Tag 88: Callander nach Strathyre

Wieder keine besondere Herausforderung heute: Die Karte verspricht erneut viel Straße und wenig Steigung (150 Meter Anstieg im Verlauf des Tages). Wer hätte das gedacht, dass Friedel und ich uns so unterfordert fühlen würden?

Zunächst geht es auf einem alten Eisenbahntrack aus Callander hinaus und in den Wald. Bevor wir den Wald erreichen, gibt es noch einen schönen Blick auf Ben Ledi. Schon kurz vor Kilmahog weist uns ein Schild am Weg darauf hin, dass der Weg nach Strathyre wegen Bauarbeiten gesperrt sein soll: Was? Wo sollen wir den dann lang gehen? Etwa an der vielbefahrenen A84 entlang? Nix da! Wir vertrauen darauf, dass wir schon irgendwie durchkommen werden. Sollten wir  von irgendwelchen Bauarbeitern angemeckert werden, vertrauen wir darauf, dass sie bei uns dummen Ausländern Milde walten lassen.

Wir checken noch, ob es links vom Loch Lubnaig irgendwelche Möglichkeiten geben könnte, uns auf den Berg zu schlagen, aber wir sehen keine: Entweder wir entscheiden uns spätestens in zwei Kilometern, uns auf die andere Seeseite und damit auf die A-Road zu begeben, oder wir bleiben stur auf unserem Eisenbahntrack – Koste es, was es wolle! Natürlich halten wir uns an den RRW und bleiben links vom See…

Unser Weg verläuft größtenteils parallel zum Radweg Nr 7. Wir treffen kaum Wanderer, aber durchaus Radfahrer – auch aus der uns entgegenkommenden Richtung. Das lässt uns vermuten, dass wir weiter kommen. Also vorwärts!

An den Strathyre Forest Cabins gibt es ein Café, das sogar geöffnet hat. Yeah! Wir freuen uns über die Kaffeepause, zumal es Plätze auf der Terrasse gibt. Wir stellen uns vor wie es wäre, in so einem Luxus-Blockhaus wie dort eine Woche Urlaub zu machen. Wäre uns da nicht grässlich langweilig? Ja und nein. Am See zu sitzen, zu lesen und hin und wieder einen Kaffee zu schlürfen wäre auch nicht schlecht. Aber eine Woche wäre uns definitiv zu lang.

Niemand von der Forstbehörde ermahnt uns, dass es nicht weiter geht. Also geht es für uns weiter. Die Sonne lacht, und trotz der geringen Steigung kommen wir gegen Mittag sogar etwas ins Schwitzen.

Loch Lubnaig ist hübsch, ohne Zweifel. Aber das richtige Wildnis-Gefühl will nicht aufkommen – dafür ist der Weg zu breit, zu glatt, und die A-Road brummt von der anderen Seeseite her. Außerdem verläuft am gesamten See entlang eine Stromleitung. Nicht nur, dass die Kabel neben uns verlaufen – Nein, immer wenn der Weg unter der Leitung verläuft, wird die Höhe der Durchfahrt mit fetten gelben „Toren“ markiert, die wohl Forstfahrzeuge auf die Leitungen aufmerksam machen sollen.

Wir traben ansonsten ohne weitere Zwischenfälle am Seeufer entlang. Einmal passieren wir eine kleinen Bagger, der uns aber bereitwillig vorbeigehen lässt. Das muss die große Baustelle sein, für die der ganze Weg „Attention!“ gesperrt wurde!?

Der Weg führt uns größtenteils auf dem alten Bahntrack entlang durch Wald. Überhaupt, der Wald: In England hatten wir nicht so viel davon. Hier haben wir einige auch längere Passagen durch Waldgebiete. Wenn der Wald intakt ist, sind die Wege hindurch oft sehr abwechslungsreich und schön: Der Waldboden ist bedeckt mit Moosen in verschiedenen Farben, außerdem gibt es Blaubeerbüsche, Farne … aber so früh, wie wir dieses Jahr unterwegs sind, sind die Farne noch gar nicht so richtig „entrollt“. Immer wieder stellen wir uns vor, wie hübsch so mancher Farnwald wohl später im Jahr aussehen würde.

Als der See zu Ende ist, verläuft der Weg eher langweilig zwischen eingezäunten Wiesen bis nach Strathyre. Erstmalig fällt uns hier auf, dass es gar nicht unbedingt die Teer- bzw. Schotterstraßen sind, die uns so stören: Links und rechts der Straßen und Wege sind die Wiesen leider meistens eingezäunt. Das hemmt den Blick und vor alle auch das Gefühl von Weite. Auch wenn der Blick weit bis auf die umliegenden Berge schweifen kann: Wenn direkt neben einem links und rechts Zäune verlaufen, das stört irgendwie!

In Strathyre gibt es nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten, so dass ich uns rechtzeitig im „Ben Sheann“ zwei Zimmer reserviert habe. Die Kritiken waren nicht so überragend, aber das kleine Hotel entpuppt sich als Kleinod.

Die Zimmer sind sehr hübsch dekoriert und die Besitzerin ist sehr freundlich. Wir verbringen einen netten Abend im kleinen Restaurant des Hotels. Es gibt nicht viel Auswahl auf der Speisekarte, aber das Essen ist lecker und ansprechend. So mögen wir es, gemütlich und nicht zu „posh“. Die Lage des Hotels direkt an der dichtbefahrenen Durchgangsstraße stört etwas, aber zum Glück haben wir Zimmer nach hinten heraus.

 

Tag 87: Aberfoyle nach Callander

Auch der heutige Tag wird uns nicht erschöpfen: Ein Anstieg von ca, 250 Meter ist zu erwarten, das ist nicht viel mehr als gestern.

Der Weg führt uns heute zunächst an der Straße bis fast ganz aus Aberfoyle hinaus. Am Medical Center am Ortende geht es links eine Fahrstraße bergauf. Danach geht es oben an einem Golfplatz entlang. Das Wetter ist mal wieder wunderbar und wir haben einen tollen Ausblick auf die Campsie Fells nach vorn und zurück auf den Ben Lomond.

Auf einem guten Forstweg geht es durch einen recht hübschen Wald bis zu einem Gatter. Hier endet der Wald und damit der breite Weg. Vor uns öffnet sich eine Moorlandschaft, wie wir sie lieben: Der Weg geht durch das hohe Gras, verschiedene Schattierungen von Braun und Gelb wechseln sich ab. An den Seiten des Tals stehen blühende Ginsterbüsche, sehr schön!

Auf einer Anhöhe machen wir unsere erste Pause mit Tee und Keksen.

Der folgende Weg durch das Moor ist nur ein Trampelpfad. Wir freuen uns über den endlich unebenen Boden unter den Füßen, denn die Forstwege und Asphaltstraßen erschöpfen sowohl die Füße wie auch das Auge.

Es geht weiter über die Ebene. Wir sind froh, dass es länger nicht geregnet hat: Bei Regen muss der Pfad sehr sumpfig sein! Obwohl es eigentlich schon länger trocken war, ist es unter unseren Füßen recht wabbelig und wir müssen immer wieder „von Bult zu Bult“ springen. So erreichen wir durch schöne, abwechslungsreiche Landschaft Loch Allt a Chip Dhuibh, einen hübschen See circa am höchsten Punkt auf unserer heutigen Etappe. Von nun an geht’s abwärts, leider wieder auf einem Forstweg.

Wir wandern erneut in einen Wald hinein. Durch die Bäume haben wir einen schönen Ausblick auf Loch Venachar, unseren ersten große Loch auf unserer Tour. Der See ist zwar ein Stausee, aber das sieht man ihm nicht an – er wirkt sehr natürlich.

Da auch hier wieder der schottische Baum-Kahlschlag zugeschlagen hat, haben wir auch hier wieder phantastische Ausblicke von der Halbhöhenlage auf den See hinunter. Wir machen Selfies mit dem See im Hintergrund, die wir Kollegen, Familie und anderen schicken.

Am Seeufer angekommen, treffen wir wieder auf eine asphaltierte Straße. Die letzten 4,5 Kilometer geht es über diese bis nach Callander. Bevor wir in das Ortszentrum kommen, trinken wir eine Pause in einem Café, das zum Hostel im Ort gehört.

Heute Abend kommen wir im Waverley Hotel unter. Hübsch altmodisch, aber gut geführt.

Nach dem Abendessen wandern Friedel und ich noch zu den Bracklinn Falls hoch. Das lohnt sich auf jeden Fall: Bei dem wenigen Regen der letzten Tage läuft nur ein Rinnsal über die Kaskaden. Aber die Schlucht ist auf jeden Fall gewaltig und man kann ahnen, wie viel Wasser hier zeitweilig fließt.

Insgesamt war heute ein toller Tag und der erste, an dem eine Art „Wildnis-Gefühl“ aufgekommen ist. Insgesamt scheint uns der Weg bis jetzt wesentlich zahmer als der „Pennine Way“. Oder liegt das am Wetter?

Definitiv nicht nur. Der Rob Roy Way ist weniger abgelegen, weniger sumpfig, führt häufiger über Straßen, ist dem Wind nicht so ausgesetzt …

 

Tag 86: Drymen nach Aberfoyle

Während man zum West Highland Way Drymen östlich verlässt, laufen wir nach Norden. Startpunkt im Ort ist das Clachan Inn, einer der ältesten Pubs in Schottland. Ausserdem natürlich in Erbfolge von den McGregors…aber Rekordhalter oder nicht, das weiße Cottage ist auf jeden Fall sehr hübsch.

Die ersten sechseinhalb Kilometer heute führen wieder über eine „Minor Road“, aber auf jeden Fall über Asphalt. Die Straße ist jedoch kaum befahren und hübsch von Mauern und Bäumen eingefasst. Links und rechts liegen Wiesen mit Schafen und Lämmern und Ginsterbüschen. Ein Highlight am Morgen ist das „Muir Park Reservoir“, an dem wir eine erste Teepause einlegen.

