Harzer Hexenstieg – Sechs auf einen Streich!

Von Altenau über den Hexenstieg nach Torfhaus und über die Wolfswarte wieder zurück
19 Kilometer, 6 Stempel
Gelaufen am 25. März 2022

Ende März, als schon Frühling war und der Winter noch nicht zurückgekehrt war, hatten Friedel und ich eine Woche Urlaub.
Eigentlich wollten wir die Woche in erster Linie dafür nutzen, das Gästezimmer fertig zu renovieren. Aber bei dem schönen Wetter haben wir es dann doch nicht ausgehalten, die ganze Zeit in der Bude zu bleiben!

Eigentlich wollten wir uns die Stempelstellen auf dem Hexenstieg für eine „echte“ Fernwanderung aufsparen. Aber dann laufen wir das Teilstück später halt noch mal. Die Strecke von Altenau nach Torfhaus steht heute auf dem Plan, weil auf der Strecke gleich drei Stempelstellen liegen – und auf dem Rückweg über die Wolfswarte noch zwei weitere!

Wenn wir schon mal in Altenau sind, nehmen wir gleich am Morgen noch die Stempelstelle auf Altenaus Hausberg mit – die Köte Brockenblick liegt zwar nicht auf der Strecke, aber zwei Kilometer Umweg und einhundert Höhenmeter Aufstieg ist uns der Stempel wert.

Die Köte „Brockenblick“ auf dem Schwarzenberg über Altenau

Die Stempelstelle auf dem Schwarzenberg enttäuscht uns jedoch. Die Köte sieht aus wie ein mickriges Bushaltestellen-Häuschen und die Aussicht ist total zugewachsen – von Brockenblick keine Spur!

Schon so manches Mal haben wir uns gefragt, nach welchen Kriterien ein Plätzchen 2006/2007 zur Stempelstelle auserkoren wurde – und andere nicht. Über den ganzen Harz verteilt sind 220 besondere Plätze auf der Liste. Sie befinden sich in erster Linie in den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, aber einige Stempelkästen stehen auch auf Thüringer Grund. Die Auswahl ist schon lange abgeschlossen, mehr oder weniger Kästen werden es nicht.

An der Köte „Brockenblick“ stellen wir uns vor, wie die Honoratioren der Stadt Altenau damals, bei der Erstellung der Stempelkästenliste, so richtig Druck ausgeübt haben: Unsere Köte auf dem Schwarzenberg muss unbedingt einen Stempelkasten bekommen! Vermutlich wurden Drohungen ausgestoßen, dass Altenau sich gar nicht am System beteiligen würde, wenn die Köte Brockenblick keinen Kasten erhält. Vielleicht sind sogar Bestechungsgelder geflossen und am Ende hat der Touristenort Altenau gleich fünf Stempelkästen abgestaubt. Verarmte Bergwerkstädtchen, wie beispielsweise Wildemann, erhielten jedoch nur einen einzigen, einsamen Stempelkasten an der Prinzenlaube … Das finden wir voll gemein!

(Wildemann hat deshalb sein eigenes Stempelsystem ausgebaut, wie auch unser Heimatort Seesen. Hier stempeln wir auch schon … wir werden berichten!)

Auf dem Hexenstieg bei der kleinen Oker

Aber egal … auf dem Rückweg von der Köte gönnen wir uns in Altenau unseren ersten Terrassen-Kaffee des Jahres. Heute kommen bei uns glatt Urlaubsgefühle auf!

Auf dem Hexensteig gefällt es mir richtig gut. Der Weg führt immer am Dammgraben entlang, einem weiteren Attraktion des Oberharzer Wasserregals. Es plätschert allerorten und alle dreihundert Meter gibt es ein Wehr, einen Stichkanal oder Staustufen zu bewundern. Der Weg unter unseren Füßen ist mal wurzelig, mal etwas steinig, mal torfig – sehr abwechslungsreich!

am Dammgraben

Kurz vor Torfhaus geht es ordentlich bergauf und die Temperaturen steigen. Unglaublich, wie warm es im März schon werden kann!

Geschockt sind wir mal wieder über den Zustand des Waldes im Oberharz. Im Sommer würden wir hier nur ungern wandern. Wo es früher über liebliche schattige Waldwege ging, stehen heute nur noch Baumstümpfe am Wegesrand – hier wird einem im Sommer ordentlich eingeheizt!

Um die Stempelstelle „Jungfernklippe“ zu erreichen, nehmen wir einen weiteren kleinen Umweg auf uns – schließlich wollen wir heute ordentlich Abdrücke sammeln!
Blöd nur, dass wir dafür extra weiter nach oben steigen müssen.

