Schwäbische Alb Südrand Weg: Jeder Meter zählt!

Giengen an der Brenz nach Langenau: 23 Kilometer
Langenau nach Ulm: 21 Kilometer

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Friedel und ich sind ja Verfechter des lückenlosen Wegbeschreitens – nachdem wir in den letzten Jahren an Wochenenden den kompletten „Schwäbische Alb Nordrand Weg“ gelaufen sind (seit Neuestem heißt er schmissiger „Albsteig“), ist unser neuestes Wochenend-Projekt die komplette Durchschreitung  des „Schwäbische Alb Südrandwegs“. Den haben wir nun auch fast geschafft: Nur vier Etappen fehlen noch. Die zwei Etappen im Donautal von Sigmaringen nach Beuron wären wir an diesem Wochenende gern gelaufen – allein, alles war von Corona-Touristen ausgebucht!

Also habe wir uns vorgenommen, an diesem Wochenende die anderen zwei fehlenden Etappen zu laufen: Von Giengen an der Brenz über Langenau nach Ulm.

Diese beiden Wandertage haben wir uns bis fast zum Schluss aufgehoben, obwohl sie nicht weit entfernt von unserem Wohnort liegen. Denn … sie sehen auf der Karte total langweilig aus! Selbst unser alter Wanderführer aus dem Conrad Stein Verlag rät, die Etappe von Langenau nach Ulm komplett zu skippen – es gehe über öde Feldwege und an brausenden Verkehrswegen vorbei. Unser Gewissen diktiert uns jedoch – auch diese weniger attraktiven Etappen müssen wir bezwingen!

Noch dazu gibt es an diesem Wochenende ein super Angebot eines Vier-Sterne-Hotels in Langenau. Für achtzig Euro offerieren sie ein Zimmer, das sonst 115,- Euro kostet.
Ein weiteres Argument: In den letzten Monaten hatte ich arge Probleme mit meiner rechten Wade. Mein Physio-Therapeut hat mich zum Glück wieder hingekriegt. Sollte meine Wade aber doch nach dem ersten Wandertag mit 23 Kilometern schlappmachen, könnten wir mit dem Zug von Langenau aus bequem nach Hause fahren – also auf in die Pflichterfüllung. Jeder Meter zählt!

Schon um 8:40 Uhr sind wir in Giengen – das ist gut, denn heute droht ein heißer Wandertag mit wenig Schatten!

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Die Schwäbische Alb ist ja bekannt für ihre pittoresken Trockentäler, dramatische Felsen aus Jura-Gestein und fulminante Aussichten. Wir aber laufen gleich am Morgen von Giengen aus über eine schattenlose, wenig spektakuläre Hochebene in Richtung Hülben. Aber egal: Es gibt viele Blumen, Schmetterlinge und es ist einfach schön, mal wieder zu wandern!

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Typisch Trockenwiese: Monster-Diesteln!

In Hülben waren wir schon mal. Von Giengen aus gibt es dorthin einen wesentlich schöneren Weg, durch das Eselstal. Diesen sind wir vor ein paar Jahren schon mal gelaufen. Der Südrandweg wählt jedoch eine viel unattraktivere Route über die Hochebene, am Eselstal vorbei. Wir sind jedoch auf einer Mission – und die heißt Südrandweg!

In Hülben gibt es den Höhlen-Erlebnispark rund um die Charlottenhöhle. Gern hätten wir euch ein paar Fotos gezeigt. Aber selbst um die frühe Stunde gibt es hier schon unzählige Familien, die mit Kind und Hund zur Höhle unterwegs sind – und wir laufen über einen riesigen Parkplatz voller Autos. Wir kennen die Höhle, vermeiden die Menschenmassen und schlagen uns lieber über waldige Pfade in die grünen und schattigen Büsche …

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Das nächste Highlight ruft. Es geht am Lonetal vorbei. Das Lonetal ist ein wunderschön romantisches, tiefes Tal mit zahlreichen schroffen Felsen und Höhlen, in denen die bisher ältesten erhaltenen Kunstgegenstände der Welt gefunden wurden. In der Hohlenstein-Höhle wurde unter anderem der „Löwenmensch“ ausgegraben, eine aus der jungpaläolithischen Zeit stammende Figur aus Mammut-Elfenbein. Der naheliegende Abschnitt des Lonetals gehört mittlerweile zu einer UNESCO-Weltkulturerbestätte.  Aber an diesem Tal führt der Südrandweg komplett vorbei – wie gut, dass wir das Lonetal schon vor ein paar Jahren durchwandert haben!

