DDLN Etappe 56 und 57: Durchs Braunschweiger Land von Weddel nach Wahrenholz

14.05.2022: Weddel nach Fallersleben, 26 Kilometer
15. 05.2022: Fallersleben nach Wahrenholz, 33 Kilometer

Was bisher geschah:
Erinnert ihr euch noch, dass wir 2019 und 2020 von Schaffhausen an der Schweizer Grenze bis nach Goslar am südlichen Harzrand gelaufen sind? Wir haben dabei den Schwarzwald, den Schwäbisch-Fränkischen Wald, die Fränkische Schweiz, Oberfranken, den Rennsteig, das „Grüne Band“, das Eichsfeld und den Harz durchwandert. Über 1300 Kilometer sind wir auf DDLN „Deutschland der Länge nach“ gelaufen – dem Weg, den wir uns selbst ausgedacht haben. Ihr erinnert euch nicht? Wir aber schon! 🙂

In Goslar war dann 2020 erst mal Schluss. Nur 25 Kilometer westlich von unserem letzten Zielort haben wir uns in Seesen ein altes Fachwerkhaus gekauft und sind im November 2021 endgültig vom Ländle an den Harzrand gezogen. Seitdem haben wir abgerissen, verputzt, geweißelt und lediglich kleine Touren unternommen, um den Harz und unsere neue Heimat kennenzulernen. Aber jetzt – eineinhalb Jahre nach unserer letzten längeren Tour – geht es endlich weiter auf unserem DDLN!

Sieben Tage Wandern von Braunschweig bis zur Elbe liegen vor uns. Mit dem Harz haben wir dabei das letzte Mittelgebirge hinter uns gelassen. Von hier bis nach Flensburg wandern wir durch Flachland – Für uns als Freunde des Mittelgebirges ein echtes Novum!

Die ersten drei Etappen von Goslar nach Braunschweig-Weddel lassen wir erst mal aus: Sie lassen sich durch Tagestouren erwandern und wir laufen sie später an Wochenenden. Ab Braunschweig würde die An- und Abfahrt drei Stunden überschreiten – zu lang für uns, um das bequem an einem Tag zu fahren. Wir beginnen unsere Reise also in Weddel östlich von Braunschweig, weil es dort einen Bahnhof gibt. Dafür laden wir ein Tagesticket des „Verkehrsverbunds Region Braunschweig“ auf unsere Handys – So billig war noch keine unserer Anreisen in den Urlaub!

In Weddel bei Braunschweig geht es dann los. Am Ortsrand verläuft der E6 – auf dem waren wir schon 2020 unterwegs und wir werden dem Weg im Großen und Ganzen bis Flensburg folgen. Da aber unterwegs die Unterkünfte rar sind, werden wir den Weg immer wieder mal verlassen und die eine oder andere Abkürzung einbauen. Gern würden wir jeden Schlenker des Europäischen Fernwanderwegs mitnehmen. Das würde jedoch zu Etappen von über 35 Kilometern führen und das sollte eher die Ausnahme bleiben!

Vom Bahnhof Weddel aus sind wir recht schnell in Wald und Flur. Die Landschaft ist nicht spektakulär, aber die Sonne scheint, der Kuckuck ruft und der Raps blüht und duftet. Im Mai ist (fast) jede Landschaft schön!

Was uns heute gut gefällt, sind die vielen naturbelassenen Wege. Kaum einen Meter wandern wir auf Schotter oder Asphalt. Nur dann, wenn wir einen der wenigen Orte auf der Strecke durchlaufen, müssen wir Pflaster treten.

In Wendhausen haben wir das Gefühl, nun endgültig im Norden angekommen zu sein – zum ersten Mai auf DDLN sehen wir eine echte Windmühle!

Viele alte Bäume säumen unseren Weg. Unter einem von Ihnen verbringen wir unsere Mittagsrast und beobachten mit der Teetasse in der Hand, wie die Eichhörnchen die Bäume rauf und runter flitzen. Die Szenerie hier ist zwar nicht ganz so spektakulär wie im Harz, aber schön ist es hier auch!

Tatsächlich hatten wir vor unserem Urlaub eigentlich gar keine richtige Lust, weiter in Richtung Norden zu laufen. Unsere neue Heimat am Harz begeistert uns immer noch sehr und wir hätten uns auch gut vorstellen können, unsere Urlaubswoche in der Nähe zu verbringen, zum Beispiel im Ostharz, wo wir noch gar nicht waren. Aber der läuft uns nicht weg – Wir werden ihn an Wochenenden erkunden!

Unser Zielort Fallersleben liegt eigentlich gar nicht auf dem E6, aber nur dort ist Bett, Restaurant und Frühstück zu ergattern. Gern nehmen wir die zusätzlichen Kilometer fernab der eigentlichen Strecke in Kauf, um am Abend im historischen Brauhaus der Stadt zu sitzen und dabei auf den Fallersleber Schlosspark zu blicken. Ein würdiger Ausklang unseres ersten Wandertags!