Bemerkenswert hier ist vor alle die hemmungslose Forstwirtschaft der Schotten: In einem Areal, das mehrere Kilometer umfasst, wurden ALLE Baumstämme gefällt und die Baumstümpfe pittoresk liegen gelassen – entzückend anzusehen!

Mehrmals auf dieser Tour geht es uns so, dass wir laut Karte einen Wald passieren, aber in Wirklichkeit laufen wir durch eine Baumstumpfwüste. Und das nicht nur kurz, sondern über Kilometer. Schade eigentlich …

Am Drymen Road Cottage verlassen wir laut Karte endlich die Asphaltstraße, aber der Weg ist weiterhin asphaltiert. Egal. Der Wald ist jedoch auch hier arg dezimiert. Immerhin ist so der Blick auf die entfernt liegenden Berge möglich. Die Sonne lacht und wir kommen gut voran.

Immer wieder treffen wir heute auf die Wasserleitung, die vom Loch Kathrin nach Glasgow verläuft. Dies ist nicht so interessant, als dass wir in Rob Roy Country unterwegs sind: Loch Kathrin ist auch der Geburtsort von Rob Roy. Traditionell war dies das Clan-Gebiet der McGregors, die aber beim König in Ungnade fielen und sich deshalb als Diebe und Wilderer verdingen mussten. Ihr bekanntester Vertreter ist Robert McGregor, der wegen seiner roten Haare auch Rob Roy (Roter Robert) genannt wurde. Dieser „Robin Hood des Nordens“ ist bis heute sehr populär und wird ähnlich verehrt wie Robin Hood oder Owen Glwyndr in Wales.

Der Weg, auf dem wir laufen, ist ihm gewidmet. Zu Roberts Zeiten müssen die Wege jedoch viel wilder gewesen sein. Wie hätte er sonst seine Verfolger abschütteln können?

Wir wandern jedoch auf ebenen und breiten Wegen bis nach Aberfeldy. Unser Resümee für den Tag: Keine atemberaubende Tour, aber recht nettes Schlendern, vor allem wegen des exzellenten Wetters. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die lange Mittagspause, die wir in der Sonne dösend neben einem Teilabschnitt der Wasserleitung verbrachten. Das Gras dort war grün und nicht sumpfig!

Am Abend erreichen wir recht früh Aberfoyle, denn der Weg war heute nun so gar nicht anstrengend. Da haben wir doch noch Zeit für ein Pint im der Nachmittagssonne! Danach besuchen Friedel und Carla die Aberfoyle Wool Mill, die angeblich ein Touristenmagnet ist. Beide kehren enttäuscht zurück: Der Laden führt nur Ramsch, und von Wollknäueln keine Spur.

Ansonsten macht der Ort einen eher verschlafenen Eindruck. Das soll das Tor zu den Highland sein? (Wie wie später erkennen, behaupten das noch einige andere Orte 🙂

Wir übernachten im Forth Inn – eine gute Adresse! Obwohl nicht viel los ist, ist die Bewirtung gut und das Ambiente sehr angenehm. Dies ist auf jeden Fall einer unserer besseren Übernachtungen in Schottland. Wir schlafen gut und tief und freuen uns auf einen neuen Sonnentag, den die Wetteraussichten sind exzellent!

Ein „Ruhetag“ in Glasgow

Heute haben wir einen Städtetag – der zählt nicht zur Tour, und Steffi hätte ihn gar nicht erwähnt! Aber erwähnenswert ist er ganz bestimmt, allein schon wegen der Bilder! 🙂

Glasgow als die größte Stadt Schottlands ist auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Es gibt die klassischen roten Hop-on-Hop-off-Doppeldeckerbusse, mit denen wir erst mal die typischen Ziele im Vorüberfahren angeschaut haben: Die River Clyde Anlegestellen, SEC Armadillo (das Gürteltier), SSE Hydro (die Untertasse), das Science Centre, usw.

Schön an den Touri-Bussen ist, dass man zu den einzelnen Orten ein wenig zur Geschichte erzählt bekommt, Zahlen, Daten, Fakten, und je nach Moderator die eine oder andere lustige Tratschgeschichte – mit ein wenig Glück gibt es auch eine deutsche Kopfhöreransage.

Anschauen wollten wir uns dann nur die Kathedrale mit Nekropolis, dem großen historischen Friedhof, und den People’s Palace and Winter Gardens.

Weil wir dann noch sehr viel Zeit hatten, sind wir noch schnell ins Kelvingrove Art Gallery and Museum hinein gehuscht, um dann gemütlich im Park um die Universität zu bummeln und wieder ins Stadtzentrum zurückzulaufen.

Good oude Wetherspoon hat uns schön versorgt, und übernachtet haben wir im Premier Inn – zwei zuverlässige Adressen in diesen großen Städten, wo einen das Angebot ja schnell erschlagen kann.

Tag 85: Milngavie to Drymen

Nach einem Tag in Glasgow sind wir ganz wild darauf, endlich wieder unebenen Boden unter den Füßen zu haben!

Der heutige Tag deckt sich mit der ersten Etappe des West Highland Ways. Die Sonne lacht. Startpunkt des Weges ist Milngavie. Als wir unter dem Eingangstor des West Highland Ways Fotos machen, stehen dort zumindest vier andere „Pärchen“, von denen mindestens drei deutsche sind. Wir haben es gewusst! 🙂

Der Weg führt uns mit hübscher arrangierter Wegführung aus Milngavie heraus. Am Craigallian Loch passieren wir unseren ersten „Loch“ – klein, aber recht hübsch.

Es geh durch Heidelandschaft heraus aus der Stadt und immer näher an den Drumgoyne heran. Der Berg ist zwar nur 422 Meter hoch, aber überragt beindruckend die Lowlands. Kein Wunder, dass die naheliegende berühmte Whisky-Destillerie den Berg zu ihrem Wahrzeichen gemacht hat.

Nein, wir machen keinen Abstecher zur Destillerie und besuchen keine Führung. Schon bei unserer ersten Schottland-Tour 2008 in der Speyside sind wir keine Whisky-Freunde geworden und auch dieses Mal werden wir es nicht. Vielleicht müssen wir dafür noch tiefer in das Herz Schottlands vorstoßen?

Kurz vor Drumgoyach sitzen einige Wanderer im Schatten. Sie schauen uns erwartungsvoll an…Friedel schmettert ein heiteres „Grüß Gott!“ in die Runde, und sechs Deutsche amüsieren sich laut lachend darüber, dass schon wieder Landsleute vorbei kommen!

Tatsächlich haben wir ein wenig das Gefühl, in einer Kolonne zu laufen. Ein bisschen stört uns auch das große Aufkommen an deutsche Wanderern. Aber warum eigentlich? Wir fragen uns, ob es uns weniger gestört hätte, wenn dort vier englische Pärchen auf uns gewartet hätten. Aber generell haben wir es genossen, in Somerset, Shropshire, Yorkshire nur so wenige Menschen zu treffen, egal ob es sich um Briten oder um Deutsche handelte. Dass von den vielen Wanderern hier so viele aus Deutschland kommen, das ist schon merkwürdig ..

Der Weg von der Destillerie bis nach Drymen verläuft weiter auf dem Bahndamm und dann auf einer „Minor Road“, also auf einer wenig befahrenen Straße. Das ist das erste Mal, das wir auf einem markierten(!) Wanderweg auf einer Straße laufen müssen. Goodbye England, hello Scotland! Auch wenn Englands Ruf als Wanderland im Ausland nicht besonders gut ist: Hut ab vor den ausgezeichneten und kreativen Wegen in den Midlands!

Wir sind froh, dass wir nicht auf dem lieblosen „Campingplatz“ vor Drymen unterkommen müssen. Von der Straße aus wirkt er nicht sehr einladend. Stattdessen laufen wir bis in den Ort und kommen im „Drymen Inn“ unter. Das Gasthaus ist okay, aber erstmalig haben wir das Gefühl, dass es in Schottland nicht genug Geld gibt, um die Gaststätten und ihre Umgebung ausreichend zu pflegen. Carla, die ursprünglich aus dem Gastgewerbe kommt, bestätigt unseren Eindruck: Der Hof des Drymen Inn, in dem wir bei einem Kaffee unser Ankommen feiern wollen, ist total „verschissen“ durch Möwenkot. Die Innenanlagen sind okay und die Küche sehr gut, aber der Service ist selten schnarchig. Schade, aber im Vergleich zu England haben wir hier das Gefühl, dass man von früherem Ruhm zehrt. Wird sich dieser Eindruck im Verlauf der Tour bestätigen?

 

Tag 84: Auchinstary Marina (Kilsyth) nach Milngavie

Den ersten Teil des Tages geht es weiter entlang des Forth and Clyde Canals und auf dem John Muir Way bis Kirkintilloch. Heute sehen wir endlich mal Boote in Bewegung. Weil Sonntag ist? Weil es Mai wird? Jedenfalls begeben uns auf dem Kanalweg bis Kirkintilloch gleich drei Kähne, deren Insassen uns freundlich winken.

Bis Kirkintilloch ist die Straße immer in der Nähe des Kanals, aber wohl wegen des Sonntags hält sich der Autoverkehr in Grenzen. Angenehmes Gehen, bei dem sich erkleckliche Kilometer schnell abreißen lassen. In Kirkintilloch bei der Kirche nehmen wir einen Kaffee und verlassen den Kanal: Stattdessen folgt der John Muir Way nun einem alten Bahntrack. Wir folgen diesem bis Lennoxtown. Hier stand Steffi bei der Vorausplanung vor der Entscheidung: Bleiben wir auf dem Bahndamm bis Strathblane oder laufen wir querfeldein nach Milngavie? Auf jeden Fall war am nächsten Tag ein Sightseeing-Tag in Glasgow eingeplant. Am Ende entschied die Erreichbarkeit – Strathblane ist nur per Bus zu erreichen (und weniger gut an einem Sonntag, was die Abfahrten heute auf zweistündig reduziert), Milngavie jedoch per Bahn.