Von der Höhe aus blicken wir auf das Besucher-Zentrum und das Gewusel im Tal hinab.
Man sollte das Lonetal lieber nicht an einem Samstag besuchen, hier ist es (uns) einfach zu voll.

In Stetten ob Lonetal hoffen wir auf einen Kaffee, aber es gibt kein Café und keine Bäckerei. Nur eine prächtige Kirche und ein kleines Schloss, mittlerweile in Eigentumswohnungen umgewandelt.

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In brütender Hitze, schattenlos und ohne Wind geht es weiter. Unser Füße qualmen und der Schweiß rinnt. Wir freuen uns über jedes schatttige Wäldchen!

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Hinter Setzingen wird es skurril – es geht über eine endlose Agrarfläche, weit bis zum Horizont nichts als abgeerntete Weizenfelder. Wir fühlen uns wie im amerikanischen Mittleren Westen!

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Zum Glück bewölkt es sich etwas, sodass wir nicht ganz zerflossen sind, als wir in Langenau ankommen. Das saure Radler im Hotel, das zischt vielleicht!

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Das Hotel ist klasse, aber der Ort selbst bietet nichts Besonderes – außer, dass auf zahlreichen Dächern Störche brüten. Die Störche sind hier, weil sie im nahen Donauried Nahrung im Überfluss finden.

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Wir erfahren, dass zum Repertoire des Vier-Sterne-Hotels scheinbar auch ein frühes Frühstück gehört: Schon um halb sieben dürfen wir am nächsten Morgen ans Buffet!

Das ist auch gut so, denn heute droht ein 27-Grad-Tag. Wenn wir Glück haben, sind wir schon mittags am Bahnhof in Ulm und vermeiden so die brütende Nachmittags-Hitze.

Gestern schon haben wir uns ein wenig gewundert: Kurz vor Langenau gab es plötzlich keine HW2-Wegweiser mehr. Unserer etwa 15 Jahre alte Wanderkarte zufolge geht der Weg über Langenau. Das behauptet auch unserer antiquarischer Wanderführer vom Conrad-Stein-Verlag. Aber auf den Karten von Outdooractive geht der Weg ganz woanders lang und umgeht Langenau komplett. Was gilt nun?

Schon gestern sind wir stattdessen den Wegweisern des HW4 gefolgt und müssen davon ausgehen, dass der Schwäbische-Alb-Nordrandweg verlegt wurde. Okay … da sind wir jetzt konservativ und folgen halt der originalen Route. Wir haben keine Lust, die letzten fünf Kilometer von gestern bis zum neuen HW2 zurückzulaufen. Sollten wir später mal den HW4 laufen, nehmen wir dann die aktuelle Route des HW2 :-).
Immerhin laufen wir zu Fuß nach Ulm, wenn auch unwillentlich auf einer anderen Route!

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Am Morgen haben wir das Gefühl, durch die Schwäbische Toskana zu laufen. Weite, breeiite, sanfthügelige Ebenen und die Sonne brennt! Auf schnurgeraden, geteerten Wegen wandern wir über die Hochebene und bewundern Weizenfelder, die eine oder andere Hühnerfarm, Schweinemast-Betriebe und Getreidesilos. Trotz der Monotonie der Landschaft empfinden wir die Hochebene aber als durchaus reizvoll. Wenn es nur nicht so heiß wäre!

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Nebenbei überqueren wir noch zwei Autobahnen (A7 und A8) und wundern uns, dass hier der „Rand“ der Alb sein soll. Bis wir zur Kante kommen und sich ein weiter Ausblick über das Donauried eröffnet ..

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Ab Elchingen geht es bergab zur Donau. Allerdings sind die Waldwege parallel zum Fluss so zugewachsen, dass wir die Donau kaum sehen. Egal … Hauptsache Schatten!

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Hier begegnen uns jede Menge Jogger: Junge, alte, dicke, dünne, in Paaren oder allein … und einer, der wie Richard Gere in seinen besten Jahren aussieht! (Friedel und ich rempeln uns beide an und raunen zeitgleich verschwörerisch: „Heeey, Richard Geeeere!“)
Die Jogger tragen Pink oder sind ganz in Schwarz, haben gestylte Hipster-Bärte und fast alle Kopfhörer im Ohr – wir nähern uns der Großstadt!