Das alte Brauhaus von Fallersleben
Schloss Fallersleben

Der berühmteste Sohn der Stadt ist übrigens August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text zur Deutschen Nationalhymne schrieb. Aber nicht nur das – auch diverse, typisch deutsche Kinderlieder stammen aus seiner Feder: „Alle Vögel sind schon da“, „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Kuckkuck, Kuckkuck, ruft’s aus dem Wald“. Auf unserem Weg von Weddel nach Fallersleben haben wir verstanden, woher August Heinrichs Inspiration stammte – aus der lieblichen Frühlingslandschaft des Braunschweiger Landes und den ständigen Kuckkucksrufen, die uns begleiten!

Diverse Hotels und Pensionen in Fallersleben standen zur Auswahl. Wir haben uns blöderweise für die glattgebügeltste und gesichtsloseste Unterkunft entschieden. Das Hotel ist korrekt modern und das Frühstück guter Standard – aber ein bisschen charaktervoller könnte es aber schon noch werden!

Unser zweiter Wandertag im Braunschweiger Land bricht an – und die Sonne scheint ganz heftig!

Neulich am Elbe-Seitenkanal

Heute ist „Canal Walking“ angesagt. Sehr gern sind wir immer in Mittelengland an den Kanälen entlang gewandert, die in der Frühzeit der Industrialisierung dem Transport von Kohle und Erzen diente. Solche Wasserwege gibt es auch in Deutschland – aber statt romantischer Narrowboats mit winkenden Freizeitkapitänen sind in Deutschland echte, vollbepackte Kähne unterwegs.

Wir hatten es uns sehr hübsch vorgestellt, am Mittelland- und am Elbe-Seitenkanal entlang zu wandern. Wir hofften, quakende Enten und ihren Nachwuchs im Dickicht der Rohrkolben verschwinden zu sehen. Stattdessen erwarten uns hoch technisierte Wasserstraßen.

Nun, hätten wir uns an die exakte Wegführung des E6 gehalten, wären wir heute 45 Kilometer durch Wald und Feld unterwegs gewesen. Die Wirtschaftswege an den Kanälen versprechen jedoch eine Abwechslung zu der Wald- und Wiesenroute gestern und dabei können wir noch einige Kilometer sparen. Die historische Stadt Gifhorn lassen wir also aus und kürzen ab über den Elbe-Seitenkanal.

Zum Glück gibt es am Elbe-Seitenkanal durchaus schöne Ecken. Teilweise ist die Uferlinie hübsch eingewachsen und wirkt fast natürlich. Auch die eine oder andere Entenfamilie fühlt sich auf dem Kanal wohl.

Aber der Tag wird immer heißer und die Wirtschaftswege am Kanal spenden kaum Schatten. Noch nie haben wir bei einer Wanderung Mitte Mai solche Temperaturen erlebt!

Noch dazu nervt, dass wir hier am Kanal fast die einzigen Fußgänger sind. Heute ist Sonntag und der Weg am Kanal dient vor allem als Schnellfahrstrecke für Radfahrer. Friedel und ich können immer nur hintereinander gehen – und dabei den schmalen Schatten der Bäume suchen.

Rechts des Weges ändert sich die Landschaft – Der Boden wid zunehmend sandiger und Kiefer und Birke dominieren die Wälder am Ufer des Kanals. Wir nähern uns der Lüneburger Heide!

Eigentlich lieben wir es, auf unbefestigten Wegen zu wandern – Aber hier stapfen wir lange Strecken durch Pudersand: Ganz schön anstrengend! Aber besser als Pflastertreten ist der Sand allemal.

Am Bernsteinsee hoffen wir auf einen Kaffee, denn hier gibt es einen Campingplatz und eine Wasserski-Anlage. Der Badesee, so lesen wir bei Wikipedia, entstand 1970 beim Bau des Kanals. Hier wurde damals eine halbe Million Kubikmeter Sand entnommen. Vom Wall am Kanal aus sehen wir jedoch, dass der Strand und das Strandcafé pickepackevoll sind. Da habe ich mal wieder gar keine Lust, mich für einen Kaffee anzustellen und Friedel hat dafür zum Glück Verständnis. Wir haben noch Tee in der Thermoskanne und suchen uns lieber ein schattiges Plätzchen im Wald, so beschließen wir.

Am Bernsteinsee verlassen wir nämlich den Kanalweg und betreten das „Große Moor bei Gifhorn“. Auf unser Wanderkarte sieht es so aus, als wenn es den ganzen restlichen Weg bis zu unserem heutige Endziel durch Wald laufen. Da wird sich doch wohl ein schattiges Plätzchen für eine Pause finden lassen!

Nun ja .. mitten auf den Weg könnten wir uns setzen … links und rechts des Weges blubbert nämlich ein echtes Moor! Wir halten Ausschau nach einem Baumstamm, Steinen zum Sitzen oder einem trockenen Rasenstück – Aber Kilometer auf Kilometer finden wir kein geeignetes Pausenplätzchen. Außerdem treffen wir hier im Moor auf eine Spezies, die wir aus den Mittelgebirgen kaum kennen … Mücken! Jede Menge Mücken!

Friedel kann nur dann fotografieren, wenn ich ihm dabei die Mücken vom Leib halte. Das Moor ist durchaus fotogen, aber jeder Stillstand zieht die Biester scharenweise an.
Mit den Arme fuchtelnd sausen wir auf den schnurgeraden Wegen durchs Moor und beneiden ausnahmsweise mal die Radfahrer, die an uns vorbei sausen. Wandern im Norden unserer Republik stellt uns vor ganz neue Herausforderungen!