Der Weg von Kirkintilloch bis Lennoxtown auf dem Bahndamm ist hübsch, aber ohne wirkliche Highlights. Als wir uns aber ab Lennoxtown abseits markierter Wege in die Hügel schlagen, kommt erstmals ein Schottland-Feeling auf: Oh farnbewachsene Hügel! Windbewegte Tannenwipfel! Der Duft des Heidekrauts im Wind! That’s why we came here! Carla jedenfalls wird dieser Abschnitt als der erste „echt schottische“ im Gedächtnis bleiben …

Zwar ist der Einmarsch nach Mingavie eher unspektakulär, aber egal. Wir wissen nicht, was Strathblane uns gebracht hätte. Aber die Hills zwischen Lennoxtown und Milngavie sind wunderbar, vor allem bei Sonnenschein.

Die Bahn von Milngavie nach Glasgow ist superpünktlich. Heute Abend und morgen werden wir damit jedoch aus der Natur herausgerissen und in die Stadt geworfen. Glasgow ist unserer Meinung nach sehenswert, aber sollte man dafür einen vollen Tag opfern? Das sei jedem selbst überlassen …

Tag 83: Falkirk nach Kilsyth

Nicht traurig sind wir heute, Falkirk zu verlassen. Uns erwartet ein abwechslungsreicher Tag entlang des Union Canals und dem Antonine Wall. Eine weitere Attraktion: Das Falkirk Wheel!

Aber zunächst geht es drei Kilometer über Falkirks Autostraßen zur Bahnstation Falkirk High. An deren Fuß treffen wir auf einen kombinierten Rad- und Wanderweg entlang des Union Canals. Auf dem Weg durch die Stadt beginnt es gemäßigt zu regnen. Da Friedel und Carla sich dieses Mal für einen Regenponcho als Regenschutz entschieden haben, zögern sie etwas, diesen im belebten Falkirk überzuwerfen. Carla entscheidet sich dagegen, Friedel dafür. Im Verlauf des Tages wird er ihn noch mehrmals auspacken, um ihn gleich fünf Minuten später wieder abzuwerfen. Typisch Schottland: Will es nun regnen oder nicht?

Eher nicht. Auch gut! So wandern wir nur leicht feucht entlang des Kanals bis zum Falkirk Wheel. Warm ist es heute nicht und ziemlich windig. Aber was soll’s – Hauptsache es regnet sich nicht ein!

Falkirk Wheel: Groß! Imposant! Das Schiffshebewerk wurde gebaut, um Schiffe vom Fort and Clyde Canal in den Union Canal zu heben und umgekehrt. Ein Wunderwerk der Technik, wie wir gelesen haben. Gern würden wir das Rad und seine Hebewirkung in Aktion bewundern, aber es kommt kein Schiff. Da wir schon auf dem ganzen Stück Kanal vor dem Wheel kein Boot gesehen haben, lohnt es sich wohl auch nicht zu warten. Also laufen wir unter dem Union Canal hindurch hoch zum Rough Castle, einer Befestigungsanlage, die zum Antonine Wall gehört.

Nächste Attraktion: Der Antonine Wall wurde circa dreißig Jahre nach dem Hadrianswall von Kaiser Antonius gebaut, ist aber nicht so bekannt wie der Hadrianswall. Einmal ist er kürzer – mit circa sechzig Kilometern ist er nur halb so lang wie sein großer Bruder. Außerdem ist die Befestigungsanlage nicht mehr so gut erhalten und führt weniger spektakulär durch weniger hügeliges Land. Nichtsdestotrotz sind wir gespannt auf diesen Teil des Walls, der allgemein als der besterhaltenste gilt. Wie erklimmen das ehemalige Fort und wir sehen – Nichts!

Wir stehen vor einer mehr oder weniger ebenen Rasenfläche, am Rand der Fläche gibt es einige Infotafeln. Hätten wir es nicht gewusst, wäre uns der Platz nicht aufgefallen. Der Erdwall und der Graben, an dem uns der Weg (es ist der John-Muir-Weg) weiterführt, ist jedoch deutlich zu erkennen. Insgesamt erinnert uns die Szenerie an den Offa’s Dyke in Wales, einer ähnlichen Befestigungsanlage, an der wir 2014 gewandert sind. Auch wenn es keine sichtbare Mauer mehr gibt, ist ein solch geschichtsträchtiger Ort immer beeindruckend für uns.

In Bonnybridge kommen wir zurück zum Kanal. Aber der Ort ist mitnichten „bonny“, also schön: Ein heruntergekommener Ort mit den typischen Plattenbauten der Lowlands – und ein Café gibt es auch nicht! Friedel ist fast versucht, einen Takeaway-Kaffee am Tesco zu erwerben, aber wir überreden ihn, weiterzuziehen, weiter am Fort and Clyde Kanal und damit auf dem John Muir Way.

Die nächsten vier Kilometer führen uns am Kanal entlang, aber auch immer in Sicht- und Hörweite einer vielbefahrenen B-Road. Besonders unschön: Viele Schotten nutzen scheinbar die Nähe des Kanals, um ihren Müll an den Ufern des Kanals zu entsorgen – Naughty!

Wir freuen uns, als wir mit dem Kanal die Nähe der Straße verlassen, unter der Autobahn durchlaufen und der Weg etwas ruhiger wird. Der Kanal verläuft schnurgerade durch die Wiesenlandschaft. Kurz vor unserem Ziel – Auchinstarry bei Kilsyth – rücken die Hügel auch näher an den Kanal heran, und der Kanal geht um ein paar Biegungen: Vögel finden sich auf dem Wasser ein, Wald und Farne bewachsen das gegenseitige Ufer. Hier macht es wieder Spaß, am Kanal zu wandern: Canal-Walking at it’s best. Jetzt fehlen nur noch ein paar romantische Hausboote – ja wo sind sie denn?

In der Auchinstarry Marina! Wir kommen für die Nacht direkt am Hafen im Gasthof „The Boathouse“ unter, und das recht luxuriös.

Der Laden ist gut geführt, wenn auch nicht billig. Bei linden Temperaturen würden wir abends auf der Terrasse sitzen und das Treiben auf den Booten beobachten. Aber warum fahren sie nicht? Ist dem Lowlander sein Boot, was dem Schwaben sein Gärtle ist? Soll heißen: Nutzen die Schotten die Hausboote wie wir die Schrebergärten, also zum „Hocken“  und zum Grillen?

Jedenfalls liegen in der Marina jede Menge Hausboote – bewohnt sind sie, aber sie werden nicht bewegt. Vielleicht sind wir zu früh für die Bootssaison?

Tag 82: Anreisetag nach Edinburgh, die Kelpies in Falkirk

In Edinburgh waren wir schon zweimal. Da wir schon am Mittag in Edinburgh landen, fahren wir nicht in die Stadt, sondern mit der Tram nur bis Edinburgh Park. Von dort aus sind wir schnell in Falkirk: Nur dreißig Minuten von Edinburgh Park bis Falkirk Grahamston – so schnell waren wir selten an einem Etappenstart! (okay, außer Hebden Bridge, das war auch nicht weit von Manchester .. )

Meine Recherchen hatten ergeben, dass es in Falkirk nicht besonders viel zu sehen gibt. Aber seit einiger Zeit gibt es eine Attraktion etwas außerhalb des Ortes – die Kelpies!

Circa vier Kilometer außerhalb des Ortes bewachen zwei über dreißig Meter hohe Pferdeköpfe aus Stahl eine Schleuse am Fort and Clyde Canal. Sie erinnern an mystische Wassergeister aus alten Sagen, aber auch an die Zugpferde, die hier früher die Lastkähne mit Kohle und Steinen zogen.

 

Die Skulpturen sind schon von Weitem zu sehen, aber besonders aus der Nähe sehr eindrucksvoll. Wir verbanden den Weg zu den Kelpies mit einer Wanderung entlang des Kanals und einem Rückweg durch den Helix-Park.

 

Den Rest des Tages waren wir mit Vorbereitungen für den Etappenstart am nächsten Tag beschäftigt und – dem ersten Ale in diesem Jahr! Außer den Kelpies und dem Wetherspoon-Pub fanden wir leider nichts anderes an der Stadt besonders ansprechend – Sorry, Falkirk!

