2019: 950 Kilometer durch Deutschland

Unsere Strecke 2019 auf unserem Weg durch Deutschland (DDLN)

2019 war ein eher ungewöhnliches Wanderjahr für uns: Wir waren einzig und allein in Deutschland unterwegs, davon rund 950 allein auf DDLN!
Gern wären wir auch mal wieder nach Schottland gefahren. Aber beruflich gab es bei uns einige Turbulenzen, sodass wir keinen längeren Wanderurlaub im Voraus planen konnten. Ein paar Tage in Deutschland sind wesentlich einfacher zu organisieren als ein wochenlanger Trip durch die schottische Wildnis.

Außerdem hatten wir bisher nur selten in Deutschland Urlaub gemacht und kennen England und Schottland mittlerweile besser als unser Heimatland. So reifte in uns letztes Jahr die Idee, auch mal Deutschland von Süd nach Nord zu durchwandern. Nun ist die Zeit, mal einen (zugegeben sehr subjektiven) Vergleich zwischen den Wanderländern Deutschland und Großbritannien zu ziehen:

  1. Das Wegenetz in England ist viel besser ausgebaut als in Deutschland. Zwar gibt es auch hierzulande „Top Trails“, aber neben den wenigen europäischen Fernwanderwegen gibt es nur wenige Verbindungen zwischen den großen Wanderwegen. Viele der etablierten Wanderwege verlaufen hierzulande auch auf breiten Schotterpisten, was wir nicht so toll finden. Dafür sind die deutschen Wege aber weniger matschig und man kommt schneller voran. Insgesamt gefallen uns die englischen Wege besser.
Deutschland: Ein typischer Wegabschnitt auf dem HW8 …
und einer auf dem Southern Upland Way in Südschottland 🙂
  1. In Deutschland haben wir echt viel Wald. Besonders im Sommer ist das Laufen im Wald viel angenehmer als über die baumlosen Hügel und Wiesen Englands. Auf britische Wanderer müssen diese großen Waldflächen ganz besonders wirken – so wie auf uns die kahlen Hügel Großbritanniens!
    Ein moosiger deutscher Wald …

    … und grasige schottische Hügel
  2. Die Orte in England sind eindeutig schöner. Dort ist viel mehr von der ursprünglichen Bausubstanz erhalten und es wurde nicht alles kaputt renoviert. Gleiches gilt auch für die Unterkünfte – Gemütlichkeit versus Zweckmäßigkeit. In Deutschland ist es abseits der Touristenorte zudem oft schwierig, eine Unterkunft im Wegnähe zu finden. In England haben viele Orte einen Pub, der auch Zimmer vermietet. Der Standard hier liegt unter dem in Großbritannien, aber dafür sind die meisten Pensionen und Gasthöfe in Deutschland billiger.
    Deutschland: Praktisch und zweckmäßig

    England: Krumm und urig
  3. Das Bus- und Zugnetz ist in Deutschland viel dichter. So ist es hier weitaus weniger zeitaufwändig und viel bequemer, zum Start- und Endpunkt der Etappen zu gelangen. Nur so war es auch möglich, so viele Etappen von DDLN an (verlängerten) Wochenenden zu laufen. Ein unschlagbarer Vorteil beim Wandern in Deutschland!
    Ein englischer Provinzbahnhof . Hübsch, nicht?

    Und ein deutscher. Aber hierzulande fahren viel mehr Züge!
  4. Wenn wir Urlaub haben, wollen wir auch mal etwas anderes sehen als die typischen, deutschen Landschaften. Eigentlich macht es für uns keinen großen Unterschied, ob wir durch den nahen Schwarzwald laufen oder durch den etwas weiter entfernten Thüringer Wald. Die Felsen im Frankenland sehen auch irgendwie ähnlich aus wie die bei uns auf der Alb. In England ist das Gras jedoch grüner als bei uns, die Berge sind schroffer und die Küstenlinie ist einmalig spektakulär. 3:2 für den Wanderurlaub in GB!