Nach der Überquerung mehrer Schnellstraßen landen wir endlich am Donau-Ufer. Heute am Sonntag ist das Gewässer voll mit Ruderern, Schlauchbootfahrern und Stand Up Paddlern. So eine Großstadt am Fluss – das hat schon was! Geschockt hat uns nur, dass auf dem Weg am Donauufer und auf der Stadtbefestigung NIEMAND die Abstandsregeln eingehalten hat … 😦

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Der direkteste Weg zum Bahnhof würde uns direkt an der Donau entlang führen, wir aber machen brav jeden Schlenker des HW2 mit und laufen den Umweg durch die Friedrichsauen:

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Nach der Schwitzpartie haben wir uns den Eiskaffee in mediteraner Atmosphäre aber echt verdient!

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In Ulm waren wir schon tausendmal, schließlich liegt die Stadt näher an unserem Wohnort als Stuttgart. Aber leider sind wir viel zu wenig in Ulm, da wir beide in der Stuttgarter Region arbeiten. Wir nehmen uns jetzt und hier vor, am Wochenende öfter mal nach Ulm zu fahren!

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Das Ulmer Münster – zu hoch, um es aus der Nähe zu fotografieren!

Fazit: Dies war nicht die schönste Tour auf dem HW2, aber es war toll, wieder mal draußen zu sein, trotz der Hitze. Und meine Wade hat gut durchgehalten. Der HW2 ist somit fast geschafft!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DDLN Etappen 15 und 16: Durch Hohenlohe und den Schwäbisch-Fränkischen Wald von Crailsheim nach Murrhardt

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Schloss Vellberg

Crailsheim nach Schwäbisch Hall-Hessental: 32 Kilometer
Schwäbisch Hall-Hessental nach Murrhardt: 27 Kilometer
gewandert am 30. und 31. Mai 2020

Dieses Teilstück fehlte uns noch, um die letzte Lücke auf unserem Deutschlandweg zu schließen. Nun sind wir von Schaffhausen bis zum Rennsteig alle Etappen gelaufen!

Was gibt es über diese zwei Wandertage zu berichten: Ähhh … nix Besonderes! Wir hatten bestes Wanderwetter, es war sonnig, aber nicht zu heiß. Es ging durch viel Wald und Wiesen und an viel Wasser entlang. Besonders ist aber, dass es bei uns in Baden-Württemberg überhaupt erst seit diesem Wochenende wieder erlaubt ist, zu „touristischen Zwecken“ in Hotels und Gasthöfen zu übernachten. Da haben wir die Gelegenheit doch gleich genutzt!

Aber sonst war der Weg an diesen zwei Tagen wenig spektakulär. Am ersten Tag ging es über Schotter, Schotter, Schotter. Da es keinen ausgewiesenen Wanderweg zwischen Crailsheim und Schwäbisch Hall gibt, haben wir uns eine Kombination vom „Schwäbischen Hauptwanderweg 4“ und einer von Outdooractive vorgeschlagenen Route über schöne schmale Waldwege gebastelt. Der Hauptwanderweg war durchweg geschottert, was wir ja nicht so mögen. Man kommt zwar gut voran, aber das ewige Geknirsche unter den Schuhen nervt. Bergauf rutscht man zurück und bergab muss man höllisch aufpassen, nicht mit den größeren Steinen zusammen nach unten zu kollern. Außerdem sind die Wege ziemlich breit und so ein richtiges Wald-Feeling kommt für uns dabei nicht auf. Immerhin ging es über Wiesen und Felder und an dem einen oder anderen hübschen Waldsee vorbei.

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Hochmoor bei Crailsheim

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Das Highlight des Tages war das kleine mittelalterliche Städtchen Vellberg, das mit seiner befestigten Altstadt hoch über der Bühler thront. Und es gab sogar ein Eisscafé!

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Die Bühler
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Schloss Vellberg

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Dabei fiel uns auf, dass man es mit den Hygienevorschriften in solch kleinen schwäbischen Städtchen oft nicht so ernst nimmt: Zwar mussten wir uns die Hände desinfizieren und uns in eine Liste eintragen, aber bedient und abkassiert wurden wir von einer Bedienung ohne Mundschutz …

Nach Vellberg wurde es schlimm: Die von Outdooractive vorgeschlagenen Waldwege waren schlichtweg nicht mehr existent! Wir landeten nicht nur einmal im Gestrüpp und kämpften uns tapfer durch Kletten, Brennnesseln und über umgestürzte Baumstämme. Wenn wir dann wieder einen Schotterweg erreichten, waren wir richtig froh und untersuchten uns erst mal ausgiebig nach Zecken.