Der LECW-Plan

Hier der Laufplan – Für alle, die’s wissen wollen …

Etappe Datum Strecke km Weg
Sept. 2015 Abschnitt 1: SWCP  1 Land’s End bis Tintagel Flughafen: London
1 Mi, 30.09.15 Land’s End-Sennen Cove 2
2 Do, 01.10.15 Sennen Cove (Land’s End)-Pendeen 17 South West Coast Path
3 Fr, 02.10.15 Pendeen-St Ives 23 South West Coast Path
4 Sa, 03.10.15 Hayle-Portreath 19 South West Coast Path
5 So, 04.10.15 Portreath-Perranport 20 South West Coast Path
6 Mo, 05.10.15 Perranport-Newquay-Mawgan Porth 26 South West Coast Path
7 Di, 06.10.15 Mawgan Porth-Padstow 24 South West Coast Path
8 Mi, 07.10.15 Padstow-Port Isaac 19 South West Coast Path
9 Do, 08.10.15 Port Isaac-Tintagel 16 South West Coast Path
166 Durchschnitt 20,5 km pro Tag
Sept. 2017 Abschnitt 2: SWCP 2 Tintagel bis Washford
10 Sa, 30.09.17 Tintagel-Boscastle 8 South West Coast Path
11 So, 01.10.17 Boscastle-Widemouth Bay 22 South West Coast Path
12 Mo, 02.10.17 Widemouth Bay-Kilkhampton 17 South West Coast Path
13 Di, 03.10.17 Kilkhampton-Hartland Quay 20 South West Coast Path
14 Mi, 04.10.17 Hartland Quay-Clovelly 17 South West Coast Path
15 Do, 05.10.17 Clovelly-Bideford-Instow 25 South West Coast Path
16 Fr, 06.10.17 Instow-Barnstaple-Braunton 20 South West Coast Path
17 Sa, 07.10.10 Braunton-Ilfracombe 21 South West Coast Path u. Straße
18 So, 08.10.17 Ilfracombe-Hunter’s Inn 20 South West Coast Path
19 Mo, 09.10.17 Hunter’s Inn- Lynmouth 10 South West Coast Path
20 Mi, 11.10.17 Lynmouth-Porlock Weir 20 South West Coast Path
21 Do, 12.10.17 Porlock Weir-Minehead-Dunster 23 SWCP/Macmillan Way West
22 Fr, 13.10.17 Dunster-Washford 10 Macmillan Way West
233 Durchschnitt 18 km pro Tag
Juli 2015 Abschnitt 3.1: Somerset und Wales Flughafen: London
23 Fr, 17.07.15 Washford-Triscombe 23 Macmillans Way South West
24 Sa, 18.07.15 Triscombe-Bridgewater 26 Macmillans Way South West
25 So, 19.07.15 Bridgewater-Glastonbury 29 Samaritans Way South West
26 Mo, 20.07.15 Glastonbury-Wells 19 u.a. Monarch’s Way
27 Di, 21.07.15 Wells-Cheddar 22 West Mendip Way
28 Mi, 22.07.15 Cheddar-Dundry 25 Mendip Way/Monarch’s Way
29 Do, 22.07.15 Dundry-Bristol (Suspension Bridge) 13 Samaritans Way South West
30 Fr, 23.07.15 Severn Beach-Tintern 25 Severn Way/Offa’s Dyke Path
31 Sa, 24.07.15 Tintern-Monmouth 20 Offa’s Dyke Path
202 Durchschnitt 22,5 km pro Tag
Sept. 2014 Abschnitt 3.2: Offa’s Dyke Flughafen: London
32 Di, 23.09.14 Monmouth-Llangattock Lingued 22 Offa’s Dyke
33 Mi, 24.09.14 Llangattock Lingoed-Longtown 17 Offa’s Dyke
34 Do, 25.09.14 Longtown-Hay-on-Wye 21 Offa’s Dyke
35 Fr, 26.09.14 Hay-on-Wye-Kington 23 Offa’s Dyke
36 Sa, 27.09.14 Kington-Knighton 23 Offa’s Dyke
106 Durchschnitt 21 km pro Tag
37 Knighton-Craven Arms 21
April 2016 Abschnitt 4: Midlands und White Peak Flughafen: Manchester
38 So, 24.04.16 Craven Arms-Much Wenlock 28 Jack Mytton-Way/Shropshire Way
39 Mo, 25.04.16 Much Wenlock-Shifnal 20 Shropshire/Severn/Monarch’s Way
40 Di, 26.04.16 Shifnal-Penkridge 24 Monarch’s Way, Staffordshire Way
41 Mi, 27.04.16 Penkridge-Little Haywood 17 Staffordshire Way
42 Do, 28.04.16 Little Haywood-Rugeley 5 Staffordshire Way
43  Sa, 28.04.18 Rugeley-Uttoxeter 25 Staffordshire Way
44 Uttoxeter-Ashbourne 18 Variante V 44 gelaufen
45 Fr, 29.04.16 Ashbourne-Fenny Bentley 5 Tissington Trail
46 Sa, 30.04.16 Fenny Bentley-Dovedale-Youlgreave 27 Alternative Pennine Way
47 So, 01.05.16 Youlgreave-Baslow-Langshaw 23 Alternative Pennine Way
48 Mo, 02.05.16 Langshaw-Ladybower 14 Alternative Pennine Way
49 Di, 03.05.16 Ladybower to Dog&Patridge Inn 22 Alternative Pennine Way
50 Mi, 04.05.16 Dog&Patridge Inn-Marsden 24 Alternative Pennine Way/PW
51 Do, 05.05.16 Marsden-Littleborough 16 Pennine Way
268 Durchschnitt 19 km pro Tag
Mai 2018 Abschnitt 4: Variante Limestone Dales und Kinder Scout: Flughafen Manchester
V44  So, 29.04.18 Uttoxeter-Cauldon Lowe 26 Staffordshire Way
V45  Mo,30.04.18 Cauldon Lowe-Hulme End 19 Manifold Trail
V46  Di, 01.05.18 Hulme End-Tideswell 26 Limestone Way
V47  Mi, 02.05.18 Tideswell-Edale 19 Limestone Way
V48  Do,03.05.18 Edale-Crowden-Padfield 28 Pennine Way
V49  Fr, 04.05.18 Padfield-Crowden-Marsden 23 Pennine Way
141  Durchschnitt 23,5 km pro Tag
Sept. 2016 Abschnitt 5 Pennines Fughafen: Manchester
52 Fr, 23.09.16 Littleborough-Hebden Bridge 17 Pennine Way
53 Sa, 24.09.16 Hebden Bridge-Ponden 17 Pennine Way
54 So, 25.09.16 Ponden-Lothersdale-Skipton 21 Pennine Way/Public Footpaths
55 Mo, 26.09.16 Skipton-Malham 20 Dales High Way
56 Di, 27.09.16 Malham-Horton-in-Ribblesdale 20 Pennine Way
57 Mi, 28.09.16 Horton-in-Ribblesdale-Hawes 22 Pennine Way
58 Do, 29.09.16 Hawes-Keld 21 Pennine Way
59 Fr, 30.09.16 Keld-Bowes 20 Pennine Way
60 Sa, 01.10.16 Bowes-Middleton-in-Teesdale 20 Pennine Way
61 So, 02.10.16 Middleton-in-Teesdale-Langdon Beck 14 Pennine Way
62 Mo, 03.10.16 Langdon Beck-Dutton 21 Pennnine Way
63 Di, 04.10.16 Dufton-Garrigill 25 Pennine Way/Public Footpaths
64 Mi, 05.10.16 Garrigill-Alston 7 Pennine Way
65 Do, 06.10.16 Alston-Haltwhistle 22 Pennine Way/South Tyne Way
66 Fr, 07.10.16 Greenhead-Vindolanda-Bardon Mill 18 Pennine Way/Public Footpaths
284 Durchschnitt 19 km pro Tag
Mai 2018 Abschnitt 6: The Borders Flughafen: Manchester
67  Sa, 05.05.18 Housesteads-Bellingham 22 Pennine Way
68  So, 06.05.18 Bellingham-Byrness 23 Pennine Way
69  Mo,07.05.18 Byrness-Windy Gyle 23 Pennine Way
70  Di, 08.05.18 Windy Gyle-Town Yetholm 25 Pennine Way
71  Mi, 09.05.18 Town Yetholm-Kelso 17 Pfade/Landstraße
72  Do,10.05.18 Kelso-Dryburgh-St Boswells 23 Pfade/ Borders Abbeys Way
73  Fr, 11.05.18 St Boswells-Melrose-Galashiels 19 St. Cuthbert’s/Southern Upland W.
74  Sa, 12.05.18 Galashiels Traquir-Innerleithen 25 Southern Upland Way
75  So, 13.05.18 Innerleithen-Peebles 18 Cross Borders Drove Road
76  Mo,14.05.18 Peebles-Carlops 25 Cross Borders Drove Road
77  Di, 15.05.18 Carlops-Currie-Ratho 24 Scottish National Trail
78  Mi, 16.05.18 Ratho-Linlithgow 24 Union-Canal (Treidelpfad)
79  Fr, 18.05.18 Linlithgow-Falkirk 16 Union Canal/John Muir Way
284 Durchschnitt 22 km pro Tag
April 2017 Abschnitt 7: Glasgow Area und Rob Roy Flughafen: Edinburgh
80 Sa, 29.04.17 Falkirk-Kilsyth 18 Union-Canal (Treidelpfad)
81 So, 30.04.17 Kilsyth-Milngavie 23 John Muir Way/Pfade
82 Di, 02.05.17 Milngavie-Drymen 21 West Highland Way
83 Mi, 03.05.17 Drymen-Aberfoyle 17 Rob Roy Way
84 Do, 04.05.17 Aberfoyle-Callander 15 Rob Roy Way
85 Fr, 05.05.17 Callander-Strathyre 15 Rob Roy Way
86 Sa, 06.06.17 Strathyre-Killin 21 Rob Roy Way
87 Mo, 08.05.17 Killin-Ardtalnaig 20 Rob Roy Way
88 Di, 09.05.17 Ardtalnaig-Kenmore 14 Rob Roy Way
89 Mi, 10.05.17 Kenmore-Aberfeldy 14 Rob Roy Way
90 Do, 11.05.17 Aberfeldy-Pitlochry 15 Rob Roy Way
91 Fr, 12.05.17 Pitlochry-Blair Atholl 15 Scottish National Trail
208 Durchschnitt 17,5 km pro Tag
Okt. 2018 Abschnitt 8: Cairngorms/Kintail/CWT Süd: Flughafen: Edinburgh
92 29.09.10 Blair Atholl-Glen Tilt Camp 20 Scottish National Trail
93 30.09.18 Glen Tilt Camp-Allt Eindart 24 Scottish National Trail
94 01.010.18 Allt Eindart-Ruigh-Kingussie 27 Scottish National Trail
95 02.10.18 Kingussie-Newtonmore 5 Scottish National Trail
96 03.10.18 NewtonmoreGarva Bridge 29 Scottish National Trail
97 04.10.18 Garva Bridge-Fort Augustus 29 Scottish National Trail
98 05.10.18 Fort Augustus-Invergarry 15 Great Glen Way
99 06.10.18 Invergarry-Poulary 23 Cape Wrath Trail
100 07.10.18 Poulary-Cluanie Inn 19 Cape Wrath Trail
101 2008 Cluanie Inn-Camban Bothy (Glen Affric) 13 Cape Wrath Trail
102 2008 Camban Bothy-Shiel Bridge 15 Cape WrathTrail
103 10.10.2018 Shiel Bridge-Iron Lodge 18 Cape Wrath Trail
104 11.10.18 Iron Lodge-Strathcarron 34 Cape Wrath Trail
271 Durchschnitt 21km pro Tag
Abschnitt 9: Cape Wrath Trail Nord Flughafen: Edinburgh
105 Strathcarron-Bearneas Bothy 10 Cape WrathTrail
106 Bearneas Bothy-Easan Dorcha Bothy 20 Cape WrathTrail
107 Easan Durcha Bothy-Kinlochewe 11 Cape Wrath Trail
108 Kinlochewe-Loch an Nid 19 Cape WrathTrail
109 Loch an Nid-Inverlael-Ullapool 22 Cape Wrath Trail
110 Ullapool-Knockdamph Bothy 18 Cape WrathTrail
111 Knockdamph Bothy-Oykel Bridge 14 Cape WrathTrail
112 Oykel Bridge-Inchnadamph 31 Cape WrathTrail
113 Oykel Bridge-Inchnadamph Cape Wrath Trail
114 InchnadamphKylesku 14 Cape Wrath Trail
115 Kylesku-Loch Airigh (über Lochstack-Lodge) 19 Cape Wrath Trail
116 Loch Airigh-Rhiconich 8 Cape Wrath Trail
117 Rhiconich-Kinlochbervie Sandwood Bay 18 Cape Wrath Trail
118 Sandwood Bay-Cape Wrath 13 Cape Wrath Trail
119 Cape Wrath-Durness Ferry 17
Gesamtkilometer: 2293
Wandertage: 119
Durchschnitt: 19 km pro Tag

