Tag 84: Auchinstary Marina (Kilsyth) nach Milngavie

Den ersten Teil des Tages geht es weiter entlang des Forth and Clyde Canals und auf dem John Muir Way bis Kirkintilloch. Heute sehen wir endlich mal Boote in Bewegung. Weil Sonntag ist? Weil es Mai wird? Jedenfalls begeben uns auf dem Kanalweg bis Kirkintilloch gleich drei Kähne, deren Insassen uns freundlich winken.

Bis Kirkintilloch ist die Straße immer in der Nähe des Kanals, aber wohl wegen des Sonntags hält sich der Autoverkehr in Grenzen. Angenehmes Gehen, bei dem sich erkleckliche Kilometer schnell abreißen lassen. In Kirkintilloch bei der Kirche nehmen wir einen Kaffee und verlassen den Kanal: Stattdessen folgt der John Muir Way nun einem alten Bahntrack. Wir folgen diesem bis Lennoxtown. Hier stand Steffi bei der Vorausplanung vor der Entscheidung: Bleiben wir auf dem Bahndamm bis Strathblane oder laufen wir querfeldein nach Milngavie? Auf jeden Fall war am nächsten Tag ein Sightseeing-Tag in Glasgow eingeplant. Am Ende entschied die Erreichbarkeit – Strathblane ist nur per Bus zu erreichen (und weniger gut an einem Sonntag, was die Abfahrten heute auf zweistündig reduziert), Milngavie jedoch per Bahn.

Der Weg von Kirkintilloch bis Lennoxtown auf dem Bahndamm ist hübsch, aber ohne wirkliche Highlights. Als wir uns aber ab Lennoxtown abseits markierter Wege in die Hügel schlagen, kommt erstmals ein Schottland-Feeling auf: Oh farnbewachsene Hügel! Windbewegte Tannenwipfel! Der Duft des Heidekrauts im Wind! That’s why we came here! Carla jedenfalls wird dieser Abschnitt als der erste „echt schottische“ im Gedächtnis bleiben …

Zwar ist der Einmarsch nach Mingavie eher unspektakulär, aber egal. Wir wissen nicht, was Strathblane uns gebracht hätte. Aber die Hills zwischen Lennoxtown und Milngavie sind wunderbar, vor allem bei Sonnenschein.

Die Bahn von Milngavie nach Glasgow ist superpünktlich. Heute Abend und morgen werden wir damit jedoch aus der Natur herausgerissen und in die Stadt geworfen. Glasgow ist unserer Meinung nach sehenswert, aber sollte man dafür einen vollen Tag opfern? Das sei jedem selbst überlassen …

Tag 83: Falkirk nach Kilsyth

Nicht traurig sind wir heute, Falkirk zu verlassen. Uns erwartet ein abwechslungsreicher Tag entlang des Union Canals und dem Antonine Wall. Eine weitere Attraktion: Das Falkirk Wheel!

Aber zunächst geht es drei Kilometer über Falkirks Autostraßen zur Bahnstation Falkirk High. An deren Fuß treffen wir auf einen kombinierten Rad- und Wanderweg entlang des Union Canals. Auf dem Weg durch die Stadt beginnt es gemäßigt zu regnen. Da Friedel und Carla sich dieses Mal für einen Regenponcho als Regenschutz entschieden haben, zögern sie etwas, diesen im belebten Falkirk überzuwerfen. Carla entscheidet sich dagegen, Friedel dafür. Im Verlauf des Tages wird er ihn noch mehrmals auspacken, um ihn gleich fünf Minuten später wieder abzuwerfen. Typisch Schottland: Will es nun regnen oder nicht?

Eher nicht. Auch gut! So wandern wir nur leicht feucht entlang des Kanals bis zum Falkirk Wheel. Warm ist es heute nicht und ziemlich windig. Aber was soll’s – Hauptsache es regnet sich nicht ein!

Falkirk Wheel: Groß! Imposant! Das Schiffshebewerk wurde gebaut, um Schiffe vom Fort and Clyde Canal in den Union Canal zu heben und umgekehrt. Ein Wunderwerk der Technik, wie wir gelesen haben. Gern würden wir das Rad und seine Hebewirkung in Aktion bewundern, aber es kommt kein Schiff. Da wir schon auf dem ganzen Stück Kanal vor dem Wheel kein Boot gesehen haben, lohnt es sich wohl auch nicht zu warten. Also laufen wir unter dem Union Canal hindurch hoch zum Rough Castle, einer Befestigungsanlage, die zum Antonine Wall gehört.

Nächste Attraktion: Der Antonine Wall wurde circa dreißig Jahre nach dem Hadrianswall von Kaiser Antonius gebaut, ist aber nicht so bekannt wie der Hadrianswall. Einmal ist er kürzer – mit circa sechzig Kilometern ist er nur halb so lang wie sein großer Bruder. Außerdem ist die Befestigungsanlage nicht mehr so gut erhalten und führt weniger spektakulär durch weniger hügeliges Land. Nichtsdestotrotz sind wir gespannt auf diesen Teil des Walls, der allgemein als der besterhaltenste gilt. Wie erklimmen das ehemalige Fort und wir sehen – Nichts!

Wir stehen vor einer mehr oder weniger ebenen Rasenfläche, am Rand der Fläche gibt es einige Infotafeln. Hätten wir es nicht gewusst, wäre uns der Platz nicht aufgefallen. Der Erdwall und der Graben, an dem uns der Weg (es ist der John-Muir-Weg) weiterführt, ist jedoch deutlich zu erkennen. Insgesamt erinnert uns die Szenerie an den Offa’s Dyke in Wales, einer ähnlichen Befestigungsanlage, an der wir 2014 gewandert sind. Auch wenn es keine sichtbare Mauer mehr gibt, ist ein solch geschichtsträchtiger Ort immer beeindruckend für uns.

In Bonnybridge kommen wir zurück zum Kanal. Aber der Ort ist mitnichten „bonny“, also schön: Ein heruntergekommener Ort mit den typischen Plattenbauten der Lowlands – und ein Café gibt es auch nicht! Friedel ist fast versucht, einen Takeaway-Kaffee am Tesco zu erwerben, aber wir überreden ihn, weiterzuziehen, weiter am Fort and Clyde Kanal und damit auf dem John Muir Way.

Die nächsten vier Kilometer führen uns am Kanal entlang, aber auch immer in Sicht- und Hörweite einer vielbefahrenen B-Road. Besonders unschön: Viele Schotten nutzen scheinbar die Nähe des Kanals, um ihren Müll an den Ufern des Kanals zu entsorgen – Naughty!

Wir freuen uns, als wir mit dem Kanal die Nähe der Straße verlassen, unter der Autobahn durchlaufen und der Weg etwas ruhiger wird. Der Kanal verläuft schnurgerade durch die Wiesenlandschaft. Kurz vor unserem Ziel – Auchinstarry bei Kilsyth – rücken die Hügel auch näher an den Kanal heran, und der Kanal geht um ein paar Biegungen: Vögel finden sich auf dem Wasser ein, Wald und Farne bewachsen das gegenseitige Ufer. Hier macht es wieder Spaß, am Kanal zu wandern: Canal-Walking at it’s best. Jetzt fehlen nur noch ein paar romantische Hausboote – ja wo sind sie denn?

In der Auchinstarry Marina! Wir kommen für die Nacht direkt am Hafen im Gasthof „The Boathouse“ unter, und das recht luxuriös.

Der Laden ist gut geführt, wenn auch nicht billig. Bei linden Temperaturen würden wir abends auf der Terrasse sitzen und das Treiben auf den Booten beobachten. Aber warum fahren sie nicht? Ist dem Lowlander sein Boot, was dem Schwaben sein Gärtle ist? Soll heißen: Nutzen die Schotten die Hausboote wie wir die Schrebergärten, also zum „Hocken“  und zum Grillen?

Jedenfalls liegen in der Marina jede Menge Hausboote – bewohnt sind sie, aber sie werden nicht bewegt. Vielleicht sind wir zu früh für die Bootssaison?

Tag 82: Anreisetag nach Edinburgh, die Kelpies in Falkirk

In Edinburgh waren wir schon zweimal. Da wir schon am Mittag in Edinburgh landen, fahren wir nicht in die Stadt, sondern mit der Tram nur bis Edinburgh Park. Von dort aus sind wir schnell in Falkirk: Nur dreißig Minuten von Edinburgh Park bis Falkirk Grahamston – so schnell waren wir selten an einem Etappenstart! (okay, außer Hebden Bridge, das war auch nicht weit von Manchester .. )

Meine Recherchen hatten ergeben, dass es in Falkirk nicht besonders viel zu sehen gibt. Aber seit einiger Zeit gibt es eine Attraktion etwas außerhalb des Ortes – die Kelpies!

Circa vier Kilometer außerhalb des Ortes bewachen zwei über dreißig Meter hohe Pferdeköpfe aus Stahl eine Schleuse am Fort and Clyde Canal. Sie erinnern an mystische Wassergeister aus alten Sagen, aber auch an die Zugpferde, die hier früher die Lastkähne mit Kohle und Steinen zogen.

 

Die Skulpturen sind schon von Weitem zu sehen, aber besonders aus der Nähe sehr eindrucksvoll. Wir verbanden den Weg zu den Kelpies mit einer Wanderung entlang des Kanals und einem Rückweg durch den Helix-Park.

 

Den Rest des Tages waren wir mit Vorbereitungen für den Etappenstart am nächsten Tag beschäftigt und – dem ersten Ale in diesem Jahr! Außer den Kelpies und dem Wetherspoon-Pub fanden wir leider nichts anderes an der Stadt besonders ansprechend – Sorry, Falkirk!

