Tag 66: Greenhead nach Bardon Mill

Heute ist unser letzter Wandertag in diesem Urlaub – und wir werden den Hadrian’s Wall sehen! Darauf freuen wir uns schon lange, und bestimmt wird er ein Highlight des Pennine Way. Das Wetter sieht heute jedoch kalt und ungemütlich aus. Es ist deutlich zu merken, dass der Herbst einzieht.

Das Frühstück in unserem B&B serviert uns eine sehr freundliche Dame, allerdings sehen wir die muffelige Landlady noch mal beim Bezahlen. In letzter Minute überlegt sie sich noch, vielleicht doch noch mal ein paar freundliche Worte zu äußern und fragt uns nach unseren Plänen für den Tag. Wir aber steigen auf die pseudo-freundliche Konversation nicht ein – jetzt wollen wir auch nicht mehr!

Gestern Abend im Pub haben wir beschlossen, das wir doch noch etwas mehr vom Hadrian’s Wall sehen wollen. Deshalb laufen wir nicht wie ursprünglich geplant von Haltwhistle aus zum Wall, sondern fahren mit dem Bus nach Greenhead und haben so sechs spektakuläre Kilometer mehr auf dem Wall.

Das Busfahren klappt super. Kaum stehen wir an der Bushaltestelle, kommt der Bus auch schon.

Als wir in Greenhead ankommen, regnet es zwar nicht, aber der Himmel zeigt sich grau in grau. Nun geht es erst mal an einem Bach entlang nach oben. Kurz vor dem Wall treffen wir auf Thirlwall Castle. Dieses ist historisch jünger als der Hadrian’s Wall, aber auch nicht viel besser erhalten. 🙂

Um zehn Uhr treffen wir schließlich auf den Wall … ist es denn wirklich die Original-Mauer? Wir sind halt keine Experten, das Ding sieht aus wie kürzlich erst hochgezogen. Der Original-Wall wurde vom römisch Kaiser Hadrian in Auftrag gegeben, um das römische Reich gegen die immer wieder einfallenden schottischen Stämme der Skoten und Pikten zu verteidigen. Die komplette Anlage ist UNESCO-Weltkulturerbe, aber viel beeindruckender als die Mauer finden wir die Kliffs, die eine natürliche Barriere gegen den Norden darstellen: Wenn wir Römer wären, wir würden unsere Mauer auch genau hier errichten!

Wie wir schon am Low Force im Teesdale gelernt haben, bestehen auch diese Kliffs aus „Whin Sill“, dem mysteriösen Gestein, dass typisch für die kompletten Pennines ist.

Der Aufbau des Hadrian’s Wall hat System: Wachturm, Wachturm, Kastell, Wachturm, Wachturm, Kastell … von den Wachtürmen und den Kastellen sieht man jedoch nur noch die Grundmauern, und wenn man es nicht wüsste, würde man sie kaum sehen.

Typisches Beispiel: Besonders gespannt sind wir auf „Aesica Roma Fort“, unser erstes großes Kastell auf dem Wall. Was sehen wir? Ein paar Haufen mit quadratischen Steinen, halb versteckt unter einer Schafwiese und einem Bauernhof …

Natürlich sind wir ehrfürchtig, auf solch historischem Grund zu stehen. Aber wir sind halt keine Archäologen und was wir sehen, ist nur eine Auf-und-Ab-Piste mit ein paar alten Steinen … 😦

Okay, das graue Wetter heute tut halt sein übriges. Der Hadrian’s Wall im Sonnenuntergang oder in Gewitterstimmung wäre halt „Ebbes recht’s “, aber bei diesen eintönigen Lichtverhältnissen heute kommt der Weg nicht so richtig ’raus. Noch dazu geht es ständig auf und ab – so eine Anstrengung an diesem unserem letztem Tag!

Als wir im Nieselregen schließlich an der Straße am „Turret 39B“ ankommen, sind wir nicht besonders traurig. Schade, dass wir den Pennine Way dieses Jahr nicht zuende laufen können, aber wir bedauern es nicht, den Hadrian’s Wall zu verlassen. Das letze Bild vom Wall ist ein Take vom „Sycamore Gap“ von Weitem, dem wohl berühmteste Fotomotiv auf dem Wall. Aber das Nahmotiv kann hoffentlich warten bis zur nächsten Tour, wenn wir besseres Fotowetter haben!

Wir sind aber noch nicht ganz fertig mit unserer Tour: Zunächst legen wir eine bequeme Mittagspause im Pub „Twice Brewed“ ein. Hier wollen wir das nächste Mal auch übernachten, wenn wir unser nächstes Abenteuer beginnen. Die Gaststätte ist heute an einem Freitagmittag gerammelt voll. Das Essen ist okay, aber irgendwie wirkt es wie der Teil einer Massenabfertigung. Egal, Hauptsache es gibt was zwischen die Kiemen!

Vollen Bauches machen wir uns auf den Weg nach „Vindolanda Roman Fort“. Hinter dem Wall gab es einige große Forts, die die Bereitstellung von Soldaten im Hinterland des Walls ermöglichen sollten. Viele Pennine-Way-Wanderer verpassen das Fort und Museum vermutlich, da es nicht direkt an den Wanderwegen liegt. Dabei ist gerade das Museum besonders sehenswert: Hätte mir nicht ein englischer Kollege (Danke, Jonathan!) das Museum speziell empfohlen, wären wir wohl nicht unbedingt darauf gekommen.

Hier werden neben den alten Steinen des Forts und guten Schautafeln in einem Museum auch die Exponate aus der Römer-Zeit ausgestellt, die man in der anaeroben Umgebung des Walls gefunden hat. Sowas haben wir noch nicht gesehen: Lederschuhe, Gürtel, Kleidung, Schriftstücke – alles durch das Moor über Jahrtausende konserviert. In diesem Museum könnten wir Stunden zubringen, so faszinierend sind die Funde: Nicht nur Keramik und Schmuckstücke der Römer, wie wir sie aus Mitteleuropa kennen – nein, Einkaufszettel, Bettwäsche, Gewürze, Spielzeuge, also Dinge des täglichen Lebens, alles konserviert, als sei es vor einhundert Jahren produziert worden – wow!

Als wir uns von Vindolanda auf den Weg nach Bardon Mill zu nächsten Bahnhof machen, bedauern wir es ein wenig, nicht mehr Zeit im Museum verbringen zu können. Die Zugfahrkarten zurück nach Manchester sind aber schon vorgebucht, also müssen wir fahren. Aber wir kommen ja wieder, wenn wir den Rest des Pennine Way und die Scottish Borders laufen!

Tag 65: Alston nach Haltwhistle

Was den heutigen Tag betrifft, haben wir zwei Routen zur Auswahl: Zum einen haben wir den South Tyne Trail, der auf einem alten befestigten Bahnweg verläuft und uns  direkt fast bis nach Haltwhistle bringt. Zum anderen gibt es natürlich die Original-Route des Pennine Way, die am Anfang etwas oberhalb des Flusses und des Bahn-Tracks bleibt, später aber auch direkt am Fluss, während der Bahntrack etwas oberhalb verläuft. Wir wollen uns heute morgen nicht gleich festlegen, sondern wollen je nach Lust und Laune entscheiden, auf welchem Weg wir bleiben – heeey, wir haben unser Pensum fast geschafft! Wenn wir Bock haben, auf einem breiten Bahntrack zu laufen, dann machen wir das halt! Wenn wir davon genug haben und lieber auf einer verschissenen Kuhwiese herum stolpern wollen – warum nicht? 🙂

Der größte Unterschied zwischen den beiden Wegen ist jedoch, dass der Pennine Way bis nach Greenhead am Hadrian’s Wall führt, während die direkte Route nach Schottland über den South Tyne Trail uns nach Haltwhistle führt. Bis Greenhead wären es heute circa 26 Kilometer gewesen – trotzdem müssten wir morgen noch den Hadrian’s Wall nördlich von Haltwhistle passieren. Reserviert haben wir in einem B&B in Haltwhistle, also wird es eher der South Tyne Trail werden …

Wir haben es so entschieden, also soll es so auch sein! Also hadern wir nicht und stapfen morgens lustig zum alten Astoner Bahnhof, an dem der South Tyne Trail entlangführt.

Es macht Spaß, an den alten Gleisanlagen entlangzulaufen. Wie auf vielen Strecken in England wurde der Bahnbetrieb hier schon in den 1970ern eingestellt. Der alte Bahnhof ist nun ein Café, aber heute Morgen noch geschlossen. Der Bahnbetrieb wird mit alten Loks für die Touristen aufgehalten, aber trotzdem passieren uns auf unserem Weg heute zwei alte E-Loks, die Material für Instandhaltungsarbeiten transportieren. Stolz grüßt uns der junge (!) Lokomotivführer aus dem Vehikel, aber einen Anhänger hat er nicht dabei  – Was transportiert er wohl??

Wie wir schon erwähnt haben: Wir mögen alte Bahntracks! Zwar läuft man manchmal in einer Art Röhre, aber es gibt auch erhöhte Bahntracks, von denen man einen tolle Rundumsicht hat. So auch heute auf dem South Tyne Trail. Also bleiben wir auf dem alten Bahntrack, er ist halt einfach bequemer und angenehmer als der Pennine Way.

Das Wetter heute ist herbstlich, aber sonnig. So zuckeln wir an alten Signalen und unter Viadukten  gemütlich weiter, bis wir in Lintley an eine Baustelle geraten. Hier werden wir gezwungen, den Bahntrack zu verlassen. Die Umleitung verläuft über den Pennine Way! Wer hätte das gedacht! 🙂

Sollte jemand den PW nicht kennen, hier weiß er sofort, was Sache ist – sind wir noch eben trockenen Fußes über einen mit Split gefestigten Weg gelaufen, konfrontiert uns die Umleitung mit einem wurzeligen, matschigen, mit Springerle überwucherten Pfad am Fluss entlang. Dankeschön, werden Millionen Radfahrer und Sonntagsspaziergänger sagen – darum geht es also beim PW! Blut und Tränen!