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Kunst am Einkorn

Am Abend nahm man in unserem Gasthof die Corona-Maßnahmen dann umso genauer: Wir durften nur den einen Eingang ins Hotel benutzen und mussten zur anderen Seite wieder hinaus. Auch wenn die Restaurant-Terrasse am Eingang lag und wir wirklich niemanden auf den Gängen getroffen haben …

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Die Krone in Schwäbisch Hall-Hessental

Beim Frühstück wurden wir dreimal gefragt, ob wir denn auch wirklich unsere Hände desinfiziert hätten. Die arme Bedienung musste uns alles einzeln an den Tisch tragen, denn am Vorabend hatten wir ein ordentliches Hiker-Frühstück bestellt: Müsli, Obst, Joghurt, Wurst, Käse, Eier, Brötchen … Trotzdem war es schön, die arg strapazierten Knochen auf einem richtigen Bett auszustrecken und am Abend mal wieder im Biergarten eine richtige Halbe zu trinken!

Am nächsten Morgen merkten wir schon, dass uns das viele Laufen auf Schotter ein wenig auf die Waden gegangen war. Zuerst mussten wir steil zum Kocher absteigen, um dann auf der anderen Seite gleich wieder hochzusteigen, das ziepte ordentlich. Aber es kam noch schlimmer – die Etappe von Schwäbisch Hall nach Murrhardt verläuft auf einem Jakobsweg und unsere Vorurteile gegen deutsche Jakobswege bestätigten sich mal wieder: Gefühlt waren wir die Hälfte der Strecke auf Asphalt unterwegs! Ein weiteres Viertel führte über breit planierte Schotterwege durch den eigentlich sehr schönen und wilden Schwäbisch-Fränkischen Wald. Erst gegen Ende der Etappe kamen wir in den Genuss, einige Abschnitte auf weichen Waldpfaden zu laufen …

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Kurz vor Murrhardt gab es noch mal ein paar schöne Ausblicke auf das Tal der Murr.

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Insgesamt war es schön, mal wieder draußen zu sein, vor allem bei dem prächtigen Wetter. Die Wiesen und Wälder sind in dieser Jahreszeit auch wunderschön. Nur an unserer Routenwahl sollten wir noch ein wenig arbeiten – vielleicht sollten wir doch häufiger auf Premium-Wegen laufen?

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2019: 950 Kilometer durch Deutschland

Unsere Strecke 2019 auf unserem Weg durch Deutschland (DDLN)

2019 war ein eher ungewöhnliches Wanderjahr für uns: Wir waren einzig und allein in Deutschland unterwegs, davon rund 950 allein auf DDLN!
Gern wären wir auch mal wieder nach Schottland gefahren. Aber beruflich gab es bei uns einige Turbulenzen, sodass wir keinen längeren Wanderurlaub im Voraus planen konnten. Ein paar Tage in Deutschland sind wesentlich einfacher zu organisieren als ein wochenlanger Trip durch die schottische Wildnis.

Außerdem hatten wir bisher nur selten in Deutschland Urlaub gemacht und kennen England und Schottland mittlerweile besser als unser Heimatland. So reifte in uns letztes Jahr die Idee, auch mal Deutschland von Süd nach Nord zu durchwandern. Nun ist die Zeit, mal einen (zugegeben sehr subjektiven) Vergleich zwischen den Wanderländern Deutschland und Großbritannien zu ziehen:

  1. Das Wegenetz in England ist viel besser ausgebaut als in Deutschland. Zwar gibt es auch hierzulande „Top Trails“, aber neben den wenigen europäischen Fernwanderwegen gibt es nur wenige Verbindungen zwischen den großen Wanderwegen. Viele der etablierten Wanderwege verlaufen hierzulande auch auf breiten Schotterpisten, was wir nicht so toll finden. Dafür sind die deutschen Wege aber weniger matschig und man kommt schneller voran. Insgesamt gefallen uns die englischen Wege besser.
Deutschland: Ein typischer Wegabschnitt auf dem HW8 …
und einer auf dem Southern Upland Way in Südschottland 🙂
  1. In Deutschland haben wir echt viel Wald. Besonders im Sommer ist das Laufen im Wald viel angenehmer als über die baumlosen Hügel und Wiesen Englands. Auf britische Wanderer müssen diese großen Waldflächen ganz besonders wirken – so wie auf uns die kahlen Hügel Großbritanniens!
    Ein moosiger deutscher Wald …