Der LECW-Plan

Hier der Laufplan – Für alle, die’s wissen wollen …

Etappe Datum Strecke km Weg
Sept. 2015 Abschnitt 1: SWCP  1 Land’s End bis Tintagel Flughafen: London
1 Mi, 30.09.15 Land’s End-Sennen Cove 2
2 Do, 01.10.15 Sennen Cove (Land’s End)-Pendeen 17 South West Coast Path
3 Fr, 02.10.15 Pendeen-St Ives 23 South West Coast Path
4 Sa, 03.10.15 Hayle-Portreath 19 South West Coast Path
5 So, 04.10.15 Portreath-Perranport 20 South West Coast Path
6 Mo, 05.10.15 Perranport-Newquay-Mawgan Porth 26 South West Coast Path
7 Di, 06.10.15 Mawgan Porth-Padstow 24 South West Coast Path
8 Mi, 07.10.15 Padstow-Port Isaac 19 South West Coast Path
9 Do, 08.10.15 Port Isaac-Tintagel 16 South West Coast Path
166 Durchschnitt 20,5 km pro Tag
Sept. 2017 Abschnitt 2: SWCP 2 Tintagel bis Washford
10 Sa, 30.09.17 Tintagel-Boscastle 8 South West Coast Path
11 So, 01.10.17 Boscastle-Widemouth Bay 22 South West Coast Path
12 Mo, 02.10.17 Widemouth Bay-Kilkhampton 17 South West Coast Path
13 Di, 03.10.17 Kilkhampton-Hartland Quay 20 South West Coast Path
14 Mi, 04.10.17 Hartland Quay-Clovelly 17 South West Coast Path
15 Do, 05.10.17 Clovelly-Bideford-Instow 25 South West Coast Path
16 Fr, 06.10.17 Instow-Barnstaple-Braunton 20 South West Coast Path
17 Sa, 07.10.10 Braunton-Ilfracombe 21 South West Coast Path u. Straße
18 So, 08.10.17 Ilfracombe-Hunter’s Inn 20 South West Coast Path
19 Mo, 09.10.17 Hunter’s Inn- Lynmouth 10 South West Coast Path
20 Mi, 11.10.17 Lynmouth-Porlock Weir 20 South West Coast Path
21 Do, 12.10.17 Porlock Weir-Minehead-Dunster 23 SWCP/Macmillan Way West
22 Fr, 13.10.17 Dunster-Washford 10 Macmillan Way West
233 Durchschnitt 18 km pro Tag
Juli 2015 Abschnitt 3.1: Somerset und Wales Flughafen: London
23 Fr, 17.07.15 Washford-Triscombe 23 Macmillan Way West
24 Sa, 18.07.15 Triscombe-Bridgwater 26 Macmillan Way West
25 So, 19.07.15 Bridgewater-Glastonbury 29  Straße und öffentliche Fußpfade
26 Mo, 20.07.15 Glastonbury-Wells 19 u.a. Monarch’s Way
27 Di, 21.07.15 Wells-Cheddar 22 West Mendip Way
28 Mi, 22.07.15 Cheddar-Dundry 25 Mendip Way/Monarch’s Way
29 Do, 22.07.15 Dundry-Bristol (Suspension Bridge) 13 Samaritans Way South West
30 Fr, 23.07.15 Severn Beach-Tintern 25 Severn Way/Offa’s Dyke Path
31 Sa, 24.07.15 Tintern-Monmouth 20 Offa’s Dyke Path
202 Durchschnitt 22,5 km pro Tag
Sept. 2014 Abschnitt 3.2: Offa’s Dyke Flughafen: London
32 Di, 23.09.14 Monmouth-Llangattock Lingued 22 Offa’s Dyke Path
33 Mi, 24.09.14 Llangattock Lingoed-Longtown 17 Offa’s Dyke Path
34 Do, 25.09.14 Longtown-Hay-on-Wye 21 Offa’s Dyke Path
35 Fr, 26.09.14 Hay-on-Wye-Kington 23 Offa’s Dyke Path
36 Sa, 27.09.14 Kington-Knighton 23 Offa’s Dyke Path
106 Durchschnitt 21 km pro Tag
37 Knighton-Craven Arms 21 öffentliche Fußpfade
April 2016 Abschnitt 4: Midlands und White Peak Flughafen: Manchester
38 So, 24.04.16 Craven Arms-Much Wenlock 28 Jack Mytton-Way/Shropshire Way
39 Mo, 25.04.16 Much Wenlock-Shifnal 20 Shropshire/Severn/Monarch’s Way
40 Di, 26.04.16 Shifnal-Penkridge 24 Monarch’s Way, Staffordshire Way
41 Mi, 27.04.16 Penkridge-Little Haywood 17 Staffordshire Way
42 Do, 28.04.16 Little Haywood-Rugeley 5 Staffordshire Way
43  Sa, 28.04.18 Rugeley-Uttoxeter 25 Staffordshire Way
44 Uttoxeter-Ashbourne 18 Variante V 44 gelaufen
45 Fr, 29.04.16 Ashbourne-Fenny Bentley 5 Tissington Trail
46 Sa, 30.04.16 Fenny Bentley-Dovedale-Youlgreave 27 Alternative Pennine Way
47 So, 01.05.16 Youlgreave-Baslow-Langshaw 23 Alternative Pennine Way
48 Mo, 02.05.16 Langshaw-Ladybower 14 Alternative Pennine Way
49 Di, 03.05.16 Ladybower to Dog&Patridge Inn 22 Alternative Pennine Way
50 Mi, 04.05.16 Dog&Patridge Inn-Marsden 24 Alternative Pennine Way/PW
51 Do, 05.05.16 Marsden-Littleborough 16 Pennine Way
268 Durchschnitt 19 km pro Tag
Mai 2018 Abschnitt 4: Variante Limestone Dales und Kinder Scout: Flughafen Manchester
V44  So, 29.04.18 Uttoxeter-Cauldon Lowe 26 Staffordshire Way
V45  Mo,30.04.18 Cauldon Lowe-Hulme End 19 Manifold Trail
V46  Di, 01.05.18 Hulme End-Tideswell 26 Limestone Way
V47  Mi, 02.05.18 Tideswell-Edale 19 Limestone Way
V48  Do,03.05.18 Edale-Crowden-Padfield 28 Pennine Way
V49  Fr, 04.05.18 Padfield-Crowden-Marsden 23 Pennine Way
141  Durchschnitt 23,5 km pro Tag
Sept. 2016 Abschnitt 5 Pennines Fughafen: Manchester
52 Fr, 23.09.16 Littleborough-Hebden Bridge 17 Pennine Way
53 Sa, 24.09.16 Hebden Bridge-Ponden 17 Pennine Way
54 So, 25.09.16 Ponden-Lothersdale-Skipton 21 Pennine Way/Public Footpaths
55 Mo, 26.09.16 Skipton-Malham 20 Dales High Way
56 Di, 27.09.16 Malham-Horton-in-Ribblesdale 20 Pennine Way
57 Mi, 28.09.16 Horton-in-Ribblesdale-Hawes 22 Pennine Way
58 Do, 29.09.16 Hawes-Keld 21 Pennine Way
59 Fr, 30.09.16 Keld-Bowes 20 Pennine Way
60 Sa, 01.10.16 Bowes-Middleton-in-Teesdale 20 Pennine Way
61 So, 02.10.16 Middleton-in-Teesdale-Langdon Beck 14 Pennine Way
62 Mo, 03.10.16 Langdon Beck-Dutton 21 Pennnine Way
63 Di, 04.10.16 Dufton-Garrigill 25 Pennine Way/Public Footpaths
64 Mi, 05.10.16 Garrigill-Alston 7 Pennine Way
65 Do, 06.10.16 Alston-Haltwhistle 22 Pennine Way/South Tyne Way
66 Fr, 07.10.16 Greenhead-Vindolanda-Bardon Mill 18 Pennine Way/Public Footpaths
284 Durchschnitt 19 km pro Tag
Mai 2018 Abschnitt 6: The Borders Flughafen: Manchester
67  Sa, 05.05.18 Housesteads-Bellingham 22 Pennine Way
68  So, 06.05.18 Bellingham-Byrness 23 Pennine Way
69  Mo,07.05.18 Byrness-Windy Gyle 23 Pennine Way
70  Di, 08.05.18 Windy Gyle-Town Yetholm 25 Pennine Way
71  Mi, 09.05.18 Town Yetholm-Kelso 17 Pfade/Landstraße
72  Do,10.05.18 Kelso-Dryburgh-St Boswells 23 Pfade/ Borders Abbeys Way
73  Fr, 11.05.18 St Boswells-Melrose-Galashiels 19 St. Cuthbert’s/Southern Upland W.
74  Sa, 12.05.18 Galashiels Traquir-Innerleithen 25 Southern Upland Way
75  So, 13.05.18 Innerleithen-Peebles 18 Cross Borders Drove Road
76  Mo,14.05.18 Peebles-Carlops 25 Cross Borders Drove Road
77  Di, 15.05.18 Carlops-Currie-Ratho 24 Scottish National Trail
78  Mi, 16.05.18 Ratho-Linlithgow 24 Union-Canal (Treidelpfad)
79  Fr, 18.05.18 Linlithgow-Falkirk 16 Union Canal/John Muir Way
284 Durchschnitt 22 km pro Tag
April 2017 Abschnitt 7: Glasgow Area und Rob Roy Flughafen: Edinburgh
80 Sa, 29.04.17 Falkirk-Kilsyth 18 Union-Canal (Treidelpfad)
81 So, 30.04.17 Kilsyth-Milngavie 23 John Muir Way/Pfade
82 Di, 02.05.17 Milngavie-Drymen 21 West Highland Way
83 Mi, 03.05.17 Drymen-Aberfoyle 17 Rob Roy Way
84 Do, 04.05.17 Aberfoyle-Callander 15 Rob Roy Way
85 Fr, 05.05.17 Callander-Strathyre 15 Rob Roy Way
86 Sa, 06.06.17 Strathyre-Killin 21 Rob Roy Way
87 Mo, 08.05.17 Killin-Ardtalnaig 20 Rob Roy Way
88 Di, 09.05.17 Ardtalnaig-Kenmore 14 Rob Roy Way
89 Mi, 10.05.17 Kenmore-Aberfeldy 14 Rob Roy Way
90 Do, 11.05.17 Aberfeldy-Pitlochry 15 Rob Roy Way
91 Fr, 12.05.17 Pitlochry-Blair Atholl 15 Scottish National Trail
208 Durchschnitt 17,5 km pro Tag
Okt. 2018 Abschnitt 8: Cairngorms/Kintail/CWT Süd: Flughafen: Edinburgh
92 29.09.10 Blair Atholl-Glen Tilt Camp 20 Scottish National Trail
93 30.09.18 Glen Tilt Camp-Allt Eindart 24 Scottish National Trail
94 01.010.18 Allt Eindart-Ruigh-Kingussie 27 Scottish National Trail
95 02.10.18 Kingussie-Newtonmore 5 Scottish National Trail
96 03.10.18 NewtonmoreGarva Bridge 29 Scottish National Trail
97 04.10.18 Garva Bridge-Fort Augustus 29 Scottish National Trail
98 05.10.18 Fort Augustus-Invergarry 15 Great Glen Way
99 06.10.18 Invergarry-Poulary 23 Cape Wrath Trail
100 07.10.18 Poulary-Cluanie Inn 19 Cape Wrath Trail
101 2008 Cluanie Inn-Camban Bothy (Glen Affric) 13 Cape Wrath Trail
102 2008 Camban Bothy-Shiel Bridge 15 Cape WrathTrail
103 10.10.2018 Shiel Bridge-Iron Lodge 18 Cape Wrath Trail
104 11.10.18 Iron Lodge-Strathcarron 34 Cape Wrath Trail
271 Durchschnitt 21km pro Tag
Abschnitt 9: Cape Wrath Trail Nord Flughafen: Edinburgh
105 Strathcarron-Bearneas Bothy 10 Cape WrathTrail
106 Bearneas Bothy-Easan Dorcha Bothy 20 Cape WrathTrail
107 Easan Durcha Bothy-Kinlochewe 11 Cape Wrath Trail
108 Kinlochewe-Loch an Nid 19 Cape WrathTrail
109 Loch an Nid-Inverlael-Ullapool 22 Cape Wrath Trail
110 Ullapool-Knockdamph Bothy 18 Cape WrathTrail
111 Knockdamph Bothy-Oykel Bridge 14 Cape WrathTrail
112 Oykel Bridge-Inchnadamph 31 Cape WrathTrail
113 Oykel Bridge-Inchnadamph Cape Wrath Trail
114 InchnadamphKylesku 14 Cape Wrath Trail
115 Kylesku-Loch Airigh (über Lochstack-Lodge) 19 Cape Wrath Trail
116 Loch Airigh-Rhiconich 8 Cape Wrath Trail
117 Rhiconich-Kinlochbervie Sandwood Bay 18 Cape Wrath Trail
118 Sandwood Bay-Cape Wrath 13 Cape Wrath Trail
119 Cape Wrath-Durness Ferry 17
Gesamtkilometer: 2293
Wandertage: 119
Durchschnitt: 19 km pro Tag