Im Wald treffen wir zudem auf einige interessante mechanische Objekte. Wir erfahren, dass es sich um Pumpen für die ÖLFÖRDERUNG handelt!

Heimisches Erdöl liegt gerade voll im Trend. Wir erfahren jedoch, dass die Förderung hier im Landkreis Gifhorn sehr kontrovers diskutiert wird. Das können wir uns gut vorstellen, denn wer will schon gern Ölförderungsanlagen vor der Haustür haben?

Kurz vor unserem Tagesziel Wahrenholz treten wir aus dem Wald heraus und stehen sogleich am Lokalbahnhof, vor der heruntergelassenen Schranke. Der Zug von Gifhorn nach Uelzen fährt ein (nach unserem Wanderurlaub werden wir genau diese Stecke mit dem Zug fahren und uns wundern, dass wir das alles gewandert sind ).

An der Schranke spricht uns ein radelnder Familienvater an: „Ja wat denn? Haben wir euch nicht noch eben am Kanal gesehen?“ Es stellt sich heraus, dass uns die Familie am Elbe-Seitenkanal mit den Fahrrädern überholt hat, in Wahrenholz „mal schön Kaffeetrinken“ war und uns nun auf dem Rückweg wieder trifft. Ob wir denn tatsächlich die ganze Strecke zu Fuß gelaufen seien?

„JA ALTER VERWALTER!“ grölt unser Fan begeistert – Das sei ja nicht zu fassen, dass wir die ganze Strecke sooo schnell gelaufen seien! Wir sind ein wenig peinlich berührt, fühlen uns aber auch ein wenig geschmeichelt. So schnell waren wir doch nur wegen der Mücken!

In Wahrenholz fällt uns zum ersten Mal die typisch norddeutsche Backstein-Architektur auf: Die Kirche ist rot, die Apotheke, das Rathaus und der Gasthof. In Letzterem übernachten wir und der Wirt drückt uns beim Einchecken drei Schlüssel in die Hand – „Die drei Zimmer sind frei, sucht euch einfach eins aus!“

Am Abend sitzen wir noch lange auf der Terrasse, während nebenan die Kegelbrüder feuchtfröhlich ihre Würfe feiern. Auf der Speisekarte gibt es Schnitzel, Schnitzel und … Schnitzel. Wahlweise mit Pommes, Wedges oder Bratkartoffeln.
Egal – echte Athleten brauchen Energie!

Auf dem Weg zum Kaiserpaar – die Neu-Harzer gehen stempeln!

Ende November haben wir unser neues Haus im Harz bezogen. Zwar ist das Harzhaus noch lange nicht fertig renoviert, aber endlich haben Friedel und ich ein wenig Zeit, Schleifmaschine und Pinsel auch mal zur Seite zu legen und die eine oder andere kleine Wanderung zu unternehmen.

Und wir sind begeistert! Hier in Seesen haben wir alles was wir brauchen – Geschäfte, Ärzte, Cafés und Restaurants. Aber nur zwei Kilometer von uns entfernt beginnt der Harz – und der mutet uns im Vergleich zur Alb so richtig schön wild an!

Schon bei einer früheren Wanderung im Sommer hatten wir an der Tränkebachhütte so einen komischen grünen Stempelkästen entdeckt. Sieht aus wir ein altmodischer Briefkasten, hat eine Klappe mit einer Nummer vorne und drinnen ein Stempelkissen und einen runden Stempel, gegen Diebstahl gesichert mit einem langen Draht. Wir dachten uns gleich, dass der Stempel wohl einer ähnlichen Funktion dient wie die Pilgerstempel auf den Jakobswegen – Hier wollen welche beweisen, dass sie etwas erreicht haben und sich damit eine Urkunde oder ähnliches verdienen. So etwas brauchen wir nicht, dachten wir … 😆

Aber mittlerweile sind wir mit dem Stempelvirus infiziert. Letzten Freitag haben wir uns zwei dieser Stempelhefte der „Harzer Wandernadel“ geholt. Die Stempelei erscheint uns mittlerweile gar nicht mehr so blöd: Über den ganzen Harz verteilt gibt es nämlich sage und schreibe 222 Stempelstellen, die sich an besonders schönen Plätzen befinden. Mittlerweile beteiligen sich drei Bundesländer am System der „Harzer Wandernadel“: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Natürlich gibt es einen Stempelkasten auf den Brocken, am Hexentanzplatz und an den Teichen des Oberharzer Wasserregals. Aber auch an weniger bekannten Plätzen kann man staunen und dann stempeln: An urigen Hütten, romantischen Wasserfällen, weiten Aussichten oder markanten Felswänden.

Stempelstelle 104 – Tränkebachhütte bei uns in Seesen

Allein in einem Radius von zwanzig Kilometern von uns gibt es an die zwanzig Stempelstellen, die wir demnächst erwandern können. Gerade weil wir uns hier in der neuen Umgebung noch nicht so gut auskennen, haben wir somit jede Menge interessante Ziele im Blick.

