Tag 59: Keld nach Bowes (Bowes Loop)

Beim Frühstück sind wir heute morgen die einzigen Gäste – so spät ist es schon im Jahr!

So hat unser Wirt Zeit, sich ein wenig mit uns zu unterhalten. Er ist sehr erstaunt, dass wir den Pennine Way laufen und nicht den Coast-to-Coast-Walk, der auch durch Keld führt. Seiner Statistik nach seien nur ca. zehn Prozent der Wanderer in der Lodge PW-Walker. Die große Mehrheit seien Coast-to-Coaster, dabei sei doch der Pennine Way „the real thing“ und seiner Meinung nach viel schöner. Wir aber können uns noch nicht entscheiden: Der Coast-to-Coast-Walk hat uns auch sehr gut gefallen!

Das Wetter heute Morgen sieht durchwachsen aus. Als wir schweren Herzens aus der Lodge aufbrechen, fängt es leicht zu regnen an. Zunächst verbringen wir einige Zeit am Catrake Force. Weil es auch in der Nacht reichlich geregnet hat, läuft eine erkleckliche Menge Wasser die Stufen herunter. Eine sehr hübsche Kaskade!

Nach dem Fällen geht es den Berg hinauf und wir haben eine schöne Aussicht zurück auf Keld und die Lodge. Ein bisschen sehnen wir uns zurück in die warme Stube der Lodge, denn im Moment ist es ziemlich ungemütlich – und es wird noch viel ungemütlicher werden! 🙂

Der heutige Tag wird uns als ein ganz besonderer in Erinnerung bleiben: Der Tag des wadentiefen Gepatsches! Aber eins nach dem anderen ..

Unsere erste Station für heute heißt Tan Hill Inn. Heute wartet der Pennine Way mit einer Besonderheit auf: Es wird voraussichtlich ein Zweitfrühstück geben!

Schon sechs Kilometer nach Keld werden wir auf das ausgesprochen isolierte Gasthaus treffen. Aber bis dahin patschen wir auf einem grasigen Pfad immer in Sichtweise zur Straße von Keld zum Tan Hill Inn. Der Weg ist aufgeweicht und immer wieder müssen wir über riesige Pfützen springen, denn der Pfad ist ausgesprochen nass. Die Straße sieht von unserer Warte sehr wenig befahren aus und wir fragen uns ernsthaft, warum wir nicht die Straße genommen haben. Aber die Macher des Weges haben sich nun mal für diesen matschigen Hang entschieden, also wollen auch wir nicht vom Wege abweichen …

Im Verlauf des Vormittags kommt jedoch immer wieder mal die Sonne raus -und verwandelt das graue Grasland in eine Farbenmeer aus Gelb, Orange und Moosgrün. Pennine at It’s best!

An der Straße angekommen trauen uns kaum, mit unseren patschnassen Füßen das Inn zu betreten. Nach unserem Eintritt bemerken wir jedoch schnell, dass wir uns übertriebene Sorgen gemacht haben – das Inn ist  .. nun, in welche Worte soll ich es kleiden .. ein ausgesprochen rustikaler Ort!

Gleich bei unserem Eintritt rennen drei große Hunde auf uns zu. Es riecht durchdringend nach nassem Hund – oje! Im dämmrigen Innern des Inns erkennen wir nach und nach verschiedene Menschen, die an der Theke und an den Tischen sitzen – allesamt Besitzer von mindestens zwei nassen, schmutzigen Exemplaren!

Zumindest Steffi ist es unbegreiflich, dass man so früh morgens schon Bier trinken kann. Die Gäste dieses rustikalen Ortes tun es jedoch allesamt. Und wir wissen auch schnell, warum – die Kaffeemaschine ist kaputt!

Wir können jedoch einen löslichen Kaffee bekommen. Den ziehen wir dem Bier vor, aber lecker ist was anderes!

Auch wenn dies der angeblich höchstgelegene Pub Englands ist – wir sind froh, dass wir hier nicht übernachtet haben …

Nach dem Tan Hill Inn beginnt das Abenteuer. Sieben lang Kilometer führt der Weg – ähhh .. welcher Weg? … durch eine matschige Graswüste. Zu Beginn versuchen wir noch von Bult zu Bult zu springen, aber bald geben wir es auf. Auf der Karte ist sogar ein Fahrweg eingezeichnet, der aber nun gar nicht zu erkennen ist. So bahnen wir uns unseren eigenen Weg durch knöcheltiefes Wasser – und dies ist wenigstens sauber! Aber sieben Kilometer können soooo lang sein. Bis an unsere Lebensende werden wir andere matschige Wegpassagen wohl mit diesem Abschnitt des PWs vergleichen: „Weißt du noch, als wir nach dem Tan Hill Inn in der Graswüste versunken sind?“

Ab Sleightholme Farm haben wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen und biegen kurz danach von der Hauptroute des Pennine Way nach Bowes ab. Der Pennine Way teilt sich hier in zwei offizielle Routen: Die eine führt direkt zum Balderhead Reservoir, die andere macht einem Umweg über den kleinen Ort Bowes. Der Vorteil ist hierbei jedoch, dass es in Bowes das „Ancient Unicorn Inn“ gibt und somit eine Übernachtungsmöglichkeit, ein Abendessen und ein gutes Pint!

Unsere letzten fünf KIlometer führen uns auf größtenteils festen Schotterwegen immer am River Greta entlang. Insgesamt ein schöner, gemütlicher Nachmittagsspaziergang, der uns bis zur Ruine des Bowes Castles führt. Das Castle ist insgesamt ziemlich klein und recht verfallen, aber schön einsam und auf einer Bank in der Sonne essen wir ein paar Kekse und trinken unseren Rest Tee aus. Ein erfolgreicher Wandertag geht zu Ende – und einer, an dem ein richtiges Pennine Way-Gefühl aufgekommen ist! 🙂

Steffi checkt ja immer schon lange im Voraus mögliche Tagesstrecken und Übernachtungsmöglichkeiten. So hat sie wohl registriert, dass das Unicorn Inn in der Vergangenheit keine gute Kritiken bekommen hat – aber in letzter Zeit plötzlich positiv bewertet wurde  … aha, Betreiberwechsel!

So sind wir ausgesprochen positiv vom Unicorn Inn beeindruckt. Das Inn ist wie ein alter Kutscher-Hof angelegt: Links liegt das Inn, geradeaus die Betriebsgebäude, rechts die „Ställe“, die heutzutage zu Zimmern umgebaut sind. So wohnen wir schön abgelegen vom Lärm der Gaststätte, unser Zimmer ist zudem sehr schön und groß!

Wir können uns gaaar nicht über das Ancient Unicorn Inn beschweren, denn das Essen ist auch gut. Der Laden brummt und wir fallen heute am Freitagabend beim Abendessen unter den ganzen Einheimischen gar nicht auf. Was den Preis angeht, ist dies eher eine der günstigeren Unterkünfte: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut!

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