Abschnitt 7: Glasgow Area und der Rob Roy Way

Anfang Mai 2017 wanderten wir die Etappe von Falkirk (zwischen Edinburgh und Glasgow) bis nach Blair Atholl am Rand des Cairngorms Nationalparks. Dabei liefen wir in einem großen Bogen nach Westen und dann wieder nach Osten. Der direkte Weg von Glasgow aus in den Norden hätte uns über den West Highland Way geführt. Diese von uns so genannte „Autobahn“ wollten wir jedoch meiden, da der Weg der wohl meistbegangene Wanderweg der Insel ist und wir es nicht so mögen, in einer Kolonne zu laufen. Außerdem sucht man in Schottland ja wohl die Einsamkeit, oder?

Bei meiner Recherche stieß ich auf den Rob Roy Weg. Dieser führt durch den Loch Lomond and the Trossachs Nationalpark, entlang vieler Seen bis zu den Cairngorms. Da wir 2008 schon einmal in den Cairngorms wandern waren und es uns dort sehr gut gefallen hat, war uns die Aussicht auf einen „Umweg“ über die Cairngorms sehr willkommen. Da auch Cameron McNeish diese Strecke für seinen „Scottish National Trail“ gewählt hat, entscheiden wir uns für den Rob Roy Way und gegen den West Highland Way.

Da der Rob Roy Way größtenteils auf Forstwegen und schwach befahrenen Straßen verläuft und sich die Etappen relativ kurz gestalten lassen, begleitete uns dieses Mal eine etwas ältere Freundin. Carla war schon 2014 auf dem Coast to Coast Walk dabei. Daher wussten wir, dass sie weder Steine noch große Steigungen oder lange Etappen verträgt. Aus diesem Grund erschien uns der RRW für sie ideal. Eigentlich hätten wir der Reihenfolge nach lieber erst den Pennine Way abgeschlossen und die Scottish Borders durchquert, aber die Aussicht auf nette Gesellschaft ließ uns unsere Pläne verschieben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Fazit: Landschaftlich war die Strecke sehr schön, führte aber wenig durch abgelegene Natur, was man ja gemeinhin mit Schottland verbindet. Ein Großteil der Strecke verlief auf Teer- oder Schotterwegen in Sichtweite zu Straßen und Strommasten. Aufgrund des harten Bodenbelags war das Gehen nicht besonders freundlich zu den Gelenken: Unsere Freundin fiel in der zweiten Woche bereits voll aus, da sie sich aufgrund der einseitigen Belastung eine Knochenhautentzündung zugezogen hatte.

Wenn wir noch einmal über die Strecke entscheiden könnten, würden wir uns vielleicht doch für den West Highland Way entscheiden. Oder uns selbst einen Weg über die Berge suchen :-).

Ein besonderer Aspekt sei noch erwähnt: Wir hatten in 17 Tagen insgesamt nicht mal eine Stunde Regen. Unglaubliches Wetter! In Schottland! Incredible!

Tag 94: Pitlochry nach Blair Atholl

Der heutige Tag war bei der Planung eher als lästiger „Übergangstag“ geplant: Der Rob-Roy-Weg ist abgehakt, als nächstes folgen die Etappen durch die Cairngorms. Der Weg von Pitlochry nach Blair Atoll entlang der Bahnstrecke muss halt auch gelaufen werden. Der von Cameron McNeish vorgeschlagene Weg führt heute immer in der Nähe des Bahndamms, immer in Hörweite der B- und A-Roads, also dreierlei Belästigung. Trotzdem zählt die heutige Etappe zu einer der schönsten in diesem Urlaub. Wie das?

Nun…zum Einen haben wir kein nennenswertes Gepäck dabei…der Weg verläuft größtenteils auf Pfaden und nicht auf Forstwegen oder Teersträßchen. In der Zukunft werden wir wohl mehr auf solche Aspekte achten. Gelb unterlegte Straßen auf den Ordnance Survey Maps – vermeiden! Doppelt gestrichelte Wege  – auch nicht schön! Einfach gestrichelt – Yeah!! Aber das sagen wir jetzt, wo wir einen Urlaub ohne großen Matsch erlebt haben. Egal bei welchem Wetter, wir mögen die Pfade durch die offene Landschaft, bei denen uns nichts von der umgebenden Natur trennt. Pflastertreten ist einfach unangenehm, ob bei Regen oder Sonnenschein. Und lieber sind uns nasse Füße als Plattfüße! 🙂

Der Weg führt uns heute malerisch am Loch Faskally entlang. Der ist zwar ein schnöder Stausee, aber trotzdem ist er zwischen hohe Berge eingebettet und heute besonders ruhig und friedlich. Wir „rennen“ durch das Gelände, denn Carla wartet auf uns in Blair Atholl, um mit uns das Atholl Castle zu besichtigen.Sie hat sich so darauf gefreut, dass sie uns für den Eintritt in das Castle eingeladen hat. Also bemühen wir uns, die Strecke zu schaffen, bevor Carla mit dem Bus in Blair Atoll ankommt. Wir nehmen gern die Herausforderung an und werden noch vor dem Bus um 12:30 Uhr da sein. Sogar ein Kaffee in der alten Mühle in Blair Atoll wird noch drin sein, bevor der Bus unsere Carla anliefert.

Aber vorher führt uns der Pfad bis zum Soldier’s Leap immer am See entlang, und später am Fluss.  Der Weg führt tief durch eine Schlucht, die Straße und die Bahn führen wesentlich höher am Berg entlang. So hört man kaum den Lärm der Straße, auch weil das Rauschen des Flusses den Straßenlärm überdeckt.

Der Sodier’s Leap ist eine schmale Stelle im Fluss, von der ein Soldat bei der Schlacht von Killiecrankie von der einen zur anderen gesprungen sein soll. Bis heute haben wir allerdings nicht kapiert, wer da gegen wen gekämpft hat: Es gab die (schottischen) Jakobiten, die für die Wiedereinsetzung von Jakob dem II. aus dem Hause Stuart gekämpft haben. Aber die Gegenseite, zu der auch unser springender Soldat zählte – waren das keine Schotten? Waren es gedungene Handlanger? Verräter? Oder war unser springender Soldat gar – ein Engländer?

Egal! Die Stromschnelle ist hübsch, und das Wissen, an solch einem historischen Ort zu sein, macht die Stelle noch interessanter.

Nach Killiecrankie wechseln wir auf die andere Flussseite. Ab jetzt verläuft der Weg die nächsten fünf Kilometer wieder auf einer Straße. Da wir aber Kilometer machen wollen, stört uns das nicht besonders. Wir verbringen eine wunderbare zweite Frühstückspause an einem elysischen Ort am River Gary. (Ts ts ts! Wie konnte der River Tummel für uns so unbemerkt zum River Gary werden? :-). Unter Bäumen liegt hier ein gewaltiger natürlicher Sandstrand. Wenn wir Campen würden: Das wäre der ideale Wildcampingplatz!

Der Rest der Strecke verläuft auf einer Asphaltstraße, immer in der Nähe der bösen A-Road, die mit uns auf die linke Seite des Flusses gewechselt hat. Auf unserem Sträßchen ist wenig bis kein Verkehr, nur zweimal kommen uns riesige LKW entgegen, die zum nahe gelegenen Steinbruch unterwegs sind. Der erste Teil (10 Kilometer) unseres heutigen Tages war so schön, dass sie die letzten fünf weniger schönen Kilometer aufheben. Auf jeden Fall kommen wir gut und sehr zeitig in Blair Atholl an, so dass wir noch eine Kaffee trinken und Carla aus dem Bus holen können.

Wir wussten nämlich nicht, dass der Bus direkt bis zum Blair Castle fährt. So warten wir an der Bushaltestelle vor dem imposanten Tor zum Blair Estate auf Carla, aber die steigt nicht aus! Also laufen wir um den Bus herum und klopfen an die Scheibe.