Von nun an sammeln wir also Stempel. Einige interessante Rundwanderwege haben wir schon in unserer Wanderapp gespeichert. Dabei gilt es, durch geschickte Wegführung gleich zwei oder drei Stempelstellen miteinander zu verbinden. Schon mit acht Stempeln könnten wir die erste Leistungsstufe erreichen und uns die bronzene Wandernadel an das Revers heften. Mit fünfzig Stempeln darf man sich „Harzer Wanderkönig“ nennen und mit allen 222 Stempeln im Heft wird man zum Kaiser gekrönt – für die meisten bedeutet dies jedoch ein mehrjähriges Wanderprogramm!

Wenn ihr mögt, könnt ihr uns auf unseren Entdeckertouren begleiten und mit uns den Harz kennenlernen. Von nun an wird gestempelt!

DDLN Etappen 15 und 16: Durch Hohenlohe und den Schwäbisch-Fränkischen Wald von Crailsheim nach Murrhardt

_DSC1461
Schloss Vellberg

Crailsheim nach Schwäbisch Hall-Hessental: 32 Kilometer
Schwäbisch Hall-Hessental nach Murrhardt: 27 Kilometer
gewandert am 30. und 31. Mai 2020

Dieses Teilstück fehlte uns noch, um die letzte Lücke auf unserem Deutschlandweg zu schließen. Nun sind wir von Schaffhausen bis zum Rennsteig alle Etappen gelaufen!

Was gibt es über diese zwei Wandertage zu berichten: Ähhh … nix Besonderes! Wir hatten bestes Wanderwetter, es war sonnig, aber nicht zu heiß. Es ging durch viel Wald und Wiesen und an viel Wasser entlang. Besonders ist aber, dass es bei uns in Baden-Württemberg überhaupt erst seit diesem Wochenende wieder erlaubt ist, zu „touristischen Zwecken“ in Hotels und Gasthöfen zu übernachten. Da haben wir die Gelegenheit doch gleich genutzt!

Aber sonst war der Weg an diesen zwei Tagen wenig spektakulär. Am ersten Tag ging es über Schotter, Schotter, Schotter. Da es keinen ausgewiesenen Wanderweg zwischen Crailsheim und Schwäbisch Hall gibt, haben wir uns eine Kombination vom „Schwäbischen Hauptwanderweg 4“ und einer von Outdooractive vorgeschlagenen Route über schöne schmale Waldwege gebastelt. Der Hauptwanderweg war durchweg geschottert, was wir ja nicht so mögen. Man kommt zwar gut voran, aber das ewige Geknirsche unter den Schuhen nervt. Bergauf rutscht man zurück und bergab muss man höllisch aufpassen, nicht mit den größeren Steinen zusammen nach unten zu kollern. Außerdem sind die Wege ziemlich breit und so ein richtiges Wald-Feeling kommt für uns dabei nicht auf. Immerhin ging es über Wiesen und Felder und an dem einen oder anderen hübschen Waldsee vorbei.

_DSC1440
Hochmoor bei Crailsheim

_DSC1444

_DSC1441

Das Highlight des Tages war das kleine mittelalterliche Städtchen Vellberg, das mit seiner befestigten Altstadt hoch über der Bühler thront. Und es gab sogar ein Eisscafé!

_DSC1491
Die Bühler

_DSC1464
Schloss Vellberg

_DSC1472

_DSC1469

_DSC1468

_DSC1470

Dabei fiel uns auf, dass man es mit den Hygienevorschriften in solch kleinen schwäbischen Städtchen oft nicht so ernst nimmt: Zwar mussten wir uns die Hände desinfizieren und uns in eine Liste eintragen, aber bedient und abkassiert wurden wir von einer Bedienung ohne Mundschutz …

Nach Vellberg wurde es schlimm: Die von Outdooractive vorgeschlagenen Waldwege waren schlichtweg nicht mehr existent! Wir landeten nicht nur einmal im Gestrüpp und kämpften uns tapfer durch Kletten, Brennnesseln und über umgestürzte Baumstämme. Wenn wir dann wieder einen Schotterweg erreichten, waren wir richtig froh und untersuchten uns erst mal ausgiebig nach Zecken.

_DSC1454

_DSC1453

_DSC1479
Kunst am Einkorn

Am Abend nahm man in unserem Gasthof die Corona-Maßnahmen dann umso genauer: Wir durften nur den einen Eingang ins Hotel benutzen und mussten zur anderen Seite wieder hinaus. Auch wenn die Restaurant-Terrasse am Eingang lag und wir wirklich niemanden auf den Gängen getroffen haben …

_DSC1485
Die Krone in Schwäbisch Hall-Hessental

Beim Frühstück wurden wir dreimal gefragt, ob wir denn auch wirklich unsere Hände desinfiziert hätten. Die arme Bedienung musste uns alles einzeln an den Tisch tragen, denn am Vorabend hatten wir ein ordentliches Hiker-Frühstück bestellt: Müsli, Obst, Joghurt, Wurst, Käse, Eier, Brötchen … Trotzdem war es schön, die arg strapazierten Knochen auf einem richtigen Bett auszustrecken und am Abend mal wieder im Biergarten eine richtige Halbe zu trinken!