More to come

Was wir im Laufe der Zeit noch zeigen werden, nach dem LECW-Projekt:

– Wainwrights Coast to Coast Path (C2C)

– Unsere erste Schottland-Tour – die Cairngorms von Aviemore zum Loch Avon und ein bissle weiter…

– Offa’s Dyke Path: 1. Hälfte von Monmouth bis Knighton

– Glyndwr’s Way: 1. Hälfte ab Knighton

Und natürlich gibt es auch den „Gear Talk“ über Ausrüstung und Fotografie, Erfahrungen und Tipps & Tricks zur Planung, Übernachtung, Essen, Wetter, Verkehr, …

-> bleibt dran! 🙂

Abschnitt 7: Glasgow Area und der Rob Roy Way

Anfang Mai 2017 wanderten wir die Etappe von Falkirk (zwischen Edinburgh und Glasgow) bis nach Blair Atholl am Rand des Cairngorms Nationalparks. Dabei liefen wir in einem großen Bogen nach Westen und dann wieder nach Osten. Der direkte Weg von Glasgow aus in den Norden hätte uns über den West Highland Way geführt. Diese von uns so genannte „Autobahn“ wollten wir jedoch meiden, da der Weg der wohl meistbegangene Wanderweg der Insel ist und wir es nicht so mögen, in einer Kolonne zu laufen. Außerdem sucht man in Schottland ja wohl die Einsamkeit, oder?

Bei meiner Recherche stieß ich auf den Rob Roy Weg. Dieser führt durch den Loch Lomond and the Trossachs Nationalpark, entlang vieler Seen bis zu den Cairngorms. Da wir 2008 schon einmal in den Cairngorms wandern waren und es uns dort sehr gut gefallen hat, war uns die Aussicht auf einen „Umweg“ über die Cairngorms sehr willkommen. Da auch Cameron McNeish diese Strecke für seinen „Scottish National Trail“ gewählt hat, entscheiden wir uns für den Rob Roy Way und gegen den West Highland Way.

Da der Rob Roy Way größtenteils auf Forstwegen und schwach befahrenen Straßen verläuft und sich die Etappen relativ kurz gestalten lassen, begleitete uns dieses Mal eine etwas ältere Freundin. Carla war schon 2014 auf dem Coast to Coast Walk dabei. Daher wussten wir, dass sie weder Steine noch große Steigungen oder lange Etappen verträgt. Aus diesem Grund erschien uns der RRW für sie ideal. Eigentlich hätten wir der Reihenfolge nach lieber erst den Pennine Way abgeschlossen und die Scottish Borders durchquert, aber die Aussicht auf nette Gesellschaft ließ uns unsere Pläne verschieben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Fazit: Landschaftlich war die Strecke sehr schön, führte aber wenig durch abgelegene Natur, was man ja gemeinhin mit Schottland verbindet. Ein Großteil der Strecke verlief auf Teer- oder Schotterwegen in Sichtweite zu Straßen und Strommasten. Aufgrund des harten Bodenbelags war das Gehen nicht besonders freundlich zu den Gelenken: Unsere Freundin fiel in der zweiten Woche bereits voll aus, da sie sich aufgrund der einseitigen Belastung eine Knochenhautentzündung zugezogen hatte.

Wenn wir noch einmal über die Strecke entscheiden könnten, würden wir uns vielleicht doch für den West Highland Way entscheiden. Oder uns selbst einen Weg über die Berge suchen :-).

Ein besonderer Aspekt sei noch erwähnt: Wir hatten in 17 Tagen insgesamt nicht mal eine Stunde Regen. Unglaubliches Wetter! In Schottland! Incredible!

Tag 94: Pitlochry nach Blair Atholl

Der heutige Tag war bei der Planung eher als lästiger „Übergangstag“ geplant: Der Rob-Roy-Weg ist abgehakt, als nächstes folgen die Etappen durch die Cairngorms. Der Weg von Pitlochry nach Blair Atoll entlang der Bahnstrecke muss halt auch gelaufen werden. Der von Cameron McNeish vorgeschlagene Weg führt heute immer in der Nähe des Bahndamms, immer in Hörweite der B- und A-Roads, also dreierlei Belästigung. Trotzdem zählt die heutige Etappe zu einer der schönsten in diesem Urlaub. Wie das?

Nun…zum Einen haben wir kein nennenswertes Gepäck dabei…der Weg verläuft größtenteils auf Pfaden und nicht auf Forstwegen oder Teersträßchen. In der Zukunft werden wir wohl mehr auf solche Aspekte achten. Gelb unterlegte Straßen auf den Ordnance Survey Maps – vermeiden! Doppelt gestrichelte Wege  – auch nicht schön! Einfach gestrichelt – Yeah!! Aber das sagen wir jetzt, wo wir einen Urlaub ohne großen Matsch erlebt haben. Egal bei welchem Wetter, wir mögen die Pfade durch die offene Landschaft, bei denen uns nichts von der umgebenden Natur trennt. Pflastertreten ist einfach unangenehm, ob bei Regen oder Sonnenschein. Und lieber sind uns nasse Füße als Plattfüße! 🙂

Der Weg führt uns heute malerisch am Loch Faskally entlang. Der ist zwar ein schnöder Stausee, aber trotzdem ist er zwischen hohe Berge eingebettet und heute besonders ruhig und friedlich. Wir „rennen“ durch das Gelände, denn Carla wartet auf uns in Blair Atholl, um mit uns das Atholl Castle zu besichtigen.Sie hat sich so darauf gefreut, dass sie uns für den Eintritt in das Castle eingeladen hat. Also bemühen wir uns, die Strecke zu schaffen, bevor Carla mit dem Bus in Blair Atoll ankommt. Wir nehmen gern die Herausforderung an und werden noch vor dem Bus um 12:30 Uhr da sein. Sogar ein Kaffee in der alten Mühle in Blair Atoll wird noch drin sein, bevor der Bus unsere Carla anliefert.

Aber vorher führt uns der Pfad bis zum Soldier’s Leap immer am See entlang, und später am Fluss.  Der Weg führt tief durch eine Schlucht, die Straße und die Bahn führen wesentlich höher am Berg entlang. So hört man kaum den Lärm der Straße, auch weil das Rauschen des Flusses den Straßenlärm überdeckt.

Der Sodier’s Leap ist eine schmale Stelle im Fluss, von der ein Soldat bei der Schlacht von Killiecrankie von der einen zur anderen gesprungen sein soll. Bis heute haben wir allerdings nicht kapiert, wer da gegen wen gekämpft hat: Es gab die (schottischen) Jakobiten, die für die Wiedereinsetzung von Jakob dem II. aus dem Hause Stuart gekämpft haben. Aber die Gegenseite, zu der auch unser springender Soldat zählte – waren das keine Schotten? Waren es gedungene Handlanger? Verräter? Oder war unser springender Soldat gar – ein Engländer?

Egal! Die Stromschnelle ist hübsch, und das Wissen, an solch einem historischen Ort zu sein, macht die Stelle noch interessanter.

Nach Killiecrankie wechseln wir auf die andere Flussseite. Ab jetzt verläuft der Weg die nächsten fünf Kilometer wieder auf einer Straße. Da wir aber Kilometer machen wollen, stört uns das nicht besonders. Wir verbringen eine wunderbare zweite Frühstückspause an einem elysischen Ort am River Gary. (Ts ts ts! Wie konnte der River Tummel für uns so unbemerkt zum River Gary werden? :-). Unter Bäumen liegt hier ein gewaltiger natürlicher Sandstrand. Wenn wir Campen würden: Das wäre der ideale Wildcampingplatz!

Der Rest der Strecke verläuft auf einer Asphaltstraße, immer in der Nähe der bösen A-Road, die mit uns auf die linke Seite des Flusses gewechselt hat. Auf unserem Sträßchen ist wenig bis kein Verkehr, nur zweimal kommen uns riesige LKW entgegen, die zum nahe gelegenen Steinbruch unterwegs sind. Der erste Teil (10 Kilometer) unseres heutigen Tages war so schön, dass sie die letzten fünf weniger schönen Kilometer aufheben. Auf jeden Fall kommen wir gut und sehr zeitig in Blair Atholl an, so dass wir noch eine Kaffee trinken und Carla aus dem Bus holen können.