Oh, hätten wir es doch nicht getan! So muss die Arme nun die lange Zufahrt zum Schloss hoch humpeln. Heute fällt uns dann besonders auf, wie schmerzhaft ihre Verletzung sein muss: Sie kommt wirklich nur im Schneckentempo voran!

Schon von weitem erwartet uns Dudelsackgedröhn. Ist das eine Abordnung der weltbekannten Atholl Highlanders? Nee, dies ist nur ein einzelner Pfeifer, der in voller Highlander-Montour in bestimmten Zeitabständen für die Touristen aufspielt und sich zwischenzeitlich um seinen Hund im Auto kümmert.

Blair Castle ist eins der bekanntesten Schlösser Schottlands und für die Öffentlichkeit zugänglich. Der derzeitige Besitzer des Schlosses, der x-te Duke of Atoll, wohnt nicht auf seinem Landsitz, sondern in Südafrika. Also ist das Schloss heute ein Tourismusunternehmen. Neben den Millionen Besuchern, die das Schloss und die dazugehörigen Parkanlagen besichtigen, lassen sich auch exklusive Jagd- und Fischerei-Ferien buchen oder man kann einen Caravan auf dem riesigen Campingplatz auf dem Estate mieten.

Es ist interessant für uns, mal wieder so ein Schloss von Innen zu besichtigen. In jedem unserer Wanderferien reicht uns aber eins davon. Dieses sticht durch seine zahlreichen Erklärungen heraus, welche Frau von welchem Duke auf welchem Ball das ausgestellte Kleid oder Gepränge getragen hat. Zahlreiche Galerien mit Ölschinken verraten uns, in welchem Verhältnis die verschiedenen Zweige der Atholl-Familie mit anderen europäischen Adelsfamilien verwandt sind. Wow! Am meisten beeindrucken uns aber die holzgetäfelten Treppenhäuser und der Saal, der speziell den Atholl Highlanders gewidmet ist – der Duke leistet sich bis heute die einzige legal bestehende Privatarmee Europas!

Friedel wird jedenfalls im Verlauf des Schlossbesuchs immer grimmiger: Ihn befremdet es, dass einzelne Familien so viel Reichtum anhäufen konnten und bis heute noch horten. Und dass sie mit ihrem Reichtum so protzten und dafür auch noch bewundert wurden. Und ist das nicht bis heute so?

Also genießen wir lieber noch einen ehrlichen Kaffee auf einer Parkbank im Schlosspark und durchlaufen einmal kurz die Parkanlage. Zurück geht’s mit dem Bus über die Straße über den Pass von Killiecrankie, die wir auf unserem Weg hin tief im Tal vermeiden konnten. In einer halben Stunde bringt uns der Bus zurück nach Pitlochry, wo unsere Tour dieses Mal endet.

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Wir werden morgen mit dem Zug nach Dunbar an die Ostküste Schottlands fahren und dort noch zwei halbe Tage am Meer verbringen. Dort übernachten wir die Nacht von Samstag auf Sonntag in Dunbar und genießen die felsige „Promenade“ und die Klippen am Meer. Die Zeit reicht sogar noch, um kurz John Muirs Geburtshaus zu besichtigen.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Bus zum berühmten Tantallon Castle und klettern zwei Stunden in den pittoresken Ruinen herum. Den Nachmittag verbringen wir im Seebad North Berwick, dass uns aber an dem Sonntag zu voll ist. Am frühen Abend geht es zurück zum Edinburgh Airport, denn unser Flug geht am Montag schon um sieben Uhr morgens. Wir übernachten im DoubleTree Hilton direkt am Flughafen, das gar nicht so teuer und snobistisch ist, wie wir gedacht haben. Für den letzten Abend ist es okay dort, zumal wir im Wetherspoon im Flughafen zu Abend essen und zum Frühstück nur ein paar Sandwichs einplanen.

Alles in allem war dies mal wieder ein angenehmer Wanderurlaub, vor allem, was das Wetter und die Landschaft betrifft. Getrübt wurde er allerdings von Carlas Fußproblemen und von den vielen Kilometern auf Asphalt oder Schotter.

Tag 93: Aberfeldy nach Pitlochry

Heute bricht die letzte Etappe des RRW an. Dies ist jedoch nicht der letzte Wandertag für uns, da wir morgen noch von Pitlochry nach Blair Atholl laufen.

Carla kommt heute wieder nicht mit uns, sondern fährt mit dem Bus nach Pitlochry. Also haben Friedel und ich erneut einen Wandertag für uns allein, der uns eigentlich wieder viel zu kurz ist. Wenn wir den Weg noch einmal laufen würden, würden wir die Etappen länger anlegen und vielleicht die Alternativrouten mit einbeziehen.

Also traben wir am Morgen los und laufen erst mal zwei unschöne Kilometer direkt an einer Bundesstraße aus dem Ort heraus. Highlight ist hier die Dewar’s Destillery, an deren imposantem Gebäude wir vorbei kommen. Danach folgt der RRW einem Pfad immer parallel zum River Tay: Hübsch!

Nach weitern zwei Kilometer trifft der Weg auf ein altes Bahngleis. So viele Bahntracks sind wir in noch keinem Urlaub gelaufen. Bei dieser Art von Wegen gibt es zwei Varianten: Eine mit Aussicht auf die umliegende Landschaft – gern auch von hohen Viadukten aus – oder die tief eingeschnittene Form. Leider handelt es sich bei diesem Wegabschnitt von Aberfeldy nach Grantully um die letztere. Man sieht wenig bis gar nichts von der Landschaft. Wir treffen jedoch einen Rentner mit Hund, der uns rät, den RRW zu verlassen und lieber einen Schleichweg am Rand des River Tays zu nehmen. Dieser ist auf unserer Karte gar nicht eingezeichnet, aber existiert trotzdem, vermutlich von dem Hundehalter und seinen Freunden selbst kreiert. Wir nehmen den Tipp gern an und gehen in der Tat einen wunderschönen Weg am Tay entlang, der rauf und runter geht und vermutlich auch einen kleinen Umweg bedeutet, aber was soll’s?

Nach einer schönen Rast an einem Bootsanleger kommen wir nach Grantully, wo wir hoffen, einen Kaffee zu bekommen. Fehlanzeige, denn das „Inn on the Tay“ ist geschlossen.

Also erklimmen wir die Hügel, die uns noch von Pitlochry trennen. Auf einem sehr schönen Weg steigen wir am Rand des Tullypowrie Burn fast 300 Meter nach oben. Uns umgibt eine typische Moor-Landschaft, aber mit vielen üppig blühenden Ginsterbüschen. Der Mai ist eine wirklich schöne Wanderzeit: Ginster, Lämmer und Bluebells allerorten!

An der 350-Meter-Grenze treffen wir auf einen Wald. Inmitten des Waldes ist ein Steinkreis in unserer Karte eingezeichnet, und hätten wir es nicht gewusst, wir hätten ihn nicht gefunden. Drei aufrecht stehende Steine sind noch übrig .. mit viel Phantasie lässt sich also ein Kreis erkennen. Der umgebende Wald ist aber wirklich hübsch: Nadelwald mit lindgrünem Grasteppich.

Als wir aus dem Wald heraustreten, ragen die Berge des Cairngorms über das Tal des River Rummel – das sind Berge, aber hallo!

Der Weg nach Pitlochry hinein führt uns über eine Brücke über den Tummel. Von Weitem kann man hier das große Wasserkraftwerk sehen. Ein Abendspaziergang wird uns noch dorthin führen, und zurück durch Port-na-Craig, das alte Fischerviertel am Tummel.

Aber jetzt geht es erst mal hinein in das Gewimmel von Pitlochry. Der Ort erinnert an eine Western-Stadt: Entlang einer langen Straße reihen sich Hotels, Geschäfte und Restaurants auf. Es ist extrem viel Volk unterwegs und ganze Busladungen davon werden auf der Straße ausgespuckt. Oje, hier sollen wir zwei Tage bleiben?

Wir haben uns für zwei Tage in einem Cottage eingemietet, das zum McKay’s Hotel gehört. Wir treffen Carla schon auf der wuseligen Main Street. Und gut, dass wir sie getroffen haben, denn wir haben nur einen Schlüssel für das Häuschen und so können wir nur gemeinsam hinein. Carla hat sich schon das kleinere der zwei Schlafzimmer im ersten Stock eingerichtet. Wir nehmen das andere. Außer dem zwei Schlafzimmern gibt es noch ein Bad, ein ebenerdiges Wohnzimmer und eine Küche mit Seitentür. Das Haus ist groß, aber hat schon länger keine Renovierung gesehen, vor allem in Bezug auf die Möbel und das Dekor. Außerdem herrscht eine Bullenhitze im Häuschen: Die Heizung lässt sich nicht regulieren. In der Küche gibt es nicht mal Spülmittel oder ein Küchenhandtuch. Dementsprechend schmutzig ist das Besteck und die Tassen und Gläser, weil jeder die Sachen wohl nur kurz abspült. Grrr!

Tag 9: Port Isaac nach Tintagel

Heute ist unser letzter Tag in diesem Urlaub. Sehr schade, denn wir haben uns gerade erst richtig eingelaufen! Friedel hat jedoch am Wochenende ein Seminar in Ulm, das er auf keinen Fall verpassen möchte – Deshalb geht es schon morgen Abend zurück nach Deutschland.

An diesem Tag erwartet uns ein weiteres Highlight unserer Wanderung: Unser Ziel für heute ist Tintagel Castle, angeblich König Arthurs Geburtsort. König Arthur selbst interessiert uns jetzt nicht so, denn es gibt hier inflationär viele Orte, die mit ihm verbunden werden. Aber wir haben schon einige Fotos von der atemberaubenden Lage des Castles gesehen, also sind wir sehr gespannt!