    … und grasige schottische Hügel
  2. Die Orte in England sind eindeutig schöner. Dort ist viel mehr von der ursprünglichen Bausubstanz erhalten und es wurde nicht alles kaputt renoviert. Gleiches gilt auch für die Unterkünfte – Gemütlichkeit versus Zweckmäßigkeit. In Deutschland ist es abseits der Touristenorte zudem oft schwierig, eine Unterkunft im Wegnähe zu finden. In England haben viele Orte einen Pub, der auch Zimmer vermietet. Der Standard hier liegt unter dem in Großbritannien, aber dafür sind die meisten Pensionen und Gasthöfe in Deutschland billiger.
    Deutschland: Praktisch und zweckmäßig

    England: Krumm und urig
  3. Das Bus- und Zugnetz ist in Deutschland viel dichter. So ist es hier weitaus weniger zeitaufwändig und viel bequemer, zum Start- und Endpunkt der Etappen zu gelangen. Nur so war es auch möglich, so viele Etappen von DDLN an (verlängerten) Wochenenden zu laufen. Ein unschlagbarer Vorteil beim Wandern in Deutschland!
    Ein englischer Provinzbahnhof . Hübsch, nicht?

    Und ein deutscher. Aber hierzulande fahren viel mehr Züge!
  4. Wenn wir Urlaub haben, wollen wir auch mal etwas anderes sehen als die typischen, deutschen Landschaften. Eigentlich macht es für uns keinen großen Unterschied, ob wir durch den nahen Schwarzwald laufen oder durch den etwas weiter entfernten Thüringer Wald. Die Felsen im Frankenland sehen auch irgendwie ähnlich aus wie die bei uns auf der Alb. In England ist das Gras jedoch grüner als bei uns, die Berge sind schroffer und die Küstenlinie ist einmalig spektakulär. 3:2 für den Wanderurlaub in GB!

Auf jeden Fall haben wir uns vorgenommen, in Zukunft das Fliegen einzuschränken. Wir werden deshalb nicht ganz auf die Wanderungen in unserem Lieblingsland verzichten, aber eher versuchen, mit dem Zug anzureisen und dafür einen längeren Urlaub einzuplanen. In anderen Zeiten werden wir unser Deutschlandprojekt vorantreiben.
Ob wir es schaffen, 2020 in Schottland Cape Wrath zu erreichen – wir wissen es noch nicht. Schön wär’s! 🙂

Apropos Unterschiedlichkeit der Landschaften: Nun kommt ein Quiz!
Einige der Landschaften und Orte sind englisch, einige deutsch. Nehmt einen Stift und ratet mal. Die Auflösung findet ihr unter den Bildern! 🙂

Bild 1: GB oder D?
Bild 2: GB oder D?
Bild 3: GB oder D?
Bild 4: GB oder D?
Bild 5: GB oder D?
Bild 6: GB oder D?
Bild 7: GB oder D?
Bild 8: GB oder D?
Bild 9: GB oder D?
Bild 10: GB oder D?

Hier die Lösung:

Bild 1: Nein, das ist keine schottische Pinie – eine deutsche Fichte am Staffelberg auf dem Frankenweg!

Bild 2: Falsch, das ist kein Aufstieg auf die Alb, sondern ein steiniger Weg rauf nach Tideswell, Derbyshire.

Bild 3: Bild 3: Ja, das sind Highland-Rinder. Aber sie grasen auf einer Wiese in Hohenlohe am E8. Solche Elektrozäune gibt’s in Schottland nur sehr selten.

Bild 4: Könnte im Schwarzwald oder im Thüringer Wald sein. Ist aber im Exmoor am South West Coast Path bei Lynmouth. Der Schornstein auf dem braunen Haus ist typisch englisch auf der Seite …

Bild 5: Das sind eindeutig – Bluebells! Die gibt es nicht in Süddeutschland. Diese stehen auf Wenlock Edge, Shropshire (Nordengland, Shropshire Way.)

Bild 6: Nein, das ist nicht in Wales, es fehlen die Wildpferde. Karge Hügel gibt es aber auch in Deutschland. Hier der Hesselberg am Frankenweg.

Bild 7: Kalkstein gibt es überall – in Franken, auf der Alb oder so wie hier in Malham, North Yorkshire auf dem Pennine Way. Aber die Mauern sind seeehr englisch.