Am nächsten Morgen merkten wir schon, dass uns das viele Laufen auf Schotter ein wenig auf die Waden gegangen war. Zuerst mussten wir steil zum Kocher absteigen, um dann auf der anderen Seite gleich wieder hochzusteigen, das ziepte ordentlich. Aber es kam noch schlimmer – die Etappe von Schwäbisch Hall nach Murrhardt verläuft auf einem Jakobsweg und unsere Vorurteile gegen deutsche Jakobswege bestätigten sich mal wieder: Gefühlt waren wir die Hälfte der Strecke auf Asphalt unterwegs! Ein weiteres Viertel führte über breit planierte Schotterwege durch den eigentlich sehr schönen und wilden Schwäbisch-Fränkischen Wald. Erst gegen Ende der Etappe kamen wir in den Genuss, einige Abschnitte auf weichen Waldpfaden zu laufen …

_DSC1458

_DSC1450

_DSC1499

_DSC1498

_DSC1503

Kurz vor Murrhardt gab es noch mal ein paar schöne Ausblicke auf das Tal der Murr.

_DSC1504

_DSC1457

Insgesamt war es schön, mal wieder draußen zu sein, vor allem bei dem prächtigen Wetter. Die Wiesen und Wälder sind in dieser Jahreszeit auch wunderschön. Nur an unserer Routenwahl sollten wir noch ein wenig arbeiten – vielleicht sollten wir doch häufiger auf Premium-Wegen laufen?

_DSC1496

 

 

2019: 950 Kilometer durch Deutschland

Unsere Strecke 2019 auf unserem Weg durch Deutschland (DDLN)

2019 war ein eher ungewöhnliches Wanderjahr für uns: Wir waren einzig und allein in Deutschland unterwegs, davon rund 950 allein auf DDLN!
Gern wären wir auch mal wieder nach Schottland gefahren. Aber beruflich gab es bei uns einige Turbulenzen, sodass wir keinen längeren Wanderurlaub im Voraus planen konnten. Ein paar Tage in Deutschland sind wesentlich einfacher zu organisieren als ein wochenlanger Trip durch die schottische Wildnis.

Außerdem hatten wir bisher nur selten in Deutschland Urlaub gemacht und kennen England und Schottland mittlerweile besser als unser Heimatland. So reifte in uns letztes Jahr die Idee, auch mal Deutschland von Süd nach Nord zu durchwandern. Nun ist die Zeit, mal einen (zugegeben sehr subjektiven) Vergleich zwischen den Wanderländern Deutschland und Großbritannien zu ziehen:

  1. Das Wegenetz in England ist viel besser ausgebaut als in Deutschland. Zwar gibt es auch hierzulande „Top Trails“, aber neben den wenigen europäischen Fernwanderwegen gibt es nur wenige Verbindungen zwischen den großen Wanderwegen. Viele der etablierten Wanderwege verlaufen hierzulande auch auf breiten Schotterpisten, was wir nicht so toll finden. Dafür sind die deutschen Wege aber weniger matschig und man kommt schneller voran. Insgesamt gefallen uns die englischen Wege besser.

Deutschland: Ein typischer Wegabschnitt auf dem HW8 …

und einer auf dem Southern Upland Way in Südschottland 🙂

  1. In Deutschland haben wir echt viel Wald. Besonders im Sommer ist das Laufen im Wald viel angenehmer als über die baumlosen Hügel und Wiesen Englands. Auf britische Wanderer müssen diese großen Waldflächen ganz besonders wirken – so wie auf uns die kahlen Hügel Großbritanniens!

    Ein moosiger deutscher Wald …

    … und grasige schottische Hügel
  2. Die Orte in England sind eindeutig schöner. Dort ist viel mehr von der ursprünglichen Bausubstanz erhalten und es wurde nicht alles kaputt renoviert. Gleiches gilt auch für die Unterkünfte – Gemütlichkeit versus Zweckmäßigkeit. In Deutschland ist es abseits der Touristenorte zudem oft schwierig, eine Unterkunft im Wegnähe zu finden. In England haben viele Orte einen Pub, der auch Zimmer vermietet. Der Standard hier liegt unter dem in Großbritannien, aber dafür sind die meisten Pensionen und Gasthöfe in Deutschland billiger.

    Deutschland: Praktisch und zweckmäßig

    England: Krumm und urig
  3. Das Bus- und Zugnetz ist in Deutschland viel dichter. So ist es hier weitaus weniger zeitaufwändig und viel bequemer, zum Start- und Endpunkt der Etappen zu gelangen. Nur so war es auch möglich, so viele Etappen von DDLN an (verlängerten) Wochenenden zu laufen. Ein unschlagbarer Vorteil beim Wandern in Deutschland!

    Ein englischer Provinzbahnhof . Hübsch, nicht?

    Und ein deutscher. Aber hierzulande fahren viel mehr Züge!
  4. Wenn wir Urlaub haben, wollen wir auch mal etwas anderes sehen als die typischen, deutschen Landschaften. Eigentlich macht es für uns keinen großen Unterschied, ob wir durch den nahen Schwarzwald laufen oder durch den etwas weiter entfernten Thüringer Wald. Die Felsen im Frankenland sehen auch irgendwie ähnlich aus wie die bei uns auf der Alb. In England ist das Gras jedoch grüner als bei uns, die Berge sind schroffer und die Küstenlinie ist einmalig spektakulär. 3:2 für den Wanderurlaub in GB!