Da wir heute aber keinen Zeitdruck haben und die Sonne lacht, nehmen wir die Unbill des PW locker hin: Zwei Kilometer Schlammpatt sind besser als 22 Kilometer davon.

In Slaggyford trifft der PW wieder den Bahntrack. Hier gibt es auch ein bestimmt tolles B&B in einer alten Kapelle. Da hätten wir gern übernachtet, aber leider gibt es keinen Pub oder Restaurant im Ort und damit kein Abendessen … aber wer sich damit arrangieren kann, hat bestimmt eine tolle Übernachtungsmöglichkeit …

Auch in Slaggyford entscheiden wir uns gegen den PW und bleiben auf dem Bahntrack. In Burnstones könnten wir uns erneut für den PW entscheiden – nee, heute nicht! Nach all den Strapazen des PW haben wir uns diesen Track verdient!

Mittlerweile merkt man, dass es Herbst wird. Am Nachmittag scheint noch die Sonne, aber ein Wind kommt auf, der einem durch Mark und Bein geht. Immerhin bleibt es trocken!

In der Nähe von Lambley spätestens muss man entscheiden, ob man nach Greenhead oder nach Haltwhistle laufen will. Wir laufen an Lambley vorbei und bleiben auf dem Bahntrack. Ein besonderes Highlight erwartet uns hier noch – das große Viadukt, dass über eine besonders breite Stelle des Tyne führt.

In der Tat ist der Bahntrack über das Viadukt sehr beeindruckend und es ist schade, dass der Pennine Way das Highlight nicht mitnimmt: Das Viadukt erhebt sich 105 Meter über den Fluss und die Brücke ist nur 3,5 Meter breit. So entsteht ein besonders filigraner und zerbrechlicher Eindruck, ein feines Stück englischer Ingenieurskunst und heute leider total ungenutzt. Wir sind komplett allein hier oben …

Ein zweites Highlight verspricht der Pub in Featherstone Rowfoot. Als wir dort ankommen, hoffen wir natürlich auf einen Kaffee. Der Landlord und die Landlady streichen aber gerade die Fenster und der Pub sieht eher geschlossen aus. Als wir vorsichtig anfragen, bekommen wir die charmanteste und freundlichste Antwort dieses Urlaubs: „If you want that it’s open, then it’s open!“ (Wenn Sie wollen, dass wir geöffnet haben, dann haben wir geöffnet!)

Vielen Dank, Wallace Arms in Featherstone Rowfoot! Der Kaffee war super und es gab sogar Kekse. Ihr habt voll erkannt, wie glücklich ihr Wanderer macht, die den ganzen langen Tag in Kälte und Wind vor sich hin trotten. You’ve made our day!

Die letzten Kilometer nach Haltwhistle laufen wir im Nu. Heute sind wir 22 Kilometer gelaufen, aber diese kann man in keiner Weise mit 22 Kilometern im Fell vergleichen: Als wir ankommen, ist es noch nicht mal 15 Uhr, und wir sind wir ein bisschen ausgekühlt, aber frisch wie der Morgentau!

Unser B&B ist gediegen, aber … uhhh! Das „Grey Bull“ war früher mal ein Pub am Rand des Ortes, aber heute wird es von einer spießigen, unwirschen Landlady verwaltet. Das Zimmer ist groß und es gibt sogar zwei Sessel, aber atmosphärisch ist der Laden supermuffig – nicht unser Geschmack. Wir verschlafen den Nachmittag und nach einem Gang in den Ort und einem guten Abendessen im SCHWARZEN Bullen inklusive zahlreicher Pints habe wir erneut gut geschlafen. So what, das ist Urlaub!

 

Tag 64: Garrigill nach Alston

Schon früh am Morgen werden wir von Geräuschen aus dem Erdgeschoss geweckt – aha, unsere Landlandy Lana ist da!

Was ich gestern übrigens nicht erwähnt habe: Das B&B ist ausgesprochen entzückend eingerichtet. Das Ambiente ist nicht übertrieben, also keine Deko-Herzchen aus Zwirbelholz – aber die eine oder andere Kuschel-Decke aus Tartan oder den Duschvorleger aus Schafwolle wissen wir durchaus zu schätzen. Die Einrichtung passt einfach zum Cottage!

Lana ist eine eher scheue Dame, aber sie serviert ein tolles Frühstück! Im zugegeben schleppenden Gespräch mit ihr erfahren wir, dass Sie genau in dem Hotel arbeitet, in dem wir an diesem Abend unterkommen werden. Nee, so haben wir unsere persönliche Betreuung im Cumberland Inn in Alston!

Der heutige Wandertag ist allerdings ein Witz: Sieben Kilometer haben wir heute bis Alston, das ist sozusagen ein Ruhetag!

Wir haben uns heute schon bemüht lange zu schlafen, aber trotzdem sind wir früh wach, einfach weil wir es gewohnt sind. Wir sind also schon um neun Uhr wieder auf der Piste und bummeln gemütlich die Original-Route des Pennine Way entlang – immer am River South Tyne entlang. Wir haben links Wiesen, rechts den Bach. Später haben wir rechts Wiesen, links den Bach. Die Sonne scheint, wir schlendern gemütlich unseren Pfad. Weder geht es nennenswert bergauf, noch gibt es ätzende Passagen an Straßen entlang. Für heute gibt es echt nichts Besonders zu berichten, der Weg ist angenehm, aber eher unspektakulär. Und obwohl wir uns Zeit nehmen, sind wir bereits um kurz vor zwölf Uhr in Alston, und wat nu?

Wir trinken erst mal einen Kaffee, statten dem örtlichen Trekking-Laden einen Besuch ab, laufen alle Straßen auf und ab .. ja, wir besuchen sogar den ehemaligen Bahnhof, den wir eigentlich erst am nächsten Tag passieren wollten. Ein durchgeknallter Alstoner, ein Handwerker etwa in unserem Alter, spricht uns an, um uns von der Weltverschwörung zu berichten, wir werden ihn kaum los. Um 15 Uhr können wir endlich einchecken – um was zu tun?

Wir baden ausgiebig, waschen Wäsche, sitzen schon um 16 Uhr mit einem Ale auf der Terrasse. Aber wir sehen mal wieder, dass wir mit solchen Ruhetagen nichts anfangen können und lieber draußen sein möchten. Im Idealfall laufen wir 18 bis 25 Kilometer und kommen entspannt an – Ruhetage brauchen wir eher nicht!

Am Abend sitzen wir lange im Pub, und da Lana heute tatsächlich dort arbeitet, haben wir in der Tat unsere persönliche Betreuung. Sie liest uns jeden Wunsch förmlich von den Augen ab. Vielen Dank, Lana! Wir freuen uns schon auf den nächsten Tag, der wieder eine „richtige“ Wanderdistanz verspricht: Alston nach Haltwhistle mit korrekten 22 Kilometern!

Tag 63: Dufton nach Garrigill

Am Morgen verabschieden wir uns herzlich von Simon und gehen die schwierigste Passage auf dem Pennine Way an – THE CROSS FELL!

Der Berg ist nur 893 Meter hoch, aber der höchste in den Pennines. Ähnlich wie Mount Katadyn in den Appalachians gilt er aber als Schlechtwetterberg, der uns im Vorfeld unserer Planung schon ordentlich Respekt eingeflößt hat. Wikipedia:

„Eine Wanderung über Cross Fell ist nur bei gutem Wetter und mit angemessener Ausrüstung zu empfehlen, da der Gipfel im Frühjahr noch lange verschneit bleibt, häufig in Wolken und Nebel liegt und starken Winden ausgesetzt ist.

Huuuhh! Wird heute ein Tag mit gutem Wetter sein? Wir rechnen mit dem Schlimmsten und wissen, dass wir es mindestens bis Garrigill schaffen müssen. Das sind 25 Kilometer und wird wohl recht anstrengend bei den oben beschriebenen Bedingungen. Vor dem heutigen Tag haben wir am meisten gebangt. Wir haben von Wanderer gelesen, die sich auf der Hochebene des Cross Fells verlaufen haben und stundenlang herumgeirrt sind, bis sie den Abstieg gefunden haben. Wie wird es uns ergehen? Die Wettervorhersage ist durchwachsen!

Als wir loslaufen, ist es noch nicht neun Uhr. Wegen der umliegenden Hügel sehen wir den Cross Fell nicht – was wird uns erwarten? Egal – wir müssen eh über den Buckel!

Zunächst gilt es erst einmal, überhaupt in die Höhenlage der Pennines wieder aufzusteigen. Gestern sind wir auf unter 200 Meter abgestiegen, nur um in Dufton übernachten zu können. Für die Zelter unter euch: Einen Weg vom High Cup Nick in Richtung Cross Fell gibt es nicht – da wäre Querfeldeinwandern angesagt!

Von 200 Meter auf fast 900 … das ist schon ein ordentlicher Aufstieg. Viele Wanderer laufen durch von Dufton bis nach Alston – aber ob der vielen Höhenmeter und der unsicheren Wetterlage reichen uns die 25 Kilometer bis Garrigill. Im Vorfeld habe ich uns dort in ein B&B eingemietet. Also sind es heute 25 Kilometer mit einem ordentlichen Aufstieg und unsicherer Wetterlage – wir bibbern schon!

Zunächst geht es allerdings im strahlenden Sonnenschein langsam und gemächlich nach oben. Wir durchlaufen eine elysische Landschaft und die ersten fünf Kilometer geht es noch relativ gemächlich nach oben. Wir haben eine tolle Aussicht heute Morgen, auf das Eden Valley und Dufton Pike und Dodd Hill.