Bild 8: Ein Kanal ist ein Kanal, in Deutschland wie in GB. Dieser ist der Union Canal bei Linlithgow auf dem John Muir Way in Schottland. Typisch britisch ist der Treidelpfad neben dem Kanal.

Bild 9: Diesen Ausblick gibt vom dem Göranger Anger am Frankenweg. Wenn das Wetter grau ist, sieht alles englisch aus! 🙂

Bild 10: Der Raps sieht deutsch aus, aber das Haus ist englisch, oder? Stimmt!
(Auf dem Monarch’s Way in Shropshire)

 

 

 

 

DDLN Etappe 20: Auf dem E8 von Wassertrüdingen nach Treuchtlingen

17.09.2019: 36 Kilometer

Das ist unfair! Für heute waren null Millimeter Regen angesagt, aber es hat bis 11 Uhr geregnet!

Heute haben wir einige Kilometerchen vor uns – wir haben von Wassertrüdingen bis Treuchtlingen einfach keine geeignete Unterkunft gefunden!

Wir frühstücken nicht im Hotel – das Frühstück dort ist uns zu spät. So nehmen wir einen Kaffee und ein belegtes Brötchen on the fly in einer Bäckerei auf der Strecke. Schon um 7:15 Uhr sind wir somit abmarschbereit.

Im Sprühregen laufen wir los und im Laufe des Vormittags wächst sich dieser zu einem waschechten Regen aus. Zum Glück sind wir den größten Teil der morgendlichen Strecke im Wald unterwegs, so müssen wir nicht mal das Regenzeug auspacken.

Gerade als wir aus dem Wald raus müssen, hört der Regen fast auf – wir Glückskinder!

Toll ist auch, dass der Asphaltanteil heute bestimmt unter zwanzig Prozent liegt – wohl deshalb, weil ein Großteil der Strecke zusammen mit dem Frankenweg und dem Altmühltal-Panoramaweg verläuft. Trennen sich die Wege mal und wir bleiben auf dem E8, landen wir prompt wieder im Gestrüpp – nicht besonders viel begangen, der E8, so scheint es …

Nach vier Stunden erreichen wir Heidenheim und in einer Bäckerei können wir sogar einen Kaffee im Stehen ergattern – super!

Nach Heidenheim geht es hinauf zum Hahnenkamm, einem Höhenzug am Rande des Altmühtals. Leider sind die Hügel komplett in Regenwolken gehüllt und wir haben null Aussicht. Von den Windrädern auf der Hochfläche sehen wir nur die Sockel. So stören sie die Landschaft wenigstens nicht. 🙂

Es geht schön abwechslungsreich durch Wälder, Wiesen und Felder. Besondere Attraktionen gibt es keine, aber es ist einfach nur schön, in dieser schon fast herbstlichen Landschaft zu Fuß unterwegs zu sein. Am Nachmittag kommt sogar noch ein wenig die Sonne raus – was will man mehr?

Schon um 16:15 Uhr erreichen wir den Bahnhof in Treuchtlingen. Hier verlassen wir mit dem Zug das Altmühltal und laufen morgen in Pegnitz in der Fränkischen Schweiz weiter. Wir springen etwa 100 Kilometer nach Norden, weil wir im Mai den DDLN-Abschnitt von Treuchtlingen nach Pegnitz bereits gelaufen sind. Morgen geht es dann weiter auf dem nördlichen Teil des Frankenwegs, in acht Tagen bis nach Thüringen zum Rennsteig. Wir hoffen, ihr bleibt dabei!

DDLN Etappe 19: Auf dem E8 von Dinkelsbühl nach Wassertrüdingen

16.09.2918: 28 Kilometer

Zusammenfassung des heutigen Tages: Auf den ersten zwei Dritteln mittelmäßig bis langweilig, das letzte Drittel auf dem Hesselberg war toll und die kartographierten Wege von Outdoor-Active kann man vergessen!

Adé schönes Dinkelsbühl – so schön die Stadt auch ist, umso langweiliger ist die Umgebung. Wir laufen im ersten Teil des Tages auf schnurgeraden Asphaltwegen durch eine platte Landschaft. Besondere Sehenswürdigkeiten am Wegrand sind: Biogas-Anlagen, Alpakas, ein Stützpunkt der ADAC-Luftrettung und endlich wissen wir, wie extrem effektiv Mais-Harvester arbeiten! Mindestens drei Monster-Traktor-Gespanne warten schon in Reihe, bis der Hechsel-Strahl aus dem Erntegerät die Ladefläche befüllt: In wenigen Minuten!