Auf jeden Fall haben wir uns vorgenommen, in Zukunft das Fliegen einzuschränken. Wir werden deshalb nicht ganz auf die Wanderungen in unserem Lieblingsland verzichten, aber eher versuchen, mit dem Zug anzureisen und dafür einen längeren Urlaub einzuplanen. In anderen Zeiten werden wir unser Deutschlandprojekt vorantreiben.
Ob wir es schaffen, 2020 in Schottland Cape Wrath zu erreichen – wir wissen es noch nicht. Schön wär’s! 🙂

Apropos Unterschiedlichkeit der Landschaften: Nun kommt ein Quiz!
Einige der Landschaften und Orte sind englisch, einige deutsch. Nehmt einen Stift und ratet mal. Die Auflösung findet ihr unter den Bildern! 🙂

Bild 1: GB oder D?

Bild 2: GB oder D?

Bild 3: GB oder D?

Bild 4: GB oder D?

Bild 5: GB oder D?

Bild 6: GB oder D?

Bild 7: GB oder D?

Bild 8: GB oder D?

Bild 9: GB oder D?

Bild 10: GB oder D?

Hier die Lösung:

Bild 1: Nein, das ist keine schottische Pinie – eine deutsche Fichte am Staffelberg auf dem Frankenweg!

Bild 2: Falsch, das ist kein Aufstieg auf die Alb, sondern ein steiniger Weg rauf nach Tideswell, Derbyshire.

Bild 3: Bild 3: Ja, das sind Highland-Rinder. Aber sie grasen auf einer Wiese in Hohenlohe am E8. Solche Elektrozäune gibt’s in Schottland nur sehr selten.

Bild 4: Könnte im Schwarzwald oder im Thüringer Wald sein. Ist aber im Exmoor am South West Coast Path bei Lynmouth. Der Schornstein auf dem braunen Haus ist typisch englisch auf der Seite …

Bild 5: Das sind eindeutig – Bluebells! Die gibt es nicht in Süddeutschland. Diese stehen auf Wenlock Edge, Shropshire (Nordengland, Shropshire Way.)

Bild 6: Nein, das ist nicht in Wales, es fehlen die Wildpferde. Karge Hügel gibt es aber auch in Deutschland. Hier der Hesselberg am Frankenweg.

Bild 7: Kalkstein gibt es überall – in Franken, auf der Alb oder so wie hier in Malham, North Yorkshire auf dem Pennine Way. Aber die Mauern sind seeehr englisch.

Bild 8: Ein Kanal ist ein Kanal, in Deutschland wie in GB. Dieser ist der Union Canal bei Linlithgow auf dem John Muir Way in Schottland. Typisch britisch ist der Treidelpfad neben dem Kanal.

Bild 9: Diesen Ausblick gibt vom dem Göranger Anger am Frankenweg. Wenn das Wetter grau ist, sieht alles englisch aus! 🙂

Bild 10: Der Raps sieht deutsch aus, aber das Haus ist englisch, oder? Stimmt!
(Auf dem Monarch’s Way in Shropshire)

 

 

 

 

DDLN Etappe 20: Auf dem E8 von Wassertrüdingen nach Treuchtlingen

17.09.2019: 36 Kilometer

Das ist unfair! Für heute waren null Millimeter Regen angesagt, aber es hat bis 11 Uhr geregnet!

Heute haben wir einige Kilometerchen vor uns – wir haben von Wassertrüdingen bis Treuchtlingen einfach keine geeignete Unterkunft gefunden!

Wir frühstücken nicht im Hotel – das Frühstück dort ist uns zu spät. So nehmen wir einen Kaffee und ein belegtes Brötchen on the fly in einer Bäckerei auf der Strecke. Schon um 7:15 Uhr sind wir somit abmarschbereit.

Im Sprühregen laufen wir los und im Laufe des Vormittags wächst sich dieser zu einem waschechten Regen aus. Zum Glück sind wir den größten Teil der morgendlichen Strecke im Wald unterwegs, so müssen wir nicht mal das Regenzeug auspacken.

Gerade als wir aus dem Wald raus müssen, hört der Regen fast auf – wir Glückskinder!

Toll ist auch, dass der Asphaltanteil heute bestimmt unter zwanzig Prozent liegt – wohl deshalb, weil ein Großteil der Strecke zusammen mit dem Frankenweg und dem Altmühltal-Panoramaweg verläuft. Trennen sich die Wege mal und wir bleiben auf dem E8, landen wir prompt wieder im Gestrüpp – nicht besonders viel begangen, der E8, so scheint es …

Nach vier Stunden erreichen wir Heidenheim und in einer Bäckerei können wir sogar einen Kaffee im Stehen ergattern – super!

Nach Heidenheim geht es hinauf zum Hahnenkamm, einem Höhenzug am Rande des Altmühtals. Leider sind die Hügel komplett in Regenwolken gehüllt und wir haben null Aussicht. Von den Windrädern auf der Hochfläche sehen wir nur die Sockel. So stören sie die Landschaft wenigstens nicht. 🙂

Es geht schön abwechslungsreich durch Wälder, Wiesen und Felder. Besondere Attraktionen gibt es keine, aber es ist einfach nur schön, in dieser schon fast herbstlichen Landschaft zu Fuß unterwegs zu sein. Am Nachmittag kommt sogar noch ein wenig die Sonne raus – was will man mehr?