Wir wussten nämlich nicht, dass der Bus direkt bis zum Blair Castle fährt. So warten wir an der Bushaltestelle vor dem imposanten Tor zum Blair Estate auf Carla, aber die steigt nicht aus! Also laufen wir um den Bus herum und klopfen an die Scheibe.

Oh, hätten wir es doch nicht getan! So muss die Arme nun die lange Zufahrt zum Schloss hoch humpeln. Heute fällt uns dann besonders auf, wie schmerzhaft ihre Verletzung sein muss: Sie kommt wirklich nur im Schneckentempo voran!

Schon von weitem erwartet uns Dudelsackgedröhn. Ist das eine Abordnung der weltbekannten Atholl Highlanders? Nee, dies ist nur ein einzelner Pfeifer, der in voller Highlander-Montour in bestimmten Zeitabständen für die Touristen aufspielt und sich zwischenzeitlich um seinen Hund im Auto kümmert.

Blair Castle ist eins der bekanntesten Schlösser Schottlands und für die Öffentlichkeit zugänglich. Der derzeitige Besitzer des Schlosses, der x-te Duke of Atoll, wohnt nicht auf seinem Landsitz, sondern in Südafrika. Also ist das Schloss heute ein Tourismusunternehmen. Neben den Millionen Besuchern, die das Schloss und die dazugehörigen Parkanlagen besichtigen, lassen sich auch exklusive Jagd- und Fischerei-Ferien buchen oder man kann einen Caravan auf dem riesigen Campingplatz auf dem Estate mieten.

Es ist interessant für uns, mal wieder so ein Schloss von Innen zu besichtigen. In jedem unserer Wanderferien reicht uns aber eins davon. Dieses sticht durch seine zahlreichen Erklärungen heraus, welche Frau von welchem Duke auf welchem Ball das ausgestellte Kleid oder Gepränge getragen hat. Zahlreiche Galerien mit Ölschinken verraten uns, in welchem Verhältnis die verschiedenen Zweige der Atholl-Familie mit anderen europäischen Adelsfamilien verwandt sind. Wow! Am meisten beeindrucken uns aber die holzgetäfelten Treppenhäuser und der Saal, der speziell den Atholl Highlanders gewidmet ist – der Duke leistet sich bis heute die einzige legal bestehende Privatarmee Europas!

Friedel wird jedenfalls im Verlauf des Schlossbesuchs immer grimmiger: Ihn befremdet es, dass einzelne Familien so viel Reichtum anhäufen konnten und bis heute noch horten. Und dass sie mit ihrem Reichtum so protzten und dafür auch noch bewundert wurden. Und ist das nicht bis heute so?

Also genießen wir lieber noch einen ehrlichen Kaffee auf einer Parkbank im Schlosspark und durchlaufen einmal kurz die Parkanlage. Zurück geht’s mit dem Bus über die Straße über den Pass von Killiecrankie, die wir auf unserem Weg hin tief im Tal vermeiden konnten. In einer halben Stunde bringt uns der Bus zurück nach Pitlochry, wo unsere Tour dieses Mal endet.

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Wir werden morgen mit dem Zug nach Dunbar an die Ostküste Schottlands fahren und dort noch zwei halbe Tage am Meer verbringen. Dort übernachten wir die Nacht von Samstag auf Sonntag in Dunbar und genießen die felsige „Promenade“ und die Klippen am Meer. Die Zeit reicht sogar noch, um kurz John Muirs Geburtshaus zu besichtigen.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Bus zum berühmten Tantallon Castle und klettern zwei Stunden in den pittoresken Ruinen herum. Den Nachmittag verbringen wir im Seebad North Berwick, dass uns aber an dem Sonntag zu voll ist. Am frühen Abend geht es zurück zum Edinburgh Airport, denn unser Flug geht am Montag schon um sieben Uhr morgens. Wir übernachten im DoubleTree Hilton direkt am Flughafen, das gar nicht so teuer und snobistisch ist, wie wir gedacht haben. Für den letzten Abend ist es okay dort, zumal wir im Wetherspoon im Flughafen zu Abend essen und zum Frühstück nur ein paar Sandwichs einplanen.

Alles in allem war dies mal wieder ein angenehmer Wanderurlaub, vor allem, was das Wetter und die Landschaft betrifft. Getrübt wurde er allerdings von Carlas Fußproblemen und von den vielen Kilometern auf Asphalt oder Schotter.

Tag 93: Aberfeldy nach Pitlochry

Heute bricht die letzte Etappe des RRW an. Dies ist jedoch nicht der letzte Wandertag für uns, da wir morgen noch von Pitlochry nach Blair Atholl laufen.

Carla kommt heute wieder nicht mit uns, sondern fährt mit dem Bus nach Pitlochry. Also haben Friedel und ich erneut einen Wandertag für uns allein, der uns eigentlich wieder viel zu kurz ist. Wenn wir den Weg noch einmal laufen würden, würden wir die Etappen länger anlegen und vielleicht die Alternativrouten mit einbeziehen.

Also traben wir am Morgen los und laufen erst mal zwei unschöne Kilometer direkt an einer Bundesstraße aus dem Ort heraus. Highlight ist hier die Dewar’s Destillery, an deren imposantem Gebäude wir vorbei kommen. Danach folgt der RRW einem Pfad immer parallel zum River Tay: Hübsch!

Nach weitern zwei Kilometer trifft der Weg auf ein altes Bahngleis. So viele Bahntracks sind wir in noch keinem Urlaub gelaufen. Bei dieser Art von Wegen gibt es zwei Varianten: Eine mit Aussicht auf die umliegende Landschaft – gern auch von hohen Viadukten aus – oder die tief eingeschnittene Form. Leider handelt es sich bei diesem Wegabschnitt von Aberfeldy nach Grantully um die letztere. Man sieht wenig bis gar nichts von der Landschaft. Wir treffen jedoch einen Rentner mit Hund, der uns rät, den RRW zu verlassen und lieber einen Schleichweg am Rand des River Tays zu nehmen. Dieser ist auf unserer Karte gar nicht eingezeichnet, aber existiert trotzdem, vermutlich von dem Hundehalter und seinen Freunden selbst kreiert. Wir nehmen den Tipp gern an und gehen in der Tat einen wunderschönen Weg am Tay entlang, der rauf und runter geht und vermutlich auch einen kleinen Umweg bedeutet, aber was soll’s?

Nach einer schönen Rast an einem Bootsanleger kommen wir nach Grantully, wo wir hoffen, einen Kaffee zu bekommen. Fehlanzeige, denn das „Inn on the Tay“ ist geschlossen.

Also erklimmen wir die Hügel, die uns noch von Pitlochry trennen. Auf einem sehr schönen Weg steigen wir am Rand des Tullypowrie Burn fast 300 Meter nach oben. Uns umgibt eine typische Moor-Landschaft, aber mit vielen üppig blühenden Ginsterbüschen. Der Mai ist eine wirklich schöne Wanderzeit: Ginster, Lämmer und Bluebells allerorten!

An der 350-Meter-Grenze treffen wir auf einen Wald. Inmitten des Waldes ist ein Steinkreis in unserer Karte eingezeichnet, und hätten wir es nicht gewusst, wir hätten ihn nicht gefunden. Drei aufrecht stehende Steine sind noch übrig .. mit viel Phantasie lässt sich also ein Kreis erkennen. Der umgebende Wald ist aber wirklich hübsch: Nadelwald mit lindgrünem Grasteppich.

Als wir aus dem Wald heraustreten, ragen die Berge des Cairngorms über das Tal des River Rummel – das sind Berge, aber hallo!

Der Weg nach Pitlochry hinein führt uns über eine Brücke über den Tummel. Von Weitem kann man hier das große Wasserkraftwerk sehen. Ein Abendspaziergang wird uns noch dorthin führen, und zurück durch Port-na-Craig, das alte Fischerviertel am Tummel.

Aber jetzt geht es erst mal hinein in das Gewimmel von Pitlochry. Der Ort erinnert an eine Western-Stadt: Entlang einer langen Straße reihen sich Hotels, Geschäfte und Restaurants auf. Es ist extrem viel Volk unterwegs und ganze Busladungen davon werden auf der Straße ausgespuckt. Oje, hier sollen wir zwei Tage bleiben?

Wir haben uns für zwei Tage in einem Cottage eingemietet, das zum McKay’s Hotel gehört. Wir treffen Carla schon auf der wuseligen Main Street. Und gut, dass wir sie getroffen haben, denn wir haben nur einen Schlüssel für das Häuschen und so können wir nur gemeinsam hinein. Carla hat sich schon das kleinere der zwei Schlafzimmer im ersten Stock eingerichtet. Wir nehmen das andere. Außer dem zwei Schlafzimmern gibt es noch ein Bad, ein ebenerdiges Wohnzimmer und eine Küche mit Seitentür. Das Haus ist groß, aber hat schon länger keine Renovierung gesehen, vor allem in Bezug auf die Möbel und das Dekor. Außerdem herrscht eine Bullenhitze im Häuschen: Die Heizung lässt sich nicht regulieren. In der Küche gibt es nicht mal Spülmittel oder ein Küchenhandtuch. Dementsprechend schmutzig ist das Besteck und die Tassen und Gläser, weil jeder die Sachen wohl nur kurz abspült. Grrr!

Tag 9: Port Isaac nach Tintagel

Heute ist unser letzter Tag in diesem Urlaub. Sehr schade, denn wir haben uns gerade erst richtig eingelaufen! Friedel hat jedoch am Wochenende ein Seminar in Ulm, das er auf keinen Fall verpassen möchte – Deshalb geht es schon morgen Abend zurück nach Deutschland.

An diesem Tag erwartet uns ein weiteres Highlight unserer Wanderung: Unser Ziel für heute ist Tintagel Castle, angeblich König Arthurs Geburtsort. König Arthur selbst interessiert uns jetzt nicht so, denn es gibt hier inflationär viele Orte, die mit ihm verbunden werden. Aber wir haben schon einige Fotos von der atemberaubenden Lage des Castles gesehen, also sind wir sehr gespannt!