Auf jeden Fall haben wir uns vorgenommen, in Zukunft das Fliegen einzuschränken. Wir werden deshalb nicht ganz auf die Wanderungen in unserem Lieblingsland verzichten, aber eher versuchen, mit dem Zug anzureisen und dafür einen längeren Urlaub einzuplanen. In anderen Zeiten werden wir unser Deutschlandprojekt vorantreiben.
Ob wir es schaffen, 2020 in Schottland Cape Wrath zu erreichen – wir wissen es noch nicht. Schön wär’s! 🙂

Apropos Unterschiedlichkeit der Landschaften: Nun kommt ein Quiz!
Einige der Landschaften und Orte sind englisch, einige deutsch. Nehmt einen Stift und ratet mal. Die Auflösung findet ihr unter den Bildern! 🙂

Bild 1: GB oder D?
Bild 2: GB oder D?
Bild 3: GB oder D?
Bild 4: GB oder D?
Bild 5: GB oder D?
Bild 6: GB oder D?
Bild 7: GB oder D?
Bild 8: GB oder D?
Bild 9: GB oder D?
Bild 10: GB oder D?

Hier die Lösung:

Bild 1: Nein, das ist keine schottische Pinie – eine deutsche Fichte am Staffelberg auf dem Frankenweg!

Bild 2: Falsch, das ist kein Aufstieg auf die Alb, sondern ein steiniger Weg rauf nach Tideswell, Derbyshire.

Bild 3: Bild 3: Ja, das sind Highland-Rinder. Aber sie grasen auf einer Wiese in Hohenlohe am E8. Solche Elektrozäune gibt’s in Schottland nur sehr selten.

Bild 4: Könnte im Schwarzwald oder im Thüringer Wald sein. Ist aber im Exmoor am South West Coast Path bei Lynmouth. Der Schornstein auf dem braunen Haus ist typisch englisch auf der Seite …

Bild 5: Das sind eindeutig – Bluebells! Die gibt es nicht in Süddeutschland. Diese stehen auf Wenlock Edge, Shropshire (Nordengland, Shropshire Way.)

Bild 6: Nein, das ist nicht in Wales, es fehlen die Wildpferde. Karge Hügel gibt es aber auch in Deutschland. Hier der Hesselberg am Frankenweg.

Bild 7: Kalkstein gibt es überall – in Franken, auf der Alb oder so wie hier in Malham, North Yorkshire auf dem Pennine Way. Aber die Mauern sind seeehr englisch.

Bild 8: Ein Kanal ist ein Kanal, in Deutschland wie in GB. Dieser ist der Union Canal bei Linlithgow auf dem John Muir Way in Schottland. Typisch britisch ist der Treidelpfad neben dem Kanal.

Bild 9: Diesen Ausblick gibt vom dem Göranger Anger am Frankenweg. Wenn das Wetter grau ist, sieht alles englisch aus! 🙂

Bild 10: Der Raps sieht deutsch aus, aber das Haus ist englisch, oder? Stimmt!
(Auf dem Monarch’s Way in Shropshire)

 

 

 

 

DDLN Etappe 20: Auf dem E8 von Wassertrüdingen nach Treuchtlingen

17.09.2019: 36 Kilometer

Das ist unfair! Für heute waren null Millimeter Regen angesagt, aber es hat bis 11 Uhr geregnet!

Heute haben wir einige Kilometerchen vor uns – wir haben von Wassertrüdingen bis Treuchtlingen einfach keine geeignete Unterkunft gefunden!

Wir frühstücken nicht im Hotel – das Frühstück dort ist uns zu spät. So nehmen wir einen Kaffee und ein belegtes Brötchen on the fly in einer Bäckerei auf der Strecke. Schon um 7:15 Uhr sind wir somit abmarschbereit.