Schon um 16:15 Uhr erreichen wir den Bahnhof in Treuchtlingen. Hier verlassen wir mit dem Zug das Altmühltal und laufen morgen in Pegnitz in der Fränkischen Schweiz weiter. Wir springen etwa 100 Kilometer nach Norden, weil wir im Mai den DDLN-Abschnitt von Treuchtlingen nach Pegnitz bereits gelaufen sind. Morgen geht es dann weiter auf dem nördlichen Teil des Frankenwegs, in acht Tagen bis nach Thüringen zum Rennsteig. Wir hoffen, ihr bleibt dabei!

DDLN Etappe 19: Auf dem E8 von Dinkelsbühl nach Wassertrüdingen

16.09.2918: 28 Kilometer

Zusammenfassung des heutigen Tages: Auf den ersten zwei Dritteln mittelmäßig bis langweilig, das letzte Drittel auf dem Hesselberg war toll und die kartographierten Wege von Outdoor-Active kann man vergessen!

Adé schönes Dinkelsbühl – so schön die Stadt auch ist, umso langweiliger ist die Umgebung. Wir laufen im ersten Teil des Tages auf schnurgeraden Asphaltwegen durch eine platte Landschaft. Besondere Sehenswürdigkeiten am Wegrand sind: Biogas-Anlagen, Alpakas, ein Stützpunkt der ADAC-Luftrettung und endlich wissen wir, wie extrem effektiv Mais-Harvester arbeiten! Mindestens drei Monster-Traktor-Gespanne warten schon in Reihe, bis der Hechsel-Strahl aus dem Erntegerät die Ladefläche befüllt: In wenigen Minuten!

Diese Traktoren stauben uns auf unserem Weg immer wieder ordentlich ein – unser klägliches „Aber dies ist ein europäischer Fernwanderweg!“ Geht unter im Staub und dem Donnern der Motoren.

Richtig schön wird es erst nach Wittighofen: Nun wird es endlich wieder bergig und es geht rauf zum Hesselberg. Wir folgen streng der E8-Route auf der Outdoor-Active Karte – und landen wieder im Gestrüpp!

Erst wird es grasig …

… dann dornig und brennnesselig …

… und schließlich ist der Weg vollends zugewachsen und nicht mehr zu erkennen. Wenn hier überhaupt noch was läuft, dann sind es Wildschweine!

Der Tracker zeigt uns weiterhin klar an, dass wir auf dem E8 sind. Aber was hilft es: Dieses Mal schlagen wir uns durch!

Oben auf der Hochebene angekommen sind wir dann vollauf begeistert: Der Hesselberg, ein einsamer Zeugenberg, ist fast vollständig kahl und uns erwartet ein weiter Blick über die Ebene.

Die grasige Hochfläche erinnert uns ein wenig an die Black Mountains in Wales, nur die wilden Ponys fehlen. Auf den tieferen Hängen wachsen Wacholder-Büsche und der Wind trägt eine würzige Wacholder-Note zu uns hoch.

Der Berg ist ein touristischer Hotspot und so hat sogar ein Kiosk am Parkplatz oben geöffnet. An einem Montag!

Wir freuen uns, denn so kommen wir zu einem wohlverdienten Schöller-Eis.

Auch der Kniekracher nach unten ist pittoresk – erst geht es durch eine kleinwüchsige Lindenallee und dann durch einen waldigen Hohlweg steil nach unten.

Aber noch sind wir nicht am Ziel – die letzten sechs Kilometer durch Felder und die Ortschaften Röckingen, Opfenried und Wassertrüdingen ziehen sich und ziehen sich.

Morgen wird es wieder schöner, denn wir nähern uns dem Naturpark Altmühltal. Und die Pflastertreterei hat dann auch ein Ende. Nach der Pflicht kommt wieder die Kür! 🙂

DDLN Etappe 18: Auf dem E8 von Lautenbach nach Dinkelsbühl

15.09.2919: 9 Kilometer (plus 6 Kilometer Stadtbesichtigung)

Neun Kilometer – das ist doch lächerlich!
Wir wollten uns unbedingt Zeit für die berühmte mittelalterliche Stadt Dinkelsbühl nehmen und es gibt keine Unterkunft zwischen hier und Wassertrüdingen: Also haben wir heute einen halben Pausentag und genug Zeit für die Stadt.

Unsere Kratzer von gestern sind schon fast weg! 🙂

Am Morgen brechen wir gemütlich gegen neun Uhr auf und schlendern betont langsam los. Über dem See und den Auen liegt noch der Frühnebel und wir treffen gleich auf zwei verschlafene Rehe, die es gar nicht eilig haben, zu verschwinden.

Heute haben wir sogar Zeit für Detail-Fotos: Hagebuttenbüsche, Sonnenstrahlen im Wald und Schachtelhalme.

Der Wald hier ist eine Mischung von Schwarzwald und Frankenwald. Viel Nadelholz und Blaubeer-Waldboden, aber nicht so dunkel.

Ansonsten ist der Weg eher unspektakulär: Lange Strecken Asphalt, viel Mais und einigeAbschnitte an viel befahrenen Straßen.

