mit rotsamtenen Volants, diffuses Licht scheint durch die bleiverglasten, kirchenfensterartigen Buntglasscheiben.

Den frühen Abend verbringen wir damit, aus unserem Fenster hinaus auf die High Street zu gucken und die interessanten Leute auf der Straße anzuschauen. In Glastonbury hat sich jede Menge esoterisches Volk angesiedelt – Haben die Ley-Linien sie angezogen? So ein buntes Straßenbild in einer Kleinstadt mit weniger als 10.000 Einwohnern hat uns jedenfalls überrascht.

Wir haben Mühe, im George and Pilgrims ein Abendessen zu bekommen, weil sie gerade ein Großereignis beköstigen müssen. Am Ende klappt es aber, und wir haben den Abend frei, um noch ein wenig Glastonbury zu besichtigen. Unser Ziel ist ein Sonnenuntergang auf dem Tor, aber das schaffen wir nicht mehr. So drehen wir nach der Hälfte des Weges wieder um. Auf unserem Hin-und Rückweg können wir uns hin und wieder das Kichern nicht verkneifen – skurriles Volk ist in Glastonbury unterwegs! So begegnen wir unter anderem Till Eulenspiegel und einer lächelnden buddhistischen Nonne. Dementsprechend schräg sind auch die Läden: Es gibt kaum normale Geschäfte, dafür aber unzählige Steineläden, Läden für Hippiebedarf und Headshops. So nehmen wir noch einen Absacker im Hotel und landen mit platten Füßen früh im Himmelbett.