Der Morgen beginnt mit einem bedeckten Himmel und es wird im Verlauf des Vormittags einige Male regnen. Hinter Port Gaverne erwartet uns wieder das offene Meer und Klippen, Klippen Klippen. Unser Reiseführer hatte uns auch schon vorgewarnt, dass es heute anstrengend wird. Uns erwarten einige steile Auf- und Abstiege – und so ist es auch. Wenn wir oben sind, schauen wir hundert Meter tief herunter. An einigen Stellen sind die Wiesenzäune so dicht an die Klippen gebaut, dass nur ein schmaler Fußweg bleibt. Wie gut, dass wir relativ schwindelfrei sind!

Jedoch geht es immer wieder tief in die Täler hinunter. In den Weg sind Stufen hineingebaut, die am Ende jeweils mit Brettern begrenzt sind. Da es gerade geregnet hat, steht vor fast jedem dieser Bretter eine Pfütze, in die man besonders bei den Absteigen voll hinein patscht. Also rentieren sich heute endlich mal unsere Gamaschen, die wir die ganze Zeit nutzlos im Rucksack herumgetragen haben!

Trotzdem gefällt uns der Weg heute wieder außerordentlich gut, zumal die Täler meistens pittoresk mit Farnen bewachsen sind. Immer wieder treffen wir dort neugierige Kühe, die sich nur ungern vom Weg verscheuchen lassen. Da wir nicht ganz sicher sind, ob die Viecher aggressiv sind, müssen wir uns immer wieder gedulden, bis sie freundlicherweise den Weg frei machen.

Ab Mittag wird das Wetter wieder sonnig. Außerdem kommt ein ordentlicher Wind auf, der die Wellen hochschlagen lässt. Friedel macht Millionen Gischt- Schaum- und Wellenfotos, die mit den vielen Felsen am Strand auch besonders gut wirken.

Schon ab ein Uhr können wir unser Endziel sehen: Die Kirche St Materiana, die auf einem Hügel bei Tintagel steht. Vorher geht es zwar noch einige Male auf und ab, aber es sind ja heute nur 16 Kilometer – da können wir ganz gemütlich weiterschlendern und uns schön viel Zeit nehmen, die Klippen und die Wellen zu bewundern.

In Trebarwith Strand kommen wir zwar zu einem Kaffee, aber uns überkommt auch so etwas wie ein kleiner Kulturschock: Der Ort scheint sehr beliebt zu sein – Nachdem wir den ganzen Tag wirklich niemanden getroffen haben, schocken uns nun die Massen an Rentnern, die auf der Terrasse des Port William sitzen. Die sind natürlich mit dem Auto und nicht zu Fuß gekommen. Der Gasthof liegt aber wirklich schön in einer schmalen Bucht und bietet einen ordentlichen Blick auf die Wellen, die nun bei Flut ganz besonders hoch an die Felsen spritzen. Vom Strand sehen wir so allerdings nichts.

Der Abschnitt von Trebarwith Strand nach Tintagel ist von Schiefer geprägt: Früher wurde dieser auf diesem Wegstück abgebaut, und davon zeugen noch einige Steinbrüche an den Klippen und die vielen Mauern und „Stiles“ aus geschichteten Schieferplatten – dies erinnert uns sehr an den Lake District oder Wales.

Kurz vor Tintagel verlassen wir den SWCP, um uns die St Materiana Kirche anzuschauen. Die Kirche stammt aus dem späten elften Jahrhundert und beeindruckt nicht nur durch seine exponierte Lage und den trutzigen Turm, sondern auch durch den großen Friedhof mit vielen alten Grabsteinen. Auch von Innen ist die Kirche sehr beeindruckend. Da es erst 15 Uhr ist, können wir uns viel Zeit für die Kirche lassen.

Trotzdem wollen wir nicht zu spät zum Tintagel Castle kommen, denn wie wir ja bereits wissen, schließen viele Sehenswürdigkeiten in England bereits um 17 Uhr. So sind wir gegen 16 Uhr dort – und erfreulicherweise ist das Kassenhäuschen schon geschlossen, aber die Burg noch geöffnet! Auf wieder ein Vorteil der Nachsaison?

Von der Burg selbst ist nicht wirklich viel erhalten. Ein Paar Mauerreste, das ist alles. Aber der Weg dorthin über in den Felsen gehauene Stiegen und eine schmale Holzbrücke über dem Abgrund ist schon sehr beeindruckend. Circa eine Stunde klettern wir auf dem großen Felsen herum, dann ruft uns die Aussicht auf ein Ale in der Abendsonne. Hoffentlich hat unsere Unterkunft einen Biergarten?

Hat sie! Um zum Tintagel Arms Hotel zu gelangen, müssen wir jedoch erst das ganze Straßendorf durchlaufen. Der Ort ist ziemlich lang gestreckt und unser Hotel liegt am anderen Ende des Ortes. Allerdings haben wir so den ganzen Ort schon gesehen und brauchen abends nicht noch einmal extra los. Außer dem alten Postoffice finden wir aber aber auch nichts wirklich Schönes am Ort. Wir freuen uns über ein Ale im improvisierten kleinen Biergarten hinter dem Haus, der auch tatsächlich noch Sonne hat.

Am Abend essen wir im Hotel – und sind die einzigen Gäste! Es wird uns ein wenig bange, denn sowas ist ja meistens kein gutes Zeichen. Das Essen ist jedoch sehr gut und im Speisesaal im Ritterstil läuft guter Jazz – Was will man mehr an seinem letzten Abend?

Es tut uns allerdings ein wenig leid für den Wirt des Hotels, dass so wenig los ist. Hier scheint es eine große Konkurrenz an anderen Hotels zu geben, das Hotel liegt am weitesten entfernt vom Castle und in der Nachsaison scheint es nicht mehr viele Gäste zu geben. Wir nehmen uns vor, hier wieder zu logieren, wenn wir den nächsten Abschnitt des SWCP laufen: Von Tintagel über Minehead nach Washford, den Beginn unsere Somerset-Tour.

Am nächsten Morgen reisen wir voller Bedauern ab. Der Wirt hat uns am Abend noch freundlicherweise ein Taxi bestellt, das uns zur Bahnstation Bodmin Parkway fährt – die Busfahrt mit drei Umstiegen würde sonst einfach zu lange dauern. Von dort aus sind wir fast den ganzen Tag bis nach London unterwegs. Das ist jedoch kein Problem, denn unser Flieger in Heathrow geht erst um 19:00 Uhr – Das haben wir locker geschafft.

Tag 8: Padstow nach Port Isaac

Nach dem (zugegeben guten) Frühstück ist unser erster Akt heute, die Fähre über das Camel Estuary nach Rock zu finden – was gar nicht so einfach ist, denn es gibt verschiedene Abfahrtsstellen, je nachdem ob Ebbe, Flut, „Halbflut“ oder extremes Niedrigwasser herrscht. Wir fragen uns jedoch erfolgreich durch und landen bereits um 9:30 Uhr auf der anderen Seite in Rock. Es erwarten uns: Ein endloser, breiter Sandstrand und ein dunkler Himmel, der jedoch immer wieder von der Sonne durchbrochen wird. Tolles Fotowetter.

Der Weg von Rock nach Polzeath ist wieder mal Küstenlinie at its best: Sauberster Sandstrand, Dünen, Wellen, und wenn man sich mal ein wenig vom Strand entfernt, eine hübsche Dünenlandschaft mit blühenden Ginsterbüschen, Ilex und Heide: Das lieben wir, ganz im Gegensatz zu den langweiligen Wiesen von gestern!

Was wir auch lieben, ist das Surfercafé in Polzeath, in das wir bereits um elf Uhr einkehren: Extra für uns öffnen sie die Tür! Vermutlich sind wir bei dem Wetter heute die einzigen Gäste.

In der Tat wehen uns auf der Terrasse fast die Mützen vom Kopf. Viel Wind bedeutet aber auch, dass es ordentliche Wellen gibt. Rauhes Nachsaisonklima, das uns aber durchaus gefällt! Außer uns gibt es nur ein paar Surfer-Bullis am Strand. Wanderer haben wir schon seit gestern nicht mehr gesehen.

Da wir nur gemütliche 19 Kilometer vor uns haben, folgen wir dem SWCP heute regelgerecht und machen den Schlenker über Pentire Point und Rumps Point. Tatsächlich werden wir mit Sonne und einer schön zerklüfteten Küstenlandschaft belohnt.

Der Weg bleibt wunderschön, bis wir Fort Quin erreichen. Dies ist ein hübscher kleiner Fischerort mit dazugehörigem kleinen Kastell – ach was, es ist nicht mehr als eine Ansammlung von Häusern. Ein Café gibt es nicht, aber unverhofft wird der Nachmittag noch einmal windstill, sonnig und warm. So setzen wir uns einfach auf ein paar Steine oberhalb der Bucht und genießen den „Altweibersommer“ und den Blick auf die Bucht.

Den Rest des Tages bummeln wir gemütlich bis nach Port Isaac. Zwar geht es am Nachmittag noch einige Male ordentlich rauf und runter, aber wir lassen uns Zeit und genießen die Sonne und den preiswürdigen Wegabschnitt. Hinter jedem Anstieg erwartet uns ein neuer toller Blick nach unten, in jedem Tal eine neue steinige Bucht mit tiefblauem Wasser. Die Hänge sind mit Ginster, Heidekraut oder Farnen bewachsen, so wie wir es besonders mögen.

Kurz vor Port Isaac schlängelt sich der Weg hoch über dem Meer in einer terrassenartigen Landschaft – aber dann geht es noch mal hundert Stufen nach unten – und wieder hundert Stufen auch oben – Port Isaac ist schon im Blick. Und nochmal um eine Bucht herum – nach unten – wieder hinauf – und noch eine Bucht. Es ist anstrengend, aber wunderschön.

Nachdem wir Port Isaac erreicht haben, sind wir uns einig, dass dies heute neben der Strecke von Pendeen nach St Ives der schönste Tag war. Zwar gab es keine besonderen „Sehenswürdigkeiten“, aber die Landschaft war so, wie man sich Cornwall vorstellt. Und das gute Wetter hat natürlich auch noch seinen Teil dazu beigetragen.

Port Isaac ist ein ausgesprochen hübsches Fischerdorf und gibt vor, noch wirklich zu fischen. Wir wohnen direkt am Hafen im Slipway Hotel. Das Hotel hat schon bessere Tage gesehen, aber der Schuppen hat Lokalkolorit und wir hegen die Hoffnung, am Abend auf der Terrasse mit Blick auf den Hafen sitzen zu können.