Diese Traktoren stauben uns auf unserem Weg immer wieder ordentlich ein – unser klägliches „Aber dies ist ein europäischer Fernwanderweg!“ Geht unter im Staub und dem Donnern der Motoren.

Richtig schön wird es erst nach Wittighofen: Nun wird es endlich wieder bergig und es geht rauf zum Hesselberg. Wir folgen streng der E8-Route auf der Outdoor-Active Karte – und landen wieder im Gestrüpp!

Erst wird es grasig …

… dann dornig und brennnesselig …

… und schließlich ist der Weg vollends zugewachsen und nicht mehr zu erkennen. Wenn hier überhaupt noch was läuft, dann sind es Wildschweine!

Der Tracker zeigt uns weiterhin klar an, dass wir auf dem E8 sind. Aber was hilft es: Dieses Mal schlagen wir uns durch!

Oben auf der Hochebene angekommen sind wir dann vollauf begeistert: Der Hesselberg, ein einsamer Zeugenberg, ist fast vollständig kahl und uns erwartet ein weiter Blick über die Ebene.

Die grasige Hochfläche erinnert uns ein wenig an die Black Mountains in Wales, nur die wilden Ponys fehlen. Auf den tieferen Hängen wachsen Wacholder-Büsche und der Wind trägt eine würzige Wacholder-Note zu uns hoch.

Der Berg ist ein touristischer Hotspot und so hat sogar ein Kiosk am Parkplatz oben geöffnet. An einem Montag!

Wir freuen uns, denn so kommen wir zu einem wohlverdienten Schöller-Eis.

Auch der Kniekracher nach unten ist pittoresk – erst geht es durch eine kleinwüchsige Lindenallee und dann durch einen waldigen Hohlweg steil nach unten.

Aber noch sind wir nicht am Ziel – die letzten sechs Kilometer durch Felder und die Ortschaften Röckingen, Opfenried und Wassertrüdingen ziehen sich und ziehen sich.

Morgen wird es wieder schöner, denn wir nähern uns dem Naturpark Altmühltal. Und die Pflastertreterei hat dann auch ein Ende. Nach der Pflicht kommt wieder die Kür! 🙂

DDLN Etappe 18: Auf dem E8 von Lautenbach nach Dinkelsbühl

15.09.2919: 9 Kilometer (plus 6 Kilometer Stadtbesichtigung)

Neun Kilometer – das ist doch lächerlich!
Wir wollten uns unbedingt Zeit für die berühmte mittelalterliche Stadt Dinkelsbühl nehmen und es gibt keine Unterkunft zwischen hier und Wassertrüdingen: Also haben wir heute einen halben Pausentag und genug Zeit für die Stadt.

Unsere Kratzer von gestern sind schon fast weg! 🙂

Am Morgen brechen wir gemütlich gegen neun Uhr auf und schlendern betont langsam los. Über dem See und den Auen liegt noch der Frühnebel und wir treffen gleich auf zwei verschlafene Rehe, die es gar nicht eilig haben, zu verschwinden.

Heute haben wir sogar Zeit für Detail-Fotos: Hagebuttenbüsche, Sonnenstrahlen im Wald und Schachtelhalme.

Der Wald hier ist eine Mischung von Schwarzwald und Frankenwald. Viel Nadelholz und Blaubeer-Waldboden, aber nicht so dunkel.

Ansonsten ist der Weg eher unspektakulär: Lange Strecken Asphalt, viel Mais und einigeAbschnitte an viel befahrenen Straßen.

Wir ärgern uns ein wenig über die Karten von Outdoor Active: Laut Karte geht der E8 direkt an einer Straße ohne Seitenstreifen entlang und in einer Kurve wird unsere Wanderung fast lebensgefährlich. Später entdecken wir, dass etwas abseits auf dem Hang ein bequemer Rad und Fußgängerweg existiert. Hmmpf!

Schon um elf Uhr sind wir innerhalb der Stadtmauern der alten Stadt. Wir sind schier begeistert – die Stadtmauer ist rundum erhalten und wird von 28 Stadttürmen und Toren umsäumt. Nach einer Kaffeepause traben wir die alle ab und freuen uns über stille Winkel vor und hinter der Mauer.

In der Innenstadt tobt hingegen der Tourismus-Bär: Alle guten Fotomotive werden durch Autos und Menschenhorden verstellt. Aber dennoch ist die Stadt ein echtes Kleinod! Die Stadt besitzt 780 mittelalterliche Häuser, die die Stadt zum Weltkulturerbe machen.