Der Morgen beginnt mit einem bedeckten Himmel und es wird im Verlauf des Vormittags einige Male regnen. Hinter Port Gaverne erwartet uns wieder das offene Meer und Klippen, Klippen Klippen. Unser Reiseführer hatte uns auch schon vorgewarnt, dass es heute anstrengend wird. Uns erwarten einige steile Auf- und Abstiege – und so ist es auch. Wenn wir oben sind, schauen wir hundert Meter tief herunter. An einigen Stellen sind die Wiesenzäune so dicht an die Klippen gebaut, dass nur ein schmaler Fußweg bleibt. Wie gut, dass wir relativ schwindelfrei sind!

Jedoch geht es immer wieder tief in die Täler hinunter. In den Weg sind Stufen hineingebaut, die am Ende jeweils mit Brettern begrenzt sind. Da es gerade geregnet hat, steht vor fast jedem dieser Bretter eine Pfütze, in die man besonders bei den Absteigen voll hinein patscht. Also rentieren sich heute endlich mal unsere Gamaschen, die wir die ganze Zeit nutzlos im Rucksack herumgetragen haben!

Trotzdem gefällt uns der Weg heute wieder außerordentlich gut, zumal die Täler meistens pittoresk mit Farnen bewachsen sind. Immer wieder treffen wir dort neugierige Kühe, die sich nur ungern vom Weg verscheuchen lassen. Da wir nicht ganz sicher sind, ob die Viecher aggressiv sind, müssen wir uns immer wieder gedulden, bis sie freundlicherweise den Weg frei machen.

Ab Mittag wird das Wetter wieder sonnig. Außerdem kommt ein ordentlicher Wind auf, der die Wellen hochschlagen lässt. Friedel macht Millionen Gischt- Schaum- und Wellenfotos, die mit den vielen Felsen am Strand auch besonders gut wirken.

Schon ab ein Uhr können wir unser Endziel sehen: Die Kirche St Materiana, die auf einem Hügel bei Tintagel steht. Vorher geht es zwar noch einige Male auf und ab, aber es sind ja heute nur 16 Kilometer – da können wir ganz gemütlich weiterschlendern und uns schön viel Zeit nehmen, die Klippen und die Wellen zu bewundern.

In Trebarwith Strand kommen wir zwar zu einem Kaffee, aber uns überkommt auch so etwas wie ein kleiner Kulturschock: Der Ort scheint sehr beliebt zu sein – Nachdem wir den ganzen Tag wirklich niemanden getroffen haben, schocken uns nun die Massen an Rentnern, die auf der Terrasse des Port William sitzen. Die sind natürlich mit dem Auto und nicht zu Fuß gekommen. Der Gasthof liegt aber wirklich schön in einer schmalen Bucht und bietet einen ordentlichen Blick auf die Wellen, die nun bei Flut ganz besonders hoch an die Felsen spritzen. Vom Strand sehen wir so allerdings nichts.

Der Abschnitt von Trebarwith Strand nach Tintagel ist von Schiefer geprägt: Früher wurde dieser auf diesem Wegstück abgebaut, und davon zeugen noch einige Steinbrüche an den Klippen und die vielen Mauern und „Stiles“ aus geschichteten Schieferplatten – dies erinnert uns sehr an den Lake District oder Wales.

Kurz vor Tintagel verlassen wir den SWCP, um uns die St Materiana Kirche anzuschauen. Die Kirche stammt aus dem späten elften Jahrhundert und beeindruckt nicht nur durch seine exponierte Lage und den trutzigen Turm, sondern auch durch den großen Friedhof mit vielen alten Grabsteinen. Auch von Innen ist die Kirche sehr beeindruckend. Da es erst 15 Uhr ist, können wir uns viel Zeit für die Kirche lassen.

Trotzdem wollen wir nicht zu spät zum Tintagel Castle kommen, denn wie wir ja bereits wissen, schließen viele Sehenswürdigkeiten in England bereits um 17 Uhr. So sind wir gegen 16 Uhr dort – und erfreulicherweise ist das Kassenhäuschen schon geschlossen, aber die Burg noch geöffnet! Auf wieder ein Vorteil der Nachsaison?

Von der Burg selbst ist nicht wirklich viel erhalten. Ein Paar Mauerreste, das ist alles. Aber der Weg dorthin über in den Felsen gehauene Stiegen und eine schmale Holzbrücke über dem Abgrund ist schon sehr beeindruckend. Circa eine Stunde klettern wir auf dem großen Felsen herum, dann ruft uns die Aussicht auf ein Ale in der Abendsonne. Hoffentlich hat unsere Unterkunft einen Biergarten?

Hat sie! Um zum Tintagel Arms Hotel zu gelangen, müssen wir jedoch erst das ganze Straßendorf durchlaufen. Der Ort ist ziemlich lang gestreckt und unser Hotel liegt am anderen Ende des Ortes. Allerdings haben wir so den ganzen Ort schon gesehen und brauchen abends nicht noch einmal extra los. Außer dem alten Postoffice finden wir aber aber auch nichts wirklich Schönes am Ort. Wir freuen uns über ein Ale im improvisierten kleinen Biergarten hinter dem Haus, der auch tatsächlich noch Sonne hat.

Am Abend essen wir im Hotel – und sind die einzigen Gäste! Es wird uns ein wenig bange, denn sowas ist ja meistens kein gutes Zeichen. Das Essen ist jedoch sehr gut und im Speisesaal im Ritterstil läuft guter Jazz – Was will man mehr an seinem letzten Abend?

Es tut uns allerdings ein wenig leid für den Wirt des Hotels, dass so wenig los ist. Hier scheint es eine große Konkurrenz an anderen Hotels zu geben, das Hotel liegt am weitesten entfernt vom Castle und in der Nachsaison scheint es nicht mehr viele Gäste zu geben. Wir nehmen uns vor, hier wieder zu logieren, wenn wir den nächsten Abschnitt des SWCP laufen: Von Tintagel über Minehead nach Washford, den Beginn unsere Somerset-Tour.

Am nächsten Morgen reisen wir voller Bedauern ab. Der Wirt hat uns am Abend noch freundlicherweise ein Taxi bestellt, das uns zur Bahnstation Bodmin Parkway fährt – die Busfahrt mit drei Umstiegen würde sonst einfach zu lange dauern. Von dort aus sind wir fast den ganzen Tag bis nach London unterwegs. Das ist jedoch kein Problem, denn unser Flieger in Heathrow geht erst um 19:00 Uhr – Das haben wir locker geschafft.

Tag 8: Padstow nach Port Isaac

Nach dem (zugegeben guten) Frühstück ist unser erster Akt heute, die Fähre über das Camel Estuary nach Rock zu finden – was gar nicht so einfach ist, denn es gibt verschiedene Abfahrtsstellen, je nachdem ob Ebbe, Flut, „Halbflut“ oder extremes Niedrigwasser herrscht. Wir fragen uns jedoch erfolgreich durch und landen bereits um 9:30 Uhr auf der anderen Seite in Rock. Es erwarten uns: Ein endloser, breiter Sandstrand und ein dunkler Himmel, der jedoch immer wieder von der Sonne durchbrochen wird. Tolles Fotowetter.

Der Weg von Rock nach Polzeath ist wieder mal Küstenlinie at its best: Sauberster Sandstrand, Dünen, Wellen, und wenn man sich mal ein wenig vom Strand entfernt, eine hübsche Dünenlandschaft mit blühenden Ginsterbüschen, Ilex und Heide: Das lieben wir, ganz im Gegensatz zu den langweiligen Wiesen von gestern!

Was wir auch lieben, ist das Surfercafé in Polzeath, in das wir bereits um elf Uhr einkehren: Extra für uns öffnen sie die Tür! Vermutlich sind wir bei dem Wetter heute die einzigen Gäste.

In der Tat wehen uns auf der Terrasse fast die Mützen vom Kopf. Viel Wind bedeutet aber auch, dass es ordentliche Wellen gibt. Rauhes Nachsaisonklima, das uns aber durchaus gefällt! Außer uns gibt es nur ein paar Surfer-Bullis am Strand. Wanderer haben wir schon seit gestern nicht mehr gesehen.

Da wir nur gemütliche 19 Kilometer vor uns haben, folgen wir dem SWCP heute regelgerecht und machen den Schlenker über Pentire Point und Rumps Point. Tatsächlich werden wir mit Sonne und einer schön zerklüfteten Küstenlandschaft belohnt.

Der Weg bleibt wunderschön, bis wir Fort Quin erreichen. Dies ist ein hübscher kleiner Fischerort mit dazugehörigem kleinen Kastell – ach was, es ist nicht mehr als eine Ansammlung von Häusern. Ein Café gibt es nicht, aber unverhofft wird der Nachmittag noch einmal windstill, sonnig und warm. So setzen wir uns einfach auf ein paar Steine oberhalb der Bucht und genießen den „Altweibersommer“ und den Blick auf die Bucht.

Den Rest des Tages bummeln wir gemütlich bis nach Port Isaac. Zwar geht es am Nachmittag noch einige Male ordentlich rauf und runter, aber wir lassen uns Zeit und genießen die Sonne und den preiswürdigen Wegabschnitt. Hinter jedem Anstieg erwartet uns ein neuer toller Blick nach unten, in jedem Tal eine neue steinige Bucht mit tiefblauem Wasser. Die Hänge sind mit Ginster, Heidekraut oder Farnen bewachsen, so wie wir es besonders mögen.

Kurz vor Port Isaac schlängelt sich der Weg hoch über dem Meer in einer terrassenartigen Landschaft – aber dann geht es noch mal hundert Stufen nach unten – und wieder hundert Stufen auch oben – Port Isaac ist schon im Blick. Und nochmal um eine Bucht herum – nach unten – wieder hinauf – und noch eine Bucht. Es ist anstrengend, aber wunderschön.