Vor dem Abendessen sind wir noch so fit, dass wir den ganzen Ort samt aller kleiner Gässchen rauf und runter erkunden und sogar noch mal den Weg zurückgehen, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu sehen. Es lohnt sich!

Das hat unseren Appetit ordentlich angeregt und wir sind glücklich und dankbar, dass es tatsächlich am Abend noch warm und trocken ist, so dass wir den Abend draußen an der frischen – zugegeben etwas fischigen – Luft genießen können. Das war ein perfekter Tag heute!

Tag 7: Mawgan Port nach Padstow

In der Nacht hat es ordentlich geregnet und gestürmt. Der Blick am Morgen aus dem Fenster zeigt uns noch immer hohe Wellen und einen dunklen Himmel. Als wir nach dem opulenten Frühstück losziehen, lässt sich jedoch sogar die Sonne blicken. Das T-Shirt-Wetter ist nun wirklich vorbei, aber wir hoffen auf eine relativ trockenen Tag. Das würde uns doch schon reichen!

Leider regnet es dann doch den ganzen Vormittag immer wieder. Wir passieren eine Menge pittoresker Sandbuchten, teilweise mit Höhlen und kleinen Wasserfällen. Gegen zehn Uhr erreichen wir die berühmten Bedruthian Steps: Ein Reihe von imposanten Felsen im Wasser, die wie angelegt wirken, weil sie in einem ziemlich regelmäßigen Abstand zueinander liegen – gerade so, als habe der Riese Bedruthian sie ins Wasser geworfen, um von Fels zu Fels zu hüpfen. Eine ganze Reihe von Stufen führen hinunter zum Strand. Wir bleiben jedoch oben, denn von hier aus sind die Felsen am besten zu sehen und zu fotografieren. Hätte es unten ein Café, dann wären wir vielleicht nach unten gestiegen: Aber bei dem Regen sehen wir lieber zu, dass wir weiter kommen.

Auf dem weiteren Weg ist das typische Szenario zu sehen: Links die Steilküste mit Blick auf’s Meer, rechts langweilige flache Wiesen mit Kühen oder Schafen. Da freut man sich und freut sich auch nicht, wenn es mal wieder in ein Tal runtergeht: Es geht zwar bergab und wieder bergauf, aber geradeaus gibt es schon mehr zu sehen: Ein hübscher Bachlauf, eine Steilwand, ein Wasserfall, ein Stück Strand ..

In Porthcothan hoffen wir auf ein Café, finden aber leider keins. Also laufen wir weiter und spekulieren auf ein trockenes Plätzchen für eine Mittagspause. Tatsächlich hat die Jugendherberge in Trayarnon Beach ein kleines Café .. und geöffnet!

Wir setzen uns bei strömendem Regen unter ein Tarp im Hof und genießen unsere Kaffees und Flapjacks im Trockenen, aber draußen an der frischen Seeluft. So mögen wir’s!

Relativ zügig geht es weiter um Trevose Head und seinen Leuchtturm herum nach Harlyn, wo im dortigen Pub der nächste Kaffee wartet. Was geht es uns gut heute! Und mittlerweile hat es sogar zu regnen aufgehört.

Trevone ist uns nicht sonderlich sympathisch, wenn es auch einen netten Stand und eine berühmte Rettungsstation mit Bootsrutsche hat. Besonders am Ort ist nur, dass wir hier kurz den SWCP verlassen, um eine Abkürzung zu nehmen. Wir schlagen uns landeinwärts nach Padstow, anstatt den fünf Kilometer weiteren offiziellen Weg über Stepper Point zu nehmen. Puristen würden aufschreien, aber wir laufen schließlich nicht ausschließlich den Küstenweg, sondern sind auf dem Weg nach Schottland und müssen unsere Kräfte schonen. Da sei uns die eine oder andere Abkürzung verziehen :-).

Außerdem haben wir so auch noch die Zeit, uns in Ruhe Padstow anzusehen. Immerhin führt uns unsere Abkürzung zunächst an Prideaux Place vorbei. Der Palazzo ist Schauplatz zahlreicher Rosamunde-Pilcher-Filme. Der große Busparkplatz schreckt uns jedoch ab und es reicht uns, einen Blick durch die protzige Pforte zu werfen.

Padstow selbst gefällt uns sehr gut: Im Gegensatz zu St Ives hat man das Gefühl, dass es sich um einen „richtigen“ Ort handelt, in dem Menschen wirklich leben und arbeiten. Der Hafen ist hübsch, es gibt auch normale Geschäfte und es scheint noch andere Menschen außer Touristen zu geben. Jedoch kann dieser Eindruck auch dadurch entstehen, dass heute Dienstag ist und nicht Samstag, wie in St Ives erlebt.

Trotz überschäumender Kritiken für unser B&B in Padstow hält sich unsere Begeisterung für die Unterkunft in Grenzen: Der Weg dorthin ist steil, das Zimmer ist klein und die Wirtin versprüht ihren Charme wohl nur für ihre Landsleute. Uns hingegen fertigt sie relativ kühl ab. Leider regnet es am Abend wieder in Strömen und natürlich müssen wir das B&B verlassen, um an ein Abendessen zu kommen. Also patschen wir die Straße hinunter in den nächsten Pub, in dem es dann nur Fish and Chips gibt. Egal, einmal im Urlaub muss das auf jeden Fall sein. Und der Fisch war gut!

Ein Vorteil von B&Bs ist hingegen, dass sie oft ruhig sind, im Gegensatz zu Gasthöfen. Also schlafen wir wenigstens gut.

Tag 6: Perranporth nach Mawgan Porth

Die langen 26 Kilometer heute sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens wollte Steffi nicht in Newquay übernachten, weil sie davon nur Schlechtes gehört hat. Zweitens war es möglich, dass es keine Fähre über das Gannel Estuary geben würde: Beides bewahrheitete sich!

Wieder beginnt unser Tag damit, dass wir in nassem Sand einsinken. Zunächst gilt es, das Ende des Strandes zu erreichen, eine Klippe mit dem Namen Crotty Point. Wir hatten gehofft, bei Ebbe die Klippe zu umwandern, doch das Wasser steht hoch: So steigen wir Crotty Point hoch, wieder herunter und was erwartet uns? Drei Kilometer erneutes Stapfen durch nassen Sand! Doch das stört uns nicht wirklich: Der Tag ist jung und es regnet nur ein bisschen!

Glücklicherweise legt sich der Regen im Verlauf des Vormittags. Im Nachhinein lässt sich bei uns immer gut rekonstruieren, wann es geregnet hat – es gibt dann nur wenige Fotos!

Was ich von diesem Vormittag jedoch noch weiß: Der Weg führt uns größtenteils hoch an Klippen entlang, immer wieder gibt es tiefe Einblicke auf unzugängliche Sandstrände. Die Wellen schäumen heute ordentlich, die Gischt spritzt dramatisch gegen die Felsen – da kann sich der Friedel dann doch nicht verkneifen, die Kamera einige Male auszupacken, trotz Regen.

Als wir das Gannel Estuary erreichen (breite Flussmündung des River Gannel), hat es aufgehört zu regen. Nun wird es spannend: Gibt es in der Nachsaison noch eine Fähre, die uns auf das andere Ufer nach Newquay bringt, oder müssen wir bis zur Holzbrücke laufen?

Nun, eine Fähre gibt es keine mehr. Das finden wir jedoch nicht weiter schlimm, denn 1,5 Kilometer weiter gibt es die Brücke über den Fluss, das ist dann ja nur ein kleiner Umweg, oder?

Ähmm  .. welche Brücke? Wir haben sie ernsthaft gesucht, aber einfach nicht gefunden!

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ästuar zu Fuß zu umrunden, was einen zusätzlichen Weg von fünf Kilometer ausmacht. So kommt es zu den heutigen 26 Kilometern.

Der Weg entlang des Flusses gefällt uns auf jeden Fall: Auf der anderen Seite schaut man auf tropisch angehauchte Terrassengärten, denn die geschützte Bucht erlaubt Palmen, Ziergräsern und Agaven ein üppiges Wachstum. Später weitet sich das Tal und der Fluss mäandert durch eine breite Wattlandschaft mit vielen Seevögeln – außerdem machen wir gut Strecke, weil es kaum Höhenmeter zu überwinden gibt. Und was uns besonders antreibt, ist die Aussicht auf .. einen Kaffee!

In Newquay erwartet uns –  die Hässlichkeit! Ich hatte also ganz recht damit, diesen Ort  zu meiden und uns lieber ein ruhigeres Plätzchen zum Übernachten zu suchen.

Ich habe mich schon bei früheren Urlauben gefragt, warum es manche englische Seebäder schaffen, sich so derartig zu verunstalten. Newquay ist da ein schönes Beispiel. Das triste Wetter tut noch ein Übriges dazu, aber immerhin finden wir auf der Cliff Road zwischen allerlei Wettbüros und Ramschläden einen Wetherspoon-Pub, der ordentliche Hamburger und einen guten Kaffee im Programm hat. England-Tipp: Wenn man nicht lange fackeln will, sollte man nach eine Wetherspoon Ausschau halten!

Anschließend versuchen wir, möglichst schnell zurück zum Meer zu kommen: Durch verstopfte Straßen, über Parkplätze, an hässlichen Pizza-Express und Fish-and-Chips-Buden vorbei, durch eine dunkle Unterführung (sic!) zurück zum SWCP. Der führt uns zwar entlang einer großen Ausfallstraße aus dem Ort hinaus, aber immerhin hinaus! Endlich lassen wir die letzte hässliche Riesen-Hotelanlage hinter uns und .. die letzte Häuser .. und ein langweiliger Park … und wieder die Straße voller rasender Autos, Busse, LKW und hinunter in ein Tal, aus dem Tal heraus … und … das Meer! Die Weite! Wir fallen uns in die Arme. Der SWCP hat uns wieder! Die vier allerhässlichsten Kilometer des ganzen Urlaubs liegen hinter uns!

Auf dem Weg nach Mawgan Porth und zum Merrymoor Inn fängt es wieder zu regnen an, aber was soll’s? Wir wandern wieder durch wunderschöne Klifflandschaft, unterbrochen von sandigen und felsigen Buchten. Was soll man da meckern? Auch Friedel ist so glücklich, dass er trotz Regen zahlreiche Fotos macht. Erst eine Krise lässt einen wieder schätzen, was man am SWCP so hat!

