Auf dem Albtraufgänger – Etappe 5, Teil 1

Von Bad Überkingen nach Geislingen: 13 Kilometer

Klein ist unsere Welt durch Corona geworden – seit Monaten laufen wir die ewig gleichen Schleifen rund um unser Städchen Geislingen. Wir haben jedoch das Glück, dass wir in einer der schönsten Landschaften Deutschlands leben und, kaum aus der Haustür getreten, gleich im Wald sind.

Direkt bei uns am Haus verläuft ein Zertifikatsweg, der „Albtraufgänger“. In 114 Kilometern führt er zickezacke rundum unser „Goisatäle“, dem oberen Filstal. Eigentlich sind wir da fast überall schon gewesen, aber noch nie haben wir uns streng an die Wegweiser gehalten und sind den Weg im Ganzen gelaufen. Eigentlich sind wir ja eher Anhänger der möglichst geraden Linie und haben’s nicht so mit eingebauten Schlenkern zu touristischen Sehenswürdigkeiten. Doch haben wir die ewig gleichen Wege ein wenig satt und brauchen ein neues Wanderprojekt ohne weite Anfahrt. So haben wir uns vorgenommen, in der nächsten Zeit den kompletten Albtraufgänger noch mal abzuschreiten – und zwar genauso, wie er auf der Karte steht.

Der Rundweg ist auf sechs Etapppen ausgelegt, die fast alle bequem mit den Öffis zu erreichen sind. Für heute haben wir uns eine Hälfte der offizielle fünften Etappe vorgenommen – die andere Hälfte laufen wir demnächst. Die volle Etappe wäre knapp 23 Kilometer lang.

Mit dem Bus erreichen wir schon gegen neun Uhr Bad Überkingen, dem Beginn der heutigen Wanderung. Im Bus waren wir – ganz corona-konform – die einzige Fahrgäste. Offiziell beginnt die erste Etappe des Zertifikatswegs in Wiesensteig, aber da es sich um einen Rundweg handelt, können wir gut mit der offiziell fünften Etappe anfangen – und die endet vor unserer Haustür!

Bad Überkingen liegt in einem weiten, von Felsen umrahmten Senke, dem Autal. Als wir im Sonnenschein langsam zum Wald aufsteigen, blicken wir zurück auf die imposanten Felsen der Hausener Wand. Wir laufen durch frische, grüne Wiesen voller Schlüsselblumen, Veilchen und Scharbockskraut. Endlich wieder Farben auf der Wiese!

Die Hausener Wand

Typisch für das Autal sind die vielen Heuhütten und Apfelbäume, die wohl jeden Wanderer entzücken. Obwohl wir hier schon viele Male unterwegs waren und die braunen Häuschen schon hundertmal fotografiert haben, sind wir wie jedes Mal begeistert.

Noch immer befinden wir uns auf dem Zuweg zum Albtraufweg, den wir erst nach zwei Kilometern im Wald erreichen. Hier führt der Weg auf steilen Stufen hoch zum Autalwasserfall, an dem wir aber heute nicht vorbeikommen – da müsst ihr bis zum nächsten Mal warten!

Wir gehen nach links, zurück nach Geislingen

Im März ist die Stelle berühmt für die riesigen Flächen mit Märzenbechern und eine Besucherattraktion. Schon an der Bushaltestelle sind uns Wegweiser mit der Aufschrift „Zu den Märzenbechern“ aufgefallen. Leider sind diese schon verblüht, aber dafür ist der Waldboden nun übersäht mit den weißen und lila Blüten des Lärchensporn – auch hübsch!

Heute geht es unterhalb des Wasserfalls zurück nach Geislingen. Interessanterweise verläuft der Albtraufgänger auf einem Stück Weg, das wir noch nie gelaufen sind. Bisher sind wir immer zum Wasserfall hinaufgeklettert und oben an der Albkante entlang gewandert. Der Albtraufgänger führ den Wanderer jedoch auf Halbhöhenlage durch Wald und an diversen Wasserläufen vorbei. Heute plätschert jedoch nur wenig Wasser den Berg herunter und wir nehmen uns vor, mal in Zeiten der Schneeschmelze zurückzukehren.