Die Jungfernklippe von Weitem …
… und von Nahem!

Unsere Mittagsvesper nehmen wir im Schatten kurz vor Torfhaus ein. Als wir da gerade so schön sitzen, zieht ein schwerbepackter, recht übergewichtiger Hexenstieg-Wanderer an uns vorbei. Er prustet, er schnauft und flucht unentwegt vor sich hin – und sieht uns nicht!

In Torfhaus gibt es einen riesigen Parkplatz, einen Skilift, ein Outdoor-Activity-Center, diverse Lokale … also nichts für uns! Wir werden den Tourismus-Komplex ein anderes Mal besichtigen und schlagen uns kurz vor der Straße zurück in den Wald. Mittlerweile befinden wir uns aber auf über 800 Meter und natürlich liegt hier noch Schnee!

Im Torf bei Torfhaus
Auf dem Weg zur Wolfswarte

Zwar befinden wir uns nun schon wieder auf dem Rückwerg nach Altenau, aber ganz oben sind wir noch nicht. Unser höchster Punkt heute ist die Wolfswarte auf 900 Metern.

Es ist schon skurril, wenn einem beim Aufstieg so heiß wird, dass man sich die Hosenbeine hochkrempeln muss – aber gleichzeitig durch den Schnee tappt.
Zum Glück ist der Schnee nicht mehr gefroren, sondern um die Mittagszeit angetaut. Bei jedem Schritt sinken wir weich ein und haben trotz Schnee einen festen Tritt. Später, beim Abstieg von der Wolfswarte, werden wir glücklich darüber sein!

Auf der Wolfswarte

Oben auf der Höhe hat man bei klaren Wetterverhältnissen bestimmt einen tollen Blick. Heute ist es jedoch diesig und der Ausblick eher mäßig. Wir wundern uns, dass an einem normalen Wochentag im März hier so viel los ist. Neben uns haben noch vier andere Wanderparteien den Weg auf den steinigen Gipfel gefunden.

Auf dem Rückweg laufen wir über einen endlosen, verschneiten Forstweg schnurgerade zu Tal. Friedel fängt hier ein wenig das Maulen an: Das monotone Stapfen durch den Schnee nervt und ihm hat die heutige Wanderung nicht sonderlich gut gefallen, was man im Nachhinein auch an der Menge der Bilder sieht, die er fotografiert hat. Ich hingegen fand den Weg heute schön abwechslungsreich und interessant. Manchmal kann man gar nicht richtig begründen, warum einem die eine Wanderung besser gefällt als die andere – oft sind es die Tagesform und die Stimmung, die das eigene Urteil beeinflussen. Das Wetter, aber auch das Licht beim Fotografieren sind weitere Faktoren, die einem die Tour vermiesen oder versüßen können.

Die letzte Stempelstelle heute, „Gustav-Baumann-Weg“ tituliert, ist so langweilig, wie sie klingt. Zwar sollen sich hier in der Nähe Felsen befinden, aber wir sehen nichts davon. Der Stempelkasten steht gänzlich unspektakulär in einer Pfütze unter Fichten am Wegesrand und Ausblicke gibt es hier auch nicht. Womit sich dieser Ort den Stempelkasten verdient hat, erschließt sich uns nicht – Friedel ist der Spot nicht mal ein Foto wert!

Kurz vor Altenau verlassen wir den breiten Forstweg und wir laufen das letzte Stück entlang einer schönen Waldwiese, bevor es steil nach unten zurück zum Parkplatz geht.

Auch wenn die heutige Wanderung nicht zu den schönsten Touren bisher gehört, haben wir heute viele Stempel gesammelt und frühlingshafte, fast sommerliche Temperaturen genossen. Und das schon im März!

Waldwiese kurz vor Altenau

7 Antworten auf “Harzer Hexenstieg – Sechs auf einen Streich!”

  1. Schöne Tour, auch wenn der Wald bzw. der übrige Rest davon teilweise sehr traurig aussieht, fast wie in einem Endzeitfilm. Aber der Begriff Wasserregal gefällt mir. Man stelle sich nur vor, man hätte so etwas im Wohnzimmer stehen. 😉
    LG David

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  2. Oh danke! Das freut uns, wo wir doch in letzter Zeit keine spektakulären Schottland-Wanderungen mehr im Programm haben, sondern nur noch in Deutschland herumeiern. Schön, dass unsere Berichte trotzdem noch gelesen werden! 😄

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