Im Sprühregen laufen wir los und im Laufe des Vormittags wächst sich dieser zu einem waschechten Regen aus. Zum Glück sind wir den größten Teil der morgendlichen Strecke im Wald unterwegs, so müssen wir nicht mal das Regenzeug auspacken.

Gerade als wir aus dem Wald raus müssen, hört der Regen fast auf – wir Glückskinder!

Toll ist auch, dass der Asphaltanteil heute bestimmt unter zwanzig Prozent liegt – wohl deshalb, weil ein Großteil der Strecke zusammen mit dem Frankenweg und dem Altmühltal-Panoramaweg verläuft. Trennen sich die Wege mal und wir bleiben auf dem E8, landen wir prompt wieder im Gestrüpp – nicht besonders viel begangen, der E8, so scheint es …

Nach vier Stunden erreichen wir Heidenheim und in einer Bäckerei können wir sogar einen Kaffee im Stehen ergattern – super!

Nach Heidenheim geht es hinauf zum Hahnenkamm, einem Höhenzug am Rande des Altmühtals. Leider sind die Hügel komplett in Regenwolken gehüllt und wir haben null Aussicht. Von den Windrädern auf der Hochfläche sehen wir nur die Sockel. So stören sie die Landschaft wenigstens nicht. 🙂

Es geht schön abwechslungsreich durch Wälder, Wiesen und Felder. Besondere Attraktionen gibt es keine, aber es ist einfach nur schön, in dieser schon fast herbstlichen Landschaft zu Fuß unterwegs zu sein. Am Nachmittag kommt sogar noch ein wenig die Sonne raus – was will man mehr?

Schon um 16:15 Uhr erreichen wir den Bahnhof in Treuchtlingen. Hier verlassen wir mit dem Zug das Altmühltal und laufen morgen in Pegnitz in der Fränkischen Schweiz weiter. Wir springen etwa 100 Kilometer nach Norden, weil wir im Mai den DDLN-Abschnitt von Treuchtlingen nach Pegnitz bereits gelaufen sind. Morgen geht es dann weiter auf dem nördlichen Teil des Frankenwegs, in acht Tagen bis nach Thüringen zum Rennsteig. Wir hoffen, ihr bleibt dabei!

DDLN Etappe 19: Auf dem E8 von Dinkelsbühl nach Wassertrüdingen

16.09.2918: 28 Kilometer

Zusammenfassung des heutigen Tages: Auf den ersten zwei Dritteln mittelmäßig bis langweilig, das letzte Drittel auf dem Hesselberg war toll und die kartographierten Wege von Outdoor-Active kann man vergessen!

Adé schönes Dinkelsbühl – so schön die Stadt auch ist, umso langweiliger ist die Umgebung. Wir laufen im ersten Teil des Tages auf schnurgeraden Asphaltwegen durch eine platte Landschaft. Besondere Sehenswürdigkeiten am Wegrand sind: Biogas-Anlagen, Alpakas, ein Stützpunkt der ADAC-Luftrettung und endlich wissen wir, wie extrem effektiv Mais-Harvester arbeiten! Mindestens drei Monster-Traktor-Gespanne warten schon in Reihe, bis der Hechsel-Strahl aus dem Erntegerät die Ladefläche befüllt: In wenigen Minuten!

Diese Traktoren stauben uns auf unserem Weg immer wieder ordentlich ein – unser klägliches „Aber dies ist ein europäischer Fernwanderweg!“ Geht unter im Staub und dem Donnern der Motoren.

Richtig schön wird es erst nach Wittighofen: Nun wird es endlich wieder bergig und es geht rauf zum Hesselberg. Wir folgen streng der E8-Route auf der Outdoor-Active Karte – und landen wieder im Gestrüpp!

Erst wird es grasig …

… dann dornig und brennnesselig …

… und schließlich ist der Weg vollends zugewachsen und nicht mehr zu erkennen. Wenn hier überhaupt noch was läuft, dann sind es Wildschweine!