Der Weg ist ziemlich breit und eintönig, aber zum Glück sind die Bäume noch nicht belaubt und wir haben schöne Ausblicke ins Autal. Im Sommer fänden wir den Weg oben an der Albkante vermutlich schöner, aber wir wollen mal nicht meckern – hier lässt es sich gut wandern!

Kurz vor dem Aufstieg zum Kahlenstein laufen wir durch eine typische Alblandschaft, der Wachholderwiese. Auf dieser steilen Trockenwiese haben wir vor zwei Wochen noch einige fleischige Kuhschellen entdeckt – aber heute sind sie schon verblüht.

Beim steilen Aufstieg kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Oben angekommen ruhen wir uns auf einer Bank über dem Fels aus und genießen ein Käsebrot, Tee und den weiten Ausblick über das Tal. Eine Wandervesper – das hatten wir auch schon lange nicht mehr!

Ab hier sind wir schon auf dem „Homerun“: Der Weg zum Ostlandkreuz ist eine unserer Haustouren und wir kennen den Weg im Frühling. im Sommer, im Herbst und im Winter. Uns schockiert jedoch, wie viel Müll am Ostlandkreuz herumliegt. Scheinbar fahren die Leute am Burgerking im Tal vorbei, parken hier oben und verspeisen mit Blick auf Geislingen ihre Burger und Fritten. Den Müll wollen sie dann natürlich nicht mitnehmen, sondern werfen ihn einfach neben die schon vollkommen überquellenden Mülltonnen. Der Wind trägt die Plastikverpackungen dann den halben Berg hinunter – Schockschwerenot!

Wir laufen korrekt auf dem offiziellen Weg nach Geislingen ein und vermeiden die Abkürzung über den Parkplatz. Interessant ist, dass wir die Wegwieser am Stadtbach früher nie bemerkt haben. Heute aber sehen wir unser Städle mit den Augen von Wandertouristen. Schön ist es hier!

Nett, dass das Café in der Fußgängerzone heute leckere Erdbeerschnitten verkauft und unsere Wanderung somit mit Milchkaffee und Kuchen auf der eigenen Terrasse enden kann. Eigentlich sind wir sonst über Ostern immer bei meinen Eltern in Ostwestfalen – Merkwürdig ist das schon, über Ostern zuhause zu bleiben – aber der Kuchen ist lecker!

Wer sich für den kompletten Wegverlauf des Albtraufgängers interessiert – hier ist die Tour auf „Outdooractive:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/schwaebische-alb/albtraufgaenger/11439272/

Schöne Ostern euch allen! 🙂

12 Antworten auf “Auf dem Albtraufgänger – Etappe 5, Teil 1”

  1. Schön wieder einen tollen Beitrag von euch zu lesen 😊. Freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Sehr gerne würde ich wieder mehrere Tage wandern, am liebsten auf dem Donauberglandweg, aber das ist gerade schwierig, wenn man nicht im Wald schlafen will 😉.
    Frohe Ostern auch von mir und bleibt gesund
    Inga

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  2. Ach, der Donauberglandweg! Viele Schleifen, aber toll! Den sind wir 2012 gelaufen. Hoffen wir mal, dass bald die Gasthöfe und Hotels wieder öffnen. Grün ist der Frühling und die Hoffnung! 😆

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  3. Ach herrlich – wie schön, mal wieder durch euer schönes Zuhause zu streifen! Das tut wirklich gut.
    Und den Ansatz, mal die eigenen Haustürwege aus den Augen von Wanderern zu sehen, ist auch immer bereichernd – beim Entdecken neuer Perspektiven genauso wie bezüglich sonst übersehener Beschilderungen 🙂
    Bin gespannt, wann ihr weiterlauft.
    Kleine Randnotiz, vielleicht ja interessant für euch. Susi und Frank von heimat-verliebt machen gerade für ihren Podcasts eine Reihe von Interviews über Fernwandern auf der Alb und suchen Wanderer. Da hättet ihr doch sicher auch einiges beizutragen? Am kommenden Donnerstag geh ich mit ihnen noch mal über den Albsteig 🙂

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  4. Ach, das ist ja interessant! Hab mir gleich die Seite angesehen!
    Übernächste Woche haben wir Urlaub, und da wir ja nicht verreisen können, geht es dann weiter mit dem Albtraufgänger!
    Liebe Grüße
    Steffi

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