Tag 88: Callander nach Strathyre

Wieder keine besondere Herausforderung heute: Die Karte verspricht erneut viel Straße und wenig Steigung (150 Meter Anstieg im Verlauf des Tages). Wer hätte das gedacht, dass Friedel und ich uns so unterfordert fühlen würden?

Zunächst geht es auf einem alten Eisenbahntrack aus Callander hinaus und in den Wald. Bevor wir den Wald erreichen, gibt es noch einen schönen Blick auf Ben Ledi. Schon kurz vor Kilmahog weist uns ein Schild am Weg darauf hin, dass der Weg nach Strathyre wegen Bauarbeiten gesperrt sein soll: Was? Wo sollen wir den dann lang gehen? Etwa an der vielbefahrenen A84 entlang? Nix da! Wir vertrauen darauf, dass wir schon irgendwie durchkommen werden. Sollten wir  von irgendwelchen Bauarbeitern angemeckert werden, vertrauen wir darauf, dass sie bei uns dummen Ausländern Milde walten lassen.

Wir checken noch, ob es links vom Loch Lubnaig irgendwelche Möglichkeiten geben könnte, uns auf den Berg zu schlagen, aber wir sehen keine: Entweder wir entscheiden uns spätestens in zwei Kilometern, uns auf die andere Seeseite und damit auf die A-Road zu begeben, oder wir bleiben stur auf unserem Eisenbahntrack – Koste es, was es wolle! Natürlich halten wir uns an den RRW und bleiben links vom See…

Unser Weg verläuft größtenteils parallel zum Radweg Nr 7. Wir treffen kaum Wanderer, aber durchaus Radfahrer – auch aus der uns entgegenkommenden Richtung. Das lässt uns vermuten, dass wir weiter kommen. Also vorwärts!

An den Strathyre Forest Cabins gibt es ein Café, das sogar geöffnet hat. Yeah! Wir freuen uns über die Kaffeepause, zumal es Plätze auf der Terrasse gibt. Wir stellen uns vor wie es wäre, in so einem Luxus-Blockhaus wie dort eine Woche Urlaub zu machen. Wäre uns da nicht grässlich langweilig? Ja und nein. Am See zu sitzen, zu lesen und hin und wieder einen Kaffee zu schlürfen wäre auch nicht schlecht. Aber eine Woche wäre uns definitiv zu lang.

Niemand von der Forstbehörde ermahnt uns, dass es nicht weiter geht. Also geht es für uns weiter. Die Sonne lacht, und trotz der geringen Steigung kommen wir gegen Mittag sogar etwas ins Schwitzen.

Loch Lubnaig ist hübsch, ohne Zweifel. Aber das richtige Wildnis-Gefühl will nicht aufkommen – dafür ist der Weg zu breit, zu glatt, und die A-Road brummt von der anderen Seeseite her. Außerdem verläuft am gesamten See entlang eine Stromleitung. Nicht nur, dass die Kabel neben uns verlaufen – Nein, immer wenn der Weg unter der Leitung verläuft, wird die Höhe der Durchfahrt mit fetten gelben „Toren“ markiert, die wohl Forstfahrzeuge auf die Leitungen aufmerksam machen sollen.

Wir traben ansonsten ohne weitere Zwischenfälle am Seeufer entlang. Einmal passieren wir eine kleinen Bagger, der uns aber bereitwillig vorbeigehen lässt. Das muss die große Baustelle sein, für die der ganze Weg „Attention!“ gesperrt wurde!?

Der Weg führt uns größtenteils auf dem alten Bahntrack entlang durch Wald. Überhaupt, der Wald: In England hatten wir nicht so viel davon. Hier haben wir einige auch längere Passagen durch Waldgebiete. Wenn der Wald intakt ist, sind die Wege hindurch oft sehr abwechslungsreich und schön: Der Waldboden ist bedeckt mit Moosen in verschiedenen Farben, außerdem gibt es Blaubeerbüsche, Farne … aber so früh, wie wir dieses Jahr unterwegs sind, sind die Farne noch gar nicht so richtig „entrollt“. Immer wieder stellen wir uns vor, wie hübsch so mancher Farnwald wohl später im Jahr aussehen würde.

Als der See zu Ende ist, verläuft der Weg eher langweilig zwischen eingezäunten Wiesen bis nach Strathyre. Erstmalig fällt uns hier auf, dass es gar nicht unbedingt die Teer- bzw. Schotterstraßen sind, die uns so stören: Links und rechts der Straßen und Wege sind die Wiesen leider meistens eingezäunt. Das hemmt den Blick und vor alle auch das Gefühl von Weite. Auch wenn der Blick weit bis auf die umliegenden Berge schweifen kann: Wenn direkt neben einem links und rechts Zäune verlaufen, das stört irgendwie!

In Strathyre gibt es nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten, so dass ich uns rechtzeitig im „Ben Sheann“ zwei Zimmer reserviert habe. Die Kritiken waren nicht so überragend, aber das kleine Hotel entpuppt sich als Kleinod.

Die Zimmer sind sehr hübsch dekoriert und die Besitzerin ist sehr freundlich. Wir verbringen einen netten Abend im kleinen Restaurant des Hotels. Es gibt nicht viel Auswahl auf der Speisekarte, aber das Essen ist lecker und ansprechend. So mögen wir es, gemütlich und nicht zu „posh“. Die Lage des Hotels direkt an der dichtbefahrenen Durchgangsstraße stört etwas, aber zum Glück haben wir Zimmer nach hinten heraus.

 

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