Schon ab 500 Höhenmetern wird es zunehmend kalt und neblig. Wir sind darauf eingerichtet und ziehen die Mütze und die Jacke aus den Seitentaschen – auf geht’s!

Immer höher geht es auf den Great Dunn Fell hinauf und die Landschaft im Tal ist immer weniger zu sehen. Wir steigen förmlich in die Nebelfelder ein. Immer wieder öffnen sich die Wolken und man sieht das sonnige Tal unter uns. Bei uns gibt es allerdings nur Stille und eine wabernde Masse um uns herum. Als wir auf dem Great Dunn Fell die ersten Cairns erreichen, sind wir recht froh, haben wir doch den größten Teil des Anstiegs hinter uns – Dafür wird es aber auch extrem nass. Zwar haben hier fleißige und hilfreiche Kräfte Steinplatten auf dem matschigen Weg verlegt, aber aufgrund der hohen Niederschläge der letzten Tage stehen sie alle unter Wasser. Egal – wo die „Slabs“ liegen, da verläuft der Weg! So verirren wir uns wenigstens nicht auf dem Hochplateau und erreichen so glücklich den Gipfel des Great Dunn Fell – aber Moment! Sollte hier nicht eine Radarstation sein? Ja wo ist sie denn?

Ein kleiner Wind kommt auf und quirlt den Nebel etwas durch … plötzlich taucht sie aus dem Nebel auf, die große Kugel der Radarstation, direkt vor uns, wie konnten wir sie vorher übersehen? Und Sekunden später ist sie wieder verschwunden, Zauberei! Wir gut, dass wir zu zweit sind und blöde Witze machen können, alleine wäre uns hier schon etwas mulmig zumute!

Wir patschen den Hang herunter durch die Nebelsuppe. Auch hier liegen ordentlich verlegte Steinplatten. Nach einem kleinen Zwischental geht es auf der anderen Seite wieder hoch auf den Little Dunn Fell. All diese Berge sind höher als alle anderen der Pennines, aber da sie in einer Reihe liegen, merkt man den Unterschied kaum. Hier auf dem Little Dunn Fell beginnt sich der Nebel zu lichten: Wow! Wir haben eine Aussicht hinter und und sehen die Radarstation auf dem zurückliegenden Berg – nach vorn sehen wir den Aufstieg auf den Cross Fell deutlich vor uns: Oje, da geht es noch mal runter und dann noch mal ordentlich rauf!

Plötzlich überholt uns ein Mann ohne Rucksack mit Hund und hechtet den Hang vor uns hinunter. Wo will er so schnell hin? Wo will er ankommen? Zurück nach Dufton? Nach Garrigill? Wieder nach Kirkland hinunter?

Als wir den Anstieg auf den Cross Fell geschafft haben, sind wir glücklich und erleichtert. Ab jetzt geht es nur noch bergab und der Sonne entgegen.

In der Tat herrscht hier oben ein ordentlicher Wind, und der weht uns fast das Mark aus den Beinen. Auf dem Cross Fell hat man das Gefühl, dass man auf dem Mond wandelt: Steine, Steine und eine eintönige Landschaft. Auf dem Platau verliert man irgendwann sogar die Radarkugel auf dem Great Dunfell aus dem Blick, und solange man nicht auf der Kante dieses großen Hochplataus steht, hat man auch keine Aussicht. Aber nachdem wir uns einen Tee und einen Snack am „Shelter“ (ein offener Windschutz mitten auf dem Hochplateau) genehmigt haben, geht es wieder herunter, und damit gibt es eine (zugegebenermaßen etwas verhangene) Aussicht ins Eden Valley und auf die umliegenden Hügel. Wir sehen den Weg und die Steinmarker klar vor uns, also ist alles wunderbar!

Unser nächstes Ziel ist „Greg’s Hut“, ein Bothy in England!

Wir kennen Bothies, also unbewirtschaftete Schutzhütten, schon aus unserem letzten Schottland-Urlaub. Zweimal haben wir sogar schon in einem übernachtet. Aber neu war mir, dass es diese Hütten auch (aber selten) in unwirtlichen Gegenden in England gibt. Nun, heute werden wir auf die legendäre Hütte von Greg treffen, der hier vor langer Zeit nahezu einsiedlerisch gelebt hat, als dies alles noch Minengebiet war.

Die Hütte besteht heute aus zwei Räumen, ausgerüstet mit einem Vorraum mit ollen Plastikstühlen  und einem „Schlafraum“ mit einem Podest aus Spanplatten und einem Ofen. Es stellt sich allerdings die Frage, wo man das Holz herholen soll, um den Ofen zu befeuern. Mitbringen?

Wir grüßen das Bild von Greg an der Wand des Bothys, fotografieren den berühmten Ort (mehr als 600 Wanderer übernachten hier jedes Jahr) und machen uns weiter auf den langen Abstieg nach Garrigill.

Von Greg’s Hut aus sind es noch mal zehn Kilometer bis nach Garrigill. Diese verlaufen fast durchweg auf breiten Schotterwegen. So kommen wir gut voran, aber der Abstieg durch ehemalige Abraumhügel der Minen aus alter Zeit ist eher bedrückend: Wie viele Menschen haben hier früher unter unmenschlichen Bedingungen und diesen fiesen Winden geschuftet? Wie kalt und ärmlich müssen die Lebensbedingungen hier gewesen sein? 

Fünf Kilometer vor Garrigill werden wir durch Schüsse aus unseren düsteren Gedanken geweckt – Jagdsaison, oje!

Zunächst versuchen wir das Geballere noch zu ignorieren, denn immerhin befinden wir uns auf einem NATIONAL TRAIL! Man wird uns doch hier nicht über den Haufen schießen?

Aber irgendwann sehen wir vor uns auf dem Weg junge Männer, die wie wild Fahnen vor uns schwenken – Oh Gott, wir laufen durch ein Krisengebiet!

Unser Schritt beschleunigt sich in der Tat – nichts wie weg von dieser wilden Moorhuhnjagd!

Kurz vor Garrigill, nachdem wir die Kehre hinter uns gebracht haben, treffen wir auf einen Konvoi von Jägern. Diverse SUV, teilweise in Tarnfarben, überholen uns, die Fahrzeuge voll mit alten Männern – Ihrer Lordschaft erlesene Gäste? Einer spricht uns an, aber wir haben große Probleme, den Mann zu verstehen. Haben wir seine Fragen beantwortet? Wir glauben schon! 🙂

Endlich erreichen wir Garrigill, einen kleinen Ort mit weniger als zweihundert Einwohnern. Es gibt ein Post Office und einen Pub, der aber seit 2016 leider endgültig geschlossen ist. Bei unserer Planung standen wir vor folgender Überlegung:

  1. Übernachten wir in einem B&B in Garrigill und nehmen wir ein Abendessen mit, so dass wir unabhängig vom Pub hier übernachten können oder
  2. laufen wir 32 Kilometer durch bis Alston und kommen spät, aber kaputt und happy dort in einem Pub an?

Zum Zeitpunkt unserer Planung erschienen uns die 32 Kilometer zu viel und wir entschieden uns für die Garrigill-Übernachtung. Aber im Nachhinein müssen wir zugeben, dass wir auch die 32 Kilometer geschafft hätten, da das Wetter auf den Fells ganz gut war. Wir hatten Glück, aber es hätte natürlich auch schlimmer kommen können!

In Garrigill erwartet und folgende Situation: Als wir in unserem B&B ankommen (East View B&B), finden wir die Tür des Cottages unverschlossen und eine Nachricht von unserer Landlady Lana, dass sie heute Abend nicht da sei, da sie arbeiten müsse. Wir sollten uns jedoch wie zuhause fühlen und sie habe in einem benachbarten B&B ein Abendessen für uns arrangiert. Das ist doch super, oder?

Das B&B mit dem Abendessen hat nicht nur zwei Gerichte für uns zur Auswahl (naaa, was ist es wohl? Lasagne und Steak and Ale Pie!!!!), sondern auch gezapftes Ale. Also freut sich Friedel ein Loch in den Bauch über das unverhoffte Bier, Glückes Geschick! 🙂

Wir genießen unseren gemütlichen Abend in dem improvisierten Pub und kommen später auch mit einem anderen Gast ins Gespräch. Nach kurzer Zeit bemerken wir allerdings, dass dieser ziemlich betrunken und nationalistisch eingestellt ist, sodass wir tunlichst das Weite suchen. Mit uns flüchten noch diverse andere Gäste, die er auch vollgequatscht hat.

Wir verbringen einen schönen Restabend mit Tee und Keksen im Cottage. Unser Zimmer ist total gemütlich eingerichtet, so auch die Lounge für die Gäste. Da wir die einzigen Übernachtungsgäste sind, haben wir das gesamte Cottage für uns. Wir betrachten Karten und Bildbände der Region und genießen das Ferienhaus-Ambiente. Morgen früh werden wir Lana, die Landlady, kennenlernen. Wir sind schon gespannt!

Tag 62: Langdon Beck nach Dufton

Heute macht der Pennine Way eine große Schleife nach Westen. Ursprünglich hatten wir überlegt, uns diesen Umweg zu ersparen und direkt nach Garrigill zu laufen, unserer Unterkunft für den Tag 64. Das wären dann heute nur 18 Kilometer nach Garrigill und wir hätten damit einen ganzen Tag und 27 Kilometer gespart. Aber dann hätten wir High Cup Nick nicht gesehen und wären nicht über den Cross Fell gestiegen, den höchsten Berg auf dem Pennine Way. Nein, der Umweg muss sein!

Ab dem Zeitpunkt der Entscheidung haben wir uns ganz besonders auf High Cup Nick gefreut. In der Tat wird es Steffis Meinung nach der beste Tag der Tour!

Als wir morgens in unserem Bett im Langdon Beck Hotel aufwachen, reißen wir sofort die Vorhänge unseres Erker-Fensters auf – Der Nebel steht pittoresk zwischen Tal und Bergen, die Sonne kommt gerade heraus – Was für eine Aussicht!

Jedoch müssen wir zuerst frühstücken – High Cup Nick, wir kommen!

Die Wanderung durch das obere Teesdale erleichtern wir uns, indem wir eine Abkürzung vom Hotel zur Widdy Bank Farm nehmen. Wir denken, dass die Farm das Isolierteste ist, was man sich überhaupt denken kann – Aber wie wir heute sehen werden, geht es noch extremer!

Kürzlich las ich in einem Artikel, daß die Bewirtschaftung der Hochflächen in Großbritannien auch von der EU hoch subventioniert wird. Aber ist diese jahrhundertealte Form der Farmwirtschaft mit Schafzucht und Abbrennen der Hochflächen für die Moorhuhn-Jagd wirklich die richtige Art der Farmwirtschaft? Ähnliche Fragen stellen sich auch für Deutschland, aber hier ist selbst der Boden auf der Alb insgesamt noch wesentlich ertragreicher im Vergleich zu den kargen Flächen der Pennines.

Sollte man das gesamte Gebiet nicht einfach lieber versumpfen lassen und die Landwirtschaft effektiveren Landstrichen überlassen? Das sind Fragen über Fragen, aber wir fragen uns hier vor allem, warum Lammfleisch in Deutschland so teuer ist, wenn wir es diese Form der Landwirtschaft so subventionieren? Und warum kommt es größtenteils aus Neuseeland? Was soll dann diese VERDAMMTE EU, hä??? 🙂

Egal, wir leben im Hier und Jetzt. In diesem sind die Berghänge extrem grün, die Sonne lacht und der Weg ab Widdy Bank Farm wird sehr steinig. Bis zum Cauldron Snout Wasserfall geht es durch ein enges Tal immer am Fluss entlang. Teilweise ist der Weg eine echte Kletterpartie – Der Weg ist steinig bis sumpfig, aber solange man von Stein zu Stein hüpft, bleiben die Füße trocken!

Von Cauldron Snout, dem „Wasserfall“ vor dem Cow Green Reservoir haben wir wenig erwartet, aber wir finden ihn trotzdem sehr beeindruckend – offiziell ist Couldron Snout gar kein Wasserfall, weil die horizontale Wasserfläche größer ist als die vertikale – wir jedoch finden die „Stromschnellen“ imposanter als den High Force, vor allem, wenn man neben dem Fall nach oben klettern muss! Der Fluss führt heute auch ordentlich Wasser, nachdem es einige Tage lang immer wieder mal stark geregnet hat. Dies trägt bestimmt zu der beeindruckenden Wassermenge bei, die die Stromschnellen herunter donnert.

Die Passage neben dem Cauldon Snout ist für uns die schwierigste auf dem ganzen Pennine Way. Die Kletterei ist geradezu eine Unverschämtheit. Ist dies ein Wanderweg oder ein Klettersteig? Da die Sonne aber lacht und die Felssprünge, an denen wir uns hochziehen müssen, trocken sind, nehmen wir das alles mit Humor.

Oben angekommen schauen wir auf die Staumauer des Reservoirs. Von dem See selbst sehen wir nichts – dafür müssten wir noch weiter nach oben steigen.

Wir treffen hier oben auf eine Schotterstraße, die zu einem abgelegenen Gehöft führt – der Birkdale Farm. Diese wird mittlerweile nicht mehr bewirtschaftet – wenn sie das noch wäre, würden wir sie zu der abgelegensten Farm in England küren! 🙂

Die Farm ist aber mittlerweile ein Field Centre, aber heute ist dort keine Menschenseele zu sehen. Der Weg bis dahin und danach bis zum Maize Beck ist unverschämt breit und geschottert. Links vom Track sehen wir noch, durch welche unwirtliche, matschige Moorlandschaft sich der PW früher geschlagen hat. Wir sehen hier zwei Extreme – unser Weg ist eine fette Schneise aus Schotter, wirklich nicht die Art von Wegen, die wir gern mögen. Aber die tief erodierte Rinne aus dunklem und matschigen Torf, die den Original-Weg ausmacht, wollen wir nun auch nicht laufen. Immer wieder checken wir unsere OS-App, ob uns der Schotterweg wirklich in Richtung High Cup Nick führt … aber ja, die Richtung stimmt!

Am Maize Beck ist dann Schluss mit lustig: Auf unserer Karte sind zwei Varianten eingezeichnet. Eine nördlich vom Bach, eine südlich. Da uns der Weg über die Brücke aber begangener erscheint, entscheiden wir uns für die südliche Variante. Vermutlich ist dies die absolut richtige Entscheidung, denn wir können nach einiger Zeit keinen wirklichen Pfad auf der anderen Seite des Flusses erkennen.

Wir jedoch kommen auf gutem Weg bis zur Kante vom High Cup Nick und – Wow!! Wow! Dieses Tal ist wirklich tief! Schon auf Fotos war ich beeindruckt von der Rinne, aber wenn man wirklich oben an der Kante steht, dann ist das noch mal ganz was anderes! Wir beide sind uns einig, dass dieser Ausblick der beste auf dem Pennine Way ist, auf jeden Fall den Umweg wert!

Friedel schlottern jedoch schon die Knie, wenn er sich den Abstieg in das Eden Valley ansieht – er ist nicht schwindelfrei. Rechts vom Tal führt der Weg immer an der Kante lang, mit tiefen Abgründen links ins Tal. Am Ende ist es jedoch nicht so schlimm. Das Sims, auf dem der Weg verläuft, ist breit genug.

Unten angekommen, führt uns der Weg wieder durch grüne Wiesen voller Schafe, mit den typischen Mauern des Swale Dales. Nach der Kargheit des Moorlands genießen wir wie immer den Abstieg durch die grüne Landschaft, auch Bäume sind wieder anzutreffen. Wir bummeln am Ende unserer heutigen Etappe gemütlich nach Dufton, denn vor 17 Uhr brauchen wir in der Jugendherberge nicht anzukommen, sie schließt den Tag über und macht erst am frühen Abend wieder auf.

Ja, richtig gelesen – das erste Mal seit 30 Jahren übernachten wir wieder in einer JUGENDHERBERGE! Dies ist der Tatsache geschuldet, dass ich in Dufton neben der Jugendherberge nur ein B&B gefunden habe, und das hatte superschlechte Kritiken. Da es in der Herberge auch ein Doppelzimmer mit eigenem Bad zu buchen gab und diese direkt gegenüber vom örtlichen Pub liegt, dachten wir uns, wir versuchen das mal mit den englischen Youth Hostels!

Resumee: Wir hatten schon bessere Unterkünfte, aber auch schlechtere. Unschlagbar ist hier das Preis-Leistungs-Verhältnis. Unser Zimmer liegt wirklich total abgeschieden vom Rest des Herbergsbetriebs in einem Seitenflügel, so dass wir des Nachts gar nichts von der Duke-of-Edinburgh-Mädchengruppe mitbekommen, die auch heute hier übernachtet. Unser Zimmer ist sehr einfach und total mückenverseucht, so dass wir erst mal auf Mückenjagd gehen müssen. Wie wir an den Wänden sehen, haben schon viel vor uns hier gewütet.

Da der local Pub heute kein Abendessen anbietet, müssen wir in der Jugendherberge essen. Wir haben die Wahl zwischen Spaghetti Bolognese und Fish and Chips – wir wählen letzteres. Das Essen ist wirklich okay ..

Was den Aufenthalt in der Jugendherberge wirklich zu einem besonderen Erlebnis macht ist Simon, der Herbergsvater. Er managt den gesamten Jugendherbergsbetrieb allein. Wir checken bei ihm ein, er bereitet das Essen zu, er bewirtschaftet den kleinen Kiosk … und immer ist er bemüht, uns besonders zuvorkommend zu behandeln. Damit wir unsere Ruhe haben, bekommen wir vor den giggelnden Mädchen unser Essen zuerst, an einem separaten Tisch. Beim Frühstück werden wir ebenso bevorzugt behandelt, obwohl er offensichtlich alle Hände voll zu tun hat. Dieser Mann ist wirklich multitaskingfähig!

Simon, wir sind echte Fans und verbeugen uns vor deiner täglichen Leistung!

Wir verbringen noch einen schönen Abend im gemütlichen Pub gegenüber und freuen uns auch über das zeitige Frühstück: Doch, wir würden wieder in einer Jugendherberge übernachten, wenn es denn nichts anderes gibt – und wir sparen dabei jede Menge Geld!

Tag 61: Middleton-in-Teesdale nach Langdon Beck

Heute ist ein „Ruhetag“! Die heutige Etappe beträgt nur 14 KIlometer und es geht fast den ganzen Tag am River Tees entlang. Hier ist also nicht mit großen Steigungen zu rechnen. Alles in allem wohl ein gemütlicher Sonntagsspaziergang!

Vorher gilt es aber noch, Lorraines fulminantes Frühstück zu vertilgen. Wir sind die einzigen Gäste und Lorraine und ihr Mann bekochen und unterhalten uns perfekt. Das Gespräch über Wandern in Deutschland und England wirkt echt und für beide Seiten interessant. Als wir schließlich von dannen ziehen bemerkt Friedel, dass es ab und zu doch nicht schlecht ist, mal in einem B&B zu übernachten ..

Heute ist wirklich der perfekte Tag für einen Herbstspaziergang. Die Sonne scheint, es herrschen angenehme Lauftemperaturen und die ersten Bäume färben sich bunt. Sehr hübsch sind auch die Weißdornbüsche mit ihren roten Beeren. Vereinzelt gibt’s die auch bei uns auf der Alb, aber hier in Nordengland stehen sie in rauhen Mengen.

Die ersten KiIometer wandern wir durch Wiesen, manchmal auch schmalem rutschigem Pfad zwischen Fluß und Wiese, wenn der Bauer wohl nicht erlaubt, dass man über seinen Grund läuft. Da heute Sonntag ist, kommen uns immer wieder mal Wanderer aus der Gegenrichtung entgegen, was manchmal recht eng wird.

Kurz vor dem Low Force laufen wir auf eine Gruppe männlicher Teenager auf, die schwerbepackt über den Pfad stolpern. Wir wundern uns über die Ungelenkigkeit und schlechte Haltung, mit der die Jungs durch die Lande ziehen, zudem sehen sie gar nicht glücklich aus. Wir freuen uns, als sie uns an einer etwas breiteren Stelle endlich Platz machen und wir vorbeiziehen können. Adiós, Muchachos!

Heute gibt es zwei besondere Highlights zu sehen: Gleich zwei Wasserfälle hat der River Tees zu bieten. Noch dazu gibt es am ersten ein Besucherzentrum mit Café!

Schon einen Kilometer vor dem Low Force kann man beobachten, dass der Fluss Blasen schlägt. Wir erklären uns dies damit, dass das Wasser durch die zwei Wasserfälle ordentlich durchgequirlt wird. In der Tat sind die „Niedrigen Fälle“ schon ganz schön beeindruckend. Das braune Wasser tost über diverse Steinstufen, und da wo momentan kein Wasser fließt, hat der Fluss dennoch im Verlauf der Jahrtausende blockartige Terrassen in den Stein geschliffen. Wie wir auf Hinweistafeln lesen, ist dieses vulkanische Gestein (Whin Sill) typisch für die Region im Norden Englands. Da es besonders hart ist, sind somit hier besondere Gesteinsformationen und Wasserfälle entstanden. Wir werden im Verlauf unserer Pennine-Tour noch weitere Formationen mit dem Gestein treffen: Auch High Cup Nick und die Hügel am Hadrian’s Wall bestehen daraus.

Wir fotografieren und staunen ausgiebig, dann geht es über eine schmale Hängebrücke auf die andere Seite des Tees nach Bowlees, wo es ein Naturreservat mit Besucherzentrum und Cafeteria gibt. Es ist zwar erst halb zwölf und wir haben nach unserem fetten Frühstück eigentlich noch keinen Hunger, aber man muss die Feste feiern, wie sie fallen!

Zwischen dem Low Force und dem High Force gibt es eine kleine Passage, bei der sich der Weg etwas vom Fluss entfernt und man durch etwas wie „Wald“ läuft. Hier müssen wir uns an einer Art Waschanlage die Schuhe waschen, um die Verbreitung eines Pilzes zu verhindern, der die hier wachsenden Wachholderbüsche angreift. Während bei uns auf der Alb Wacholder in Mengen wächst, scheint er hier wirklich selten zu sein. Natürlich sind wir für den Umweltschutz und waschen brav die Sohlen unserer Schuhe ab, gleich zweimal.

Am High Force haben wir Probleme, den Wasserfall überhaupt zu sehen. Der beste Anblick ist für die Besucher von der anderen Seite des Tees reserviert, die mit dem Auto anreisen, Eintritt zahlen oder gar Gäste des Hotels auf der anderen Seite des Flusses sind. Für uns armen Pennine-Way-Schlucker hat man nur das laute Rauschen des Falls übrig gelassen oder einen einzigen Aussichtspunkt, den man aufwändig finden muss, aber Steffi hat ja ihre Hausaufgaben gemacht, hihi!

Der angeblich höchste Wasserfall Englands ist in der Tat beeindruckend, 21 Meter fällt das Wasser in die Tiefe. Aber von Weitem fasziniert er weniger und auch das Wissen, dass die Wassermenge durch das Cow Green Reservoir eingeschränkt wurde, nimmt ihm insgesamt etwas von seiner Attraktivität. Insgesamt hat uns der Low Force besser gefallen, weil wir da einfach näher dran waren.

Trotzdem finden wir einen schönen Platz für unsere Mittagspause, sonnengewärmt und mit halbem Blick auf den Wasserfall. Oberhalb des Fall fließt der Fluss durch ein weites Tal und auf der anderen Seite fällt der Blick auf einen großen Steinbruch. Obwohl dieser den friedlichen Eindruck des Tals etwas stört, vermittelt dieser Wegabschnitt irgendwas von Kanada und einer Goldgräberstimmung: Weißt du noch, damals am Klondike?

Je näher wir Langdon Beck kommen, desto karger wird die Landschaft. Wir haben hier eine Moorlandschaft, wie wir sie lieben: Einsam, vom Wind gebeugte Bäume, Wasser,  eine Palette von Grün- und Brauntönen.

Kurz vor Cronkley machen wir eine Teepause, bevor es wieder ins obere Teesdale geht. Wir sitzen gemütlich auf unseren Matten auf einem Felsvorsprung, da stolpert die Teenagergruppe vom Vormittag wieder an uns vorbei: Eine Gruppe von 15- bis 16-jährigen mürrischen Jungs, die ihre Wanderkarten an einer Kordel um den Hals tragen und uns kaum bemerken, obwohl wir fünf Meter von ihnen entfernt sitzen. Mühsam steigen, nein fallen sie den Hang hinunter, so dass wir uns fragen, welche Schwierigkeiten wohl vor uns liegen?

Interessanterweise entdecken wir dieses Mal einen älteren Mann, der den Jungs in einigem Abstand folgt und immer dann anhält, wenn die Jungs nicht weitergehen. Da er sich scheinbar langweilt, kommen wir miteinander ins Gespräch: Er erzählt uns, dass er der Aufseher einer Gruppe der „Duke of Edinburgh’s“ sei, einer Art Pfadfinderprogramm, bei dem die Jugendlichen sich allein den Weg durch eine „wilde“ Landschaft suchen müssten. Die Jungs müssten selbstständig die Wanderkarten lesen und er dürfe ihnen nicht helfen, den richtigen Weg zu finden. Das Problem sei nun aber, dass dies leider die DÜMMSTE Gruppe sei, die er je betreut habe. An jeder Weggabelung diskutierten die Jungs, wohin es denn nun gehe, könnten sich nie entscheiden und gingen am Ende prompt den falschen Weg. Einer sei heute sogar gegen einen Ast gelaufen und ins Krankenhaus abtransportiert worden.

Wir haben heute Zeit, es ist erst halb zwei und wir sind fast schon am Ziel. Ohne darüber zu sprechen beschließen wir, dem netten Mann ein wenig Gesellschaft zu leisten und die Jugendlichen bei ihrem Kampf durch die Natur zu beobachten. In der Tat stoppen die Jungs an einer Weggabelung und diskutieren bestimmt fünf Minuten, ob sie nach links oder rechts gehen sollen. Der Begleiter regt sich auf: Wie wäre es, wenn die Gruppe sich mal trennen und kurz um die Ecke gucken würden, was würde sie dort erwarten? Dann würden sie schon erkennen, dass sich der eine Pfad ins Nichts verliert. Aber nein, sie diskutieren und diskutieren. Total genervt blafft der Betreuer sie durch das Walkie Talkie an, sie sollten doch mal die Augen aufmachen, aber ohne Erfolg.

Schließlich wird es auch uns zu bunt – Wir verabschieden uns von dem armen Mann und überholen die Gruppe. Immerhin erkennen sie durch unsere Initiative, wo der Weg verläuft, und zuckeln hinter uns her. So haben wir dem armen Betreuer doch noch ein wenig helfen können ..

Am Sawyer Hill biegt der Pennine Way nach Westen ab. Wir aber laufen noch ein kleines Stück nach Norden zum Langdon Beck Hotel. Das kleine weiße Hotel liegt einsam an der Bundesstraße im Tal. Süß ist es mit seinen blauen Faschen um die Fenster herum, aber es hat schon bessere Tage gesehen – In unserem Zimmer ist der Teppichboden wellig und die plüschigen Überdecken auf den Betten verblichen, aber das Zimmer ist groß und sauber und hat einen großen, einfachverglasten Erker mit Blick auf die Berge. Wir verbringen einen sonnigen Nachmittag auf den Stühlen im Erker und schauen auf die Berge. Kurz setzen wir uns später mit einem Ale auf den Rasenplatz vor das Hotel, aber heute Abend ist es schon richtig kalt.

Am Abend hat uns – wie hieß er noch, unser netter Wirt? – den besten Platz im Restaurant reserviert: Wir sitzen im baugleichen Erker wie der in unserem Zimmer und genießen von dort aus den Sonnenuntergang. Das Essen ist von guter Pub Food-Qualität, ohne große Schnörkel.

Wie wir im Internet gelesen haben, hat das Hotel Probleme zu überleben, wie wohl viele Gasthäuser auf dem Land. Es befindet sich in einer sehr abgelegenen Lage und bemüht sich, das ganze Jahr über geöffnet zu bleiben. Noch dazu nagt der Zahn der Zeit an so einem alten Gebäude und sie können immer nur Schritt für Schritt renovieren. Für und als Wanderer ist es ein Segen, dass solche traditionellen Wanderherbergen nicht schließen und wir sind glücklich und dankbar, dass wir dort übernachten können, auch wenn die Einrichtung nicht zeitgemäß ist.

Abends schauen wir auf einen ganz besonders klaren Sternenhimmel und die Nacht ist ruhig und friedlich. Auch das Langdon Beck Hotel ist eine der legendären Unterkünfte auf dem Pennine Way und wer es sich leisten kann, sollte hier übernachten. Unterstützt das Langdon Beck Hotel!

Tag 60: Bowes nach Middleton-in-Teesdale

Heute ist Samstag. Das bedeutet in Yorkshire im Oktober: Jagdsaison!

Beim Frühstück sind wir zunächst noch die einzigen Gäste, aber dann geht die Tür auf und eine Gruppe zünftiger Yorkshiremen in Jägeroutfit tritt herein. Draußen in ihren Autos hört man die Hunde bellen. Die Männer sind sehr interessiert an uns ausländischen Gästen und versuchen sogleich uns auszufragen. Aber wir verstehen wenig bis gar nichts, so dass das Gespräch eher schwierig verläuft.

Trotzdem mögen sie uns scheinbar und möchten uns nach dem Frühstück noch stolz ihre Jagdbeute zeigen. In einem der Geländewagen liegen die armen Viecher platt und blutig aufgereiht: Diverse Moorhühner, Kaninchen, anderes Kleingetier. Würg!!

Wie machen, dass wir wegkommen. Heute ist Samstag, aber außer einem anderen PW-Wanderer, der scheinbar in die Gegenrichtung läuft, ist niemand auf der Straße. Wozu auch – außer einem Postladen gibt es hier nichts!

Zunächst laufen wir noch einmal durch den ganzen Ort, um dann am Ortsende eine fette Autobahn zu überqueren. Unsere Ordnance Survey-Karte weist sie als eine alte römische Straße aus – na, davon ist aber nicht mehr viel zu sehen!

Nach der Autobahn geht es ein relativ langes Stück asphaltierte Straße den Tute Hill hinauf. Links und rechts erstrecken sich Wiesen mit Schafen, die Sonne scheint, ein sanfter Wind weht – insgesamt also ein schöner Morgen. Links und rechts abgezäunt und mit rot beschrifteten Warnschildern gespickt – hmm, Militärgebiet.

Wir und die Macher des PW mögen jedoch die Asphalt-Treterei nicht. Also haben sich die PW-Macher in einer längeren Kurve der Straße gedacht „Hey, warum kürzen wir hier die Wegführung nicht ab und führen die Wanderer nun über diese matschige, zugeschissene Wiese, statt sie trockenen Fußes über die Straße trotten zu lassen? Wir haben sie schon viel zu lange verwöhnt! Dies ist doch kein Samstagsspaziergang!“

Blöd wie wir sind, folgen wir natürlich den Wegweisern und verfransen uns auf der blöden Wiese total. Da ist auch keinerlei Weg zu erkennen, was wohl auch damit zu erkären wäre, dass nur wir allein den Weg über die Wiese nehmen. Am Ende brauchen wir viel länger, als wenn wir über die Straße gelaufen wären, aber dafür mussten wir wenigstens nicht auf Asphalt laufen!

Die Straße endet kurz vor einem einsamen Gehöft im Deepdale, das sich mit seinem Reetdach perfekt in die Landschaft einfügt. Wir fangen das Träumen an: Wie wäre es, so ein hübsches kleines Häuserensemble zu besitzen? Wer wohnt da wohl?

Einsamer kann man es kaum haben. Nach dem Deepdale wandern wir leicht bergauf durch eins der reizärmsten Abschnitte des Pennine Ways überhaupt. Wir sehen: Braunes Gras, braunes Gras, braunes Gras. Kein Baum, kein Stein, kein Fels, nur Braun. Da die Sonne aber scheint und es auch bald wieder bergab geht und damit in grünere Gefilde, setzen wir uns sogar auf einen Stein an der einzigen Felskante weit und breit, dem Goldsborough.

Ein Grund, hier seine Pause zu machen ist, dass wir es im Tal schon wieder Ballern hören. Samstag ist Jagdtag!

In der Tat treffen wir am Blackton Reservoir auf den ersten Jäger, der dann durch Rufe die anderen warnt, dass wir zwei jetzt da durch gehen und die Jagd stören. Das macht wirklich Freude zu wissen, dass hinter jedem Felsen ein Mensch mit scharfen Waffen steht und drauf wartet, dass du endlich verschwindest!

Unten am Reservoir treffen wir auch wieder auf die Hauptroute des Pennine Way. Auf dem Weg zur Straße laufen wir durch ein merkwürdiges Landschaftsschutzgebiet – Hannah’s Meadows – auf dem besagte Hannah fünfzig Jahre lang die Wiesen ohne Pestzide und Kunstdünger bewirtschaftet hat. Deshalb sollen hier einige besondere Orchideen blühen. Im Moment ist davon aber nichts zu sehen, die Wiesen sehen aus wie alle anderen auch. Also lassen wir enttäuscht das Visitor-Center rechts liegen. Es gibt kein Café!

Wir überqueren eine wenig befahrene Straße und rauf geht’s auf die nächste matschige Wiese. Hügel rauf, Hügel runter. Hügel rauf. Hügel runter.

Abwechslung bietet dann mal das Lunedale Reservoir, denn hier gibt es einen richtigen Campingtisch. Gestört wird unsere Ruhe jedoch durch eine Frau, die panisch rufend über die Wiese läuft und ihren Hund sucht. Später wird sie sogar einen Bauern der umliegenden Höfe erweichen, mit ihr auf dem Quad über die Wiesen zu sausen. Nervig!

Nach unsere Mittagspause auf der Picknickbank: Matschige Wiese rauf, matschige Wiese runter. Insgesamt ist das heute wirklich nicht unser Lieblingstag. Einmal an einem Bauernhof werden wir von einem schaukelnden Kind aufgefordert, doch eine Cola zu kaufen. ???? Wir laufen weiter und sehen, dass die Familie einen kleinen “Laden” am Weg aufgebaut hat. Zur Auswahl stehen Kekse, Flapjacks, Getränke … Wir shoppen zwei Flapjacks und vertilgen sie im Laufen.

Kurz vor Middleton wird es nochmal hübsch, als wir noch mal über ein „richtiges“ Stück Moor laufen können. Leider beginnt es zu regnen, aber nicht zu arg.

In Middleton angekommen ist es noch recht früh. Wir kehren auf der High Street in ein Café ein, auch um zu trocknen. Heute schlafen wir nämlich in einen B&B, da wollen wir nicht allzu abgehangen ankommen!

Warum haben wir uns überhaupt dort angemeldet? Wie immer ist bei uns ein B&B nur die zweite Wahl: Zwar gibt es im Ort zwei Hotels, aber beide waren schon ausgebucht. So haben wir uns zähneknirschend für das B&B entschieden und bereuen es schon jetzt: Bestimmt gibt es da wieder übertrieben höfliche Konversation und es ist wieder plüschig hoch zehn!

Als wir im „The Hill B&B“ ankommen, klingeln wir an der Tür, aber keiner kommt. Wir warten drei Minuten, aber nichts passsiert. Wir probieren, die Tür zu öffnen – simsalabim, sie geht auf! Wir stehen im Flur und rufen: „Helloh? Helloh?“ Es vergehen weitere fünf Minuten, aber es gibt keine Antwort. Friedel will schon gehen, ihm reicht’s. Scheiß B&Bs, da will er eh nicht bleiben, was bilden sie sich ein *grmbl grmbl*

„Oh hello!“ flötet es plötzlich von hinten aus dem Flur. Lorraine war nur mit dem Hund kurz Gassi. Alles löst sich in Wohlgefallen auf. Natürlich wartet sie nicht stundenlang, bis wir kommen. Sie geht halt mit dem Hund nach draußen. So what’s the problem? Das Problem ist eigentlich allein unsere Unsicherheit und Ungeduld …

Unser Zimmer ist nett und warm, aber wie immer für unsere Begriffe zu viel Dekor, zu viele Herzchen und zu wenig Platz. Da wir die einzigen Gäste sind, erlaubt Lorraine uns, unsere Sachen in einem nebenliegenden Einzelzimmer zu trocken. Aber das machen wir natürlich nicht ..

Nein, das B&B ist schon in Ordnung. Wir gehen am Abend im Ort essen und früh schlafen. Die Nacht ist ruhig und der Schlaf ist tief, also da gibt es gaar nix zu meckern. Trotzdem haben wir in B&B’s immer das Gefühl, dass wir in jemandes Privatleben einbrechen …

Tag 59: Keld nach Bowes (Bowes Loop)

Beim Frühstück sind wir heute morgen die einzigen Gäste – so spät ist es schon im Jahr!

So hat unser Wirt Zeit, sich ein wenig mit uns zu unterhalten. Er ist sehr erstaunt, dass wir den Pennine Way laufen und nicht den Coast-to-Coast-Walk, der auch durch Keld führt. Seiner Statistik nach seien nur ca. zehn Prozent der Wanderer in der Lodge PW-Walker. Die große Mehrheit seien Coast-to-Coaster, dabei sei doch der Pennine Way „the real thing“ und seiner Meinung nach viel schöner. Wir aber können uns noch nicht entscheiden: Der Coast-to-Coast-Walk hat uns auch sehr gut gefallen!

Das Wetter heute Morgen sieht durchwachsen aus. Als wir schweren Herzens aus der Lodge aufbrechen, fängt es leicht zu regnen an. Zunächst verbringen wir einige Zeit am Catrake Force. Weil es auch in der Nacht reichlich geregnet hat, läuft eine erkleckliche Menge Wasser die Stufen herunter. Eine sehr hübsche Kaskade!

Nach dem Fällen geht es den Berg hinauf und wir haben eine schöne Aussicht zurück auf Keld und die Lodge. Ein bisschen sehnen wir uns zurück in die warme Stube der Lodge, denn im Moment ist es ziemlich ungemütlich – und es wird noch viel ungemütlicher werden! 🙂

Der heutige Tag wird uns als ein ganz besonderer in Erinnerung bleiben: Der Tag des wadentiefen Gepatsches! Aber eins nach dem anderen ..

Unsere erste Station für heute heißt Tan Hill Inn. Heute wartet der Pennine Way mit einer Besonderheit auf: Es wird voraussichtlich ein Zweitfrühstück geben!

Schon sechs Kilometer nach Keld werden wir auf das ausgesprochen isolierte Gasthaus treffen. Aber bis dahin patschen wir auf einem grasigen Pfad immer in Sichtweise zur Straße von Keld zum Tan Hill Inn. Der Weg ist aufgeweicht und immer wieder müssen wir über riesige Pfützen springen, denn der Pfad ist ausgesprochen nass. Die Straße sieht von unserer Warte sehr wenig befahren aus und wir fragen uns ernsthaft, warum wir nicht die Straße genommen haben. Aber die Macher des Weges haben sich nun mal für diesen matschigen Hang entschieden, also wollen auch wir nicht vom Wege abweichen …

Im Verlauf des Vormittags kommt jedoch immer wieder mal die Sonne raus -und verwandelt das graue Grasland in eine Farbenmeer aus Gelb, Orange und Moosgrün. Pennine at It’s best!

An der Straße angekommen trauen uns kaum, mit unseren patschnassen Füßen das Inn zu betreten. Nach unserem Eintritt bemerken wir jedoch schnell, dass wir uns übertriebene Sorgen gemacht haben – das Inn ist  .. nun, in welche Worte soll ich es kleiden .. ein ausgesprochen rustikaler Ort!

Gleich bei unserem Eintritt rennen drei große Hunde auf uns zu. Es riecht durchdringend nach nassem Hund – oje! Im dämmrigen Innern des Inns erkennen wir nach und nach verschiedene Menschen, die an der Theke und an den Tischen sitzen – allesamt Besitzer von mindestens zwei nassen, schmutzigen Exemplaren!

Zumindest Steffi ist es unbegreiflich, dass man so früh morgens schon Bier trinken kann. Die Gäste dieses rustikalen Ortes tun es jedoch allesamt. Und wir wissen auch schnell, warum – die Kaffeemaschine ist kaputt!

Wir können jedoch einen löslichen Kaffee bekommen. Den ziehen wir dem Bier vor, aber lecker ist was anderes!

Auch wenn dies der angeblich höchstgelegene Pub Englands ist – wir sind froh, dass wir hier nicht übernachtet haben …

Nach dem Tan Hill Inn beginnt das Abenteuer. Sieben lang Kilometer führt der Weg – ähhh .. welcher Weg? … durch eine matschige Graswüste. Zu Beginn versuchen wir noch von Bult zu Bult zu springen, aber bald geben wir es auf. Auf der Karte ist sogar ein Fahrweg eingezeichnet, der aber nun gar nicht zu erkennen ist. So bahnen wir uns unseren eigenen Weg durch knöcheltiefes Wasser – und dies ist wenigstens sauber! Aber sieben Kilometer können soooo lang sein. Bis an unsere Lebensende werden wir andere matschige Wegpassagen wohl mit diesem Abschnitt des PWs vergleichen: „Weißt du noch, als wir nach dem Tan Hill Inn in der Graswüste versunken sind?“

Ab Sleightholme Farm haben wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen und biegen kurz danach von der Hauptroute des Pennine Way nach Bowes ab. Der Pennine Way teilt sich hier in zwei offizielle Routen: Die eine führt direkt zum Balderhead Reservoir, die andere macht einem Umweg über den kleinen Ort Bowes. Der Vorteil ist hierbei jedoch, dass es in Bowes das „Ancient Unicorn Inn“ gibt und somit eine Übernachtungsmöglichkeit, ein Abendessen und ein gutes Pint!

Unsere letzten fünf KIlometer führen uns auf größtenteils festen Schotterwegen immer am River Greta entlang. Insgesamt ein schöner, gemütlicher Nachmittagsspaziergang, der uns bis zur Ruine des Bowes Castles führt. Das Castle ist insgesamt ziemlich klein und recht verfallen, aber schön einsam und auf einer Bank in der Sonne essen wir ein paar Kekse und trinken unseren Rest Tee aus. Ein erfolgreicher Wandertag geht zu Ende – und einer, an dem ein richtiges Pennine Way-Gefühl aufgekommen ist! 🙂

Steffi checkt ja immer schon lange im Voraus mögliche Tagesstrecken und Übernachtungsmöglichkeiten. So hat sie wohl registriert, dass das Unicorn Inn in der Vergangenheit keine gute Kritiken bekommen hat – aber in letzter Zeit plötzlich positiv bewertet wurde  … aha, Betreiberwechsel!

So sind wir ausgesprochen positiv vom Unicorn Inn beeindruckt. Das Inn ist wie ein alter Kutscher-Hof angelegt: Links liegt das Inn, geradeaus die Betriebsgebäude, rechts die „Ställe“, die heutzutage zu Zimmern umgebaut sind. So wohnen wir schön abgelegen vom Lärm der Gaststätte, unser Zimmer ist zudem sehr schön und groß!

Wir können uns gaaar nicht über das Ancient Unicorn Inn beschweren, denn das Essen ist auch gut. Der Laden brummt und wir fallen heute am Freitagabend beim Abendessen unter den ganzen Einheimischen gar nicht auf. Was den Preis angeht, ist dies eher eine der günstigeren Unterkünfte: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut!

Tag 58: Hawes nach Keld

Am Abend haben wir gezittert. Was, wenn es heute auch wieder so diesig ist, so regnet und weht? Schließlich wartet heute die erste echte PW-Herausforderung auf uns: GREAT SHUNNER FELL!

Dieser Berg ist nur 716 Meter hoch. Lächerlich im Vergleich zu deutschen Höhenverhältnissen. Aber hier in den Pennines führt die Höhe dazu, dass auf dem Fell eine Steinwüste herrscht und der Gipfel die Hälfte des Jahre in Sturm und Nebel liegt. Zum Vergleich: Der Feldberg im Schwarzwald ist mehr als doppelt so hoch, aber auf dem Shunner Fell können alpine Verhältnisse herrschen!

Heute zum Glück vermutlich nicht. Der Morgen erwartet uns mit Sonnenschein und einem guten Wetterbericht. Praise the Lord! Wir hätten für heute sogar eine Exit-Stratgie oder Alternativ-Route in petto: Den Buttertub Pass. In 16 asphaltreichen Kilometern würde uns dieser ebenfalls nach Keld führen.Im Vergleich zu unseren 20 Kilometern heute wäre der Pass sogar eine Abkürzung, aber halt über Teer.

Nein, so wie das Wetter heute aussieht, wollen wir den PW im Original laufen. Und es wird ein wundervoller Tag!

Beim Abnmarsch regnet es dann doch wieder, aber immerhin kann man etwas sehen. Auch die umliegenden Berge haben freie Gipfel, wir gehen also den Great Shunner Fell an.

Der Weg führt bis nach Hardraw über matschige Wiesen, aber wir haben uns gleich unsere wasserdichten Socken angezogen. Auch wurden an verschiedenen Stellen Steinplatten verlegt, die aber häufig unter Wasser stehen. So gibt es zwar nasse Schuhe, aber sauber-nasse.

In Hardraw überlegen wir, ob wir den Umweg zum Wasserfall gehen sollen. Da es aber gerade ordentlich pladdert, haben wir nicht so viel Lust dazu.

Zu Glück wird der Regen schwächer und es gibt einzelne Sonnenlöcher, als wir uns an den Aufstieg zum Little Fell machen. Die umliegenden Berge sind abwechselnd in Regenwolken oder in Sonne getaucht, oft auch beides gleichzeitig. Bei so einem Wetter entstehen oft die besten Fotos!

Je höher wir heute steigen, desto windiger wird es. Wir schmeißen uns gegen den Wind und steigen tapfer nach oben. Warum regnet es eigentlich immer da, wo wir gerade sind? Um uns herum ist doch überall Sonne!

Trotz des Regens haben wir heute aber tolle Aussichten. Die Berge glitzern in der Nässe, mehrere Male gibt es tolle Regenbögen.

Nach einem seeeehr langen Anmarsch von sechs Kilometern erreichen wir endlich den Gipfel. Pünktlich hört es auf zu regnen, so dass wir tatsächlich eine gemütliche Mittagspause im Windschatten der Steinmauer auf dem Fell machen können.

Der Abstieg geht langsam und einsam durch die unendliche braune Moorlandschaft, weit im Hintergrund leuchtet grün das Swaledale. Wir freuen uns, dass es nicht mehr regnet!

Auf das Swaledale freuen wir uns besonders. Vor zwei Jahren sind wir den Coast to Coast Walk gelaufen und schon einmal durch das Swaledale gekommen. Damals haben wir uns vorgenommen, noch einmal durch dieses schöne Tal zu laufen, dann aber auf dem Pennine Way. Und heute sind wir hier!

Bergab geht es schneller als bergauf, so dass wir gegen 14:30 Uhr Thwaite erreichen. Hier genehmigen wir uns natürlich einen Kaffee auf der Terrasse eines süßen Cafés. Wir haben total nasse Füße und wollen drinnen nicht alles schmutzig machen, deshalb bleiben wir draußen. Mehrmals werden wir aufgefordert, doch hereinzukommen, aber wir bleiben stur.

Auf dem Weg nach Thwaite verlaufen wir uns prompt. Wir steigen nicht den Hügel hinauf, sondern bleiben im Tal und landen in Muker. Deshalb laufen wir nicht den PW am Berg nach Keld, sondern weiter unten durch das Tal, am Swale entlang. Da es auch wieder arg zu regnen beginnt, haben wir ein Dejá-Vu: Vor zwei Jahren sind wir hier auch durchgepatscht, aber in die andere Richtung, von Keld nach Muker. Das Tal hat uns aber schon damals ausnehmend gut gefallen, so dass wir den kleinen Umweg gar nicht bereuen. Oben angekommen lassen wir Kisdon Force rechts liegen, wir können den Wasserfall noch morgen besichtigen, da werden wir direkt daran vorbei laufen.

Wir sind supernass und freuen uns schon auf unseren Abend in der Keld Lodge. In jedem unserer Urlaube wählen wir am Ende die beste Unterkunft – auf dem Coast to Coast Walk hat dabei die Keld Lodge haushoch gewonnen. Selbstredend, dass wir wieder dort absteigen.