Nachdem wir Port Isaac erreicht haben, sind wir uns einig, dass dies heute neben der Strecke von Pendeen nach St Ives der schönste Tag war. Zwar gab es keine besonderen „Sehenswürdigkeiten“, aber die Landschaft war so, wie man sich Cornwall vorstellt. Und das gute Wetter hat natürlich auch noch seinen Teil dazu beigetragen.

Port Isaac ist ein ausgesprochen hübsches Fischerdorf und gibt vor, noch wirklich zu fischen. Wir wohnen direkt am Hafen im Slipway Hotel. Das Hotel hat schon bessere Tage gesehen, aber der Schuppen hat Lokalkolorit und wir hegen die Hoffnung, am Abend auf der Terrasse mit Blick auf den Hafen sitzen zu können.

Vor dem Abendessen sind wir noch so fit, dass wir den ganzen Ort samt aller kleiner Gässchen rauf und runter erkunden und sogar noch mal den Weg zurückgehen, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu sehen. Es lohnt sich!

Das hat unseren Appetit ordentlich angeregt und wir sind glücklich und dankbar, dass es tatsächlich am Abend noch warm und trocken ist, so dass wir den Abend draußen an der frischen – zugegeben etwas fischigen – Luft genießen können. Das war ein perfekter Tag heute!

Tag 7: Mawgan Port nach Padstow

In der Nacht hat es ordentlich geregnet und gestürmt. Der Blick am Morgen aus dem Fenster zeigt uns noch immer hohe Wellen und einen dunklen Himmel. Als wir nach dem opulenten Frühstück losziehen, lässt sich jedoch sogar die Sonne blicken. Das T-Shirt-Wetter ist nun wirklich vorbei, aber wir hoffen auf eine relativ trockenen Tag. Das würde uns doch schon reichen!

Leider regnet es dann doch den ganzen Vormittag immer wieder. Wir passieren eine Menge pittoresker Sandbuchten, teilweise mit Höhlen und kleinen Wasserfällen. Gegen zehn Uhr erreichen wir die berühmten Bedruthian Steps: Ein Reihe von imposanten Felsen im Wasser, die wie angelegt wirken, weil sie in einem ziemlich regelmäßigen Abstand zueinander liegen – gerade so, als habe der Riese Bedruthian sie ins Wasser geworfen, um von Fels zu Fels zu hüpfen. Eine ganze Reihe von Stufen führen hinunter zum Strand. Wir bleiben jedoch oben, denn von hier aus sind die Felsen am besten zu sehen und zu fotografieren. Hätte es unten ein Café, dann wären wir vielleicht nach unten gestiegen: Aber bei dem Regen sehen wir lieber zu, dass wir weiter kommen.

Auf dem weiteren Weg ist das typische Szenario zu sehen: Links die Steilküste mit Blick auf’s Meer, rechts langweilige flache Wiesen mit Kühen oder Schafen. Da freut man sich und freut sich auch nicht, wenn es mal wieder in ein Tal runtergeht: Es geht zwar bergab und wieder bergauf, aber geradeaus gibt es schon mehr zu sehen: Ein hübscher Bachlauf, eine Steilwand, ein Wasserfall, ein Stück Strand ..

In Porthcothan hoffen wir auf ein Café, finden aber leider keins. Also laufen wir weiter und spekulieren auf ein trockenes Plätzchen für eine Mittagspause. Tatsächlich hat die Jugendherberge in Trayarnon Beach ein kleines Café .. und geöffnet!

Wir setzen uns bei strömendem Regen unter ein Tarp im Hof und genießen unsere Kaffees und Flapjacks im Trockenen, aber draußen an der frischen Seeluft. So mögen wir’s!

Relativ zügig geht es weiter um Trevose Head und seinen Leuchtturm herum nach Harlyn, wo im dortigen Pub der nächste Kaffee wartet. Was geht es uns gut heute! Und mittlerweile hat es sogar zu regnen aufgehört.

Trevone ist uns nicht sonderlich sympathisch, wenn es auch einen netten Stand und eine berühmte Rettungsstation mit Bootsrutsche hat. Besonders am Ort ist nur, dass wir hier kurz den SWCP verlassen, um eine Abkürzung zu nehmen. Wir schlagen uns landeinwärts nach Padstow, anstatt den fünf Kilometer weiteren offiziellen Weg über Stepper Point zu nehmen. Puristen würden aufschreien, aber wir laufen schließlich nicht ausschließlich den Küstenweg, sondern sind auf dem Weg nach Schottland und müssen unsere Kräfte schonen. Da sei uns die eine oder andere Abkürzung verziehen :-).

Außerdem haben wir so auch noch die Zeit, uns in Ruhe Padstow anzusehen. Immerhin führt uns unsere Abkürzung zunächst an Prideaux Place vorbei. Der Palazzo ist Schauplatz zahlreicher Rosamunde-Pilcher-Filme. Der große Busparkplatz schreckt uns jedoch ab und es reicht uns, einen Blick durch die protzige Pforte zu werfen.

Padstow selbst gefällt uns sehr gut: Im Gegensatz zu St Ives hat man das Gefühl, dass es sich um einen „richtigen“ Ort handelt, in dem Menschen wirklich leben und arbeiten. Der Hafen ist hübsch, es gibt auch normale Geschäfte und es scheint noch andere Menschen außer Touristen zu geben. Jedoch kann dieser Eindruck auch dadurch entstehen, dass heute Dienstag ist und nicht Samstag, wie in St Ives erlebt.

Trotz überschäumender Kritiken für unser B&B in Padstow hält sich unsere Begeisterung für die Unterkunft in Grenzen: Der Weg dorthin ist steil, das Zimmer ist klein und die Wirtin versprüht ihren Charme wohl nur für ihre Landsleute. Uns hingegen fertigt sie relativ kühl ab. Leider regnet es am Abend wieder in Strömen und natürlich müssen wir das B&B verlassen, um an ein Abendessen zu kommen. Also patschen wir die Straße hinunter in den nächsten Pub, in dem es dann nur Fish and Chips gibt. Egal, einmal im Urlaub muss das auf jeden Fall sein. Und der Fisch war gut!

Ein Vorteil von B&Bs ist hingegen, dass sie oft ruhig sind, im Gegensatz zu Gasthöfen. Also schlafen wir wenigstens gut.

Tag 6: Perranporth nach Mawgan Porth

Die langen 26 Kilometer heute sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens wollte Steffi nicht in Newquay übernachten, weil sie davon nur Schlechtes gehört hat. Zweitens war es möglich, dass es keine Fähre über das Gannel Estuary geben würde: Beides bewahrheitete sich!

Wieder beginnt unser Tag damit, dass wir in nassem Sand einsinken. Zunächst gilt es, das Ende des Strandes zu erreichen, eine Klippe mit dem Namen Crotty Point. Wir hatten gehofft, bei Ebbe die Klippe zu umwandern, doch das Wasser steht hoch: So steigen wir Crotty Point hoch, wieder herunter und was erwartet uns? Drei Kilometer erneutes Stapfen durch nassen Sand! Doch das stört uns nicht wirklich: Der Tag ist jung und es regnet nur ein bisschen!

Glücklicherweise legt sich der Regen im Verlauf des Vormittags. Im Nachhinein lässt sich bei uns immer gut rekonstruieren, wann es geregnet hat – es gibt dann nur wenige Fotos!

Was ich von diesem Vormittag jedoch noch weiß: Der Weg führt uns größtenteils hoch an Klippen entlang, immer wieder gibt es tiefe Einblicke auf unzugängliche Sandstrände. Die Wellen schäumen heute ordentlich, die Gischt spritzt dramatisch gegen die Felsen – da kann sich der Friedel dann doch nicht verkneifen, die Kamera einige Male auszupacken, trotz Regen.

Als wir das Gannel Estuary erreichen (breite Flussmündung des River Gannel), hat es aufgehört zu regen. Nun wird es spannend: Gibt es in der Nachsaison noch eine Fähre, die uns auf das andere Ufer nach Newquay bringt, oder müssen wir bis zur Holzbrücke laufen?

Nun, eine Fähre gibt es keine mehr. Das finden wir jedoch nicht weiter schlimm, denn 1,5 Kilometer weiter gibt es die Brücke über den Fluss, das ist dann ja nur ein kleiner Umweg, oder?

Ähmm  .. welche Brücke? Wir haben sie ernsthaft gesucht, aber einfach nicht gefunden!

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ästuar zu Fuß zu umrunden, was einen zusätzlichen Weg von fünf Kilometer ausmacht. So kommt es zu den heutigen 26 Kilometern.

Der Weg entlang des Flusses gefällt uns auf jeden Fall: Auf der anderen Seite schaut man auf tropisch angehauchte Terrassengärten, denn die geschützte Bucht erlaubt Palmen, Ziergräsern und Agaven ein üppiges Wachstum. Später weitet sich das Tal und der Fluss mäandert durch eine breite Wattlandschaft mit vielen Seevögeln – außerdem machen wir gut Strecke, weil es kaum Höhenmeter zu überwinden gibt. Und was uns besonders antreibt, ist die Aussicht auf .. einen Kaffee!

In Newquay erwartet uns –  die Hässlichkeit! Ich hatte also ganz recht damit, diesen Ort  zu meiden und uns lieber ein ruhigeres Plätzchen zum Übernachten zu suchen.

Ich habe mich schon bei früheren Urlauben gefragt, warum es manche englische Seebäder schaffen, sich so derartig zu verunstalten. Newquay ist da ein schönes Beispiel. Das triste Wetter tut noch ein Übriges dazu, aber immerhin finden wir auf der Cliff Road zwischen allerlei Wettbüros und Ramschläden einen Wetherspoon-Pub, der ordentliche Hamburger und einen guten Kaffee im Programm hat. England-Tipp: Wenn man nicht lange fackeln will, sollte man nach eine Wetherspoon Ausschau halten!