Wir ärgern uns ein wenig über die Karten von Outdoor Active: Laut Karte geht der E8 direkt an einer Straße ohne Seitenstreifen entlang und in einer Kurve wird unsere Wanderung fast lebensgefährlich. Später entdecken wir, dass etwas abseits auf dem Hang ein bequemer Rad und Fußgängerweg existiert. Hmmpf!

Schon um elf Uhr sind wir innerhalb der Stadtmauern der alten Stadt. Wir sind schier begeistert – die Stadtmauer ist rundum erhalten und wird von 28 Stadttürmen und Toren umsäumt. Nach einer Kaffeepause traben wir die alle ab und freuen uns über stille Winkel vor und hinter der Mauer.

In der Innenstadt tobt hingegen der Tourismus-Bär: Alle guten Fotomotive werden durch Autos und Menschenhorden verstellt. Aber dennoch ist die Stadt ein echtes Kleinod! Die Stadt besitzt 780 mittelalterliche Häuser, die die Stadt zum Weltkulturerbe machen.

Für unseren Geschmack ist es heute schon zu heiß. Aber wir wollen uns nicht beschweren – kältere und nassere Tage werden bestimmt kommen!

DDLN Etappe 17: Auf dem E8 von Crailsheim nach Lautenbach

14.09.2019: 25 Kilometer

Die Jagst in Crailsheim

Unser Herbsturlaub beginnt gleich wunderbar – bestes Wetter, tolle Wege und nicht zu steile Berge!

Nur zwei Stunden Zug zu fahren und gleich im Urlaub zu sein, das hat was!

Zwar haben wir uns gestern eingestanden, dass wir auch mal wieder gern in Schottland unterwegs wären, aber dieses Jahr bleibt noch ökologisch korrekt … 🙂

Wir überbrücken dieses Mal zunächst mit einer Drei-Tage-Wanderung in Hohenlohe die Lücke bis zum Beginn des Frankenwegs, wo wir im Frühling gestartet sind. Wenn das erledigt ist, sind wir (fast alle) Etappen von Schaffhausen bis Bayreuth gelaufen. Dienstag springen wir dann nach Pegnitz und laufen den Rest des Frankenwegs bis nach Thüringen zum Rennsteig.

In diesen drei Tagen folgen wir im Großen und Ganzen dem Europäischen Fernwanderweg E8, der von Irland, quer durch England und Holland, bis in die Karpaten führt. Aber schon in Crailsheim ist der Weg durch ein Volksfest blockiert – laut Karte führt der E8 direkt durch das Festzelt!

Wir schlagen uns um die Zelte und Fahrgeschäfte herum und sind bald am Stadtrand. Hier geht es an Wachholder-Wiesen am Hang entlang, mit schönem Blick zurück auf Crailsheim.

Die heutige Etappe verläuft synchron mit dem Jagststeig, einem relativ neuen, prämierten regionalen Wanderweg. Vielleicht ist der E8/Jagststeig deshalb so gut markiert und die Wege so schön schmal und abwechslungsreich?

Wir sind heute top in Form – der Ausblick auf 15 vor uns liegende Wandertage beflügelt uns geradezu und wir überholen eine achtköpfige Wandergruppe und ein Mutter-Tochter-Gespann – durchweg alle mit Deuter-Rucksäcken, Stöcken und schweren Wanderbunken an den Füßen. Ob es unsere leichten Schuhe sind, die uns so schnell machen?

Nennenswert bergauf geht es nur einmal, um zur ehemaligen Burg Schönebürg zu kommen, dem Witwensitz der Adelheid von Hohenlohe. Von der Burg ist allerdings nicht mehr viel übrig, aber es gibt eine Kaiser-Wilhelm-Büste und – einen Mammutbaum, einen Direktimport aus Kalifornien!

Unseren Vorsprung vor den anderen Wanderern verspielen wir jedoch, als wir einmal vom Wanderweg abkommen und uns im Wald verirren – wenn man so zügig unterwegs ist, übersieht man leider auch schneller die Schilder! 🙂

Aber frei nach unserer Devise „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ korrigieren wir unseren Kurs keinesfalls, auch nicht, als der Weg immer wilder wird, sich vollends im Gestrüpp verliert und wir uns mitten im Weißdorn-Brombeer-Brennnessel-Gewirr verhaken: Lernschritt 1: Vorwärts geht nicht immer! Lernschritt 2: Zerkratzte Beine und Dornen in der Haut verheilen auch wieder!

Nach einem kurzen Rückzug schlagen wir uns querwaldein zurück auf den E8. Selten haben wir uns so über einen Schotterweg gefreut! 🙂

Highland-Rinder!

Mittags wird es ganz schön warm und wir halten vergeblich Ausschau nach einer schattigen Bank für unsere Mittagspause.

Hier sollte eine Bank stehen …

Schließlich hocken wir uns auf unsere Sitzmatten auf die Wiese und machen uns heißhungrig über Salami, Käse und Roggenbrot her. Es ist auch schon fast 14 Uhr und wir sind bisher ohne Pause durchgelaufen.

Gegen 16 Uhr kommen wir in unserer Unterkunft an. Die Storchenmühle liegt direkt an einem See und unser 70-Jahre-Gelsenkirchener-Barock-Zimmer hat sogar einen großen Balkon mit Blick auf den See. Was wollen wir mehr an unserem ersten Urlaubstag?

%d Bloggern gefällt das: