Europa-Radweg R1: Von Dassel nach Nieheim

12. Oktober 2022: 65 Klometer

Mann, ist das kalt!
Als wir heute Morgen um 8:00 Uhr in Dassel losfahren, sind es nur zwei Grad. Überall liegt Rauhreif, die Nebel wallen … und die Finger verursachen unendliche Quallen!

Die lächerlichen Fahrrad-Fingerhandschuhe vom Aldi – komplett entbehrlich! Eigentlich wäre hier die Schottland-Ausrüstung angesagt. Das nächste Mal machen wir es besser!

Wir weichen heute gleich am Morgen vom R1 ab und umfahren den Solling nicht. Der R1 macht nämlich einen großen Bogen über Holzminden am Solling vorbei. Wir aber queren ihn durch das Hellental – wobei es nur am Anfang ein Tal ist. Später geht es über den Berg und dann ab Silberborn wieder abwärts zur Weser.

Wir wissen nicht, wie sehenswert Holzminden gewesen wäre. Aber das Hellental ist auf jeden Fall phänomenal schön, vor allem bei DEN Herbstfarben und DEN Nebeln. Wir teilen uns den Weg mit dem Weserberglandweg, der ja einer der besonders schönen Wanderwege in Deutschland sein soll. Was dieses kleine Stück angeht, können wir das nur bestätigen – und unsere bisherige Erfahrung, dass Wanderwege die viel schöneren Radwege sind!

Kurz vor Silberborn kommen wir noch an einem schönen Hochmoor vorbei. Tolle Passage, auch wenn der Holzbohlenweg eigentlich für Radler verboten ist, Heute Morgen sind wir hier aber ganz allein!

Die Abfahrt von Silberborn zur Weser ist auf jeden Fall klapperkalt! Gefühlte zehn Kilometer sausen wir durch den Wald bergab und sind froh und glücklich, dass es in Lüchtringen einen Supermarkt mit Bäckerei gibt, wo wir uns die Hände an einem Kaffee aufwärmen können.

Hier überqueren wir auch die Weser und landen somit in NRW. Heimatgefühle kommen hier aber noch keine auf.

Unterhalb einer schattigen Ahorn-Allee schlottern wir weiter zum Kloster Corvey bei Höxter, einem meiner Sehnsuchtsorte. Immer, wenn ich mit Friedel von Seesen auf dem Weg zu meinen Eltern die Weser überquert habe, habe ich gesagt: „Nach Corvey möchte ich auch mal!“

Aber nun finden wir die weitläufige Klosteranlage eher enttäuschend. Das ist kein Kloster, das ist ein Schloss, finden wir, und touristisch überorganisiert und abweisend. Schon wieder sind weite Teile der Ablage mit Baugerüsten verschandelt und die weltberühmte Bibliothek wollen wir mit Rucksack auf dem Rücken eh nicht besichtigen – UNESCO-Weltkulturerbe hin oder her. Wir fahren jetzt nach Höxter!

Auch dort – Die Katastrophe: Der ganze Ort ist eine einzige Baustelle. Zwar können wir mit dem Rad noch entlang der historischen Stadtmauer cruisen, aber die Altstadt ist komplett abgesperrt und mit superengen Baustellenwegen versehen – da sind sogar unsere Lenker breiter!

Höxter scheint aber sonst ein tolle Ort zu sein. Es gibt jede Menge Geschäfte und Restaurants, auch der originelleren Art. Der historische Stadtkern ist prächtig – auch wenn man es vor lauter Baustellen kaum sehen kann.

Der Radweg von Höxter nach Marienmünster verläuft zwar permanent parallel zu einer vielbefahrenen Landstraße, ist aber perfekt von dieser abgeschirmt. Wir radeln unter Eichen und Buchen auf und ab und unter unseren Reifen knacken die Eicheln und Bucheckern. Das mögen wir!

Das Kloster Marienmüster sieht aus, wie es sich für ein Kloster gehört. Die Anlage mit diversen halbverfallenen Gemäuern ist von einer Mauer umschlossen und trotzdem frei zugänglich. Es gibt einen Barockgarten, einen Klosterkrug, einen alten Friedhof .. perfekt!

Der Homerun nach Nieheim führt über einsame Apfelbaum-Alleen bergab. Unter den Bäumen liegen Millionen vernachlässigter Äpfel, die keiner mehr erntet und die vor sich hingammeln, einzig beachtet von Wespen und unseren Profilreifen.

Nieheim wirkt lebhaft, zumindest gibt es hier noch einige Geschäfte. Unser Hotel liegt hoch am Berg, sodass wir am Ende noch mal ordentlich bergauf fahren müssen, Am Ende schieben wir, schließlich wollen wir nicht vollkommen verschwitzt dort ankommen.

Uns erwartet ein Restaurant mit tollem Weitblick und großzügigen Zimmern. Befremdlich sind jedoch die schwäbische Speisekarte (Kässpätzle, hier „Käsespätzle“) und die Servicedamen im bayrischen Dirndl. Aber das Essen ist gut!!

Fazit: Wegen unseres Schlenkers durch den Solling und der langen Pause in Höxter waren die 65 Kilometer heute angenehm. Ein paar Kilometerchen mehr gingen noch, aber viel mehr wären unbequem – It‘s all about terrain!!

7 Antworten auf “Europa-Radweg R1: Von Dassel nach Nieheim”

  1. Also die Tour sieht ja echt super aus! Aber die Kälte! Ich hatte ja schon im Juli auf unserer Radtour gefroren. Ich könnte jetzt nicht radeln.
    Für mich waren 60km mit einigen Pausen genau richtig. Bei 70km war ich dann schon sehr platt.

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  2. Guten Morgen Bärbel

    Ich nehme an dass Du schreibst? Danke der Nachfrage, Ich bin gut im Schuss. Gerade sind wir daran unsere Wohnung total zu sanieren. Das nimmt viel meiner potentiellen Wanderzeit in Anspruch. Besser gesagt hat genommen. Bis ende November
    Sollte das erledigt sein.

    Nächstes Jahr möchte ich zurückkehren auf den Appalachian Trail. Das war aus bekannten Gründen bisher nicht möglich.

    Wie ich gelesen habe, seid Ihr auf das Fahrrad umgestiegen. Wie ist das so,m? Muss eine ganz andere Art des Reisens sein. Mir ist das zu schnell und ich habe auch bemerkt, dass man da eine ganz andere Kondition benötigt. (Aua Hinterteil!)

    Gut, meinen Wandersommer könnt Ihr auf meiner HomePage nachlesen wenn Ihr dazu Lust habt.
    Die URL ist denkbar einfach, sie lautet : roland.reisen

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  3. So ist es. Zwar gibt es viele Straßenpassagen, aber man sieht mehr. Morgen werden wir wohl schon mittags bei meinen Eltern sein – es geht komplett durch‘s Flachland!

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  4. Hallo Roland,
    ja das mit dem Renovieren kennen wir. Wir haben im neuen Haus auch alles bisher alleine gemacht und sind noch nicht fertig!
    Was das Radeln angeht – der Vergleich zum Wandern kommt noch. Das Wandern werden wir aber nicht aufgeben!
    Wir drücken dir die Daumen, dass es mit dem AT nächstes Jahr klappt.
    Viele Grüße von Steffi

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