Die Lodge ist für uns einer der coolsten Orte, den wir bis in GB erlebt haben. Am oberen Ende vom kleinen Ort Keld gelegen, übersieht man von hier aus das ganze obere Swaledale. Große bodentiefe Fenster in der Lounge und im Restaurantbereich bieten eine tolle Aussicht beim Abendessen und Frühstück. Das Essen ist exzellent und die Mitarbeiter jung und unkompliziert. Noch dazu ist die Lodge ausgesprochen gemütlich, nicht zu groß und wanderfreundlich. Wenn man so wie wir total nass und kaputt dort ankommt, kann man sofort seine Sachen in den Trockenraum hängen, und im Nullkommanichts sind sie wieder trocken.

Und erst der Sternenhimmel! Wir lieben die Lodge!

Im Nachhinein haben wir uns gefragt, warum wir die Lodge so mögen: Es ist diese Mischung von Verwöhnt-Werden, aber auch Anerkannt-Werden, vielleicht gerade weil man ein schmutziger, nasser Wanderer ist. Dazu kommt dieser besondere Ort. Oh müder Wanderer, gönne dir die Keld-Lodge. Du wirst es nicht bereuen!

Tag 57: Horton in Ribblesdale nach Hawes

Der heutige Tag wird uns als ein ganz besonderer in Erinnerung bleiben: Der Tag, an dem wir nichts gesehen haben!

Wir brechen normal früh auf und die strategische Lage der Krone direkt am PW bietet die beste Startchance zu einem effektiven Wandertag. In der Tat gibt es das erste Bild um 9:41 Uhr, also zu normaler Aufbruchszeit. Friedel knipst Ruinen alter Schafställe, im Hintergrund der Blick auf ein diesiges Ribblesdale. In der Tat wird es den ganzen Tag regnen und nicht nur das: Nach einer Stunde Wanderzeit versinken wir in totalem Nebel!

Der Pennine Way ist auf diesem Abschnitt bestimmt entzückend – doch sehen wir davon heute nichts! Schlafwandlerisch tasten wir uns den gesamten Tag durch den Sotter. Regen. Nebel. Regen. Wir treffen nichts und niemanden. Einmal, nur einmal taucht eine Gestalt in einem grünen Regenponcho vor uns aus dem Nebel auf, es muss am frühen Nachmittag sein. Wir erschrecken ungemein – aber da ist die Gestalt auch schon wieder verschwunden. War es ein Geist? War es ein Mensch? Wir wissen es nicht!

Wir sind sehr zufrieden, dass wir unsere OS-Map und die dazugehörige App haben. Oh Wunderwerk der Technik! Du bindest uns an das Hier und Jetzt und verhinderst, dass wir in den Wolken verloren gehen! Froh sind wir auch, dass wir zu zweit sind – Pass auf, dass du nicht im Langstrothdale verloren gehst, oh einsamer Wanderer!

Es ist schon ziemlich frustrierend, wenn man sieht, dass es links von einem wohl ziemlich tief runtergehen muss – aber es ist rein gar nichts zu sehen. Selbst die Geräusche dringen wie Watte ans Ohr. Kein Vogelgesang, nur der Wind rauscht und der Regen pladdert auf die Kapuze.

Nein, das ist heute nicht unser Lieblingstag. Wir wollen auch nicht schreiben, was wir heute alles hätten sehen können. Informiert euch über andere Webseiten. Wir wollen es gar nicht wissen, es tut zu weh!

Das erste Foto gibt es erst wieder um 15:48 kurz vor Hawes, im Tal. Wir haben es also schon schon in sechs (ungemütlichen) Stunden geschafft! 🙂

P.S. Unsere Unterkunft, das Board Inn, ist okay. Da gibt es einen guten Steak and Ale Pie und echte Menschen! 🙂

 

 

 

Tag 56: Malham nach Horton-in-Ribblesdale

Glücklicherweise geht es Steffis Fuß heute wieder besser. Wir werden versuchen, heute die 20 bis 23 Kilometer nach Horton anzugehen. Je nach Wetter und Fußgesundheit werden wir den Original-Weg über Pen-y-Ghent nehmen oder um den Berg herumlaufen. 23 Kilometer sind es mit dem Schlenker über den Berg, zwanzig, wenn man den Berg vermeidet.

Als wir unseren Gasthof verlassen, regnet es leicht und es weht ein kühler Wind. Unser erstes Highlight für heute ist Malham Cove, eine der berühmten Sehenswürdigkeiten auf dem PW. Die Steilwand aus Kalkstein erinnert an ein Amphitheater und hat schon Millionen von PW-Wanderer beeindruckt, wir allerdings haben auf unserem Weg durch das Schweizer Jura schon Creux du Van gesehen, also lächeln wir nur milde. Malham Cove ist 80 Meter hoch, Creux du Van 500 🙂 …

Das Tal mit dem Ursprung des Malham Becks ist trotzdem recht hübsch. Der Weg dorthin verläuft entlang des Baches, es gibt Schafe, sattes grünes Gras, pittoreske Mäuerchen …

An der linken Seite der Wand windet sich dann ein steiler Pfad nach oben auf die „Plattform“ oberhalb der Felswand. Hier befindet sich eine riesige Felsfläche aus Kalkstein, die aussieht wie eine rissige Echsenhaut. Es beginnt wieder zu regnen und das Springen über die Steine wird zu einer echt glitschigen Angelegenheit. So schön die Aussicht hier auch ist, sind wir froh, als wir das Ende der Plattform erreichen, zumal es schwer ist, einen Weg durch die Steine zu erkennen. Wir persönlich finden diese Steinfläche beeindruckender als die Cove selbst.

Ein grasiger Weg führt weiter durch ein hübsches Tal bis zu einer Straße mit riesigem Parkplatz, der zum Malham Tarn gehört. Es regnet jedoch wieder ganz ordentlich, so dass uns bis zum Parkplatz niemand begegnet. Auf dem Weg zum See haben wir jedoch eine Begegnung der etwas skurrileren Art: Wir werden von einer Oma im Elektro-Rolli überholt, die in einem Affenzahn über die Graspiste fährt! Begleitet wird sie von ihrem Enkel?, der sie mit dem Mountain-Bike eskortiert. Das nenne ich Begeisterung für die Natur!

Der Weg um den See herum ist wassergetänkt, geht jedoch bald in einen Fahrweg über. An einem sonnigen und warmen Tag mag ein Picknick am See verlockend sein, aber bei dem heutigen Schmuddelwetter sehen wir zu, dass wir weiter kommen. Wir hoffen, dass wir am Field Centre einen Kaffee bekommen können, aber die Küche arbeitet nur für geschlossene Gruppen. Nicht mal einen Unterstand stellen Sie zur Verfügung!

So nippen wir im Stehen an unserem Tee und ziehen uns ein paar Nüsse rein, das ist unser Zweitfrühstück.

Zwischen Malham Tarn und Tennant Gill geht es über eher langweilige Kuhweiden, aber dann erreichen wir wieder Moorland und es geht langsam und stetig 250 Meter zum Fountain Fell hinauf. Äh .. das sagen die Karte und die Beine, aber ansonsten sehen wir nicht viel! je höher wir steigen, desto mehr tauchen wir in die Wolken ein und desto nasser wird es. Wir sehen – nichts! Angeblich ist der Berg übersäht mit „Shake Holes“ und „Pot Holes“, also Löchern, in die man fallen kann, wenn man nicht ordentlich aufpasst. So konzentrieren wir uns vor allem darauf, dass wir auf dem Weg bleiben und sind glücklich und dankbar, als ein Wegweiser im Nebel auftaucht. Auch unser Navi ist hier in dieser Suppe eine echte Beruhigung – So können wir immer wieder checken, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind.

Auf dem Abstieg vom Fountain Fell lichten sich die Wolken zum Glück wieder etwas, hin und wieder kommt sogar kurz die Sonne raus. So freuen wir uns, dass wir kurz vor der Straße doch noch eine richtige Mittagspause einlegen können.

Von der Straße aus sieht Pen-y-ghent wirklich beeindruckend aus. Wie ein Tafelberg steigen die Seiten des Berges steil auf, im Wechsel von Sonne und Wolken changiert der Berg zwischen gelb, grün, grau und braun. Der Aufstieg ist nur von der Südseite aus möglich, also können wir uns noch überlegen, ob wir den steilen Aufstieg wagen oder nicht. Da der Gipfel aber zusehends wieder in den Wolken verschwindet und es außerdem kalt wird, entscheiden wir uns dagegen. Eine gute Ausrede liefert uns zudem Steffis Fuß, den wir noch schonen wollen.

So folgen wir also statt des Pennine Ways der „Pennine Journey“ (einem Wainwright-Weg!) ins Tal und werden noch mit hübschen Ausblicken in das Ribblesdale entlohnt. Nach einem Tag voller Sumpfgras freut man sich sehr über das satte grüne Gras und über Bäume. Der Blick zurück zeigt uns auch, dass unsere Entscheidung richtig war – die obere Hälfte des Pen-y-ghent ist mittlerweile wieder voll in den Wolken verschwunden. Wir hätten uns ordentlich geschunden, aber nichts gesehen.

Das legendäre Pen-y-ghent-Café hat leider schon geschlossen, so dass wir direkt zu unserer Unterkunft eilen. Die „Krone“, in die Steffi uns einquartiert hat, hat allerdings schon bessere Tage gesehen. Das Interieur unseres Zimmers samt Bettzeug stammt vermutlich aus den frühen Achtzigern. Im Nachhinein haben wir gesehen, dass das „Hotel“ im Internet wirklich schlecht bewertet wird. Aber immerhin haben wir ein Fenster, nein, sogar zwei! 🙂