Für unseren Geschmack ist es heute schon zu heiß. Aber wir wollen uns nicht beschweren – kältere und nassere Tage werden bestimmt kommen!

DDLN Etappe 17: Auf dem E8 von Crailsheim nach Lautenbach

14.09.2019: 25 Kilometer

Die Jagst in Crailsheim

Unser Herbsturlaub beginnt gleich wunderbar – bestes Wetter, tolle Wege und nicht zu steile Berge!

Nur zwei Stunden Zug zu fahren und gleich im Urlaub zu sein, das hat was!

Zwar haben wir uns gestern eingestanden, dass wir auch mal wieder gern in Schottland unterwegs wären, aber dieses Jahr bleibt noch ökologisch korrekt … 🙂

Wir überbrücken dieses Mal zunächst mit einer Drei-Tage-Wanderung in Hohenlohe die Lücke bis zum Beginn des Frankenwegs, wo wir im Frühling gestartet sind. Wenn das erledigt ist, sind wir (fast alle) Etappen von Schaffhausen bis Bayreuth gelaufen. Dienstag springen wir dann nach Pegnitz und laufen den Rest des Frankenwegs bis nach Thüringen zum Rennsteig.

In diesen drei Tagen folgen wir im Großen und Ganzen dem Europäischen Fernwanderweg E8, der von Irland, quer durch England und Holland, bis in die Karpaten führt. Aber schon in Crailsheim ist der Weg durch ein Volksfest blockiert – laut Karte führt der E8 direkt durch das Festzelt!

Wir schlagen uns um die Zelte und Fahrgeschäfte herum und sind bald am Stadtrand. Hier geht es an Wachholder-Wiesen am Hang entlang, mit schönem Blick zurück auf Crailsheim.

Die heutige Etappe verläuft synchron mit dem Jagststeig, einem relativ neuen, prämierten regionalen Wanderweg. Vielleicht ist der E8/Jagststeig deshalb so gut markiert und die Wege so schön schmal und abwechslungsreich?

Wir sind heute top in Form – der Ausblick auf 15 vor uns liegende Wandertage beflügelt uns geradezu und wir überholen eine achtköpfige Wandergruppe und ein Mutter-Tochter-Gespann – durchweg alle mit Deuter-Rucksäcken, Stöcken und schweren Wanderbunken an den Füßen. Ob es unsere leichten Schuhe sind, die uns so schnell machen?

Nennenswert bergauf geht es nur einmal, um zur ehemaligen Burg Schönebürg zu kommen, dem Witwensitz der Adelheid von Hohenlohe. Von der Burg ist allerdings nicht mehr viel übrig, aber es gibt eine Kaiser-Wilhelm-Büste und – einen Mammutbaum, einen Direktimport aus Kalifornien!

Unseren Vorsprung vor den anderen Wanderern verspielen wir jedoch, als wir einmal vom Wanderweg abkommen und uns im Wald verirren – wenn man so zügig unterwegs ist, übersieht man leider auch schneller die Schilder! 🙂

Aber frei nach unserer Devise „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ korrigieren wir unseren Kurs keinesfalls, auch nicht, als der Weg immer wilder wird, sich vollends im Gestrüpp verliert und wir uns mitten im Weißdorn-Brombeer-Brennnessel-Gewirr verhaken: Lernschritt 1: Vorwärts geht nicht immer! Lernschritt 2: Zerkratzte Beine und Dornen in der Haut verheilen auch wieder!

Nach einem kurzen Rückzug schlagen wir uns querwaldein zurück auf den E8. Selten haben wir uns so über einen Schotterweg gefreut! 🙂

Highland-Rinder!

Mittags wird es ganz schön warm und wir halten vergeblich Ausschau nach einer schattigen Bank für unsere Mittagspause.

Hier sollte eine Bank stehen …

Schließlich hocken wir uns auf unsere Sitzmatten auf die Wiese und machen uns heißhungrig über Salami, Käse und Roggenbrot her. Es ist auch schon fast 14 Uhr und wir sind bisher ohne Pause durchgelaufen.

Gegen 16 Uhr kommen wir in unserer Unterkunft an. Die Storchenmühle liegt direkt an einem See und unser 70-Jahre-Gelsenkirchener-Barock-Zimmer hat sogar einen großen Balkon mit Blick auf den See. Was wollen wir mehr an unserem ersten Urlaubstag?