Bei Tregurrian gibt es noch mal einen Flecken mit einer hässlichen Hotel- und Appartmentanlage und riesigem Parkplatz: Wie kann man da nur Urlaub machen, wenn es rundherum so schöne, lauschige Gasthöfe gibt, wie z.B. das Merrymoor Inn?

Sechs Kilometer nach Newquay erreichen wir es endlich. Wir sind schon etwas müde, aber haben die 26 Kilometer gut überstanden. Gut zu wissen, das so ein langer Tag auch mal geht.

Das Merrymoor Inn is ein echtes Kleinod. Es liegt geschützt in der Bucht direkt am Hafen. Der Wirt gibt uns netterweise ein kostenloses Upgrade auf ein Zimmer mit Meerblick – Nachsaison! Die große Terrasse mit Blick auf das Meer muss im Sommer sehr schön sein, jetzt jedoch sind wir froh, dass wir im Warmen sitzen können. Beim Rauchen kommen wir mit einem Camper-Pärchen aus Sunderland ins Gespräch – der Mann ist kaum zu verstehen. Ein Vorgeschmack auf die Dialekte Nordenglands – werden wir uns dort wohl verständigen können? 🙂

Es dauert jedoch nicht lange, und wir verziehen uns auf unser großes und schönes Zimmer. Alt werden wir heute nicht!

Tag 5: Portreath nach Perranporth

Am Morgen hat uns Andrea ein fürstliches Frühstück zubereitet: Außergewöhnlich gut! Gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Frühstückskonversation, die uns erwartet: Andrea nimmt lebhaft Anteil an Deutschlands Flüchtlingsproblematik und hält mit ihrem – nun ja, nennen wir es konservativem – Gedankengut nicht hinter’m Berg. Das wird uns bei unserer Englandtour noch mehrmals begegnen: Total nette und herzliche Leute, die allerdings sehr negativ gegenüber „Fremden“ eingestellt sind und von ihrer eigenen Regierung verlangen, dass diese sich doch erst mal um die „eigenen Leute“ kümmern sollte – ein Vorgeschmack auf den Brexit. Gott sei Dank zählen wir wohl nicht zu den „Fremden“? 🙂

Nach einer lebhaften Zwei-Stunden-Diskussion machen wir uns endlich auf den (verspäteten) Weg. Gern wären wir noch länger in Andreas schönem Dachgeschoss geblieben, aber hätten wir so eine Diskussion jeden Morgen ausgehalten?

Der Vormittag heute zeigt sich bedeckt und kühl, aber immerhin regnet es nicht. Wir wandern erneut durch eine Minenlandschaft, wieder durch eine Unesco-Weltkulturerbestätte. Die Wheal Coates Minen sind besonders pittoresk: Friedel kann gar nicht aufhören zu fotografieren. Allerdings kann ich ihn mit der Aussicht auf einen Kaffee vorantreiben, denn heute haben wir endlich mal einen Zwischenstopp mit Einkehrmöglichkeit: Das kleine Hafendorf Porthowan.

Der Ort liegt hübsch in die Bucht geschmiegt, mit einem ordentlichen Sandstrand. Obwohl heute Sonntag ist, hält sich die Besucherzahl des Cafés am Strand in Grenzen: Der Charme der Nachsaison, der uns ab jetzt begleiten wird. Der Kaffee war gut!

Eigentlich laufen wir heute den ganzen Tag durch ehemaliges Minengebiet. Es gibt viel zu sehen: Steinhügel in den unterschiedlichsten Farben, scharfe Abbruchkanten, kraterähnliche Wasserlöcher, alte Schienen und Schächte, ein endloser Abenteuerspielplatz – hätten wir mehr Zeit, könnte man hier unendlich fotografieren. Hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken.

Das kühle Wetter heute stört uns nicht wirklich. Ein Tag ohne groß zu schwitzen ist doch auch mal nicht schlecht, zumal es auch heute wieder ordentlich auf und ab geht. Außerdem passt das Wetter zu der rauhen Küstenlandschaft.

Schon kilometerweit vor unserem heutigen Etappenziel Parranporth sehen wir nicht nur den Ort, sondern auch den dazugehörigen riesigen Sandstrand. Aber vorher gilt es noch einige Abraumhalden zu umrunden, einige Abbruchkanten zu umtänzeln und einige eingeschnittene Schotterwege zu durcheilen.

Relativ früh kommen wir im Seiner’s Arms an. Das kühle Wetter hat dazu geführt, dass wir einen Schritt schneller gegangen sind.

Das Seiner’s Arms liegt direkt am Strand und wir haben einen direkten Blick auf den weiten Strand. Wir sehen: Windgepeitschte Palmen auf der Terrasse unseres Hotels, im Hintergrund eine verlassene Strandbar und ein paar wenige Menschen, die in Parka eingemummelt dem Wind trotzen. Unglaublich, dass es gestern noch so warm war!

Es gibt jedoch auch welche, für die beginnt sie Saison jetzt erst richtig: Die Surfer!

Tag 4: Hayle nach Portreath

Die beiden Engländer kommen aus Carlisle und heißen Carl und Lisa (natürlich heissen sie nicht so;)). Das erfahren wir beim gemeinsamen Frühstück. Da wir zwei Pärchen die beiden Zimmer im B&B belegen, sind wir die einzigen Gäste beim Frühstück – und haben scheinbar auch noch den gleiche Rhythmus, weil wir zur gleichen Zeit beim Frühstück eintreffen. Von Tisch zu Tisch sind wir plötzlich im angeregten „Gear Talk“ (Gespräche über die Vor-und Nachteile gewisser Outdoor-Gegenstände) und den SWCP: Die beiden laufen ihn jedes Jahr im Herbst, eine Woche lang, abschnittsweise. Leider ist heute ihr letzter Tag: Sie reisen heute morgen zurück nach Carlisle. So ist also unsere gemeinsame Zeit zu Ende, bevor sie angefangen hat. But this is the beginning of a beautiful friendship .. 🙂 Am Bahnhof von St Ives trennen wir uns schließlich, mit einem gewissen Bedauern auf beiden Seiten.

Friedel und ich werden im Winter nach Weihnachten noch einen Urlaub im Lake District (Ennerdale Bridge) einschieben, in dem wir uns mit den beiden verabreden. Aufgrund des Hochwassers im Dezember 2015/16 wird das Treffen jedoch vereitelt. Trotzdem werden wir vier von nun an in regem E-Mail-Verkehr stehen und uns über alle unseren weiteren Outdoor-Abenteuer austauschen.

Wie Carl schon so passend beim Frühstück erklärte: „You are no purists!“. Das war die Reaktion der beiden darauf, dass wir die langweiligen neun Kilometer von St. Ives nach Hayle skippen und erst in Hayle wieder in den SWCP einsteigen. Da wir wenig Zeit haben, wollte ich die Strecke bis Portreath (19 km) heute auf jeden Fall schaffen: Die neun langweiligen Kilometer entlang der Bahnstrecke nach Hayle dazu wären definitiv zu viel gewesen. Im Nachhinein ärgert es mich allerdings, das wir sie nicht gelaufen sind. Vielleicht holen wir sie später mal nach?

Die ersten Kilometer von Hayle geht es durch ein langweiliges Industriegebiet bis zum Meer. Aber dort werden wir dann mit einem weeeeeiten Sandstrand belohnt. Und die Sonne lacht! Und wie ist das Meer so türkisblau! Nachdem wir fertig gestaunt haben, haben wir die Wahl: Schlagen wir uns über den offiziellen und sandigen Weg durch die Dünen oder wandern wir bei Ebbe am Strand entlang? Wir probieren beides und beides ist gleich anstrengend: Knöcheltief durch trockenen oder knöcheltief durch nassen Sand – Aber wir wollen ja mal nicht meckern: Wir haben heute gemäßigte 19 Kilometer vor uns, es ist noch früh und das Wetter ist bombig.

Ab dem Godrevy Point wird es wieder felsig – und eine Auf und Ab Talfahrt beginnt. Unglaublich, denn auf der Karte sieht es nach NULL-Höhenmeter aus! Der Pfad geht immer an den Klippen entlang und nach unten gibt es atemberaubende Aussichten. In einer der Buchten unter uns entdecken wir sogar Robben!

Bis nach Portreath laufen wir durch eine bergige, aber auch wunderschöne Landschaft: Tiefe Täler, Wasserfälle, tolle Klifflandschaften – Schade aber, dass sich das Wetter im Verlauf des Nachmittags arg abkühlt. Regen gibt es noch keinen, aber wie wir in den nächsten Tagen sehen werden, nimmt der Herbst nun auch in dieser sonnenverwöhnten Gegend Einzug.

In Portreath laufen wir erst mal durch den ganzen langgestreckten Ort, um fernab der Küste an Andrea’s B&B zu klingeln – wieder ein B&B, denn in Portreath gibt es nichts anderes – aber das „Portreath B&B“ entpuppt sich als wahres Kleinod: Andrea vermietet nur ein Zimmer, aber was für eins! Wir haben ein riesiges Wohn/Schlafzimmer unter dem Dach, mit geräumigem Bad und eigenem Balkon. Die Landlady ist herb, aber herzlich und empfiehlt uns das „Basset Arms“ für das Abendessen – was dann auch eine gute Wahl ist. Erstmals sind wir die einzigen, die abends noch auf der Terrasse sitzen: Alle anderen hat es bereits nach drinnen getrieben: Wir halten aus!

Tag 30: Severn Beach nach Tintern

Am Morgen verlassen wir ohne Frühstück das Hotel in Bristol und frühstücken im Bahnhof Temple Meads. Wir haben die heutige Tour so geplant, dass wir uns den langen Weg durch Bristol sparen und mit dem Zug bis Severn Beach fahren. Zwar hätten wir auch den Severn Way am River Avon entlang laufen können, doch erschien uns der Weg nicht besonders attraktiv. 22 Kilometer entlang hässlicher Industriebauten und Schnellstraßen, eine ganze Tagestour, dafür ist uns unser kostbarer Urlaub zu schade. Sollte jemand den Weg von Bristol City nach Severn Beach komplett laufen wollen: In Severn Beach könnte man nach der Tagestour einen Zug zurück nach Bristol nehmen und am nächsten Morgen von Severn Beach aus die nächste Tagestour starten. Zum Zeitpunkt unserer Tour gab es dort keine Übernachtungsmöglichkeit.

