Thale, das Bodetal und die Rosstrappe: Fünf Stempel müssen hart erkämpft werden!

Thale, Bodetal, Böser Kleef und Rosstrappe: 22 Kilometer
gelaufen am 2. August 2022

Unglaublich, welche Freiheiten so eine Ferienwohnung uns eröffnet – Bekanntlich sind wir ja Frühaufsteher und sonst haben wir auf unseren Wandertouren immer die Zeit bis zum Hotelfrühstück totschlagen müssen, indem wir Stadtbesichtigungen eingeschoben, eingekauft, rumgedöst haben …

Heute hingegen können wir bereits um sechs Uhr aufstehen, gemütlich frühstücken und sind schon um 7:15 Uhr am Eingang zum Bodetal. Natürlich ist es unmöglich, um diese Uhrzeit den Sessellift zur Rostrappe zu nehmen: Der hat – geradezu lächerlich spät – seine erste Fahrt erst um 9:30 Uhr. So lange warten wir auf keinen Fall!

Also müssen wir laufen. Wir beginnen unseren Wandertag mit einer Neun-Kilometer-Tour das Bodetal hoch, immer entlang des Flusses. Dabei kommen bis Treseburg locker 350 Höhenmeter zusammen. Auf steinigen Pfaden geht es ständig bergauf und bergab. Wir dachten, dass wir den Tag mit einem beschaulichen Spaziergang an der Bode entlang beginnen – mitnichten!

Also .. das Bodetal ist ECHT beindruckend. Unserer Ansicht nach haben wir heute das absolute Highlight des Harzes durchwandert. Der Fluss windet sich durch eine tiefe Schlucht, links und rechts ragen die Felswände steil nach oben. Der Weg (übrigens die letzte Etappe des Harzer Hexenstiegs) folgt dem mäandernden Fluss mal links, mal rechts, aber meistens ausgesetzt und ungesichert. Wir sind begeistert!

Friedel ist ein wenig verzweifelt, weil sich die Pracht kaum fotografieren lässt. Am Morgen ist es stockdunkel in der Schlucht und die dreidimensionale Pracht ist bei den schwierigen Lichtverhältnissen fototechnisch nur schwer einzufangen.

Um die frühe Uhrzeit haben wir den Weg ganz für uns allein. Erst kurz vor Treseburg entdecken wir einen einsamen Fliegenfischer mitten im Fluss. Das haben wir in Deutschland noch nie gesehen – fast wie in Schottland!

Außerdem treffen wir erst um Treseburg herum die ersten Wanderer, die in die Gegenrichtung unterwegs sind. Gern hätten wir in Treseburg einen Kaffee genommen, aber um kurz vor zehn ist hier noch alles zu!

Der Weg aus dem Ort heraus führt unschön an einer engen Landstraße entlang. Hier handelt es sich um einen ausgeschilderten, offiziellen Weg des Harzclubs, aber wir müssen uns trotzdem eng an die Felswand drücken, wenn uns mal wieder ein rücksichtsloser Wagen mit dänischem oder holländischen Kennzeichen entgegenkommt, der keinen Zentimeter für uns Platz macht!

Der Weg zur nächsten Stempelstelle, dem „Wilhelmsblick“, führt kurioserweise erst durch einen engen Tunnel im Fels, bevor er über steile Stufen zum Aussichtsfelsen führt. Nie und nimmer hätten wir den Auf- und Abstieg auf gleicher Strecke auf uns genommen, wenn sich dort oben nicht so ein vermaledeiter grüner Stempelkasten befände!

Zum „Bösen Kleef“ traben wir zunächst über schmale Wege weiter nach oben. Mittlerweile ist es hübsch heiß geworden und der Schweiß rinnt in Strömen. Vor allem auch deshalb, weil gleich zwei Wege zum Aussichtspunkt wegen Windbruch eigentlich gesperrt sind, wir aber trotzdem über Baumstämme und Äste weiter klettern. Mögliche Alternativen würden einen Umweg von mehreren Kilometern bedeuten und die wollen wir auf keinen Fall laufen. Da zerkratzen wir uns doch lieber die Beine und hauen uns die Köpfe ein! 🙂

Am Ziel legen wir eine Mittagspause ein und genießen den Ausblick über Altenbrak. Herrlich einsam ist es hier, obwohl der August ja eigentlich die Hauptsaison sein müsste. Seit Treseburg haben wir niemanden getroffen!

Den Stempel bei der Ausflugsgaststätte „Todtenrode“ nehmen wir wie im Fluge mit. Trotz des schaurigen Namens scheint hier zu anderen Zeiten der Bär zu toben – heute aber ist hier alles verrammelt. Montags und dienstags ist hier Ruhetag!

Auf zunächst schattenlosen Forstwegen, aber zunehmend schmalen Waldwegen nähern wir und dem touristischen Highlight des heutigen Tages, der Rosstrappe. Der Anmarsch über den Fuß der Winzenburg, einer altgermanischen Fluchtburg, ist gut gewählt, denn fast niemand begegnet uns und wir können schon den einen oder anderen Blick von den Felsen hinunter ins Bodetal erhaschen.

Aber bei der Einmündung zur Rosstrappe trifft uns fast der Schlag – Millionen sind hier unterwegs, Dänen, Holländer, Asiaten, die Damen in luftigen Sommerkleidchen und die Herren in feschen Shorts und mit Riemensandalen. Und Kinder, jede Menge Kinder!

Trotzdem schlagen wir uns bis zum Ende des schmalen Felsenstegs durch. Wir sind hier, da wollen wir mehr sehen als den grünen Kasten mit dem Stempelkissen! Die Aussichtspunkte sind fast gänzlich mit Selfie-Fotografen verstellt, aber den einen oder anderen Blick ins Bodetal und auf die umliegenden schroffen Felswände können wir trotzdem erhaschen.

Hoffentlich haben wir und in dem Gedränge kein Corona geholt! Wir erholen uns bei Apfelschorle und Bockwurst am Kiosk beim Hotel. Am Ende unseres Wandertages gönnen wir uns ein ganz besonderes Schmankerl: Mit dem Sessellift lassen wir uns bequem zu Tal befördern – ein wenig flau im Magen ist uns aber auch dabei!

Unser früher Start am Morgen hat dazu geführt, dass wir schon vor der großen Nachmittagshitze wieder zurück in unserem Ferienhaus sind. Wir gönnen uns heute ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen und zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Oliven und Tomatensauce. Denn wir könnte es auch anders sein – die umliegenden Restaurants haben montags und dienstags Ruhetag!

2 Antworten auf “Thale, das Bodetal und die Rosstrappe: Fünf Stempel müssen hart erkämpft werden!”

  1. Aber mein, liebe Darina! Gleich in der Nähe des Ferienhauses gibt es einen riesigen „Kaufland“. So einen Luxus hatten wir noch auf keinem unserer Wanderurlaube! 😄👍

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