Der Tracker zeigt uns weiterhin klar an, dass wir auf dem E8 sind. Aber was hilft es: Dieses Mal schlagen wir uns durch!

Oben auf der Hochebene angekommen sind wir dann vollauf begeistert: Der Hesselberg, ein einsamer Zeugenberg, ist fast vollständig kahl und uns erwartet ein weiter Blick über die Ebene.

Die grasige Hochfläche erinnert uns ein wenig an die Black Mountains in Wales, nur die wilden Ponys fehlen. Auf den tieferen Hängen wachsen Wacholder-Büsche und der Wind trägt eine würzige Wacholder-Note zu uns hoch.

Der Berg ist ein touristischer Hotspot und so hat sogar ein Kiosk am Parkplatz oben geöffnet. An einem Montag!

Wir freuen uns, denn so kommen wir zu einem wohlverdienten Schöller-Eis.

Auch der Kniekracher nach unten ist pittoresk – erst geht es durch eine kleinwüchsige Lindenallee und dann durch einen waldigen Hohlweg steil nach unten.

Aber noch sind wir nicht am Ziel – die letzten sechs Kilometer durch Felder und die Ortschaften Röckingen, Opfenried und Wassertrüdingen ziehen sich und ziehen sich.

Morgen wird es wieder schöner, denn wir nähern uns dem Naturpark Altmühltal. Und die Pflastertreterei hat dann auch ein Ende. Nach der Pflicht kommt wieder die Kür! 🙂

DDLN Etappe 18: Auf dem E8 von Lautenbach nach Dinkelsbühl

15.09.2919: 9 Kilometer (plus 6 Kilometer Stadtbesichtigung)

Neun Kilometer – das ist doch lächerlich!
Wir wollten uns unbedingt Zeit für die berühmte mittelalterliche Stadt Dinkelsbühl nehmen und es gibt keine Unterkunft zwischen hier und Wassertrüdingen: Also haben wir heute einen halben Pausentag und genug Zeit für die Stadt.

Unsere Kratzer von gestern sind schon fast weg! 🙂

Am Morgen brechen wir gemütlich gegen neun Uhr auf und schlendern betont langsam los. Über dem See und den Auen liegt noch der Frühnebel und wir treffen gleich auf zwei verschlafene Rehe, die es gar nicht eilig haben, zu verschwinden.

Heute haben wir sogar Zeit für Detail-Fotos: Hagebuttenbüsche, Sonnenstrahlen im Wald und Schachtelhalme.

Der Wald hier ist eine Mischung von Schwarzwald und Frankenwald. Viel Nadelholz und Blaubeer-Waldboden, aber nicht so dunkel.

Ansonsten ist der Weg eher unspektakulär: Lange Strecken Asphalt, viel Mais und einigeAbschnitte an viel befahrenen Straßen.

Wir ärgern uns ein wenig über die Karten von Outdoor Active: Laut Karte geht der E8 direkt an einer Straße ohne Seitenstreifen entlang und in einer Kurve wird unsere Wanderung fast lebensgefährlich. Später entdecken wir, dass etwas abseits auf dem Hang ein bequemer Rad und Fußgängerweg existiert. Hmmpf!

Schon um elf Uhr sind wir innerhalb der Stadtmauern der alten Stadt. Wir sind schier begeistert – die Stadtmauer ist rundum erhalten und wird von 28 Stadttürmen und Toren umsäumt. Nach einer Kaffeepause traben wir die alle ab und freuen uns über stille Winkel vor und hinter der Mauer.

In der Innenstadt tobt hingegen der Tourismus-Bär: Alle guten Fotomotive werden durch Autos und Menschenhorden verstellt. Aber dennoch ist die Stadt ein echtes Kleinod! Die Stadt besitzt 780 mittelalterliche Häuser, die die Stadt zum Weltkulturerbe machen.

Für unseren Geschmack ist es heute schon zu heiß. Aber wir wollen uns nicht beschweren – kältere und nassere Tage werden bestimmt kommen!