Wir fahren in Bristol Temple Meads um Viertel nach neun los. Gern wären wir schon früher gestartet, aber der Zug fährt nur alle zwei Stunden. Obwohl es zu Fuß nur 22 Kilometer wären, dauert die Fahrt planmäßig fast 40 Minuten.

Severn Beach ist ein reizloses Schlafdorf im Einzugsbereich von Bristol. Unsere Hoffnung auf einen Kaffee zerschlägt sich, denn Shirley’s Café hat nicht geöffnet. Leider fängt es auch an zu regnen und es wird den ganzen Tag nicht mehr aufhören …

Zunächst laufen wir durch den Ort zum „Strand“, in diesem Fall zum Ufer des riesigen Severn Estuary. Unser Plan für heute ist, am Estuary entlang zu laufen, bis wir nach Aust und zum „Second Severn Crossing“ gelangen, einer großen Brücke über den Severn, die uns nach Wales bringen wird. Die Brücke in Wales liegt ganz in der Nähe von Chepstow, das der Beginn des Offa’s Dyke Path ist.

Letztes Jahr sind wir schon einen Teil des Offas’s gelaufen, allerdings sind wir erst in Monmouth gestartet. Heute und morgen wollen wir diese Lücke schließen: Heute bis Tintern und morgen von Tintern bis nach Monmouth.

Eigentlich regnet es schon stark, als wir am Strand ankommen. Wir legen eine kurze Pause unter der ersten Severn-Brücke ein, denn dies ist der einzige trockene Platz weit und breit.

Der Weg führt uns durch eine flache Marschlandschaft. Links liegt das Watt, rechts matschige Wiesen. Weil es so stark regnet, liegt die Landschaft grau in grau. Das Watt ist braungrau, die Wiesen erscheinen grüngrau. Hin und wieder treffen wir Kühe, sonst niemanden. So traben wir bis Aust circa sieben Kilometer vor uns hin, der Regen trommelt auf unsere Kapuzen. Vom Weg bleibt uns nicht viel in Erinnerung. Es mag sein, dass das Marschland bei Sonne ganz nett ist, uns jedoch erscheint es eintönig und grau.

Das ändert sich, als wir die Severn-Brücke erreichen. Auf der Brücke ist es extrem windig, noch dazu regnet es wie verrückt. Wie kämpfen uns (kichernd!) die vier Kilometer über die Brücke, die sich hoch über dem Wasser erhebt. Links ein Geländer und das graue Wasser unter uns, rechts donnern die LKW und Autos an uns vorbei und wirbeln dabei ganze Wolken von Sprühregen auf. Obwohl der Rad- und Fußweg ziemlich breit ist, werden wir des öfteren von oben bis unten vollgespritzt, wenn ein LKW kommt. Ich bitte Friedel, ein Foto von der skurrilen Situation zu machen, aber er traut sich nicht, die Kamera auszupacken.

Aber es ist trotz des Regens ein erhebendes Gefühl, von England nach Wales zu laufen, vor allem unter solch abenteuerlichen Bedingungen :-).

In Wales angekommen, legen wir eine kleine Pause unter einer Straßenbrücke ein. Wir leeren unsere Schuhe und wringen unsere Socken aus, denn trotz Goretex sind unsere Füße quappennass. F*** Goretex!

Zum Glück ist es aber jetzt im Juli relativ warm, so dass unsere Füße wenigstens nicht kalt sind. Das ist unser letzter Urlaub, in dem wir uns auf die Wasserdichtigkeit unserer Schuhe verlassen. Bei uns halten die Membrane maximal zwei Urlaube, also werden wir in Zukunft auf teure Wanderschuhe mit Goretex verzichten!

Nach der Brücke sind es noch mal etwa drei Kilometer durch die Suburbs, bis wir das Zentrum von Chepstow erreichen. Dort finden wir ein nettes marokkanisches Café („Arabesque“), wo wir zu Mittag essen und uns etwas trocknen können. Als wir wieder auf die Straße treten, ist es allerdings schon 15 Uhr. Deshalb lassen wir Chepstow Castle links liegen und schlagen uns über die Wye-Brücke auf den Offa’s Dyke Path.

Interessanterweise befinden wir uns nun wieder in England, denn der Fluß ist die Grenze. So werden wir den Nachmittag in England verbringen, aber wieder in Wales übernachten.

Nach Chepstow hört es mal für eine Stunde auf zu regnen, der Rest des Tages fällt jedoch wieder ins Wasser.

Der Weg führt am Nachmittag größtenteils durch Wald, fast sieben Kilometer, was sehr ungewöhnlich für England ist. Immer wieder treffen wir auf Teile des Offa’s Dyke, die aber im Wald nicht so gut zu erkennen sind. Da es die ganze Zeit regnet und es recht schwül ist, mutet der Wald fast tropisch an. Auf der Höhe von Tintern verlassen wir den Offa’s Dyke Path, um nach Tintern abzusteigen.

Der Pfad ist schlammig bis überflutet und Friedel rutscht am glitschigen Hang einmal lang aus und kann sich nur noch mit Mühe an einem Ast festhalten. Das kommentiert Steffi mit einem knappen „Danke für die Warnung!“ und zieht kichernd an Friedel vorbei. Er baumelt da hilflos mit einem Arm am Ast, den Abhang unter sich… dies ist einer der Momente, die uns noch lange in Erinnerung bleiben, und das „Danke für die Warnung!“ wird in der Zukunft zu einem geflügelten Wort :-).

Dementsprechend schlammig sehen wir aus, als wir am Fluss ankommen. Mittlerweile hängen die Regenwolken dicht über dem Fluss. Die verfallene Tintern Abbey liegt auf der anderen Flussseite im Nebel, ein wunderschönes Bild.

Wir haben uns für zwei Nächte im „Parwa Farmhouse“ einquartiert, einer schön altmodischen Pension mit acht Zimmern bei Peter und Angela. Peter nimmt uns in Empfang und zuckt nicht mit der Wimper, als wir durch die Tür schwimmen. Wie in jeder guten Pension gibt es Zeitungspapier für unsere Schuhe und einen Trockenraum, so dass wir schon bald unter der warmen Dusche stehen dürfen. Herrlich!

Das Parma Farmhouse ist ein Erlebnis: Angela kocht für alle Gäste und um sieben wird gegessen. Jedoch finden sich die Gäste schon vorher in der „Honesty Bar“ ein, in der sich jeder an zahlreichen Spirituosen frei bedienen kann und seinen Konsum auf freiwilliger Basis in eine Liste einträgt. Abgerechnet wird am Schluss.

So sitzen bzw. stehen also verschiedene Gäste (meist älteren Semesters) plaudernd in der Bar, bis ein Gong und der jeweilige Name der Gäste ertönt. Die genannte Partei darf dann in den Dining Room einziehen, in dem das vorher bestellte Menü kredenzt wird. Very British!

Da zurzeit eine redselige amerikanische Familie mit uns dort residiert, werden auch wir schnell in eine Gespräch gezogen und werden somit schnell Teil der Gästeschar.

Das Essen war natürlich vorzüglich!

Tag 31: Tintern nach Monmouth

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht erwachen wir in unserem Queensize-Bockspringbett – und die Sonne scheint! Nach dem wunderbaren Frühstück, das Peter uns serviert (in der Tat haben wir in den zwei Tagen im Farmhouse Angela immer nur von Weitem gesehen), besichtigen wir zunächst Tintern Abbey. Danach machen wir uns gemütlich auf den Weg nach Monmouth. Auf den Offa’s Dyke Path treffen wir erst wieder in Brockweir, also wandern wir heute morgen auf der rechten (walisischen) Seite des Wyes auf dem Wye Valley Walk.

Der Fluss und die nassen Wiesen glitzern im Morgenlicht, es dampft überall. Jede Menge Vogelvolk ist auf dem Fluss unterwegs. Wir genießen die Sonne und schlendern gemütlich am Flussufer entlang.

In Brockweir wechseln wir auf einer alten Steinbrücke auf die englische die Flussseite. Es ist einfach, an so einem Tag das Wye-Valley zu lieben. Was für einen Unterschied macht es, ob man im Regen läuft oder ob die Sonne scheint!

Bis zur Bigsweir Bridge bleiben wir auf der englischen Seite, immer am Fluss. Dort verlassen wir das Tal und wandern etwas oberhalb des Flusses durch den Wald. Kurz vor Monmouth treffen wir auf den Naval Temple. Der Sinn dieses Monuments erschließt sich uns nicht, vielleicht sind wir da zu deutsch? (Schlacht am Nil, 1798, hä?)

Auf jeden Fall ist der Blick auf Monmouth toll, und es gibt ich ein paar Bänke, so dass wir den Rest unseres Thermoskannen-Tees austrinken können.

Nach Monmouth laufen wir über die Brücke, die wir schon vom Abend unserer Offa’s-Dyke-Start-Tour kennen. Es ist ca. 16 Uhr, eine typische Ankunftszeit für einen Tag wie diesen. Jedoch bleiben wir dieses Mal nicht im Coach House, sondern fahren mit dem Bus zurück nach Tintern. Hier erklärt uns am frühen Abend Peter, dass Angela heute nicht kochen kann, weil sie unter Rückenschmerzen leidet. So verbringen wir den letzten Abend unserer diesmaligen Tour im „Rose and Crown“, im Pub die Straße hinunter. Wir sitzen auf der provisorischen Terrasse auf der anderen Seite der Straße am Fluss, während erneut der Nebel über dem Fluss aufsteigt. Was für ein wunderbarer Ausklang!

Wir könnten noch viel weiter laufen, denn gerade sind wir gut in Form. Aber es geht zurück nach Deutschland und an die Arbeit. Wir haben einige E-Books und Blogs gelesen, in den Wanderer genervt waren, schon so lange unterwegs zu sein. Aber was ist die ideale Länge, um noch fit zu sein und den Weg noch voll genießen zu können? Leider können wir dies mit unseren sechs Wochen Jahresurlaub nicht herausfinden. Wir fragen uns wie es wäre, einfach weiterzulaufen bis nach Schottland …